03.12.1996

18.42.5-7-4

Forstliche Wiedernutzbarmachung
von Braunkohlentagebauen
Richtlinien

A 2.29


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien des Landesoberbergamts NRW für die forstliche Wiedernutzbarmachung
         von Braunkohlentagebauen *

Bezug: Richtlinien für das Aufbringen von kulturfähigem Bodenmaterial bei forstwirtschaftlicher
           Rekultivierung für die im Tagebau betriebenen Braunkohlenbergwerke vom
           12.11.1973 in der Fassung vom 2.3.1984


Als Anlage werden die überarbeiteten "Richtlinien des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
für das Aufbringen von kulturfähigem Bodenmaterial bei forstlicher Wiedernutzbarmachung für
die im Tagebau betriebenen Braunkohlenbergwerke vom 12.11.1973-55.12 I 1-in der Fassung
vom 3. Dezember 1996" bekanntgemacht.

Die Neufassung ist nunmehr bei der forstlichen Wiedernutzbarmachung im Bereich des
rheinischen Braunkohlenrevieres zu beachten.

Dortmund, den 3. 12. 1996

Landesoberbergamt NRW


D r.  F o r n e l l i


*) Ersetzt die Richtlinien vom 12.11.1973 in der Fassung vom 2.3.1984.



R i c h t l i n i e n
für das Aufbringen von kulturfähigem Bodenmaterial
bei forstlicher Wiedernutzbarmachung
für die im Tagebau betriebenen Braunkohlenbergwerke
vom 12.11. 1973-55.12-1-1-
in der Fassung vom 3. Dezember 1996

1. Grundsätze

Wiedernutzbarmachung ist die ordnungsgemäße Gestaltung der vom Bergbau in Anspruch
genommenen Oberfläche unter Beachtung des öffentlichen Interesses (§ 4 Abs. 4 Bundesberggesetz).

Die nicht mehr für bergbauliche Zwecke genutzten Betriebsflächen der Braunkohlentagebaue
sind unverzüglich durch das Aufbringen geeigneter Bodensubstrate entsprechend den Erfordernissen
einer ertragreichen land- und forstwirtschaftlichen Folgenutzung und eines leistungsfähigen
Naturhaushaltes herzurichten. Durch die bergbauliche Planung und die eingesetzte Technik ist
dabei sicherzustellen, daß bei der erforderlichen Umlagerung und Bearbeitung der kulturfähigen
Schichten schädliche Bodenveränderungen nicht hervorgerufen, die vielfältigen Funktionen des
Bodens möglichst nachhaltig in ihrer Leistungsfähigkeit erhalten und nachteilige Einwirkungen
so weit wie möglich vermieden werden.

Ziel der forstlichen Wiedernutzbarmachung ist die Herstellung zusammenhängender Waldstandorte,
die über eine natürliche Leistungsfähigkeit verfügen, eine nachhaltige forstliche Aufwuchsfähigkeit
bewahren und einen Entwicklungsraum für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt bilden. Nach
Möglichkeit ist dabei die Schaffung von Standortbedingungen anzustreben, die den ursprünglich
vor dem Abbau vorhandenen nahekommen sowie auch seltenen Waldgesellschaften eine Grundlage
bieten. Dies ist bei der Planung und Gestaltung des Reliefs und dem Aufbau der Schichten in
angemessenem Flächenumfang zu berücksichtigen.

2. Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die bei der Verkippung der Braunkohlentagebaue neu entstehenden
Flächen einschließlich der Außenkippen und sonstigen Betriebsflächen, soweit nach einem
zugelassenen Abschlußbetriebsplan deren forstliche Wiedernutzbarmachung vorgesehen ist.

3. Beschaffenheit und Eignung des aufzubringen kulturfähigen Bodenmaterials

3.1 Als kulturfähiges Bodenmaterial für die forstliche Wiedernutzbarmachung ist der an der
Oberfläche anstehende Löß oder Lößlehm zu verwenden. Dabei können auch die durch
Grundwasser oder Staunässe beeinflußten Lößschichten sowie stark verlehmter älterer Löß
(saaleeiszeitlicher Löß), die für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung nicht oder
nur bedingt geeignet sind, eingesetzt werden.

