19.12.1978

11.95.4-11-4

Einheitsbezeichnung der Flöze

A 2.30


An die Bergämter und Markscheider des Landes NW

Betr.: Einheitsbezeichnung der Flöze und Grubenbild


In Zusammenarbeit mit dem Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen, der Westfälischen
Berggewerkschaftskasse sowie den Arbeitskreisen 'Markscheiderische Grundlagen' und 'Geologie'
im Fachausschuß 'Markscheidewesen' beim Steinkohlenbergbauverein konnte die Flözgleichstellung
im Ruhrkarbon insoweit abgeschlossen werden, als nunmehr die Übernahme der Einheitsbezeichnung
der Flöze in das Grubenrißwerk erfolgen kann.

Bei der Übernahme der Einheitsbezeichnungen ist folgendes zu beachten:

  1. Im bestehenden Grubenrißwerk bleiben die Zechenbezeichnungen der Flöze erhalten.
     
  2. Auf dem Titelblatt des jeweiligen Rißwerks ist neben einem Normalschnitt durch die
    Schichtenfolge die für diese Darstellungen zutreffende Gegenüberstellung der Einheits-
    bezeichnung gegen die Zechenbezeichnung einzutragen. Das Datum der Verfügung des
    Landesoberbergamts, der die Gegenüberstellung entnommen wurde, ist anzugeben.
  3. Bei Anträgen an die Bergbehörde ist auf den Auszügen aus dem Grubenbild sowohl
    die Einheitsbezeichnung mit dem Zusatz '(EB)' als auch die Zechenbezeichnung,
    letztere ohne Zusatz, anzugeben, sofern diese voneinander abweichen.
  4. Bei Errichtung eines neuen Bergwerks mit einem eigenen Grubenbild sind grundsätzlich
    die Einheitsbezeichnungen für die Benennung der Flöze zu verwenden, falls nicht
    schwerwiegende Gründe dem entgegenstehen.
  5. Sollte die Änderung der im Anhang festgelegten Einheitsbezeichnung eines Flözes
    auf Grund neuer stratigraphischer Erkenntnisse notwendig sein, so ist dies dem
    Landesoberbergamt mitzuteilen. Eine Änderung der Einheitsbezeichnung kann erst
    erfolgen, wenn die Zustimmung des Landesoberbergamts vorliegt. Der Anhang enthält
    ein Inhaltsverzeichnis sowie eine im Bedarfsfalle zu ergänzende tabellarische Gegen-
    überstellung der Einheitsbezeichnung gegen die jeweilige Zechenbezeichnung der Flöze.

Dortmund, den 19.12.1978

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



Anhang*)

Inhaltsverzeichnis

 

In der jeweiligen Tabelle oben rechts angegebene Kennziffer

1.

 Bergbau AG Niederrhein

 

1.1

Schachtanlagen:

 

 

Alstaden

2.5

 

Fr. Haniel/Jacobi

11.1-11.3

 

Friedrich Heinrich

1.1-1.3, 2.4

 

Hugo Haniel

8.1-8.3

 

Lohberg

6.6, 6.7, 7.1-7.5

 

Mevissen

5.1, 5.2

 

Niederberg

2.1-2.5

 

Osterfeld

6.8-6.10, 7.4, 7.5, 9.6, 9.7

 

Pattberg

3.3, 3.4

 

Prosper

12.1-12.3

 

Prosper/Haniel

8.1-8.3, 9.1-9.7

 

Rheinland

3.1, 3.2, 3.8

 

Rheinpreußen

3.3-3.7, 4.1-4.3

 

Rossenray

2.1-2.3, 3.3, 3.4

 

Thyssen/Thyssen 2/5

6.1-6.10

 

Walsum

6.1-6.7

 

 

 

1.2

Tiefbohrungen:

 

 

Hinsenberg 1

7.1-7.3

 

Lippermulde 1

9.1-9.3

 

Lippermulde 2

10.1-10.3

 

Lippermulde 3

10.1-10.3

 

Nordlicht Ost 1

9.1-9.3

 

Nordlicht Ost 2

10.1-10.3

 

Prosper 5

8.1-8.3

 

Schwarzer Bach 5

7.1-7.3

 

 

 

2.

Bergbau AG Lippe

 

2.1

Schachtanlagen:

 

 

Carl Funke

13.1

 

Consolidation

18.1-18.3

 

Dahlhauser Tiefbau

13.1

 

Ewald

15.1, 15.2, 16.1, 16.2

 

Friedr. der Große

17.1, 17.2, 18.3

 

General Blumenthal

16.1, 16.2

 

Graf Bismark

14.1, 14.2, 15.1, 15.2

 

Hannibal

19.1, 19.2

 

Hannover

19.1-19.3

 

Hugo

14.1, 14.2

 

Katharina

19.3

 

Königin Elisabeth

19.3

 

Mont Cenis

20.1, 20.2

 

Pörtingsiepen

13.1

 

Recklinghausen

16.1, 16.2, 17.1, 17.2

 

Schlägel und Eisen

14.1, 14.2

 

Unser Fritz

18.1, 18.2

 

Ver. Constantin der Große

18.3, 20.1, 20.2

 

 

 

3.

 Bergbau AG Westfalen

 

3.1

Schachtanlagen:

 

 

Grimberg 3/4

21.1-21.3

 

Haus Aden

21.1-21.3

 

Heinrich Robert

23.1-23.3

 

Königsborn

22.1-22.3

 

Monopol

22.1-22.3, 24.1, 24.2

 

Radbod

25.1-25.3

 

Sachsen

25.1-25.3

 

Werne

23.1-23.3, 24.1, 24.2

 

 

 

3.2

Tiefbohrung:

 

 

Overberge 1

24.1, 24.2

 

 

 

4.

Gewerkschaft Auguste Victoria

 

4.1

Schachtanlage:

 

 

Auguste Victoria

26.1-26.9.

*) Die im Anhang abgedruckten tabellarischen Gegenüberstellungen sind eine Reproduktion
   der Originale des Geologischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen und der Westfälischen
   Berggewerkschaftskasse Bochum.



1.1


1.2


1.3



2.2

2.4






3.4



3.6





4.1


4.2


4.3




5.2













































26.1

26.2

26.3

26.5

26.7




03.03.1982

71.1-1-34

Anerkennung von Markscheidern

A 2.30


An die Bergämter und Markscheider des Landes NW

Betr.: Anfertigung und Nachtragung des für untertägige Aufsuchungs- und Gewinnungsbetriebe
          vorgeschriebenen Rißwerks

hier: Gleichsetzung bisher erteilter Erlaubnisse mit einer Anerkennung i.S. des § 64 Abs. 1 Satz 1 BBergG

Nach § 64 Abs. 1 Satz 1 des Bundesberggesetzes (BBergG) vom 13.8.1980 (BGBl. I S. 1310)
in Verbindung mit § 1 Abs. 2 Nr. 11 der Verordnung über die Zuständigkeiten nach dem
Bundesberggesetz vom 5.1.1982 (GV. NW. S. 2) muß das für untertägige Aufsuchungs- oder
Gewinnungsbetriebe vorgeschriebene Rißwerk von einem vom Landesoberbergamt anerkannten
Markscheider angefertigt und nachgetragen werden. Sofern diese Tätigkeiten von Markscheidern
ausgeführt werden, die eine auf Grund des Gesetzes über die Zulassung als Markscheider vom
27.7.1961 (SGV. NW. 75) erteilte oder aufrechterhaltene Erlaubnis haben, gilt diese als
Anerkennung nach § 64 Abs. 1 Satz 1 BBergG.

Dortmund, den 3.3.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s




25.10.1982

74.32-2-3

Berechnung der Flächen
von Bergbauberechtigungen
Grundsätze

A 2.30


An die Markscheider des Landes NW

Bei der Berechnung der Flächen von Bergbauberechtigungen unter Verwendung von Gauss-Krüger-Koordinaten
tritt eine Flächenvergrößerung infolge der Abbildungsverzerrung auf.

Die erforderliche Flächenreduktion vF in m2 errechnet sich aus der Formel

vF = F . (yM2 /r2 ) [m2 ]


Es wird um Kenntnisnahme gebeten.

Dabei bedeuten:

F = berechnete Fläche mit m2 ;

yM = Abstand der Fläche vom Mittelmeridian; yM wird errechnet als arithmetisches Mittel aus allen Rechtswerten der
für die Flächenberechnung verwendeten Eckpunktkoordinaten unter Fortlassung der Kennziffern;

r = mittlerer Krümmungshalbmesser 6 381 000 m für die mittlere Breite von Deutschland.


Dortmund, den 25.10.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s




04.04.1984

72.2-4-37

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes NW

Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk


Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen

DIN 21918     Bergmännisches Rißwerk; Lagerstätten; Begriffe,Einteilung (August 1980)

DIN 21901 -; Aufbau und Übersicht der Normen; Allgemeine Grundsätze (Februar 1984)

Beiblatt 1 zu

DIN 21901 -; Inhaltsübersicht (Februar 1984)

DIN 21904 -; Schriften (Februar 1984)

DIN 21905 -; Zeichnerische Grundlagen (Februar 1984)

herausgegeben.

Insoweit werden die in § 47 Abs. 1 der Markscheiderordnung vom 25. Oktober 1977 (GV. NW. S. 410)
genannten Normen ersetzt.


Dortmund, den 4.4.1984

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




16.03.1987

79.2-4-66

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes NW

Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk


Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Norm

DIN 21908 Bergmännisches Rißwerk; Farben

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 ist diese
Norm anzuwenden.


Dortmund, den 16.3.1987

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




19.10.1987

79.2-5-14

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes NW

Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Norm

DIN 21919 Teil 1 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Allgemeine Gliederung

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 ist diese
Norm anzuwenden.


Dortmund, den 19.10.1987

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




30.12.1988

79.2-5-32

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes NW

Betr.: DIN 21900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen

DIN 21913 Teil 13 Bergmännisches Rißwerk; Speicherung und Endlagerung in Grubenbauen

und

DIN 21920 Teil 1 Bergmännisches Rißwerk; Petrographie; Allgemeingültige Zeichen; Sedimente

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 ist diese Norm
anzuwenden.


Dortmund, den 30.12.1988

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




09.01.1990

79.2.5-42

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: DIN 21 900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen

- DIN 21 909 Bergmännisches Rißwerk; Vermessungspunkte und -linien;

- DIN 21 919 Teil 2 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Regionale und lokale Gliederungen;
   Steinkohle;

- DIN 21 919 Teil 3 Bergmännisches Rißwerk; Stratigraphie; Regionale und lokale Gliederungen;
   Braunkohle;

- DIN 21 911 Bergmännisches Rißwerk; Tagesgegenstände;

- DIN 21 913 Teil 2 Bergmännisches Rißwerk; Tiefbau; Abbau und Versatz;

- Beiblatt 1 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen;
   Inhaltsübersicht;

- Beiblatt 2 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen;
   Verzeichnis der Kurzformen;

- Beiblatt 3 zu DIN 21 901 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen;
   Stichwortverzeichnis;

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 sind
diese Normen anzuwenden.


Dortmund, den 9. Januar 1990

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r



13.11.1990

79.1-3-7

Automatisierte Führung des Rißwerks
Grundsätze

A 2.30


An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Grundsätze für die automatisierte Führung des Rißwerks (GAFRIS)

Der Länderausschuß Bergbau hat den Ländern die Einführung der folgenden Grundsätze
für die automatisierte Führung des Rißwerks (GAFRIS) empfohlen.

Die Grundsätze werden hiermit bekanntgemacht. Eine Überprüfung ist nach einer
Anwendungszeit von ca. zwei Jahren vorgesehen.

Dortmund, den 13.11.1990

Landesoberbergamt NW
In Vertretung:

v. B a r d e l e b e n



G r u n d s ä t z e
für die automatisierte Führung
des Rißwerks
(GAFRIS)

Inhaltsübersicht

0 Vorbemerkungen

1 Das Rißwerk als Urkunde

2 Anwendung von Normen

3 Richtigkeit

4 Übersichtlichkeit und Lesbarkeit

5 Vollständigkeit

6 Nachvollziehbarkeit

7 Nachtragungen und Änderungen

Anlagen

1 Begriffsbestimmungen

2 Hinweise

 

0. Vorbemerkungen

Der Einsatz der graphischen Datenverarbeitung (GDV) für die Führung (Anfertigung und
Nachtragung) rißlicher Darstellungen im Bergbau führt über eine digitale Rißwerks-Datenbasis
(DRDB) zum Rißwerk gem. § 63 Bundesberggesetz (BBergG). Vom Aufbau der DRDB bis
zur Anfertigung des Rißwerks müssen die Forderungen der Markscheider-Bergverordnung
(MarkschBergV) hinsichtlich Richtigkeit, Übersichtlichkeit, Lesbarkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit
und Nachvollziehbarkeit erfüllt sein.

