06.12.1972

18.33 I 6


Wetterdruck-Richtlinien


A 2.18


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Richtlinien für die Ermittlung des Druckabfalls der Wetter in Steinkohlenbergwerken
         (Wetterdruck-Richtlinien) *)

Die folgenden Richtlinien sind in einem Arbeitskreis aus Vertretern der Bergwerksgesellschaften,
des Steinkohlenbergbauvereins, der Westfälischen Berggewerkschaftskasse und der Bergbehörden
aufgestellt worden. Sie erläutern die Bestimmungen des § 161 Abs. 2 der BVOSt vom 20.2.1970 über
die Ermittlung des Druckgefälles der Wetter im Grubengebäude, um eine einheitliche Handhabung bei
der Durchführung von Messungen und Berechnungen zu erreichen. Die Regelungen über die Ermittlung
der Druckverteilung sind als Mindestanforderungen anzusehen. Durch den Einsatz elektronischer
Rechenanlagen dürfte es im allgemeinen möglich sein, sämtliche Veränderungen eines Wetternetzes zu
erfassen und die Wetter- und Druckverteilung stets auf den neuesten Stand zu bringen. Die Richtlinien
sollen zur Verbesserung der Wetterplanung und Wetterüberwachung durch eine stärkere Berück-
sichtigung der Wetterstabilität beitragen.

Dortmund, den 6.12.1972

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s

*) Diese Richtlinien sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 229 beim Verlag Hermann Bellmann,
46 Dortmund, Postfach 13, erschienen.



R i c h t l i n i e n
des LOBA NW
für die Ermittlung des Druckabfalls der Wetter in Steinkohlenbergwerken
(Wetterdruck-Richtlinien)

vom 6.12.1972

1. Geltungsbereich

Die Richtlinien regeln die in § 161 Abs. 2 der Bergverordnung des Landesoberbergamts
Nordrhein-Westfalen für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 20.2.1970 vorgeschriebene
Ermittlung des Druckabfalls der Wetter in Steinkohlenbergwerken. Sie bilden eine Grundlage
zur Beurteilung der durchgehenden Bewetterung, insbesondere der Wetterstabilität (Ziffer 4).

2. Begriffsbestimmungen 1)

2.1. Wetterdruck

Die je Volumeneinheit wirksame Energie zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Wetter-
bewegung.


1) Dimensionen der wettertechnischen Kenngrößen siehe Anlage

2.2. Druckabfall (bisher auch Druckgefälle genannt)

Die Wetterbewegung verursachende Abnahme des Drucks zwischen zwei Punkten des
Grubengebäudes, unabhängig davon, ob zwischen diesen Punkten Druckquellen vorhanden
sind. Druckabfall und die in der BVOSt als Druckunterschied bezeichnete Größe haben
physikalisch die gleiche Bedeutung.

2.3. Druckbedarf

Der in einem Wetterweg beim Durchgang eines bestimmten Wetterstroms voraussichtlich
entstehende Druckabfall.

2.4. Druckverbrauch

Druckabfall in einem Wetterweg vermehrt bzw. vermindert um den von einer dort vorhandenen
Druckquelle erzeugten Wetterdruck.

Findet in einem Wetterweg eine zusätzliche Druckerzeugung nicht statt, sind für diesen Wetterweg
Druckabfall und Druckverbrauch zahlenmäßig gleich.

2.5. Wetterwiderstand

Verhältnis von Druckverbrauch und dem Quadrat des Wetterstroms.

2.6. Knotenpunkt

Verzweigungspunkt von durchgehend bewetterten Grubenbauen.

2.7. Ortsdruck eines Knotenpunkts

Druckabfall von der Rasenhängebank (Ortsdruck = 0) bis zu diesem Punkt.

Ortsdrücke werden in positiven Zahlen angegeben.

2.8. Diagonale Wetterwege

2.8.1. Diagonaler Wetterweg 1. Ordnung

Verbindung von parallelen Wetterwegen, in der die Wetterrichtung von den Widerständen
der an diesen Wetterweg angrenzenden Grubenbaue abhängt.

2.8.2. Diagonaler Wetterweg 2. Ordnung

Wetterweg zwischen zwei Wetterfeldern, in dem die Wetterrichtung sowohl von den
Widerständen der an diesen Wetterweg angrenzenden Grubenbaue als auch von der
Druckerzeugung der Lüfter an ausziehenden Tagesschächten, der Zusatzlüfter und Auftriebe
abhängt.

2.9. Wetterschleuse

Einrichtung mit Fahrungsmöglichkeit zur Trennung von Ein- und Ausziehwetterströmen unter
Beibehaltung eines für die Bewetterung des abgeschleusten Wetterwegs erforderlichen
Wetterkurzschlusses (§ 148 BVOSt).

2.10. Wetterdrossel

Einrichtung mit Fahrungsmöglichkeit zum Einstellen von Wetterströmen (§ 149 BVOSt).

3. Ermittlung der Druckverteilung der Wetter im Grubengebäude

3.1. Kennzeichnende Größen der Wetterführung

Bei der Ermittlung der Druckverteilung der Wetter sind die in einem Wetterweg beim
Druckstrom von Wettern entstehenden Druckabfälle festzustellen.

Ferner sind festzustellen:

Größe der durchgehenden Wetterströme,
Widerstand der einzelnen Wetterwege,
Ortsdruck an den Knotenpunkten,
Druckerzeugung durch Lüfter an ausziehenden Tagesschächten,
Zusatzlüfter und Auftrieb.

3.2. Druckangaben

Der Ortsdruck ist zu ermitteln

Druckangaben sind auch für Schleusen und Drosseln erforderlich.

3.3. Durchführung

3.3.1. Die Druckverteilung der Wetter im Grubengebäude kann ermittelt werden

3.3.2. Der Druckabfall der Wetter im Grubengebäude ist in längstens jährlichen Abständen
aufgrund von Messungen zu ermitteln.

Hiervon abweichend können Berechnungen des Druckabfalls vorgenommen werden, wenn

3.3.3. Der Druckabfall der Wetter im Grubengebäude ist nach wesentlichen Änderungen
der Wetterverteilung zu ermitteln.

Als wesentliche Änderung sind grundsätzlich anzusehen:

Änderungen der Druckverteilung als Folge der Abbauführung oder von Eingriffen bzw.
Störungen (s. Ziffer 5) können wesentliche Änderungen der Wetterverteilung erforderlich
machen.

3.3.4. Die Ermittlung der Druckverteilung nach Ziffer 3.3.3. kann durch Berechnungen
erfolgen, die erforderlichenfalls durch Messungen zu überprüfen sind.

3.3.5. Für gedrosselte bzw. abgeschleuste Wetterwege ist zusätzlich aus dem Unterschied
zwischen den Wetterwiderständen mit und ohne Drossel bzw. Schleuse der Druckverbrauch
an der Drossel bzw. Schleuse zu berechnen.

4. Stabilität der Bewetterung

4.1. Zur Beurteilung der Stabilität der Bewetterung ist die Kenntnis der Druckverteilung von
Bedeutung.

Die Bewetterung eines Grubenbaus gilt als stabil, wenn der Wetterstrom

Der Ausfall von Hauptlüftern und Zusatzlüftern ist hierbei nicht in Betracht zu ziehen
(s. § 143 Abs. 6 BVOSt).

4.2. Die Stabilität des Wetterstroms in einem Wetterweg hängt ab

5. Überprüfung der Wetterverhältnisse

5.1. Bei Eingriffen oder Störungen im Wetternetz ist zu berücksichtigen, daß nicht nur die
Größe des Wetterstroms, sondern je nach Lage des Wetterwegs im Netz auch die Richtung
verändert werden kann.

Bei Eingriffen sind deshalb die Auswirkungen auf die Bewetterung vorher zu ermitteln und
die notwendigen Maßnahmen zur Gewährleistung der Stabilität einzuplanen.

Bei Störungen der Bewetterung sind unverzüglich die Auswirkungen in den betroffenen
Grubenbauen zu ermitteln und ggf. die erforderlichen Maßnahmen zur Wiederherstellung
der Stabilität der Bewetterung durchzuführen. Erforderlichenfalls ist die Belegschaft aus
den betroffenen Grubenbauen zurückzuziehen.

5.2. Bei Änderungen der Druckverteilung ist zu beachten, daß in abgedämmten Grubenbauen
der bestehende Zustand gestört oder die Brandgefahr durch verstärkte Schleichwetterströme
erhöht werden kann.

5.3. Stabilitätsbetrachtungen, die bei der Planung bzw. Überwachung der Bewetterung in
komplizierten Wetternetzen erforderlich sind, lassen Strukturanalysen mit Hilfe geeigneter
schematischer Darstellungen (z.B. nach dem Bericht des Ständigen Ausschusses für die
Betriebssicherheit im Steinkohlenbergbau über die 'Stabilisierung der Wetterführung bei
offenen Grubenbränden') in Verbindung mit Wetternetzberechnungen zweckmäßig erscheinen.

6. Darstellung im Wetterführungsplan

Nach den Bestimmungen des § 167 Abs. 1 BVOSt sind die Ergebnisse der Wetterdruck-
messungen im Wetterführungsplan einzutragen.

Als Ergebnisse im Sinne dieser Bestimmung gelten die ermittelten Ortsdrücke.

Für die Darstellung der Ortsdrücke an den Knotenpunkten, Hauptlüftern und Zusatzlüftern
sowie des Druckverbrauchs an Schleusen und Drosseln sind die 'Richtlinien über die Darstellung
des Grubengebäudes und der in § 167 Abs. 1 BVOSt geforderten Angaben im Wetter-
führungsplan' maßgebend.



Anlage

Dimensionen der wettertechnischen Kenngrößen

  1. Bis zum 31.12.1977 ist für Druck das Einheitenzeichen kp/m2 gültig.
     
    Die abgeleitete SI-Einheit (SI = Systeme International - Internationales Einheitensystem)
    des Drucks ist das Pascal, Einheitenzeichen: 1 Pa = 1 N/m2.
     
  2. Der Wetterstrom - allgemein als Wettermenge in m3 /min bezeichnet - entspricht dem
    Volumenstrom.
     
    Die abgeleitete SI-Einheit des Volumenstroms ist das Kubikmeter durch Sekunde,
    Einheitenzeichen: m3 /s.


26.08.1977

18.34.1-2-15

Ferngesteuerte oder automatische Kontrolle ortsfester CO-Meßeinrichtungen
Grundsätze

A 2.18


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Grundsätze für ferngesteuerte oder automatische Kontrolle des Nullpunkts und der
Empfindlichkeit ortsfester schreibender CO-Meßeinrichtungen

Die beigefügten Grundsätze enthalten Regelungen für die nach dem derzeitigen sicherheitstechnischen
Stand angebotenen Verfahren zur ferngesteuerten oder automatischen Kontrolle des Nullpunkts und
der Empfindlichkeit ortsfester schreibender CO-Meßeinrichtungen.

Im Rahmen der Zulassung von Betriebsplänen über die Anwendung der Verfahren, bitte ich, diese
Regelungen zu vereinbaren oder als Bedingungen und Auflagen festzusetzen. Bei der ferngesteuerten
oder automatischen Nullpunktskontrolle bzw. -korrektur in Verbindung mit der ferngesteuerten oder
automatischen Empfindlichkeitskontrolle nach beigefügten Grundsätzen darf auf die wöchentliche
Überprüfung nach der Rundverfeugung vom 11.8.1966 - 23/4-112.22/3175/66 - (Bellmann-Druck
unter BVOSt 13/BVONK 28) verzichtet werden.

Für die Bescheinigung der Unbedenklichkeit der verwendeten Gerätekombinationen und für
deren gegebenenfalls erforderliche Untersuchungen vor dem Ersteinsatz ist die Prüfstelle für
Grubenbewetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse anerkannt worden.

Dortmund, den 26.8.1977

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s





G r u n d s ä t z e
für ferngesteuerte oder automatische Kontrolle des Nullpunkts und
der Empfindlichkeit ortsfester schreibender CO-Meßeinrichtungen 


1. Folgende Kontrollverfahren sind entwickelt worden

1.1. Ferngesteuerte Nullpunkts- und Empfindlichkeitskontrolle

Die Kontrolle des Nullpunkts und der Empfindlichkeit erfolgt von einer zentralen Stelle
(z.B. Grubenwarte) aus durch Schaltimpulse, die jederzeit ausgelöst werden können.
Hierbei werden nacheinander Luft (Nullgas) und Prüfgas über je ein ferngesteuertes Magnetventil
auf das Meßgerät aufgegeben.

1.2. Automatische Nullpunkts- und Empfindlichkeitskontrolle

In einem vorwählbaren Zeitzyklus werden über eine Zeitschaltuhr die Magnetventile zur Aufgabe
von Luft und Prüfgas auf das Meßgerät betätigt.

1.3. Eingebaute Nullpunktskorrektur

Durch die in der Meßeinrichtung eingebauten Vorrichtungen wird die Nullpunktslage, automatisch
oder wahlweise mit Fernsteuerung ausgelöst, elektronisch nachgestellt. Soll auch die Empfindlich-
keitskontrolle durchgeführt werden, muß wie unter Nr. 1.1 über ein ferngesteuertes Ventil Prüfgas
aufgegeben werden.

2. Nach dem derzeitigen sicherheitstechnischen Stand dürfen die Kontrollverfahren
    (Kontrolleinrichtungen) unter folgenden Voraussetzungen angewendet werden

2.1. Für die Verfahren dürfen nur Gerätekombinationen verwendet werden, deren sicherheitliche
Unbedenklichkeit eine vom Landesoberbergamt anerkannte Fachstelle (Als Fachstelle ist vom
Landesoberbergamt die Prüfstelle für Grubenbewetterung der Westfälischen Berggewerkschafts-
kasse anerkannt.) bescheinigt hat.

2.2. Zur Vermeidung von Störungen an den Geräten und zur sicheren Überwachung der Wetter
sind folgende technische Hinweise zu beachten:

2.2.1. Die Kontrolle des Nullpunkts und der Empfindlichkeit ist täglich wenigstens einmal
vorzunehmen. Der Zeitraum in dem die regelmäßigen Kontrollen durchgeführt werden, muß
festgelegt sein.

2.2.2. Der Kontrollvorgang darf 15 Minuten nicht überschreiten.

2.2.3. Der Kontrollvorgang muß in der Reihenfolge Nullpunktskontrolle, Empfindlichkeits-
kontrolle vorgenommen werden.

2.2.4. Im Rahmen des Kontrollvorganges dürfen Warnsignale nicht überbrückt werden.

2.2.5. Die Konzentration des Prüfgases soll etwas oberhalb des eingestellten Grenzwertes für
das Warnsignal liegen, darf jedoch 200 ppm CO nicht überschreiten. Bei der automatischen
Nullpunktskorrektur nach Nr. 1.3 ohne Empfindlichkeitskontrolle muß das Warnsignal durch
einen elektrischen Impuls ausgelöst werden.

2.2.6. Es dürfen nur Prüfgasflaschen mit einem Inhalt bis 10 l verwendet werden. Das
rechtzeitige Auswechseln der Flaschen muß sichergestellt sein.

2.2.7. Die mit der Überprüfung der Registriergeräte und Warnsignale an der zentralen Stelle
zu beauftragende Person muß über die ferngesteuerte oder automatische Kontrolle ortsfester
CO-Meßeinrichtungen unterwiesen sein, insbesondere

2.2.8. Die mit der Überprüfung beauftragte Person hat festzustellen,

2.2.9. Über die Ergebnisse der täglichen Überprüfung sind Nachweise zu führen. In den
Nachweisen sind Art und Häufigkeit von Störungen besonders zu vermerken.

2.2.10. Der mit der Überprüfung beauftragten Person ist eine Dienstanweisung auszuhändigen.

2.2.11. Alle Betriebsmittel einer Kontrolleinrichtung nach Nr. 1.1 oder Nr. 1.2 müssen in einem
verschließbaren Schrank eingebaut sein. In dem Schrank muß ein Plan über die Gaswege der
Kontrolleinrichtung angebracht sein.

2.2.12. Druckminderer müssen geeignet und auf eine dem Volumenstrom der Gaspumpe
entsprechende Größe eingestellt sein.

2.2.13. Im Rahmen der monatlichen Prüfung der Meßgeräte sind auch die ferngesteuerten und
automatischen Kontrolleinrichtungen zu prüfen.

2.2.14. Die in der Anlage zusammengestellten Anweisungen für die Wartung, Prüfung und
Überprüfung sind zu beachten.



Anlage

Anweisung nach Nr. 2.2.14 der Grundsätze für ferngesteuerte oder
automatische Kontrolle des Nullpunkts und der Empfindlichkeit ortfester
schreibender CO-Meßeinrichtungen

Monatliche Prüfung (zu Nr. 2.2.13 )
(Alle Numerierungen beziehen sich auf die Grundsätze für ferngesteuerte oder automatische
Kontrolle des Nullpunkts und der Empfindlichkeit ortsfester schreibender CO-Meßeinrichtungen)

Monatlich sind zu prüfen:


Tägliche Überprüfung (zu. Nr. 2.2.1)

Von der zentralen Stelle sind bei Einrichtungen nach Nrn. 1.1 bis 1.3 durch Auswertung der
Schreibstreifen täglich zu festgelegten Zeiten folgende Kontrollen durchzuführen:

Bei Abweichungen der Anzeige oder Aufzeichnungen von den Sollwerten von mehr als
± 5 ppm CO ist eine Prüfung der gesamten Meßeinrichtung nach der Anweisung für die
monatliche Prüfung durchzuführen.

Bei CO-Meßeinrichtungen mit eingebauter Nullpunktskorrektur nach Nr. 1.3 ist zusätzlich
zu überprüfen, ob zu Beginn des Korrekturvorganges durch das elektronisch erzeugte
Steuersignal das Warnsignal ausgelöst wird.



20.06.1979

18.32-1-13

Kohlenbunker unter Tage
Maßnahmen zur Beherrschung der Ausgasung

A 2.18

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Ausgasungsverhalten von Kohlenbunkern untertage und Maßnahmen zur Beherrschung
         der Ausgasung

Bezug: Rundverfügung vom 9.3.1972 - 18.32 I 13 -

Auf Grund einer Grubengaszündung an einem Kohlenbunker ließ das Landesoberbergamt im
Rahmen eines mit Landesmitteln geförderten Entwicklungsvorhabens das Ausgasungsverhalten
von Kohlenbunkern untersuchen. Aus den Untersuchungsergebnissen sind nachfolgend
wesentliche Zusammenhänge wiedergegeben:

Zur Beherrschung der Ausgasung an Kohlenbunkern sind bei der Prüfung von Anträgen oder
Betriebsplänen für die Errichtung und den Betrieb von Kohlenbunkern folgende Anforderungen
zugrunde zu legen:

  1. Bunkereinläufe und -ausläufe müssen im durchgehenden Wetterstrom liegen.
     
  2. Der Wetterstrom muß ständig ausreichen, auch stoßweise freiwerdende Methanmengen
    vorschriftsmäßig zu verdünnen.
     
  3. Die Stabilität des Wetterdruckabfalls zwischen Bunkerfuß und Bunkerkopf oder umgekehrt
    muß sichergestellt sein.
     
  4. An Bunkereinläufen und -ausläufen dürfen Bereiche mit geringer Wettergeschwindigkeit,
    wie Nischen, Kammern und sonstige wettertechnische Toträume, die sich zum Beispiel
    durch Form oder Anordnung von Ausbau und Einbauten ergeben können, nicht vorhanden
    sein.
     
  5. Zur Vermeidung unzulässiger Gasgehalte im freien Bunkerraum oberhalb der Kohlen-
    schüttung ist eine Zwangsbewetterung ständig zu betreiben, wenn nicht für diesen Zweck
    der natürliche Wetteraustausch zwischen den Wettern im Bunker und dem Bunkerkopf
    vorbeiziehenden Wetterstrom (z.B. bei größen Lüftungsöffnungen) ausreicht. Nr. 2 gilt
    entsprechend.
     
  6. Entstaubungsanlagen müssen so bemessen sein, daß der Methangehalt des Entstaubungs-
    stromes 1 % nicht überschreitet. Die Forderungen unter Nr. 2 und 5 müssen auch bei
    Stillstand von Entstaubungsanlagen erfüllt sein.
     
  7. Der Wetterstrom nach Nr. 2 ist durch eine ortsfeste schreibende Wettergeschwindig-
    keitsmeßeinrichtung und der Druckabfall nach Nr. 3 durch eine ortsfeste schreibende
    Differenzdruckmeßeinrichtung zu überwachen, wenn Schwierigkeiten hinsichtlich der
    Stabilität der Bewetterung nicht auszuschließen sind.
     
  8. Der Methangehalt der Wetter ist zumindest während eines für eine umfassende Beurteilung
    der Ausgasungsverhältnisse angemessenen Zeitraumes nach der Inbetriebnahme ständig
    zu überwachen. Wenn nicht auf Grund der Überwachungsergebnisse unzulässige Methan-
    gehalte ausgeschlossen werden können, sind mindestens die Wetter- und Entstaubungs-
    ströme nach Nr. 2 und 6 durch ortsfeste schreibende CH4-Meßeinrichtungen zu überwachen.
     
  9. Durch die Meßeinrichtungen nach Nr. 7 und 8 muß bei Erreichen des vorgeschriebenen
    bzw. festzulegenden Grenzwertes an einer ständig besetzten Stelle (z.B. Sicherheitswarte)
    ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst werden. Durch die Meßeinrichtungen
    nach Nr. 8 muß erforderlichenfalls auch die selbsttätige und unverzögerte Abschaltung der
    elektrischen Anlagen ausgelöst werden, zu denen Wetter mit unzulässigen Methangehalten
    gelangen können.
     
  10. Die Zwangsbewetterung nach Nr. 5 und die Entstaubungsanlagen nach Nr. 6 sind so zu
    überwachen, daß bei bedenklichen Betriebsstörungen (z.B. Unterschreiten eines festzu-
    legenden Mindestwetterstromes) an der ständig besetzten Stelle ein akustisches und
    optisches Warnsignal ausgelöst wird, soweit eine gleichwertige Überwachung nicht an Ort
    und Stelle sichergestellt ist.

Bei vorhandenen Kohlenbunkern ist zu prüfen, inwieweit die vorstehenden Anforderungen erfüllt
sind und gegebenenfalls das Erforderliche zu veranlassen.

Sofern noch ein Bunkereinlauf oder -auslauf in einem sonderbewetterten Grubenbau liegen sollte,
sind die Unterlagen mit Angaben über Verbesserungsmaßnahmen dem Landesoberbergamt
vorzulegen. Als Sofortmaßnahme ist ein Wetterstromwächter mit Differenzdruckgeber zu verwenden,
durch den bei Erreichen eines festzulegenden Grenzwertes für den Mindestwetterstrom außer der
selbsttätigen und unverzögerten Abschaltung der elektrischen Anlagen im sonderbewetterten Bereich
auch an der ständig besetzten Stelle ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst wird.

Sofern sich Schwierigkeiten hinsichtlich der Beurteilung der Ausgasung, Bewetterung oder
Überwachung ergeben, bitte ich, die Prüfstelle für Grubenbewetterung der Westfälischen Berg-
gewerkschaftskasse hinzuzuziehen. Für Kohlenbunker im Zusammenhang mit Fahrdrahtbahnanlagen
oder elektrischen Anlagen mit nichtschlagwettergeschützten Betriebsmitteln ist die im Sammelblatt
unter A 2.11 veröffentlichte Rundverfügung vom 14.6.1977 - 16.1-1-13 - zu beachten.

Die Rundverfügung vom 9.3.1972 - 18.32 I 13 - (nicht im Sammelblatt veröffentlicht) wird hiermit
aufgehoben.

Dortmund, den 20.6.1979

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



28.11.1980

18.31.1-1-7

Druckerzeugung in der
durchgehenden Bewetterung

A 2.18

 

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Auslegung von Reservelüftern sowie Maßnahmen bei Ausfall von Druckerzeugern
         der durchgehenden Bewetterung

Trotz verschiedener Vorfälle, die die Bedeutung der Reservehaltung von Hauptlüfteranlagen
aufgezeigt haben, sind in letzter Zeit Reserve-Wettermaschinen errichtet worden, die den
heutigen Anforderungen nicht entsprechen.

Das Vorhandensein eines Reservelüfters für jeden in Betrieb befindlichen Hauptlüfter ist in
§ 141 Abs. 6 BVOSt vorgeschrieben. Die bei heutigen Großbetrieben gegebenen sicherheitlichen
Erfordernisse und der Stand der Technik führen jedoch zu der weitgehend schon erfüllten und bei
Änderung der Vorschriften auch vorgesehenen Forderung, eine hinsichtlich wettertechnischer
Kenndaten gleichwertige Lüfterreserve schnell einsatzfähig bereit zu halten.

Bei Erfüllung dieser Forderung lassen die technischen Möglichkeiten im Hinblick auf den baulichen
Aufwand erhebliche Erleichterungen zu. So braucht eine Reserve nur für die Wettermaschine
vorhanden zu sein, bestehend aus Antrieb und Lüfterlaufrad mit gemeinsamer Welle sowie einem
eigenen betriebsbereiten Leitungs- und Schaltsystem (sogenanntes Reserve-Aktivteil). Für fest-
stehende bauliche Teile wie Wetterkanal und Diffusor wird eine Reserve grundsätzlich nicht verlangt.
Die Betriebsbereitschaft soll es ermöglichen, durch Auswechseln des Aktivteils die Reserve-
Wettermaschine kurzfristig, spätestens 20 Minuten nach Lüfterausfall in Betrieb zu nehmen.
Die Anforderung der Gleichwertigkeit kann gerade noch als erfüllt angesehen werden, wenn unter
Berücksichtigung von Änderungen im Wetternetz (z.B. durch Erweiterung des Grubengebäudes)
die Lüfterreserve auf 90 % des planmäßigen Wetterstromes am Hauptlüfter ausgelegt ist.

Die Beschränkung der Reservehaltung auf Reserve-Aktivteile bedarf nach den derzeit geltenden
Vorschriften einer Ausnahmebewilligung des Landesoberbergamts. Weitergehenden Erleichterungen,
wie z.B. Beschränkung der Reservehaltung nur auf Lüftermotor und Lüfterlaufrad, kann eine
Zustimmung nicht erteilt werden.

Bei der Planung neuer Lüfteranlagen, bitte ich, die Bergwerksbesitzer rechtzeitig über die Auffassung
des Landesoberbergamts zu unterrichten.

Soweit bei vorhandenen Lüfteranlagen eine gleichwertige Reserve noch nicht gegeben ist, bitte ich
zu prüfen, ob die grubensicherheitlichen Belange bei Betrieb des Reservelüfters ausreichend gewahrt
sind. Zu diesem Zweck erhalten Sie als Anlage die nach dem neuesten Stand überarbeiteten
'Grundsätze für Maßnahmen bei einem Ausfall von Hauptlüftern/Zusatzlüftern'. Dabei wird nach-
drücklich darauf hingewiesen, daß bei Reservelüfterbetrieb unzureichend bewetterte Grubenbaue
so zu behandeln sind wie bei einem völligen Lüfterstillstand. In diesem Fall ist die Forderung nach
einer unverzüglichen Räumung der betroffenen Grubenbaue unverzichtbar. Von einer verminderten
Wetterleistung des Reservelüfters und damit von einer möglicherweise nicht ausreichenden Bewetterung
sind erfahrungsgemäß vorwiegend Grubenbaue in Grenzbereichen zu benachbarten Wetterfeldern
(Bereiche diagonaler Wetterwege 2. Ordnung nach Nr. 2.8.2 der im Sammelblatt unter A 2.18
veröffentlichten Wetterdruck-Richtlinien) betroffen.

Diese vorstehend aufgeführten Grundsätze sind bei der Aufstellung der sogenannten 'Lüfterstill-
standspläne' nach § 143 Abs. 6 BVOSt zu beachten.

Dortmund, den 28.11.1980

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



Anlage

Grundsätze für Maßnahmen bei einem Ausfall von Hauptlüftern/Zusatzlüftern

1. Der Plan nach § 143 Abs. 6 BVOSt ist auf dem neuesten Stand zu halten. In dem Plan
müssen wesentliche Veränderungen der Wetterverteilung und Ausgasung bei einem
Lüfterausfall nach den Ergebnissen von Lüfterstillstandsuntersuchungen (Wetternetz-
berechnungen und erforderlichenfalls Wetteruntersuchungen) berücksichtigt sein; je nach
den Erfordernissen sind auch die Klimaverhältnisse zu erfassen. Außerdem müssen in dem
Plan der Ausfall der einzelnen Hauptlüfter oder Zusatzlüfter sowie der gleichzeitige Ausfall
mehrerer Lüfter berücksichtigt sein.

Entsprechendes gilt für den Betrieb von Reservelüftern, die der Hauptlüfteranlage hinsichtlich
der wettertechnischen Kennwerte nicht gleichwertig sind.

2. Der Plan nach § 143 Abs. 6 BVOSt sowie die neuesten Ergebnisse der Lüfterstillstands-
untersuchungen müssen der Leitung des Grubenbetriebs jederzeit verfügbar sein.

3. Die Maßnahmen, die nach den Nrn. 4 und 5 bei einem Lüfterausfall sowie bei der
Wiederinbetriebnahme zu veranlassen sind, müssen im Dienstzimmer der Aufsichtspersonen,
in der Grubenwarte, Telefonzentrale oder dergleichen (je nach Betriebsorganisation), am
Aufstellungsort des Hauptlüfters sowie an den Stellen, an denen die ständige Überwachung
nach § 144 Abs. 1 BVOSt erfolgt, durch Aushang bekanntgegeben werden.

4. Der Plan nach § 143 Abs. 6 BVOSt muß mindestens bestehen aus

4.1. Wetterführungsplänen oder tabellarischen Auswertungen über die Wetterverteilung und
Ausgasung im Grubengebäude bei einem Lüfterausfall einschließlich der Kennzeichnung
der Grubenbaue, in denen eine Wetterumkehr eintreten kann, sowie der Grubenbaue, in
denen die Bestimmungen der BVOSt, insbesondere die § 146, 147, 150 und 151, nicht
eingehalten werden können,

4.2. einem Alarmplan über die unverzügliche Unterrichtung des Bergwerksbesitzers oder
der von ihm bestimmten Person, des Wetteringenieurs/Wettersteigers sowie der schicht-
führenden Aufsichtspersonen, die für die Räumung der Grubenbaue verantwortlich sind,

4.3. einem Fluchtplan über die unter Berücksichtigung vertretbarer Fluchtzeiten in Betracht
kommenden Fluchtwege sowie über die telefonisch erreichbaren Sammelstellen im Frisch-
wetterstrom.

5. Bei einem Lüfterausfall sind in den betroffenen Grubenbauen (insbesondere nach Nr. 4.1)
die zum Schutze von Personen erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Diese Maßnahmen
müssen in dem Plan nach § 143 Abs. 6 BVOSt enthalten sein.

Mindestens folgende Erfordernisse sind zu berücksichtigen:

5.1. Sämtliche Gewinnungsarbeiten, Sprengarbeiten und der Betrieb von Dieselmotoren sind
unverzüglich einzustellen.

5.2. Fahrdrahtbahnanlagen und sonstige nichtschlagwettergeschützte elektrische Anlagen
sind unverzüglich abzuschalten. In unmittelbarer Nähe von Einziehschächten brauchen
nichtschlagwettergeschützte elektrische Anlagen dann nicht unverzüglich abgeschaltet
zu werden, wenn auf Grund der Lüfterstillstandsuntersuchungen eine ausreichende
Bewetterung der Grubenbaue mit grubengasfreien Wettern gewährleistet und eine
Wetterumkehr ausgeschlossen ist.

5.3. Es muß gewährleistet sein, daß schlagwettergeschützte elektrische Anlagen bei
Überschreiten des Grenzwertes für den zulässigen CH4-Gehalt der Wetter abgeschaltet
sind. § 97 Abs. 2 BVOE gilt entsprechend.

Die technischen Einrichtungen müssen so beschaffen sein, daß entsprechend den
sicherheitlichen Erfordernissen selektive Abschaltungen möglich sind. Die elektrischen
Zuleitungen, z.B. für Sonderbewetterungsanlagen, Gasabsaugeanlagen, wettertechnische
Meßeinrichtungen oder andere sicherheitstechnische Einrichtungen müssen so von den
übrigen elektrischen Anlagen getrennt sein, daß weitgehend getrennte Schaltungen möglich sind.

5.4.

  1. Sofern der Haupt- bzw. Reservelüfter 20 Minuten nach einem Lüfterausfall nicht betrieben
    wird, sind Personen bis zu den Sammelplätzen im Frischwetterstrom zurückzuziehen.
    Von hier aus hat die Ausfahrt geschlossen zu erfolgen.
     
    In der Wartezeit und während des Rückzuges sind in den vom Lüfterausfall betroffenen
    Grubenbauen nach Weisung des Bergwerksbesitzers oder der von ihm bestimmten Person
    Kontrollen der Wetterführung, der Ausgasung und des Klimas vorzunehmen. Dies gilt
    insbesondere auch im Hinblick auf einen erhöhten Gaszustrom bei der Wiederinbetriebnahme
    eines Lüfters.
  2. (für den Fall, daß ein Reservelüfter nicht betriebsbereit ist)
     
    Bei einem Lüfterausfall sind die betroffenen Grubenbaue unverzüglich ohne Wartezeit bis zu
    den Sammelplätzen zu räumen. Wird der Hauptlüfter 20 Minuten nach dem Lüfterausfall nicht
    wieder betrieben, ist die Ausfahrt wie unter a) anzutreten.
     
  3. (für den Fall, das ein Reservelüfter zwar vorhanden ist, aber der Hauptlüfteranlage hinsichtlich
    der wettertechnischen Kennwerte nicht gleichwertig ist:)
     
    Bei Reservelüfterbetrieb unzureichend bewetterte Grubenbaue sind so zu behandeln wie bei
    einem völligen Lüfterstillstand. Die Maßnahmen nach den Nrn. 5.1 und 5.3 sowie 5.5 und 5.6
    sind dementsprechend durchzuführen. Außerdem sind die betroffenen Grubenbaue unverzüglich
    wie unter b) zu räumen.

5.5. Unabhängig von den Bestimmungen unter den Nr. 5.1 bis 5.4 sind bei einem Lüfterstillstand oder
Betrieb eines nicht gleichwertigen Reservelüfters entsprechend den Erfordernissen in nicht zu
räumenden Grubenbauen nach Weisung des Bergwerksbesitzers oder der von ihm bestimmten
Person Kontrollen der Wetterführung und Ausgasung durchzuführen, um eine unter Umständen
unzureichende Bewetterung rechtzeitig festzustellen.

5.6. Die Grubenbaue dürfen wieder belegt, die elektrischen Anlagen eingeschaltet, die Gewinnungs-
und Sprengarbeiten sowie der Betrieb von Dieselmotoren aufgenommen werden, wenn nach
Wiederinbetriebnahme des Hauptlüfters oder Zusatzlüfters der Bergwerksbesitzer oder die von ihm
bestimmte Person sich überzeugt hat, daß die Grubenbaue wieder ordnungsgemäß bewettert werden
und eine Gefahr nicht besteht.

6. Die für die Räumung der Grubenbaue verantwortlichen Aufsichtspersonen sind über Änderungen
der Maßnahmen zum Schutze von Personen, wenigstens jedoch jährlich, z.B. anhand von Planspielen,
zu unterweisen. Die Belegschaft muß über die Fluchtwege unterrichtet sein.



11.06.1982

18.33.1-1-16

Wetter- und Brandgasproben

A 2.18

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Entnahme und Untersuchung von Wetter- und Brandgasproben

Für die Probenahme und Analyse von unter Tage auftretenden Gasen ist das Bergbau-Betriebsblatt
BB 22061 (Teile 1 bis 3) erschienen. Das Betriebsblatt ersetzt die Laboratoriumsvorschriften

LV 01/00, LV 01/01, LV 01/01/01, LV 01/01/02, LV 02/01/01, LV 02/10, LV 02/10/01, LV 02/10/02,
LV 02/13/01

und gilt wie diese als im Betriebsplanverfahren anzuwendende Richtlinie. Die Laboratoriumsvorschriften
LV 01/02/01 (Bestimmung von Schwefelwasserstoff in Grubenwettern) und LV 02/10/03 (Kohlenstoff-
monoxidbestimmung durch Messung elektrischer Leitfähigkeit) bleiben vorläufig noch gültig.

Zwei Ausfertigungen des Bergbau-Betriebsblattes werden Ihnen gesondert zugestellt.

Folgende Rundverfügungen, Erläuterungen, Hinweise und Anweisungen werden hiermit aufgehoben:

Erläuterungen, Hinweise und Anweisungen, die Wetter- und Brandgasproben betreffen, in der Anlage zur
Rundverfügung vom 18.2.1966 - 23/1-180.21/402/66 - (Bellmann-Druck BVOSt 13),
Rundverfügung vom 12.9.1966 - 23/1-112.22/6075/66 - (Bellmann-Druck BVOSt 7 und 13),
Rundverfügung vom 17.11.1969 - 18.33.1 I 7 - (Bellmann-Druck BVOSt 7 und 13).

Dortmund, den 11.06.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



12.07.1982

18.34.1-1-31

Gasmeßeinrichtungen für unter Tage

A 2.18

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Gasmeßeinrichtungen für unter Tage

Unter Abschnitt A 3.18 des Sammelblatts ist mit gleichem Datum die bereinigte Sammelliste zugelassener
Gasmeßeinrichtungen (Wetteranzeiger einschließlich Wetterlampen) veröffentlicht. Der Verwendung der
in dieser Liste angegebenen Geräte kann für wettertechnische Überwachungszwecke im Betriebsplan-
verfahren unter folgenden Voraussetzungen zugestimmt werden:

1. Die zweckentsprechende Verwendung muß in der Weise gegeben sein, daß sicherheitlich bedenkliche
Fehleinschätzungen verhindert werden. Die Betriebs- und Wartungsanleitung des Herstellers sowie
gegebenenfalls erforderliche Anleitungen der nach den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien
(SBl. A 2.18) benannten Fachstellen sind unbeschadet der Festlegungen der Bergbehörde
(z.B. im Rahmen der Meßgeräte-Zulassungen) zu beachten.

2. Übertragungs-, Schreib-, Warn- und Abschaltgeräte, die nicht in die meßtechnische Zulassung
einbezogen worden sind, dürfen nur verwendet werden, wenn die Anforderungen nach den
einschlägigen Richtlinien über die meßtechnische Eignungsuntersuchung erfüllt sind, insbesondere
die festgelegten Fehlergrenzen bei der Meßwertübertragung und -wiedergabe sowie Grenzsignalgabe
eingehalten werden. Eine entsprechende Abnahme und Eignungsbestätigung ist im Rahmen der
Erstuntersuchung nach den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien durch die benannte Fachstelle
vornehmen zu lassen.

3. Der Grenzsignalgeber für die Abschaltung elektrischer Anlagen durch CH4-Meßeinrichtungen ist
unbeschadet besonderer Regelungen (z.B. im Rahmen der CH4-Ausnahme-Richtlinien, der
Gasausbruchs-Richtlinien, der Meßgeräte-Zulassungen) so nahe wie möglich zum Meßwertgeber
anzuordnen. Schreibgeräte mit Grenzwertkontakten sind als Grenzsignalgeber nicht zulässig.

Betriebspläne über die Verwendung von in der Sammelliste nicht berücksichtigten zugelassenen
Gasmeßeinrichtungen - in der Regel handelt es sich um technisch überholte Gerätetypen - darf
nur nach besonderer Prüfung des Einzelfalles unter Hinzuziehung der unter Nr. 1 genannten
Fachstelle zugestimmt werden.

Dortmund, den 12.07.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s


Bezüglich der unter Nr. 5 der Sammelliste aufgeführten Prüfröhrchen-Meßgeräte ist zusätzlich zu
beachten:

- Die Prüfröhrchen sind in Verbindung mit der Gasfördereinrichtung des Herstellers zu verwenden,
der auch das Prüfröhrchen hergestellt hat. Hiervon darf in den Fällen abgewichen werden, in
denen bei der Untersuchung durch die nach den Prüfröhrchen-Richtlinien benannte Fachstelle
auch die Verwendung einer Gasfördereinrichtung eines anderen Herstellers nicht zu Beanstandungen
geführt hat.

- Die Prüfröhrchen besitzen zum Teil einen für Untertageverhältnisse erheblich eingeschränkten
Verwendungsbereich, insbesondere hinsichtlich der Temperatur und relativen Feuchte sowie der
Querempfindlichkeit gegenüber anderen Gasen (vgl. Prüfröhrchen-Richtlinien und Begleitverfügung
vom 11.1.1980 - 18.34.6-1-8) - SBl. A 2.18. Nähere Angaben hierzu sind der den Prüfröhrchen-
Packungen beizufügenden Gebrauchsanweisung zu entnehmen oder beim Hersteller und in
Zweifelsfällen beim Institut für Chemie der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu erfragen.

Soweit es erforderlich erscheint, ist auf die Erfüllung der vorstehend dargelegten Anforderungen im
Betriebsplanverfahren hinzuwirken.

Dortmund, den 30.06.1983

Landesoberbergamt NW

In Vertretung:
D r. W e l l e r 



30.11.1983

18.34.1-4-12

Strömungs-, Druck- und
Klimameßeinrichtungen für unter Tage
Richtlinien


A 2.18


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Richtlinien über Anforderungen an wettertechnische Strömungs-, Druck- und Klimameß-
einrichtungen und über die Eignungsuntersuchung (Wettermeßgeräte-Richtlinien *)

Die betriebsplanmäßige Zulassung der Verwendung von wettertechnischen Strömungs-, Druck- und
Klimameßeinrichtungen ist grundsätzlich vom Vorliegen eines Prüfbescheids des Landesoberbergamts
abhängig zu machen.

Für die Ausstellung des Prüfbescheids hat der Hersteller eine Eignungsuntersuchung der Meßeinrichtung
durch die hierfür benannte Fachstelle sowie eine Untertageerprobung durchführen zu lassen. Dem
Antrag auf Erteilung des Prüfbescheids sind die Berichte über die Eignungsuntersuchung und über die
Erprobung sowie ausführliche Beschreibungen der Geräte und die Betriebs- und Wartungsanleitung
in zweifacher Ausfertigung beizufügen. Die Erprobung bedarf eines befristeten Prüfbescheids; sie kann
gleichzeitig mit der Eignungsuntersuchung vorgenommen werden, wenn die Fachstelle eine Kurzbe-
scheinigung über die wesentlichen Merkmale und Eigenschaften der Meßeinrichung ausgestellt hat.