3.2 Geeignet für die forstliche Wiedernutzbarmachung ist ferner ein Gemisch aus den
quartären sandig-kiesigen Abraumschichten der Haupt- und Mittelterrasse mit Löß und
anderen bindigen Bodenarten (sog. Forstkies).

3.3 Auf ebenen oder nahezu ebenen Fläche sollte vorrangig reiner Löß oder Lößlehm
aufgebracht werden, soweit dieses Bodenmaterial in ausreichender Menge zur Verfügung
steht und eine gesonderte Abtragung mit den eingesetzten Tagebaugeräten technisch möglich ist.

3.4 Beim Aufbringen von Forstkies muß Löß und/oder Lößlehm - je nach Ausbildung des
Deckgebirges - mit einem Anteil von mindestens 25 % an dem kulturfähigen Bodenmaterial
beteiligt sein. Bei der Herstellung von Böschungen kann der Lößanteil im Forstkies auf 20 %
begrent werden, soweit es aus Gründen der Standsicherheit erforderlich ist. Beim Aufbringen
von kalkreichen Lößlehmen ist eine Verminderung des Lößanteiles in der Regel jedoch nicht
erforderlich.

3.5 Zur Erweiterung des waldökologischen Spektrums kann auf begrenzten Teilflächen von
den v. g. grundsätzlichen Anforderungen abgewichen werden. Als oberste Schicht können
z. B. zur Schaffung von Standortvoraussetzungen mit einem feuchten bzw. wechselfeuchten
oder trockenen Bodenwasserhaushalt auch entkalkter Lößlehm, Ton oder Substrate mit
geringeren Lößanteilen aufgebracht werden.

3.6 Bei der Auswahl des für die Wiedernutzbarmachung geeigneten Bodenmaterials und der
Bestimmung der Mischungsverhältnisse sind erforderlichenfalls das Geologische Landesamt
NRW und die zuständige Forstbehörde zu beteiligen.

4. Beschaffenheit und Behandlung der Rohkippen vor dem Aufbringen des kulturfähigen
   Bodenmaterials

4.1 Die oberste, etwa 1-2 m mächtige Schicht der Rohkippen soll zur Vermeidung von
Wasserstauungen aus genügend wasserdurchlässigem, vorwiegend sandig-kiesigem Material
bestehen. Das Verkippen von Ton und Kohle in diese Schicht ist zu vermeiden. Die Oberfläche
ist so zu gestalten, daß ein abwechslungsreiches Relief entsteht und sich schädliche Wasser-
stauungen nicht bilden. Hierfür ist es u.a. in der Regel erforderlich, daß die Generalneigung
der Rohkippe derjenigen der rekultivierten Oberfläche entspricht.

Kleinflächig können Abweichungen von den v.g. grundsätzlichen Anforderungen jedoch zur
standörtlichen Vielfalt beitragen.

4.2 Das kulturfähige Bodensubstrat sollte möglichst unmittelbar nach der Herstellung der
Rohkippe aufgebracht werden.

5. Aufbringung des kulturfähigen Bodenmaterials

5.1 Das kulturfähige Bodenmaterial ist auf der Rohkippe mittels geeigneter Verkippungstechnik
gleichmäßig und schonend so aufzubringen, daß Dichtlagerungen im Bodenprofil vermieden
werden, ein bewegtes Kleinrelief entsteht und eine weitere maschinelle Bearbeitung der
Oberfläche durch Erdbaugeräte möglichst nicht erforderlich wird.

5.2 Die Mächtigkeit des kulturfähigen Substrates sollte bei der Aufbringung von

Bei der Aufbringung von reinem Löß oder Lößlehm mit einer ca. 3 m mächtigen Basisschicht
quartärer Kiese oder Sande ist eine Schichtmächtigkeit des kulturfähigen Substrates von 1 m
ausreichend.

5.3 Das Grobporenvolumen des aufgebrachten Bodenmaterials sollte in der Regel mittel bis hoch,
die Feldkapazität mittel bis sehr hoch sein. Flächige Kies- und Toneinlagerungen sind möglichst
zu vermeiden.