Die 'Grundsätze' dienen der Erläuterung der einschlägigen Bestimmungen der MarkschBergV
im Hinblick auf die automatisierte Führung des Rißwerks. Sie werden entsprechend der künftigen
Entwicklung im ADV-Bereich und den gesammelten Erfahrungen fortgeschrieben.

1. Das Rißwerk als Urkunde

Bei der Führung des Rißwerks gem. § 63 BBergG ist zu gewährleisten, daß der Urkunds-
charakter des Rißwerks jederzeit erhalten bleibt.

Zur Erfüllung der Anforderungen, die an eine öffentliche Urkunde gestellt werden
(s. § 415 Zivilprozeß-Ordnung), muß das Rißwerk den Formvorschriften der MarkschBergV
entsprechen. In den nachfolgenden Abschnitten der 'Grundsätze' werden diese Formvorschriften
in bezug auf eine automatisierte Führung des Rißwerks näher erläutert.

2. Anwendung von Normen (§ 2 Abs. 1 MarkschBergV)

Bei der Führung des Rißwerks sind die Norm DIN 21 901 und die in deren Rahmen aufgestellten
weiteren Normen anzuwenden.

Die Darstellung der durch die Normen vorgegebenen Zeichen ist softwaremäßig zu lösen.
Abweichungen von den Normen sind auf begründete Einzelfälle zu beschränken.

3. Richtigkeit (§ 2 Abs. 3 u. 4 MarkschBergV)

Die Richtigkeit der rißlichen Darstellung setzt eine geeignete Datenerfassung sowie den Einsatz
aufeinander abgestimmter und geprüfter Hard- und Software voraus.

Bei der Erfassung alphanumerischer Daten sind geeignete Methoden (z.B. unabhängige
Mehrfacherfassung) und/oder programmgesteuerte Eingabekontrollen (Plausibilitätsprüfungen)
anzuwenden. Bei der Digitalisierung ist eine dem Zweck entsprechende Genauigkeit einzuhalten.
Die Programme bzw. Programmsysteme, die zur Anfertigung rißlicher Darstellungen verwendet
werden, sind vor dem Ersteinsatz bzw. bei Programmänderungen (z.B. Releasewechsel)
durchgreifend zu testen.

Die Sicherstellung der Richtigkeit rißlicher Darstellungen betrifft auch die Datensicherheit
im DV-Bereich. Daher wird diese unter 'Hinweise' (s. Anlage 2.2) besonders behandelt.

4. Übersichtlichkeit und Lesbarkeit (§ 2 Abs. 3 MarkschBergV)

Für die automatisierte Führung des Rißwerks wird der Einsatz von Programmsystemen
empfohlen, die eine interaktive Bearbeitung am graphischen Arbeitsplatz (GIAP) erlauben,
da hinsichtlich der Plazierung von Symbolen, Beschriftungen usw. Gestaltungsbedürfnisse
bestehen, deren automatisierte Lösung durch Algorithmen oder Vorbestimmung nur teilweise
möglich ist.

Bei der Ausgabe darf es nicht zu Überdeckungen von Informationen kommen, die die
Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des Rißwerks herabsetzen.

5. Vollständigkeit (§ 2 Abs. 4 MarkschBergV)

Bei der Ausgabe muß gewährleistet sein, daß alle rißwerksrelevanten Informationen eines
Bereiches dargestellt werden. Abschnitt 4 bleibt unberührt.

Die Übernahme fremder Unterlagen auf Datenträgern ist - je nach Art der Unterlagen -
nur zusammen mit einer rißlichen Darstellung bzw. einem Ausdruck in verständlicher Klarschrift
statthaft. Dies gilt auch für Darstellungen und Verzeichnisse nach § 9 Abs. 5 MarkschBergV.
Diese Unterlagen sind wie Niederschriften nach § 7 Abs. 2 MarkschBergV zu behandeln.

Die Sicherstellung der Vollständigkeit rißlicher Darstellungen betrifft auch die Datensicherheit
im Datenverarbeitungs-Bereich. Daher wird diese unter 'Hinweise' (s. Anlage 2.2) besonders
behandelt.

6. Nachvollziehbarkeit

Die rißlichen Darstellungen sind von einem Urriß abzuleiten, wenn die Nachvollziehbarkeit
des Inhalts nicht auf andere Weise sichergestellt ist (§ 9 Abs. 1 Satz 3 MarkschBergV).

Die Nachvollziehbarkeit erstreckt sich sowohl auf den dargestellten Inhalt als auch auf alle
Bearbeitungsgänge, die Einfluß auf das Zustandekommen des Inhalts haben. Dieses setzt
eine Informationskette von der Datenerfassung bis zur Darstellung voraus. Dies gilt auch
für Datenerfassung durch Digitalisieren.

Die Rißwerksdaten sind redundanzfrei zu speichern, um die Datenkonsistenz zu sichern.
Deshalb dürfen sie lediglich in einer Datenbasis (DRDB, s. Anlage 1) abgespeichert werden,
so daß sie jeweils in der aktüllen Form vorliegen. Sind in dieser Datenbasis auch andere Daten
(z.B. betrieblicher Art) enthalten, ist durch softwaretechnische Maßnahmen sicherzustellen,
daß der schreibende Zugriff auf Rißwerksdaten nur Personen nach § 64 Abs. 1 BBergG
und den von diesen autorisierten Mitarbeitern möglich ist.

Auf die verwendete Hard- und Software sind die für Niederschriften maßgeblichen
Vorschriften der Anlage 2 Nrn. 2.1.1.3, 2.2.1.2 und 2.3.1.1 MarkschBergV entsprechend
anzuwenden. Dazu erforderliche Aufzeichnungen können im Rahmen einer 'Dokumentation
über die automatisierte Führung des Rißwerks' (s. Anlage 2.1) erfolgen. Die Unterlagen
sind wie Verzeichnisse nach § 14 Nr. 2 Buchstabe b MarkschBergV zu behandeln.

7. Nachtragungen und Änderungen

Nachtragungen (§ 10 Abs. 1 MarkschBergV) sowie Änderungen (§ 2 Abs. 4 Satz 3
MarkschBergV) des automatisiert geführten Rißwerks werden analog der Nachtragung
des Betriebszustandsrisses (§ 9 Abs. 3 MarkschBergV) durchgeführt. Wird bei
Nachtragungen des Rißwerks der alte Datenbestand nicht überschrieben, sondern
lediglich erweitert oder führt die Änderung des Datenbestandes nicht zu einer
ausgabetechnisch darstellbaren Änderung des Rißinhalts, kann auf die Anfertigung einer
dauerhaften Kopie (§ 9 Abs. 3 MarkschBergV) verzichtet werden. Änderungen der
Plazierung von Symbolen, Beschriftungen usw., die der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des
Rißwerks dienen, stellen keine Veränderungen im Sinne von § 9 Abs. 3 MarkschBergV dar.

Für die Änderungen von Rißwerksdaten nach § 9 Abs. 3 MarkschBergV kommen
beispielsweise folgende Vorgehensweisen in Betracht:


  1. - von dem betreffenden Blatt wird eine Arbeitsdatei eingerichtet;
    - das Blatt wird ausgegeben und beim Rißwerk aufbewahrt;
    - die veralteten Teile werden in der Arbeitsdatei gelöscht;
    - die aktualisierte Arbeitsdatei wird in die DRDB zurückgeschrieben;
    - im Titel des Folgeblattes wird die lfd. Nummer der Änderung eingetragen;
     
    oder

  2. - von dem zu ändernden Bereich wird ein zuordnungsfähiger Auszug mit
       Koordinatenangaben im Maßstab des Rißwerks hergestellt, der die alte
       Darstellung, den Namen des Bearbeiters, Datum und Uhrzeit der Ausgabe
       sowie den Titel des Blattes enthält;
    - die Blätter der Änderungsdokumentation werden fortlaufend numeriert und
       gem. § 2 Abs. 5 MarkschBergV unterzeichnet;
    - die Zuordnung der Änderungen wird durch Angabe der lfd. Nummern der
       Änderungsdokumentation auf dem geänderten Blatt des Rißwerks sichergestellt.



Anlage 1


Begriffsbestimmungen


Arbeitsdatei

Temporäre Datei, die zum Zwecke der Bearbeitung von Teilen der DRDB eingerichtet wird.


Datensicherheit

Datensicherheit ist der DV-technische Begriff für einen Zustand, in dem Daten, Programme,
DV-Verfahren und -Anlagen gegen Mißbrauch, Verfälschung, Verlust und Zerstörung geschützt
oder durch geeignete Vorkehrungen wiederherstellbar sind.


Datensicherung

Datensicherung ist die Summe aller Regeln und Maßnahmen, die Daten und DV-Systeme in ihrem
Bestand und in ihrer Verfügbarkeit erhalten und ihre unberechtigte Verwendung verhindern. Sie
umschließt alle organisatorischen, technischen und programmtechnischen Maßnahmen, um die
Datenbestände, Systeme (Arbeitsabläufe) und Anlagen bzw. Einrichtungen (Gebäude, Räume,
DV-Anlagen, Stromversorgungs- und Klimaanlagen) der Datenverarbeitung gegen Fehler,
Mißbrauch und Katastrophen zu sichern.

Datensicherung im engeren Sinne bedeutet Sicherung der Datenbestände.

Digitale Rißwerks-Datenbasis (DRDB)

Der Begriff bezeichnet in den GAFRIS die Gesamtheit der Daten, die für das gesetzlich
vorgeschriebene Rißwerk (§ 63 BBergG) vorgehalten werden; es kann sich dabei auch um
ein Datenbanksystem handeln.



Anlage 2.1

Hinweise (1)

Dokumentation zur automatisierten Führung des Rißwerks



Anlage 2.2

Hinweise (2)

Datensicherheit





22.01.1992

79.2-6-13

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: DIN 21 900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen

- DIN 21 910: Bergmännisches Rißwerk; Rechte und Grenzen

- DIN 21 906: -; Blatteinteilungen

- DIN 21 913 Teil 5: -; Tiefbau; Sonderdarstellungen im Steinkohlenbergbau

- Beiblatt 1 zu DIN 21 901: -; Aufbau und Übersicht der Normen; Inhaltsübersicht

- Beiblatt 2 zu DIN 21 901: -; -; Verzeichnis der Kurzformen

- Beiblatt 3 zu DIN 21 901: -; -; Stichwortverzeichnis

- Beiblatt 1 zu DIN 21 906: -; Blatteinteilungen; Übersichten; Bundesrepublik Deutschland;
   Bundesländer; Stand 1.1.1990

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider-Bergverordnung vom 19. Dezember 1986
sind diese Normen anzuwenden.

Dortmund, den 22.1.1992

Landesoberbergamt NRW

S c h e l t e r




17.02.1994

79.2-6-30

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: DIN 21 900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
hat die Normen

- DIN 21 904 Bergmännisches Rißwerk; Schriften

- DIN 21 905 Zeichnerische Grundlagen

- Beiblatt 2 zu DIN 21 906 Blatteinteilungen; Übersichten; Bundesrepublik Deutschland,
   neue Bundesländer

- DIN 21 907 Blattgestaltung

- DIN 21 908 Farben

- DIN 21 912 Tagebau

- DIN 21 913 Teil 1 Tiefbau; Grubenbaue

- Beiblatt 1 zu DIN 21 913 Teil 1 Tiefbau; Grubenbaue; Erläuternde Angaben

- DIN 21 913 Teil 4 Tiefbau; Gefahren- und Schutzbereiche

- DIN 21 916 Teil 1 Betriebssicherheit; Wetterführung

- DIN 21 916 Teil 2 Betriebssicherheit; Brandschutz über Tage

- DIN 21 916 Teil 3 Betriebssicherheit; Brandschutz unter Tage

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider - Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 sind
diese Normen anzuwenden.


Dortmund, den 17.02.1994

Landesoberbergamt NRW

F o r n e l l i




05.07.1996

79.2-6-41

Anwendung neuer Normen

A 2.30


An die Markscheider des Landes NRW

Betr.: DIN 21 900 Neubearbeitung der Normen für das Bergmännische Rißwerk

Der Normenausschuß Bergbau (FABERG) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. hat die Normen

- DIN 21 901 -2 Bergmännisches Rißwerk; Aufbau und Übersicht der Normen;
                           Teil 2: Schnittstelle zur EDV-gestützten Übernahme von Zeichen des Bergmännischen
                           Rißwerkes

- DIN 21 903 -; Formate und Faltungen,

- DIN 21 914-1 -; Bohrungen und Kavernen; Teil 1: Bohrungen

- DIN 21 920-2 -; Petrographie; Teil 2: Magmatite

- DIN 21 920-3 -; Petrographie; Teil 3: Metamorphe und sonstige Gesteinsumbildungen

- DIN 21 920-4 -; Petrographie; Teil 4: Minerale

- DIN 21 920-5 -; Petrographie; Teil 5: Steinkohlenbergbau

- DIN 21 920-7 -; Petrographie; Teil 7: Kali- und Salzbergbau

- DIN 21 921 -; Tektonik und Formbeschreibung von Gesteinsschichten

herausgegeben.