Die Eignungsuntersuchung ist nach den anliegenden Wettermeßgeräte-Richtlinien durchzuführen.
Das Landesoberbergamt hat als Fachstelle für die Eigungsuntersuchung die Prüfstelle für Grubenbe-
wetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse benannt.

Unter Abschnitt A 3.18 des Sammelblatts ist mit gleichem Datum die Sammelliste geprüfter und nicht
beanstandeter Strömungs-, Druck- und Klimameßeinrichtungen veröffentlicht. In dieser Liste sind
zunächst die Meßgeräte aufgenommen worden, die sich in der betrieblichen Praxis sowie bei
Stückprüfungen und Wiederholungsuntersuchungen durch die Fachstelle bisher bewährt haben.
Soweit Geräte nicht im "Sammelbuch der für den Bergbau zugelassenen Bauarten schlagwetter-
geschützter elektrischer Betriebsmittel und eigensicherer Anlagen nebst Einzelbestandteilen"
eingetragen sind oder der Schlagwetterschutz nicht im Prüfbescheid angegeben ist, dürfen sie mit
elektrischen Bauteilen nur in Bereichen verwendet werden, in denen ein Schlagwetterschutz nicht
gefordert ist. Der Verwendung der in der Sammelliste angegebenen Geräte kann für wettertechnische
Überwachungszwecke im Betriebsplanverfahren unter folgenden Voraussetzungen zugestimmt werden:

- Die zweckentsprechende Verwendung muß in der Weise gegeben sein, daß sicherheitlich bedenkliche
Fehleinschätzungen verhindert werden. Die Betriebs- und Wartungsanleitung des Herstellers sowie
gegebenenfalls erforderliche Anleitungen der benannten Fachstelle sind unbeschadet der Festlegungen
der Bergbehörde zu beachten.

- Übertragungs-, Schreib- und Warngeräte, die nicht in den Prüfbescheid einbezogen worden sind,
dürfen nur verwendet werden, wenn sie die für die Meßgeräte geltenden Anforderungen erfüllen;
insbesondere müssen die festgelegten Fehlergrenzen bei der Meßwertübertragung und -wiedergabe
sowie Grenzsignalgabe eingehalten werden. Eine entsprechende Eignungsbestätigung ist im Rahmen der
Erstuntersuchung nach den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien (SBl. A 2.18) durch die benannte
Fachstelle vornehmen zu lassen.

- Flüssigkeitsmanometer und Flüssigkeitsthermometer, die die Anforderungen der Wettermeßgeräte-
Richtlinien offensichtlich erfüllen, bedürfen keiner Eignungsuntersuchung und keines Prüfbescheids.
In Zweifelsfällen kann die Fachstelle im Rahmen der Erstuntersuchung nach den Meßgeräte-
Überwachungs-Richtlinien eine entsprechende Eignungsbestätigung ausstellen.

- Jedes Gerät muß eindeutig gekennzeichnet sein. Soweit noch nicht geschehen, ist die Anzeige der
Geräte auf die gesetzlichen Einheiten umzustellen.

Betriebsplänen über die Verwendung von in der Sammelliste nicht berücksichtigten Strömungs-,
Druck- und Klimameßeinrichtungen darf im Einzelfall nur nach besonderer Prüfung dieses Falles
unter Hinzuziehung der benannten Fachstelle zugestimmt werden. Dem Landesoberbergamt ist hierüber
zu berichten. Bei Meßgeräten, die bisher zur übertägigen Überwachung von Gasabsaugungen verwendet
wurden, genügt für die Weiterverwendung die Bescheinigung nach Untersuchung entsprechend den
Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien oder Gasabsauge-Richtlinien.

Dortmund, den 30.11.1983

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r

*) Diese Richtlinien sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 300 beim Bellmann-Verlag,
4600 Dortmund 1, Postfach 13, erschienen.



R i c h t l i n i e n
des LOBA NW
über Anforderungen an
wettertechnische Strömungs-, Druck- und Klimameßeinrichtungen
und über die Eignungsuntersuchung
(Wettermeßgeräte-Richtlinien)

vom 30.11.1983

Inhaltsverzeichnis

1. Geltungsbereich

2. Begriffe

3. Anforderungen

3.1. Allgemeines
3.2. Ausführung
3.2.1. Mechanischer Teil
3.2.2. Elektrischer Teil
3.2.3. Kennzeichnung
3.3. Funktion
3.3.1. Meßwertausgabe
3.3.2. Einlauf- und Einstellzeit
3.3.3. Grenzsignaleinrichtungen
3.3.4. Prüfmöglichkeit
3.4. Meßtechnische Eigenschaften
3.4.1. Zulässige Fehlergrenzen, Messunsicherheit
3.4.2. Nullpunkts- und Empfindlichkeitsdrift
3.4.3. Störeinflüsse

4. Eignungsuntersuchung

4.1. Allgemeines
4.2. Ausführung
4.2.1. Mechanischer Teil
4.2.2. Elektrischer Teil
4.2.3. Kennzeichnung
4.3. Funktion
4.3.1. Meßwertausgabe
4.3.2. Einlauf- und Einstellzeit
4.3.3. Grenzsignaleinrichtungen
4.3.4. Prüfmöglichkeit
4.4. Meßtechnische Eigenschaften
4.4.1. Kalibrierkurve und Messunsicherheit unter Laborbedingungen
4.4.2. Nullpunkts- und Empfindlichkeitsdrift
4.4.3. Störeinflüsse und Messunsicherheit unter Einsatzbedingungen

5. Erprobung

Anhang 1 Berücksichtigte Normen und Richtlinien
Anhang 2 Begriffe

1. Geltungsbereich

Die vorliegenden Richtlinien erstrecken sich auf Meßeinrichtungen für Druck, Druckdifferenz,
Strömungsgeschwindigkeit, Volumenstrom, Massenstrom, Temperatur, Feuchte oder
Klimasummenwert, die der wettertechnischen Überwachung für Grubenbetriebe unter Tage
dienen. Sie legen die Anforderungen an diese Meßeinrichtungen sowie die Durchführung der
Eignungsuntersuchung und der Erprobung fest. Sie gelten für Handmeßgeräte sowie für
tragbare und ortsfeste Meßeinrichtungen.

Die in den Richtlinien berücksichtigten Regeln der Technik sind im Anhang 1 zusammengestellt.

2. Begriffe

Zur Festlegung der Anforderungen und für die Eignungsuntersuchung werden die wettertechnischen
Meßeinrichtungen eingeteilt in:

Die Meßeinrichtung umfaßt die Gesamtheit aller Geräte, die zum Aufnehmen einer Meßgröße,
zum Weitergeben und Anpassen eines Meßsignals und zum Ausgeben eines Meßwertes als Abbild
einer Meßgröße erforderlich sind. Die im Signalfluß liegenden Geräte einer Meßeinrichtung, die für
deren meßtechnische Eigenschaften bestimmend sind, werden Meßgeräte genannt.

Der Aufnehmer (bisher Meßwertgeber, Meßkopf) ist der Teil eines Meßgerätes, welcher an
seinem Eingang die Meßgröße aufnimmt und an seinem Ausgang ein entsprechendes Meßsignal
abgibt. Fühler heißt derjenige Teil des Aufnehmers, der die Meßgröße unmittelbar erfaßt und
auf diese empfindlich ist.

Anpasser sind Meßgeräte, die zwischen Aufnehmer und Ausgeber in der Meßeinrichtung liegen
und verschiedenartige Aufgaben (verstärken, umsetzen, umformen, rechnen) zu erfüllen haben.
Ausgeber sind Meßgeräte, die den Meßwert der gemessenen Größe (Meßgröße) ausgeben.
Die übrigen Geräte einer Meßeinrichtung, die für deren meßtechnische Eigenschaften nicht
entscheidend sind, werden als Hilfsgeräte bezeichnet.

Das Auswertegerät umfaßt - möglicherweise mehrere - Anpasser und Ausgeber in einer
Gehäuseeinheit.

Das Meßprinzip gibt an, nach welcher physikalischen Gesetzmäßigkeit die Meßgröße erfaßt
und gewandelt wird.

Weitere in diesen Richtlinien häufiger verwendete meßtechnische Begriffe sind im Anhang 2
zusammengestellt.

3. Anforderungen

3.1. Allgemeines

Die hier festgelegten Anforderungen an wettertechnische Strömungs-, Druck- und
Klimameßeinrichtungen sind Mindestanforderungen im Hinblick auf den Einsatz dieser
Geräte im Bergbau. Sie gelten für alle Meß- und Hilfsgeräte, die Bestandteil einer
Meßeinrichtung sind. Sie können im Einzelfall für bestimmte Einsatzbedingungen erweitert
werden.

Unabhängig von den hier festgelegten Anforderungen muß der elektrische Teil wetter-
technischer Meßeinrichtungen die einschlägigen Bestimmungen für elektrische Betriebsmittel
erfüllen.

3.2. Ausführung

3.2.1. Mechanischer Teil

Alle Teile einer Meßeinrichtung müssen den bei bestimmungsgemäßer Verwendung auftretenden
Beanspruchungen durch Umwelteinflüsse wie Klima, Druck, Wettergeschwindigkeit,
Erschütterungen, Staub, Spritzwasser und aggressive Medien standhalten. Die verwendeten
Materialien, Bauteile und Baugruppen müssen nach den Regeln der Technik ausgeführt sein und
die erforderliche Betriebssicherheit gewährleisten.

Die Masse wettertechnischer Meßgeräte darf bei

nicht überschreiten. Handmeßgeräte müssen handlich und bequem zu tragen sein.

Oberflächen aus Leichtmetall dürfen an der Außenseite von Geräten nicht vorhanden sein.
Es dürfen nur solche Stoffe verwendet werden, bei denen Gefahren durch elektrostatische
Aufladungen ausgeschlossen sind. Offen verlegte Schläuche müssen zugelassen sein.

Die Meßeinrichtungen müssen gegen Spritzwasser und Staub zumindest nach Schutzart IP 54,
ortsfeste Meßeinrichtungen besser nach IP 65 geschützt sein.

Ortsfeste Meßeinrichtungen müssen hinreichend stoß- und rüttelfest sein. Handmeßgeräte und
Teile tragbarer Meßeinrichtungen sollen nach freiem Fall aus 0,25 m Höhe auf Hartholz
zumindest dann einsatzfähig bleiben, wenn sie durch eine Tragetasche geschützt sind. Soweit
hervorstehende Teile nicht vermieden werden können, sind diese mit ausreichender Festigkeit
auszuführen und gegebenenfalls besonders zu schützen. Bei elektrischen Teilen von Meß-
einrichtungen in schlagwettergeschützter Ausführung sind die einschlägigen Bauvorschriften zu
beachten.

Vor allem solche Bauteile, die leicht verschmutzt oder beschädigt werden können, müssen
leicht und schnell austauschbar sein.

Der jeweils eingestellte Meßbereich muß am Anzeigegerät von außen deutlich erkennbar sein.
Die zum Einstellen verschiedener Meßbereiche, zum Justieren von Meßbereichsanfang,
Nullpunkt und Prüfpunkt sowie zum Einstellen von Dämpfung und Grenzwerten erforderlichen
Stellglieder müssen ohne Öffnen des Gehäuses zugänglich sein. Sie müssen jedoch gegen
unbefugtes und unbeabsichtigtes Verstellen, z.B. durch Bedienung nur mit besonderen
Hilfsmitteln oder Anordnung hinter einer Schutzabdeckung, die nur mit solchen Hilfsmitteln
geöffnet werden kann, gesichert sein.

Die Empfindlichkeit darf nicht von außen verstellt werden können. Die Einstellungen von Nullpunkt
bzw. Meßanfang und Empfindlichkeit sollen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Führt eine Null-
punktsverschiebung zur Veränderung der Kalibrierkurve, darf der Nullpunktsteller ebenfalls
nicht von außen verstellt werden können. Sein Einstellbereich soll in diesem Fall möglichst klein
sein. Die Einstellungen müssen reproduzierbar sein und sind deshalb zweckmäßigerweise mit
einer Anzeige zu versehen.

Stellglieder wie z.B. Potentiometer müssen die notwendigen Einstellungen auch nach längerer
Betriebszeit stetig, sprungfrei und hinreichend genau ermöglichen. Sie müssen verlackt werden
können.

Leitungseinführungen und -verbinder sind so auszuführen, daß sie den bei der üblichen
Verwendung auftretenden Beanspruchungen standhalten. Für Druckanschlüsse sollen nur
Armaturen verwendet werden, die nicht als Anschlüsse für Leitungen mit höheren Drücken,
z.B. für Druckluftleitungen, üblich sind.

Die Meßgeräte sind mit geeigneten Halterungen auszurüsten. Diese müssen so angeordnet sein,
daß sie das Meßergebnis nicht verfälschen.

Die Wartung der Meßgeräte muß mit einfachen Mitteln und vertretbarem Zeitaufwand durchführbar
sein.

3.2.2. Elektrischer Teil

Die Meßeinrichtungen mit Ausnahme der netzabhängigen Energieversorgung sollten der
Zündschutzart 'Eigensicherheit' entsprechen.

Die Stromquellen von Handmeßgeräten müssen so dimensioniert sein, daß mit einer neuwertigen
Batterie oder mit einem neuwertigen Akkumulator 24 Stunden nach der Volladung mindestens
200 Messungen durchgeführt werden können oder mindestens 500 Minuten mit Dauerbetrieb
gemessen werden kann. Es muß erkennbar sein, wenn die Spannung zur Einhaltung der Fehler-
grenzen (siehe Abschnitt 3.4.1) nicht mehr ausreicht. Ortsfeste Meßeinrichtungen sollen an
Wechselstromnetze mit einer Frequenz von 50 Hz und Nennspannungen von 42, 100, 220, 500
oder 1000 V angeschlossen werden können. Die Nenngleichspannung zur Versorgung eigen-
sicherer Meßgeräte soll 5, 6, 12 und 15 V betragen. Der Energieverbrauch soll möglichst gering
sein.

Bei Schwankungen im Energieversorgungsnetz bis zu + 20% und - 30% der Nennspannung
dürfen die Fehlergrenzen (siehe Abschnitt 3.4.1) nicht überschritten werden. Auch bei
unzulässigen Abweichungen von der Nennspannung muß die Eindeutigkeit des Meßsignals und
der Grenzsignalgabe erhalten bleiben, oder es muß ein Störsignal ausgelöst werden.

Für ortsfeste Meßeinrichtungen ist eine eigensichere Ferneinspeisung über eine möglichst große
Entfernung anzustreben, damit nach Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen Stromkreise
die Überwachung nicht unterbrochen wird. Die Entfernung kann je nach Einsatzzweck mehrere
Kilometer betragen, bei Einspeisung von über Tage aus unter Umständen 10 km. Bei eigensicherer
Ferneinspeisung hat der Antragsteller den maximalen zulässigen ohmschen Widerstand der
Ferneinspeiseleitung anzugeben. Der Leitungsquerschnitt sollte 4 mm2 nicht überschreiten.
Entsprechend den jeweiligen Erfordernissen kann auch eine eigensichere Notstromversorgung
durch Batterien und/oder Akkumulatoren mit einer Nennspannung von  £ 12 V und einer
Kapazität von £ 2 Ah in Betracht kommen.

Unterschiedliche Leitungslängen zwischen Aufnehmer und Auswertegerät, Auswertegerät und
Energieversorgung sowie zwischen Auswertegerät und Fernübertragungs- oder Meßwert-
aufzeichnungsgerät dürfen keinen Einfluß auf die Messunsicherheit haben. Ein gegebenenfalls
vorhandener Einfluß der Leitungslänge muß kompensierbar sein.

Bei einem einfachen Erdschluß, bei Leiterschluß oder -bruch sowie bei Isolationsfehlern in
Kabeln oder Leitungen außerhalb des Gehäuses oder bei Ausfall der Energieversorgung
darf das Meßsignal oder ein dadurch ausgeführter Schaltbefehl nicht zu einer sicherheitlich
bedenklichen Fehlmeldung führen, soweit dieses technisch möglich ist. Diese Störfälle sollen
durch spezielle Störmeldungen angezeigt werden. Bei Verwendung farbiger Anzeigen muß
Gefahr, Alarm oder Störung durch ein rotes Signal erkennbar sein. Im übrigen müssen die
Betriebszustände eindeutig gekennzeichnet sein, z.B. Betriebsbereitschaft, Freigabe durch
grüne und allgemeine Betriebszustände durch gelbe oder weiße Signale.

Die Ausgangsstromkreise für die Übertragung der Meßwerte sowie für die Grenzsignal-
kontaktgabe müssen von den Eingangsstromkreisen der nachfolgenden Anlagen galvanisch
getrennt sein. Der an von außen zugänglichen Anschlüssen, z.B. für eine Registriereinheit
entnehmbare Strom darf 20 mA nicht überschreiten. Die Ausgänge von Schalteinrichtungen
müssen in der Zündschutzart 'Eigensicherheit' ausgeführt sein.

Einrichtungen für die Meßwertübertragung müssen das Meßsignal innerhalb der zulässigen
Fehlergrenzen (siehe Abschnitt 3.4.1) übertragen. Signalübertragungseinrichtungen sollen so
ausgelegt sein, daß sie auch Meßwerte, die den Meßbereich des Gerätes um 5 % überschreiten,
linear übertragen. Darüber hinausgehende Werte müssen eindeutig ausgegeben werden.

Das Vertauschen von Verbindungsleitungen über Steckverbinder ist durch konstruktive
Maßnahmen zu verhindern.

Baugruppen sollen ebenfalls gegen Vertauschen gesichert sein. Zulässiges Vertauschen oder
Herausnehmen von elektrischen Baugruppen, z.B. Platinen, darf weder das Meßsignal noch
daraus resultierende Grenzwerte in sicherheitlich bedenklicher Weise beeinflussen.

3.2.3. Kennzeichnung

Meßgeräte, die mit elektrischer Energie versorgt werden, müssen als elektrische Betriebsmittel
nach den einschlägigen VDE-Bestimmungen und den entsprechenden bergbehördlichen
Vorschriften für elektrische Anlagen gekennzeichnet sein. Sie müssen die Prüfnummer der die
Eignungsuntersuchung durchführenden Stelle sowie, falls erforderlich, weitere Angaben,
z.B. über Art und Verwendung, tragen. Sind Aufnehmer und Auswertegerät keine Einheit, so
sind beide Geräte zu kennzeichnen. Bei Aufnehmern für die Wettergeschwindigkeit ist
erforderlichenfalls die Strömungsrichtung auf dem Gerät anzugeben. Die Anschlüsse für
Verbindungsleitungen bei Differenzdruckmeßeinrichtungen sind durch '+' und '-' zu kennzeichnen.

3.3. Funktion

3.3.1. Meßwertausgabe

Die Empfindlichkeit der Meßeinrichtungen muß ausreichen, die zulässigen Fehlergrenzen
und Messunsicherheiten (siehe Abschnitt 3.4.1) einzuhalten. Anzeigegeräte müssen eindeutig und
gut ablesbar sein. Analoge Anzeige- und Aufzeichnungsgeräte müssen eine Genauigkeitsklasse
von 1,5 oder besser aufweisen. Sie müssen innerhalb der Meßspanne eine linear geteilte Skala
mit einer Länge von mindestens 60 mm haben.

Markierungsstriche auf Skalen dürfen nicht von einem Zeiger verdeckt werden. Zeiger müssen
den Meßanfang erkennbar unterschreiten und das Messende erkennbar überschreiten können.

Die Anzeigegeräte müssen so beschaffen sein, daß unzulässige Anzeigefehler durch elektrostatische
Aufladung nicht auftreten können.

Aufzeichnungsgeräte müssen eine Vorschubgeschwindigkeit von mindestens 20 mm h-1 besitzen.

Ortsfeste und tragbare Meßeinrichtungen sollen kontinuierlich messen. Bei diskontinuierlich
messenden Einrichtungen soll die Meßfolge den Überwachungsaufgaben angepaßt werden können.
Der Meßvorgang muß erkennbar sein. Die Punktfolge von Punktdruckern darf höchstens 20 s
betragen.

3.3.2. Einlauf- und Einstellzeit

Die Zeit, die nach Inbetriebnahme der Meßeinrichtung verstreicht, bis der Meßwert innerhalb
der zulässigen Fehlergrenzen (siehe Abschnitt 3.4.1) angezeigt wird, die Einlaufzeit, soll möglichst
kurz sein.

Die Einstellzeit muß entsprechend dem Meßzweck kurz sein. Die Einstellzeit t90 darf bei
Überwachungseinrichtungen mit sicherheitlich bedeutsamen Abschaltaufgaben nicht mehr
als 20 s betragen. Sie sollte auf Werte < 3 s einstellbar sein. Darüber hinaus ist für die Erfassung
von schwankenden Meßsignalen zur Mittelwertbildung eine Integrierzeit von bis zu 20 s zulässig.
Bei der Ermittlung dieser Zeiten sind mechanische Vorschaltungen wie z.B. Filter, Wasser-
abscheider und Leitungen zu berücksichtigen.

3.3.3. Grenzsignaleinrichtungen

Grenzsignalgeber sollen mit dem Auswertegerät eine bauliche Einheit bilden. Ortsfeste
Meßeinrichtungen sollen mit mindestens 2 Grenzsignalgebern, z.B. zur Vorwarnung und
zur Abschaltung, ausgerüstet sein.

Der Einstellbereich soll den Meßbereich abdecken. Die Einstellunsicherheit darf die im
Abschnitt 3.4.1 genannten Grenzen nicht überschreiten.

Nach Erreichen vorgegebener Grenzwerte für das Meßsignal müssen Warn- und Schaltsignale
mit einer Verzögerung von £ 20 s ausgelöst werden. Die Schaltzustände und möglichst auch
die eingestellten Grenzwerte müssen angezeigt werden können.

Die Grenzsignalgabe muß als Funktion des Meßwertes im Meßbereich eindeutig sein, so
daß eine Fehldeutung des Signals ausgeschlossen ist.

3.3.4. Prüfmöglichkeit

Die Meßeinrichtungen sollen eine einfache Prüfung durch Vergleichsmessungen ohne Störung
des Betriebsablaufes ermöglichen. So sollen z.B. Differenzdruckmeßgeräte das Anlegen von
Vergleichsdrücken erlauben. Hierfür sind entsprechende Anschlüsse und Ventile vorzusehen.

Zum Prüfen von Grenzwerten und Schaltfunktionen ortsfester Meßeinrichtungen sowie zum
Prüfen der Fernübertragungsanlage soll ein geeignetes Prüfsignal zur Verfügung stehen.
Diese Prüfung muß an der Anzeige und an einer gegebenenfalls vorhandenen Registrierung
erkennbar und zwangsläufig zeitlich begrenzt sein.

Prüfstellglieder, mit denen der Meßvorgang überbrückt wird, müssen gegen unbefugtes
Betätigen gesichert sein; Überbrückungen sollen angezeigt werden.

3.4. Meßtechnische Eigenschaften

3.4.1. Zulässige Fehlergrenzen, Messunsicherheit

Die Meßunsicherheit (siehe Anhang 2), d.h. die Streuung um die jeweils gültige Kalibrierkurve
darf unter Laborbedingungen mit einer statistischen Sicherheit von P = 95 % die folgenden
Werte nicht überschreiten:

Meßgröße

Anwendung

95 *

Atmosphärendruck

Ermitteln von  Druckunterschieden

± 0,15 mbar

 

Ermitteln der Dichte

± 1 mbar

Differenzdruck

Druckunterschiede, Wirkdrücke zum
Ermitteln von Wettergeschwindigkeiten oder Wetterströmen

± 1,5 % der Meßspanne

Strömungsgeschwindigkeit

Geschwindigkeitsverteilung, Ermitteln des Wetterstromes

 

 

£  4 m/s

± 0,1 m/s

 

³  4 m/s

± 2,5 % vom Sollwert

Lufttemperatur

Ermitteln von Klimawerten für Einstufungen
nach der Klima-Bergverordnung

 

 

(Trocken- und Feuchttemperatur)

± 0,05 K

 

für sonstige Zwecke

± 0,2 K

Luftfeuchte

Ermitteln von Klimawerten

± 1,5 % rel. Feuchte

 

für sonstige Zwecke

± 3 % rel. Feuchte

Die Fehlergrenzen der Meßeinrichtung (siehe Anhang 2) sind durch die Forderung festgelegt,
daß die Abweichungen der Ausgabesignale vom wahren Wert unter Laborbedingungen das
4-fache der Messunsicherheit u95 nicht überschreiten dürfen. Die Unsicherheit bei der
Einstellung der Grenzwerte, die Einstellunsicherheit, muß unter Laborbedingungen mit einer
statistischen Sicherheit von P = 95 % kleiner als 1,5  x  u95 sein. Von den durch die
Tabelle festgelegten Fehlergrenzen darf für bestimmte Einsatzfälle abgewichen werden, sofern
die zulassende Behörde dem zustimmt.

Laborbedingungen im Sinne dieser Richtlinien sind folgende Bereiche für

- Temperatur

291 K

£ T

£  298 K

- Druck 

970 mbar

£ p

£  1060 mbar

- relative Feuchte

40 %

£ j

£  80 %

- Luftgeschwindigkeit

 

w

0 m/s

- Versorgungsspannung für
   Aufnehmer, Anpasser und Ausgeber

0,98 UNenn 

£ U

£ 1,02 UNenn 

Diese Werte dürfen im Verlauf eines Tages um

|D T|

£

2 K

|D p|

£

20 mbar

|D j|

£

10 % rel. Feuchte

|D U/UNenn|

£

0,01

von den jeweiligen Mittelwerten abweichen.

3.4.2. Nullpunkts- und Empfindlichkeitsdrift

Nullpunkts- und Empfindlichkeitsdrift dürfen, soweit dieses technisch möglich ist, innerhalb
von 6 Monaten nicht größer als das Doppelte des durch die Messunsicherheit unter Labor-
bedingungen u95 * (siehe Abschnitt 3.4.1) festgelegten Bereiches sein.

3.4.3. Störeinflüsse

Von den Laborbedingungen abweichende Einsatzbedingungen können Störeinflüsse bewirken,
die zu zusätzlichen systematischen und zufälligen Fehlern der Meßeinrichtung führen (siehe
Anhang 2).

Atmosphärische Einsatzbedingungen im Sinne dieser Richtlinien sind folgende, über die
Laborbedingungen hinaus erweiterte Bereiche für

- Temperatur

273 K

£ T

£  313 K

- Druck 

900 mbar

£ p

£  1300 mbar

- relative Feuchte

30 %

£ j

£  100 %

- Luftgeschwindigkeit

0 m/s

£ w

£  6 m/s

Inwieweit die Meßeinrichtung unter hiervon abweichenden atmosphärischen Einsatz-
bedingungen - z.B. in Wetterkanälen, Gasababsauge- und Luttenleitungen - eingesetzt
werden kann, hat der Hersteller anzugeben.

Außer durch Temperatur, Druck, relative Feuchte, unterschiedliche Anströmung des
Aufnehmers nach Größe und Richtung können am Aufstellungsort

das Meßergebnis beeinflussen.

Die durch die genannten Einflüsse verursachten systematischen Fehler sollen möglichst
weitgehend bekannt sein, so daß sie durch Berichtigung und womöglich durch selbsttätige
Kompensation ausgeschaltet werden können.

Die durch Störeinflüsse bedingten zufälligen Fehler sowie die nicht erfaßten und nur
abschätzbaren systematischen Fehler führen zu einer Erhöhung der Messunsicherheit
(siehe Anhang 2). Die gesamte Messunsicherheit soll unter Einsatzbedingungen mit einer
statistischen Sicherheit von 95 % kleiner als 2 x u95 , die gesamte Einstellunsicherheit für
Grenzwerte soll mit einer statistischen Sicherheit von 95 % kleiner als 3 x u95 * sein
(siehe Abschnitt 3.4.1).

4. Eignungsuntersuchung

4.1. Allgemeines

Die Eignungsuntersuchung hat den Zweck festzustellen, ob Ausführung und Aufbau der
Meßeinrichtung sowie ihre funktions- und meßtechnischen Eigenschaften den im Abschnitt 3
festgelegten Anforderungen entsprechen. Von den hier beschriebenen Untersuchungen kann
abgewichen werden, wenn dieses sicherheitstechnisch oder vom Meßprinzip her notwendig
oder zweckmäßig ist.

Das Prüfinstitut ist mit der Untersuchung schriftlich zu beauftragen. Ihm sind folgende, durch
rechtsgültige Unterschrift bestätigte Unterlagen in deutscher Sprache vorzulegen:

Es empfiehlt sich, vor der Eignungsuntersuchung die Zulässigkeit der Meßeinrichtung als
schlagwettergeschütztes Betriebsmittel zu klären.

Für die Eignungsuntersuchung sind drei Prüflinge bereitzustellen, von denen einer bei der
prüfenden Stelle als Belegmuster verbleibt. Sehr unterschiedliche Prüfergebnisse können
die Bereitstellung weiterer Prüflinge erfordern. Das Prüfinstitut kann auf den Verbleib des
Belegmusters verzichten.

Vor und nach jeder Einzelprüfung ist zur Feststellung der Betriebssicherheit aller Bauteile
jeweils ein der Geräteart entsprechender Funktionstest durchzuführen. Hierbei sollen in
der Regel die Meßsignale beim Nullpunkt und bei ca. 70 % der Meßspanne unter Labor-
bedingungen geprüft und entsprechende Grenzsignale ausgelöst werden. Die Ergebnisse
des Funktionstestes sind mit denen des vorangegangenen zu vergleichen. Spezielle
Erfordernisse für die Betriebsbereitschaft sind zu kontrollieren. Sie müssen in der Betriebs-
und Wartungsanleitung des Herstellers enthalten sein.

Als Ergebnis der einzelnen Untersuchung ist jeweils die Übereinstimmung oder Art und
Größe der Abweichung von der entsprechenden Anforderung festzustellen.

In den folgenden Abschnitten 4.2 bis 4.4 wird die Untersuchung der Eigenschaften der
Meßeinrichtung beschrieben, für die in den entsprechenden Abschnitten 3.2 bis 3.4 die
Anforderungen festgelegt sind.

Auf Grund der bei der Eignungsuntersuchung und bei der Erprobung (siehe Abschnitt 5)
gewonnenen Ergebnisse sind erforderlichenfalls Hinweise für die Betriebs- und Wartungs-
anleitung zu geben.

4.2. Ausführung

4.2.1. Mechanischer Teil

Zweck der Prüfung

Feststellen der Zweckmäßigkeit der mechanischen Ausführung,
Feststellen der mechanischen Beanspruchbarkeit

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Vor der Schwing- oder Fallprüfung Aufnehmen der Kalibrierkurve

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Feststellung der Abmessungen und der Masse jedes Einzelgerätes
der Meßeinrichtung
Prüfen des Aufbaus und der Ausführung
Prüfen der Handhabbarkeit und der Anordnung von Stellgliedern und
Bedienelementen insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit gegen
falsches oder unbefugtes Bedienen.
Prüfen der Wartungsmöglichkeiten
Bei ortsfesten Meßeinrichtungen mit Aufnehmern, die vom Auswertegerät
getrennt sind, Schwingprüfung Fc der Aufnehmer gemäß DIN 40046,
Teil 8; Schärfegrad: Auslenkung 0,35 mm, Frequenz 10 bis 55 Hz
(Beschleunigung <= 5 g), je Achse 24 Frequenzzyklen in 2 Stunden.
Bei tragbaren Meßeinrichtungen und bei Handmeßgeräten Fallprüfung
Ed (frei fallen) in Anlehnung an DIN 40046, Teil 30.

Endmessung

Funktionstest
Nach der Schwing- bzw. Fallprüfung Kalibrierung

Ergebnisse und Beurteilung

Abmessungen und Massen der Einzelgeräte
Beurteilung der Ausführung und der Zweckmäßigkeit des mechanischen Aufbaus,
der Sicherheit gegen Fehlbedienung und der Wartungsmöglichkeiten.
Beurteilung der Unempfindlichkeit gegen mechanische Beanspruchung nach den
Unterschieden in den Ergebnissen von Anfangs- und Endmessung. Diese müssen
innerhalb der im Abschnitt 3.4.1 genannten Fehlergrenzen liegen.
Bei der Schwing- oder Fallprüfung dürfen sichtbare mechanische Beschädigungen
nicht auftreten.

4.2.2. Elektrischer Teil

Zweck der Prüfung

Feststellen, ob und gegebenenfalls in welchem Masse Eigenschaften
elektrischer Bauelemente und Baugruppen sowie der Energieversorgung
die meßtechnischen Eigenschaften der Meßeinrichtung nachteilig beeinflussen.

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest beim Nennwert der Versorgungsspannung.

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Prüfen des Verhaltens elektrischer Einstellelemente im Hinblick auf
Empfindlichkeit und Stetigkeit.
Ermitteln der Entladekurve von Batterien oder Akkumulatoren.
Ermitteln der Abhängigkeit des Meßsignals und der Grenzsignalgabe
von der Energieversorgung bei etwa 30 und 70 % der Meßspanne.
Ermitteln des Einflusses von Leitungswiderständen bzw. der Länge
von Verbindungsleitungen zwischen Auswertegerät, Aufnehmer,
Energieversorgungseinheit, Aufzeichnungsgeräten und Anschluß an
die Fernübertragungsanlage auf das Meß- und Grenzsignal.
Feststellen der Auswirkung von simulierten Störfällen auf das
Meßsignal und die Grenzsignalgabe; Prüfen von Störmeldungen.

Endmessung

Funktionstest beim Nennwert der Versorgungsspannung.

Ergebnisse und Beurteilung

Beurteilung des Ergebnisses der Teilprüfungen nach den im Abschnitt 3.2.2
festgelegten Anforderungen.
Werte für die Versorgungsspannung und für elektrische Widerstände von
Verbindungsleitungen bzw. Leitungslängen für Nennquerschnitte, bei denen
das Ausgangssignal um k x 4 x u95 * mit k = 0,25, 0,5 und 1,0 vom Sollwert
abweicht (siehe Abschnitt 3.4.1 und Anhang 2).

4.2.3. Kennzeichnung

Zweck der Prüfung

Feststellen der ordnungsgemäßen Kennzeichnung

Vorbehandlung und Anfangsmessung

-

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Prüfen der Kennzeichnung

Endmessung

-

Ergebnisse und Beurteilung

Beurteilung gemäß den im Abschnitt 3.2.3 genannten Anforderungen.
Hinweis auf fehlende oder falsche Kennzeichnungen.

4.3. Funktion

4.3.1. Meßwertausgabe

Zweck der Prüfung

Feststellen von Art und Zweckmäßigkeit der Ausgeber

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Feststellen der Skalenlänge bei analogen Anzeige- und Schreibgeräten
sowie der Stellenzahl bei digitalen Anzeigegeräten.
Ermitteln der Empfindlichkeiten aller Ausgeber.
Prüfen der durch die Ausgeber bedingten Messunsicherheiten mittels
Simulation elektrischer Meßsignale.
Bei diskontinuierlich messenden Einrichtungen Feststellen der Meßfolge;
bei Schreibern Feststellen der Vorschubgeschwindigkeit.
Prüfen der Eindeutigkeit des Meßsignals innerhalb und außerhalb des
Meßbereichs.

Endmessung

Funktionstest

Ergebnisse und Beurteilung

Empfindlichkeit, gegebenenfalls Meßfolge und Vorschubgeschwindigkeit
aller Ausgeber
Beurteilung gemäß den im Abschnitt 3.3.1 festgelegten Anforderungen.

4.3.2. Einlauf- und Einstellzeit

Zweck der Prüfung

Feststellen der Einlauf- und Einstellzeit.

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Die Meßgröße wird am Aufnehmer sprunghaft geändert, der Meßwertsprung
soll etwa 50 % der Meßspanne betragen.
Sind mehrere Einstellzeiten durch Einstellung von mechanischen oder elektrischen Dämpfungsgliedern nötig, so sind die kleinste und die größte Einstellzeit festzustellen.
Die Prüfung ist mit den zur Funktion erforderlichen Vorschaltgeräten vorzunehmen.
Die Erhöhung der Einstellzeit durch Vorschaltgeräte, die nur unter bestimmten
Einsatzbedingungen erforderlich sind, ist gesondert zu bestimmen.

Endmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Ergebnisse und Beurteilung

Einlaufzeit
Einstellzeit t90 
Beurteilung nach den im Abschnitt 3.3.2 genannten Anforderungen.

4.3.3. Grenzsignaleinrichtungen

Zweck der Prüfung

Feststellen der Zweckmäßigkeit und der Zuverlässigkeit der
Grenzsignaleinrichtungen

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Feststellen der Anzahl der Grenzsignaleinheiten, der Einstellbereiche und
der Einstellempfindlichkeit
Vergleich von Grenzwerteinstellungen mit Meßwerten, bei denen
Grenzsignale ausgelöst weden, bei zunehmenden und abnehmenden Meßwerten.
Prüfen der Grenzsignalauslösung durch wiederholtes Einstellen eines Wertes
zwischen 50 und 90 % der Meßspanne im Wechsel mit einem Wert, der in der
Nähe des Meßanfangs liegt, wobei jeder Meßwert länger als t90 anstehen muß;
Einstellen der Grenzwerte bei etwa 75 % des Meßwertsprunges.
Prüfen der Schaltverzögerung.
Prüfen der Eindeutigkeit des Grenzsignals.

Endmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Ergebnisse und Beurteilung

Einstellempfindlichkeit
Reproduzierbarkeit
Umkehrspanne
Einstellunsicherheit
Schaltverzögerung
Beurteilung nach den im Abschnitt 3.3.3 festgelegten Anforderungen.

4.3.4. Prüfmöglichkeit

Zweck der Prüfung

Feststellen, ob eine einfache Prüfung der Meßeinrichtung durch
Vergleichsmessung oder durch Simulation von Meßwerten ohne Störung
des überwachten Betriebes möglich ist.

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Feststellen, welche Anschlußmöglichkeiten für Vergleichsmeßgeräte vorhanden
sind und wie eine Vergleichsmessung durchgeführt werden kann.
Ermitteln des Einstellbereichs und der Einstellempfindlichkeit eines gegebenenfalls
vorhandenen Gerätes für Prüfsignale.
Einstellung von 5 Werten, die etwa gleichmäßig über die Meßspanne verteilt sind.
Dabei Ermitteln der Einstellunsicherheit sowie Feststellen der Abweichung der
Ausgabesignale von den Meßwerten.
Prüfen der Grenzsignalauslösung sowie der Schaltverzögerung bei der Simulation
von Meßwerten.
Feststellen, ob die Anschlüsse und Stellglieder für die Prüfung gegen unbefugtes
Betätigen gesichert sind.

Endmessung

Funktionstest

Ergebnisse und Beurteilung

Beurteilung der Zweckmäßigkeit gegebenenfalls vorhandener Prüfmöglichkeiten
sowie der Messunsicherheit bei der Vergleichsmessung und der Aufgabe von
Prüfsignalen gemäß den im Abschnitt 3.3.4 genannten Anforderungen.

4.4. Meßtechnische Eigenschaften

4.4.1. Kalibrierkurve und Messunsicherheit unter Laborbedingungen

Zweck der Prüfung

Ermitteln der Kalibrierkurve, der Umkehrspanne und der Messunsicherheit
unter Laborbedingungen

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Mehrfaches Kalibrieren mit je ca. 2 x 10 Meßwerten (Meßanfang,
Messende und ca. 8 Meßpunkte gleichmäßig auf die Meßspanne verteilt)
zweckmäßig so, daß die Hälfte der Meßpunkte bei steigendem Meßwert,
die andere Hälfte bei fallendem Meßwert eingestellt wird, damit eine
Angabe zur Umkehrspanne gemacht werden kann.
Feststellen, ob die Ausgangssignale auch bei Über- oder Unterschreiten
des Meßbereiches eindeutig bleiben.

Endmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen

Ergebnisse und Beurteilung

Kalibrierkurve als Ausgleichskurve, gegebenenfalls aus einer Regressionsanalyse
Standardabweichung s sowie Messunsicherheit u95 (siehe Anhang 2) für
die aufgenommenen Werte
Umkehrspanne
Beurteilung nach den im Abschnitt 3.4.1 festgelegten Anforderungen.

4.4.2. Nullpunkts- und Empfindlichkeitsdrift

Zweck der Prüfung

Feststellen der Drift der Ausgabesignale

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest,
Feststellen der Laborbedingungen,
Kalibrierung

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Häufige Wiederholung von Funktionstests und Vergleichsmessungen
während der Dauer von mindestens 3 Monaten unter Labor- und
Einsatzbedingungen

Endmessung

Funktionstest und Kalibrierung unter Laborbedingungen

Ergebnisse und Beurteilung

Drift
Beurteilung nach den im Abschnitt 3.4.2 festgelegten Anforderungen
Die Drift ist bei der Bestimmung der Messunsicherheit unter Einsatzbedingungen
als abschätzbar systematischer Fehler zu berücksichtigen.

4.4.3. Störeinflüsse und Messunsicherheit unter Einsatzbedingungen

Zweck der Prüfung

Feststellen der Tauglichkeit aller Bauteile der Meßeinrichtung
unter den atmosphärischen Einsatzbedingungen (siehe Abschnit 3.4.3).
Feststellen des Einflusses von Störgrößen (siehe Abschnitt 3.4.3) auf
die meßtechnischen Eigenschaften der Meßeinrichtung, insbesondere
des Aufnehmers mit dem Ziel, systematische Fehler möglichst durch
Korrekturen berichtigen und nicht erfaßbare systematische Fehler
abschätzen zu können.

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest
Feststellen der Laborbedingungen,
Kalibrierung

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Betrieb der vollständigen Meßeinrichtung unter unterschiedlichen
atmosphärischen Bedingungen, wobei die Störgröße in den festgelegten
Grenzen (siehe Abschnitt 3.4.3) variiert wird und die übrigen Größen
in den durch die Laborbedingungen (siehe Abschnitt 3.4.1) gegebenen
Grenzen festgehalten werden.
Prüfung des Störeinflusses von Temperatur und Feuchte in Anlehnung
an DIN IEC 68 Teil 2-3, Schärfegrad 4 Tage.
Durch Abkühlen von einem Klimawert mit hoher Temperatur und hoher
Feuchte auf eine niedrige Temperatur soll der mögliche Einfluß einer
Betauung erkannt werden.
In besonderen Fällen kann gemäß DIN IEC 68 Teil 2-30 eine Klima-
prüfung mit 2 Prüfzyklen durchgeführt, oder 2 Störgrößen können
gleichzeitig verändert werden.
Verändern der Lage der Meßgeräte, insbesondere des Aufnehmers
mit Abweichungen von der Nenngebrauchslage von ±  5 Grad,
±  10 Grad, ±  15 Grad. Ist ein Einfluß der Meßgröße selbst vom
Meßprinzip her nicht auszuschließen, erfolgt die Prüfung bei 3 Meßwerten.
Andere, durch den Transport und die Einsatzbedingungen hervorgerufene
Störeinflüsse (siehe Abschnitt 3.4.3) sollen weitgehend bei der Erprobung
(siehe Abschnitt 5) festgestellt werden.