Kleinflächig können Abweichungen von den v. g. grundsätzlichen Anforderungen jedoch zur
standörtlichen Vielfalt beitragen.

5.4 Soweit noch eine nachfolgende maschinelle Bearbeitung der Oberfläche erforderlich ist,
sind zur Vermeidung schädlicher Bodenverdichtungen nur geeignete Erdbaugeräte mit einem
möglichst geringen Bodendruck einzusetzen.

5.5 Bei Transport und Aufbringen des kulturfähigen Bodenmaterials sowie bei der maschinellen
Bearbeitung sind zur Schonung des Bodens grundsätzlich Witterungsverhältnisse, Bodenart und
Bodenfeuchtigkeit in geeigneter Weise zu berücksichtigen.

5.6 Im Bereich von Böschungen sollte das Bodenmaterial zur Vermeidung von Erosionen
möglichst so verkippt werden, daß die entstehenden Rippen parallel zum Böschungsverlauf
orientiert sind.

6. Behandlung des kulturfähigen Bodenmaterials nach dem Aufbringen

6.1 Auf dem frisch verkippten kulturfähigen Bodenmaterial sind im Bereich von Böschungen,
Bermen und Hochflächen zur Rückhaltung abgeschwemmter Bodenbestandteile geeignete
Muldensysteme anzulegen, die sich zu feuchten oder wechselfeuchten Standorten entwickeln
können.

6.2 Zur Vermeidung von Erosionen und Verdichtungen der Oberfläche sind die Flächen nach
Aufbringung des kulturfähigen Bodenmaterials möglichst unverzüglich zu bepflanzen oder
einzusäen.

6.3 Zur Beschleunigung der Bodenbildung und der Ausbreitung der Bodenlebewesen sollte
auf dem verkippten Rohboden humoser Oberboden und holziges Wurzelmaterials aus den
anstehenden Altwaldbereichen möglichst netzartig aufgebracht werden, soweit dies technisch
ohne eine schädliche Verdichtung des Bodens möglich ist und im Tagebauvorfeld geeignetes
Material zur Verfügung steht. Die Bildung von Humus und biogenen Poren ist ferner durch
Anpflanzung von Baum- und Krautarten mit leicht umsetzbarer Biomasse zu fördern.

6.4 Bei der Auswahl standortgerechter Baumarten sind insbesondere auch die geschaffenen
Standortbedingungen zu berücksichtigen. Eine beschleunigte Entwicklung der Strukturvielfalt
kann durch Mitanbau schnellwachsender Baumarten in Gruppen erzielt werden.

7. Dokumentation

Vom Unternehmer sind dem zuständigen Bergamt bis zum 31. 5. eines jeden Jahres folgende
Unterlagen für das Vorjahr vorzulegen:

  1. Wiedernutzbarmachungsriß gemäß Veordnung über markscheiderische Arbeiten und
    Beobachtungen der Oberfläche (MarkschBergV) vom 19. 12.1986
     
  2. Wiedernutzbarmachungsstatistik gemäß Bergverordnung über vermessungstechnische
    und sicherseitliche Unterlagen (UnterlagenBergV) vom 11. 11. 1982
     
  3. Ergänzende Unterlagen auf gesondertes Verlangen der Bergbehörde, z. B.
    - Luftbildaufnahmen,
    - Höhenlinienplan,
    - Profile/Schnitte,
    - Sonderdarstellungen

    (z.B. Angaben über Art und Mächtigkeit des aufgebrachten kulturfähigen Bodenmaterials
    und über Maßnahmen zur Herstellung von Flächen mit besonderen ökologischen
    Anforderungen [Feuchtbiotope, Sukzessionsflächen, besondere Waldstandorte etc.] und
    deren Entwicklung).