Im Hinblick auf § 2 Abs. 1 der Markscheider - Bergverordnung vom 19. Dezember 1986 sind
diese Normen anzuwenden.

Dortmund, den 05. 07. 1996

Landesoberbergamt NRW

F o r n e l l i



23.12.1998

72.1-2-1

Richtlinien für das Leitnivellement

A 2.30

An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien für die Ausführung des Leitnivellements im Bezirk des Landesoberbergamts
         Nordrhein-Westfalen

Das Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit dem Landesvermessungsamt
Nordrhein-Westfalen neue Richtlinien für die Ausführung des Leitnivellements aufgestellt, die hiermit
bekanntgemacht werden. Sie ersetzen die Richtlinien vom 12. 10. 1978 - Gz.: 72.1-1-23 -, die
hiermit aufgehoben werden.

Die Abschnitte 2 und 3 sind auch bei Nivellements hoher Genauigkeit außerhalb der Messungen
des Leitnivellements zu beachten.

Dortmund, den 23. 12. 1998

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



Richtlinien
für die Ausführung des Leitnivellements
im Bezirk des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen

vom 23. 12. 1998

Herausgegeben vom Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen
und vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines

1.1 Aufgabe und Zweck
1.2 Messungsgebiete
1.3 Vorschriften
1.4 Aufbau der Leitnivellementnetze
1.5 Vorbereitung
1.6 Zeitplan

2 Instrumente und Geräte

2.1 Ausrüstung des Messtrupps
2.2 Prüfung der Instrumente und Geräte

3 Durchführung der Messung

3.1 Allgemeine Grundsätze
3.2 Überprüfung der NivP (Erkundung, Verfestigung und Stationierung)
3.3 Beobachtungsverfahren und zulässige Abweichungen (Grenzwerte)
3.4 Messungsniederschrift (Feldbücher, Instrumenten- und Lattenprüfungen)
3.5 Linienverzeichnis

4 Auswertung

4.1 Berechnung und Ausgleichung
4.2 Genauigkeit der Höhenbestimmung
4.3 Nachweis der Berechnungsergebnisse
4.4 Bekanntgabe der Ergebnisse

 

1 Allgemeines

1.1 Aufgabe und Zweck

Das Leitnivellement ist ein periodisch wiederholtes Nivellement in den Bergbaugebieten
Nordrhein-Westfalens.

Es dient der Erhaltung bzw. Erneuerung eines funktionsfähigen Nivellementpunktfeldes in den Gebieten,
in denen der Bergbau Höhenveränderungen verursacht.

1.2 Messungsgebiete

Das Leitnivellement erstreckt sich auf folgende Messungsgebiete:

a) das Rheinische Braunkohlen- und Aachener Steinkohlengebiet,
b) das Ruhrgebiet,
c) das Ibbenbürener Bergbaugebiet.

1.3 Vorschriften

Die Vorschriften des Runderlasses des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen
- III C 3 - 4412 - vom 29.06.1993 "Das Nivellementpunktfeld in Nordrhein-Westfalen (NivP-Erl.)"1)
gelten sinngemäß.

In Zweifelsfällen sind die Vorschriften des NivP-Erlasses maßgebend.

1.4 Aufbau der Leitnivellementnetze

1.4.1 Die einzelnen Netze des Leitnivellements bestehen aus

1.4.2 Der Linienverlauf soll für eine längere Zeitdauer nicht verändert werden, um zuverlässige
Vergleichswerte über die Größe der Höhenveränderungen, die Ausdehnung der
Senkungsgebiete und den zeitlichen Bewegungsablauf zu erhalten.

1.4.3 Der Abstand zwischen den Nivellementpunkten (NivP) innerhalb der Niv-Linie soll in
Ortslagen höchstens 300 m, außerhalb von Ortslagen höchstens 1500 m betragen. Er ist zu
verringern, wenn sich dies im Einzelfall zum besseren Erkennen des Bewegungsvorgangs
innerhalb eines begrenzten Gebietes als notwendig erweist.

1.4.4 Die für die Netzausgleichung zu benutzenden Anschlusspunkte, die möglichst außerhalb
des Einflussbereichs des Bergbaus liegen sollen, sind durch Überschlagnivellements
(Vergleichsmessungen) auf ihre unveränderte Höhe bei jeder Wiederholungsmessung von
Nachbarpunkten aus zu überprüfen.

1.4.5 Das Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen (LOBA) prüft vor jeder Wiederholungsmessung,
ob Netzveränderungen erforderlich sind, und legt diese im Einvernehmen mit dem
Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (LVermA) fest.

Dabei ermittelt das LOBA auch diejenigen Linienteile, die am stärksten von Senkungen betroffen
sind. Diese Strecken werden in einer NivP-Übersicht farbig gekennzeichnet und dem LVermA
bekanntgegeben.

1.5 Vorbereitung

Die Durchführung der Leitnivellements wird durch Vorbesprechungen zwischen dem LOBA und dem
LVermA eingeleitet, wobei die Erfahrungen aus dem vorhergehenden Leitnivellement und die sich in der
Zwischenzeit ergebenden neuen Gesichtspunkte für eine Ergänzung oder Änderung der Anzahl und des
Verlaufs der Linien berücksichtigt werden.

Im Anschluss daran werden die Teilnehmer des Leitnivellements über die Durchführung der Messungen
unterrichtet. Eine Arbeitsplanbesprechung mit allen Teilnehmern und Vertretern interessierter Stellen
veranlassen das LOBA und das LVermA nach Bedarf.

1.6 Zeitplan

Das LOBA stellt in Abstimmung mit dem LVermA einen Zeitplan auf, in dem Ort und Zeit des Einsatzes
aller Messtrupps festgelegt sind.

Der Zeitplan bezweckt die Koordinierung der Messungen der verschiedenen Trupps an den Knoten- oder
Übergangspunkten, um Fehler infolge zwischenzeitlicher Senkungen möglichst auszuschalten.

2 Instrumente und Geräte

2.1 Ausrüstung des Messtrupps

Die bei der Durchführung der Messung benutzten Instrumente und Geräte müssen die
Einhaltung der geforderten Genauigkeit (s. Nr. 3.3.4) gewährleisten.

Zur Ausrüstung gehören:

a) ein Kompensator- oder Libellennivellierinstrument nebst Stativ, mit dem eine Standardabweichung
    (Ss) von < ± 0,4 mm für ein Kilometer Doppelnivellement erreicht werden kann,
b) zwei 3-m-Invarbandlatten mit versetzter Strichteilung bzw. zwei 3-m-Invarband-Strichcode-Latten
    nach der Norm DIN 18717 (Ausgabe November 1996);
    zwei zugehörige Lattenlibellen sowie vier Haltestäbe,
c) zwei Lattenuntersätze mit einem Mindestgewicht von je 5 kg oder Eisenpfriemen mit Schlagbolzen,
d) Messrad, Messband oder andere geeignete Geräte für die Stationierung (entbehrlich beim Einsatz von
    Digitalnivellieren),
e) ein Feldschirm,
f) Handgefällemesser,
g) Sicherheits- und Warnausrüstung gemäß Nr. 2.2 und Nr. 2.3 des Gemeinsamen Runderlasses des
    Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr - 733 - 73 - 03/3 - und des
    Innenministeriums - III C 4 - 3812 - des Landes Nordrhein-Westfalen vom 31.01.1997
    "Durchführung  und Sicherung von Vermessungsarbeiten im Verkehrsraum öffentlicher Straßen"2),
    ergänzt durch den Erlass des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen
    - III C 4 - 9220 - vom 21.03.1997 "Durchführung und Sicherung von Vermessungsarbeiten im
    Verkehrsraum öffentlicher Straßen;  hier: Leitnivellement"3) in Verbindung mit den
   "Sicherheitsregeln Vermessungsarbeiten",  herausgegeben vom Bundesverband der Unfallver-
    sicherungsträger der öffentlichen Hand (BAGUV),
h) Datenerfassungsgerät bei automatisierter Feldbuchführung mit separater Datenerfassung,
i) Thermometer,
j) eine kurze Invarbandlatte (die Teilung auf der Latte muss zu der Teilung auf den beiden
   3-m-Invarbandlatten passen).

Das Stativ und die Rückseiten der Nivellierlatten müssen einen Warnanstrich (z.B. gelb oder rot-weiß)
tragen.

2.2 Prüfung der Instrumente und Geräte

2.2.1 Nivellierinstrumente und -latten sind folgendermaßen zu prüfen:
 
einmalig

jährlich

vor Beginn des Messungsvorhabens

mindestens wöchentlich

2.2.2 Die Gebrauchsfähigkeit der Nivellierinstrumente und -latten ist während der Messung zu
überwachen.

Dabei ist im Einzelnen auf Folgendes zu achten:

2.2.3 Alle Ergebnisse der Abgleichungen, Prüfungen und Justierungen sind schriftlich nachzuweisen.
Der Prüfbericht soll mindestens enthalten:

a) Name des Prüfers,
b) Prüfverfahren,
c) bei der Prüfung benutzte Instrumente bzw. Geräte,
d) Ergebnis der Prüfungen.

2.2.4 Lassen die Prüfungsergebnisse den Schluss zu, dass die Instrumente bzw. Geräte für das
Leitnivellement nicht geeignet sind, so dürfen sie nicht verwendet werden.


3 Durchführung der Messung

3.1 Allgemeine Grundsätze

Vor Beginn einer Messung sind Instrumente und Geräte zum Temperaturausgleich eine ausreichende
Zeit der Außentemperatur auszusetzen, wobei als Faustregel gilt: pro 1 Grad Celsius Temperatur-
differenz eine Minute Wartezeit.

Treten während der Messung Witterungsverhältnisse auf, die diese so ungünstig beeinflussen können,
dass die Einhaltung der zulässigen Abweichungen (s. Nr. 3.3) nicht gewährleistet ist (z.B. starker Wind,
Regen und starkes Flimmern), so muss die Zielweite verkürzt werden. Im Zweifelsfall ist die Messung
abzubrechen. Bei Abbruch der Messung ist darauf zu achten, dass die zeitliche Verzögerung gering bleibt.

3.2 Überprüfung der NivP (Erkundung, Verfestigung und Stationierung)

Vorbereitete Linienverzeichnisse bzw. Linienverläufe werden den mitwirkenden Stellen vom LOBA oder
LVermA zur Verfügung gestellt (im Falle der manuellen Feldbuchführung erhalten die teilnehmenden
Stellen außerdem Beobachtungsbücher bzw. Feldbuchblätter).

Jeder Messtrupp hat vor Beginn der Messung die NivP der ihm zugeteilten Strecke anhand der
NivP-Beschreibungen auf ihre Unversehrtheit und unveränderte Lage zu überprüfen. Die Beschreibungen
sind auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu überprüfen, erforderlichenfalls zu berichtigen bzw. zu
ergänzen oder neu zu fertigen. Für zerstörte und unbrauchbar gewordene Festlegungen sind Ersatz-
punkte einzubringen. Für jeden Ersatzpunkt ist eine NivP-Beschreibung auf einem lichtpausfähigen
Vordruck nach dem Muster des NivP-Erlasses anzufertigen.

Zur Einhaltung gleicher Zielweiten können auf der Messstrecke die Standpunkte von Instrument und
Latten gegebenenfalls gekennzeichnet werden.

Beim Einsatz von Digitalnivellieren können die Zielweiten durch Abschreiten beim Messvorgang festgelegt
werden (0,5 m Genauigkeit).

Ein eventueller Nullpunktunterschied des Lattenpaares ist dadurch unschädlich zu machen, dass immer
auf dem Anschluss und dem Ab-schluss dieselbe Latte (Bolzenlatte) auf dem Bolzen aufgehalten wird
(gerade Anzahl von Aufstellungen).

Die Zielweiten sollen 35 m nicht überschreiten.

Bei geneigtem Profil der Messstrecke soll der Mindestabstand des Zielstrahls vom Erdboden 0,5 m
betragen. Bei Benutzung von Digitalnivellieren soll der für die Messung benutzte Lattenabschnitt
oberhalb von 0,5 m liegen.