Endmessung

Funktionstest und Kalibrieren der Meßeinrichtung unter
Laborbedingungen nach jeder Einzelmessung.

Ergebnis und Beurteilung

Beurteilung nach den im Abschnitt 3.4.3 festgelegten Anforderungen
Systematische Einflüsse von Störgrößen, die z.B. mit dxa /dzj = konst.
eine von der Störgröße zj abhängige Berichtigung des ausgegebenen
Meßsignals xa erlauben, angeben Abschätzung für die nach einer
Berichtigung verbleibende Unsicherheit f (siehe Anhang 2) für nicht
erfaßbare oder nicht erfaßte systematische Fehler
Angaben zur Messunsicherheit unter Einsatzbedingungen unter
Berücksichtigung der bei der Erprobung (siehe Abschnitt 5)
getroffenen Feststellungen.

5. Erprobung

Die Erprobung schließt sich an die Eignungsuntersuchung an oder kann gleichzeitig mit dieser
vorgenommen werden.

Zweck der Prüfung

Feststellen der Tauglichkeit aller Bauteile der Meßeinrichtung
beim Transport und beim Einsatz.
Feststellen des Störeinflusses von Staub, Spritzwasser, aggressiven
Medien, elektromagnetischen Feldern und anderer Einflüsse auf
die Funktion und die meßtechnischen Eigenschaften.

Vorbehandlung und Anfangsmessung

Funktionstest,
Kalibrieren der Meßeinrichtung unter Laborbedingungen

Beanspruchung bzw. Hauptmessung

Betrieb der Meßeinrichtung unter den dem späteren Einsatzzweck
entsprechenden Einsatzbedingungen unter Berücksichtigung der
oben genannten Störeinflüsse.
Durchführung von Vergleichsmessungen am Einsatzort.
Nach Möglichkeit Registrierung und/oder Fernübertragung der
Meßwerte.
Entsprechend den Einsatzbedingungen sind zur Meßeinrichtung
gehörende Vorschaltgeräte wie z.B. Staubfilter und Wasserabscheider
zu verwenden.
Handmeßgeräte müssen von geeigneten Personen erprobt werden;
tragbare und ortsfeste Meßeinrichtungen sollen für die Dauer von
mindestens 3 Monaten unter Tage stationär eingesetzt werden.

Endmessung

Funktionstest und Kalibrieren der Meßeinrichtung unter Labor-
bedingungen, gegebenenfalls vor und nach einer Reinigung.

Ergebnisse und Beurteilung

Beurteilung nach den im Abschnitt 3.4.3 festgelegten Anforderungen.
Beschreiben von festgestellten Mängeln, die das Meßverhalten beeinflussen,
für die Handhabung von Bedeutung sind oder die Abwendbarkeit einschränken.
Die vorstehend genannten Störeinflüsse dürfen unter den vorgesehenen
Einsatzbedingungen nicht zu Beschädigungen oder Funkstörungen führen.



Anhang 1

Berücksichtigte Normen und Richtlinien

DIN IEC 68

Grundlegende Umweltprüfverfahren
Teil 2-3: Prüfung Ca: Feuchte Wärme, konstant (9/80)
Teil 2-30: Prüfung Db: Feuchte Wärme, zyklisch (9/81)

DIN EN 50014 bis 50020 VDE 0170/0171
(bis 1.5.1988 außerdem gültig
VDE 0170/0171 (1/69))

Elektrische Betriebsmittel für explosionsgefährdete Bereiche
(VDE-Bestimmung für schlagwettergeschützte und
explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel) (5/78)

DIN 1319

Grundbegriffe der Meßtechnik,
Blatt 1: Messen, Zählen, Prüfen (11/71)
Teil 2: Begriffe für die Anwendung von Meßgeräten (1/80)
Blatt 3: Begriffe für die Fehler beim Messen (1/72)

DIN 40046

Klimatische und mechanische Prüfungen für elektrische Bauelemente
und Geräte der Nachrichtentechnik
Teil 8: Prüfung F: Schwingen (7/70)
Teil 30: Umweltprüfung für die Elektrotechnik; Prüfgruppe E,
Prüfung Ed: Frei fallen (7/76)

DIN 40050

Blatt 1: Schutzarten; Berührungs-, Fremdkörper- und Wasserschutz
für elektrische Betriebsmittel (8/70)

DIN 57118/VDE 0118

Errichten elektrischer Anlagen im Bergbau unter Tage, Teile 1-3.
(Entwurf 1/82)

DIN 57160/VDE 0160

Ausrüstung von Starkstromanlagen mit elektronischen Betriebsmitteln
(11/81)

VDI/VDE 2600

Metrologie (Meßtechnik), Blatt 1-6 (11/73)

Bergbaubetriebsblatt BB 22444

Geräte und Anlagen der Fernwirktechnik
Blatt 2: Anforderungen und Prüfung (10/82).



Anhang 2 

Begriffe


Gerätetechnische Begriffe

Meßverstärker sind Anpasser mit Hilfsenergie, bei welchen die Eingangsenergie die Hilfsenergie
steuert.

Meßumsetzer sind Anpasser, die im Ein- und Ausgang verschiedene oder nur digitale Signalstruktur
haben.

Meßumformer sind Anpasser, die ein analoges Eingangssignal in ein eindeutig mit diesem
zusammenhängendes Ausgangssignal umformen.

Rechengeräte sind Anpasser, die durch Rechenoperationen der Weiterverarbeitung von Meß-
signalen dienen.

Die Vereinigung mehrerer unabhängiger Meßeinrichtungen heißt Meßanlage.

Der Meßbereich ist der Bereich von Werten des Eingangssignals der Meßgröße, der eindeutig und
innerhalb vorgegebener Fehlergrenzen durch Werte des Ausgangssignals abgebildet wird.

Der Meßanfang ist der Wert des Eingangssignals, dem der Anfangswert des Ausgangssignals
zugeordnet ist.

Das Meßende ist der Wert des Eingangssignals, dem der Endwert des Ausgangssignals zugeordnet ist.

Die Meßspanne ist die Differenz zwischen Messende und Meßanfang.

Die Empfindlichkeit eines Meßgerätes ist der Quotient einer Änderung des Ausgangssignals durch
die sie verursachende Änderung des Eingangssignals. Entsprechend ist die Einstellempfindlichkeit
für das Grenzsignal der Reziprokwert der Änderung des Grenzwertes durch die sie verursachende
Änderung des Stellgliedes.

Die Umkehrspanne ist eine quantitative Angabe für die Erscheinung der Hysterese. Sie ist gleich
dem Unterschied der Ausgangsgröße, die man für den gleichen Wert der Eingangsgröße erhält, wenn
dieser einmal zunehmend, ein anderes Mal abnehmend eingestellt wird.

Meß- und Grenzsignalgabe sind eindeutig , wenn jedem Wert des Meßsignals und jedem Wert
des Grenzsignals jeweils nur ein Wert der Meßgröße zugeordnet ist.

Die Einstellzeit t90 ist die Zeitspanne zwischen einer sprunghaften Änderung der Meßgröße am
Eingang der Meßeinrichtung und dem Zeitpunkt, in dem die Änderung des Meßsignals 90% der
Gesamtänderung ausmacht.

Die Schaltverzögerung ist die Zeitdifferenz zwischen dem Zeitpunkt, in dem ein Ausgabesignal
der Meßeinrichtung den eingestellten Grenzwert erreicht, und der Auslösung des Schaltsignals.

Die Drift ist die Änderung des Meßwertes für den Meßanfang und das Messende bei Betrieb der
Meßeinrichtung über eine Zeitdauer, innerhalb derer nicht justiert wird.

Unter Kalibrieren wird das Feststellen des Zusammenhanges zwischen Ausgangsgröße und
Eingangsgröße, z.B. zwischen Anzeige und Meßgröße, verstanden. Bei benannten Skalen wird
durch das Kalibrieren der Fehler der Anzeige eines Meßgerätes festgestellt, der als Differenz
zwischen Ist-Anzeige und wahrem Wert der Meßgröße (Soll-Anzeige) definiert ist.

Ein Meßgerät justieren heißt, es so einstellen oder abgleichen, daß die Ausgangsgröße vom
wahren Wert so wenig wie möglich abweicht oder daß die Abweichungen innerhalb der Fehlergrenzen
bleiben. Das Justieren erfordert also einen Eingriff, der die meßtechnischen Eigenschaften
möglicherweise bleibend verändert.

 


Fehlerbegriffe

Wird eine Messung unter bekannten gleichbleibenden Bedingungen öfter wiederholt, so streuen
die Meßwerte um den Erwartungswert µ, der sich als Mittelwert unendlich vieler Messungen
ergeben würde.

Systematische Fehler werden hauptsächlich hervorgerufen durch Unvollkommenheit der Meßgeräte,
der Meßverfahren und des Meßgegenstandes, auch von Einflüssen der Umwelt und der Beobachter.
Der systematische Fehler Es ist als Abweichung des wahren Wertes x vom Erwartungswert µ definiert,
Es = µ - x. Systematische Fehler sind reproduzierbar und sollen möglichst durch Berichtigungen
ausgeschaltet werden.

Es gibt auch systematische Fehler, die auf einfache Weise nicht erfaßbar sind, jedoch abgeschätzt
und beim Ermitteln der Messunsicherheit berücksichtigt werden können.

Zufällige Fehler (aleatorische Fehler) werden hervorgerufen von während der Messung nicht erfaßbaren
und nicht beeinflußbaren Änderungen der Meßgeräte, des Meßgegenstandes, der Umwelt und der
Beobachter. Sie sind definiert als Differenz zwischen dem angezeigten Meßwert der Einzelmessung
xai und dem Erwartungswert µ, Eai = xai - µ. Zufällige Fehler machen das Ergebnis unsicher: Unter
den gleichen Bedingungen ermittelte Meßwerte weichen voneinander ab, sie streuen.

Die wichtigste Größe für die zahlenmäßige Kennzeichnung zufälliger Fehler ist die Standard-
abweichung
einer sehr großen Gesamtheit von Meßwerten (n ® ¥ unendlich). Unter der
Voraussetzung einer Normalverteilung dieser Fehler nach Gauss lassen sich bei bekannter
Standardabweichung Grenzen für die zufälligen Fehler angeben, die mit einer bestimmten
statistischen Sicherheit P nicht überschritten werden.

Anhang_2_Bild_1

Anhang_2_Bild_2

Anhang_2_Bild_3



26.09.1984 *)

13.21-1-3

Sicherheitsvorkehrungen bei Einsatz
von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung

A 2.18



*) Die Nr. 4.1.3 dieser Rundverfügung wurde auf Grund einer auf Blatt 3 dieser Rundverfügung
    abgedruckten Rundverfügung vom 05.11.1987 ergänzt. Die Ergänzung ist in der hier abgedruckten
    Fassung berücksichtigt.

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Sicherheitsvorkehrungen bei Einsatz von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung

Mit den zunehmenden Anforderungen und Bemühungen auf dem Gebiet der Grubenklimatisierung
ist ein starker Anstieg der eingesetzten Kälteleistungen zu verzeichnen. Ebenso nahmen Anzahl
und Größe der einzelnen Kältemaschinen mit dem Trend zu zentralen Kälteerzeugungsanlagen zu.

Diese Entwicklung ist aus grubenklimatischen Gründen zu begrüßen. Andererseits erscheint es
geboten, den von Kälteanlagen möglicherweise ausgehenden Gefahren verstärkte Aufmerksamkeit
entgegenzubringen. Diese Gefahren können vornehmlich von den größeren Kältemittel- und
Schmierölmengen ausgehen. Die Kältemittelmengen liegen je nach Bauweise der Kälteanlage zwischen
300 und 1000 kg je MW Kälteleistung. Schmieröl ist insbesondere bei Schraubenverdichtern in
großen Mengen im Einsatz (z.B. 400 kg Kältemaschinenöl bei 1000 kg Kältemittelmenge).

Die als Kältemittel verwendeten fluorierten Chlorkohlenwasserstoffe (meist R 22, z.B. als
'Frigen 22', 'Freon 22' oder 'Kaltron 22') besitzen im allgemeinen eine geringe toxische Wirkung,
kommen aber, abgesehen von einer gewissen narkotisierenden Wirkung, bei großen Mengen
dampfförmig als Sauerstoffverdränger in Betracht; vorwiegend können sie sich auf Grund ihrer
im Vergleich zur Luft erheblich größeren Dichte am Boden schwach belüfteter Räume sammeln.

Schließlich ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß im Falle eines Brandes, z.B. des
Kompressorenöls, das Kältemittel thermisch zersetzt wird; hierbei können Zersetzungsprodukte
entstehen, die schon in geringen Konzentrationen zu Reizungen der Augen und Atemwege führen.

Auf Grund dieser Zusammenhänge ist für den Einsatz von Kälteanlagen zur Grubenklimatisierung
die Anwendung nachstehend dargelegter Sicherheitsvorkehrungen im Betriebsplanverfahren
sicherzustellen:

  1. Der als Anhang beigefügte Auszug aus der Unfallverhütungsvorschrift 'Kälteanlagen' ist
    anzuwenden, jedoch
    - § 2 Abs. 5 und § 17 nur für Räume über Tage und für Räume nach Maßgabe von Nr. 4.1.4,
    - § 2 Abs. 7 und 8 sowie § 16 Abs. 2 und 4 nur über Tage
    - § 5 Abs. 3 nur, sofern es sich bei dem Durchflußstoff nicht um Wasser handelt.

    Die zu dieser Unfallverhütungsvorschrift gehörenden Durchführungsanweisungen sind
    entsprechend zum Anhalt zu nehmen. Im übrigen wird auf den jeweils gültigen Betriebsplan
    für die Errichtung und den Betrieb von Druckbehältern und von Druckgasbehältern sowie
    Füllanlagen im Steinkohlenbergbau verwiesen.

  2. Als Kältemittel dürfen nur solche der Gruppe 1 außer R 21 (nach der Einteilung zu VBG 20)
    verwendet werden und auch diese nur, wenn das Hygiene-Institut des Ruhrgebietes deren
    Unbedenklichkeit bescheinigt hat. Als Kälteträger dürfen außer Wasser ebenfalls nur Stoffe
    verwendet werden, für die das Hygiene-Institut des Ruhrgebietes die Unbedenklichkeit
    bescheinigt hat.

  3. Kältemittel und Kältemaschinenöl dürfen nur über Tage, und zwar in hierfür bestimmten
    Räumen oder im Freien gesondert gelagert werden. Zum Ausgleich von etwaigen Kältemittel-
    verlusten dürfen am Aufstellungsort etwa 20% der Kältemittelfüllung, jedoch nicht mehr als
    200 kg ständig bereitgehalten werden.

  4. Für untertägige Kälteanlagen gelten folgende Bestimmungen:

    4.1. Anordnung

    4.1.1. Kälteanlagen müssen von stabilen Schutzgehäusen umgeben sein oder am Aufstellungsort
    vor den betriebsüblichen Bergbaueinwirkungen geschützt werden. Auch die schwierigen
    Transportverhältnisse unter Tage sind bei der Konzeption der einzelnen Anlagenteile zu
    berücksichtigen (z.B. durch Gleitkufen oder Gleitböden und vielfältige Anschlagmöglichkeiten).
    Durch Innendruck belastete Behälterwandungen können auch als tragende Bauelemente genutzt
    werden, wenn dies bei der Auslegung der Behälter berücksichtigt wurde und/oder wenn die
    Behälterwandungen durch Futterbleche hinreichend geschützt werden.

    4.1.2. Kälteanlagen einschließlich kältemittelführender Rohrleitungen müssen gegen
    mechanische Schäden (z.B. Steinfall, Montagekräne, Fördermittel) geschützt sein. Flexible
    Kältemittelleitungen sind so kurz wie möglich zu halten und unter Berücksichtigung der
    Einsatzbedingungen bestmöglich zu schützen. Bewegte flexible Kältemittelleitungen dürfen
    nicht verwendet werden.

    Leitungen, Dichtungen oder dergleichen aus Gummi oder Kunststoff dürfen nur verwendet
    werden, wenn eine Werksbescheinigung über die Verträglichkeitsprüfung hinsichtlich der
    Aggressivität des Kältemittels vorliegt.

    Kältemittelrohrleitungen sollen so kurz wie möglich sein. Bei längeren Leitungen (z.B. die
    Verbindungen zu abseits stehenden Luftkondensatoren) sind zur Aufnahme von Gebirgs-
    bewegungen gegebenenfalls Kompensatoren einzubauen.

    4.1.3. Am Standort der Kälteanlage muß bezogen auf die größte Einzelanlage ein Wetterstrom
    von wenigstens 200 m3 /min je 100 kg Kältemittel sichergestellt sein; jedoch darf bei
    Kältemittelmengen unter 200 kg der Mindestwetterstrom in keinem Fall 400 m3 /min
    unterschreiten.

    4.1.4. In Fällen, in denen die Förderung nach Nr. 4.1.3 nicht durchführbar ist, ist die
    Kälteanlage in einem verschlossenen Maschinenraum anzuordnen, der mit einer
    Zwangsentlüftung ausgerüstet ist. Die Entlüftung muß in einen ausreichend großen
    Abwetterstrom führen (weitere Einzelheiten über Maschinenräume nach § 17 VBG 20
    mit zugehörigen Durchführungsanweisungen).

    4.1.5. Kälteanlagen mit mehr als 500 kg Kältemittelfüllung dürfen nicht in der Nähe von
    geneigten Grubenbauen, Vertiefungen, Senken oder Sümpfen angeordnet sein, in denen
    unkontrolliert abfließende Kältemittel sich ansammeln können. Dies gilt nicht für die
    Schachtsümpfe an Ausziehschächten.

    4.1.6. Für ortsfeste Kälteanlagen 1) ist festzulegen, wohin austretende Kältemittel fließen,
    wo sie sich ansammeln können und wie sie gezielt verdünnt und abgeführt werden.
    Möglichst kurze und ungehinderte Fluchtwege in einen unbelasteten Wetterstrom sind
    festzulegen. Erforderlichenfalls ist der Schutz gegen Sauerstoffmangel durch Sauerstoff-
    selbstretter und/oder Druckluft-Notatemluftspender zu gewährleisten.
    1) Ortsfeste Kälteanlagen sind Anlagen, die durch ihre Beschaffenheit oder mechanische
        Befestigung an ihren Aufstellungsort gebunden sind.

        Nicht ortsfeste Kälteanlagen sind kleinere kompakte Einheiten, bei denen durch fest
        integrierte sicherheitstechnische Vorrichtungen ein ausreichender Schutz sichergestellt ist
        (Bestätigung im Rahmen der Abnahmeuntersuchung).
    4.1.7. Wenn bei Lüfterausfall die Forderungen nach Nr. 4.1.3 und 4.1.6 nicht vollständig
    erfüllt werden können, sind Personen aus dem sich dann ergebenden Gefahrenbereich
    zurückzuziehen. Diese Maßnahmen sind in den Lüfterstillstandsplänen
    (vgl. auch § 143 Abs. 6 BVOSt) zu berücksichtigen.

    4.1.8. An Aufstellungsorten von ortsfesten Kälteanlagen muß der Ausbau einschließlich
    Hinterfüllung nichtbrennbar sein. Es dürfen außer der mit der Kälteanlage selbst verbundenen
    Brandlast keine zusätzlichen Brandbelastungen oder Zündquellen vorhanden sein. Wenn dieses
    nicht zu verwirklichen ist, müssen die Kälteanlagen durch eine geeignete selbsttätig wirkende
    Löscheinrichtung abgesichert werden; dasselbe gilt bei allen Kälteanlagen mit ölgefluteten
    Schraubenverdichtern.

    Auf der Seite der einziehenden Wetter sind für Kälteanlagen grundsätzlich tragbare Feuerlöscher
    in ausreichendem Umfang bereitzuhalten.

    4.1.9. Der Aufstellungsort von ortsfesten Kälteanlagen soll an das Fernsprechnetz angeschlossen
    sein.

    4.2. Überwachung

    4.2.1. Die Überwachung und Ausrüstung des Kältemittelkreislaufes muß, zumindest bei mehr
    als 500 kg Kältemittelfüllung, so gestaltet sein, daß eine größere Leckage rechtzeitig erkannt und
    eine Begrenzung des Kältemittelaustritts erreicht wird, z.B. durch Mindestdrucküberwachung
    auch auf der Hochdruckseite, selbsttätiges Abschalten der Kälteanlage bei Druckabfall mit
    Schließen von Magnet- und/oder Rückschlagventilen.

    4.2.2. Durch eine geeignete Temperaturüberwachung und eine rechtzeitige Abschaltung der
    Kälteanlage muß eine bedenkliche Temperatur des Kältemittels verhindert werden.

    4.2.3. Zum Erkennen zunehmender Kältemittelverluste sind geeignete Kontrollen vorzunehmen.

    4.2.4. Bereiche, in denen bedenkliche Kältemittelansammlungen nicht ausgeschlossen werden
    können (z.B. in Maschinenräumen), müssen mit geeigneten ortsfesten Überwachungsein-
    richtungen ausgerüstet sein (z.B. Sauerstoffmangel- oder Kältemittel-Warngeräte). Soweit
    am Standort untertägiger Kälteanlagen Schwankungen des Wetterstroms bis unter die Grenze
    des erforderlichen Mindestwetterstroms möglich sind (z.B. in diagonalen Wetterwegen), ist
    eine Überwachung durch ortsfeste schreibende Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen
    zu fordern.

    4.2.5. Die ortsfesten Überwachungseinrichtungen nach Nr. 4.2.4 müssen bei Erreichen
    festzulegender Grenzwerte an einer ständig besetzten Stelle akustische und optische Warnsignale
    auslösen. Die gefährdeten Bereiche dürfen bei Warnsignalauslösung nur nach näherer Weisung
    des Wettersteigers betreten werden.

    4.2.6. Soweit sich die meßtechnische Überwachung der Einrichtungen nach Nr. 4.2.4 und 4.2.5
    nicht aus den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien (SBl. A 2.18) ergibt (z.B. bei Kältemittel-
    detektoren) sind die Überwachungsfristen besonders festzulegen.

    4.2.7. Am Aufstellungsort von Kälteanlagen müssen Betriebs- und Wartungsanweisungen
    ausgehängt sein, die auch Maßnahmen für Notfälle enthalten.

  5. Die Einzelheiten der Maßnahmen unter Nr. 4 sind unter Hinzuziehung der hierfür benannten
    Fachstellen (Prüfstelle für Grubenbewetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse
    und Technischer Überwachungs-Verein sowie für Löscheinrichtungen die Hauptstelle für
    das Grubenrettungswesen) festzulegen.

  6. Folgende Untersuchungen und Prüfungen der Kälteanlagen sind vorzusehen:

    6.1. Sicherheitstechnische Abnahmeuntersuchungen durch die vom Landesoberbergamt
    anerkannten Sachverständigen.

    6.2. Erneute Abnahmeuntersuchungen durch die vorgenannten Sachverständigen bei
    wesentlichen Änderungen.

    6.3. Wiederkehrende Untersuchungen durch die vorgenannten Sachverständigen in Fristen
    von längstens 4 Jahren.

    6.4. Wiederkehrende Prüfungen durch fachkundige Aufsichtspersonen in Fristen von
    längstens 2 Jahren. Eine Untersuchung ersetzt eine Prüfung.

    6.5. Wartung der Anlagen nach Wartungsanleitung der Hersteller.

  7. Für die selbsttätig wirkenden Löscheinrichtungen nach Nr. 4.1.8 sind folgende
    Untersuchungen und Prüfungen vorzusehen:

    7.1. Abnahmeuntersuchungen von neuen oder wesentlich geänderten Einrichtungen
    durch die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen.

    7.2. Prüfungen im Rahmen der die Löscheinrichtungen betreffenden Bestimmungen
    (z.B. nach Bauartzulassung oder Dienstanweisung).

Die Sicherheitsvorkehrungen sind mit einer angemessenen Übergangsfrist auch bei vorhandenen
Anlagen anzuwenden.

Dortmund, den 26.9.1984

Landesoberbergamt NW
In Vertretung:

P i l g r i m


Das mit Landesmitteln geförderte Untersuchungsvorhaben 'Vermeidung der Gefahren durch
austretendes Kältemittel beim Betrieb untertägiger Kältemaschinen' hat folgendes ergeben:

Der Sockelbetrag für den Mindestwetterstrom von 400 m3 /min nach Nr. 4.1.3 hat sich als
zweckmäßig erwiesen, um bei kleinen Kältemittelmengen auch einen kurzzeitigen Sauerstoffmangel
zu vermeiden.

Je nach den Erfordernissen im Einzelfall sind zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung des
Kältemittelaustritts bei Leckagen und zur Überwachung von Kältemittelgehalten im Wetterstrom
zu treffen, wie sie unter Nr. 4.2 behandelt sind. Diese Maßnahmen werden im Rahmen der
Abnahme- und Wiederholungsuntersuchungen nach Nrn. 6.1 bis 6.3 durch die Prüfstelle für
Grubenbewetterung verfolgt.

Daher ist auf die Durchführung dieser Untersuchungen an allen Kälteanlagen zur Gruben-
klimatisierung besonders zu achten.

Dortmund, den 5.11.1987

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




Anhang


Auszug
aus der Unfallverhütungsvorschrift
Kälteanlagen
(VBG 20)

vom 1. Dezember 1974

(Zur Anwendung bei Kälteanlagen für die Grubenklimatisierung)


I. Allgemeine Bestimmungen

§ 1. Geltungsbereich

(1) Diese Unfallverhütungsvorschrift gilt für
     a) Kälteanlagen, die mit Kältemitteln in geschlossenem Kreislauf nach dem Kompressions- oder
         Sorptionsprinzip arbeiten.
     b) Aufstellungsräume von Kälteanlagen oder -anlageteilen.

(2) Für Kälteanlagen mit Kältemitteln bis zu einem Füllgewicht von 10 kg gelten § 5 Abs. 2,
     § 5 Abs. 3, § 8, § 10, § 16 Abs. 2, § 17 und § 23 Abs. 1 nicht.

§ 2  Begriffsbestimmung

(1) Kälteanlagen sind Anlagen, die unter Anwendung von Kältemitteln einem Stoff oder Raum
Wärme entziehen, um den Stoff oder Raum zu kühlen oder um die entzogene Wärme zu nutzen
(Wärmepumpe).

(2) Kältemittel sind die in der Anlage umlaufenden Stoffe, durch deren Aggregatzustandsänderungen
Wärme entzogen bzw. abgegeben wird.

(3) Kälteträger sind Stoffe, die ohne Aggregatzustandsänderungen den abzuführenden Wärmestrom
an der zu kühlenden Stelle aufnehmen und an das Kältemittel abgeben.

(4) Das Füllgewicht ist das nach § 5 Abs. 1, Ziffer 5, angegebene Gewicht des in der Kälteanlage
vorhandenen Kältemittels.

(5) Maschinenräume sind Räume, in denen Maschinen oder Teile der Hochdruckseite der Kälteanlage
aufgestellt sind.

(7) Untergeschossräume sind Räume, die Teile von Gebäuden sind und deren Fußboden allseitig
unterhalb der Erdgleiche liegt.

(8) Unterirdische Räume sind Räume, die unter Erdgleiche liegen und nicht überbaut sind.

§ 3 Kältemitteleinteilung

(1) Kältemittel werden ihren Eigenschaften entsprechend in folgende Gruppen eingeteilt:

Gruppe 1: Nicht brennbare Kältemittel ohne erhebliche gesundheitsschädigende Wirkung auf
den Menschen.

(Andere Gruppen entfallen bei der Grubenklimatisierung).

II. Bau und Ausrüstung

§ 5 Kennzeichnung

(1) An jeder Kälteanlage müssen dauerhaft und leicht erkennbar angegeben sein:

  1. Hersteller und Lieferer
  2. Baujahr
  3. Kältemittel
  4. Zulässiger Betriebsüberdruck der jeweiligen Druckstufe in bar
  5. Füllgewicht in kg.

(2) An Verdichtern mit einem Leistungsbedarf über 3 kW müssen dauerhaft und leicht erkennbar
angegeben sein:

  1. Hersteller oder Lieferer
  2. Type
  3. Fabriknummer
  4. Baujahr
  5. Volumenstrom
  6. Verdichterenddruck (Überdruck) in bar
  7. Drehzahl
  8. An Turboverdichtern zusätzlich der höchsterreichbare Überdruck in bar.

(3) Rohrleitungen für Kältemittel und Kälteträger sind nach dem jeweiligen Durchflußstoff
zu kennzeichnen.

(4) An Schläuchen und Schlaucharmaturen für Kältemittel und Kälteträger müssen Hersteller
oder Lieferer und der höchstzulässige Betriebsdruck dauerhaft und leicht erkennbar angegeben
sein; bei Schläuchen muß zusätzlich das Herstellungsjahr angegeben sein.

§ 6 Druckbeanspruchte Teile

Die druckbeanspruchten Teile einer Kälteanlage müssen so beschaffen sein, daß sie den beim Betrieb
und bei Stillstand auftretenden Drücken unter Berücksichtigung der zu erwartenden Temperaturen
sowie der chemischen und mechanischen Beanspruchung widerstehen.

§ 7 Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung

(1) Die Kälteanlage ist mit Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung auszurüsten. Sie
sind so zu bemessen und einzustellen, daß in jedem Teil der Anlage eine Überschreitung der
zulässigen Betriebsüberdrücke verhindert ist.

(2) Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung müssen gegen Änderung der Einstellung
durch Unbefugte gesichert sein.

(3) Bei Kälteanlagen mit Kältemittel-Füllung bis 10 kg kann auf eine Sicherheitseinrichtung verzichtet
werden, wenn durch ihre Beschaffenheit sichergestellt ist, daß kein höherer Druck als der zulässige
Betriebsdruck auftreten kann.

§ 8 Druckanzeiger

(1) Jede Druckstufe und jede Verdampferstufe einer Kälteanlage muß mit einem Manometer
ausgerüstet sein, das den auftretenden Drücken standhält und für die verwendeten Kältemittel
geeignet ist.

(3) An dem Manometer der Hochdruckstufe muß der höchstzulässige Betriebsdruck des zugeordneten
Anlageteils leicht erkennbar angegeben sein.

(4) Abweichend von Absatz 1 genügen bei vollautomatisch arbeitenden Kälteanlagen mit einem
Kältemittel-Füllgewicht bis 100 kg Anschlüsse für Manometer.

(5) Bei Anlagen mit prüfpflichtigen Druckbehältern müssen die Manometer während des Betriebes
mit einem Prüfmanometer nachgeprüft werden können.

§ 9 Absperreinrichtung

(1) Absperreinrichtungen dürfen nicht zwischen Kältemittelkreislauf und der Sicherheitseinrichtung
gegen Drucküberschreitung eingebaut sein.

(2) Absperreinrichtungen, die nicht betriebsmäßig betätigt werden dürfen, sind gegen das Betätigen
durch Unbefugte zu sichern.

(3) Sind die Absperreinrichtungen der Saug- und Druckleitungen am Verdichter für eine betriebsmäßige
Betätigung eingerichtet, so muß die Stellung des Druckabsperrventils leicht erkennbar sein oder die
Absperrventile müssen so gegeneinander verriegelt sein, daß sie nur der Betriebsanweisung
entsprechend bedient werden können.

§ 10 Füllstandsanzeigeeinrichtungen

Absperrbare Kältemittelsammler müssen mit einer Füllstandsanzeigeeinrichtung versehen sein.

§ 11 Sicherheit gegen Flüssigkeitsschläge

Kälteanlagen müssen so eingerichtet sein, daß der Verdichter nicht durch Flüssigkeitsschläge
beschädigt werden kann.

§ 12 Abblase-, Entlüftungs- und Entspannungsleitungen

Aus Sicherheits-, Abblase- und Entlüftungseinrichtungen entweichende Kältemittel und
freiwerdende Kältemittelreste müssen so abgeführt werden können, daß eine Gefährdung von
Personen ausgeschlossen ist.


IV. Aufstellung

§ 16 Anforderungen an die Aufstellung

(1) Kälteanlagen und die zugehörigen kältemittelführenden Rohrleitungen müssen möglichst allseitig
besichtigt werden können. Sie müssen je nach Füllgewicht, Kältmittel und Kälteübertragungssystem
so aufgestellt und verlegt sein, daß Personen nicht gefährdet werden.

(2) In Bereichen, die dem Verkehr dienen, dürfen Kälteanlagen nicht aufgestellt werden. Dies gilt
nicht für Rohrleitungen.

(4) Kältemittelführende Rohrleitungen sind gegen mechanische Beschädigung zu sichern.

§ 17 Maschinenräume

(1) Die Maschinenräume müssen so eingerichtet sein, daß freiwerdende Kältemittel abgeführt
werden können und ein Übertritt von Gasen in Nebenräume, Treppenhäuser, enge Höfe und
Flure ausgeschlossen ist.

(3) Maschinenräume müssen bei Gefahr schnell verlassen werden können. Türen im Fluchtwege
müssen in Fluchtrichtung aufschlagen.

(4) In Maschinenräumen dürfen nur die zur Bedienung und Wartung der Apparate und Maschinen
bestimmten Personen beschäftigt werden.

(5) In Maschinenräumen aufgestellte Kälteanlagen müssen auch außerhalb des Maschinenraumes
abgeschaltet werden können. Diese Schalter müssen besonders gekennzeichnet sein.

V. Betrieb

§ 20  Gebrauchs- und Betriebsanweisung

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, daß die von den Herstellern der Kälteanlage mitgelieferten
Gebrauchsanweisungen befolgt werden. Erforderlichenfalls hat er ergänzende Betriebsanweisungen
aufzustellen.

§ 21 Bedienung, Wartung und Instandsetzung

(1) Kälteanlagen dürfen nur von Personen bedient, gewartet und instandgesetzt werden, die darin
unterwiesen sind und von denen zu erwarten ist, daß sie ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen.

(3) Vor Beginn von Instandsetzungsarbeiten an kältemittelführenden Teilen ist das Kältemittel so
weit zu entfernen, als dies für diegefahrlose Durchführung der Arbeiten notwendig ist.

(4) Bei Feuerarbeiten sind Vorkehrungen gegen Brandgefahr zu treffen.

§ 22 Umfüllen von Kältemitteln

Werden Kältemittel in flüssigem Zustand in absperrbare Behälter umgefüllt, so dürfen diese
nur so weit gefüllt werden, daß bei den höchstmöglichen Temperaturen ein Gasraum von
5% bleibt.

§ 23 Schutzausrüstung gegen Kältemitteleinwirkung

(1) Der Unternehmer hat Körperschutzausrüstungen gegen Kältemitteleinwirkung zur Verfügung
zu stellen. Diese sind außerhalb der gefährdeten Betriebsstätten leicht erreichbar in stets
betriebsbereitem Zustand aufzubewahren.

(2) Die Beschäftigten haben die Körperschutzausrüstungen zu benutzen, wenn Kältemittel austreten
oder mit deren Austreten zu rechnen ist.




26.04.1985

18.41.1-1-12

Gasabsauge-Richtlinien

A 2.18

An die Bergämter des Landes NW

Betr.:   Einrichtung, Betrieb und Überwachung von Anlagen zur Absaugung von Grubengas

Bezug: Rundverfügung der Oberbergämter in Dortmund und in Bonn vom 26.7.1967 - 112.31/3149/67 -
           bzw. 23.2.1968 - 18.41.1I6/5 - mit den zugehörigen Richtlinien für die Einrichtung, den Betrieb
           und die Überwachung von Anlagen zur Absaugung von Grubengas

Hiermit erhalten Sie die Richtlinien des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen für die Einrichtung,
den Betrieb und die Überwachung von Anlagen zur Absaugung von Grubengas (Gasabsauge-Richtlinien)
*)

Diese Richtlinien sind bei der Prüfung der in Betracht kommenden Betriebspläne zur Geltung zu bringen.
Von zwingenden Forderungen der Richtlinien darf nur mit Zustimmung des Landesoberbergamtes
abgewichen werden. Für die Verwertung von Grubengas ist eine Abweichung möglich, wenn unter
bestimmten, im Einzelfall festzulegende Voraussetzungen die Grenze nach Abschnitt 4.1.5 der
Richtlinien bis auf 22% herabgesetzt wird.

Das Landesoberbergamt hat für die Eignungsbestätigungen nach den Abschnitten 3.9 und 6.2.1 der
Richtlinien mit folgenden Zuständigkeiten als Fachstellen benannt:

1. DMT-Gesellschaft für Forschung und Prüfung mbH, Fachstelle für Brand- und Explosionsschutz
über Tage - Bergbau-Versuchsstrecke, für den Brand- und Explosionsschutz (z.B. Löscheinrichtungen,
Explosionssperren und Explosionsschutzventile einschließlich Warnsignale und Schaltbefehle sowie
Wasserabscheider),

2. DMT-Gesellschaft für Forschung und Prüfung mbH, Fachstelle für Sicherheit - Prüfstelle für
Grubenbewetterung, für die Strömungs- und Gasmeßtechnik (Meßeinrichtungen einschließlich
Warnsignale und Schaltbefehle unbeschadet der Bestimmungen über erforderliche Bauart-
zulassungen bzw. Prüfbescheide),

3. den Technischen Überwachungs-Verein 1) für die sonstigen Sicherheitseinrichtungen, die
Druckerzeuger, die Gasdrucktechnik sowie die Elektrotechnik.

Die Eignungsbestätigungen gehören zu den Antragsunterlagen für die Betriebsplanprüfung.

Über die Anpassung vorhandener Anlagen an die neuen Richtlinien sind angemessene
Übergangsfristen zu vereinbaren, die zwei Jahre nicht überschreiten sollten. Bei den im Abschnitt
3.8.1 der Richtlinien genannten VDE-Bestimmungen ist die jeweils gültige Fassung zugrunde zu
legen. Hinsichtlich der Aufstellungsorte der Druckerzeuger über Tage bleiben abgesehen von den
Anforderungen nach Abschnitt 3.5.4 der Richtlinien anderweitige Vorschriften wie z.B. BauO NW,
DruckbehV, Brandschutz-Richtlinien unberührt.

Bei der Handhabung des Abschnitts 3.3.2.6 der Richtlinien ist darauf hinzuwirken, daß Gas-
leitungen künftig nicht mehr in Fahrdrahtstrecken verlegt werden.

Die im Bezug genannten Rundverfügungen und die zugehörigen Richtlinien werden mit Ausnahme
der Berichterstattung über die Ergebnisse der Gasabsaugung hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 26.04.1985

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r


Die Änderungen in der Rundverfügung vom 26.4.1985 bzw. in den Gasaubsauge-Richtlinien betreffen
insbesondere die Bezeichnung der Fachstellen bzw. die Anhebung des bisherigen Grenzwertes von
20% CH4 auf 22% CH4 (vgl. Abschnitt 4 sowie Anlagen 3 und 4 der Gasabsauge-Richtlinien vom
25.4.1985).

Durch DIN 51 649 Teil 1 wurde die obere Explosionsgrenze (OEG) für Methan in Luft auf
16,5% ± 0,4% festgelegt. Da eine Verringerung des Abstandes zwischen der neuen OEG und dem
nach Abschnitt 4 der Gasabsauge-Richtlinien bisher geltenden Grenzwert von 20% CH4 
sicherheitlich nicht vertretbar ist, ist künftig der geänderte Grenzwert von 22% CH4 im Betriebsplan-
verfahren zur Geltung zu bringen.


Dortmund, den 23.11.1992

Landesoberbergamt NRW

In Vertretung:
v. B a r d e l e b e n


*) Diese Richtlinien sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 539 bei der Verlag Glückauf GmbH,

Postfach 10 39 45, 4300 Essen 1, Tel. (0201) 172-1546, erhältlich.)

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1) Nach Zuständigkeit:

Rheinisch-Westfälischer Technischer Überwachungs-Verein,

Technischer Überwachungs-Verein Rheinland oder

Technischer Überwachungs-Verein Hannover/Sachsen-Anhalt)

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R i c h t l i n i e n
des LOBA NW
für die Einrichtung, den Betrieb und die Überwachung von Anlagen
zur Absaugung von Grubengas (Gasabsauge-Richtlinien)

vom 26.4.1985


Inhaltsverzeichnis

1. Geltungsbereich

2. Begriffsbestimmungen

3. Einrichtung der Anlagen zur Absaugung von Grubengas

3.1. Absaugung aus Bohrlöchern
3.1.1. Herstellung, Verrohrung und Abdichtung
3.1.2. Übergang Bohrloch-Gassammelleitung
3.1.3. Vorrichtungen für Gasmessungen
3.1.4. Wasserabscheider an Bohrlöchern
3.1.5. Abgeworfene und nicht angeschlossene Bohrlöcher
3.2. Grubenbaue, aus denen Grubengas abgesaugt wird
3.2.1. Absaugung aus Gasstrecken
3.2.1.1. Lage der Gasstrecken
3.2.1.2. Abdämmung
3.2.1.3. Übergang zur Gassammelleitung
3.2.1.4. Vorrichtungen für Gasmessungen an Dämmen
3.2.1.5. Wasserabscheider an Dämmen
3.2.1.6. Abgeworfene Gasstrecken
3.2.2. Absaugung aus abgeworfenen Tagesschächten
3.2.3. Absaugung aus sonstigen Grubenbauen
3.3. Gasleitungen
3.3.1. Anforderungen an Gasleitungen
3.3.2. Verlegung von Gasleitungen
3.3.3. Meßstellen und Meßeinrichtungen in Gasleitungen
3.3.4. Wasserabscheider an Gasleitungen
3.4. Kennzeichnung von Gasabsaugeanlagen
3.5. Druckerzeuger
3.5.1. Bemessung
3.5.2. Anforderungen an Druckerzeuger
3.5.3. Reserve-Druckerzeuger
3.5.4. Aufstellungsort von Druckerzeugern
3.6. Ausblasen des abgesaugten Grubengases
3.7. Explosionssicherungen in Rohrleitungen
3.8. Anforderungen für die Ausführung von elektrischen Sicherheitseinrichtungen
3.9. Eignungsnachweise

4. Betrieb der Anlagen zur Absaugung von Grubengas

4.1. Maßnahmen beim Unterschreiten bzw. Überschreiten von Grenzwerten bei Starkgasabsaugung
4.2. Dichtheit der Gasleitungen
4.3. Instandsetzung oder Umbau von Gasleitungen
4.4. Ausfall oder Stillsetzen von Druckerzeugern
4.5. Maßnahmen in der Gasabsaugung bei Beeinträchtigung der Bewetterung (Ausfall oder Stillsetzen
       von Lüftern)
4.6. Beseitigung von Störungen

5. Überwachung der Anlagen zur Absaugung von Grubengas

5.1. Prüfung durch Sachverständige
5.2. Prüfung durch verantwortliche Personen
5.3. Prüfung durch fachkundige Personen
5.4. Maschinentechnische Überwachung der Gassauger
5.5. Überwachung der Dämme, an denen Grubengas abgesaugt wird
5.6. Überwachung des abgesaugten Gasgemisches und des Unterdrucks
5.6.1. Handmessungen
5.6.2. Ortsfeste Meßeinrichtungen bei Starkgasabsaugung
5.7. Nachweisungen
5.8. Gasleitungsplan

6. Sonderregelungen für Schwachgasabsaugung, Röschenabsaugung, verlorene Absaugung,
    Absaugung sauerstoffarmer Gemische sowie sonstige Verfahren zur Absaugung von
    Grubengas

6.1. Einschränkungen
6.2. Regeln für Anlagen zur Schwachgasabsaugung
6.3. Absaugung sauerstoffarmer Gemische


Anlage 1 Beispiel für den Anschluß eines Bohrloches im Hangenden an die Sammelleitung
Anlage 2 Beispiel für den Anschluß eines Bohrloches im Liegenden an die Sammelleitung
Anlage 3 Beispiel für die Ausführung einer Grubengasabsaugeanlage über Tage mit Löschmittelsperren
Anlage 4 Beispiel für die Ausführung einer Grubengasabsaugeanlage über Tage mit mechanischen
               Flammensperren
Anlage 5 Beispiel für eine Schwachgasabsaugeanlage (Zwillingsausführung).


1. Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die Einrichtung, den Betrieb und die Überwachung von Anlagen zur
Absaugung von Grubengas unter und über Tage. Anlagen im Sinne dieser Richtlinien sind:

Abgeworfene oder vorübergehend nicht betriebene Schächte, die mit einer Entgasungseinrichtung
ohne Druckerzeuger nach Abschnitt 3.5 versehen sind, sowie Anlagen zur Verwertung des Grubengases,
die der Schnellabsperrvorrichtung oder Explosionssperre hinter dem Druckerzeuger über Tage
nachgeschaltet sind, fallen nicht unter den Geltungsbereich dieser Richtlinien.

2. Begriffsbestimmungen

Die Absaugung von Gemischen mit Methan-Gehalten von 20 % oder mehr wird als 'Starkgasabsaugung',
mit Methan-Gehalten von 3 % oder weniger als 'Schwachgasabsaugung', mit Sauerstoff-Gehalten von
5 % oder weniger als 'Absaugung sauerstoffarmer Gemische' bezeichnet.

Die Gasabsaugung aus dem Bruch- bzw. Versatzfeld eines Abbaus, z.B. durch Streckenbegleitdämme
hindurch, gilt als 'Röschenabsaugung'. Eine Gasabsaugung, bei der das Gas über Absaugeanschlüsse
und Rohrleitungen abgesaugt wird, die im Alten Mann zurückbleiben (verlorene Rohrleitungen), wird als
' verlorene Absaugung ' bezeichnet.

Gassammelleitungen sind Gasleitungen, an die ein oder mehrere Bohrlöcher oder sonstige Gasab-
saugestellen unmittelbar angeschlossen sind. Gashauptleitungen sind Gasleitungen, in die mehrere
Gassammelleitungen einmünden.

Nenndruck - internationale Kurzbezeichnung PN - ist eine dimensionslose Bezeichnung, die zur Normung
von Bauteilen herangezogen wird. Sie entspricht dem höchstzulässigen Betriebsüberdruck in bar bei
20 Grad C (für Eisenwerkstoffe im Bereich von -10 bis 120 Grad C).

Nennweite - internationale Kurzbezeichnung DN - ist eine dimensionslose Bezeichnung, die ebenfalls
zur Normung von Bauteilen herangezogen wird. Sie entspricht annähernd dem lichten Durchmesser
von Rohren, Schläuchen, Formstücken und Armaturen in mm.

3. Einrichtung der Anlagen zur Absaugung von Grubengas

3.1. Absaugung aus Bohrlöchern

3.1.1. Herstellung, Verrohrung und Abdichtung

3.1.1.1. Bohrlöcher zur Absaugung von Grubengas sind nach dem jeweiligen Stand der Technik
herzustellen, zu verrohren und abzudichten. 1)

3.1.1.2. Ist während der Bohrarbeit mit Grubengas in solcher Menge zu rechnen, daß der Wetterstrom
zu einer sofortigen ausreichenden Verdünnung des Grubengases (§ 150 Abs. 1 BVOSt) nicht mehr
ausreicht, so ist zuerst ein Standrohr einzubringen und abzudichten. Während des weiteren Bohrens
ist das Grubengas mit Hilfe geeigneter Vorrichtungen abzusaugen, wobei insbesondere der Gasdruck
zu berücksichtigen ist.


1) 'Grubengasabsaugung', Handbuch für den Steinkohlenbergbau der Europäischen Gemeinschaft,
    Verlag Glückauf GmbH, Essen
   'Gasbohrtechnik', Glückauf-Betriebsbücher Band 29, Verlag Glückauf GmbH, Essen

3.1.2. Übergang Bohrloch - Gassammelleitung

Das Standrohr des Bohrloches ist durch einen Schlauch nebst Absperrvorrichtung an die
Gassammelleitung anzuschließen (vergleiche Anlagen 1 und 2). Der Schlauch muß so
beschaffen und verlegt sein, daß keine Querschnittsminderung eintritt. Er muß mindestens
PN 6 entsprechen.

3.1.3. Vorrichtungen für Gasmessungen

3.1.3.1. Standrohre müssen so beschaffen sein, daß Vorrichtungen (z.B. Y- oder T-Stücke)
für die Einführung von Bohrlochsonden angebracht werden können.

3.1.3.2. Für jedes Bohrloch ist eine geeignete Vorrichtung zur Messung von Volumenstrom und
Unterdruck sowie zur Entnahme von Gasproben vorzusehen, z.B. eine Meßstrecke.

Unmittelbar vor einer Meßstrecke dürfen in der Gasleitung Querschnittsveränderungen und scharfe
Krümmungen nicht vorhanden sein.

Für Meßstrecken sind die Anlagen 1 und 2 zum Anhalt zu nehmen.

3.1.4. Wasserabscheider an Bohrlöchern

Zwischen Bohrlöchern und Meßstrecken sind, soweit erforderlich, Wasserabscheider einzubauen.

3.1.5. Abgeworfene und nicht angeschlossene Bohrlöcher

Nicht an die Gasleitung angeschlossene Bohrlöcher sind gasdicht und sicher zu verschließen.
Die Möglichkeit zur Entnahme von Gasproben und zur Messung des Gasüberdruckes soll jedoch
so lange gegeben sein, wie die Bohrlöcher zugänglich sind.

3.2. Grubenbaue, aus denen Grubengas abgesaugt wird

3.2.1. Absaugung aus Gasstrecken

3.2.1.1. Lage der Gasstrecken

Gasstrecken sind über oder unter dem geplanten Abbau in einem solchen Abstand einzurichten,
daß auch beim Anlegen eines hohen Unterdruckes an die Gasstrecke Wetterkurzschlüsse klein
gehalten werden.

In der Regel empfiehlt es sich, die Gasstrecke nicht mehr als 25 bis 30 m bankrecht im Liegenden
oder 60 bis 80 m bankrecht im Hangenden des Bauflözes anzuordnen.

Liegen unmittelbar unter oder über der Gasstrecke dickbankige Sandstein- oder Konglomeratschichten,
so sind diese von der Gasstrecke aus durch Bohrungen zu durchörtern, um das Zuströmen des Gases
in die Gasstrecke zu erleichtern. Diese Bohrungen sollen im Hangenden, in Abhängigkeit u.a. von
Flözmächtigkeit und Versatzverfahren, nicht näher als 10 m an das Bauflöz heran gestoßen werden.

Die Gasstrecke ist nach Möglichkeit parallel zu den Abbaubegleitstrecken aufzufahren und soll die
gesamte Baulänge überdecken.

Beim streichenden Abbau geneigter Flöze empfiehlt es sich, die Gasstrecke unabhängig von der
Wetterrichtung über der höher gelegenen Strebhälfte anzuordnen. Beim fallenden oder schwebenden
Abbau geneigter Flöze sowie beim Abbau flacher Flöze soll die Gasstrecke über der Strebmitte
angeordnet werden.

Gasstrecken sind so anzulegen, daß bei ihrer Unter- oder Überbauung die Dichtheit der Abdämmung
nicht beeinträchtigt wird.

3.2.1.2. Abdämmung

Gasstrecken sind durch feste Dämme abzuschließen, die hinsichtlich der Wetterdichtheit und
Explosionsfestigkeit mindestens den einschlägigen Bestimmungen für Abdämmung von Grubenbauen
im Steinkohlenbergbau genügen müssen.

3.2.1.3. Übergang zur Gassammelleitung

In die Dämme sind Gasabsaugerohre an der Firste und, soweit erforderlich, Entwässerungsrohre dicht
über der Sohle einzubringen. Entsprechend der Neigung der Strecke müssen Gasabsaugerohre so weit
an der Firste in Gasstrecken hineinragen, daß ihre Öffnungen nicht durch eingeschlämmtes Material
oder auf andere Weise verstopft werden können.

Alle durch die Dämme geführten Gasleitungen müssen mit Einrichtungen zur Regelung des Gasstroms
ausgerüstet sein.

Die Gasleitungen zum Abführen des Grubengases aus Gasstrecken müssen einen Durchmesser von
mindestens 200 mm aufweisen

3.2.1.4. Vorrichtungen für Gasmessungen an Dämmen

Für Gasmeßvorrichtungen an Dämmen ist Abschnitt 3.1.3 entsprechend anzuwenden.

3.2.1.5. Wasserabscheider an Dämmen

Zwischen Gasabsaugerohren und Meßstrecken sind, soweit erforderlich, Wasserabscheider einzubauen.

3.2.1.6. Abgeworfene Gasstrecke

Gasabsaugerohre abgeworfener Gasstrecken sind unmittelbar an den Dämmen gasdicht und sicher
zu verschließen. Die Möglichkeit zur Entnahme von Gasproben und zur Messung des Gasüberdruckes
soll jedoch so lange gegeben sein, wie die Dämme zugänglich sind.

3.2.2. Absaugung aus abgeworfenen Tagesschächten

Beim Verfüllen von Schächten können in das Füllgut Rohrleitungen mit einem Mindestdurchmesser
von 200 mm zur Abführung des Grubengases so eingebracht werden, daß das Grubengas am unteren
Ende und/oder durch seitliche Wandöffnungen (Perforation) in die Rohrleitungen eintreten kann.

Unten offene Rohrleitungen sollen möglichst in dem obersten nicht verfüllten Grubenbau
(z.B. Anschlag der obersten Sohle) enden. Bei perforierten Rohrleitungen soll das Füllgut in den
voraussichtlich gasführenden Horizonten gasdurchlässig sein.

3.2.3. Absaugung aus sonstigen Grubenbauen

Für die Absaugung aus sonstigen Grubenbauen gelten die Abschnitte 3.2.1.2 bis 3.2.1.6 entsprechend.
Abweichend von Abschnitt 3.2.1.3 dürfen entsprechend dem zu erwartenden Gaszustrom auch geringere
Leitungsdurchmesser verwendet werden.

3.3. Gasleitungen

3.3.1. Anforderungen an Gasleitungen

3.3.1.1. Bestandteile von Gasleitungen (z.B. Rohre, Absperrvorrichtungen) müssen mindestens PN 6
entsprechen.

3.3.1.2. Für Gasleitungen müssen Rohre mit Flanschverbindungen oder gleichwertigen Verbindungen
verwendet werden.

3.3.1.3. Es dürfen nur Rohre eingebaut werden, die stärkere Korrosion nicht aufweisen und deren
Istquerschnitt nicht wesentlich gegenüber dem Sollquerschnitt vermindert ist. Die Außenflächen der
Rohre, insbesondere der Gashauptleitungen, sollen gegen Korrosion geschützt sein. Für die Innen-
flächen der Rohre wird ein Korrosionsschutz empfohlen.

3.3.1.4. Dichtungen müssen aus nicht aufspleißbarem Material bestehen.

3.3.1.5. An Gasleitungen dürfen nur die für den Betrieb und die Überwachung erforderlichen Anschluß-
stutzen angebracht werden.

3.3.1.6. Absperrvorrichtungen sind an jedem Verzweigungspunkt von Gasleitungen in die einmündende
Leitung und an den Anfangs- und Endpunkten von Gasleitungen, die in seigeren Grubenbauen verlegt
sind, im Bereich der Übergangsstellen zu söhlig verlegten Leitungen einzubauen. In Parallelleitungen
müssen Absperrvorrichtungen so eingebaut werden, daß jede Gasleitung für sich absperrbar ist. Aus
strömungstechnischen Gründen wird empfohlen, Klappen, Schieber oder Spezial-Hähne als Absperr-
vorrichtungen zu verwenden.

3.3.2. Verlegung von Gasleitungen

3.3.2.1. Gasleitungen sind so zu verlegen, daß sie vor mechanischen Beschädigungen geschützt sind.
Zur Vermeidung elektrostatischer Aufladungen muß sichergestellt sein, daß an jeder Stelle von Gas-
leitungen ein Ableitwiderstand von 106 Ohm nicht überschritten wird.

3.3.2.2. Gasleitungen sind in angemessenen Abständen mit geeigneten, möglichst verstellbaren
Halterungen zu befestigen.

3.3.2.3. Ein Wechsel des Rohrdurchmessers zwischen zwei Verzweigungspunkten einer Leitung ist
zu vermeiden.

3.3.2.4. Gasleitungen in Schächten sind, soweit erforderlich, durch den Einbau von Dehnungsstücken
zu sichern.

3.3.2.5. Gasleitungen sind mit wechselnder Neigung zu verlegen. An ihren tiefsten Stellen sind
Anschlußstutzen für Wasserabscheider vorzusehen.

3.3.2.6. Gasleitungen sollen nicht in Fahrdrahtstrecken und nicht in unmittelbarer Nähe elektrischer
Anlagen verlegt werden.

3.3.2.7. Nach über Tage führenden Gasleitungen sind möglichst in Ausziehschächten einzubauen.

3.3.2.8. Gasleitungen sind gegen Frosteinwirkungen zu schützen.

3.3.3. Meßstellen und Meßeinrichtungen in Gasleitungen

Vor jeder Einmündung der Gassammelleitung in eine Gashauptleitung und vor Eintritt der Gashaupt-
leitung in einen Schacht müssen Meßstellen vorhanden sein. Vor der Meßstelle ist eine Beruhigungs-
strecke von mindestens 10 D (D = Rohrdurchmesser), dahinter von mindestens 5 D einzuhalten.

Meßstellen in der Gashauptleitung, die zur Überwachung der Dichtheit nach Bedarf angebracht werden,
müssen einen Abstand von mindestens 70 D hinter den Einmündungspunkten von Gassammelleitungen
haben.

3.3.4. Wasserabscheider an Gasleitungen

3.3.4.1. Das in den Gasleitungen sich ausscheidende Wasser ist zu entfernen.

Hierzu sind nach Bedarf an geeigneten Stellen Wasserabscheider einzubauen.

3.3.4.2. Nicht mehr notwendige Wasserabscheider sind auszubauen. Ihre Anschlußstutzen in den
Rohrleitungen sind gasdicht zu verschließen.

3.4. Kennzeichnung von Gasabsaugeanlagen

3.4.1. Jede Gasabsaugstelle ist dauerhaft zu kennzeichnen, z.B. durch eine Nummer.

3.4.2. Starkgasleitungen sind an den Flanschverbindungen durch einen gelben Anstrich oder an
beiden Enden jedes Rohres durch einen Ring von mindestens 50 mm Breite mit gelber Farbe
deutlich sichtbar zu kennzeichnen.

3.4.3. Absperrvorrichtungen sind mit gelber Farbe deutlich sichtbar zu kennzeichnen.

3.5. Druckerzeuger

3.5.1. Bemessung

Druckerzeuger (Gassauger und Strahldüsen) und Leitungsnetz sind so auszulegen, daß an jeder
Gasabsaugestelle ein ausreichender Unterdruck zur Verfügung steht.

3.5.2. Anforderungen an Druckerzeuger

3.5.2.1. Gassauger müssen so beschaffen sein, daß sich bei gegenseitigem Berühren von
Laufrad und Gehäuse keine zündfähigen Funken bilden können.

3.5.2.2. Für Gassaugergehäuse muß eine Werksbescheinigung vorliegen, aus der hervorgeht,
daß die Gehäuse eine Wasserdruckprobe von mindestens 6 bar Überdruck bestanden haben.

3.5.2.3. Gassauger müssen so beschaffen sein, daß die Betriebstemperatur 150 Grad C nicht
überschreiten.

3.5.2.4. An Strahldüsen muß sichergestellt sein, daß ein Ableitwiderstand von 106 Ohm nicht
überschritten wird.

3.5.3. Reserve-Druckerzeuger

Für jede Gasabsaugeanlage muß ein Reserve-Druckerzeuger ausreichender Leistung betriebs-
bereit vorhanden sein.

3.5.4. Aufstellungsort von Druckerzeugern

3.5.4.1. Druckerzeuger für die Starkgasabsaugung sind grundsätzlich über Tage aufzustellen.
Der Aufstellungsort unterliegt den Vorschriften für feuer- und explosionsgefährdete Räume und
Bereiche über Tage.

3.5.4.2. Wenn Druckerzeuger unter Tage aufgestellt werden (bei Starkgasabsaugungen nur in
Ausnahmefällen), so ist der Aufstellungsort so zu sichern, daß er nicht unbefugt betreten und
die Anlage nicht unbefugt betätigt werden kann. Der Druckerzeuger muß vor mechanischen
Beschädigungen geschützt sein. Ausbau und Einbauten im Bereich des Aufstellungsortes müssen
unbrennbar sein.

Der Aufstellungsort ist so zu wählen, daß durch den Lärm Belange des Gesundheitsschutzes und
der Sicherheit im Betrieb nicht beeinträchtigt werden.

3.5.4.3. Der Aufstellungsort von Druckerzeugern muß über Tage belüftet oder unter Tage
durchgehend bewettert sein. Grubengas, das in Wassersammelbehältern von Wasserringpumpen
frei wird, muß gefahrlos abgeführt werden.

3.6. Ausblasen des abgesaugten Grubengases

3.6.1. Das abgesaugte Gas von Starkgasabsaugungen ist grundsätzlich nach über Tage abzuführen.

3.6.1.1. An Gasabsaugeanlagen über Tage muß eine Gasleitung vorhanden sein, die das Ausblasen
des Gases in die Atmosphäre sowohl bei laufenden als auch bei stehenden Druckerzeugern ermöglicht
(Gasausblaseleitung).

3.6.1.2. Die Mündung einer Gasausblaseleitung über Tage muß

- wenigstens 20 m, radial gemessen, von Tagesschächten sowie feuer- und explosionsgefährdeten
   Räumen - mit Ausnahme des Aufstellungsraumes für Druckerzeuger - entfernt sein,
- wenigstens 10 m über dem Erdboden und 3 m über den in einem Umkreis von 20 m stehenden
   Gebäuden liegen,
- gegen das Eindringen von Wasser und sonstigen Fremdkörpern abgeschirmt sein.

3.6.1.3. Gasausblaseleitungen und Metallteile, die von dem ausblasenden Gasstrahl berührt werden,
sind über Tage mit einer Potentialausgleichsleitung zu verbinden.

3.6.2. Soll das abgesaugte Gas dem Wetterstrom unter Tage zugesetzt werden (bei Starkgas-
absaugungen nur in Ausnahmefällen), so ist die Gasausblaseleitung bis in einen ausreichend
bemessenen durchgehenden Abwetterstrom zu führen, der Ausrichtungs-, Vorrichtungs-,
Abbau- und Raubbetriebe nicht mehr berührt.

3.6.2.1. Am Ende der Gasausblaseleitung unter Tage ist ein Verdünnungsraum einzurichten,
dem so viel Wetter zuzuführen sind und dessen Größe so zu bemessen ist, daß der Methan-Gehalt
der aus dem Verdünnungsraum austretenden Wetter weniger als 1% beträgt.

3.6.2.2. Der Verdünnungsraum ist gegen Steinfall zuverlässig zu sichern und so abzusperren,
daß kein Unbefugter ihn betreten oder in ihn hineingelangen kann.

Im Verdünnungsraum dürfen weder Fördermittel noch nichteigensichere elektrische Anlagen
betrieben werden.

3.6.2.3. Die Ausblasemündung der Gasleitung ist gegen das Eindringen von Wasser, Fremdkörpern
und dergleichen wirksam zu schützen.

3.6.2.4. Für die Ausblasemündung und Metallteile, die von dem ausblasenden Gasstrahl berührt
werden, muß sichergestellt sein, daß ein Ableitwiderstand von 106 Ohm nicht überschritten wird.

3.7. Explosionssicherungen in Rohrleitungen

3.7.1. Gasausblase- und Gasabsaugeleitungen müssen mit Explosionssperren (mechanische
Flammensperren oder Löschmittelsperren) versehen sein. Diese müssen so beschaffen sein,
daß im Falle der Zündung eines Methan/Luft-Gemisches die Sperre in der Gasausblaseleitung
die Fortpflanzung einer Explosion in Richtung zum Druckerzeuger und die Sperre in der
Gasabsaugeleitung die Fortpflanzung einer Exlosion in Richtung zur Grube verhindert.

Mündungen von Gasausblaseleitungen und nichtdauerbrandsichere mechanische Flammensperren
sind mit Löscheinrichtungen zu versehen, die einen Brand an der Mündung der Gasausblaseleitung
sowie an der mechanischen Flammensperre in der Gasausblaseleitung (mündungsseitig) und in der
Gasabsaugeleitung (saugerseitig) innerhalb von 60 Sekunden selbsttätig löschen (Anlagen 3 und 4).

Auf die Installation einer Löscheinrichtung an der Mündung der Gasausblaseleitung kann dann
verzichtet werden, wenn der Abstand zwischen der Mündung und der brandtechnisch zu
schützenden mechanischen Flammensperre nicht mehr als 3 m beträgt und die Löscheinrichtung
für die mechanische Flammensperre auch Löschmittel zur Mündung der Ausblaseleitung verteilt.

3.7.2. In Grubengasleitungen zu Verwertungsanlagen, z.B. Kesselfeuerungen, sind mechanische
Flammensperren oder Löschmittelsperren sowie selbsttätige Schnellabsperrvorrichtungen
einzubauen (Anlagen 3 und 4). Auf Grund der Schnellabsperrvorrichtung kann eine Lösch-
einrichtung an der mechanischen Flammensperre entfallen. Auf den Einbau einer Explosions-
sperre kann verzichtet werden, wenn auf Grund von Leitungslänge, Strömungsgeschwindigkeit
und Abschaltzeit bei ausreichender meßtechnischer Redundanz (Mehrfach-Meßsysteme)
sichergestellt ist, daß kein zündfähiges Methan/Luft-Gemisch bis zum Verbraucher gelangen kann.

3.7.3. Für jeden Löschmittelbehälter zur Löschung von Bränden oder Explosionen muß ein
zweiter Behälter (Reservebehälter) vorhanden und an die Gasleitungen angeschlossen sein.

Die Reservebehälter in Löscheinrichtungen gegen Brände müssen nach der Erstauslösung der
Löscheinrichtungen unverzüglich von Hand ausgelöst werden können.

Die Reservebehälter in Löschmittelsperren gegen Explosionen müssen nach der Erstauslösung
der Löschmittelsperren selbsttätig zugeschaltet werden.

3.7.4. Betriebsbereitschaft und Auslösungen der Brandlöscheinrichtungen und der Löschmittel-
sperren sowie Störungen an diesen Einrichtungen sind in der Grubengasabsaugeanlage
anzuzeigen und an eine ständig besetzte Stelle (z.B. Sicherheits- oder Kraftwerkswarte) zu
übermitteln.

3.7.5. Durch geeignete Maßnahmen muß sichergestellt sein, daß sich eine Flamme nicht über
Zuleitungen zu Gasmeßgeräten bzw. Abschalteinrichtungen in das Rohrleitungssystem der
Gasabsaugeanlage fortpflanzen kann.

3.8. Anforderungen für die Ausführung von elektrischen Sicherheitseinrichtungen

3.8.1. Sicherheitseinrichtungen müssen in Sicherheitsstromkreisen angeordnet sein, die als
Fernmeldestromkreise (z.B. auch Überwachungs-, Meß- und Steuerstromkreise) erhöhten
Anforderungen an die Übertragungssicherheit genügen.

Diese Stromkreise sind in Anlehnung an DIN VDE 0118 Teil 1 bis 3 (insbesondere
Abschnitt 17 im Teil 1 und Abschnitt 13 im Teil 3) auszuführen. Die Fehlerbetrachtung ist
in Anlehnung an DIN VDE 0116 (Abschnitt 8.7.1) vorzunehmen. Die Maßnahmen müssen
so getroffen sein, daß ein Abschalten von Druckerzeugern auf Grund von Gerätestörungen
vermieden wird, z.B. durch ausreichende meßtechnische Redundanz.

3.8.2. Steuerungen müssen durch Beschreibungen und Schaltungsunterlagen dokumentiert
sein. Schaltungsunterlagen und Schaltzeichen müssen den einschlägigen DIN-Normen
entsprechen.

3.8.3. Vorrichtungen für das Überbrücken von Sicherheitseinrichtungen müssen so errichtet
sein, daß sie nur von befugten Personen betätigt werden können. Die Vorrichtungen für das
Überbrücken dürfen nur nach Anweisung einer Aufsichtsperson (verantwortlichen Person)
betätigt werden. Die Fälle, in denen überbrückt werden darf (vergleiche Abschnitt 4.3.2),
sind schriftlich festzulegen.

3.9. Eignungsnachweise

Durch Eignungsbestätigung einer vom Landesoberbergamt benannten Fachstelle ist nach-
zuweisen, daß die verwendeten Druckerzeuger, Sicherheitseinrichtungen und Wasserab-
scheider in ihrer Bauweise und Anordnung den Anforderungen genügen. Entsprechendes
gilt auch für Rohrverbindungen, die nach Abschnitt 3.3.1.3 anstelle von Flanschverbindungen
verwendet werden dürfen.

4. Betrieb der Anlagen zur Absaugung von Grubengas

4.1. Maßnahmen beim Unterschreiten bzw. Überschreiten von Grenzwerten bei
       Starkgasabsaugung

4.1.1. Der Methan-Gehalt des abgesaugten Gasgemisches soll an Gasabsaugestellen wenigstens
20 % betragen. Sinkt der Methan-Gehalt des abgesaugten Gasgemisches unter 22 %, so sind
Maßnahmen zur Erhöhung des Methan-Gehaltes durchzuführen (z.B. Nachdichten des Stand-
rohres, Vermindern des anliegenden Unterdrucks).

4.1.2. Der Methan-Gehalt des Gasgemisches am Ende von Gassammelleitungen und in
Gashauptleitungen soll wenigstens 30 % betragen. Sinkt der Methan-Gehalt des Gasgemisches
unter 30 %, so sind geeignete Maßnahmen zur Wiedererhöhung des Methan-Gehaltes durchzuführen.

4.1.3. Unterschreitet der Methan-Gehalt des Gasgemisches am Druckerzeuger 30 %, so muß
dies durch ein Warnsignal angezeigt werden.

4.1.4. Unterschreitet der Methan-Gehalt des Gasgemisches am Druckerzeuger 22 %, so ist
dieser durch eine geeignete Einrichtung selbsttätig abzuschalten. Dies gilt nicht für das kurzzeitige
Unterschreiten dieses Grenzwertes bei Inbetriebnahme einer Gasabsaugeanlage und für das
Freispülen zum Arbeiten an Rohrleitungen.

4.1.5. Wird das Gasgemisch einer Verwertung zugeführt, so muß die Zuführung des Gasgemisches
zum Verwerter durch eine geeignete Einrichtung schnell und sicher selbsttätig unterbrochen werden,
sobald und solange der Methan-Gehalt 25 % unterschreitet (selbsttätige Schnellabsperrvorrichtung
nach Abschnitt 3.7.2).

4.1.6. Steigt der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt des Gasgemisches stetig über den ermittelten
Grundwert an, so ist die Herkunft des Kohlenstoffmonoxids nach Absaugestellen festzustellen,
da ein Grubenbrand vorliegen kann. Das Bergamt ist zu benachrichtigen. Der Kohlenstoffmonoxid-
Volumenstrom und die Brandkennziffer sind zu ermitteln. Absaugestellen mit erhöhter oder
ansteigender Brandkennziffer sind zu schließen.

4.2. Dichtheit der Gasleitungen

Undichtigkeiten an Gasleitungen sind unverzüglich zu beseitigen.

4.3. Instandsetzung oder Umbau von Gasleitungen

4.3.1. Bei Instandsetzungen oder Umbauten von Gasleitungen, bei denen die Leitungen
geöffnet werden müssen, sind die Auswirkungen auf die Bewetterung zu berücksichtigen.
Dies gilt insbesondere für den Methan-Gehalt der Wetter in den Betrieben, deren
Absaugeanlage abgeschaltet wird.

4.3.2. Für das Auswechseln von Rohrleitungsteilen ist der betreffende Leitungsabschnitt
mit Hilfe des Druckerzeugers auszuspülen. Hierzu ist zunächst die vor der Arbeitsstelle
liegende Absperrvorrichtung zu schließen. Unmittelbar hinter der Absperrvorrichtung ist
die Leitung zu öffnen und sichtbar zu trennen, damit durch den Saugzug Grubenwetter
in die Leitung eintreten und diese freispülen können.

Beim Ausspülen ist auf eine ausreichend große Geschwindigkeit der Wetter in der Rohrleitung
zu achten (mindestens größer als 2 m/s). Für das Ausspülen der Leitung ist eine Spülzeit
nach folgender Formel einzuhalten:

Zspül = 5 x (Rohrlänge (m)/Geschwindigkeit (m/s))

Nach dem Ausspülen des Rohrleitungsabschnittes auf mindestens die Dauer der errechneten
Spülzeit ist die Absperrvorrichtung, die hinter der Arbeitsstelle vorhanden ist, zu schließen
und durch Messung festzustellen, daß der Leitungsabschnitt frei von Grubengas ist. Der
ausgespülte Leitungsabschnitt ist als grubengasfrei anzusehen, wenn der durch Messung im
oberen Teil des Rohrquerschnitts festgestellte Methan-Gehalt im gesamten Leitungsabschnitt
nicht größer ist als der Methan-Gehalt der umgebenden Wetter.

Der ausgespülte Leitungsabschnitt ist vor der letztgenannten Absperrvorrichtung abzuschlagen.
Die Absperrvorrichtungen sind durch Steckscheiben abzusichern. Bei Arbeiten geringeren
Umfangs, z.B. Auswechseln einzelner Rohre, kann das Absichern durch Steckscheiben
unterbleiben.

4.3.3. In Fahrdrahtstrecken dürfen Instandsetzungs- oder Umbauarbeiten an Gasleitungen
nur durchgeführt werden, nachdem der Fahrdraht spannungslos gemacht und gegen Wieder-
einschalten gesichert worden ist.

4.3.4. Nach Beendigung der Instandsetzung oder des Umbaus ist die Leitung zunächst saugseitig
und sodann zubringerseitig anzuschließen.

4.4. Ausfall oder Stillsetzen von Druckerzeugern

4.4.1. Der Ausfall von Druckerzeugern muß an der ständig besetzten Stelle (vergleiche
Abschnitt 3.7.4) durch ein akustisches und optisches Warnsignal angezeigt werden.

4.4.2. Der Bergwerksunternehmer oder die von ihm bestimmte Person hat einen Plan für
diejenigen Maßnahmen aufzustellen, die beim Ausfall von Druckerzeugern durchzuführen sind,
um die Sicherheit der unter Tage Beschäftigten zu gewährleisten.

4.4.3. Ist beabsichtigt, sämtliche Druckerzeuger stillzusetzen oder die Leistung der Druckerzeuger
wesentlich zu vermindern, so ist das Bergamt vorher zu unterrichten. Die Leistung der Druck-
erzeuger gilt als wesentlich vermindert, wenn der Unterdruck um mehr als die Hälfte gesenkt
oder der abgesaugte Volumenstrom um mehr als die Hälfte vermindert wird.

4.4.4. Bei Stillstand von Gasabsaugeanlagen für sonderbewetterte Grubenbaue muß die
Sonderbewetterungsanlage weiter in Betrieb bleiben, sofern nicht der Stillstand von Haupt-
oder Zusatzlüftern ein Stillsetzen der Sonderbewetterung erfordert.

4.4.5. In unmittelbarer Nähe des Druckerzeugers soll ein Not-Aus-Schalter angebracht sein,
damit die Gasabsaugeanlage bei Gefahr auch von Hand abgeschaltet werden kann. Der
Not-Aus-Schalter ist zumindest wie bei einem Feuermelder gegen unbefugte Betätigung
zu sichern (vergleiche Abschnitt 3.5.4.2).

4.5. Maßnahmen in der Gasabsaugung bei Beeinträchtigung der Bewetterung
       (Ausfall oder Stillsetzen von Lüftern)

4.5.1. Bei Stillstand von Haupt- oder Zusatzlüftern darf die Gasabsaugeanlage über Tage
nicht außer Betrieb genommen werden.

Für Gasabsaugeanlagen unter Tage ist die Frage des Weiterbetriebs oder Stillsetzens der
Gasabsaugeanlage durch Wetternetzberechnungen für Lüfterstillstände zu klären.

4.5.2. In den Plänen für Maßnahmen zum Schutze der Beschäftigten bei plötzlichen, nicht
vorhergesehenen Unterbrechungen des Betriebs von Hauptlüftern oder Zusatzlüftern sind
auch diejenigen Maßnahmen aufzunehmen, die bei gleichzeitigem Stillstand der Gasabsauge-
anlage durchzuführen sind.

4.5.3. Gasabsaugeanlagen für sonderbewetterte Grubenbaue dürfen bei Stillstand der
Lüfter der Sonderbewetterung nicht außer Betrieb genommen werden, sofern sich aus
Abschnitt 4.5.1 nichts anderes ergibt.

4.6. Beseitigung von Störungen

Für die Beseitigung von Störungen an Anlagen zur Absaugung von Grubengas muß jederzeit
mindestens eine vom Bergwerksunternehmer bestimmte fachkundige Person erreichbar sein.

5. Überwachung der Anlagen zur Absaugung von Grubengas 1)

5.1. Prüfung durch Sachverständige 2)

Gasleitungen, Druckerzeuger sowie Sicherheitseinrichtungen und deren Stromkreise sind vor
der erstmaligen Inbetriebnahme und in mindestens jährlichen Abständen von Sachverständigen
prüfen zu lassen, die das Landesoberbergamt anerkannt hat.


1) Die Überwachung der nach Abschnitt 5.6 erforderlichen Meßgeräte richtet sich nach
   den Meßgeräte-Überwachungs-Richtlinien (SBl. A2.18).
2) Untersuchung nach § 9 BVOSt

5.2. Prüfung durch verantwortliche Personen (Prüfung nach § 10 BVOSt)

Gashauptleitungen sind nach Umbauten und Erweiterungen auf Dichtheit mit Druckluft mit
einem Überdruck zwischen 0,5 und 2 bar durch verantwortliche Personen zu prüfen.
Dies gilt auch für länger als 6 Monate außer Betrieb genommene Teile von Gashauptleitungen,
die wieder in Betrieb genommen werden.

5.3. Prüfung durch fachkundige Personen (Überprüfung nach § 11 BVOSt)

Die über Tage gelegenen Anlagen zur Gasabsaugung sowie Druckerzeuger unter Tage
und Gassammelleitungen in Abbaustrecken sind arbeitstäglich, die übrigen Gasleitungen
sowie Wasserabscheider unter Tage mindestens wöchentlich durch fachkundige Personen
zu prüfen.

5.4. Maschinentechnische Überwachung der Gassauger

5.4.1. Gassauger müssen so überwacht werden, daß sie bei Erreichen kritischer Temperaturen
selbsttätig und unverzögert abgeschaltet werden.

5.4.2. Wasserringpumpen müssen so überwacht werden, daß sie bei Wassermangel selbsttätig
und unverzögert abgeschaltet werden.

5.4.3. Gleichzeitig mit einer Abschaltung muß an der ständig besetzten Stelle (vergleiche
Abschnitt 3.7.4) ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst werden.

5.5. Überwachung der Dämme, an denen Grubengas abgesaugt wird

In längstens 14-tägigen Abständen ist durch eine fachkundige Person festzustellen, ob die
Abdämmungen wetterdicht sind.

5.6. Überwachung des abgesaugten Gasgemisches und des Unterdrucks

5.6.1. Handmessungen

5.6.1.1. An den einzelnen Absaugestellen sind in längstens wöchentlichen Abständen
Volumenstrom und Methan-Gehalt des abgesaugten Gasgemisches sowie der anliegende
Unterdruck zu messen.

Das Verhalten der Absaugestellen, die nicht mehr an die Gasleitung angeschlossen, aber
noch zugänglich sind, ist zu verfolgen (vergleiche Abschnitt 3.1.5).

5.6.1.2. An Meßstellen, die nach Abschnitt 3.3.3 in den Gassammelleitungen vorhanden sein
müssen, sind zweimal wöchentlich in Abständen von mindestens zwei Tagen der Methan-Gehalt
sowie in längstens wöchentlichen Abständen der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt des Gasgemisches,
der Volumenstrom und der Unterdruck zu messen.

5.6.1.3. Der Methan-Gehalt des Gasgemisches sowie erforderlichenfalls der Volumenstrom und
der Unterdruck sind an Meßstellen, die nach Abschnitt 3.3.3 vor Eintritt der Gashauptleitung in
einen Schacht vorhanden sein müssen, in längstens 14-tägigen Abständen, an Meßstellen, die
nach Abschnitt 3.3.3 in den Gashauptleitungen zur Überwachung der Dichtheit vorhanden sind,
in längstens vierteljährlichen Abständen zu messen.

5.6.2. Ortsfeste Meßeinrichtungen bei Starkgasabsaugung

5.6.2.1. Wenn der Methan-Gehalt in der Gassammelleitung mit einer ortsfesten schreibenden
Meßeinrichtung überwacht wird, brauchen die Messungen nach Abschnitt 5.6.1.1 nur in längstens
14-tägigen Abständen und die entsprechenden Messungen nach Abschnitt 5.6.1.2 nur nach Bedarf
vorgenommen zu werden (z.B. bei Besonderheiten im Rahmen der ortsfesten Überwachung).

Wenn der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt in der Gassammelleitung mit einer ortsfesten schreibenden
Meßeinrichtung überwacht wird, brauchen entsprechende Handmessungen oder Probenahmen
(vergleiche Abschnitte 5.6.1.2 und 4.1.6) nur nach Bedarf vorgenommen werden.

5.6.2.2. Wenn der Methan-Gehalt in der Gashauptleitung vor Eintritt in einen Schacht (vergleiche
Abschnitt 3.3.3) mit einer ortsfesten schreibenden Meßeinrichtung überwacht wird, brauchen
die Messungen nach Abschnitt 5.6.1.3 nur nach Bedarf vorgenommen zu werden.

5.6.2.3. An den Meßstellen, an denen der Methan-Gehalt ortsfest und schreibend überwacht
wird, sollte auch die ortsfeste und schreibende Messung des Volumenstroms und Unterdrucks
angestrebt werden.

5.6.2.4 Unbeschadet der Abschnitte 5.6.2.1 und 5.6.2.2 muß der Methan-Gehalt des Gas-
gemisches im Bereich von Druckerzeugern durch ortsfeste schreibende Methan-Meßeinrichtungen
überwacht sein, durch die die Warnsignale und Schaltfunktionen nach Abschnitt 4.1 selbsttätig und
unverzögert ausgelöst werden (vergleiche Anlagen 3 und 4). Die Auslösung von Schaltfunktionen
ist ebenfalls durch Warnsignale anzuzeigen.

An Druckerzeugern sollen Volumenstrom und Unterdruck durch ortsfeste schreibende Meß-
einrichtungen überwacht werden.

5.6.2.5. Der Methan-Gehalt der aus dem Verdünnungsraum (Abschnitt 3.6.2) austretenden Wetter
ist mit ortsfesten schreibenden Methan-Meßeinrichtungen (Meßbereich 0 bis 3 %) ständig zu
überwachen. Bei Erreichen von 1 % Methan müssen die Meßeinrichtungen in Verbindung mit
einem Warnsignal den Druckerzeuger selbsttätig unverzögert abschalten.

5.6.2.6. Die Meßwerte ortsfester schreibender Meßeinrichtungen müssen zu der ständig besetzten
Stelle (vergleiche Abschnitt 3.7.4) übertragen und dort registriert werden. Dort müssen die
Warnsignale bei Erreichen der Grenzwerte akustisch und optisch ausgelöst werden. Soweit
Grenzwerte nach diesen Richtlinien nicht vorgeschrieben sind, bedürfen sie der Festlegung im
Einzelfall.

5.7. Nachweisungen

5.7.1. Über die Ergebnisse der Messungen (vergleiche Abschnitt 5.6), die Ansatzpunkte, Länge
und Richtung der Bohrlöcher sind Nachweisungen zu führen.

5.7.2. Die Nachweisungen sowie Schreibstreifen der in der Gasabsaugeanlage eingesetzten
Meßgeräte sind mindestens 6 Monate aufzubewahren.

5.7.3. Besondere Vorkommnisse im Betrieb der Anlagen zur Absaugung von Grubengas
(z.B. Ansprechen von Löscheinrichtungen, Ausfall oder Abschaltung der Druckerzeuger)
sind zu vermerken.