31.07.2012

61.55.11-2-16

Die bergbehördlichen Richtlinien
für die landwirtschaftliche Rekultivierung von Braunkohletagebauen

A 2.29

An die Dezernate 61-65

 

die bergbehördlichen Richtlinien für die landwirtschaftliche Rekultivierung von
Braunkohletagebauen sind seit Jahrzehnten Grundlage für die ordnungsgemäße
Wiedernutzbarmachung der im Rheinischen Braunkohlenbergbau in Anspruch
genommenen Flächen, soweit deren landwirtschaftliche Nutzung vorgesehen ist.
Die Richtlinien sind mehrfach überarbeitet worden. Seit Herausgabe der letzten Fassung
vom 17.05.1993 hat sich der Stand der Rekultivierungstechnik weiterentwickelt. Darüber
hinaus hat das zwischenzeitlich in Kraft getretene Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG)
und die hierauf gründende Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV)
grundlegende Maßstäbe auch für die Wiedernutzbarmachung von Braunkohlentagebauen
gesetzt.

Diesen Entwicklungen Rechnung tragend sind die Richtlinien nunmehr aktualisiert worden.
Als Anlage wird die Neufassung vom 31.07.2012 mit der Bitte um Kenntnisnahme übersandt.

Die neuen Richtlinien wurden in einem Arbeitskreis aus Vertretern der Landwirtschafts-
kammer NRW, des Geologischen Dienstes NRW, der RWE Power AG und der Bezirks-
regierung Arnsberg vorbereitet.

Bei der Überarbeitung war insbesondere zu beachten, dass die Richtlinien im Einklang
mit den einschlägigen bergrechtlichen und bodenschutzrechtlichen Regelungen stehen.
Dabei wurde auch solchen bodenschutzrechtlichen Anforderungen nachgegangen, die für
die Rekultivierung in Braunkohletagebauen grundsätzlich nicht anwendbar sind. So gelten
z.B. die stofflichen Qualitätsanforderungen des § 12 BBodSchV zur Herstellung einer
durchwurzelbaren Bodenschicht für den im Tagebau gewonnenen Löss nach
§ 12 Abs. 2 Satz 2 BBodSchV grundsätzlich nicht, weil nur eine Umlagerung von
Bodenmaterial im Rahmen des Tagebaubetriebes erfolgt (vgl. dazu auch das
Merkblatt Nr. 44 des LUA NRW von 2004 sowie die Vollzugshilfe mit den ministeriellen
Ergänzungen für das Land Brandenburg vom Mai 2004). Für unabhängig davon durchgeführte
repräsentative Lössanalysen im Vorfeld der Tagebaue wurde die Einhaltung dieser
Anforderungen bestätigt.

Die neuen Richtlinien berücksichtigen einerseits die neuen Erkenntnisse und
Entwicklungen und halten andererseits an bewährten Regelungen fest. Im konkreten
Vergleich zu den bisherigen Richtlinien ergibt sich zusammenfassend Folgendes:

  1. Abschnitt 1 „Geltungsbereich“ bleibt im Wesentlichen unverändert. Für Deponien
    sind die hierfür geltenden Regelwerke anzuwenden.
  2. Abschnitt 2 „Beschaffenheit und Behandlung der Rohkippen vor dem Aufbringen
    des kulturfähigen Bodenmaterials“ trägt den neuen Erkenntnissen der Bodenkunde und
    der Rekultivierung Rechnung. Es wurden konkrete, praxisnahe Eignungskriterien für
    Löss festgesetzt.
  3. Abschnitt 3 „Beschaffenheit und Behandlung der Rohkippen vor dem Aufbringen des
    kulturfähigen Bodenmaterials“ bleibt im Wesentlichen unverändert.
  4. Abschnitt 4 „ Herstellen der kulturfähigen Bodenschicht“ entspricht im Wesentlichen
    den bisherigen Regelungen. An der Vorgabe eines mindestens 2 m mächtigen
    Lössauftrags wird dem Lössabkommen vom 20.02.1961 entsprechend festgehalten.
    Zur Lössbewirtschaftung und langfristigen Sicherung von Lössüberschüssen sind neue
    Regelungen getroffen worden.
  5. Abschnitt 5 „Melioration und Inkulturnahme der Flächen“ entspricht im Wesentlichen
    den bisherigen Regelungen.
  6. Abschnitt 6 „Rekultivierungs-/Bodenschutzbeauftragte“ ist neu eingeführt worden und
    sieht neben der Bestellung je eines Rekultivierungsbeauftragten für die jeweiligen
    Tagebaue Bestellungen eines revierweit zuständigen Rekultivierungsbeauftragten und
    eines revierweit zuständigen Bodenschutzbeauftragten vor.
  7. Abschnitt 7 „Dokumentation“ (bisher Abschnitt 6) ist präzisiert und gleichzeitig gestrafft
    worden.