3.3 Beobachtungsverfahren und zulässige Abweichungen (Grenzwerte)

3.3.1 Als Messverfahren ist das Nivellieren mit streng horizontaler Sicht und gleichen Zielweiten
anzuwenden. Unabhängig von der Hinmessung ist eine Rückmessung durchzuführen.
Die Rückmessung darf nicht durch eine zweite Hinmessung ersetzt werden.
Hin- und Rückmessung sollen nicht bei gleichen meteorologischen Bedingungen durchgeführt
werden, aber möglichst von demselben Beobachter mit derselben Messausrüstung.

Die Beobachtungszeiten mit großem Temperaturgradienten in bodennahen Luftschichten sollen gemieden
und Bergstrecken möglichst zu günstigen Zeiten mit kleinem Temperaturgradienten gemessen werden.

3.3.2 Bei konventionellen Präzisionsnivellements können die vier einzelnen Zielungen eines Standpunktes
folgendermaßen angeordnet sein:

 

1. Standpunkt und
alle folgenden mit
ungerader lfd. Nr.

2. Standpunkt und
alle  folgenden mit
gerader lfd. Nr.

 

1.

R V V R

R V V R

(Wild-Zeiß-Verfahren)

2.

R V V R

V R R V

(Wild-Zeiß alternierend)

3.

R V V R

R V V R

(Förstner 1959)

4.

R R V V

V V R R

(Wolter 1963)


Bei Libellennivellieren ist die Messanordnung 1,
beim Jenoptik NI 002 die Messanordnung 2 (Lage I : RL VL, Lage II : VR RR),
bei den übrigen Kompensatornivellieren wahlweise die Messanordnung 2, 3 oder 4 anzuwenden.

Bei Präzisionsnivellements mit selbstregistrierendem Digitalnivellier ist die nachfolgende
Messanordnung empfehlenswert:

 

1. Standpunkt und
alle folgenden mit
ungerader lfd. Nr.

2. Standpunkt und
alle  folgenden mit
gerader lfd. Nr.

 

5.

RM VM

VM RM

 


R = Einspielen der Dosenlibelle, wenn das Fernrohr auf die rückwärtige Latte gerichtet ist

V =Einspielen der Dosenlibelle, wenn das Fernrohr auf die vordere Latte gerichtet ist

M =Mehrfachmessung

Beim Einsatz von Kompensatornivellieren wird die Auswirkung eines möglichen Kompensationsrestfehlers
dadurch gemindert, dass das Einspielen der Dosenlibelle immer "von vorn nach hinten" im Sinne einer
Senkung des Fernrohrobjektives erfolgt. Ähnliches erreicht man, wenn der Kompensator nach dem
Einspielen der Dosenlibelle vor den Ablesungen immer aus derselben Richtung einschwingt. Der
Ablauf z.B. bei der Messfolge RV (Rückblick Vorblick) auf dem 1. Stand sieht dann folgendermaßen
aus:

1) Drehen des Nivelliergerätes rechtsherum in Richtung Rückblick
2) Einspielen der Dosenlibelle in den Rückblick
3) Ablesungen Rückblick an der Latte
4) Drehen des Gerätes rechtsherum in den Vorblick
5) Ablesungen Vorblick an der Latte.

Bei der Messfolge VR (Vorblick Rückblick) auf dem 2. Stand beginnt der beschriebene Ablauf nun
mit dem Vorblick.

Um bei den Messanordnungen 2 und 4 sowie der vorgeschlagenen Messanordnung 5 für
Digitalnivelliere den Einfluss der Horizontschiefe möglichst klein zu halten, ist darauf zu achten,
dass die Summe der Zielweiten auf allen Standpunkten mit gerader laufender Nummer gleich der
Summe der Zielweiten auf allen Standpunkten mit ungerader laufender Nummer ist.

3.3.3 Bei konventionellen Präzisionsnivellements sind zur Überprüfung auf Ablesefehler 2 Messproben
im Stand durchzuführen, und zwar darf:

- die Differenz der Ablesung zwischen der rechten und linken Lattenteilung höchstens
   3 Mikrometereinheiten (=  ±0,15 mm bei Einsatz einer ½-cm-Latte bzw. ±0,3 mm bei
   Einsatz einer Zentimeter-Latte) von der Lattenkonstanten abweichen (das gilt nicht für
   Jenoptik NI 002)
- die Differenz der Höhenunterschiede der beiden Paralleleinwägungen nicht größer als
   ±0,2 mm (bei ½-cm-Latte) bzw. ±0,4 mm (bei Zentimeter-Latte) sein.

Bei größeren Abweichungen müssen alle vier Ablesungen an den Latten wiederholt werden.

3.3.4 Bei den Messungen sind folgende größte zulässige Abweichungen (bisher Fehlergrenzen) einzuhalten:

a) zulässiger Widerspruch Zs des Hin- und Rücknivellements zwischen zwei aufeinanderfolgenden
Nivellementpunkten:

ZS  = ± (0,5 S + 1,5 Ö  S) [mm]            (S = Streckenlänge in km)
(im Landesnetz = 1. Ordnungs-Genauigkeit);

in Anlehnung an den VP-Erlass sollen etwa zwei Drittel der Messwerte die Hälfte der größten zulässigen
Abweichungen (Grenzwerte) nicht überschreiten,

b) bei Überschlagsnivellements (Vergleichsmessungen) beträgt die zulässige Abweichung ZH eines
Höhenunterschiedes von dem entsprechenden Höhenunterschied aus dem Nachweis:

ZH = ± (2 + 2 Ö S) [mm]                    (S = Streckenlänge in km)
(im Landesnetz = 1. Ordnungs-Genauigkeit);

3.3.5 Ausschalten spezieller Fehlereinflüsse

Bei nachgewiesener Schiefe des Lattenfußes (s. Nr. 2.2.1) sollte die Latte möglichst nie auf dem Bolzen
aufgehalten werden. Lässt sich dies nicht vermeiden, so darf die Stellung der Latte zwischen dem letzten
Vorblick der zurückliegenden Niv-Strecke und dem ersten Rückblick der folgenden Niv-Strecke nicht
verändert werden. Bei allen Wechselpunkten ist beim Drehen der Latte ebenso darauf zu achten, dass
der Aufhaltepunkt nicht verändert wird.

Ist auf einem Bolzen das streng lotrechte Aufhalten der Nivellierlatte nicht möglich, so ist in unmittelbarer
Nähe ein Hilfspunkt (Nagel, Lattenuntersatz) festzulegen. Dieser Hilfspunkt dient als letzter Wechselpunkt
der zurückliegenden und als erster Wechselpunkt der nächsten Niv-Strecke. Der Höhenunterschied
Hilfspunkt - Bolzen wird nur einmal nach dem vorgeschriebenen Verfahren ermittelt und mit gleichem
Zahlenwert und unterschiedlichem Vorzeichen in beide Niv-Strecken eingeführt. Auf diese Weise wird
der Gesamthöhenunterschied der Niv-Linie nicht verfälscht.

Bei derartigen Bolzen empfiehlt sich grundsätzlich die Festlegung eines Ersatzpunktes am gleichen
Festpunktträger und einmalige Messung des Höhenunterschiedes zwischen altem und neuem Bolzen.
Damit wird ein nahtloser Übergang von dem alten auf den neuen Bolzen möglich.

Die Messung einer Linie im Senkungsgebiet ist so zu planen, dass weder Hin- noch Rückmessung
an Punkten mit stärkeren Senkungen unterbrochen werden.

3.4 Messungsniederschrift (Feldbücher, Instrumenten- und Lattenprüfungen)

Bei manueller Feldbuchführung dürfen für die Messungsniederschriften nur Schreibmittel verwendet
werden, die geeignet sind, die Niederschriften dauerhaft und unverwischbar anzufertigen.

Unrichtige Eintragungen sind unter Angabe des Grundes so zu streichen, dass sie noch deutlich
lesbar sind. Der verbesserte Wert ist neu einzutragen.

Die Ergebnisse der Instrumenten- und Lattenprüfungen sind Bestandteil der Messungsniederschrift
und dieser beizufügen.

In den Messungsprotokollen sind die Höhenunterschiede beider Paralleleinwägungen jeder Strecke
zu berechnen und zu mitteln, die Lattenverbesserung ist anzubringen.

Alle Messungsergebnisse sind sequentiell der Linienführung entsprechend nach Hin- und Rückmessung
zusammengestellt beizufügen.

Bei automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät sind die Verwaltungs- und
Messdaten bereits im Feld auf maschinenlesbaren Datenträgern im vorgeschriebenen Format zu erfassen.

Hierbei erfolgt per Programm eine durchgreifende Standpunktkontrolle, um Messungsfehler auszuschalten.

Aus Gründen der Datensicherung sind unmittelbar nach Abschluss jeder Strecke der Messweg, die
Höhenunterschiede und die Summe der Standpunktkontrollen dem Erfassungsgerät zu entnehmen und
in das mitzuführende "Stationierungsbuch" einzutragen.

Später müssen Klarschriftprotokolle, die entsprechend der Linienführung nach Hin- und Rückmessung
zu sortieren sind, ausgedruckt werden. Eventuell auftretende Fehler in Headersätzen sind dann in diesen
Protokollen zu korrigieren.

Wird zur Datenerfassung ein MEMOBOARD a benutzt oder liegen die Daten im GRAUS-Format vor,
könnten mit dem Programmsystem "VRONI" (Vorverarbeitung von Rohdaten aus Nivellements)
Feldbücher erzeugt werden.

Das Programmsystem "VRONI" wird vom Landesvermessungsamt NRW jeder am Leitnivellement
beteiligten Vermessungsstelle kostenfrei zur Verfügung gestellt. Neben der Erstellung von Feldbüchern
leistet dieses Programmsystem ferner Folgendes:

- Rohdatenumsetzung ins (GRAUS-Format) ZWIRN-Format,
- Rohdatentest,
- Erstellung von Feldlinienverzeichnissen,
- Erstellung von Wochenberichten,
- Headerdatenauflistung (entschlüsselt).

Bei selbstregistrierenden Digitalnivellieren erfolgt die Datenerfassung mittels Speichermedium.

Nach Übertragung der Rohdaten auf einen PC mittels gerätespezifischer Verfahren der Hersteller
kann mit dem Programmsystem "VRONI" die Weiterverarbeitung erfolgen.

Bei automatisierter Datenerfassung und Übergabe der Rohdaten auf Diskette ist eine Abgabe der
Messungsniederschriften (Feldbücher) in Papierform nicht notwendig.

3.5 Linienverzeichnis

3.5.1 Bei manuell erstellten Linienverzeichnissen (bei Feldbuchführung mit handschriftlichem
Messungsprotokoll oder automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät)
sind die Ergebnisse der Hin- und Rückmessung jeder Strecke getrennt nach Linien im Formular
"Feldlinienverzeichnis und Eingabebeleg" zusammenzustellen und die Lattenverbesserung anzubringen.

Falls möglich, ist eine vorläufige Höhenberechnung durchzuführen.

Auf dem Titelbogen werden der Name des Beobachters, die Zeit der Messungen, die Art der
Ausrüstung (Instrument, Latten) und die Lattenverbesserung angegeben.

Bei automatisierter Feldbuchführung mit separatem Datenerfassungsgerät (MEMOBOARD a )
oder selbstregistrierenden Digitalnivellieren
können Feldlinienverzeichnisse mit dem
Programmsystem "VRONI", wenn eine Linienverlaufsdatei vorhanden ist, automatisiert erzeugt
werden.

3.5.2 Prüfberichte, Messungsniederschriften (Feldbücher), Feldlinienverzeichnisse und
Erläuterungsberichte sind nach Abschluss der Messung unverzüglich der federführenden Stelle
(LOBA oder LVermA) zur weiteren Auswertung vorzulegen.

Bei automatisierter Datenerfassung und Übergabe der Rohdaten auf Diskette ist eine Abgabe
der Feldbücher in Papierform nicht notwendig.

Bei Verwendung des Programmsystems "VRONI" sind mindestens folgende Dateien auf Diskette
abzugeben:

- Linienverlaufsdatei      Beispiel: 95070501.LIN
- Arbeitsdatei                Beispiel: 95070501.DAT

4 Auswertung

4.1 Berechnung und Ausgleichung

Die Berechnung und die Ausgleichung erfolgen einvernehmlich durch das LOBA und das LVermA.

4.2 Genauigkeit der Höhenbestimmung

Zur Abschätzung der erreichten Genauigkeit werden drei verschiedene Standardabweichungen
berechnet:

a) aus den Streckenwidersprüchen WS zwischen Hin- und Rückmessung für einen Kilometer
Doppelnivellement:

4.3 Nachweis der Berechnungsergebnisse

Die Beteiligten erhalten Linienverzeichnisse mit neuen Höhen für ihren Zuständigkeits- bzw.
Interessenbereich.