5.8. Gasleitungsplan

Für das Gasleitungsnetz unter Tage einschließlich der Abzweige in den Abbaustrecken ist
in perspektivischer Darstellung (Parallelperspektive) ein maßstäblicher Plan anzufertigen
und bei Änderungen nachzutragen (Gasleitungsplan). Aus dem Gasleitungsplan muß
ersichtlich sein:

6. Sonderregelungen für Schwachgasabsaugung, Röschenabsaugung, verlorene
Absaugung, Absaugung sauerstoffarmer Gemische sowie
sonstige Verfahren zur
Absaugung von Grubengas

6.1. Einschränkungen

6.1.1. Die jeweilige Anwendungsform bedarf der Zustimmung des Landesoberbergamts.

6.1.2. Schwachgasabsaugung ist nur zulässig, wenn nachgewiesen ist, daß die Kohle nicht
zur Selbstentzündung neigt.

6.1.3. Bei Schwachgasabsaugung und Röschenabsaugung muß sichergestellt sein, daß
Grubengaszündungen in dem Bereich, aus dem abgesaugt wird (Bruchfeld, Alter Mann),
nicht auf den freien Querschnitt von Grubenbauen übergreifen können; das gilt auch für
verlorene Absaugung insofern, als bei Schäden an den Absaugeanschlüssen oder verlorenen
Rohrleitungen Grubengas unter Umständen auch unter Überdruck austreten kann.

Der Schutz gegen das Übergreifen von Grubengaszündungen muß durch Verfüllen mit
Bruchbergen, künstliche Verfüllung, Dämme mit Explosionsschutzventilen oder dergleichen
ermöglicht werden.

6.1.4. Bei verlorener Absaugung müssen die Absaugeanschlüsse und verlorenen Rohrleitungen
z.B. mit Vollversatz oder durch Einblasen mit Dammbaustoff, weitgehend gegen Beschädigungen
geschützt sein.

Die Anordnung und Überwachung der Rohrleitungen und Absaugeanschlüsse müssen so
gestaltet sein, daß bei auftretenden Schäden die Gasabsaugung abschnittsweise stillgelegt werden
kann.

6.2. Regeln für Anlagen zur Schwachgasabsaugung

Die Bestimmungen über Einrichtung, Betrieb und Überwachung von Gasabsaugeanlagen in den
Abschnitten 3.2 bis 5 gelten, soweit sie sich nicht ausdrücklich auf Starkgasabsaugung beziehen,
auch für Schwachgasabsaugung. Außerdem sind bei Schwachgasabsaugung folgende
Besonderheiten zu beachten (Anlage 5):

6.2.1. An den Absaugestellen müssen druckluftbetriebene Absperrschieber eingebaut sein, durch
die bei Ausfall oder Stillsetzen des Druckerzeugers der Gaszustrom selbsttätig unverzögert
unterbrochen wird. In Strömungsrichtung vor dem Druckerzeuger muß ein regelbarer Neben-
einlaß für Wetter vorhanden sein, mit dem der Methan-Gehalt in der Rohrleitung unter dem
Grenzwert gehalten werden kann; die Benutzung ist nur zum Ausspülen der Rohrleitung beim
Anfahren der Absaugeanlage zulässig. Der Nebeneinlaß ist mit einem Explosionsschutzventil
auszurüsten. Auch saug- und druckseitig der Druckerzeuger sind Explosionsschutzventile anstelle
von Flammen- oder Löschmittelsperren (vergleiche Abschnitt 3.7.1) geeignet. An der Mündung
von Gasausblaseleitungen dürfen Explosionssperre und Brandlöscheinrichtung entfallen, wenn
das Gasgemisch mit einem zusätzlichen Lüfter (Verdünnungslüfter) vor der Mündung unter 1 %
Methan verdünnt wird. Außer den im Abschnitt 3.9 genannten Betriebsmitteln muß auch die
Eignung der selbsttätigen Absperrschieber und der Explosionsschutzventile durch eine vom
Landesoberbergamt benannte Fachstelle bestätigt sein.

6.2.2. Druckerzeuger für die Schwachgasabsaugung sind so nahe wie möglich an den Absaug-
stellen anzuordnen.

6.2.3. Der Methan-Gehalt des abgesaugten Gemisches ist mit ortsfesten schreibenden
Methan-Meßeinrichtungen (Meßbereich 0 bis 5 %) ständig zu überwachen. Durch die
Meßeinrichtungen muß bei Ereichen eines Vorwarnwertes (2 bis 2,5 %) ein Warnsignal
ausgelöst werden. Bei Erreichen des festgesetzten Grenzwertes von 3 % müssen die Meß-
einrichtungen in Verbindung mit einem weiteren Warnsignal die Druckerzeuger selbsttätig und
unverzögert abschalten und den Absperrschieber (Abschnitt 6.2.1) schließen.

Der Volumenstrom und Unterdruck des abgesaugten Gemisches sind durch ortsfeste schreibende
Meßeinrichtungen ständig zu überwachen.

Der Methan-Gehalt der aus dem Verdünnungsraum (Abschnitt 3.6.2) austretenden Wetter ist
mit ortsfesten schreibenden Methan-Meßeinrichtungen (Meßbereich 0 bis 3 %) ständig zu
überwachen. Bei Erreichen von 1 % Methan müssen die Meßeinrichtungen in Verbindung mit
einem Warnsignal den Druckerzeuger selbsttätig und unverzögert abschalten und den Absperr-
schieber (Abschnitt 6.2.1) schließen.

Der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt des abgesaugten Gemisches ist mit einer ortsfesten schreibenden
Kohlenstoffmonoxid-Meßeinrichtung ständig zu überwachen. Durch Auswertung der Meßdaten
und Warnsignalgebung ist sicherzustellen, daß eine Brandentwicklung frühzeitig erkannt wird.

Der Abschnitt 5.6.2.6 gilt entsprechend.

6.2.4. Ein wechselweises Umschalten von Starkgas- auf Schwachgasabsaugung und umgekehrt
ist nicht zulässig.

6.2.5. Rohrleitungen von Schwachgasabsaugungen sind an beiden Enden jedes Rohres durch
zwei Ringe von mindestens 50 mm Breite in gelber Farbe deutlich sichtbar zu kennzeichnen.

6.3. Absaugung sauerstoffarmer Gemische

Für die Absaugung sauerstoffarmer Gemische sind, soweit erforderlich, besondere Maßnahmen,
z.B. Überwachung mit ortsfesten schreibenden Sauerstoff-Meßeinrichtungen, notwendig.



Anlagen

Anlage 1

Anlage 2

Anlage 3

Anlage 4

Anlage 5



10.10.1985

65.11-64-7

Wetternetzberechnungen und Darstellung
der Ergebnisse im Wetterführungsplan

A 2.18

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Wetternetzberechnungen und Darstellung der Ergebnisse im Wetterführungsplan

Bezug: Rundverfügung vom 10.7.1970 - 18.33.2 II 12 - mit Richtlinien für die Darstellung
          des Grubengebäudes und der in § 167 Abs. 1 BVOSt geforderten Angaben im
          Wetterführungsplan (Bellmann-Druck BVOSt 13); Rundverfügung vom
          6.12.1972 - 18.33 I 6 - mit Wetterdruck-Richtlinien (SBl. A 2.18)

In den vergangenen Jahren sind für digitale Wetternetzberechnungen Programme entwickelt worden,
in denen die Kompressibilität der Wetter Berücksichtigung findet. Die Prüfstelle für Grubenbe-
wetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse erarbeitete im Rahmen eines mit Landesmitteln
geförderten Untersuchungsvorhabens das Programm WETTER. 1) Die Mehrzahl der Steinkohlen-
gesellschaften befaßt sich zur Zeit mit dem Testeinsatz bzw. der Einführung dieses Programms.
Bezüglich der in den einschlägigen Bestimmungen festgelegten Wetterdruckmessungen und der
Darstellung der Ortsdrücke im Wetterführungsplan ist das Programm so gestaltet, daß die bisher
bewährten Meß- und Auswerteverfahren im wesentlichen beibehalten werden können.

Netzberechnungen unter Berücksichtigung der Kompressibilität der Wetter sind, insbesondere für
die Ermittlung der Auswirkungen von Lüfterstillständen und Brandauftrieben sowie bei großen
Teufen und Teufenunterschieden, vorteilhaft, weil die Zustandsänderungen der Wetter besser
wiedergegeben werden als durch die angenommenen Auftriebsdruckquellen und Wetterein-
speisungen in herkömmlichen Berechnungsverfahren. Daher ist die Einführung solcher Berechnungen,
vor allem für die genannten Fälle, anzustreben; im Hinblick auf die Erfordernisse bei Wetterverbund-
netzen sollte unter Hinzuziehung der Prüfstelle für Grubenbewetterung eine einheitliche Handhabung
herbeigeführt werden. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, daß die Zuverlässigkeit von
Wetternetzberechnungen nach wie vor auch von der Qualität der Eingabedaten abhängt.
Die Berücksichtigung der Zustandsänderungen der Wetter setzt die Kenntnis über den Temperatur-
verlauf voraus. Im übrigen ist auf die Wetterdruck-Richtlinien zu verweisen.

Hinsichtlich der Darstellung der Berechnungsergebnisse in Wetterführungsplänen ist folgendes zu
beachten:

In die nach den § 167 und 168 BVOSt anzufertigenden und auf dem neuesten Stand zu haltenden
Wetterführungsplänen dürfen anstelle der tatsächlichen Meßwerte (§ 161 und 165 BVOSt) für
Wetterstrom und Wetterdruck durch Netzberechnung "abgeglichene Meßwerte"eingetragen werden,
wenn im Einzelfall geprüft worden ist, daß die abgeglichenen Werte von den tatsächlichen Meßwerten
nicht wesentlich abweichen. In den Wetterführungsplänen ist künftig auch anzugeben, ob die
zugrunde liegende Netzberechnung unter Berücksichtigung der Kompressibilität der Wetter durch-
geführt worden ist.

Die Wetterführungspläne müssen den "Richtlinien für die Darstellung des Grubengebäudes und
der in § 167 Abs. 1 BVOSt geforderten Angaben im Wetterführungsplan" entsprechen, sofern das
Landesoberbergamt nicht im Einzelfall Abweichungen zugestimmt hat. Eine solche Abweichung gilt
- zunächst versuchsweise - für geplottete Wetterführungspläne (Altena, Fries, Hoffmann, Pries:
Automatische Erstellung von Wetterführungsplänen mit der elektronischen Datenverarbeitung,
Glückauf 118 (1982) Nr. 23). Da nach dem derzeitigen Stand das Plotten von Schwarzweiß-Rastern
nicht in Betracht kommt, ist darauf zu achten, daß die vorgeschriebenen und die mit Anträgen auf
bergbehördliche Entscheidungen (z.B. Ausnahmeanträge) vorgelegten Wetterführungspläne in
bunter Darstellung angefertigt werden. Im weiteren ist darauf hinzuweisen, daß die Eindeutigkeit
der Datenübertragung von der Messung bzw. Uraufschreibung bis zum Wetterführungsplan jederzeit
sichergestellt sein muß, z.B. durch eindeutige Numerierung der Knotenpunkte und Wetterzweige bzw.
Meßstellen. Für zusätzliche Auswertungsmöglichkeiten empfiehlt es sich, in den Wetterführungsplänen
außer den Ortsdrücken auch die Druckverbräuche anzugeben.

Verschiedentlich ist es, z.B. bei besonderen Ereignissen, zu Schwierigkeiten in der Beurteilung der
Wetterführung gekommen, weil die Wetterführungspläne nicht den Mindestanforderungen entsprachen.

Daher bitte ich, die dargelegten Belange mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen und über Mängel
dem Landesoberbergamt zu berichten.

Dortmund, den 10.10.1985

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r


1) Pollak: Wetternetzberechnung unter Berücksichtigung der Kompressibilität der Wetter,
               Glückauf-Forschungshefte 46 (1985) H. 2

    Pollak:  Bedeutung der Kompressibilität der Wetter für die praktische Wetternetzberechnung,
               Glückauf 121 (1985) Nr. 9).

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20.12.1988

18.41.3-12-1

Maßnahmen gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann

A 2.18
(A 2.7)


An die Bergämter des Landes NRW

Betr.: Maßnahmen gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann

Die Rundverfügung des Landesoberbergamts vom 20.12.1988 - 18.41.3-12-1 - mit Maßnahmen
gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann ist abgedruckt unter der Gliederungs-Nr. A 2.7.

Dortmund, den 20. Dezember 1988

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r





14.02.1992

18.33.1-2-9

 Rückbau mit Abwerfen oder Sonderbewettern
der ausziehenden Abbaustrecke

A 2.18

Stand: 23.11.2000


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Regelungen zur Vermeidung bedenklicher Ausgasungsschwierigkeiten bei Rückbau mit Abwerfen
         oder Sonderbewettern der ausziehenden Abbaustrecke

Betriebliche Erfahrungen haben zu der Erkenntnis geführt, dass bei wettertechnischem Rückbau mit
erheblicher Zusatzausgasung und Abwerfen oder Sonderbewettern der ausziehenden Abbaustrecke
sich örtliche Ansammlungen unzulässiger CH4-Gehalte der Wetter im Bereich des ausziehseitigen
Übergangs Streb/Strecke nicht dauerhaft vermeiden lassen, wenn der mittlere CH4-Gehalt der Abwetter
eine Grenze von etwa 0,5% überschreitet (Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist mit gleichem Datum unter
M 1 im Sammelblatt veröffentlicht). Hiernach besteht Anlass zu folgenden Hinweisen:

Die Ausgasungsschwierigkeiten sind darin begründet, dass der größte auf den Alten Mann des Abbaus
bezogene Unterdruck bei derartigem Rückbau am ausziehseitigen Übergang Streb/Strecke anliegt und
zur Beherrschung des dortigen Ausgasungsschwerpunktes eine zusätzliche Streckenverbindung für einen
Auffrischungsstrom der durchgehenden Bewetterung und für eine einwandfreie Gasabsaugung wie z. B.
bei Y-Bewetterung nicht zur Verfügung steht. Besonders im Bereich dieses Ausgasungsschwerpunktes
wird das im Alten Mann des Abbaus gebildete Gasreservoir wirksam.

Eine sogenannte verlorene Gasabsaugung, die beim Rückbau mit Abwerfen der ausziehenden Abbau-
strecke in Betracht käme, ist wegen folgender schwierig erfüllbarer Anforderungen problematisch:

- Schutz gegen Übergreifen von Grubengasentzündungen (Abschnitt 6.1.3 der Gasabsauge-Richtlinien),

- Schutz gegen Beschädigungen und Überwachungsprobleme im nicht zugänglichen Bereich (Abschnitt
   6.1.4 dieser Richtlinien).

Auch bei den wenig angewandten Gasabsaugeverfahren mit Großbohrlöchern und/oder Gasstrecken
treten erfahrungsgemäß die rückbautypischen Ausgasungsschwierigkeiten dann in Erscheinung, wenn
beim Anlaufen des Betriebes die Gasabsaugung noch nicht angesprochen hat oder die Gasabsaugung
unterbrochen wird.

Der Rückbau mit Sonderbewettern der ausziehenden Abbaustrecke besitzt den Nachteil, dass Störungen
der Sonderbewetterung zu umfangreichen Gasansammlungen und schwierigen Ausspülvorgängen
während der Wiederinbetriebnahme der Sonderbewetterung führen. Außerdem erschwert der Zustand
der sonderbewetterten Rückbaustrecke oft die Herstellung von Gassaugebohrungen und die
Durchführung von Ausspülmaßnahmen.

Unter den dargelegten Voraussetzungen ist das Risiko groß, und es ist daher grubensicherheitlich nicht
vertretbar, dass sich immer wieder zumindest vorübergehend unzulässige, unter Umständen sogar
zündfähige Gas/Luft-Gemische infolge der instationären Gegebenheiten im freien Querschnitt einstellen
(z. B. bei Umbauarbeiten wie Rücken der Antriebsstation, bei Fallen des Bruches, bei Wetterdruck-
schwankungen). Das ist insbesondere im Zusammenhang mit CH4-Zündgefahren durch elektrische
Betriebsmittel und heiße Flächen von bewegten Maschinenteilen zu sehen. Beim Rückbau mit Abwerfen
der ausziehenden Abbaustrecke treten darüber hinaus noch zusätzliche Zündgefahren beim Rauben des
Streckenausbaus auf.

Aus den vorstehenden Zusammenhängen und der Rundverfügung vom 20.12.1988 - 18.41.3-12-1 -
(Sammelblatt A 2.7) ist abzuleiten, dass Rückbau mit Abwerfen oder Sonderbewettern der ausziehenden
Abbaustrecke vermieden werden muss, sofern mit einem strebnahen Gasreservoir zu rechnen ist. Davon
ist planerisch immer dann auszugehen, wenn bei erheblicher Zusatzausgasung nach der Ausgasungs-
vorausschau ein mittlerer CH4-Gehalt des Abwetterstroms von mehr als 0,5% in Betracht kommt.
In solchen Fällen ist ein derartiger Rückbau nicht zuzulassen.

In Grenzfällen, in denen z. B. Ausgasungsschwierigkeiten unerwartet auftreten, sind die Maßnahmen
nach der genannten Rundverfügung (insbesondere Verfüllung von Hohlräumen, verlorene Sonden oder
Schlepprohre als Schnüffelrohre, Ermittlung von Explosionskennziffern, erforderlichenfalls Inertisieren,
Räumen und Absperren eines etwaigen Gefahrenbereichs) zur Geltung zu bringen.

Außerdem wird unter Würdigung der mit diesem Rückbau zusammenhängenden Risiken bei erheblicher
Zusatzausgasung eine sinngemäße Anwendung der Maßnahmen nach den CH4-Ausnahme-Richtlinien
als notwendig angesehen, insbesondere dergestalt, dass die CH4-Grenze für örtliche Ansammlungen
1% und für den mittleren CH4-Gehalt des Abwetterstromes in der Regel 0,5% beträgt. Dabei sind
folgende Schwerpunktmaßnahmen zu beachten:

1. Messstellen ortsfester Messeinrichtungen im Bereich der kritischen Ausgasung sind zumindest
    im Strebausgang sowie in der Abbaustrecke hinter dem Streb (Raubort; Rückstrom der
    Sonderbewetterung) anzuordnen.

1.2 Messstellen ortsfester Messeinrichtungen für die Überwachung des mittleren CH4-Gehalts
      des Abwetterstroms sind höchstens 50 m abwetterseitig des Strebs sowie vor Einmündung
      in andere Wetterströme anzuordnen.

1.3 Die Grenzwerte sind vom Bergamt nach den jeweiligen Ausgasungsvoraussetzungen und
      Erfahrungen festzulegen, für die Geräte nach Ziffer 1.1 auf Werte zwischen 0,8 und 1%, für
      die Geräte nach Ziffer 1.2 in der Regel auf 0,5%, unter besonders günstigen Voraussetzungen
      nach entsprechenden Messreihen bei Befahrungen zu Zeiten der stärksten Ausgasung
      (nach Maßgabe der Schreibstreifen) auf einen Wert bis höchstens 0,7 %, unter Umständen
      auch bei ungünstigeren Bedingungen auf einen Wert unter 0,5 %.

2. In Bereichen der kritischen Ausgasung sind ständige Handmessungen nach Abschnitt 5.6,
    1. Absatz, der CH4-Ausnahme-Richtlinien durchzuführen.

3. Sonderbewetterung in der ausziehenden Abbaustrecke darf nur durch Fremdeinspeisung nach
    Abschnitt 5.3.2 der CH4-Ausnahme-Richtlinien durchgeführt werden.

Bei der Festlegung der Maßnahmen ist erforderlichenfalls die DMT GmbH, Fachstelle für
Sicherheit - Prüfstelle für Grubenbewetterung, hinzuzuziehen.

Sie werden gebeten, bei der Prüfung entsprechender Betriebspläne die vorstehenden Hinweise
zu beachten.

Dortmund, den 14.02.1992

Landesoberbergamt NRW

S c h e l t e r


Die Rundverfügung vom 14.2.1992 wurde auf Blatt 1 (Absätze 1 und 2) und auf Blatt 2 (Abschnitt 2.
und 3.) den CH4-Ausnahme-Richtlinien vom 11.11.1994 - 18.3-2-6 -, SBl. A 2.18, angepasst.

Dortmund, den 6.4.1995

Landesoberbergamt NRW

D r. F o r n e l l i


Die in der Rundverfügung vom 6.4.1995 angeführten CH4-Ausnahme-Richtlinien vom 11.11.1994
- 18.3-2-6 -, SBl. A 2.18, wurden durch die Neufassung dieser Richtlinien vom 13.10.2000 ersetzt.

Dortmund, den 23.11.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n





12.02.1993

18.41.1-22-1

Plötzliches Freiwerden
großer Grubengasmengen
aus einer abgedämmten Flözstrecke

A 2.18


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Plötzliches Freiwerden großer Grubengasmengen aus einer abgedämmten Flözstrecke

Das o.a. Ereignis, das mit gleichem Datum im Abschnitt M 1 des Sammelblattes dargestellt ist,
gibt Veranlassung zu folgenden Empfehlungen:

1. Grubenbaue mit möglicher Gebirgsschlaggefahr, die insbesondere in Kohlenpfeiler-
    bereichen unter Druckeinwirkungen durch Abbau oder Auffahren anderer Grubenbaue
    kommen, sind entweder bei Zugänglichkeit bezüglich einer möglichen Gebirgsschlaggefahr
    intensiv zu überwachen oder explosionsfest abzudämmen.
2. Abgedämmte Grubenbaue, bei denen eine schlagartige Flözentspannung unter Berück-
    sichtigung vorhandener sowie entstehender Druckzonen nicht ausgeschlossen werden kann,
    sollten unmittelbar abwetterseitig durch eine ortsfeste schreibende CH4 -Meßeinrichtung mit
    selbsttätiger Abschaltung der nicht eigensicheren elektrischen Betriebsmittel überwacht werden.

Außerdem sollten diese Dämme vorsorglich an die Gasabsaugung angeschlossen sein.

Dortmund, den 12.2.1993

Landesoberbergamt NRW

S c h e l t e r



16.08.1993

18.31.1-1-25

Speicherprogrammierbare Steuerungen
an Hauptlüfter- und Zusatzlüfteranlagen

A 2.18


An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Speicherprogrammierbare Steuerungen an Hauptlüfter- und Zusatzlüfteranlagen

In den letzten Jahren sind zunehmend speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) für das
Ein-, Aus- und Umschalten von Hauptlüfter- und Zusatzlüfteranlagen sowie zur Überwachung
sicherheitstechnischer Maschinenkennwerte (Lagertemperaturen, Schwingungs- und
Abreißgrenzen) eingesetzt worden. Da Störungen in der SPS (z.B. durch Fehlprogrammierung)
einen Ausfall der Hauptbewetterung zur Folge haben können, sind für einen sicheren Betrieb
der Hauptlüfter- und Zusatzlüfteranlagen folgende Anforderungen beim Einsatz von speicher-
programmierbaren Steuerungen im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen:

1. Speicherprogrammierbare Steuerungen an Hauptlüfter- bzw. Zusatzlüfteranlagen müssen
    redundant ausgelegt sein. Die Hard- und Software ist einschließlich der zugehörigen,
    vollständigen und übersichtlichen Dokumentation nach DIN V VDE 0801 in Verbindung
    mit DIN V 19 250 auszuführen.

2. Eingangs- und Ausgangsstromkreise der Steuerung müssen als Fernmeldestromkreise mit
    erhöhten Anforderungen an die Übertragungssicherheit (DIN VDE 0118, Teil 3, Abschnitt
    13.2) ausgeführt sein. Ausgangsstromkreise, die Schaltvorgänge auslösen, müssen die
    Anforderungen an Sicherheitsstromkreise nach DIN VDE 0118, Teil 1, Abschnitt 17, erfüllen.

3. Die Steuerung muß jederzeit durch einen einfachen Schalteingriff außer Funktion zu setzen sein,
   um die Lüfteranlage von Hand betreiben zu können.

4. Programmierbare Steuerungen müssen so aufgebaut sein, daß die einzelnen Überwachungs-
    und Steuerungsfunktionen nach einer schriftlichen Anweisung geprüft werden können.

5. Der Betriebszustand der Lüfteranlage muß von der SPS jederzeit eindeutig angezeigt werden.
    Grenzwertüberschreitungen müssen an einer ständig besetzten Stelle zur Anzeige gebracht werden.
    Redundanzverlust muß optisch und akustisch angezeigt werden.

6. Der selbsttätige Lüfterwechsel ist nur unter folgenden Voraussetzungen zulässig:

    a) Bei Spannungsausfall der SPS müssen Programmcode, Programmbearbeitungsstand und
        Variablenwerte so gesichert sein, daß nach Spannungswiederkehr der Lüfterwechsel
        ordnungsgemäß abgeschlossen wird.

   b) Wetterschieber müssen so überwacht sein, daß sowohl die Endstellungen als auch die Zeit
       zwischen Öffnen und Schließen durch die Steuerung eindeutig erkannt werden; dabei ist zu
       gewährleisten, daß die Lüfteranlage durch die SPS in den jeweils sicheren Betriebszustand
       überführt wird.

   c) Alle für den Lüfterwechsel ursächlichen Daten sind zu dokumentieren.

7. Nach Errichtung der Steuerung ist eine Erstabnahme durch die Fachstellen der DMT - Gesellschaft
    für Forschung und Prüfung mbH durchzuführen; weitere Untersuchungen sind nach Änderungen
    des sicherheitsgerichteten Teils der Steuerungsanlage erforderlich. Im Rahmen dieser Untersuchungen
    müssen die Steuerungen unter Berücksichtigung der Betriebsbedingungen und möglicher Störfälle
    geprüft werden. Nachuntersuchungen sind im Rahmen der Maßnahmen nach Nr. 7 der Rundverfügung
    des Landesoberbergamts NRW über Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden an Lüfteranlagen
    vom 22.3.1974 - 18.31.1 I 3, SBl. A 2.8 einzubeziehen.

8. Je ein Belegmuster der Programmdokumentation und der austauschprogrammierbaren Elemente sind
    bei der zuständigen Fachstelle zu hinterlegen.

9. Alle für Lüfterwechsel und Lüfterstörungen ursächlichen Daten sind wenigstens bis zur nächsten
    Nachuntersuchung der Hauptlüfter- und Zusatzlüfteranlagen aufzubewahren.

Für die Umrüstung betriebsplanmäßig zugelassener SPS auf den erforderlichen Sicherheitsstandard
können Übergangsfristen bis zu 2 Jahren gewährt werden.

Dortmund, den 16.8.1993

Landesoberbergamt NRW

i.V. M a r t h



19.09.1994

18.33.1-2-2

Störungen in der wettertechnischen Überwachung

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Störungen in der wettertechnischen Überwachung

Bezug: Rundverfügung des Landesoberbergamts NRW vom 19.2.1990 - 18.33.1-2-2 (SBl. A 2.18)
          und vom 15.11.1990 - 18.33.1-2-2

Elektrische Anlagen dürfen nach einer Abschaltung durch eine gestörte ortsfeste CH4 - Meßeinrichtung
nur nach Anweisung einer verantwortlichen Person wiedereingeschaltet und weiterbetrieben werden,
wenn sicherheitlich gleichwertige Ersatzmaßnahmen bis zur Wiederherstellung der ortsfesten
CH4 -Überwachung durchgeführt werden.

Bei Ersatzmaßnahmen durch CH4 - Handmessungen kann die Zuverlässigkeit dieser Überwachung in
Frage gestellt sein, so daß
- gegebenenfalls abweichend von anderen Regelungen - für CH4 - Ausnahmebetriebe und maschinelle
  Streckenvortriebe CH4
- Handmessungen als Ersatzmaßnahmen betriebsplanmäßig nur zuzulassen sind, wenn die folgenden
  Anforderungen eingehalten werden:

1. Bei Ausfall der CH4 - Meßeinrichtung im durchmischten Ausziehstrom einer sonderbewetterten
   Strecke (M1 - Gerät) bzw. im Gesamtausziehstrom eines CH4 - Ausnahmebetriebes am Ende der
   Abbaustrecke sind Ersatzmaßnahmen durch CH4 - Handmessungen nach einer Störungsab-
   schaltung bis zu 24 Stunden zulässig, wenn für den Weiterbetrieb der elektrischen Anlagen die
   umfassende CH4 - Überwachung durch die Gerätegruppe in Nähe der Ortsbrust (Meßeinricht-
   ungen M2, M3 und M4) bzw. durch die entsprechende Gerätegruppe im Bereich Streb / Strecke
   mit selbsttätiger Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen Anlagen bei Erreichen von
   CH4 - Grenzwerten sichergestellt ist.

2. Bei Ausfall nur einer CH4 - Meßeinrichtung innerhalb einer Gerätegruppe (vgl. Nr. 1) sind
    CH4 - Handmessungen bis höchstens zwei Stunden zulässig, wenn nach einer Störungsabschaltung
    elektrische Anlagen weiterbetrieben werden sollen. Auf die Zeit von 2 Stunden brauchen Zeiten,
    in denen elektrische Anlagen für Gewinnung bzw. Vortrieb abgeschaltet sind, nicht angerechnet
    zu werden. Zu berücksichtigen ist, daß CH4 - Handmessungen an den betreffenden Meßstellen
    auch einwandfrei durchführbar sein müssen; andernfalls muß - z.B. an der Meßstelle M3 - die
    Überwachung durch eine tragbare CH4 - Meßeinrichtung mit externem Meßkopf durchgeführt
    werden.

3. Die Meßergebnisse bei Ersatzmaßnahmen nach Nr. 1 und Nr. 2 sind schriftlich festzuhalten
    und zu den Schreibstreifen oder sonstigen Dokumentationen zu nehmen.

4. Reserve - Meßeinrichtungen sind möglichst in der Nähe ortsfester Meßeinrichtungen betriebsbereit
    zu halten. Die Reservehaltung von nur einer Meßeinrichtung je Gerätegruppe erscheint dann
    ausreichend, wenn die Meßeinrichtung wahlweise an der Meßstelle einer ausgefallenen
    CH4 - Meßeinrichtung innerhalb einer Gerätegruppe in einer Zeit von höchstens 2 Stunden in
    Betrieb genommen werden kann und - die Meßeinrichtung 1) mit entsprechend langen Leitungen
    für die Spannungsversorgung sowie die Übertragung von Meßwerten und Schaltbefehlen versehen
    ist - oder die Meßeinrichtung 2) mit einer auf Kurzschlüsse und Unterbrechungen überwachten
    Verbindungsleitung zwischen Meßkopf und Anzeigegerät ausgerüstet ist. Wird die Reserve - Meß-
    einrichtung parallel zu einer vorgeschriebenen Meßeinrichtung mitbetrieben, muß das Abschalten
    der elektrischen Anlagen sichergestellt sein, wenn nur jeweils ein Gerät den Abschaltgrenzwert
    erreicht.

5. Sofern nach Zeitablauf für Ersatzmaßnahmen eine gestörte CH4 - Meßeinrichtung nicht wieder
    einsatzbereit oder ersetzt worden ist, ist die Gewinnung bzw. der Vortrieb einzustellen.

Die Rundverfügungen vom 19.2. und 15.11.1990 - 18.33.1-2-2 - werden hiermit aufgehoben.

Im übrigen wird gebeten, darauf hinzuwirken, daß die von wettertechnischen Meßeinrichtungen
ausgelösten Abschaltungen der elektrischen Anlagen registriert werden.

Dortmund, den 19.9.1994

Landesoberbergamt NRW

 D r. F o r n e l l i




1) Auer BD 5000 - Meßkopf gem. Zulassung vom 28.1.1982 - 14.22-59-17 -;
    Auer Extrans S gem. Zulassung vom 22.6.1988 - 14.22-88-13 -

zurück

2) Auer Extrans S mit externem Meßkopf und einer bis zu 100 m langen Verbindungsleitung
    zwischen Meßgerät und Meßkopf gem. Zulassung vom 14.1.1994 - 14.22-88-13 -

zurück



23.11.1994

18.3-2-5

Bewetterung anlaufender Abbaubetriebe

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Bewetterung anlaufender Abbaubetriebe

Bezug: a) Rundverfügung vom 20.7.1970 - 18.3 I 3 - (nicht im Sammelblatt veröffentlicht)
          b) Betriebsempfehlungen für den Steinkohlenbergbau Nr. 36 "Bewetterung anlaufender
              Abbaubetriebe"

Die o.a. Betriebsempfehlungen bieten Entscheidungshilfen aus wetter- und ausgasungstechnischer Sicht
für die Planung der Anlaufphase eines Abbaubetriebes. Bei künftigen Betriebsplanzulassungen bitte ich
die in diesen Betriebsempfehlungen enthaltenen Anforderungen zu berücksichtigen.

Die Rundverfügung vom 20.7.1970 - 18.3 I 3 - wird aufgehoben.

Dortmund, den 23.11.1994

Landesoberbergamt NRW

Dr. F o r n e l l i



15.05.1996

18.41.1-24-1

Vermeiden der Gefahr des Freiwerdens
großer Grubengasmengen
durch Schwerkrafteinwirkungen

A 2.18


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Betriebsempfehlungen für den Steinkohlenbergbau Nr. 39 "Vermeiden der Gefahr des Freiwerdens
         großer Grubengasmengen durch Schwerkrafteinwirkungen beim Durchfahren tektonischer
         Störungsbereiche bzw. beim Anfahren von Flözen aus dem Flözliegenden heraus"

Die Maßnahmen der o.a. Betriebsempfehlungen dienen dazu, Gefahren durch das Freiwerden großer
Grubengasmengen zu vermeiden. Die Maßnahmen sind im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen.

Dortmund, den 15. 5. 1996

Landesoberbergamt NRW

D r. F o r n e l l i



29.05.1996

18.41.1-3-2

Gasausbruchs-Richtlinien

A 2.18


An die Bergämter des Landes NRW (außer Düren)

Betr.: Gasausbruchs-Richtlinien

Hiermit wird die Neufassung der Richtlinien des Landesoberbergamts NRW über die Abwehr von
Gefahren des plötzlichen Freiwerdens großer Grubengasmengen mit oder ohne Auswurf von
Kohle oder Gestein (GasausbruchsRichtlinien) bekanntgemacht.*)

Ich bitte, diese Richtlinien bei zukünftigen Betriebsplanzulassungen entsprechend der Bestimmung
des § 55 Abs. 1 Nr. 3 BBergG zur Geltung zu bringen.

Dabei sind auch folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

1. Sofern die Gasinhaltsbestimmungen (s. 4.1.2 der Richtlinien) in einem zecheneigenen Laboratorium
oder einer vergleichbaren Einrichtung (z. B. Ruhranalytik Laboratorium für Kohle und Umwelt GmbH)
vorgenommen werden, muß das Laboratorium oder die entsprechende Einrichtung durch eine
benannte Fachstelle in Abständen von 2 Jahren einer Prüfung unterzogen werden. Die Laboranten
müssen durch diese Fachstelle unterwiesen sein.

2. Besondere Sicherheitsvorkehrungen (s. 5.1.1 der Richtlinien) sind im Einzelfall beim Durchfahren
von Störungen in Bereichen mit erhöhten Zusatzspannungen festzulegen.

3. Bei Gasausbruchsverdacht sind die Schutzmaßnahmen (s. 5.1.3 der RichtIinien) unter
Berücksichtigung der jeweils möglichen Gefahren festzulegen.

4. Die Schutzmaßnahmen (s. 5.1.3 der Richtlinien) sind auch bei erkannter Gebirgsschlaggefahr
zu treffen, wenn bei Gebirgsschlägen mit größeren Gaszuströmen mit Erstickungs- und
Explosionsgefahr zu rechnen ist.

Bei Überschneidung der Maßnahmen gegen Gasausbrüche und Gebirgsschläge sind beide Richtlinien
anzuwenden, es sei denn, daß die Maßnahmen völlig deckungsgleich sind
(z. B. Entspannungsbohrungen mit derselben Bohrlochanordnung und demselben Bohrlochdurchmesser).

5. Bei der Betrachtung, inwieweit Explosionsgefahren durch plötzliches Freiwerden großer
Grubengasmengen auftreten können, sind auch andere Zündquellen zu berücksichtigen. Zum Beispiel
sind Schweiß- und Brennarbeiten in Bereichen oder zu Zeiten, in denen durch derartige Ereignisse
CH4-Gehalte über 0,3% auftreten können, unzulässig. In Bereichen, in denen ein plötzliches
Freiwerden großer Grubengasmengen und außerdem mögliche Zündquellen durch Glimmbrände
an Fördermitteln, druckluftbetriebenen Betriebsmitteln, durch Fahrzeugbetrieb o.dgl. nicht
ausgeschlossen werden können, muß eine CO-Überwachung durch ortsfeste Meßeinrichtungen
sichergestellt sein.

6. Der Einsatz von Vortriebsmaschinen ist in Bereichen mit Gasausbruchsgefahr nicht zulässig.

Beim Einsatz von Vortriebsmaschinen in Bereichen mit Gasausbruchsverdacht sind die QV30-Werte
unter Hinzuziehung einer benannten Fachstelle festzulegen, da z. Zt. Grenzwerte nur flözspezifisch
angegeben werden können.

7. Eine benannte Fachstelle sollte hinzugezogen werden, wenn sich die geologischen Gegebenheiten
oder die Gasinhalte deutlich ändern.

8. Der Vordruck nach Anlage 1 der Gasausbruchs-Richtlinien ermöglicht dem Wetteringenieur
eine Vorauswahl der Betriebe mit etwaigen Gefahren eines plötzlichen Freiwerdens großer
Grubengasmengen und führt zu der Entscheidung, in welchen Fällen bereits bei der Planung
der Einsatz von ortsfesten schreibenden Meßeinrichtungen zur Erfassung des Methanzustroms
einschl. der selbsttätigen und unverzögerten Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen
Anlagen bei Erreichen von Grenzwerten zu berücksichtigen ist.

Auch in den Fällen, in denen Meßeinrichtungen zur Beobachtung der Ausgasung eingesetzt
werden, müssen die Meßeinrichtungen mit Vorrichtungen zur selbsttätigen und unverzögerten
Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen Anlagen bei Erreichen von Grenzwerten
ausgerüstet sein.

Der Vordruck muß den jeweiligen Betriebsplananträgen beigefügt sein.

9. Der Unternehmer hat Gasausbrüche nach § 74 Abs. 3 BBergG dem Bergamt unverzüglich
anzuzeigen. Die Anzeigepflicht hängt im wesentlichen davon ab, daß die Schreibstreifen-
charakteristik der ortsfesten CH4-Meßeinrichtungen ein plötzliches Freiwerden großer
Grubengasmengen ausweist und daß zumindest örtlich zündfähige Gas/Luft-Gemische
aufgetreten sind.

Die für die jährliche Auswertung des Landesoberbergamts NRW zugrunde gelegte Abgrenzung
von 300 m3 CH4 oder 10 t Materialauswurf hat nur innerbehördliche Bedeutung für die Einreihung
der Ereignisse in die Statistik, aber keinen Einfluß auf die Anzeigepflicht. Für die Ergebnisauswertung
ist der hierfür entwickelte Erhebungsbogen zu verwenden, der im Regelfall den Untersuchungsbericht
ersetzen kann. Eine Ausfertigung des Erhebungsbogens ist der benannten Fachstelle für
wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung zu stellen.

Zur Zeit ist als Fachstelle, die nach 6.1 der Gasausbruchs-Richtlinien zu beteiligen ist, die Fachstelle
für Sicherheit - Prüfstelle für Grubenbewetterung der DMT-Gesellschaft für Forschung und Prüfung
mbH benannt.

Die Rundverfügungen des Landesoberbergamts NRW vom

13. 8.1981 - 18.41.1-3-2 -,
6. 7. 1982 - 18.41.1-3-2 -,
4. 2. 1985 - 18.41.1-3-2 -,
29. 7. 1986 - 18.41.1-3-2 -,
23. 10. 1987 - 18.41.1-3-2 -und
28. 12. 1989 - 18.41.1-3-2 -

(alle SBI. A 2.18) werden hiermit aufgehoben.


Dortmund, den 29. 05. 1996

Landesoberbergamt NRW

D r .  F o r n e l l i

*) Diese Richtlinien sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 537 bei der Verlag Glückauf
GmbH, Postfach 185620, 45206 Essen, Tel. (0 2054) 924-123, erhältlich.



Richtlinien
des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen
über die Abwehr von Gefahren des plötzlichen Freiwerdens großer
Grubengasmengen mit oder ohne Auswurf von Kohle oder Gestein
(Gasausbruchs-Richtlinien)
vom 29.05.1996


 

Inhaltsübersicht

1

Geltungsbereich

 

 

2

Begriffsbestimmungen

 

 

3

Allgemeines

 

 

4

Maßnahmen zum Erkennen gasausbruchsgefährdeter Bereiche

4.1

Gasausbrüche mit Auswurf von Kohle

4.1.1

Auftreten von Gasausbrüchen

4.1.2

Gasinhaltsbestimmungen

4.1.3

Überwachung durch ortsfeste CH4- und Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen

4.1.4

Desorptionskennwerte

4.1.5

Besondere Gebirgsbeanspruchungen

4.1.6

Gasausbruchsverdacht

4.1.7

Erkundungsbohrungen

4.1.8

Gasausbruchsgefahr

4.2

Gasausbrüche mit Auswurf von Gestein

4.2.1

Auftreten von Gasausbrüchen

4.2.2

Erkennen der Gasausbruchgefahr

4.3

Liegendgasausbrüche

4.3.1

Auftreten von Liegendgasausbrüchen

4.3.2

Erkennen der Gasausbruchgefahr

4.4

Sonstige Gasausbrüche

4.4.1

Auftreten sonstiger Gasausbrüche

4.4.2

Erkennen der Gasausbruchgefahr

 

 

5

Maßnahmen zum Beseitigen der Gasausbruchgefahr

5.1

Gasausbrüche mit Auswurf von Kohle

5.1.1

Planerische Maßnahmen

5.1.2

Entspannungsbohrungen

5.1.3

Schutzmaßnahmen

5.1.3.1

Allgemeine Schutzmaßnahmen

5.1.3.2

Schutzmaßnahmen beim Bohren

5.1.3.3

Schutzmaßnahmen beim Sprengen

5.1.3.4

Schutzmaßnahmen für elektrische Anlagen

5.2

Gasausbrüche mit Auswurf von Gestein

5.3

Liegendgasausbrüche

5.4

Sonstige Gasausbrüche

 

 

6

Sonstiges

6.1

Beteiligung einer benannten Fachstelle

6.2

Gasausbruchsbeauftragter

6.3

Dokumentation

6.4

Benachrichtigung des Bergamtes

 

 

Anlage 1:

Beurteilung zur Erfassung des CH4-Zustroms

Anlage 2:

Ermittlung der Desorptionskennwerte kt und q0-1

Anlage 3:

Bohrprotokoll

Anlage 4.1:

Beispiel eines Bohrgrundrisses für den Streckenvortrieb

Anlage 4.2:

Beispiel eines Bohrgrundrisses für den Streb

 

1 Geltungsbereich

Diese Richtlinien enthalten Regelungen zum Schutz vor Gefahren des plötzlichen Freiwerdens großer
Grubengasmengen mit oder ohne Auswurf von Kohle oder Gestein in Betrieben des Steinkohlenbergbaus
unter Tage.