 

Die neuen Richtlinien sind bei der Zulassung von bergrechtlichen Betriebsplänen für
Braunkohlentagebaue im Rheinischen Revier zur Anwendung zu bringen. Sie können bei der
Zulassung von Betriebsplänen für andere Bergbauzweige zum Anhalt genommen werden.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie NRW
Im Auftrag:

K i r c h n e r


 


 

Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,

für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung

von Braunkohletagebauen vom 31.07.2012

 

 

Wiedernutzbarmachung ist die ordnungsgemäße Gestaltung der vom Bergbau in Anspruch
genommenen Oberfläche unter Beachtung des öffentlichen Interesses (§ 4 Abs. 4 BBergG).

Ziel der landwirtschaftlichen Wiedernutzbarmachung ist die Herstellung von Kulturböden, die
über eine hohe potenzielle Ertragsfähigkeit verfügen und somit in besonderem Maße ihre
landwirtschaftliche Nutzungsfunktion erfüllen. Daneben sind die natürlichen Funktionen
(z. B. Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und Bodenorganismen) nachhaltig
wiederherzustellen. Die Entstehung hierzu geeigneter Böden soll durch die Beachtung
nachstehender Richtlinien erreicht werden.

 

1.   Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die Wiedernutzbarmachung

soweit auf Grundlage eines zugelassenen Betriebsplans eine landwirtschaftliche Wiedernutz-
barmachung für diese Flächen auf Dauer vorgesehen ist.

 

2.   Beschaffenheit und Eignung des aufzubringenden kulturfähigen Bodenmaterials

Für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung kommen als kulturfähiges Bodenmaterial
nur Löss und Lösslehm sowie deren Umlagerungsprodukte einschließlich des humosen Oberbodens
(z. B. Lössfließerde, kolluvial umgelagerter Löss, lössdominierte Fluss- und Bachablagerungen)
in Frage. Diese Sedimente - im Folgenden summarisch als lössbürtige Ablagerungen oder -
sprachlich vereinfacht - als „Löss“ bezeichnet - sind vom Grundsatz her alle für die landwirt-
schaftliche Wiedernutzbarmachung geeignet.

Der Begriff „Löss“ wird in diesen Richtlinien auch für alle Stadien der Umlagerung und
Rekultivierung des kulturfähigen Bodenmaterials benutzt.

Der Löss aus folgenden Schichten/Horizonten ist für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung
ungeeignet, wenn

Der Löss ist in seiner Gesamtmächtigkeit für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung
ungeeignet, wenn

Die Einhaltung dieser Qualitätskriterien bei der Gewinnung des Lösses ist durch geeignete
Maßnahmen (z. B. Schulung der Baggerführer) sicherzustellen. Für Grundsatzfragen, welche
die Auswahl des für die Wiedernutzbarmachung geeigneten Bodenmaterials betreffen, sollte
der Geologische Dienst NRW hinzugezogen werden.

Die gewinnbare Mindestmächtigkeit des Lösses ist u. a. von betriebsbedingten Faktoren wie
dem Angebot und dem Bedarf an Löss sowie der Geräteausstattung abhängig. In der Regel
liegt die Untergrenze der gewinnbaren Mindestmächtigkeit bei 1 m. Aufgrund der besonderen
Rekultivierungs- und Bewirtschaftungsregelungen ist eine getrennte Gewinnung von Unter- und
Oberbodenmaterial im Rahmen der Rekultivierung der Braunkohletagebaue für eine qualitativ
hochwertige landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung nicht erforderlich.

Für bei der Wiedernutzbarmachung vorgesehenes Bodenmaterial aus altlastenverdächtigen
Flächen sind die einschlägigen Anforderungen der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV) zu beachten. Die Unbedenklichkeit der Verwendung ist im Zusammenhang mit
den für die Untersuchung und Sanierung solcher Flächen erforderlichen Sonderbetriebsplänen
nachzuweisen.