4.4 Bekanntgabe der Ergebnisse

Die Herausgabe von Höhen richtet sich nach der Nr. 10 NivP-Erlass.


1) nicht veröffentlicht; mit Rd.Erl. v. 29.06.1993 - III C 3 - 4412 -(MBl. NW. 1993 S.1342)
als Sonderdruck herausgegeben. Vertrieb: Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn.

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2) MBl. NW. 1997 S. 146 / SMBl. NW. 9220. Nach Nr. 1.3 dieses Runderlasses sind, sofern in dem Erlass selbst keine anderen Regelungen getroffen werden, die "Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) - Ausgabe 1995 -" des Bundesministeriums für Verkehr (Verkehrsblatt-Verlag, Dortmund) anzuwenden, die für den Zuständigkeitsbereich des Landes Nordrhein-Westfalen durch Runderlass des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr - III A 5 - 14 - 17/2 - III C 3 - 73 - 13/2 - vom 27.07.1995 (MBl. NW. 1995 / SMBl. NW. 9220) eingeführt worden sind.

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3) nicht veröffentlicht; dieser an das Landesvermessungsamt und die Bezirksregierungen des Landes Nordrhein-Westfalen gerichtete Erlass spezifiziert die Sicherung von Nivellementarbeiten auf Straßen. Danach kann bei den Arbeiten zum Leitnivellement die Sicherung nach Regelplan C II/3 RSA - Ausgabe 1995 - (bewegliche Arbeitsstellen von kürzerer Dauer und bei Tageslicht auf Landstraßen) erfolgen.

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27.04.2001

87.79.1-4-3

Einsatz von satellitengeodätischen
Verfahren im Bergbau
Grundsätze

A 2.30

An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im  Bergbau (GREINSATVERBERG)

Der Länderausschuss Bergbau hat den Ländern die Anwendung der folgenden Grundsätze zum Einsatz
von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau empfohlen.

Die Grundsätze werden hiermit bekanntgegeben.

Dortmund, den 27.04.2001

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag

E k h a r t  M a a t z



GRUNDSÄTZE ZUM

EINSATZ VON SATELLITENGEODÄTISCHEN VERFAHREN

IM BERGBAU


Stand: 6. Juni 2000

Gliederung

1 Allgemeines

1.1 Vorschriften
1.2 Einsatzbereiche
1.3 Satellitengeodätische Verfahren
1.4 Bezugssysteme

2 Satellitengestützte Messung

2.1 Allgemeines
2.1.1 Satellitenkonstellation
2.1.2 Referenzstation, SAPOS, RTK
2.1.3 Messverfahren
2.2 Planung der satellitengestützten Messung
2.3 Durchführung der satellitengestützten Messung
2.4 Messungsdaten

3 Auswertung statischer Messungen

3.1 Überblick
3.2 Datenaufbereitung
3.3 Ausgleichung
3.4 Transformation in die Bezugssysteme der Landesvermessung

4 Dokumentation

4.1 Allgemeines
4.2 Messungsniederschriften
4.3 Berechnungsniederschriften

 

Grundsätze zum Einsatz von satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau

1. ALLGEMEINES

1.1 Vorschriften

(1) Für markscheiderische und sonstige vermessungstechnische Arbeiten im Zusammenhang mit
      Tätigkeiten und Einrichtungen nach § 2 Bundesberggesetz (BBergG) sowie für Messungen 
      zur Erfassung von Bodenbewegungen nach § 125 BBergG können satellitengeodätische
      Verfahren eingesetzt werden.

(2) Satellitengeodätische Verfahren sind keine Sonderverfahren nach § 7 Abs. 1 der Verordnung über
      markscheiderische Arbeiten und Beobachtungen der Oberfläche (Markscheider-Bergverordnung -
      MarkschBergV).

(3) Zur Umsetzung der Vorschriften der MarkschBergV bei satellitengeodätischen Verfahren werden die
     folgenden Grundsätze herausgegeben, die den derzeitigen Stand der Technik berücksichtigen. Die
     Einhaltung der Forderungen der MarkschBergV hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit von Messungen 
     wird vermutet, soweit die Grundsätze beachtet werden.

1.2 Einsatzbereiche

Satellitengeodätische Verfahren können allein oder in Kombination mit anderen Messverfahren für
alle Messungen über Tage eingesetzt werden, sofern die in der MarkschBergV geforderten
Genauigkeiten eingehalten werden.

1.3 Satellitengeodätische Verfahren

(1) Zur Einhaltung der erforderlichen Genauigkeit nach MarkschBergV kommen nur differenzielle
     satellitengeodätische Verfahren zum Einsatz, die mindestens zwei Empfänger benötigen, um
     Satellitensignale simultan empfangen, aufzeichnen und auswerten zu können.

(2) Die Ergebnisse der satellitengeodätischen Vermessung (Messung und Auswertung) können im Felde
     direkt zur Verfügung stehen (Real-Time) oder erst nach Auswertung (Postprocessing).

(3) Beim Einsatz differenzieller satellitengeodätischer Verfahren ist der primär dreidimensionale Charakter
     der satellitengestützten Messung zu berücksichtigen (s. 1.4 (2), 2.3 (2),  3.4).

1.4 Bezugssysteme

(1) Als Ergebnisse von satellitengestützten Messungen liegen in der Regel zunächst dreidimensionale
      Koordinaten im World Geodetic System 1984 (WGS 84) vor. Das WGS 84 stimmt mit dem 
      im europäischen Raum einheitlich eingeführten Bezugssystem European Terrestrial Reference
      System 1989 (ETRS 89) im Rahmen seiner Systemgenauigkeit (± 1 bis 2 m) überein.

(2) Die Überführung in die Bezugssysteme der Landesvermessung ist über eine ausreichende Anzahl von
      identischen Punkten in beiden Systemen zu gewährleisten (s. 3.4 (1)).

2 SATELLITENGESTÜTZTE MESSUNG

2.1 Allgemeines

2.1.1 Satellitenkonstellation

(1) Die Satellitenkonstellation (Anzahl und Verteilung der zur Verfügung  stehenden Satelliten und PDOP-
      bzw. GDOP-Werte) kann vorab für die  gesamte Beobachtungszeit untersucht werden. Eine gute
      Konstellation drückt sich durch kleine PDOP- bzw. GDOP-Werte aus.

(2) Die zur Planung notwendigen genäherten Satellitenbahndaten (Almanachdaten) müssen einen
     aktuellen Stand haben.

2.1.2 Referenzstation, SAPOS, RTK

(1) Einen Satellitenempfänger, dessen Antenne auf einem Referenzpunkt  betrieben wird, bezeichnet
      man als Referenzstation. Dabei wird unterschieden  zwischen

- "permanenten Referenzstationen", wie sie z.B. im amtlichen Positionierungsdienst der deutschen
    Landesvermessung (SAPOS) verwendet werden, und
- "temporären Referenzstationen", die projektbezogen eingesetzt werden.

(2) SAPOS stellt mit einem Netz von permanenten Referenzstationen auf verschiedenen
     Übertragungswegen Daten für Echtzeitvermessungen sowie für Auswertungen im
     Postprocessing zur Verfügung. Es arbeitet mit firmenunabhängigen Standards. Für die
     Punktbestimmung mit geodätischer Genauigkeit dienen folgende Servicebereiche von SAPOS:

  1. Im Hochpräzisen Echtzeit-Positionierungs-Service (HEPS) werden in Echtzeit Korrekturdaten
    übertragen. Sie ermöglichen eine polare Punktbestimmung mit einer Genauigkeit von
    ±  1 cm bis 5 cm (entfernungsabhängig) bis ca. 20 km Abstand von der permanenten
    Referenzstation. Die Korrekturdaten werden an der Nutzerschnittstelle im RTCM-Format
    bereitgestellt.
  2. Im Geodätischen Präzisen Positionierungs-Service (GPPS) mit 1cm-Genauigkeit werden
    Trägerphasenmessungen im empfängerunabhängigen RINEX-Format bereitgestellt. Sie
    werden u.a. über Telekommunikationseinrichtungen abgegeben. Damit ist eine nachträgliche
    Berechnung (Postprocessing) möglich. Die dabei erreichbare Genauigkeit ist u.a. abhängig
    von der Beobachtungszeit und der Entfernung zu der/den permanenten Referenzstation/en.


(3) Als Real-Time-Kinematic-Systeme (RTK-Systeme) werden Vermessungssysteme bezeichnet, die
mit systemeigenen Referenzstationen Echtzeitvermessungen ermöglichen. Sie bestehen z.B. aus

Die Systeme verwenden in der Regel firmenspezifische Datenformate, lassen nur ausgewählte Hard- und
Softwarekomponenten zu und ermöglichen in ihrem durch die gewählte Funkübertragung begrenzten
Aktionsradius von einigen Kilometern Messungen in Zentimetergenauigkeit.

2.1.3 Messverfahren

(1) Bei satellitengeodätischen Anwendungen sind grundsätzlich folgende Messverfahren einsetzbar:

(2) Die Auswahl des geeigneten Verfahrens ist unter Berücksichtigung aller Randbedingungen zu treffen.
     Die aktuelle Leistungsfähigkeit der eingesetzten Satellitenempfänger (Hard- und Software), die
     örtlichen Gegebenheiten und die Zielsetzung sind zu berücksichtigen.

(3) Die Vorschriften für die Messgenauigkeiten gemäß MarkschBergV gelten bei satellitengeodätischen
     Verfahren für die abgeleiteten Messelemente. Zum Beispiel gilt als einfacher Messweg bzw.
     Messstrecke im Sinne der Anlage 1 MarkschBergV die Entfernung zwischen dem einzumessenden
     Punkt und dem Anschlusspunkt.

(4) Soweit die Messgenauigkeit es erlaubt, können bei diesen Messverfahren auch permanente
      Referenzstationen, z. B. Permanentstationen des Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen
      Landesvermessung (SAPOS) mit verwendet werden (s. § 8 MarkschBergV).

2.2 Planung der satellitengestützten Messung

(1) Zur Anbindung der satellitengestützten Messungen an das amtliche Festpunktfeld sind mindestens
     drei Festpunkte anzuschließen, die möglichst gleichmäßig um die Neupunkte verteilt liegen.

(2) Die Satellitensichtbarkeit ist für jeden Standpunkt zu gewährleisten.

2.3 Durchführung der satellitengestützten Messung

(1) Vor dem erstmaligen Einsatz eines Satellitenvermessungssystems muss die Überprüfung in einem
      geeigneten Testnetz erfolgen. Die fortlaufende Funktionskontrolle ergibt sich im Rahmen der 
      Arbeiten in den jeweiligen Projekten durch die Einbindung geeigneter Punkte.

(2) Aufgrund des dreidimensionalen Charakters des satellitengeodätischen Verfahrens sind die
      Zentrierung und die Höhenbestimmung der Antennen mit besonderer Sorgfalt durchzuführen.
      Die Antennenhöhenbestimmung ist unabhängig zu kontrollieren.

(3) Zur Einhaltung der erforderlichen Genauigkeit ist eine angemessene Beobachtungsdauer in
     Abhängigkeit von

- dem Messverfahren,
- der Länge der zu bestimmenden Basislinien,
- der Satellitenkonstellation,
- der Qualität der eingesetzten Antennen und Empfänger und
- den örtlichen Bedingungen
zu wählen.

(4) Beim Einsatz von RTK-Systemen ist zum Erreichen der Genauigkeit eine ständige Qualitätskontrolle
     der Satellitenkonstellation erforderlich.

2.4 Messungsdaten

(1) Die satellitengestützte Messung ist in einem Messungsprotokoll zu dokumentieren.

(2) Im Messungsprotokoll sind nachzuweisen:

(3) Bei Postprocessing-Verfahren werden die bei der Messung anfallenden Bahndaten sowie
     Codephasen und Trägermischphasen (Rohdaten) im Empfänger oder Feldcomputer gespeichert.

(4) Als gemessene Werte (s. Anlage 2 Nr. 2.1.1.5 MarkschBergV) (Reindaten) sind anzusehen:

- die erst nach Auswertung der Rohdaten zur Verfügung stehenden Raumvektoren und ihre
   Varianz-/Kovarianzkomponenten,
- die beim Einsatz von RTK-Systemen direkt im Felde ermittelten Koordinaten.

3 AUSWERTUNG STATISCHER MESSUNGEN

3.1 Überblick

(1) Die Weiterverarbeitung von Satelliten-Reindaten muss so angelegt sein, dass die Berechnungen
      nachprüfbar sind.