2 Begriffsbestimmungen

- Gasausbruchsverdacht

   Gasausbruchsverdacht ist ein Zustand, bei dem das plötzliche Freiwerden großer Grubengasmengen
   nicht ausgeschlossen werden kann.

- Gasausbruchsgefahr

   Gasausbruchsgefahr ist ein Zustand, bei dem die Gefahr des plötzlichen Freiwerdens großer
   Grubengasmengen gegeben ist.

- Gasinhalt

   Der Gasinhalt ist das auf die Masseneinheit Kohle bezogene in der Kohle gespeicherte Gasvolumen.

- Gesamtgasinhalt

   Der Gesamtgasinhalt setzt sich aus dem an der inneren Oberfläche der Kohle sorptiv gebundenen
   Anteil und aus dem im Porenraum der Kohle enthaltenen freien Anteil zusammen.

- Desorbierbarer Gasinhalt

   Der desorbierbare Gasinhalt ist gleich der Differenz zwischen dem Gesamtgasinhalt und dem
   Gasinhalt bei einem Methandruck von 1 bar.

- V30-Wert

   Der V30-Wert ist der Quotient aus dem zusätzlichen innerhalb von 30 Minuten nach dem Sprengen
   freigesetzten Gasvolumen und der beim Sprengen gelösten Kohlenmasse; er wird in m3/t angegeben.

- Quasi-V30-Wert (QV30)

   Der QV30-Wert ist der Quotient aus dem zusätzlich beim Schneidbetrieb von Kohle und/oder
   Nebengestein freigesetzten Gasvoldmen und der dabei gelösten Kohlenmasse; er wird in m3/t
   angegeben.

- kt-Wert

   Der kt-Wert beschreibt den zeitlichen Verlauf des spezifischen Methandesorptionsstroms;
   er wird als dimensionslose Zahl angegeben.

- q0-1-Wert

   Der q0-1-Wert ist das spezifische Gasvolumen, das in der ersten Minute nach der Entspannung
   aus dem Sorptionsgleichgewicht freigesetzt wird; er wird in m3/t angegeben.

- Gas/Kohlen-Ausbruch

   Der Gas/Kohlen-Ausbruch ist das plötzliche Freiwerden großer Grobengasmengen mit Auswurf
   von Kohle.

- Gas/Gesteins-Ausbruch

   Der Gas/Gesteins-Ausbruch ist das plötzliche Freiwerden großer Grubengasmengen mit Auswurf
   von Gestein.

- Liegendgasausbruch

   Der Liegendgasausbruch ist das Freiwerden außergewöhnlich großer Grubengasmengen aus dem
   Liegenden von Abbaubereichen.

- Sonstige Gasausbrüche

   Sonstige Gasausbrüche sind alle anderen gasdynamischen Erscheinungsformen, bei denen plötzlich
   große Grubengasmengen freigesetzt werden.

3 Allgemeines

In der Kohle oder im Gestein kann Gas sorbiert oder frei in den Poren und sonstigen Hohlräumen
auftreten. Das im Gebirge unter Überdruck anstehende Gas strömt über Risse und Spalten in die
Grubenbaue ein. Bei abrupten Störungen des natürlichen Gleichgewichtes kann das Gas aber auch
plötzlich in großen Mengen freigesetzt werden und in die Grubenbaue hineinströmen; dabei steigt
der Gaszustrom schnell an und nimmt dann zum Ausgangswert hin wieder ab. Meist entstehen bei
solchen Vorgängen im Wetterstrom zündfähige Gas/Luft-Gemische, unter Umständen verbunden
mit Sauerstoffmangel und Erstickungsgefahr. Außerdem kann zusätzlich Kohle oder Gestein in den
freien Querschnitt der Grubenbaue ausgeworfen werden.

Die Erscheinungsformen beim plötzlichen Freiwerden großer Gasmengen hängen von vielfältigen
Voraussetzungen ab, so daß verschiedene Arten von Gasausbrüchen zu unterscheiden sind.
Bei der getrennten Behandlung der Ausbruchsarten ist zu berücksichtigen, daß Grenzfälle zwischen
den Ausbruchsarten untereinander sowie Übergangsformen zwischen Gasausbrüchen und
Gebirgsschlägen auftreten können. Viele Gasausbrüche stehen im Zusammenhang mit tektonischen
Störungen, tektonisch beanspruchten Zonen, Zusatzdruckzonen, Schwerkrafteinflüssen und
Bruchvorgängen im Nebengestein.

4   Maßnahmen zum Erkennen gasausbruchsgefährdeter Bereiche

4.1   Gasausbrüche mit Auswurf von Kohle

4.1.1 Auftreten von Gasausbrüchen

Gasausbrüche mit Auswurf von Kohle treten auf, wenn Gasinhalt, Gasdruck und strukturelle
Beschaffenheit der Kohle die Voraussetzungen für ein schnelles Freisetzen des Gases bieten
und die Druck- und Strömungskräfte des Gases die Haltekräfte der anstehenden Kohle
übersteigen.

Die Kohle kann in ganzen Lagerstätten, in einzelnen Flözen oder nur in örtlich begrenzten
Bereichen gasausbruchsgefährlich sein.

4.1.2 Gasinhaltsbestimmungen

Eine wesentliche Voraussetzung für Gas/Kohlen-Ausbrüche ist ein ausreichend großer
Gasinhalt der Kohle. Der Gasinhalt ist für jedes erschlossene Flöz zu bestimmen. Dabei
sind die Probenahmestellen im Flöz so zu verteilen, daß eine repräsentative Aussage über
die Gasführung und deren Veränderungen ermöglicht wird. Die Bestimmung des Gasinhalts
ist nach den Betriebsempfehlungen des Steinkohlenbergbaus 1) durchzuführen.

4.1.3 Überwachung durch ortsfeste CH4- und Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen

Der Methanzustrom in die Grubenbaue ist durch ortsfeste schreibende CH4- Meßeinrichtungen
und Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen zu erfassen bei:

- desorbierbaren Gasinhalten > 9 m3/t,
- desorbierbaren Gasinhalten > 5,5 m3/t und besonderen Gebirgsbeanspruchungen (4.1.5),
- Bejahung einer Frage nach Anlage 1.

Durch die Anordnung der CH4- und Wettergeschwindigkeitsmeßeinrichtungen muß sichergestellt
sein, daß der Methanzustrom auch nach Abschalten der elektrischen Anlagen weiter erfaßt wird.
Wenn zu erwarten ist, daß die Grenze des Meßbereichs der CH4-Meßeinrichtungen überschritten
wird, muß durch weitere Meßeinrichtungen abwetterseitig nach dem nächsten Auffrischungsstrom
ermöglicht werden, daß die freigesetzte Gasmenge ermittelt werden kann.

Um bei Auffahrungen feststellen zu können, inwieweit das Gas aus dem Ortsbereich oder aus
den rückwärtigen Stößen herrührt, sind mindestens zwei CH4-Meßwertgeber erforderlich,
und zwar für eine Meßstelle möglichst nahe der Ortsbrust, aber dort, wo das Gas bereits mit
dem Wetterstrom vermischt ist (neben der Luttenleitung) und für eine zweite Meßstelle im
rückwärtigen Bereich.

Die Meßwerte der Meßeinrichtungen müssen zu einer ständig besetzten Stelle fernübertragen,
aufgezeichnet und möglichst rechnergestützt ausgewertet werden. Besondere Ausgasungs-
erscheinungen müssen insbesondere den Bohr-, Vortriebs- und Gewinnungsvorgängen mit
Zeit- und Ortsangaben zugeordnet werden können (z.B. durch entsprechende Vermerke
auf den Aufzeichnungen).

Die Meßeinrichtungen müssen mit Vorrichtungen versehen sein, durch die bei Überschreiten
des Mindestwetterstroms akustische und optische Warnsignale an der ständig besetzten Stelle
ausgelöst werden.

Durch die CH4-Meßeinrichtungen müssen bei Erreichen des Grenzwertes für den zulässigen
CH4- Gehalt der Wetter die nichteigensicheren elektrishcen Anlagen selbsttätig und unverzögert
abgeschaltet werden.

Die Ausgasung ist anhand der Anzeige der Meßeinrichtungen sowie der Aufzeichnungen
darauf hin zu beobachten, ob besondere Ausgasungserscheinungen und von der normalen
Ausgasung abweichende Tendenzen (Ausgasungsanomalien) auftreten.

4.1.4 Desorptionskennwerte

Die Desorptionskennwerte geben Hinweise auf die Methanabgabegeschwindigkeit von Kohle
und dienen in Verbindung mit den Gasinhalten zur Beurteilung von Gasausbruchsgefahren.

- V30-Wert

   In Sprengvortrieben sind die V30-Werte zu ermitteln bei:
   * desorbierbaren Gasinhalten > 9 m3/t,
   * desorbierbaren Gasinhalten > 5,5 m3/t und besonderen Gebirgsbeanspruchungen (s. 4.1.5),
   * Ausgasungsanomalien.

   Die V30-Werte sind mit Zeit- und Ortsangabe, Größe des Wetterstroms und gelöster Kohlenmenge
   zu dokomentieren.

   Wenn bei der Auffahrung von Grubenbauen aus betrieblichen Gründen keine V30-Bestimmung
    vorgenommen werden kann, ist zu prüfen, ob und in welchem Umfang kt-Werte oder q0-1Werte
    bestimmt werden müssen.

- QV30-Wert

   Beim Einsatz von Vortriebsmaschinen sind die QV30-Werte zu ermitteln bei:
   * desorbierbaren Gasinhalten > 9 m3/t,
   * desorbierbaren Gasinhalten > 5,5 m3/t und besonderen Gebirgsbeanspruchungen (s. 4.1.5),
   * Ausgasungsanomalien.

   Die QV30-Werte sind mit Zeit- und Ortsangabe, Größe des Wetterstroms und gelöster
   Kohlenmenge zu dokumentieren.

- kt-Wert

   Die Ermittlung des kt-Wertes ist in Anlage 2 dargestellt. Je größer dieser ist, um so größer ist
   die Gasabgabegeschwindigkeit.

- q0-1Wert

   Die Ermittlung des q0-1Wertes ist in Anlage 2 dargestellt. Je größer dieser ist, um so größer ist
   die Gasabgabegeschwindigkeit.

Die erforderlichen Kohlenproben zur Bestimmung der kt-Werte oder q0-1Werte sind entweder vom
frischen Kohlenstoß oder aus Bohrlöchern im frischen Kohlenstoß bei einer Tiefe von 2,5 bis 3 m
zu entnehmen. In Flözvortrieben (Strecken, Auf- oder Abhauen) muß je eins dieser Bohrlöcher in
der Mitte und an beiden Seiten des Ortsstoßes, in Streben müssen die Bohrlöcher in einem Abstand
von höchstens 15 m entlang des Strebstoßes angeordnet sein. Eine Probenahme aus größeren Tiefen
des Kohlenstoßes ist anzustreben, um möglichst frühzeitige Aussagen über die Ausbruchseigenschaften
der Kohle zu erhalten.

Die Bohrkleinproben können z.B. aus Erkundungsbohrungen oder Sprengbohrlöchern entnommen
werden. Es ist jedoch darauf zu achten, daß das Bohrklein nur von der festgelegten Probenahmestelle
in die Probe gelangt.

Es empfiehlt sich, zusätzlich Proben von der Kohlenstoßoberfläche zu nehmen, um Veränderungen
entlang des Kohlenstoßes und in Abhängigkeit von den Streifen, aus denen das Flöz aufgebaut ist,
zu beurteilen.

4.1.5 Besondere Gebirgsbeanspruchungen

In Bereichen mit besonderen Gebirgsbeanspruchungen kann die Struktur der Kohle vom normalen
Erscheinungsbild abweichen, z.B. durch eine starke Rissigkeit (Mylonitisierung), die eine schnellere
Gasabgabe ermöglicht und damit neben einem ausreichend großen Gasinhalt die zweite wichtige
Voraussetzung für Gasausbrüche bildet.

Zwischen Gasausbrüchen mit Kohlenauswurf und Gebirgsschlägen (Flözschlägen) treten
verschiedentlich Grenzfälle oder Überschneidungen auf. Aus dem Ablauf eines Ereignisses läßt sich
jedoch meist erkennen, ob jeweils der Gasdruck oder die Gebirgsspannung vorgeherrscht hat.
So ist ein Gasausbruch im allgemeinen durch den Auswurf zertrümmerter Kohle über einen
Zeitraum von mehreren Sekunden bis einigen Minuten gekennzeichnet. Beim Gebirgsschlag wird
demgegenüber der Kohlenstoß weitgehend als Ganzes schlagartig vorgeschoben.

Besondere Gebirgsbeanspruchungen im Sinne dieser Richtlinien haben meist eine oder mehrere
der folgenden Ursachen:

a) Tektonische Störungen (Sprünge bzw. Abschiebungen, Überschiebungen, Blattverschiebungen,
    Flexuren u.a.), starker Wechsel des Einfallens, enge Mulden und enge Sättel, Flözver-
    schmälerungen, Flözverdickungen, Wülste, wellige Ausbildungen des Hangenden,
b) Abbau- oder Versatzkanten im Hangenden und/oder Liegenden,
c) zusatzdrucksteigernde Bereiche im Bauflöz,
d) Hängenbleiben des Hangenden über dem Bruchraum,
e) Anlaufphase von Abbaubetrieben.

Bereits bei der bergmännischen Planung ist besonderer Wert auf eine genaue Projektion von
tektonischen Störungen zu legen. Abbau- und Versatzkanten sind bis zu einem Abstand von
mindestens je 200 m ins Hangende und ins Liegende zu berücksichtigen und in Flözrissen darzustellen.
Das Erkennen der besonderen Gebirgsbeanspruchungen ist erforderlichenfalls auch durch
markscheiderische Aufnahmen, Unterweisung und Mitwirkung der verantwortlichen Personen
sowie Meldepflicht über entsprechende Feststellungen zu unterstützen.

4.1.6 Gasausbruchsverdacht

Bei Überschreiten einer der folgenden Grenzwerte bzw. Voraussetzungen ist Gasausbruchs-
verdacht anzunehmen, und es sind Erkundungsbohrungen durchzuführen sowie kt-Werte oder
q0-1-Werte zum Erkennen von Gasausbruchsgefahr zu bestimmen:

- desorbierbarer Gasinhalt > 9 m3/t,
- desorbierbarer Gasinhalt > 5,5 m3/t und besondere Gebirgsbeanspruchungen - siehe 4.1.5
   Buchstaben a) bis d) - und Ausgasungsanomalien,
- V30-Wert > 40 % des desorbierbaren Gasinhaltes.

Auf die Durchführung von im Einzelfall erforderlichen Schutzmaßnahmen nach 5.1.3 wird hingewiesen.

4.1.7 Erkundungsbohrungen

Bei Auffahrungen mit anstehender Kohle, z.B. in Flözstrecken, Auf- oder Abhauen, sind in
gasausbruchsverdächtigen Bereichen im Flöz mindestens zwei Bohrungen am Ortsstoß in Nähe
der Seitenstöße so herzustellen, daß sie bei jedem Stand des Ortsstoßes mindestens 5 m
über diesen hinaus und mindestens 5 m über die seitlichen Stöße hinaus enden. Bei einem Einfallen
über 10 gon muß im Oberstoß ein Streifen größerer Breite (z.B. 7 m bei 30 gon Einfallen) erfaßt
werden. Zwischen diesen Bohrungen können weitere Bohrungen notwendig sein.

Wenn beim Vortrieb im Gestein mit einer Annäherung an gasausbruchsverdächtige Kohle
zu rechnen ist, sind entsprechende Bohrungen mindestens 5 m über die beabsichtigte
Vortriebslänge hinaus herzustellen.

Beim Durchfahren von Störungen und/oder dem Anfahren von Flözen sind zusätzlich
Bohrungen so zu erstellen, daß zumindest Kohle im Bereich von 3 m um den
Streckenumfang erkannt werden kann.

In Streben mit gasausbruchsverdächtiger Kohle sind Erkundungsbohrungen im Abstand
von höchstens 15 m voneinander rechtwinklig zum Strebkohlenstoß so herzustellen,
daß sie bei jedem Strebstand mindestens 5 m tief im Strebkohlenstoß stehen.
Die Ansatzpunkte neuer Bohrungen sollen gegenüber den vorausgegangenen Bohrungen
um jeweils 5 m versetzt werden. Von den Übergängen Streb - Strecke darf die nächste
Bohrung nicht mehr als 10 m entfernt sein.

In Bereichen mit tektonischen Störungen sind die Bohrungen mehr als 10 m über den
jeweiligen Auffahrungs- bzw. Gewinnungsstand hinaus vorzuhalten. Dabei muß das Ort
zur frühzeitigen Störungserkennung wenigstens durch eine Bohrung bis zum Anbohren
der Störung ständig mindestens 15 m überbohrt sein.

Der Durchmesser der Bohrungen muß 95 bis 140 mm betragen; hiervon abweichend
darf in Streben der Durchmesser bis auf 50 mm herabgesetzt werden.

Die Bohrungen sind trocken herzustellen. Abweichend hiervon ist Bohren mit Wasser zulässig,
wenn auch dabei durch geeignete Einrichtungen die Bohrkleinmenge festgestellt werden kann.

Die Einzelheiten der Erkundungsbohrungen sind in Bohrprogrammen einschließlich Bohrschemata
festzulegen.Während des Bohrens ist der Methanzustrom durch ortsfeste schreibende
CH4-Meßeinrichtungen zu erfassen.

Die folgenden Bohrreaktionen sind in einem Bohrprotokoll schriftlich festzuhalten und
arbeitstäglich nachzutragen:

- Ausblasen von Gas mit Kohlenstaub aus dem Bohrloch,
- Bohrkleinanfall je m Bohrloch,
- Bohrkleinbeschaffenheit (grob oder fein),
- Entspannnungsgeräusche,
- Stöße oder Schläge auf das Bohrgestänge,
- Hineinziehen des Bohrgestänges in das Bohrloch,
- Festklemmen des Bohrgestänges,
- Anbohren von Gestein.

In einem Bohrgrundriß sind mindestens die Lage der Bohrungen mit Angaben über

- Ausblasen von Gas mit Kohlenstaub oder Überschreitung des zulässigen CH4-Grenzwertes,
- CH4-Zuströme je Bohrung,
- Bohrkleinanfall je m Bohrloch bei Überschreitung der in 4.1.8 Buchstabe b) festgelegten
  Grenzwerte des Bohrkleinanfalls,
- andere Anzeichen nach 4.1.8 Buchstabe b)

einzutragen. Muster für Bohrprotokolle und Bohrgrundrisse sind in den Anlagen 3, 4.1 und
4.2 enthalten.

Bestehen Schwierigkeiten, das Ausblasen von Gas mit Kohlenstaub oder auf hohe
Spannungen hinweisende andere Anzeichen festzustellen, sind gleichwertige Verfahren zur
Erfassung und Beurteilung der Bohrreaktionen (z.B. selbsttätiges Messen des Gasausstoßes
und der bohrmechanischen Parameter) zu treffen.

Bei der Bewertung der Bohrergebnisse sind auch die Bestimmungen der Gebirgsschlag-
Richtlinien zu berücksichtigen.

4.1.8 Gasausbruchsgefahr

Bei Überschreiten der folgenden Grenzwerte der Desorptionskennwerte
(Ausnahme: beim Anfahren von Flözen) oder Ergebnisse der Erkundungsbohrungen
ist eine Gasausbruchsgefahr anzunehmen und zu prüfen, ob und in welchem Umfang
Maßnahmen nach 5 zur Beseitigung der Gasausbruchsgefahr durchzuführen sind:

- Desorptionskennwerte:

V30 > 60 % des desorbierbaren Gasinhalts,
kt > 0,75,
q0-1 > 2,3 m3/t.
Im Einzelfall können andere Grenzwerte festgelegt werden.

- Erkundungsbohrungen:

a) Ausblasen von Gas mit Kohlenstaub aus dem Bohrloch oder:
b) Bohrkleinanfall von mehr als
      8 l/m Bohrloch bei einem Durchmesser von 50 mm,
    50 l/m Bohrloch bei einem Durchmesser von 95 mm,
    90 l/m Bohrloch bei einem Durchmesser von 140 mm
    und zugleich auf hohe Spannungen hinweisende andere Anzeichen wie
    Entspannungsgeräusche, Stöße oder Schläge auf das Bohrgestänge,
    Hineinziehen des Bohrgestänges in das Bohrloch, erhöhter Anfall groben
    Bohrkleins, Festklemmen des Bohrgestänges.

4.2 Gasausbrüche mit Auswurf von Gestein

4.2.1 Auftreten von Gasausbrüchen

Gasausbrüche mit Auswurf von Gestein, hauptsächlich Sandstein, (Gas/Gesteins-Ausbrüche)
unterliegen einem ähnlichen Mechanismus wie Ausbrüche mit Auswurf von Kohle.
Gas/Gesteins-Ausbrüche sind sowohl durch Sprengarbeit als auch bei schneidender
Hereingewinnung des Gesteins mit einer Vortriebsmaschine ausgelöst worden.

4.2.2 Erkennen der Gasausbruchsgefahr

Ausgasungsspitzen beim Sprengen sowie ein kennzeichnender Zerfall des Gesteinshaufwerkes
können auf ausbruchsverdächtige Gesteinsbereiche hinweisen. Bei der Herstellung von
Grubenbauen in ausbruchsverdächtigen Sandsteinen bilden sich oft Gesteinsschalen,
die konkav gewölbt sind, was im Extremfall zu blättrigem oder grusförmigem Zerfall des
Gesteins führt (Druckentlastungsstrukturen). Diese Erscheinungen sind z.B. an Bohrkernen
sowie an den Stößen in Strecken und Schächten beim Durchfahren dieser Gesteinsschichten
gut zu erkennen.

Bei derartigen Erscheinungen und in Bereichen, in denen Gas/Gesteins-Ausbrüche zu
erwarten sind, ist die Überwachung der Ausgasung entsprechend 4.1.3 durchzuführen.
In Zweifelsfällen können Kernbohrungen genaueren Aufschluß geben (Freiberger Kernprognose).

Wenn die Gefahr von Gas/Gesteins-Ausbrüchen besteht, sind Maßnahmen nach 5 durchzuführen.

4.3 Liegendgasausbrüche

4.3.1 Auftreten von Liegendgasausbrüchen

Stehen bis 50 m im Liegenden von Abbaubereichen unter festen und nahezu undurchlässigen Schichten
(Sandstein, Sandschiefer in Wechsellagerung mit Schieferton) gasführende Flöze an, so können sich
Gasausbrüche aus dem Liegenden durch Aufbrechen der Schichten ereignen. Mit diesen Erscheinungen
kann ein schlagartiges Aufwerfen der Sohle verbunden sein. Gesteins- und Kohleauswürfe treten dabei
zumeist nicht auf.

Liegendgasausbrüche sind bereits bei Gesamtgasinhalten in den Liegendflözen von 6 m3/t aufgetreten.
Dabei hatten die Gesteinsschichten überwiegend Mächtigkeiten kleiner als 10 m und Punktlastfestigkeiten
größer als 70 bar. Schieferton zwischen den festen Gesteinsschichten und dem Bauflöz kann zum
Gasstau führen. Die Wahrscheinlichkeit eines Liegendgasausbruchs wächst durch Zunahme des
Gasinhalts zur Teufe, flache Lagerungsverhältnisse oder hohe Zusatzspannungen (s. 4.1.5).

4.3.2 Erkennen der Gasausbruchsgefahr

Ein eindeutiges Verfahren zum Erkennen der Gasausbruchsgefahr ist bisher nicht bekannt.
Jedoch lassen sich Rückschlüsse ziehen, wenn

- bis 50 m in das Liegende geprüft wird, ob die Voraussetzungen nach 4.3.1 vorliegen,
- die Zusatzausgasung an förderfreien Tagen nicht zurückgeht,
- die CH4-Zuströme aus dem Liegenden zur Gasabsaugung Anomalien aufweisen.

Wenn die Gefahr von Liegendgasausbrüchen besteht, sind Maßnahmen nach 5 durchzuführen.

4.4 Sonstige Gasausbrüche

4.4.1 Auftreten sonstiger Gasausbrüche

Allgemein können große Gasmengen plötzlich freigesetzt werden, wenn

- sich durch geologische und/oder betriebliche Einflüsse (Störungen, Klüfte, aufgegebene Grubenbaue,
   Bruchfeld von Abbauen) große Gasmengen angesammelt haben, die durch kurzzeitige Vorgänge
   (Rißbildung, Bruchvorgänge, Druckveränderungen, Bohrungen) aufgeschlossen werden,
- große Kohlenmengen (z.B. durch Schwerkrafteinwirkungen, Entspannungsvorgänge) freigesetzt
   werden und schnell zur Gasabgabe gelangen.

Dabei besteht die Möglichkeit folgender Zusammenhänge:

Hohlräume sind im geologischen Ablauf durch tektonische Beanspruchung (z.B. Klüfte), durch
den Abbau (z. B. Webersche Hohlräume) oder durch Auffahren und Abwerfen von Grubenbauen
entstanden. In diese Hohlräume ist Gas eingedrungen.

Durch Spannungsverlagerungen im Gebirge (z. B. Setzen des Haupthangenden) erhalten die Hohlräume
Verbindung mit den offenen Grubenbauen, in die das unter Druck gespeicherte Gas einströmt.

Wenn die Gefahr von sonstigen Gasausbrüchen besteht, sind Maßnahmen nach 5 durchzuführen.

4.4.2 Erkennen der Gasausbruchsgefahr

Das Erkennen einer Gasausbruchsgefahr ist oft wegen des Zusammenwirkens verschiedener Faktoren
(Schwerkraft, Gebirgsdruck, Spannungsverlagerungen, Gasdruck) problematisch.

Voraussetzung ist zum einen die genaue Kenntnis der geologischen; tektonischen und ausgasungstechnischen
(Gasinhalt, Desorptionskennwerte) Eigenschaften des Bauflözes und der unmittelbaren Begleitschichten,
zum anderen eine intensive CH4-Überwachung und Auswertung.

Bereiche möglicher Gebirgsschlaggefahr können bei desorbierbaren Gasinhalten > 0 m3/t die Gefahr
des plötzlichen Freiwerdens großer Grubengasmengen beinhalten.

5 Maßnahmen zum Beseitigen der Gasausbruchsgefahr

5.1 Gasausbrüche mit Auswurf von Kohle

5.1.1 Planerische Maßnahmen

Bei der Planung der Grubenbaue und des Betriebszuschnittes ist zu prüfen, ob Voraussetzungen für
Gasausbrüche gegeben sein können.

Durch Schutzflözabbau kann der desorbierbare Gasinhalt in einem gasausbruchsgefährlichen Flöz über
große Flächen herabgesetzt werden. Der Schutzflözabbau muß überall dort durchgeführt werden, wo
im Rahmen einer sicherheitlich notwendigen und nach den Zuschnittsgegebenheiten möglichen Baufolge
ein als gasausbruchsgefährlich geltendes Flöz durch Unter- oder Überbauung so entgast werden kann,
daß die Gasausbruchsgefahr beseitigt oder erheblich gemindert wird.

Streckenauffahrungen in einem durchweg gasausbruchsgefährlichen Flöz sind in einen durch
Schutzflözabbau unter- oder überbauten Bereich zu legen, andernfalls sind die Grubenbaue im Gestein
aufzufahren.

Durch Vorabsaugung im Vorfeld eines Abbaus mit flächendeckenden Bohrungen kann in Einzelfällen
eine wirksame Verringerung des Gasinhalts im Bauflöz erreicht werden, sofern das Flöz eine
ausreichende Permeabilität besitzt. Die Vorabsaugung muß in den Flözen durchgeführt werden,
in denen dadurch die Gasausbruchsgefahr beseitigt oder erheblich gemindert werden kann.

In Abbaubetrieben mit Gasausbruchsverdacht, in denen Entspannungsbohrungen aus dem Streb
wegen zu geringer Flözmächtigkeit betriebstechnisch nicht durchführbar sind, ist sicherzustellen,
daß das Abbauvorfeld durch Bohrungen flächendeckend sicher entspannt werden kann.

Streckenauffahrungen sollen so geplant werden, daß Bereiche mit erhöhten Zusatzspannungen
gemieden oder - wenn nicht anders möglich - auf dem kürzesten Wege durchfahren werden.
Das gilt insbesondere für die Örter vorgesetzter Abbaustrecken.

Tektonische Störungen können dazu zwingen, einen Sicherheitsabstand von mindestens 10 m
einzuhalten. In Bereichen mit erhöhten Zusatzspannungen dürfen tektonische Störungen nur mit
besonderen, im Einzelfall festzulegenden Sicherheitsvorkehrungen durchfahren werden.

Geneigte Grubenbaue sind möglichst abfallend aufzufahren, da die am Kohlenstoß wirksame
Schwerkraftkomponente die Auslösung und den Umfang von Gas/Kohlen-Ausbrüchen beeinflussen
kann. Störungsdurchfahrungen mit ansteigenden Grubenbauen sind möglichst zu vermeiden.

Wenn nicht ohnehin Maßnahmen zum Beseitigen einer Gasausbruchsgefahr erforderlich sind, so
sind diese zumindest beim Annähern an Zonen mit erhöhten Zusatzspannungen und an tektonische
Störungen durchzuführen.

Überhöhten und ungleichmäßigen Gebirgsspannungen im stoßnahen Bereich, die zu Gasausbrüchen
führen können, kann durch Verringerung der Verhiebs- oder Vortriebsgeschwindigkeit, durch
schälende Kohlengewinnung und durch Anwendung von Bruchbau entgegengewirkt werden.

5.1.2 Entspannungsbohrungen

Bei Auffahrungen mit anstehender Kohle, z.B. in Flözstrecken, Aufoder Abhauen, sind im
Vortriebsbereich Entspannungsbohrungen so anzuordnen, daß die Kohlenstöße bei jedem
Auffahrungsstand auf mindestens 5 m Tiefe um die Grubenbaue durchbohrt sind und der Abstand
vom Bohrlochtiefsten einer Bohrung bis zur nächsten Bohrung höchstens 3 bis 5 m beträgt.

Wenn beim Vortrieb im Gestein mit einer Annäherung an ausbruchsgefährliche Kohle zu rechnen ist,
sind Entspannungsbohrungen mindestens 5 m über die beabsichtigte Abschlaglänge hinaus auf die
Kohle hin und gegebenenfalls in diese hinein herzustellen.

In Streben sind die Entspannungsbohrungen im Abstand von höchstens 3 bis 5 m voneinander und
von den Ubergängen Streb-Strecke senkrecht zum Strebstoß so herzustellen, daß sie jederzeit
mindestens 5 m tief im Strebstoß stehen.

In Bereichen mit tektonischen Störungen sind die Bohrungen mindestens 10 m über den jeweiligen
Auffahrungs- bzw. Gewinnungsstand hinaus vorzuhalten.

Entspannungsbohrungen müssen vom spannungsärmeren Bereich in den spannungsreicheren Bereich
geführt werden. Dabei dürfen erforderliche Bohrungen nicht übersprungen werden. Aufgegebene
Bohrungen (Verklemmen, Gestängebruch) sind ohne Richtungsänderung erneut anzusetzen und
bis zur vorgesehenen Endlänge zu bohren. Entspannungsbohrungen im Vorteld des Strebs sollen
sich nicht überschneiden.

Der Abstand der Ortsbrust von der Zone mit erhöhtem Bohrkleinanfall muß mindestens A + 5 m
(A = Abschlaglänge) betragen, andernfalls sind zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen
(z. B. Verspannen der Ortsbrust) für die Weiterauffahrung festzulegen.

Die Bohrungen müssen 95 bis 140 mm Nennweite haben und mit Kohlendrehbohrgestänge von
mindestens 90 mm Wendel-Außendurchmesser hergestellt werden. Entsprechend hergestellte
Erkundungsbohrungen können auch als Entspannungsbohrungen gewertet werden.

Die Bohrungen sind trocken herzustellen. Abweichend hiervon ist Bohren mit Wasser zulässig,
wenn auch dabei durch geeignete Einrichtungen die Bohrkleinmenge festgestellt werden kann.

Wenn ein Ausblasen von Gas mit Kohlenstaub aus dem Bohrloch zu verzeichnen ist oder
ein erhöhter Bohrkleinanfall und andere Anzeichen auftreten (s. 4.1.8), sind in einem geeigneten
Abstand weitere Bohrungen der genannten Art herzustellen, bis diese Erscheinungen nicht
mehr auftreten. Die ermittelten Desorptionskennwerte (u.a. V30-Wert) geben Aufschluß
über die Wirkung der Entspannungsbohrungen.

Die Einzelheiten der Entspannungsbohrungen sind in Bohrprogrammen einschließlich
Bohrschemata festzulegen.

Während des Bohrens ist der Methanzustrom durch ortsfeste schreibende
CH4-Meßeinrichtungen zu erfassen.

Die Ergebnisse der Bohrungen sind mit Angaben entsprechend 4.1.7 in einem Bohrprotokoll
und Bohrgrundriß schriftlich festzuhalten und arbeitstäglich nachzutragen. Zusätzlich können
in dem Bohrgrundriß Ausgasungs- und Bohrkleingradienten sowie das Verhältnis zwischen
Methanzustrom und Bohrkleinanfall angegeben werden.

Die beiden letzten Absätze in 4.1.7 gelten für Entspannungsbohrungen entsprechend.

5.1.3 Schutzmaßnahmen

Durch Gasausbrüche gefährdete Personen sind gegen mechanische Auswirkungen, gegen
Erstickungsgefahr und gegen Explosionsgefahr zu schützen. Die Schutzmaßnahmen sind nicht
nur bei erkannter Gasausbruchsgefahr, sondern - auf den Einzelfall abgestimmt - auch bei
einem Gasausbruchsverdacht zu treffen.

5.1.3.1 Allgemeine Schutzmaßnahmen

Gegen mechanische Auswirkungen können Personen, z.B. durch Verspannen des Kohlenstoßes,
Schutzstände, Schutzschilde, geschützt werden. Bei Betriebsvorgängen, bei denen der
Kohlenstoß erschüttert werden kann (z.B. Gewinnung, Tränken), muß ein Sicherheitsabstand
eingehalten werden; Abbauhammerarbeit am Kohlenstoß ist unzulässig. Erforderlichenfalls
dürfen sich während der Gewinnung und einer anschließenden Wartezeit im Bereich der
Gewinnungsmittel einschließlich eines auf der Einziehseite festgelegten ausreichenden
Sicherheitsabstandes und ausziehseitig davon im Streb keine Personen befinden
(z. B. mannlose Gewinnung).

Gegen Erstickungsgefahren können Personen durch Druckluft-Notatemluftspender geschützt
werden. In den Grubenbauen, in denen infolge eines Gasausbruches Sauerstoffmangel auftreten
kann, müssen in ausreichendem Umfang Druckluft-Notatemluftspender leicht erreichbar und
auffällig gekennzeichnet angebracht sein; diese sind im Bereich der Arbeitsplätze (im Streb
im Abstand von höchstens 15 m) und auf den Fluchtwegen (am Fahrweg im Abstand von
höchstens 50 m) anzuordnen, und zwar in Richtung des Wetterstromes beginnend hinter der
ersten möglichen Gasausbruchsstelle bis zu einer Auffrischung der Abwetter, die wieder eine
ausreichende Sauerstoffzufuhr erwarten läßt. Die Fluchtwege sollen von der Ausziehseite des
gasausbruchsgefährdeten Bereichs möglichst kurz in den einziehenden Wetterstrom führen.

Die Belegschaft sollte möglichst mit Sauerstoff-Selbstrettern, die mit hoher Gebrauchs-
bereitschaft ständig getragen werden können, ausgerüstet sein. Durch sofortige
Sauerstoffzufuhr soll sichergestellt werden, daß betroffene Personen den nächsten
Druckluft-Notatemluftspender oder einen Schutzstand mit Sauerstoffversorgung erreichen
können.

Explosionsgefahren können durch Wetterüberwachung rechtzeitig erkannt und durch
Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen Anlagen bei Erreichen des Grenzwertes
für den zulässigen CH4-Gehalt vermindert werden. Hinsichtlich des Einsatzes und der
Überwachungsziele ortsfester schreibender CH4- und Wettergeschwindigkeitsmeß-
einrichtungen, der Handhabung der Meßdatenerfassung und Meßdatenauswertung
sowie der Auslösung von Warnsignalen und Abschaltbefehlen gilt 4.1.3 entsprechend.

Der Abwetterstrom ist möglichst nahe dem gasausbruchsgefährdeten Bereich durch
ortsfeste schreibende CH4-Meßeinrichtungen zu überwachen. Die Anordnung der
CH4-Meßeinrichtungen und die Schaltfolge müssen auch unter Berücksichtigung eines
möglichen Gasrückstaus sicherstellen, daß die nichteigensicheren elektrischen Anlagen
rechtzeitig vor Eintreffen zündfähiger Gasgemische selbsttätig und unverzögert abgeschaltet
werden. Lüfter für die Sonderbewetterung von Grubenbauen sind im Frischwetterstrom
so anzuordnen, daß sie von einem möglichen Gasrückstau nicht erfaßt und daher auch
nach einem Gasausbruch weiterbetrieben werden können.

Sofern große Grubengasmengen durch Gebirgsschläge freigesetzt werden können, dürfen
Erschütterungsgeber anstelle der CH4-Meßeinrichtungen eingesetzt werden, wenn sie die
elektrischen Anlagen mit mindestens gleicher Sicherheit abschalten.

Wo das selbsttätige Abschalten wegen der meßtechnischen Verzögerung nicht möglich ist,
z. B. im Ortsbereich oder im Bereich der Antriebsstationen von Strebfördermitteln und
Gewinnungsmaschinen, sind an geeigneter Stelle Nothauptschalter einzurichten; diese müssen
während der Belegung der Betriebe ständig durch besonders beauftragte erfahrene Personen
besetzt sein, durch die bei auf einen Gasausbruch hindeutenden Erscheinungen (z. B. knatternde
Geräusche, Luftdruckstoß) eine rechtzeitige Abschaltung von Hand sichergestellt sein muß.
Sofern wegen der Anordnung der elektrischen Anlagen auch eine rechtzeitige Abschaltung
von Hand nicht möglich ist, müssen die elektrischen Anlagen in Abhängigkeit von den
Betriebsvorgängen, die einen Gasausbruch auslösen können, schon vor Beginn des
Betriebsvorganges abgeschaltet sein (z.B. Strebbeleuchtung).

Zur Warnung der Belegschaft in den Grubenbauen, in denen bei einem Gasausbruch sauerstoffarme
oder explosionsgefährliche Gaskonzentrationen zu erwarten sind, müssen eigensichere Lautsprecher
oder entsprechend geeignete Maßnahmen so vorgesehen sein, daß alle in diesen Grubenbauen
anwesenden Personen umgehend benachrichtigt werden können.

5.1.3.2 Schutzmaßnahmen beim Bohren

Soweit beim Bohren Kohlen- oder Gesteinsauswurf zu befürchten ist, z.B. bei Entspannungs-
bohrungen, muß die Bohrmaschine fest verspannt sein, und es ist mit Fernbedienung zu bohren.
In Vortrieben muß um den Bohrlochansatzpunkt ein Sicherheitsabstand von mindestens 40 m,
in Streben von mindestens 30 m eingehalten werden. Die Bohrbelegschaft ist erforderlichenfalls
zusätzlich durch Verspannen des Stoßes, Schutzschilde, Schutzstände, Druckkabinen oder
dergleichen gegen eine Gefährdung durch das Ausbruchsmaterial zu schützen.

Die Anzeige des CH4-Meßwertgebers im Ortsbereich soll zusätzlich auch am Steuerstand der
Bohrmaschine angeordnet werden.

Soweit während der Bohrungen ein plötzliches Auftreten sauerstoffarmer oder explosions-
gefährlicher Gaskonzentrationen im freien Querschnitt der Grubenbaue zu befürchten ist,
z.B. bei Entspannungsbohrungen, dürfen in den betreffenden Grubenbauen nur die zum
Bohren benötigten Personen anwesend sein. Für diese Personen müssen Druckluft-
Notatemluftspender an Ort und Stelle verfügbar sein, und sie sollen mit Sauerstoff-Selbstrettern
ausgerüstet sein. An mehr als einer Stelle dürfen gleichzeitig Entspannungsbohrungen (s. 5.1.2)
nur hergestellt werden, wenn der Abstand zwischen den Bohrstellen wenigstens 60 m beträgt
und zwischen ihnen eine Sprechverständigung (eigensichere Telefon- oder Lautsprecheranlage)
eingerichtet ist. Mit dieser haben sich die Bohrkolonnen über die Bohrvorgänge abzustimmen
und über Gasaustritte gegenseitig zu unterrichten. Andere offene Grubenbaue im Einwirkungs-
bereich von Entspannungsbohrungen sind vor Beginn des Bohrens zu räumen und zu sperren.

Beim Trockenbohren ist darauf zu achten, daß nicht Gefahren von Gaszündungen im Bohrloch
durch Reibungswärme entstehen. Die Bohrungen dürfen daher nur mit betriebssicherem
Bohrgestänge hergestellt werden.

Bei Gasabsaugebohrungen (siehe 5.3 und 5.4) müssen Einrichtungen zum Bohren unter hohem
Gasdruck bei gleichzeitigem Absaugen des Gases mit ausreichender Absaugekapazität verfügbar
und entsprechend den Erfordernissen angeschlossen sein.

Wenn unter Voraussetzungen gebohrt wird, bei denen die Auslösung eines Gasausbruchs nicht
ausgeschlossen werden kann (z.B. gleicher Durchmesser wie bei Entspannungsbohrungen),
dann sind spätestens bei den Anzeichen nach 4.1.8 dieselben Schutzmaßnahmen zu treffen
wie bei Entspannungsbohrungen.

5.1.3.3 Schutzmaßnahmen beim Sprengen

In den Grubenbauen, in denen infolge des Sprengens ein plötzliches Auftreten sauerstoffarmer
oder explosionsgefährlicher Gasgemische im freien Querschnitt der Grubenbaue zu befürchten ist,
dürfen sich keine Personen befinden.