 

3.   Beschaffenheit und Behandlung der Rohkippen vor dem Aufbringen des kulturfähigen
        Bodenmaterials

Die Generalneigung des Untergrundes (Rohkippe) für die Lössauflage soll in der Regel derjenigen
der ordnungsgemäß gestalteten Oberfläche entsprechen. Dabei ist das Setzungsverhalten der
Gesamtaufschüttung  zu berücksichtigen.

Die Höhen sind so zu gestalten, dass bei späterem Grundwasseranstieg Vernässungen der
aufgebrachten Lössschicht  vermieden werden.

Grundsätzlich sind mindestens die obersten 2 m der Rohkippe mit wasserdurchlässigem, sandigem,
kiesigem oder sandig-kiesigem Material herzustellen, welches eine deutlich höhere Wasserdurch-
lässigkeit als ein ordnungsgemäß aufgebrachter Löss hat. Verdichtungen, die zu Staunässe führen,
sind zu vermeiden. Länger offen liegende Rohkippen und solche mit geringer Infiltrationsleistung
sind vor dem Lössauftrag aufzureißen.

Damit Setzungen im Rohkippenbereich abklingen, ist eine lange Liegezeit der vorlaufenden
unteren Kippen vor Aufbringen des Lösses anzustreben. Die Rohkippe ist so vorzubereiten, dass
der Lössauftrag gleichmäßig erfolgen kann.

 

4.   Herstellen der kulturfähigen Bodenschicht

Bei der Herstellung der kulturfähigen Bodenschicht sind Bodenschadverdichtungen, Vernässungen
und sonstige nachteilige Bodenveränderungen durch geeignete technische Maßnahmen zu
vermeiden.

Während des Gewinnungs-, Transport- und Verkippungsvorganges ist dafür Sorge zu tragen,
dass das kulturfähige Bodenmaterial seine Qualität behält.


4.1
Aufbringen des kulturfähigen Bodenmaterials mit Absetzern

Die Aufbringung des kulturfähigen Bodenmaterials sollte grundsätzlich mit Absetzern erfolgen.
Dabei sollte die Versturzhöhe des Materials möglichst gering sein. Der Lössauftrag muss
gleichmäßig mit minimalen Rippenhöhen erfolgen, damit umfangreiche Planierarbeiten vermieden
werden. Geeignete technische Maßnahmen hierfür (z. B. verminderte Förderleistung bei
Großgeräten, Kleinabsetzer, Laser/ GPS-gestützte Verkippung, Kontrollnivellement) sind
vorzusehen. Der Wassergehalt des zu verkippenden Materials sollte maximal in dem Bereich
liegen, der zu steifer Konsistenz (vgl. DIN 19682-5) führt. Eingeschränkt ist weiches Material
verwendbar. Breiiges und zähflüssiges Material sind ungeeignet.

4.2 Aufbringen des kulturfähigen Bodenmaterials mit sonstigen Verfahren

In Bereichen, die betriebsbedingt nicht mittels Absetzern erstellt werden (z. B. offen gehaltene
Großgerätetransporttrassen), ist der Einsatz geeigneter alternativer Verfahren zulässig. Dabei
gelten dieselben  Anforderungen hinsichtlich der Rekultivierungsqualität wie beim Absetzer-
verfahren.

4.3 Mächtigkeit der kulturfähigen Bodenschicht

Kulturfähiges Bodenmaterial nach Abschnitt 2 ist gesondert zu gewinnen und als oberste
Bodenschicht bei der Wiederherstellung der Oberfläche zu verwenden. Dabei muss die
Mächtigkeit des Lössauftrages im gesetzten Zustand grundsätzlich mindestens 2 m betragen.