(2) Die Auswertung von satellitengestützten Messungen gliedert sich in folgende Schritte:

  1. Übertragung der Rohdaten von den Empfängern auf den Auswerterechner, 
  2. Auswertung der Rohdaten zur Berechnung der Reindaten, 
  3. Ausgleichung, 
  4. Berechnung der Koordinaten und Höhen im Landessystem. 

3.2 Datenaufbereitung

(1) Für die Auswertung der Rohdaten stehen verschiedene Programme zur Verfügung. Sie weisen
      unterschiedliche Ansätze und Leistungen auf und berechnen die Ergebnisse auf unter-
      schiedlichen Wegen. Für die Auswahl und Anwendung der Programme ist der Benutzer
      verantwortlich.

(2) Das Ergebnis der Rohdaten-Auswertung sind Basislinien (Raumvektoren) in Form von
     dreidimensionalen Koordinatenunterschieden dX, dY, dZ mit Angaben zur Varianz/Kovarianz.

3.3 Ausgleichung

(1) Bei simultanem Einsatz von mehr als zwei Empfängern pro Session des Messverfahrens vom Typ A
     oder beim Einsatz von zwei oder mehr Referenzstationen bei Anwendung des Messverfahrens
     vom Typ B ergeben sich Überbestimmungen in Form von zusätzlichen Basislinien.

(2) Zur Überprüfung der inneren Genauigkeit der satellitengestützten Messungen kann eine
      3D-Netzausgleichung durchgeführt werden. In der Ausgleichung werden die Einzelsessionen zu
      einem Gesamtnetz zusammengefasst (Multisessionslösung).

3.4 Transformation in die Bezugssysteme der Landesvermessung

(1) Für die Berechnung von Lagekoordinaten und Höhen in den Bezugssystemen der Landesvermessung
      kann eine 7-Parameter-Transformation über eine ausreichende Anzahl von Anschlusspunkten
      durchgeführt werden. Die Anschlusspunkte sollen gleichmäßig um das Messgebiet verteilt sein.

(2) Die Restklaffungen an den Anschlusspunkten sind aufzuzeigen. Bei Wiederholungsmessungen
     ermöglichen sowohl die Restklaffungen an den Anschlusspunkten als auch die Lage- und
     Höhendifferenzen an stabil gebliebenen Punkten Aussagen über die Güte und Genauigkeit der
     satellitengestützten Messungen.

4 DOKUMENTATION

4.1 Allgemeines

Bezüglich der Form der Messungs- und Berechnungsniederschriften wird auf Anlage 2 Nr. 1
MarkschBergV verwiesen. Anlage 2 Nr. 2.4 MarkschBergV findet Anwendung. Darüber hinaus
sind Besonderheiten zu vermerken.

4.2 Messungsniederschriften

Die Protokollierung der im Kapitel 2.4 Absätze 2 und 4 aufgelisteten Messungsdaten ist als
Messungsniederschrift gemäß Anlage 2 Nr. 2.1 MarkschBergV anzusehen.

4.3 Berechnungsniederschriften

Die einzelnen Schritte der Auswertung sind zu dokumentieren. Für die Dokumentation der Auswertung
satellitengestützter Messungen gilt Anlage 2 Nr. 2.2 MarkschBergV entsprechend.



04.02.2009
65.79.2-2007-2

Einsatz von luftgestützten und terrestrischen
Laserscannerverfahren im Bergbau

Grundsätze

A 2.30

 

An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscanner-
          verfahren im Bergbau (GREINLASERBERG)

Der Länderausschuss Bergbau hat die folgenden Grundsätze zum Einsatz von
luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau zustimmend
zur Kenntnis genommen.

Die Grundsätze werden hiermit bekanntgegeben.

Dortmund, den 04.02.2009

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag

Andreas Frische


 


GRUNDSÄTZE ZUM

EINSATZ VON LUFTGESTÜTZTEN UND TERRESTRISCHEN

LASERSCANNERVERFAHREN IM

BERGBAU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutscher Markscheider-Verein e.V., Arbeitsgruppe Laserscanning, Herne 2008

Stand: 14.04.2008

Ausgabe: 26.06.2008



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

 

Versionen:

1.0         26.04.2007

2.0         20.06.2007

3.0         07.08.2007

3.1         27.08.2007

4.0         30.09.2007

4.1         14.04.2008

 

 

 

 

 

 

Copyright:

Deutscher Markscheider-Verein e.V.
Shamrockring 1
44623 Herne
Tel. +49 (0)2323-15-4660

eMail: geschaeftsstelle@dmv-ev.de

2



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

Gliederung

1. Zielsetzung, Vorgehensweise .............................................................................................4

2. Allgemeines........................................................................................................................5

    2.1 Vorschriften..................................................................................................................5

    2.2 Laserscanning im Bergbau ..........................................................................................5

    2.3 Einsatzbereiche (Beispiele)..........................................................................................6

    2.4 Beschreibung des Messverfahrens..............................................................................6

3. Messung.............................................................................................................................7

4. Auswertung und Ergebnisse ...............................................................................................8

5. Genauigkeiten, Kalibrierung, Geräteprüfung.......................................................................9

6. Abkürzungen......................................................................................................................9

 

 

 

 

 

3



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

1. ZIELSETZUNG, VORGEHENSWEISE

In den letzten Jahren wurde die Technologie des Laserscannings deutlich weiterentwickelt
und hat mit luftgestützten und terrestrischen Verfahren zunehmend Eingang in die
Vermessung, auch für bergbauliche Aufgabenstellungen, gefunden.

Diese Grundsätze geben den Anwendern und verantwortlichen Personen in der betrieblichen
und behördlichen Praxis des Bergbaus grundlegende Informationen zu den Laserscanner-
verfahren und ihren möglichen Einsatzgebieten.

Dabei wird auf die Anwendung von Laserscannermessungen für gesetzlich und behördlich
vorgeschriebene markscheiderische Aufgaben, z.B. zur Übernahme von Messergebnissen ins
Risswerk oder Überwachungen nach § 125 BBergG, und besondere betriebliche Nutzungen
eingegangen.

Die Erarbeitung der Grundsätze erfolgte durch eine Adhoc-Arbeitsgruppe des Deutschen
Markscheider-Vereins e.V. (DMV) im Zeitraum November 2006 bis September 2007.

 

Folgende Fachleute haben mitgewirkt:

 

Norbert Benecke, DMT GmbH & Co KG (Obmann)

Thomas Bulowski, RWE Power AG

Wolfgang Busch, TU Clausthal – Institut für Geotechnik und Markscheidewesen

Joachim Deutschmann, RAG Aktiengesellschaft

Andreas Fischer, K+S Kali GmbH

Andreas Frische, BR Arnsberg, Abt. 6

Jörg Fugmann, arguplan GmbH

Sven Jany, Milan Geoservice GmbH

Hans-Jochen Kowar, Vattenfall Europe AG

Rainer Kuchenbecker, DMT GmbH & Co KG

Moritz Ostenrieder, Ing.-Büro Ostenrieder

Olaf Wallner, Wismut GmbH

 

 

4



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

2. ALLGEMEINES

2.1 Vorschriften

Für markscheiderische und sonstige vermessungstechnische Arbeiten im Zusammenhang mit
Tätigkeiten und Einrichtungen nach § 2 Bundesberggesetz (BBergG) sowie für Messungen
zur Erfassung von Bodenbewegungen nach § 125 BBergG können Verfahren des
Laserscannings eingesetzt werden.

Verfahren des Laserscannings sind keine Sonderverfahren nach § 7 Abs. 1 der Verordnung
über markscheiderische Arbeiten und Beobachtungen der Oberfläche (Markscheider-
Bergverordnung - MarkschBergV).

Zur Umsetzung der Vorschriften der MarkschBergV bei Verfahren des Laserscannings
werden die folgenden Grundsätze herausgegeben, die den derzeitigen Stand der Technik
berücksichtigen1. Die Einhaltung der Forderungen der MarkschBergV hinsichtlich der
Nachvollziehbarkeit von Messungen wird vermutet, soweit die Grundsätze beachtet werden.

Beim Einsatz von Laserscannern unter Tage sind zusätzlich die jeweils gültigen Vorschriften
zum Einsatz von Lasergeräten unter Tage, ggf. auch Regelungen zum Explosionsschutz zu
beachten.

 

2.2 Laserscanning im Bergbau

In diesen Grundsätzen werden Vermessungsverfahren für den über- und untertägigen
Bergbau behandelt, die mittels Laserscannertechnologie und mit geodätischer Genauigkeit
luftgestützt oder terrestrisch, statisch oder kinematisch Geländeformationen, Bauwerke,
technische Einrichtungen und Geräte (u.a.m.) abtasten und als 2D - oder 3D - Punktwolken
darstellen können. Durch Auf- und Nachbereitungen der Messdaten lassen sich
anwendungsspezifische Darstellungen erzeugen. Aus wiederholten Aufnahmen lassen sich
Zustandsveränderungen ermitteln.

Dabei werden für das Airborne-Laserscanning (ALS) sowie das Terrestrische Laserscanning
(TLS) im übertägigen (üT) und untertägigen (uT) Einsatz die wesentlichen Punkte bzgl.
Messung, Auswertung und Ergebnisse sowie zu Genauigkeiten, Kalibrierung, Geräteprüfung
beschrieben.

 

 

___________________________________________________________________________________________
1
Bei Bedarf sind diese Grundsätze an den jeweiligen Stand der Technik anzupassen.

5



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

2.3 Einsatzbereiche (Beispiele)

Grundsätzlich sind Laserscannerverfahren, ggf. in Kombination mit anderen Verfahren
(z.B.Tachymeter- oder GPS-Messungen zur Einbindung der Messergebnisse in ein
Koordinatensystem), für fast alle markscheiderischen Aufgabenstellungen im Bergbau
geeignet. Ob ein Einsatz sinnvoll ist, ist im Einzelfall zu entscheiden.

Typische Einsatzbereiche für Airborne Laserscanning sind die Erstellung großräumiger
digitaler Höhenmodelle oder die Volumenbestimmung von Halden und Abbaubereichen
im Tagebau.

Typische Einsatzbereiche für terrestrisches Laserscanning über Tage sind ebenfalls die
Erstellung digitaler Geländemodelle oder die Volumenbestimmung von Halden, Kippen und
Abbaubereichen im Tagebau oder Sanierungsbergbau. Hinzu kommen beispielsweise noch
die Erfassung von Betriebsanlagen und die Überwachung von Bewegungsvorgängen.

Typische Einsatzgebiete für das terrestrische Laserscanning unter Tage sind die Erfassung
großer untertägiger Bauwerke oder Hohlräume (z.B. Abbaukammern, Bunker, Schächte,
Füllörter), die Abnahme von Bauarbeiten (z.B. Kontrolle von Auffahrungsquerschnitten oder
Betondicken), die Erfassung von Betriebsanlagen, Konvergenzüberwachungen und
Engpassanalysen.

 

2.4 Beschreibung des Messverfahrens

Ein Laserscanner misst Strecken und Winkel mittels eines Laserstrahls, der in einem
vorgegebenen Bereichsfenster in einem vorgegebenen Raster mit hoher Geschwindigkeit
kontrolliert abgelenkt wird und von beliebigen Oberflächen reflektiert wird. Das Messen
einzeln ausgewählter Punkte ist nicht möglich. Das Laserscanning ist ein Polar-Messverfahren.

Für jeden Messpunkt werden aus den Messungen (2 Winkel und 1 Strecke) lokale kartesische
Koordinaten (x,y,z) abgeleitet. Zusätzlich steht für jeden Messpunkt ein „Reemissionswert“ (i)
zur Verfügung, der die Reflektivität des Objektes beschreibt. Falls der Scanner über eine
kalibrierte Digitalkamera verfügt, können zu jedem Messpunkt z.B. RGB-Farbwerte
gespeichert werden.

Ein erstes Ergebnis ist eine einfärbbare dreidimensionale Punktwolke, deren Dichte durch die
eingestellte Auflösung des Scanners bestimmt wird. Die Einfärbung kann z.B. aufgrund der
gemessenen Intensität, der RGB-Farbwerte oder der Höhe erfolgen. Anhand dieser
visualisierten Punktwolke ist bereits vor Ort eine erste Kontrolle der Messergebnisse möglich.

Es wird unterschieden zwischen statischen und kinematischen Messanordnungen.

Bei den statischen Messungen wird das verwendete Instrument fest aufgestellt (z.B. Stativ)
und misst aus dieser Position die relevanten Objekte ein. Über identische Punkte können
Punktwolken mehrerer Messungen zusammengeführt werden. Die Orientierung kann über
koordinativ bekannte Passpunkte erfolgen.