Die Sprengladungen sind von einer ungefährdeten Stelle im Einziehstrom oder - bei großer
Entfernung des Ortes vom durchgehenden Wetterstrom - von einer Überdruckkammer aus zu
zünden. Die Grubenbaue dürfen frühestens 30 Minuten nach dem Zünden wieder betreten werden.

Wenn in Gesteinsvortrieben bei Annäherung an Störungen mit dem plötzlichen Freiwerden von
CH4-Zuströmen aus der Störung (z.B. Kluftgas) zu rechnen ist, sind Wettersprengstoffe anstelle
von Gesteinsprengstoffen zu verwenden.

5.1.3.4 Schutzmaßnahmen für elektrische Anlagen

Sofern in gasausbruchsgefährdeten oder -verdächtigen Grubenbauen und in deren Abwetterstrom
auf den Einsatz elektrischer Anlagen nicht verzichtet werden kann, sind die Sicherheits-
vorkehrungen zu treffen, die für Betriebe mit einer Ausnahmegenehmigung bis zu einem
Grubengasgehalt von 1,5% in den Wettern gelten.

Beim Bohren und beim Sprengen in Vortrieben müssen die elektrischen Anlagen zumindest im
sonderbewetterten Bereich der Grubenbaue abgeschaltet sein, in deren freiem Querschnitt bei
diesen Vorgängen ein plötzliches Auftreten explosionsgefährlicher Gaskonzentrationen zu
befürchten ist. Hiervon bleiben elektrische Betriebsmittel und eigensichere elektrische Anlagen
der Gerätegruppe I, Kategorie M 1, ausgenommen 2).

Andere eigensichere elektrische Anlagen (Leuchten, Fernsehanlagen, Lautsprecher,
Warnanlagen), die an ein nichteigensicheres Netz oder eine nichteigensichere Stromquelle
angeschlossen sind, dürfen während des Bohrens verwendet werden, wenn sichergestellt ist,
daß diese Anlagen nicht nur durch ortsfeste CH4-MeBeinrichtungen, sondern auch durch
z.B. am Bohrsteuerstand angeordnete Nothauptschalter bei einem Gasausbruch sofort
abgeschaltet werden.

Der Betrieb von Druckluftleuchten ist bei diesen Vorgängen nicht zulässig. Leuchten mit
nichteigensicherer Stromquelle (Mannschaftsleuchten) müssen "am Mann" getragen werden.

Anstelle der elektrischen Sonderbewetterungs-Lüfter, die mit abgeschaltet werden, müssen
druckluftbetriebene Lüfter sofort in Ganggesetzt werden können (z. B. Kombilüfter).

Die elektrischen Anlagen dürfen nur auf Weisung der zuständigen verantwortlichen Personen
wiedereingeschaltet werden, wenn festgestellt ist, daß das Einschalten gefahrlos geschehen kann.

5.2 Gasausbrüche mit Auswurf von Gestein

Gas/Gesteins-Ausbrüche lassen sich nach den bisherigen Kenntnissen in den meisten Fällen
durch Sprengungen gezielt auslösen oder unter Umständen durch Abbau eines Schutzflözes
vermeiden. In Bereichen, in denen Gas/Gesteins-Ausbrüche zu erwarten sind, soll das
Gestein unter Anwendung von Sprengarbeit hereingewonnen werden. Einer Ausdehnung
über den planmäßigen Querschnitt hinaus kann durch besondere Maßnahmen, z. B. durch
Sprengungen eines kleinen Einbruchs (Brennereinbruch) entgegengewirkt werden.

Beim Vortrieb von Flöz- und Abbaustrecken unter einer gasausbruchsverdächtigen
Sandsteinschicht sollte der Sandstein nicht angerissen werden. Handelt es sich um eine
dem Streb vorgesetzte Abbaustrecke, muß der Abstand der Ortsbrust vom Streb mindestens
30 m betragen.

Die Schutzmaßnahmen für den Fall von Gasausbrüchen nach 5.1.3 sind sinngemäß anzuwenden.

5.3 Liegendgasausbrüche

Zur Beseitigung der Gasausbruchsgefahr sind Gasabsaugebohrungen bis in die gasführenden
Schichten des Liegenden herzustellen. Der Abstand der Bohrungen untereinander und vom
Streb sowie die Bohrrichtung sind von den örtlichen Verhältnissen und den Ergebnissen
abhängig und richten sich nach dem jeweiligen Stand der Technik 3).

Die Gasabsaugebohrungen sind in der Regel in den ein- und ausziehenden Abbaustrecken
herzustellen. Gasdruck und Gaszustrom der Bohrlöcher sind auf außergewöhnliche
Veränderungen zu überwachen. Aufgrund der Überwachungsergebnisse ist zu prüfen, ob
zusätzliche Bohrungen erforderlich sind.

Als weitere Maßnahme kann die Verringerung der Verhiebsgeschwindigkeit hilfreich sein.

Die Schutzmaßnahmen für den Fall von Gasausbrüchen nach 5.1.3 sind sinngemäß anzuwenden.

5.4 Sonstige Gasausbrüche

Sofern unter den Voraussetzungen nach 4.4.2 gasführende Bereiche vorhanden sind, ist
das Gas durch gezieltes und rechtzeitiges Absaugen zu lösen. Erforderlichenfalls sind
Vortriebs- oder Verhiebsgeschwindigkeit zu verringern und Maßnahmen zur Vermeidung
der Gefahr des Freiwerdens großer Grubengasmengen durch Schwerkrafteinwirkungen
beim Durchfahren tektonischer Störungsbereiche oder beim Anfahren von Flözen aus
dem Flözliegenden heraus durchzuführen 4).

Die Schutzmaßnahmen für den Fall von Gasausbrüchen nach 5.1.3 sind sinngemäß anzuwenden.

6 Sonstiges

6.1 Beteiligung einer benannten Fachstelle

Eine benannte Fachstelle ist zu beteiligen,

- wenn aus betrieblichen Gründen keine V30-Bestimmungen vorgenommen werden können (s. 4.1.4),
- bei der Prüfung, ob und in welchem Umfang Maßnahmen zur Beseitigung der Gasausbruchsgefahr
  durchzuführen sind (s. 4.1.8),
- bei der Festlegung anderer Grenzwerte für die Desorptionskennwerte (s. 4.1.8).

Eine benannte Fachstelle soll beteiligt werden

- zur Bestimmung von QV30-Werten bei Auffahrungen mit Vortriebsmaschinen,
- bei der Festlegung der Einzelheiten der Erkundungsbohrprogramme einschl. Bohrschemata (s. 4.1.7)
   sowie der Entspannungsbohrprogramme einschl. Bohrschemata (s. 5.1.2),
- bei der Festlegung von Sicherheitsvorkehrungen für das Durchfahren von tektonischen Störungen
   in Bereichen mit erhöhten Zusatzspannungen (s. 5.1.1),
- bei der Festlegung von Sicherheitsvorkehrungen, wenn der Abstand der Ortsbrust von der Zone mit
  erhöhtem Bohrkleinanfall A + 5 m unterschreitet (s. 5.1.2),
- bei Verzicht auf Schutzmaßnahmen, solange keine Gasausbruchsgefahr vorliegt (s. 5.1.3),
- bei Entscheidungen über die Notwendigkeit zusätzlicher Gasabsaugebohrlöcher (s. 5.3),
- in allen Fällen, in denen Zweifel über die erforderlichen Maßnahmen bestehen.

6.2 Gasausbruchsbeauftragter

Wenn Maßnahmen zum Erkennen oder Beseitigen einer Gasausbruchsgefahr erforderlich sind,
muß eine fachkundige verantwortliche Person als Beauftragter für diese Maßnahmen bestellt werden.
Der beantragte muß die Werksleitung bei der Planung und Überwachung der Maßnahmen unterstützen.
Ist eine Gasausbruchsgefahr erkannt, so soll der Beauftragte mit anderen Aufgaben nicht betraut werden.

Beauftragte für Maßnahmen zum Erkennen und Beseitigen einer Gasausbruchsgefahr sind durch eine
benannte Fachstelle auszubilden und jährlich nachzuunterweisen.

6.3 Dokumentation

Die Unterlagen zum Erkennen und Beseitigen von Gefahren durch Gasausbrüche sollen mindestens
6 Monate nach Beendigung des Abbaus bzw. der Auffahrung aufbewahrt werden.

Hierzu gehören insbesondere die Lage und Ergebnisse der Gasinhaltsbestimmungen, der Desorptions-
kennwerte und der Erkundungs- und Entspannungsbohrungen.

6.4 Benachrichtigung des Bergamts

Außer Gasausbrüchen sind Erscheinungen, die auf einen Gasausbruchsverdacht oder eine Gebirgs-
schlaggefahr hinweisen, dem Bergamt nach § 74 Abs. 3 BBergG anzuzeigen. Dieses ist auch stets zu
benachrichtigen, wenn Voraussetzungen vorliegen, nach denen eine benannte Fachstelle zu beteiligen ist.


1) Betriebsempfehlungen des Steinkohlenbergbaus, Heft 26, Ausgabe Juli 1987.

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2) Richtlinie 94/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. 3. 1994
    zur Angleichung der Rechtsvorschriften für Geräte und Schutzsysteme zur
    bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen.

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3) S. Gasabsauge-Richtlinien vom 26. 4. 1985.

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4) s. Betriebsempfehlungen für den Steinkohlenbergbau Nr. 39.

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Anlage 1


Beurteilung zur Erfassung des CH4-Zustroms
(siehe 4.1.3)

I.

Angaben zum Betriebspunkt

 

a)

Bergwerk

_____________

b)

Baufeld

_____________

c)

Abteilung

_____________

d)

Bauhöhe

_____________

e)

Betriebspunktbezeichnung

_____________

f)

Flözbezeichnung (EB/ZB)

_____________

g)

Fördermenge in tv.F/d

_____________

h)

Bewetterungsform (z. B. U-, Y-, künstl. Y-, Z-, H-, W- Bewetterung)

_____________

i)

Abwettermenge im Abbau (einschl. Auffrischungsstrom) in m3/s

_____________

j)

Vortriebsart (Sprengen, Vortriebsmaschine)

_____________

k)

Bewetterungsart (blasend, saugend, zusammengesetzt)

_____________

l)

Wettermenge in der Sonderbewetterung in m3/s

_____________

m)

Wettermenge im durchgehenden Wetterstrom in m3/s

_____________

n)

Geringster Überbauungsabstand in m

_____________

o)

Geringster Unterbauungsabstand in m

_____________

p)

Desorb. Methaninhalt in m3/t

_____________

q)

Methanzustrom gesamt in m3/s

_____________

r)

Art der Gasabsaugung (z. B. Hgd.-, Lgd.-, Hgd./Lgd. Gasabsaugung, Vorabsaugung)

_____________

s)

CH4-Gehalt der Abwetter (Vorausberechnung/Nachkalkulation) in %

_____________

 

 

 

II.

Fragen zum Ausgasungsverhalten

 

1.

Ist im selben Flöz unter gleichwertigen geologischen und betrieblichen Voraussetzungen im selben Baufeld ein Gasausbruch bereits aufgetreten?

 

 

Gas/Kohlen-Ausbruch  

 ja/nein

 

Gas/Gesteins-Ausbruch

 ja/nein

 

Liegendgasausbruch

 ja/nein

 

Sonstiger Gasausbruch

 ja/nein

2.

Ist der desorbierbare Gasinhalt des Flözes größer als 9 m3/t oder ist der desorbierbare Gasinhalt des Flözes größer als 5.5 m3/t und sind besondere Gebirgsbeanspruchungen (siehe 4.1.5) zu erwarten?

 ja/nein

3.

Sind im selben Baufeld Ausgasungsanomalien aufgetreten bzw. wurde Kohle mit folgenden Desorptionskennwerten (V30 > 40%, kt > 0,75, q0-1 > 2,3) festgestellt?

ja/nein

4.

Sind Voraussetzungen für eine mögliche Gebirgsschlaggefahr bei desorbierbaren Gasinhalten im Flöz von mehr als 0 m3/t gegeben?

ja/nein

5.

Ist das Anfahren tektonischer Störungen mit größerer Ausgasung zu erwarten?

ja/nein

6.

Ist mit Blockierung der Ausgasung (z. B. in der Anlaufphase des Betriebes aus dem Hangenden oder Liegenden) zu rechnen?

ja/nein

7.

Ist beim Anfahren geologischer Störungen oder alter Grubenbaue mit plötzlichem Freiwerden großer Grubengasmengen zu rechnen?

ja/nein

Wird eine der vorstehenden Fragen mit "ja" beantwortet, so ist nach 4.1.3 der CH4-Zustrom zu erfassen.


Datum _____________________ _________________________________

                                                             Unterschrift des Wetteringenieurs



Anlage 2

Ermittlung der Desorptionskennwerte kt und q 0-1


t-Wert

Der Desorptionskennwert kt gibt Hinweise auf die Methanabgabegeschwindigkeit einer Kohlenprobe.

Der kt-Wert ist eine dimensionslose Zahl. Er ist der Tangens des Neigungswinkels einer Geraden,
die den Zeitablauf des Methandesorptionsstromes in einem doppelt logarithmischen
Koordinatensystem wie folgt darstellt:



kt = tgalpha = (log va-log vb) / (log tb- log ta)

 

va -auf eine Tonne Kohle bezogener Methandesorptionsstrom zum Zeitpunkt ta

vb -auf eine Tonne Kohle bezogener Methandesorptionsstrom zum Zeitpunkt tb

ta, tb -Zeitpunkt a und b während des Methandesorptionszeitraumes

Der kt-Wert kann entweder direkt aus dem Flözstoß vor Ort oder bei vorentgasten Kohlenproben nach
Adsorption von Methan im Labor mit Hilfe eines Kondensatorschranken-Desorbometers bestimmt
werden.

Beim Erbohren von Kohlenproben aus dem Flözstoß wird das Bohrklein zunächst in einen Probebehälter
gesaugt. Das Probegut wird dann auf die zu untersuchende Korngröße abgesiebt, in die Meßzelle des
o.g. Desorbometers gefüllt, an das Gerät angeschlossen und der Methandesorptionsstrom in Abhängigkeit
von der Desorptionszeit gemessen und daraus der kt-Wert errechnet.

q0-1-Wert

Der Desorptionskennwert q0-1 gibt Hinweise auf die Methanabgabegeschwindigkeit einer Kohlenprobe
und berücksichtigt dabei die Höhe des desorbierbaren Gasinhalts.

Der q0-1-Wert hat die Einheit m3/t. Er ist der Anteil des desorbierbaren Gasinhalts, der in der ersten
Minute nach der Entspannung aus dem Sorptionsgleichgewichtsdruck freigesetzt wird. Er wird nach
folgender Formel ermittelt:

q0-1 = v1 / ((1-kt) . 103)) [m3/t]

Der q0-1-Wert kann nur direkt an frischen Kohlenproben aus dem Flözstoß mit Hilfe des
Kondensatorschranken-Desorbometers bestimmt werden. Die Entnahme der Kohlenproben erfolgt in
gleicher Weise wie bei der Bestimmung des kt-Wertes.



Anlage 3




Anlage 4.1

Beispiel eines Bohrgrundrisses für den Streckenvortrieb



Anlage 4.2

Beispiel eines Bohrgrundrisses für einen Streb



23.02.1999

18.7-1999-1

Tödlicher Unfall durch matte Wetter in
einem sonderbewetterten Blindschachtkopf


A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Tödlicher Unfall durch matte Wetter im sonderbewetterten Bereich eines Blindschachtkopfes

Am 27. 11. 1998 verunglückte auf einem Steinkohlenbergwerk des Bezirks ein Schachthauer bei
der Befahrung eines Blindschachtkopfes infolge sauerstoffarmer Wetter tödlich. Die matten Wetter
wurden durch Grubengaszuströme aus abgedämmten Grubenbauen und Ausfall der Sonder-
bewetterung verursacht.

Zur künftigen Vermeidung ähnlicher Unfälle (siehe auch Sammelblatt M 1 vom 25. 1. 1988)
für nicht in Auffahrung befindliche, sonderbewetterte Grubenbaue, in denen bei Ausfall der
Sonderbewetterung Gefahren durch matte Wetter auftreten können, bitte ich folgende Maßnahmen
zu veranlassen:

- Der Wetterstrom im Ortsbereich ist auf CH4 und am Ausblasende der Sonderbewetterung auf
   die erforderliche Mindestwettermenge zu überwachen.

- Die Meßwerte der Meßeinrichtungen müssen registriert werden und bei Erreichen der festzu-
   legenden Grenzwerte akustische und optische Warnsignale an einer ständig besetzten Stelle
   (z.B. Sicherheitswarte) auslösen.

- Der Lüfter der Sonderbewetterung ist so zu gestalten oder anzuordnen, daß eine Beeinträchtigung
   in der Wahrnehmung von Signalen und Verständigungsdurchsagen verhindert wird.

- Der Einsatz eines Kombilüfters mit automatischer Umschaltung auf Druckluftbetrieb bei Ausfall
  der elektrischen Energieversorgung wird empfohlen.

Auf Gefahren durch matte Wetter bei der Befahrung von Schachtsümpfen wird hingewiesen.
Auch hier sollen - je nach Gefahreneinschätzung - entsprechende Maßnahmen (z.B. Mitführen
von CO2-Handmeßgeräten und Sauerstoffmeßgeräten) festgelegt werden.

Dortmund, den 23. 02. 1999

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



 19.05.2000

18.31.3-1-12

Sonderbewetterungs-Richtlinien

A 2.18

An die Bergämter des Landes NRW (außer Bergamt Düren)

Betreff: Errichtung, Betrieb und Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen in Grubenbauen
            des Steinkohlenbergbaus

Hiermit wird die Neufassung der Richtlinien des Landesoberbergamts NRW über die Errichtung,
den Betrieb und die Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen in Grubenbauen des
Steinkohlenbergbaus (Sonderbewetterungs-Richtlinien) bekanntgemacht.

Ich bitte, diese Richtlinien bei zukünftigen Betriebsplanzulassungen entsprechend der Bestimmung
des § 55 Abs. 1 Nr. 3 BBergG zur Geltung zu bringen. Sonderbewetterungsverfahren, die wiederholt
zur Anwendung kommen sollen, können allgemein zugelassen werden, sofern jedes Verfahren eine
eindeutige Festlegung erhält, auf die in späteren Betriebsplänen Bezug genommen wird.

Bei der Bearbeitung von Betriebsplänen, die auch Sonderbewetterungsanlagen oder -verfahren
zum Gegenstand haben, ist erforderlichenfalls die Fachstelle für Sicherheit - Prüfstelle für
Grubenbewetterung der DMT GmbH hinzuzuziehen; das kann z. B. geboten sein bei Ermittlung
der Ausgasung, Anordnung und Überwachung der Bewetterungseinrichtungen (insbesondere in
Orts- und Überlappungsbereichen), Festlegung der Maßnahmen für den Umbau bzw. das
Verlängern von Luttenleitungen sowie für das Freispülen des Grubenbaues von unzulässigen
Gasgemischen und für die Festlegung und Abstimmung des vereinfachten Verfahrens zur
Gasinhaltsbestimmung gemäß Anlage 11 der Richtlinien.

In Bereichen, in denen bei der Auffahrung von Grubenbauen die Ausgasung mit der planmäßigen
Sonderbewetterung in Verbindung mit der Entstaubungsanlage nicht sicher beherrscht werden
kann, ist der Einsatz von Vortriebsmaschinen nicht zuzulassen.

Die Prüfungen von maschinellen Streckenvortrieben nach Abschnitt 4.3, 3. Absatz, sind durch
vom Landesoberbergamt NRW anerkannte Sachverständige, anerkannte sachverständige
Stellen oder durch die Prüfstelle für Grubenbewetterung der DMT GmbH durchführen zu lassen.
Die Prüfungen sollten erfolgen, sobald sich der Nachläuferbereich der Teilschnittmaschine im
sonderbewetterten Bereich befindet.

"Gleiche Voraussetzungen" nach Abschnitt 4.3, 3. Absatz, sind gegeben, wenn eine nach Größe,
Aufbau und Schneidgeometrie ähnliche Teilschnittmaschine eingesetzt wird, deren Sonderbewetterung
einschließlich Überwachung mit bereits geprüften Anlagen übereinstimmt und der aufzufahrende
Streckenquerschnitt um nicht mehr als 20 % von dem bei der Prüfung zugrunde liegenden Querschnitt
abweicht.

Die Rundverfügungen des Landesoberbergamts NRW vom 22.12.1980 und 19.08.1992 - 18.31.3 1 7 -
und 31.10.1994 - 18.31.3-4-8 - (beide im SBl. A 2.18) werden hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 19.05.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n

(Diese Richtlinien sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 297 bei der Verlag Glückauf GmbH,
Postfach 10 39 45, 4300 Essen 1, Tel. (0201) 172-1546 erhältlich.)



R i c h t l i n i e n

des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
für die Errichtung, den Betrieb und die Überwachung
von Sonderbewetterungsanlagen in Grubenbauen des Steinkohlenbergbaus
(Sonderbewetterungs-Richtlinien)

vom 19.5.2000

 

Inhaltsübersicht

 

 

Geltungsbereich und Begriffsbestimmung

 

 

2

Anforderungen an Sonderbewetterungs- und Überwachungseinrichtungen

2.1

Lüfter

2.2

Lutten, Speichereinrichtungen für Lutten, Schalldämpfer

2.3

Einrichtungen zur Verringerung des Wetterstromes

2.4

Luttenabzweige und -abwinklungen

2.5

Strahldüsen und sonstige Einrichtungen zur Erhöhung der Wettergeschwindigkeit

2.6

Wetterkühleinrichtungen

2.7

Entstauberanlagen

2.8

Schutz gegen elektrostatische Aufladungen

2.9

Überwachungseinrichtungen

 

 

Errichtung und Betrieb von Sonderbewetterungsanlagen

3.1

Allgemeines

3.1.1

Bemessung von Sonderbewetterungsanlagen

3.1.1.1

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten für Grubenbaue

3.1.1.2

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten in Überlappungsabschnitten

3.1.1.3

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten beim Betrieb von Entstauberanlagen

3.1.2

Anordnung von Sonderbewetterungsanlagen

3.1.2.1

Anordnung der Lüfter

3.1.2.2

Anordnung von Ausblasöffnungen zur ausreichenden Bewetterung der Ortsbrust

3.1.3

Elektrische Einrichtungen für die Sonderbewetterungsanlagen

3.1.3.1

Anordnung der elektrischen Betriebsmittel

3.1.3.2

Getrennte Schaltmöglichkeiten

3.2

Sonderbewetterungsformen

3.2.1

Grundform der Sonderbewetterung

3.2.2

Zusammengesetzte Formen der Sonderbewetterung

3.2.2.1

Parallelschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung

3.2.2.2

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung

3.2.2.3

Hauptluttenleitung und Entstauberleitung

3.2.2.4

Haupt- und Nebenluttenleitung sowie Entstauberleitung

3.2.3

Sonderformen der Sonderbewetterung

3.2.3.1

Sonderbewetterung mit Selbstzug- oder Stoßlutten

3.2.3.2

Erhöhung der Wettergeschwindigkeit mit besonderen Einrichtungen

3.2.3.3

Wetterteilkreislauf

3.2.3.4

Fremdeinspeisung mittels Sonderbewetterung

3.2.3.5

Sonderbewetterung bei Vorbohrlöchern

 

 

Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen und Schaltbereiche

4.1

Allgemeines

4.1.1

Wetterstrom-Überwachung

4.1.2

CH4-Überwachung

4.1.3

CO-Überwachung

4.1.4

Verständigungsmöglichkeiten

4.1.5

Abschaltung elektrischer Anlagen

4.1.6

Schaltbereiche

4.2

Überwachung und Schaltbereiche der Sonderbewetterungsformen

4.3

Prüfungen 

 

 

Besondere Betriebsvorgänge

5.1

Allgemeines

5.2

Verringerung des Wetterstromes

5.3

Stillstand der Sonderbewetterung

5.4

Ingangsetzen der Sonderbewetterung

5.4.1

Allgemeine Anforderungen

5.4.2

Technische Verfahren zum Ausspülen von Grubengasansammlungen in sonder-
bewetterten Grubenbauen

5.4.3

Beendigung des Ausspülvorgangs

5.5

Störungen in der wettertechnischen Überwachung

5.6

Wiederbelegung der Grubenbaue und Wiedereinschalten der elektrischen Anlagen

 

 

 

Anlagenverzeichnis 

Anlage 1:

Wetterkühleinrichtungen in einem aktiven Bypass zur Hauptluttenleitung

Anlage 2:

Blasende Sonderbewetterung

Anlage 3.1:

Parallelschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung

Anlage 3.2: 

Parallelschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombi-Lüfter)

Anlage 4.1: 

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung mit Hilfsluttenleitung

Anlage 4.2:

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombi-Lüfter) mit
Hilfsluttenleitung

Anlage 5.1: 

Hauptluttenleitung mit Luttenspeicher und Coanda-Wirbellutten sowie Entstauber-
leitung mit Sekundäraustrag

Anlage 5.2: 

Hauptluttenleitung mit Luttenspeicher sowie Entstauberleitung mit Umkehrlutte

Anlage 5.3:

Hauptluttenleitung mit Luttenspeicher sowie Entstauberleitung und Impulslüfter

Anlage 6: 

Sonderbewetterung von Vollschnittmaschinenvortrieben mit Hilfe einer Luttenweiche

Anlage 7:

Tangential ausblasende Coanda-Wirbellutte

Anlage 8.1: 

Parallelgeschaltete Haupt- und Nebenluttenleitung mit Coanda-Wirbellutten sowie
Entstauberleitung

Anlage 8.2:

Parallelgeschaltete Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombi-Lüfter) mit Coanda-
Wirbellutten sowie Entstauberleitung

Anlage 9.1:

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung mit Coanda-Wirbel-
lutten, Luttenspeicher sowie Entstauberleitung mit Umkehrlutte

Anlage 9.2:

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombi-Lüfter) mit
Coanda-Wirbellutten, Luttenspeicher sowie Entstauberleitung mit Umkehrlutte

Anlage 9.3:

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung mit Luttenspeicher,
Entstauberleitung sowie Impulslüfter

Anlage 9.4: 

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombi-Lüfter) mit
Luttenspeicher, Entstauberleitung sowie Impulslüfter

Anlage 10.1:

Einfache Fremdeinspeisung mittels durchgehender Sonderbewetterung

Anlage 10.2:

Fremdeinspeisung mittels hintereinandergeschalteter Sonderbewetterungen

Anlage 11:

Erleichterungen hinsichtlich der CH4-Überwachung in TSM-Vortrieben

Anlage 12:

Blasende Sonderbewetterung mit Hilfsluttenleitung für den Umbau des Lutten-
speichers

Anlage 13:

Ausspülen von Grubengasansammlungen mit der Vermischungszone im durch-
gehenden Wetterstrom

Anlage 14:

Ausspülen von Grubengasansammlungen mit der Vermischungszone im
sonderbewetterten Bereich

Anlage 15:

Störungen in der wettertechnischen Überwachung

Anhang:

Zeichenerklärung zu Text und Anlagen



1.

Geltungsbereich und Begriffsbestimmung

 

Diese Richtlinien gelten für die Errichtung, den Betrieb und die Überwachung
von Sonderbewetterungsanlagen in Grubenbauen des Steinkohlenbergbaus.

Sonderbewetterung ist die Bewetterung nicht durchschlägiger Grubenbaue mit
Hilfe von Lüftern und Luttenleitungen oder Selbstzug-/ Stoßlutten.

Wie Sonderbewetterungsanlagen sind Einrichtungen zur örtlichen Erhöhung der
Wettergeschwindigkeit oder für den Wetterdurchsatz von Wetterkühl- und
Entstauberanlagen zu behandeln, soweit sie Bestandteil der Sonderbewetterung sind.

 

 

2

Anforderungen an Sonderbewetterungs- und
Überwachungseinrichtungen

2.1

Lüfter

 

Die technischen Daten von Ventilatoren (Lüftern), wie Leistung und Kennfeld,
müssen bekannt sein.

Durch die Bauart der Lüfter muss sichergestellt sein, dass Zündenergie bei deren
Betrieb nicht auftreten kann.

Die Ansaugöffnungen von Lüftern müssen mit Schutzeinrichtungen versehen sein,
so dass Personen nicht gefährdet werden können.

Kombi-Lüfter dürfen im Druckluftbetrieb nur bis zu einem CH4-Gehalt von 2 % und
in sonderbewetterten Bereichen bis zu einem Wetterstrom in der Hauptluttenleitung
von ³ ½ · Volumenstrom min  betrieben werden. Kombi-Lüfter sollten mit einer automatischen
Umschalteinrichtung ausgerüstet sein.
 

2.2 

Lutten, Speichereinrichtungen für Lutten, Schalldämpfer

 

Lutten, Speichereinrichtungen für Lutten, Schalldämpfer und Verbindungselemente
müssen die im Betrieb vorkommenden Belastungen mit ausreichender Sicherheit
aufnehmen können.

Schalldämpfer müssen so gestaltet sein, dass Staubablagerungen im Inneren weitgehend
vermieden werden.

Lutten und Speichereinrichtungen für Lutten müssen strömungstechnisch so aufeinander
abgestimmt sein, dass unnötige Druckverluste vermieden werden.
 

2.3

Einrichtungen zur Verringerung des Wetterstromes

 

Sonderbewetterungsanlagen sind so zu gestalten, dass beim Anlauf des Lüfters
Beschädigungen der Luttenleitung, ggfls. durch Einsatz von Anfahrhilfen, vermieden
werden.

Anfahrhilfen sollen geeignet sein, beim Verlängern der Luttenleitung den Wetterstrom
auf die erforderliche Größe zu verringern und nach Stillstand der Sonderbewetterungs-
anlage die Strecke freispülen zu können.
 

2.4

Luttenabzweige und -abwinklungen

 

Luttenabzweige in Luttenleitungen, deren Länge sich verändert, sollten aus form-
beständigem Werkstoff bestehen und müssen mit einer Verstelleinrichtung versehen sein.
Diese muss aus formbeständigem Werkstoff bestehen und gegen unbefugte Eingriffe
gesichert sein.

Luttenabwinklungen sind so zu gestalten, dass der innere Strömungsquerschnitt nicht
wesentlich verringert wird (z. B. durch Einsatz von formbeständigen Werkstoffen).
 

2.5

Strahldüsen und sonstige Einrichtungen zur Erhöhung der Wettergeschwindigkeit

 

Die wettertechnischen Daten, Funktion und Wirkung von Strahldüsen und von sonstigen
Einrichtungen zur Erhöhung der Wettergeschwindigkeit müssen bekannt sein.
 

2.6

Wetterkühleinrichtungen

 

Wetterkühleinrichtungen müssen auf den zugeführten Wetterstrom so abgestimmt sein,
dass unnötige Druckverluste vermieden werden.

Bei Anordnung einer Wetterkühleinrichtung in einem aktiven Bypass zur Hauptluttenleitung
(siehe Anlage 1) ist folgendes zu beachten:
-  Die Ansauglutte im aktiven Bypass ist so zu gestalten, dass eine Querschnittsverringerung
   durch den vom Lüfter erzeugten Unterdruck sicher verhindert wird.
-  Die elektrische Energie des Lüfters im Bypass muss bei einer S1-Abschaltung selbsttätig
    und unverzögert 1) abgeschaltet werden.
-  Ein selbsttätig auf Druckluftbetrieb umschaltender Kombi-Lüfter kann nach einer
    S1-Abschaltung weiterbetrieben werden, solange ein Wetterstrom von ½ ·Volumenstrom min  an
    der Wetterstrommesseinrichtung W 1 in der Hauptluttenleitung nicht unterschritten wird.
-  Während der Überbrückung der Wetterstrommesseinrichtung W 1 beim Verlängern der
    Luttenleitung muss der Lüfter im aktiven Bypass abgeschaltet sein, um eine Zerstörung
    der Sonderbewetterung bei Ausfall des Lüfters der Hauptluttenleitung zu verhindern.
    Gleiches Schutzziel wird erreicht, wenn beim Ausfall des Hauptlüfters der Sonderbe-
    wetterung der Lüfter im aktiven Bypass der Sonderbewetterung selbsttätig mit abge-
    schaltet wird.
 

2.7

Entstauberanlagen

 

Zur Vermeidung von unnötigen Druckverlusten sind Entstauberanlagen so zu
dimensionieren, dass Strömungsgeschwindigkeiten von 20 m/s möglichst nicht
überschritten werden.
 

2.8

Schutz gegen elektrostatische Aufladungen

 

Bei Sonderbewetterungsanlagen und Strahldüsen muss sichergestellt sein, dass an ihnen
keine elektrostatische Aufladung möglich ist, durch deren Entladung explosionsfähige
Atmosphäre gezündet werden kann (z. B. durch elektrostatische Erdung).
 

2.9

Überwachungseinrichtungen

 

Vorrichtungen für das Überbrücken wettertechnischer Überwachungseinrichtungen müssen
so gestaltet sein, dass sie nur von befugten Personen betätigt werden können.

Wettertechnische Überwachungseinrichtungen sind so auszuführen, dass Störungen
(z. B. Beschädigung, Spannungsausfall) in den
a) Messwertgebern und zugehörigen Stromversorgungsgeräten,
b) Zusatzeinrichtungen für die Weitergabe von Abschaltbefehlen

zur selbsttätigen Abschaltung der elektrischen Anlagen führen, wenn diese selbsttätige
Abschaltung über wettertechnische Überwachungseinrichtungen nach diesen Richtlinien
gefordert wird.

Es ist anzustreben, Stromkreise für die Übertragung von Messwerten so auszuführen,
dass bei Beeinflussung, bei einem beliebigen Leitungsfehler oder bei Störung der Fern-
speisung im Empfänger der Messwert eindeutig und mit ausreichender Genauigkeit
angezeigt oder unterdrückt (Störsignal) wird.

Können Störungen an Überwachungseinrichtungen mit sicherheitlich bedenklichen
Auswirkungen verbunden sein, müssen geeignete Maßnahmen zum schnellen Erkennen
dieser Störungen getroffen sein.

 

 

3

Errichtung und Betrieb von Sonderbewetterungsanlagen

3.1

Allgemeines

 

Sonderbewetterungsanlagen sind unter Berücksichtigung der üblichen Berechnungs-
verfahren und vorliegenden Betriebserfahrungen so zu planen, dass der gesamte
sonderbewetterte Grubenbau ständig ausreichend bewettert wird.

Sonderbewetterungsanlagen sind nach dem Stand der Technik zu errichten und zu
betreiben.
 

3.1.1

Bemessung von Sonderbewetterungsanlagen

3.1.1.1

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten für Grubenbaue

 

Sonderbewetterungsanlagen sind so zu bemessen, dass in allen Bereichen von sonder-
bewetterten Grubenbauen die vorgeschriebenen Grenzen für die Wetterströme und
Wettergeschwindigkeiten sowie für die Gasgehalte der Wetter und das Klima eingehalten
werden. Der durchgehende Wetterstrom muss so bemessen sein, dass die vorstehenden
Anforderungen auch neben den Luttenleitungsabschnitten erfüllt sind, die im durchgehenden
Wetterstrom verlegt sind. Der zugeführte Gesamtwetterstrom muss mindestens aber das
1,3-fache des vom Lüfter der Sonderbewetterung entnommenen Wetterstromes betragen,
um einen Wetterteilkreislauf zu verhindern.

Soweit im Einzelfall nicht weitergehende Bestimmungen gelten, sind im größten freien
Wetterquerschnitt A w von nachstehenden Grubenbauen folgende mittlere Mindestwetter-
geschwindigkeiten wmin einzuhalten:

Vorgesetzte Abbaustrecken______________________________ 0,5 m/s
Flözstrecken_________________________________________  0,5 m/s
Abhauen, Aufhauen, Aufbrüche und Blindschachtköpfe_________   0,5 m/s
Gesenke ____________________________________________  0,3 m/s
Gesteinsstrecken und Tagesschächte_______________________    0,2m/s

Bei der Ermittlung des Mindestwetterstromes Volumenstrommin einer Sonderbewetterungsanlage sind
die mittlere Mindestwettergeschwindigkeit wmin für den zu bewetternden Grubenbau und
der größte freie Wetterquerschnitt A entweder des genannten Grubenbaus oder nur eines
Teilabschnittes dieses Grubenbaus zugrunde zu legen, je nachdem ob der Wetterstrom für
die Bewetterung über die gesamte Länge des Grubenbaus oder nur über die Länge des
Teilabschnittes maßgebend ist.

Der zur Bewetterung des Ortsbereichs als Freistrahl austretende spezifische Wetterstrom
muss mindestens 0,15 m3/s je m2 Querschnitt des Grubenbaus betragen. Durch diesen
Freistrahl muss an der Ortsbrust eine örtliche Wettergeschwindigkeit von mindestens
1,5 · wmin erzeugt werden.
 

3.1.1.2

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten in Überlappungsabschnitten

 

Überlappungsabschnitte sind diejenigen Bereiche von Grubenbauen, in denen sich
parallele Luttenleitungen überdecken.

Die Mindestwettergeschwindigkeit nach Abschnitt 3.1.1.1 muss auch in Überlappungs-
abschnitten sichergestellt sein, erforderlichenfalls unter Zuhilfenahme besonderer
Einrichtungen nach Abschnitt 3.2.3.2.

Wenn zwei Luttenleitungen zwischen ihren Ausblasenden einen Überlappungsabschnitt
ohne zusätzliche Bewetterungseinrichtungen besitzen, gilt die Mindestwettergeschwindigkeit
im Überlappungsabschnitt auch unter folgenden Voraussetzungen als gegeben:

- Bei ungehindertem Austritt der Freistrahlen aus beiden Ausblasenden darf die
   Überlappung 2 Ö A nicht überschreiten.
   Tritt der Freistrahl nur an einem Ausblasende ungehindert aus, darf die Überlappung ÖA
   nicht überschreiten.
- Der Differenzwetterstrom im Überlappungsabschnitt darf ¼ ·Volumenstrom min nicht unterschreiten.

Zur Sicherstellung ausreichender Wettergeschwindigkeiten im Überlappungsabschnitt von
parallelgeschalteter Haupt- und Nebenluttenleitung in Verbindung mit einer Entstauber-
einrichtung darf der Abstand zwischen der Ausblasöffnung der Hauptluttenleitung und der
ersten Coanda-Wirbellutte in der Nebenluttenleitung einen Abstand von 5 ÖA nicht
überschreiten.
 

3.1.1.3

Wetterströme und Wettergeschwindigkeiten beim Betrieb von Entstauberanlagen

 

Beim Betrieb der Entstauberanlage im saugend bewetterten Ortsbereich sind Mindest-
wettergeschwindigkeiten von 0,5 m/s anzustreben.

Spätestens bei Unterschreiten eines spezifischen Mindestwetterstroms von 0,4 m3/s je m2
muss der Schneidmotor der Teilschnittmaschine automatisch abgeschaltet werden. Hiervon
darf abgewichen werden, wenn
- der desorbierbare Gasinhalt der Kohle £ 0 m3/t oder
- im Entstauber ein CH4-Gehalt von 0,3 % und
- am CH4-Messgerät M 3 einen Wert von 0,5 %
nicht überschritten wird.
 

3.1.2

Anordnung von Sonderbewetterungsanlagen

 

Sonderbewetterungsanlagen müssen so ausgeführt und verlegt sein, dass sie durch
Arbeitsvorgänge, Förderung und Fahrung nicht beschädigt werden. Knicke, Stauchungen,
Einschnürungen und dergleichen sind zu vermeiden. In Aufbrüchen sind die Ausblas-
öffnungen von Luttenleitungen gegen Hineinfallen von Haufwerk zu schützen. Es ist
sicherzustellen, dass auch nach dem Sprengen der Firstbereich oberhalb der Sprengbühne
ordnungsgemäß bewettert wird.

Ansaugöffnungen von Lüftern oder Luttenleitungen sind so anzuordnen, dass Wetter mit
unzulässigen CH4-Gehalten nicht angesaugt werden.

Sonderbewetterungseinrichtungen müssen so gestaltet oder angeordnet sein, dass eine
unzulässige Lärmbelästigung am Arbeitsplatz und eine Beeinträchtigung in der Wahr-
nehmung von Signalen und Fernsprechdurchsagen verhindert werden, erforderlichenfalls
durch Schalldämpfer.
 

3.1.2.1

Anordnung der Lüfter

 

Lüfter für Sonderbewetterungsanlagen sind in durchgehend bewetterten Grubenbauen
anzubringen. Dies gilt nicht für Lüfter zur örtlichen Erhöhung der Wettergeschwindigkeit
sowie für Lüfter von Nebenluttenleitungen, Wetterkühl- und Entstauberanlagen. Der
Lüfter der Sonderbewetterungsanlage darf in einem sonderbewetterten Grubenbau,
der von einem Schacht abzweigt, bis 1,5 ÖA , aber nicht mehr als 6 m vom durchgehenden
Wetterstrom entfernt angebracht werden. Dabei muss eine ausreichende
Einspeisung von Wettern aus dem durchgehenden Wetterstrom in die
Sonderbewetterungsanlage sichergestellt sein.
 

3.1.2.2

Anordnung von Ausblasöffnungen zur ausreichenden Bewetterung der Ortsbrust

 

Die ausreichende Bewetterung der Ortsbrust wird im allgemeinen mit einem
aus einer Lutte austretenden Freistrahl bei einer Höchstentfernung der
Ausblasöffnung von der Ortsbrust von 5 ÖA erreicht, wenn

- das Ausblasende am Querschnittsumfang (Luttenachse parallel  zur Achse des
   Grubenbaus) angeordnet ist,
- bei einer Krümmung des Grubenbaus das Ausblasende an dem Stoß mit dem größeren
   Krümmungsradius angeordnet ist,
- zwischen Ausblasöffnung und Ortsbrust die Strahlausbreitung nicht wesentlich gestört wird
   (z. B. durch Einbauten oder  Betriebsmittel),
- Höhe und Breite des Grubenbaus, z. B. wie bei rechteckigen Streckenquerschnitten, nicht
   zu sehr voneinander abweichen.
 

3.1.3

Elektrisches Einrichtungen für die Sonderbewetterungsanlagen

3.1.3.1

Anordnung der elektrischen Betriebsmittel

 

Die zur Sonderbewetterung einschließlich deren Überwachung gehörenden elektrischen
Betriebsmittel müssen im durchgehenden Wetterstrom, soweit durchführbar, einziehseitig
des sonderbewetterten Grubenbaus mindestens 1,5 Öd vom Streckenabzweig entfernt
angeordnet sein. Müssen sie ausnahmsweise abwetterseitig angeordnet werden, soll ihr
Abstand bis zum Abzweig mindestens 5 Öd betragen.