Überschüssiger Löss ist mit Blick auf den langfristigen Erhalt der Ressource Löss ober-
flächennah abzulagern. Hierbei sind Lössüberschüsse, die zum Gewinnungszeitpunkt nicht für
die ordnungsgemäße Wiedernutzbarmachung im selben oder in anderen Tagebauen genutzt
werden, in ausgewiesene Bereiche gezielt oberflächennah mit großen Mächtigkeiten so zu
verkippen, dass eine zukünftige Entnahme ohne Beeinträchtigung der Wiedernutzbarmachung
gesichert ist. Der oberflächennahen Lössablagerung mit großen Mächtigkeiten ist dabei der
Vorzug vor einer Erhöhung der Mindestmächtigkeit von 2 m einzuräumen.

4.4 Lössbewirtschaftung

Zum Ausgleich von örtlichen und zeitlichen Lössmangelsituationen ist tagebauspezifisch und
tagebau-übergreifend eine geordnete Lössbewirtschaftung erforderlich. Hierfür kommen
Zwischenlager oder Lössdepots in Betracht.

      Zwischenlager

      Zwischenlager sind auf eine kurzzeitige Lagerung  des Bodenmaterials ausgelegt und
      dienen dazu, im laufenden Rekultivierungsbetrieb den Lössanfall (Gewinnung) und die
      Lössverwendung (Verkippung) im Sinne eines Bunkerbetriebes und ggf. in Verbindung
      mit einem Materialumschlag auf ein anderes Fördermittel (z.B. Zugbetrieb) zu entkoppeln.

      Lössdepots

      Lössdepots sind auf eine mittelfristige Lagerung von Lössüberschüssen ausgelegt.
      Hierbei wird das überschüssige kulturfähige Bodenmaterial gezielt oberflächennah
      aufgehaldet mit dem Ziel, es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu entnehmen.

Bei der Lössbewirtschaftung ist darauf zu achten, dass nur Löss mit maximal halbfester
bis steifer Konsistenz verkippt wird. Die Aufstandsfläche insbesondere der Lössdepots
sollte hinsichtlich der Korngrößenzusammensetzung aus Materialien bestehen, die die
Auswirkungen des Porensprunges an der Basis minimieren. Demzufolge ist es empfehlens-
wert, die Aufstandsfläche aus Sand bzw.Feinsand zu erstellen.

Die Vorbereitung der Rohkippe und der Lössauftrag sind zur Vermeidung von Bodenschäden
entsprechend den Abschnitten 3 und 4.1 durchzuführen. Die Höhe der Zwischenlager und
Lössdepots sollte 35 m nicht überschreiten.

Zur Vermeidung von Materialvernässungen und zur Unterstützung einer zügigen Ableitung
der Oberflächenwässer sollten die Oberflächen von Lössdepots profiliert werden. Die
Depots sind nach ihrer Fertigstellung umgehend mit geeigneten Pflanzen (Luzerne oder Gras)
zu begrünen. Auch die Flanken der Depots sind in die Begrünungsmaßnahmen einzubeziehen.

4.5 Planieren der Oberfläche

Das Einebnen des verkippten Lösses darf nur nach ausreichender Liegezeit von mindestens
3 Monaten erfolgen. Erst durch diese Liegezeit kann die zum Ausgleich ungleichförmiger
Setzungsbewegungen notwendige nachträgliche Schiebearbeit minimiert werden. Um
Bodenschadverdichtungen zu vermeiden, darf das Planieren nur bei hinreichend niedrigem
Wassergehalt und nicht zu nasser Witterung stattfinden. Das Planieren sollte nur soweit
erfolgen, dass anschließend die landwirtschaftlichen Bodenbearbeitungsmaßnahmen
ordnungsgemäß durchgeführt werden können. Beim Einebnen sind Planierraupen mit
geringem spezifischen Bodendruck (< 25 kPa) sowie geringer Gesamtmasse (< 20 t)
einzusetzen. Das Befahren mit Radfahrzeugen ist nicht zulässig. Sofern beim Planieren
Flächen entstehen, die aufgrund des Reliefs einer besonderen Erosionsgefahr unterliegen,
sind diese durch eine gezielte Unterbrechung in Gefällerichtung in einzelne Abschnitte zu
unterteilen. Die planierten Flächen sind unverzüglich zu begrünen.