 

6



Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

 

Beim kinematischen Verfahren ist der Laserscanner während des Messvorgangs in
Bewegung (z.B. beim Airborne Laser Scanning unter einem Fluggerät oder beim
Terrestrischen Laser Scanning auf einem Fahrzeug). Dabei liefern in der Regel
satellitengestützte Messverfahren und inertiale Navigationssysteme die Position des
Laserscanners und die Richtung des Laserstrahls im Raum. Mit diesen Eingangswerten
können die dreidimensionalen Koordinaten jedes Reflektionspunktes berechnet werden.

Die Auswertung von Daten aus Laserscanner-Messungen erfolgt meistens in mehreren
Schritten und ist abhängig von den Abläufen und Funktionalitäten der jeweiligen
Auswertungssoftware. In das Risswerk fließen Ergebnisse dieser Auswertungen ein wie z.B.
Bruchkanten, Höhenlinien, Gebäudekonturen, Streckengeometrien oder Rohrleitungslinien.

 

3. MESSUNG

(1) Für die Anbindung einer Laserscannermessung an das amtliche Festpunktfeld gelten die
     Vorschriften der Markscheider- Bergverordnung bzw. die Grundsätze zum Einsatz von
     satellitengeodätischen Verfahren im Bergbau.

(2) Vor dem erstmaligen Einsatz, bei Änderung der Konfiguration der Komponenten des
      Laserscannersystems sowie, falls erforderlich, innerhalb einer Messkampagne ist das
      Laserscannersystem an eindeutig definierten Objekten zu überprüfen.

(3) Die als unmittelbares Ergebnis einer Messung registrierten Daten werden als Rohdaten
      bezeichnet.

(4) Aus den Rohdaten werden durch projektspezifische Verarbeitungsschritte (z.B.
      Fehlerbereinigung, Filteroperationen, Anbringung von Korrekturwerten) die gemessenen
      Werte im Sinne der MarkschBergV abgeleitet.

(5) Die gemessenen Werte (gemäß Abs. 4) werden in einer Datei gespeichert. Von
     Ausdrucken nach Anlage 2 Nr. 2.1.2 Satz 1 MarkschBergV kann mit Zustimmung der
     zuständigen Behörde abgesehen werden, wenn gewährleistet ist, dass der Inhalt der
     Datei dauerhaft sicher gespeichert ist und ein Ausdrucken unverzüglich möglich ist.

(6) Vor Messungsbeginn und während der Messung sind die Daten zu erfassen und in einer
      Messungsniederschrift zu dokumentieren, welche zur Auswertung, Berechnung und
      Beurteilung der Ergebnisse notwendig sind.

(7) Die Messungsniederschrift muss folgende Angaben enthalten:

  1. den Ort, Zweck und Tag der Messung
  2. die Namen der Ausführenden
  3. die Instrumente und Geräte mit Angabe des Herstellers und der Fabrikationsnummer
  4. die zu berücksichtigenden gerätebezogenen Konstanten und Korrektur- und
    Einstellwerte
                                                                                                                                                7

                                                                            Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau


  5. die Angaben über den Anschluss und den Abschluss der Messung
  6. die Angaben über Umstände, die das Messungsergebnis beeinflussen können, wie
    Witterung oder Temperatur, bzw. (unter Tage) Wetterzug, Temperatur, Staubbildung
    oder Tropfwasser
  7. die Hinweise auf die Berechnungsniederschrift und die Übernahme in rissliche
    Darstellungen
  8. die Angaben über weitere zugehörige Messungen (Messungsübersicht)
  9. bei kinematischen Aufnahmen eine Übersicht des Instrumentenweges während der
    Aufnahme sowie die relevanten Zeitangaben (Messungsanfang und –ende), bzw.
    (beim ALS) eine Flugstreifenübersicht sowie die relevanten Zeitangaben
    (Messungsanfang und -ende)
  10. den Namen der Datei der gemessenen Werte und deren Speicherort und die
    erforderlichen Erläuterungen

 

 

4. AUSWERTUNG UND ERGEBNISSE

(1) Die Ergebnisse der Auswertung von Laserscannerdaten richten sich nach dem
     jeweiligen Anwendungszweck und können sehr unterschiedlich sein.

(2) Die Bearbeitungsschritte der Auswertung sind nachvollziehbar zu dokumentieren und die
     dabei verwendeten Programme sind zu benennen und den einzelnen Bearbeitungsschritten
     zuzuordnen.

(3) Werden die Scannerdaten für Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit dem Risswerk
      verwendet, so sind die Daten in das jeweils gültige Koordinatensystem zu transformieren.
      In anderen Fällen kann die Verwendung örtlicher Koordinatensysteme ausreichend sein.

(4) Die berechneten Werte werden in einer Datei gespeichert. Von Ausdrucken nach Anlage 2
      Nr. 2.2.2 Satz 1 MarkschBergV kann mit Zustimmung der zuständigen Behörde abgesehen
      werden, wenn gewährleistet ist, dass der Inhalt der Datei dauerhaft sicher gespeichert ist
      und ein Ausdrucken unverzüglich möglich ist.

(5) Es ist eine Berechnungsniederschrift zu erstellen, die folgende Angaben enthalten muss:

  1. den Ort, Zweck und Tag der Messung
  2. die Namen der Berechnenden und der Kontrollierenden, bei Datenverarbeitungsanlagen
    die Typen- und Programmbezeichnungen, die Namen der Datenerfasser
  3. die Eingabewerte aus der Messungsniederschrift
  4. die Anschluss- und Abschlusswerte mit Hinweisen auf die Entnahmestellen

                                                                                                                                    8

                                            Grundsätze zum Einsatz von luftgestützten und terrestrischen Laserscannerverfahren im Bergbau

  5. den Namen der Datei der berechneten Werte und deren Speicherort und die
    erforderlichen Erläuterungen
  6. die Angaben über Messungsdifferenzen, ihre Verteilung oder Ausgleichung sowie
    über die Genauigkeit, wenn der Zweck der Messung es erfordert
  7. die Hinweise auf die Messungsniederschrift und die Übernahme in rissliche Darstellungen

 

 

5. GENAUIGKEITEN, KALIBRIERUNG, GERÄTEPRÜFUNG

Für den Laserscanner sowie mit dem Laserscanner verbundene Komponenten (z.B.
Digitalkamera) und die zur Messwertkorrelation bei kinematischen Messungen
notwendige Technik (z.B. GPS/INS) sind die Datenblätter der Hersteller mit folgenden
zusätzlichen Angaben vorzuhalten:

  1. Bezeichnung und Fabrikationsnummer
  2. Baujahr
  3. Letzte Kalibrierung / Prüfung

 

 

6. ABKÜRZUNGEN

BBergG                         Bundesberggesetz

MarkschBergV            Markscheider Bergverordnung

2D / 3D                           Zwei- bzw. dreidimensional

RGB                             Rot-Grün-Blau Farbwerte

ALS                              Airborne Laser Scanning
                                      Luft-/Flugzeug-gestütztes Laservermessungsverfahren

TLS                                 Terrestrisches Laser Scanning
                                        Erdgebundenes Laservermessungsverfahren

TLS üT                         über Tage angewendet

TLS uT                        unter Tage angewendet

GPS                              Global Positioning System

 

 

 

9


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DMV e.V.


31.01.2014

65.91.61-2013-1

Aufsicht über Markscheider
und die
Ausführung markscheiderischer Arbeiten

A  2.30

 

An die Markscheider des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Betr.: Grundsätze zu Gegenstand und Reichweite der Aufsicht über Markscheider
und die Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG
(Stand: 27.03.2013)

Der Länderausschuss Bergbau hat den Ländern die Anwendung der folgenden
Grundsätze zu Gegenstand und Reichweite der Aufsicht über Markscheider und
die Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG
(Stand: 27.03.2013) empfohlen.

Die Grundsätze werden hiermit bekanntgegeben.

Dortmund, den 31.01.2014

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag

A n d r e a s  S i k o r s k i


 


Grundsätze zu Gegenstand und zur Reichweite der Aufsicht über Markscheider und
die Ausführung markscheiderischer Arbeiten nach § 69 Abs. 3 BBergG
(Stand: 27.03.2013)

 

1. Sachverhalt

Vor dem Hintergrund verschiedener zivilgerichtlicher Auseinandersetzungen zwischen
Bergbaugeschädigten und einem Bergbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen werden
von der Geschädigtenseite angebliche Missstände bei der Führung des Grubenbildes
beklagt. Angeblich objektiv vorhandene und eindeutige Erdspalten sowie Geländeabrisse
seien entgegen den gesetzlichen Bestimmungen von den Risswerk führenden Markscheidern
nicht in den Tageriss eingetragen worden. Mehrfach wurden die nordrhein-westfälischen
Bergbehörden aufgefordert, gegen den Risswerk führenden Markscheider eine Anordnung
zur Nachtragung des Tagerisses zu erlassen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gemäß
§ 145 BBergG einzuleiten.

Unabhängig von dem Anlass gebenden Einzelsachverhalt sind damit folgende Fragen
zu klären:

1.1 Welche Aufsichtsbefugnisse hat die zuständige Bergbehörde?

1.2 Ist die zuständige Bergbehörde befugt, dem Risswerk führenden Markscheider oder
     dem Unternehmer unmittelbar eine Weisung zur Eintragung konkreter Angaben im
     Grubenbild zu erteilen?

2. Rechtsgrundlagen

Nach § 69 Abs. 3 BBergG unterliegen die Markscheider und die Ausführung der mark-
scheiderischen Arbeiten im Sinne des § 64 Abs. 1 BBergG der Aufsicht der zuständigen
Behörde. Das Gesetz unterscheidet damit eine personenbezogene Aufsicht über die
Markscheider und eine aufgabenbezogene Aufsicht über markscheiderische Arbeiten.

2.1 Aufsicht über Markscheider

Die personenbezogene Aufsicht über die Markscheider bezieht sich auf die gesetzlichen
Anforderungen, denen der Markscheider aufgrund seiner Anerkennung entsprechen muss.
Maßstab sind hierfür in erster Linie die Ländermarkscheidergesetze (§ 64 Abs. 3 BBergG).
Historischer Kontext hier ist § 34 Abs. 5 GewO in der bis zum Inkrafttreten des Bundes-
berggesetzes geltenden Fassung (§ 174 Abs. 1 Nr. 2 BBergG) der eine gewerberechtliche
Aufsicht über die Markscheider vorsah. Die Aufsicht über die Markscheider nach
§ 69 Abs. 3 BBergG ersetzte die gewerberechtliche Aufsicht und erstreckte die berg-
behördliche Aufsicht gleichzeitig auf alle Markscheider, also auch auf die im Betrieb
angestellten Personen.1) Die personenbezogene Aufsicht über die Markscheider beinhaltet
im Wesentlichen die Fachkunde, die persönliche Zuverlässigkeit die körperliche Geeignetheit
sowie gegebenenfalls die zur ordnungsgemäßen Berufsausübung erforderliche Büroausstattung
und Arbeitsmittel im Falle der Freiberuflichkeit. Zur Zuverlässigkeit ist auch die Sicherstellung
der Unabhängigkeit im Sinne einer Weisungsfreiheit nach § 64 Abs. 2 Satz 1 BBergG zu zählen.
Diese Vorschrift schützt insbesondere die im Bergbauunternehmen fest angestellten Markscheider,
aber auch Selbständige oder Mitarbeiter von Ingenieurbüros gegenüber ihren Auftraggebern
in der Bergbauindustrie vor Weisungen im Rahmen der Anwendung ihrer Fachkunde.2)
Folglich begründet die gesetzliche Weisungsunabhängigkeit eine Verpflichtung des
Markscheiders, im Rahmen seines Geschäftskreises nach § 64 Abs. 1 BBergG diese
Unabhängigkeit zu wahren.

2.2 Aufsicht über die Ausführung der markscheiderischen Arbeiten im Sinne des
§ 64 Abs. 1 BBergG

Die aufgabenbezogene Aufsicht der zuständigen Behörde über die markscheiderischen Arbeiten
nach § 64 Abs. 1 BBergG soll die ordnungsgemäße Risswerksführung sicherstellen. Die
Risswerksführungspflicht nach § 63 Abs. 1 BBergG gehört dabei zu den Unternehmerpflichten,
die nicht nach § 62 BBergG auf verantwortliche Personen übertragen werden können.
Hiervon zu trennen ist die Anfertigung und Nachtragung des Risswerks durch einen anerkannten
Markscheider. Der Unternehmer erfüllt seine Risswerksführungspflicht deshalb dadurch, dass
er diese Arbeiten im Rahmen des § 64 Abs. 1 BBergG nur durch anerkannte Markscheider
durchführen lässt und für eine termingerechte Risswerksführung Sorge trägt. Verstöße gegen
diese Unternehmerpflicht sind durch § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG bußgeldbewehrt.

Die Verantwortung für die inhaltlich ordnungsgemäße Anfertigung des Risswerks trägt der
Unternehmer hingegen nicht soweit er dadurch gegen die Weisungsfreiheit des Markscheiders
nach § 64 Abs. 2 BBergG verstoßen würde.3)

Die Aufsichtsbefugnisse der zuständigen Behörde nach § 69 Abs. 3 BBergG werden
weiterhin inhaltlich begrenzt auf diejenigen Pflichten, die sich aus § 64 Abs. 1 i.V.m.
§ 63 Abs. 1 bis 3 BBergG, §§ 9 und 10 sowie Anlagen 3 und 4 MarkschBergV ergeben.4)
Hierbei spielt es keine Rolle, ob diese Arbeiten durch Markscheider oder im Einzelfall
anerkannte andere Personen (§ 13 MarkschBergV) ausgeführt werden. Soweit ein Markscheider
oder eine andere Person im Sinne von § 64 Abs. 1 Satz 2 BBergG weitere Aufgaben im Betrieb
als Angestellter oder Auftragnehmer erfüllt, z.B. in der Vorbereitung von Betriebsplänen oder
Erstellung von betrieblichen Unterlagen, greifen die Aufsichtsbefugnisse nach § 69 Abs. 3 BBergG
nicht.

Risswerk führende Markscheider oder sonstige anerkannte Personen nach § 13 MarkschBergV
können im Übrigen neben dem Unternehmer ordnungswidrig nach § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG
handeln, da sie zwar keine Verantwortung nach § 58 BBergG tragen, aber im Rahmen des
§ 9 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 OWiG von diesem beauftragt sind, in eigener Verantwortung
Unternehmeraufgaben (Anfertigung und Nachtragung des Risswerks) wahrzunehmen.5)
Dem entspricht auch die Formulierung des Tatbestandes in § 145 Abs. 1 Nr. 13 BBergG,
der die nicht ordnungsgemäße Anfertigung oder Nachtragung des Risswerks enthält, während
die Unternehmerpflichten in § 63 Abs. 1 BBergG im Passiv formuliert sind ( ..... anfertigen
und ... nachtragen zu lassen).

3. Einzelfragen

3.1 Aufsichtsbefugnisse der zuständigen Behörde

§ 69 Abs. 3 BBergG enthält eine Aufgabenzuweisung, aber keine Befugnisse zur Wahrnehmung
der Aufsicht. Diese sind vielmehr in §§ 70ff BBergG geregelt. In Bezug auf die Aufsicht über
Markscheider oder die Ausführung markscheiderischer Arbeiten bestehen danach Auskunfts-
pflichten gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde nach § 70 Abs. 1 BBergG und
Betretungsrechte für Betriebsgrundstücke, Geschäftsräume und Einrichtungen der Auskunfts-
pflichtigen nach § 70 Abs. 2 BBergG. Auskunftspflichtige sind neben dem Unternehmer auch
risswerksführende Markscheider oder sonstige anerkannte Personen nach § 13 MarkschBergV,
worauf § 70 Abs. 1 BBergG ausdrücklich verweist.6) Aufsichts-und Betretungsrechte setzen
dabei voraus, dass diese Befugnisse zur Wahrnehmung der Aufsicht erforderlich sind. Dies
bedeutet, dass sie im Zusammenhang mit konkreten Aufsichtsaufgaben entweder in Hinblick
auf die persönliche Aufsicht über Markscheider oder die Ausführung markscheiderischer
Arbeiten stehen müssen.

Verstöße gegen Auskunftspflichten oder die Zutrittgewährung können als Ordnungswidrigkeit
nach § 145 Abs. 1 Nrn 14 und 15 BBergG geahndet werden. Adressat kann neben dem
Unternehmer auch ein Markscheider oder eine anerkannte Person nach § 13 MarkschBergV
sein, da § 70 Abs. 1 auch diesen Personenkreis verpflichtet.

Eine Untersagung der Beschäftigung eines Markscheiders oder anerkannten Person nach
§ 73 BBergG kommt hingegen auch im Falle einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen
Pflichtverletzung durch diesen Personenkreis nicht in Betracht, da diese Befugnis ausdrücklich
nur den Personenkreis nach § 58 Abs. 1 Nr. 2 BBergG benennt.

Die allgemeine Anordnungsbefugnis nach § 71 Abs. 1 BBergG greift im Grundsatz auch
im Rahmen der Aufsicht nach § 69 Abs. 3 BBergG.7) Als Generalklausel setzt sie
tatbestandlich nur voraus, dass entsprechende Maßnahmen zur Durchführung der Vorschriften
des Bundesberggesetzes oder Bergverordnungen erforderlich sind (zu den Voraussetzungen
vgl. Pkt. 3.2). Anordnungen werden im Zusammenhang mit der Aufsicht über markscheiderische
Arbeiten regelmäßig als Beanstandung erfolgen. Eine direkte Korrektur des Risswerks im Wege
der unmittelbaren Ausführung ohne vorangegangene Anordnung durch die Aufsichtsbehörde
ist hingegen nicht möglich, da das Risswerk keine amtliche, sondern eine betriebliche Unterlage
darstellt, die durch den Unternehmer anfertigen und nachtragen zu lassen ist. Mögliche
Adressaten sind neben dem Unternehmer auch Markscheider oder anerkannte Personen nach
§ 13 MarkschBergV, wobei im Einzelfall zu beachten ist, welche Pflichten der Unternehmer
und die Risswerk führenden Personen haben.

Weitere Befugnisse ergeben sich aus den Landesmarkscheidergesetzen. Das Entfallen von
Anerkennungsvoraussetzungcn (z.B. Zuverlässigkeit) kann hier zu einem Widerruf der
Anerkennung
nach § 49 VwVfG führen. Soweit dies das jeweilige Landesrecht vorsieht,
kommt auch eine Untersagungsverfügung gegenüber einem Markscheider in Betracht.
Bei anerkannten Personen nach § 13 MarkschBergV enthält § 13 Abs. 3 MarkschBergV
eine spezielle Widerrufsbefugnis für den Fall, dass markscheiderische Arbeiten wiederholt
oder gröblich nicht entsprechend der Markscheiderbergverordnung ausgeführt werden.
Diese Widerrufs-und Untersagungsbefugnisse richten sich ausschließlich an die Markscheider
und anerkannten Personen.

3.2 Weisungsbefugnisse zur Eintragung konkreter Angaben im Grubenbild

Die allgemeine Anordnungsbefugnis nach § 71 Abs. 1 BBergG befugt die zuständige Behörde,
durch Verwaltungsakt im Einzelfall die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um einen
rechtmäßigen Vollzug des Bundesberggesetzes und der darauf beruhenden Bergverordnungen
sicherzustellen. Für die Führung des Risswerks ergeben sich die materiellen Maßstäbe aus
§§ 63, 64 BBergG und die Markscheider-Bergverordnung, insbesondere §§ 9 und 10
sowie Anlagen 3 und 4 MarkschBergV. Darüber hinaus verlangt § 2 Abs. 1 Satz 1
MarkschBergV die Durchführung von markscheiderischen Arbeiten nach den allgemein
anerkannten Regeln der Markscheide- und Vermessungskunde unter Berücksichtigung der
örtlichen Gegebenheiten. Nach § 2 Abs. 1 Satz 2 MarkschBergV wird die Einhaltung der
Regeln vermutet, soweit die Norm DIN 21901 (Ausgabe Februar 1984) beachtet wurde.

Die Korrektur von Verstößen gegen die dort explizit genannten formellen Anforderungen
zu Gliederung, Inhalt und Form (Anlage 3 MarkschBergV), sowie Zeitpunkt der
Nachtragung sowie Einreichung des Risswerks kann insoweit durch Anordnung der
zuständigen Behörde gegenüber dem Unternehmer als für die Risswerksführung nach
§ 63 Abs. 1 BBergG verantwortlichen Adressaten durchgesetzt werden. Dass die
Nachtragung des Risswerks selbst im Falle des § 64 Abs. 1 BBergG nur durch einen
Markscheider oder ggf. durch eine andere Person nach § 13 MarkschBergV erfolgen
kann, bleibt unberührt. Die Weisungsfreiheit des Markscheiders nach § 64 Abs. 2 Satz 1
BBergG soll nur Weisungen des Unternehmers gegenüber dem Risswerk führenden
Markscheider ausschließen. Weisungen der für die Bergaufsicht zuständigen staatlichen
Behörde zur Sicherstellung einer gesetzeskonformen Risswerksführung greifen dagegen
in das Verhältnis Unternehmer - Markscheider nicht ein. Damit kann der Unternehmer
eine gegen ihn gerichtete Anordnung zu Gliederung, Inhalt und Form (Anlage 3
MarkschBergV) gegenüber dem Risswerk führenden Markscheider im Rahmen seines
arbeitsrechtlichen oder vertraglichen Verhältnisses erfüllen, indem er diese dem
Markscheider als verpflichtende Arbeitsgrundlage weiterleitet. Soweit das Risswerk
durch eine anerkannte Person nach § 13 MarkschBergV geführt wird, besteht
ohnehin eine volle Weisungsbefugnis des Unternehmers.

Anordnungen der zuständigen Bergaufsichtsbehörde gegenüber dem Unternehmer
müssen sich im Rahmen der gerichtlich voll überprüfbaren gesetzlichen Maßstäbe halten.
Unproblematisch ist dies bei Beanstandungen des Risswerks, die ohne weiteren
Beurteilungsspielraum auf einer Abweichung zu §§ 9 und 10 sowie Anlagen 3 und 4
MarkschBergV
beruhen. Demgegenüber sind Beanstandungen von Verstößen gegen die
anerkannten Regeln der Markscheide-und Vermessungskunde unter Berücksichtigung der
örtlichen Gegebenheiten
nach § 2 Abs. 1 Satz 1 MarkschBergV im Einzelfall zu begründen,
woraus sich dies ergibt und gegen welche anerkannten Regeln verstoßen wurde. Nachdem
§ 2 Abs. 1 Satz 3 MarkschBergV Abweichungen von technischen Normen oder zusätzliche,
in Normen nicht geregelte Eintragungen im Risswerk ausdrücklich vorsieht, kann aus
Bestimmtheitsgründen keine aufsichtliche Anordnung nur darauf gestützt werden, dass
§ 2 Abs. 1 Satz 1 MarkschBergV i.V.m. der DIN 21901 (Ausgabe Februar 1984)
verletzt wurde. Keine ausreichende Grundlage zur Bestimmung der anerkannten Regeln
der Markscheide- und Vermessungskunde sind weiterhin die nur in einzelnen Bundesländern
herausgegebenen Rundschreiben oder Richtlinien an Markscheider, da sie keinen abstrakt-
generellen Charakter im Sinne einer Verwaltungsvorschrift nach § 143 BBergG haben.

Tatsächliche Feststellungen des Markscheiders, insbesondere Messungen, können Gegenstand
einer Anordnung nach § 71 Abs. 1 BBergG sein. Dies setzt voraus, dass für die Aufsicht
führende Behörde die zu korrigierende Tatsache bewiesen ist. Schlichte Zweifel an der
Richtigkeit tatsächlicher Eintragungen sind hingegen nicht ausreichend, um eine Anordnung
gegenüber dem Unternehmer oder der Risswerk führenden Person zu rechtfertigen. Vielmehr
müssen diese abweichenden Tatsachen selbst nach den anerkannten Regeln der Markscheide-
und Vermessungskunde dargelegt werden.

Anordnungen nach § 71 Abs. 1 BBergG unmittelbar gegenüber dem Risswerk führenden
Markscheider ohne eine vorangegangene oder gleichzeitige Anordnung gegenüber dem
Unternehmer sind ausgeschlossen, da die ordnungsgemäße Anfertigung und Nachtragung
des Risswerks eine Unternehmerpflicht darstellt und insoweit keine Rechtsbeziehung
zwischen der zuständigen Behörde und dem Markscheider besteht. Unberührt bleiben
Maßnahmen im Rahmen der persönlichen Aufsicht über die Markscheider, die sich aus
Anlass einer Risswerksprüfung ergeben. Diese sind gegebenenfalls gesondert zu veranlassen.

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1) Piens/Schulte/Graf Vitzthum. BBergG. § 69 Rn 39.

2) Kremer/Neuhaus gen. Wever. Bergrecht Rn 334.

3) Boldt/Weller, BBergG, § 63 Rn 7.

4) Boldt/Weller, BBergG, § 69 Rn 27.

5) Boldt/Weller, BBergG, § 58 Rn 11.

6) Boldt/Weller, BBergG, § 70 Rn 4.

7) Boldt/Weller, BBergG, § 71 Rn 8.