4.6 Neigung der Flächen

Um die Bodenerosion zu minimieren, darf die Höchstneigung der Flächen grundsätzlich
1,5 % nicht überschreiten. In Übergangsbereichen zu anderen Nutzungsarealen oder zum
unverritzten Gelände sowie auf Flächen, auf denen unterschiedliche Kippensetzungen zu
erwarten sind, ist nach Abstimmung mit den in ihrem Aufgabenbereich berührten Behörden
und der Landwirtschaftskammer NRW eine Höchstneigung von bis zu 2,5 % zulässig.

5.   Melioration und Inkulturnahme der Flächen

Die Flächen sind frühestmöglich in Kultur zu nehmen. Dabei sind die „Bewirtschaftungs-
empfehlungen für Neulandböden“ in Ihrer jeweils gültigen Fassung zu beachten.

Sofern im Zuge der Wiedernutzbarmachung Gefügeschäden oder andere Rekultivierungs-
mängel entstanden sind, müssen diese durch gezielte Meliorationsmaßnahmen (z. B.
mechanische Lockerung und/oder Bedarfsdrainage) beseitigt werden. Zur Sicherung
des Meliorationserfolgs sind danach unverzüglich pflanzenbauliche Maßnahmen durch-
zuführen.

 

6.   Rekultivierungs-/Bodenschutzbeauftragte

Für jeden Tagebau hat der Unternehmer einen Betriebsbeauftragten für die Rekultivierung
zu bestellen, der alle Maßnahmen von der Lössgewinnung bis zum Abschluss der
ordnungsgemäßen Wiedernutzbarmachung der neuen Flächen überwacht (Rekultivierungs-
beauftragter).

Zur Sicherstellung eines gegenseitigen Informationsaustausches zwischen den Rekultivier-
ungsbeauftragten der Tagebaue und den am Rekultivierungsgeschehen beteiligten Fach-
abteilungen sowie der tagebau-übergreifenden Lössbewirtschaftung und -überwachung
ist zudem ein revierweit zuständiger Rekultivierungsbeauftragter zu bestellen.

Zur beratenden Unterstützung der vorgenannten Rekultivierungsbeauftragten hat der
Unternehmer hinsichtlich der Anforderungen des Bodenschutzes darüber hinaus einen
Bodenschutzbeauftragten zu bestellen.

Die Bestellung und Abberufung der vorgenannten Beauftragten sind der Bergbehörde und
der Landwirtschaftskammer NRW jeweils anzuzeigen.

Zu Rekultivierungsbeauftragten und Bodenschutzbeauftragten dürfen nur Personen bestellt
werden, die die zur Erfüllung der Aufgaben erforderliche Fachkunde und Zuverlässigkeit
besitzen.

Die Rekultivierungsbeauftragten und der Bodenschutzbeauftragte beraten den Unternehmer
in Angelegenheiten, die für die Rekultivierung bedeutsam sein können. Sie sind berechtigt
und verpflichtet,

Die Aufgaben und Verpflichtungen der vorgenannten Beauftragten sind in Betriebsanweisungen
detailliert festzulegen.

Alle in der Lössgewinnung, -verkippung und –bearbeitung tätigen Personen sind regelmäßig
zu schulen. Hierüber ist ein Nachweis zu führen.

 

7.   Dokumentation

Der Unternehmer hat bis zum 30.06. eines jeden Jahres folgende Unterlagen für die
einzelnen Tagebaue vorzulegen:

1.      Tabelle der Lössbilanz (Vorjahr) mit Angaben

2.      Karten im Maßstab 1: 25.000 mit Darstellung der Bereiche der Lössgewinnung und der
         Lössverwendung (Vorjahr)

3.      Längsschnitte im Maßstab 1:5000/500 für die Bereiche der Lössgewinnung (Vorjahr)

4.      Tabelle der Lössvorschau (Berichtsjahr) mit Erläuterungen und Angaben zur geplanten
         Lössgewinnung und Lössverwendung

5.      Karten im Maßstab 1 : 5.000 der fertig gestellten und planierten landwirtschaftlich
         rekultivierten Flächen (Vorjahr) mit

      In die Karten sind Besonderheiten wie

      einzutragen.

6.      Luftbildaufnahmen (im Maßstab 1 : 5.000) einschließlich Luftbildinterpretation der
         Luzerneumbruchflächen