Die Anordnung der zur Sonderbewetterung einschließlich deren Überwachung gehörenden
elektrischen Betriebsmittel mit Ausnahme der Kabel und Leitungen in dem Abschnitt des
durchgehend bewetterten Grubenbaus neben der Luttenleitung soll vermieden werden und
ist nur zulässig, wenn der zugeführte Gesamtwetterstrom mindestens das 2-fache des vom
Lüfter der Sonderbewetterung entnommenen Wetterstromes beträgt
(siehe Abschnitt 3.1.1.1).

Die Antriebe der Lüfter für die Sonderbewetterung von Grubenbauen, die von Schächten
abzweigen, einschließlich der zugehörigen Schalter und Zuleitungen sowie der Schalter,
auf die die Wetterstromüberwachung wirkt, dürfen bis 1,5 ÖA , aber nicht mehr als 6 m
vom durchgehend bewetterten Grubenbau entfernt aufgestellt werden.

Werden die elektrischen Betriebsmittel abwetterseitig oder in von Schächten abzweigenden
sonderbewetterten Grubenbauen angeordnet, dürfen nur selbsttätig umschaltende Kombi-
Lüfter mit geeigneter CH4-Überwachung verwendet werden.
 

3.1.3.2

Getrennte Schaltmöglichkeiten

 

Die Energieeinspeisung für Sonderbewetterungsanlagen muss so gestaltet sein, dass beim
Abschalten der elektrischen Anlagen von Arbeitsmaschinen, z. B. an Wochenenden, der
Weiterbetrieb der Sonderbewetterung sichergestellt ist.

Überwachungseinrichtungen (wettertechnische Messeinrichtungen, Erdschluss- und Kurz-
schlussschutz) sollen beim Abschalten entsprechend den sicherheitlichen und betrieblichen
Erfordernissen selektiv wirken (siehe Abschnitt 4.1.6).

Beim Abschalten der elektrischen Anlagen im sonderbewetterten Bereich darf der im
durchgehenden Wetterstrom angeordnete Lüfter der Sonderbewetterungsanlage nicht
mit abgeschaltet werden.
 

3.2 

Sonderbewetterungsformen

3.2.1

Grundform der Sonderbewetterung

 

Für in Auffahrung befindliche Vortriebe und Raubbetriebe ist grundsätzlich blasende
Sonderbewetterung vorzusehen (siehe Anlage 2).

Bei der blasenden Sonderbewetterung gewährleistet ein bestimmter Abstand des
Luttenendes von der Ortsbrust, dass der Ortsbereich durch den Freistrahl ohne weitere
Hilfsmittel mit aus dem sonderbewetterten Bereich nicht belasteten Wettern bewettert
wird. Zur klimatischen Verbesserung kann der Frischwetterstrom gekühlt werden.

Bei blasenden Sonderbewetterungen ist die Ansaugöffnung einziehseitig im durchgehenden
Wetterstrom so weit vor dem Abzweig des sonderbewetterten Grubenbaus anzuordnen,
dass die Abwetter aus dieser Sonderbewetterung nicht angesaugt werden.

Bei kurzen sonderbewetterten Grubenbauen ist darauf zu achten, dass sich das
Ausblasende der Sonderbewetterungsanlage in dem sonderbewetterten Grubenbau
befinden muss.
 

3.2.2

Zusammengesetzte Formen der Sonderbewetterung

 

Zusammengesetzte Formen der Sonderbewetterung liegen dann vor, wenn die Grundform
der Sonderbewetterung (Hauptluttenleitung) durch zusätzliche Sonderbewetterungs-
einrichtungen (Nebenluttenleitung und/oder Entstauberleitung) ergänzt wird.
 

3.2.2.1 

Parallelschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung

 

Bei Parallelschaltung müssen Hauptluttenleitung und Nebenluttenleitung sich wenigstens
um ÖA überlappen (siehe Anlagen 3 und 8). Der Lüfter der Nebenluttenleitung muss im
Überlappungsabschnitt angeordnet sein. Es sollte ein Kombi-Lüfter eingesetzt werden,
damit der Ortsbereich möglichst lange bewettert werden kann.

Die Ausblasöffnung der Hauptluttenleitung darf nicht mehr als 15 ÖA von der Ortsbrust
entfernt sein.

Für den Wetterteilkreislauf sind die Bestimmungen nach Abschnitt 3.2.3.3 zu beachten.

Bei der Planung dieser Sonderbewetterungsform ist die Ausgasung zu berücksichtigen,
da bei unzulässigen CH4-Gehalten die Bewetterung des Ortsbereichs durch Abschalten
des Lüfters der Nebenluttenleitung unterbrochen wird.
 

3.2.2.2

Hintereinanderschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung

 

Bei Hintereinanderschaltungen müssen die Ausblasöffnungen der Hauptluttenleitung und
die Ansaugöffnungen der Nebenluttenleitungen in axialer Richtung fest gegeneinander
fixiert sein (siehe Anlagen 4). Der Abstand der beiden Öffnungen darf nicht mehr als 2 m
betragen. Der Lüfter in der Nebenluttenleitung muss sich in höchstens 20 m Abstand von
der Ansaugöffnung dieser Luttenleitung befinden. Es sollte ein Kombi-Lüfter eingesetzt
werden, damit der Ortsbereich möglichst lange bewettert wird.

Die Ausblasöffnung der Hauptluttenleitung darf nicht mehr als 15 ÖA , die Trennstelle
der Hauptluttenleitung nicht mehr als 20 ÖA , von der Ortsbrust entfernt sein.
 

3.2.2.3 

Hauptluttenleitung und Entstauberleitung

 

Der an der Ausblasöffnung der Hauptluttenleitung austretende Wetterstrom muss größer
sein als der von der Entstauberanlage angesaugte Wetterstrom. Hauptluttenleitung und
Entstauberleitung müssen sich so überlappen, dass ein Rückstrom des aus der Entstauber-
leitung austretenden Wetterstromes (Reinluft) in Richtung zur Ortsbrust verhindert wird.
Bei Gewährleistung eines abgesaugten Wetterstromes (Rohluft) der Entstauberanlage
von mindestens 11 m3/s kann in Sonderfällen (z. B. überlange Vortriebe) unter
Berücksichtigung der sicherheitstechnischen Anforderungen an Wetterteilkreisläufe und
der Belange des Gesundheitsschutzes (Klima, Staub) von diesen Forderungen abgewichen
werden (siehe Anlagen 5).

Der Lüfter der Entstauberanlage muss im Überlappungsabschnitt angeordnet sein.

Sofern der Überlappungsabschnitt nicht nach Abschnitt 3.1.1.2 gestaltet werden kann,
muss die Erhöhung der Wettergeschwindigkeit mit besonderen Einrichtungen nach
Abschnitt 3.2.3.2 sichergestellt werden.

Beim Betrieb der Entstauberanlage wird der Ortsbereich saugend bewettert. Zur optimalen
Staubabsaugung ist es dabei erforderlich, die axiale Ausbreitung des Freistrahls der Haupt-
luttenleitung einzuschränken.

Zur Erhöhung örtlicher Wettergeschwindigkeiten, insbesondere im First- und Stoßbereich
vor Ort, sind besondere Einrichtungen entsprechend Abschnitt 3.2.3.2 zu betreiben.
Hierdurch müssen die örtlichen Wettergeschwindigkeiten mindestens 1,5 · wmin an der
Ortsbrust betragen. Eine Zwangsverriegelung der besonderen Einrichtungen mit dem
Schneidmotor sollte angestrebt werden. Eine Bewetterung des Ortsbereiches durch die
Entstauberanlage allein ist nicht zulässig.

Durch eine geeignete Verriegelung muss sichergestellt sein, dass bei Stillsetzen oder Ausfall
der Entstauberanlage die axiale Ausbreitung des Freistrahls der Hauptluttenleitung unein-
geschränkt wiederhergestellt wird.

Die Trennstelle der Hauptluttenleitung darf nicht mehr als 20 ÖA von der Ortsbrust entfernt
sein.

Der Schneidraum von Vollschnittmaschinen ist auch bei Ausfall der Entstauberanlage
durch selbsttätige Umschaltung auf blasende Bewetterung über die Rohluftkanäle der
Entstauberanlage zu bewettern (Luttenweiche, siehe Anlage 6).
 

3.2.2.4 

Haupt- und Nebenluttenleitung sowie Entstauberleitung

 

Bei derartigen Bewetterungsformen sind die Bestimmungen der Abschnitte 3.2.2.1
bis 3.2.2.3 entsprechend der Anwendung der dort behandelten Formen der Sonder-
bewetterung zu beachten (siehe Anlagen 8 und 9).
 

3.2.3 

Sonderformen der Sonderbewetterung

3.2.3.1

Sonderbewetterung mit Selbstzug- oder Stoßlutten

 

Bei der Bewetterung mit Selbstzuglutten wird ein Druckunterschied im Grubengebäude
(z. B. an einer Wetterschleuse) als Druckquelle zur Bewegung der Wetter in der
Luttenleitung ausgenutzt.

Bei der Bewetterung mit Stoßlutten wird der Staudruck eines Wetterstromes in Richtung
auf die Öffnung einer Luttenleitung als Druckquelle zur Bewegung der Wetter in der
Luttenleitung ausgenutzt.
 

3.2.3.2

Erhöhung der Wettergeschwindigkeit mit besonderen Einrichtungen

 

In Bereichen, in denen die vorgeschriebene Mindestwettergeschwindigkeit nicht erreicht
wird oder trotz Einhaltung der Mindestwettergeschwindigkeit unzulässige Gasgehalte
auftreten, sind besondere Einrichtungen zur örtlichen Erhöhung der Wettergeschwindigkeit
einzusetzen.

Besondere Einrichtungen zur Erhöhung der Wettergeschwindigkeit können z. B. sein:
Coanda-Wirbellutten, Sekundärausträge, Entstauber-Umkehrlutten, Impulslüfter, Strahldüsen.

Die örtlichen Wettergeschwindigkeiten durch besondere Einrichtungen dürfen in einem
Abstand von 1/10 H (H = Streckenhöhe) vom Ausbau einen Wert von 1,5 · wmin nicht
unterschreiten. Dieses ist in der Regel der Fall, wenn

- die Einbauhinweise für Coanda-Wirbellutten (siehe Anlage 7) beachtet werden und 
   die Wettergeschwindigkeit in deren Ausblasschlitzen einen Wert von 15 m/s nicht
   unterschreitet,
- Strahldüsen möglichst im Firstbereich nahe am Ausbau installiert sind,
- die Freistrahlen von Impulslüfter, Entstauber-Umkehrlutten, Sekundärausträgen sich
   weitgehend ungehindert durch Einbauten parallel zur Streckenachse ausbreiten können
   und deren austretende Freistrahlen zur Bewetterung von Überlappungsabschnitten einen
   Wert von 0,15 m3/s je m2 nicht unterschreiten.

In Streckenvortrieben mit einem kombinierten Anker-/Bogenausbau sind zur Vermeidung
von CH4-Ansammlungen im noch nicht verfüllten Hohlraum zwischen dem Ausbau und
Gebirge im Streckenabschnitt des ortsnächsten Baues und dem Beginn der Vollhinterfüllung

- bei Verwendung von Gewebebahnen oder Folien diese im Abstand von £ ÖA so zu raffen,
   dass ein ausreichender Wetteraustausch stattfinden kann. Sollte diese Maßnahme nicht 
   ausreichen, sind unzulässige CH4-Gehalte durch den Einsatz besonderer Bewetterungs-
   einrichtungen zu beseitigen. Dazu sind Geschwindigkeiten von ³ 1,5 · wmin erforderlich.
- Bei Verwendung ausreichend wetterdurchlässiger Gewebebahnen (z. B. Jute) kann auf
   das Raffen verzichtet werden. Hierbei müssen durch den Einsatz besonderer Einricht-
   ungen in einem Abstand von 1/10 H unter der Firste örtliche Wettergeschwindigkeiten
   von mindestens 2 m/s erzeugt werden.

Die Sonderbewetterung von Grubenbauen ausschließlich durch besondere Einrichtungen
ist nicht zulässig. Dies gilt auch für die Bewetterung mit ausblasender Druckluft.
 

3.2.3.3 

Wetterteilkreislauf in sonderbewetterten Grubenbauen

 

Bei einem vollständigen Wetterkreislauf nimmt bei Gaszustrom der Gasgehalt der
Wetter ständig zu. Daher ist ein solcher Kreislauf nicht zulässig.

Ein Teilkreislauf der Wetter, bei dem nur ein Teil der Wetter im Kreislauf geführt wird,
darf unter folgenden Voraussetzungen vorgesehen werden:
- Die Einspeisung von Wettern in den Teilkreislauf ist so zu bemessen, dass bei Gaszustrom
   unzulässige Gasgehalte vermieden werden.
- Der Teilkreislauf wird hinsichtlich der Wetterströme und Gasgehalte so überwacht, dass
   eine zu geringe Einspeisung und unzulässige Gasgehalte rechtzeitig erkannt werden.
 

3.2.3.4

Fremdeinspeisung mittels Sonderbewetterung

 

Wird der Wetterstrom einer Sonderbewetterung in einen durchgehenden Wetterstrom
eingespeist, aus dem er nicht entnommen worden ist (Fremdeinspeisung), ist die
durchgehende Bewetterung mit der Sonderbewetterung so abzustimmen, dass die
Stabilität des durchgehenden Wetterstromes sichergestellt ist. Das ist in der Regel
der Fall, wenn der durch die Sonderbewetterung in den durchgehenden Wetterstrom
eingespeiste Wetterstrom nicht mehr als 30 % des aus durchgehendem und eingespeistem
Wetterstrom bestehenden Gesamtwetterstromes beträgt (siehe Anlagen 10).

Bei Fremdeinspeisung mittels hintereinandergeschalteter Sonderbewetterungen darf der
Abstand Lüfter der vorgeschalteten Luttenleitung zur Ansaugöffnung nicht mehr als 20 m
betragen. Zur Gewährleistung einer ausreichenden Vermischung muss der Abstand
zwischen Streb und der Ansaugöffnung der vorgeschalteten Luttenleitung mindestens
5 ÖA betragen (siehe Anlage 10.2).
 

3.2.3.5 

Sonderbewetterung bei Vorbohrlöchern

 

Seigere Grubenbaue, die mit durchschlägigen Vorbohrlöchern mit einem Durchmesser
von < 800 mm aufgefahren werden, müssen sonderbewettert werden. Bei durchschlägigen
Vorbohrlöchern mit einem Durchmesser von 800 bis 1200 mm muss eine betriebsbereite
Sonderbewetterungsanlage mitgeführt werden.
 

   

4

Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen und Schaltbereiche

4.1 

Allgemeines

 

Die Wetterströme (siehe Abschnitt 4.1.1) und Gasgehalte - soweit nach den Abschnitten
4.1.2 und 5. sowie 4.1.3 erforderlich - sind durch ortsfeste Messeinrichtungen zu über-
wachen. Die Messwerte sind zu registrieren und müssen bei Erreichen der festgelegten
Grenzwerte an einer ständig besetzten Stelle eindeutige Warnsignale auslösen.
 

4.1.1 

Wetterstrom-Überwachung

 

Der Messwertaufnehmer der Messeinrichtung soll in der Luttenleitung so nahe wie möglich
zur Ortsbrust, er darf aber nicht weiter als 20 m vom ortsseitigen Ende der Luttenleitung
entfernt eingebaut sein. Bei maschinellem Vortrieb (Teilschnittmaschine, Vollschnitt-
maschine) muss der Rohluftstrom der Entstauberanlage möglichst ortsnah durch die
Volumenstrom-Messeinrichtung W 3 überwacht werden.

Beim Einsatz von Impulslüftern zur Erhöhung der Wettergeschwindigkeit im Überlappungs-
bereich kann auf die Wetterstromüberwachung verzichtet werden, wenn die Länge dieser
Einrichtung nicht mehr als 20 m beträgt und bei Impulslüfterausfall die Entstauberanlage
selbsttätig abgeschaltet wird.
 

4.1.2 

CH4-Überwachung

 

In sonderbewetterten Grubenbauen ist der CH4-Gehalt des Wetterstromes zu überwachen
(CH4-Überwachung), wenn der mittlere CH4-Gehalt (c0) des zugeführten Wetterstromes
(Vorbelastung) 0,5 % oder die Zunahme des mittleren CH4-Gehaltes (c1 - c0) ohne
Berücksichtigung der CH4-Spitzen bei der Sprengarbeit 0,3 % oder der mittlere
CH4-Zustrom ohne Berücksichtigung der CH4-Zuströme bei der Sprengarbeit 1 m3/min
überschreitet.

Wenn nach den vorstehenden Bestimmungen eine CH4-Messeinrichtung (M 1) erforderlich
ist und im sonderbewetterten Bereich nichteigensichere elektrische Anlagen errichtet sind,
ist eine zweite CH4-Messeinrichtung (M 2) einzusetzen.

Die Überwachung mit zwei Messeinrichtungen in der vorstehend beschriebenen Form muss
auch in den Betrieben sichergestellt sein, in denen von einer Notbewetterung
(siehe Abschn. 5.2) Gebrauch gemacht wird.

Der Messwertaufnehmer M 1 der erstgenannten CH4-Messeinrichtung ist in Nähe des
Abzweiges der Sonderbewetterung vom durchgehenden Wetterstrom unter der Firste so
in dem sonderbewetterten Bereich anzuordnen, dass die Abwetter des sonderbewetterten
Betriebes (Rückstrom) überwacht werden und diese Überwachung auch nach Abschalten
der elektrischen Anlagen im sonderbewetterten Bereich aufrechterhalten bleibt. Der Mess-
wertaufnehmer M 2 der zweiten CH4-Messeinrichtung ist unter der Firste so nahe der
Ortsbrust anzuordnen, dass der Rückstrom möglichst frühzeitig dort überwacht wird, wo
die Vermischung des Grubengases mit den Wettern weitgehend abgeschlossen ist.

Die zweite CH4-Messeinrichtung braucht nicht eingesetzt zu werden, wenn der sonder-
bewetterte Bereich eine so geringe Länge besitzt, dass der Überwachungszweck von der
ersten Messeinrichtung mit übernommen wird.

Unabhängig von den o. a. CH4-Gehalten und -Zuströmen muss bei maschinellem Vortrieb
der Rohluftstrom der Entstauberanlage möglichst ortsnah durch den Messwertaufnehmer
M 2 überwacht werden.

Zusätzlich ist bei Streckenvortrieb mit Teilschnittmaschine der Messwertaufnehmer M 3
der dritten CH4-Messeinrichtung so nahe wie möglich der Ortsbrust im Grenzbereich der
sich dort bildenden Staubzone unmittelbar unter der Firste anzubringen; dieser Messwert-
aufnehmer gewinnt bei Störungen der Ortsbrustbewetterung Bedeutung für die Früher-
kennung eines CH4-Anstieges beim Vortriebsvorgang. Bei Vortrieb mit Vollschnitt-
maschine muss der Messwertaufnehmer M 3 am Schild des Bohrkopfes unmittelbar
unter der Firste angebracht sein.

Der CH4-Gehalt im durchmischten Wetterstrom ist durch den Messwertaufnehmer M 4
der vierten Messeinrichtung im Überlappungsabschnitt von Haupt- oder Nebenluttenleitung
und Entstauberanlage zu überwachen.

Bei Teilschnittmaschinenvortrieben in Flözen ohne bzw. mit sehr geringen Gasinhalten kann
auf die Messeinrichtungen M2, M 3 und M 4 unter Einhaltung der Anforderungen in
Anlage 11 verzichtet werden.
 

4.1.3 

CO-Überwachung

 

In sonderbewetterten Grubenbauen ist der Rückstrom der Sonderbewetterung auf den
CO-Gehalt zu überwachen bei
- maschinellem Vortrieb (Teilschnittmaschinen, Vollschnittmaschinen),
- Betrieb von Gurtförderern,
- zur Selbstentzündung neigenden Flözen und
- Durchführung von Entspannungsmaßnahmen zur Beseitigung von Gebirgsschlag- oder
   Gasausbruchsgefahren.
 

4.1.4 

Verständigungsmöglichkeiten

 

In sonderbewetterten Grubenbauen mit mehr als 50 m Länge muss zwischen Ortsbereich,
Lüfter im durchgehenden Wetterstrom und ständig besetzter Stelle eine Fernsprechver-
bindung vorhanden sein. Im sonderbewetterten Bereich dürfen nur eigensichere Fern-
sprechanlagen betrieben werden. In diesem Bereich müssen Sprechstellen in Abständen
von höchstens 500 m vorhanden sein.
 

4.1.5 

Abschaltung elektrischer Anlagen

 

Bei Unterschreiten des Mindestwetterstromes Volumenstrom min oder bei Erreichen des CH4-Grenz-
wertes muss sichergestellt sein, dass die elektrischen Anlagen im sonderbewetterten Bereich
entsprechend den Bestimmungen der Bergverordnung des Landesoberbergamts NRW für
elektrische Anlagen - Elektro-Bergverordnung - (ElBergV) selbsttätig abgeschaltet bzw.
entfernt werden.

Die Abschaltung kann selektiv vorgenommen werden (siehe Abschnitt 4.1.6).
 

4.1.6 

Schaltbereiche

 

Bei Erreichen festgelegter Wetterstrom- oder CH4-Grenzwerte müssen im entsprechenden
Schaltbereich alle elektrischen und mechanischen Betriebsmittel abgeschaltet werden, von
denen eine Zündgefahr ausgehen kann.

Im Hinblick auf eine selektive Abschaltung kann der sonderbewetterte Bereich in folgende
Schaltbereiche unterteilt werden:

Schaltbereich S 1: Gesamter sonderbewetterter Bereich
Schaltbereich S 1a: Wie S 1, mit Ausnahme von Einrichtungen, die zur Bewetterung und
                               deren Überwachung erforderlich sind
Schaltbereich S 2: Ortsbrust bis Ausblasöffnung Hauptluttenleitung
Schaltbereich S 2a: Wie S 2, mit Ausnahme von Einrichtungen, die zur Bewetterung und
                               deren Überwachung erforderlich sind
Schaltbereich S 3: Ortsbrust bis Trennstelle Hauptluttenleitung
Schaltbereich S 3a: Wie S 3, mit Ausnahme von Einrichtungen, die zur Bewetterung und
                               deren Überwachung erforderlich sind
Schaltbereich S 4: Schneidmotor Vortriebsmaschine

Die Möglichkeiten der selektiven Schaltung sind so zu begrenzen, dass unbeabsichtigte und
sicherheitlich bedenkliche Schaltfolgen ausgeschlossen sind.

Zur Vorwarnung bei der CH4-Überwachung soll als zusätzlicher Grenzwert ein unterhalb
des zulässigen CH4-Gehaltes festzulegender Wert eingestellt werden. Bei Erreichen des
unteren Grenzwertes ist eine Vorwarnung mit Einstellung aller Betriebsvorgänge auszulösen,
die die CH4-Ausgasung verursachen (z. B. Abschaltung des Schaltbereichs S 4). Ein
solches Verfahren besitzt den Vorteil, dass der Betrieb nicht zu oft durch das Abschalten
und Schwierigkeiten beim Wiedereinschalten aller elektrischen Anlagen gestört wird.
 

4.2 

Überwachung und Schaltbereiche der Sonderbewetterungsformen

 

Für die verschiedenen Sonderbewetterungsformen sind die Anordnungen der Messwert-
aufnehmer für die CH4- und Wetterstromüberwachung sowie der elektrischen Schalt-
bereiche im Anlagenteil dargestellt.

Die Anlage 2 bezieht sich auf die Grundform der Sonderbewetterung, die Anlagen 3.1
bis 6 sowie 8.1 bis 9.4 auf zusammengesetzte Formen der Sonderbewetterung und die
Anlagen 1, 10, 13 und 14 auf Sonderformen der Sonderbewetterung.
 

4.3 

Prüfungen

 

Unverzüglich nach Inbetriebnahme einer Sonderbewetterung sind in den zugehörigen
Grubenbauen die Bewetterung, die Einrichtungen zur Bewetterung einschließlich der
Überwachungseinrichtungen von einer fachkundigen verantwortlichen Person zu prüfen
(Wetteringenieur oder Wettersteiger). Monatlich und nach Wetterumstellungen, die
wesentliche Änderungen des Prüfgegenstandes zur Folge haben, ist diese Prüfung zu
wiederholen.

Sonderbewetterungsanlagen einschließlich der Überwachungseinrichtungen sind auf jeder
belegten Schicht durch die zuständige verantwortliche Person, in nicht belegten und nicht
abgesperrten Grubenbauen arbeitstäglich durch diese oder einen Wettermann zu prüfen.

Maschinelle Streckenvortriebe mit zusammengesetzten Formen von Sonderbewetterungs-
anlagen sind nach Anlaufen des Betriebes und in Abständen von längstens zwei Jahren
durch einen anerkannten Sachverständigen oder eine anerkannte sachverständige Stelle
prüfen zu lassen. Auf diese Prüfung kann verzichtet werden, wenn ein anderer maschineller
Vortrieb des Bergwerks unter gleichen Voraussetzungen bereits geprüft worden ist und
diese Prüfung nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.

Die Prüfergebnisse sind zu dokumentieren.

Die Vorschriften der Bergverordnung für elektrische Anlagen über die Prüfung elektrischer
Anlagen bleiben unberührt.

   

5

Besondere Betriebsvorgänge

5.1 

Allgemeines

 

Besondere Gefahrensituationen (z. B. CH4-Ansammlungen insbesondere im Ortsbereich,
matte Wetter, unzulässige CH4-Gehalte abwetterseitig der Sonderbewetterung) können
auftreten bei
- Verringerung des Wetterstroms,
- Stillstand der Sonderbewetterung und
- Ingangsetzen der Sonderbewetterung.

Bei Wiederinbetriebnahme der planmäßigen Sonderbewetterung ist sicherzustellen, dass der
zulässige CH4-Gehalt abwetterseitig im durchgehenden Wetterstrom nicht überschritten
wird. Außerdem ist ein Gefahrenbereich unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten
festzulegen, der zumindest den nicht ordnungsgemäß sonderbewetterten Bereich umfasst.
Eine etwa erforderliche weitere Ausdehnung richtet sich danach, inwieweit sich unzulässige
Gasgemische bilden können.
 

5.2 

Verringerung des Wetterstromes

 

Wenn bei teilweisem Ausfall von Sonderbewetterungsanlagen im gesamten sonder-
bewetterten Bereich noch eine Wettergeschwindigkeit von ³ ½ · wmin vorhanden ist,
gilt der dann eintretende Zustand als Notbewetterung. Ein solcher Bewetterungszustand
ist auch bei planmäßiger Drosselung von Sonderbewetterungseinrichtungen, z. B. im
Rahmen der Verlängerung der Luttenleitung, zulässig. Er ist auf eine möglichst kurze Zeit
zu beschränken.

Bei Notbewetterung gelten folgende Regelungen:
- Von der Abschaltung der elektrischen Anlagen bei Unterschreiten von Volumenstrommin können
   Einrichtungen, die zur Bewetterung und deren Überwachung erforderlich sind, aus-
   genommen werden. Bei Unterschreiten von ½ · Volumenstrommin  müssen alle nichteigensicheren
   elektrischen Anlagen selbsttätig abgeschaltet werden. Dieses gilt auch, wenn bei einer
   Notbewetterung eine Zeit von 30 Minuten überschritten wird.
- Arbeiten, von denen eine Zündgefahr ausgehen kann, dürfen nicht vorgenommen werden.
- Bei einer Verringerung des Wetterstromes über 30 Minuten hinaus ist die Belegschaft aus
  dem sonderbewetterten Bereich zurückzuziehen und dieser abzusperren; jedoch dürfen 
  sich die zur Beseitigung einer Bewetterungsstörung erforderlichen Personen noch in
  dem sonderbewetterten Bereich aufhalten.
- Eine ausreichende CH4-Überwachung, insbesondere auch durch Handmessungen in
   Anwesenheit einer verantwortlichen Person, muss sichergestellt sein.
- Der Messwertaufnehmer M 3 der CH4-Messeinrichtung muss bei Erreichen von 1 %
   den Schaltbereich S 1 abschalten.

Der Verlängerungsvorgang ist auf eine möglichst kurze Zeit zu beschränken. Während
dieser Zeit muss der vor Ort austretende Wetterstrom durch einen zweiten Messwertgeber
überwacht werden, der bei Unterschreitung von ½ · Volumenstrommin die nichteigensicheren
elektrischen Anlagen abschaltet. Ersatzweise ist auch die Überwachung durch Beobachtung
von einer dort anwesenden verantwortlichen Person zulässig. Die o. a. Regelungen der
Notbewetterung sind beim Verlängerungsvorgang zu beachten.

Wenn bei der Verlängerung der Hauptluttenleitung deren Trennung erforderlich ist, muss
außerdem folgendes beachtet werden:
- Durch eine weitere (vorhandene oder zusätzliche) Sonderbewetterungseinrichtung muss
   eine Notbewetterung von ³ ½ · Volumenstrommin bis zur Ortsbrust sichergestellt werden
   (s. Anlage 12).
- Zur Vermeidung eines unzulässigen Wetterteilkreislaufes muss zwischen der Trennstelle
  der Hauptluttenleitung und der weiteren Sonderbewetterungseinrichtung eine Über-
  lappungslänge von Ö A sichergestellt sein.
- Die Trennstelle der Hauptluttenleitung darf dabei einen Abstand von 20 · ÖA von der
   Ortsbrust nicht überschreiten.

Bei zusammengesetzten Formen der Sonderbewetterung müssen die Wetterstrommess-
einrichtungen der weiteren Sonderbewetterungseinrichtungen während der Überbrück-
ungszeit die Schaltfunktionen der Wetterstrommesseinrichtung der Hauptluttenleitung
übernehmen.
 

5.3 

Stillstand der Sonderbewetterung

 

Der Betrieb von Sonderbewetterungsanlagen darf nur für die Dauer notwendiger Instand-
setzungs-, Wartungs- und Verlängerungsarbeiten unterbrochen werden, wenn sich in dem
unbewetterten Bereich sowie gegebenenfalls in einem nach Abschnitt 5.1 erweiterten
Gefahrenbereich Personen nicht aufhalten; dies gilt nicht für den Einsatz von Grubenwehren.
Die elektrischen und mechanischen Betriebsmittel müssen in dem durch den Stillstand
betroffenen Schaltbereich abgeschaltet sein.
 

5.4

Ingangsetzen der Sonderbewetterung

5.4.1 

Allgemeines

 

Sonderbewetterungsanlagen dürfen nur inganggesetzt werden, wenn dies gefahrlos
geschehen und durch die abgeführten Wetter eine Gefahr nicht entstehen kann.

Auch ist auf die Zündgefahr durch elektrische Anlagen in den Grubenbauen zu achten,
durch die die Wetter abgeführt werden. Können unzulässige CH4-Gehalte im nach-
geschalteten Wetterstrom trotz Einsatz eines geeigneten Ausspülverfahrens nicht
sichergestellt werden, sind vor dem Freispülen alle Personen aus dem Gefahrenbereich
zurückzuziehen. Ferner sind alle Betriebsmittel, von denen eine Zündgefahr ausgehen
kann, in diesem Bereich abzuschalten.

Das Ingangsetzen von Sonderbewetterungsanlagen in Bereichen, in denen nach
Abschnitt 4.1.2 eine CH4-Überwachung erforderlich ist, muss von einer verantwortlichen
Person beaufsichtigt werden. In Fällen, in denen die zu den Lüftern gehörenden elektrischen
Betriebsmittel nach Abschnitt 3.1.3.1 Satz 2 oder 3 angeordnet sind, darf zunächst nur
der Druckluftteil des Kombi-Lüfters inganggesetzt werden (siehe Abschnitt 2.1), bis
zulässige CH4-Gehalte gemessen worden und Zündgefahren durch elektrische Anlagen
ausgeschlossen sind; eine verantwortliche Person muss anwesend sein.

Entstauberleitungen sind mit Hilfe von geeigneten druckluftbetriebenen Einrichtungen
(z. B. fest installierte Drucklufteinspeisungen) von unzulässigen Gasgemischen freizuspülen.

Bei Wetterteilkreislauf im Bereich einer Nebenluttenleitung ist erforderlichenfalls zum
Ausspülen von Gasgemischen vor der Wiederinbetriebnahme des Lüfters der Nebenlutten-
leitung die Hauptluttenleitung bis in die Nähe der Ortsbrust zu verlängern. Bei anderen
Wetterteilkreisläufen ist erforderlichenfalls die Anordnung der Sonderbewetterungsanlage
so zu ändern, dass das Ausspülen von Gasgemischen ohne Teilkreislauf vorgenommen
wird. In derartigen Fällen muss eine verantwortliche Person anwesend sein.

Für das Ingangsetzen der Sonderbewetterungsanlage müssen die entsprechenden
Maßnahmen vorbereitet sein.

Maßnahmen für Ausspülverfahren brauchen bei Auffahrungen in Flözen mit einem
desorbierbaren Gasinhalt £ 0 m3/t und in Gesteinsvortrieben, bei denen sowohl das
plötzliche Freiwerden großer CH4-Mengen als auch CH4-Zuströme durch Abbauein-
wirkungen ausgeschlossen werden können, nicht vorbereitet zu sein.

Weiterhin brauchen Maßnahmen nicht vorbereitet zu werden, wenn
- die Wettergeschwindigkeit im Hauptwetterstrom (nach der Vermischung) mindestens
   1,0 m/s beträgt
- und die Zunahme des mittleren CH4-Gehaltes in der Sonderbewetterung c1 - c0 < 0,3 %
   ist (bezogen auf den Mindestwetterstrom der Sonderbewetterung)
- und ein mittlerer CH4-Zustrom von 1 m3/min ohne Berücksichtigung der CH4-Spitzen bei
   der Sprengarbeit nicht überschritten wird
- und bei Stillstand der Sonderbewetterung im Ortsbereich ein CH4-Gehalt von 2 % und im
  Streckenbereich vor der Einmündung in den durchgehenden Wetterstrom ein CH4-Gehalt
  von 1 % nicht überschritten wird.
 

5.4.2 

Technische Verfahren zum Ausspülen von Grubengasansammlungen in sonder-
bewetterten Grubenbauen 

 

Die Ausspülung von Grubengasansammlungen erfolgt im allgemeinen so, dass ein
dosierbarer Anteil der im durchgehenden Wetterstrom verfügbaren Frischwetter über
die Luttenleitung bis in den Ortsbereich geführt wird, während der verbleibende
Frischwetterstrom dazu dient, den CH4-belasteten Rückstrom des Streckenvortriebs
in einer Vermischungszone zu verdünnen. Das Verhältnis beider Teilströme muss durch
geeignete, für den Bedarfsfall ständig verfügbare Einrichtungen auf der Basis eines
geeigneten Überwachungssystems so eingestellt werden können, dass keine Wetter mit
unzulässigen CH4-Gehalten in den nachgeschalteten durchgehenden Wetterstrom gelangen.

Die Dosierung des Wetterstroms muss so erfolgen, dass ein Rückstrom von Abwettern aus
dem Streckenvortrieb zum Lüfter der Hauptluttenleitung vermieden wird.

Die Steuerung des Ausspülvorgangs erfolgt zweckmäßig auf der Basis geeignet
angeordneter CH4-Messeinrichtungen, wobei gewährleistet sein muss, dass eine
Verständigungsmöglichkeit zwischen dem Standort des Messgeräts und dem Steuerstand
besteht.

CH4-Messstellen sind erforderlich in Wetterrichtung vor und hinter der Vermischungszone.
Die nach den bergbehördlichen Vorschriften (Gasausbruchs-Richtlinien, Gebirgsschlag-
Richtlinien) geforderten Messstellen können diese Aufgaben übernehmen. Zusätzliche
Messstellen sind entsprechend den ausgasungstechnischen Gegebenheiten im Einzelfall,
beispielsweise bei Gaszuströmen im rückwärtigen Bereich, festzulegen.

Ein erweiterter Gefahrenbereich, der z. B. den ganzen Abwetterweg umfassen kann, ist
dann zu räumen und spannungsfrei zu schalten, wenn abwetterseitig des sonderbewetterten
Bereiches unzulässige CH4-Gehalte - vornehmlich unter Annahme von gravierenden
Störungen beim Ausspülvorgang - nicht ausgeschlossen werden können. Außerdem
müssen alle Betriebsmittel abgeschaltet sein, von denen eine Zündgefahr ausgehen kann.

Im Grundsatz sind zwei Verfahren des Ausspülvorgangs zu unterscheiden. Die Vermisch-
ungszone der beiden genannten Teilströme befindet sich entweder im durchgehenden
Wetterstrom am Ansatzpunkt der sonderbewetterten Strecke oder innerhalb des sonder-
bewetterten Bereichs.

Vermischungszone im durchgehenden Wetterstrom (siehe Anlage 13):

Zur Regelung des Wetterstroms der Sonderbewetterung stehen folgende Möglichkeiten
zur Auswahl:
- Verwendung einer auf der Druckseite des Lüfters angeordneten Ausspüleinrichtung, um
   den angesaugten Wetterstrom durch geeignete Klappenverstellung in beliebigem
   Verhältnis in die Luttenleitung und über einen Bypass zurück in die Strecke zu führen,
- Verwendung eines stufenlos regelbaren Lüfters,
- Verwendung des Druckluftteils eines Kombi-Lüfters,
- Verwendung eines Lüfters, dessen Wetterstrom sich durch Polumschaltung auf etwa die
   Hälfte reduzieren lässt,
- Drosselung des Wetterstroms an der Ansaugöffnung des Lüfters. Dazu sollten leicht und
   definiert handhabbare Einrichtungen verfügbar sein. Der eingesetzte Lüftertyp sollte bei
   starker Drosselung keine ausgeprägten Abreißerscheinungen aufweisen sowie bei
   längerem Betrieb in diesem Zustand keinen Schaden nehmen.

In der Vermischungszone müssen ausreichend große Wettergeschwindigkeiten vorliegen,
so dass ein CH4-Abstrom in den durchgehenden Wetterstrom in Form stabiler Schichten
unterbunden wird. Erforderlichenfalls sind bei diesem Verfahren für eine wirksame
Vermischung Zusatzeinrichtungen zur Erhöhung der örtlichen Wettergeschwindigkeiten in
der Vermischungszone vorzusehen.
In Frage kommen dafür:
- Anschluss einer kurzen Luttenleitung an einen zweiten Lüfter oder den Bypass einer
   Ausspüleinrichtung, wobei der ausblasende Freistrahl in die Vermischungszone gelenkt
   wird.
- Druckluftbetriebene Strahldüsen, die im durchgehenden Wetterstrom Freistrahlen gegen
  die normale Wetterrichtung blasen. Sie sollten vorzugsweise in der oberen Hälfte der
  Strecke an dem Stoß angeordnet werden, der dem sonderbewetterten Bereich zugewandt
  ist.

Vermischungszone im sonderbewetterten Bereich (siehe Anlage 14):

Hierzu bestehen folgende Möglichkeiten:
- An den Bypass einer auf der Druckseite des Lüfters vorhandenen Ausspüleinrichtung wird
   eine zusätzlich Luttenleitung angeschlossen, die den Auffrischungswetterstrom bis in die
   sonderbewetterte Strecke führt.
- Einsatz eines zweiten Lüfters mit einer separaten Luttenleitung, über die ein konstanter 
  Wetterstrom bis in die Vermischungszone geführt wird. Eine Dosierung des Wetterstroms
   sollte dabei vorzugsweise an der Hauptluttenleitung erfolgen.
- Einsatz einer klappen- oder schiebergesteuerten Ausspüleinrichtung innerhalb des
   sonderbewetterten Bereichs. Diese muss allerdings zum Schutz der mit der Ausspülung 
   befassten Personen von einem Standort im Frischwetterstrom des durchgehenden Haupt-
   wetterstroms fernbetätigt werden können.

Durch die Verwendung geeigneter Steuerungen und Stelleinheiten soll die Klappen- und
Schiebersteuerung
- manuell oder vorzugsweise automatisch sowie stufenlos möglich sein und
- über Fernübertragung am Bedienstand angezeigt werden.

Ein Ausspülen im Vor-Ort-Bereich zusammengesetzter Sonderbewetterungssysteme durch
Fernbetätigung ist zulässig, wenn
- der Lüfter der Nebenluttenleitung einen Druckluftantrieb hat,
- der vom Nebenlüfter angesaugte Wetterstrom durch eine ortsfeste CH4-Messeinrichtung
   überwacht wird,
- der Wetterstrom in der Hauptluttenleitung einen Wert von ½ × Volumenstrommin überschreitet,
- der CH4-Gehalt der vom Nebenlüfter angesaugten Wetter einen Wert von 2 % nicht
   überschreitet und
- der Druckluftantrieb des Lüfters der Nebenluttenleitung selbsttätig und unverzögert bei
   den vorstehend genannten Grenzwerten abgeschaltet wird.
 

5.4.3 

Beendigung des Ausspülvorgangs

 

Ein Ausspülvorgang ist abgeschlossen, wenn

- mindestens ein vollständiger Luftwechsel im sonderbewetterten Bereich erfolgt ist,
- die Sonderbewetterung wieder ordnungsgemäß betrieben wird,
- alle vorhandenen CH4-Messeinrichtungen zulässige Gehalte ausweisen und
- durch geeignetes Fachpersonal bei einer Befahrung der Strecke mit Handmessgeräten
   nachgewiesen wurde, dass auch keine örtlichen CH4-Ansammlungen mehr vorhanden
   sind.
 

5.5 

Störungen in der wettertechnischen Überwachung

 

Solange Messeinrichtungen für die Wetterstrom-Überwachung durch Arbeiten an diesen
oder an ihrer Energieversorgung oder durch Ausfall unwirksam sind, müssen in dem
zugehörigen Schaltbereich die elektrischen Anlagen abgeschaltet sein. Das gilt nicht für
Einrichtungen zur Bewetterung und ihrer Überwachung beim Überbrücken im Rahmen
des Verlängerns von Luttenleitungen und der Notbewetterung nach Abschnitt 5.2 sowie
im Rahmen des Prüfens der Messeinrichtungen.

Wenn CH4-Messeinrichtungen durch Arbeiten an diesen oder ihrer Energieversorgung
unwirksam sind, dürfen elektrische Anlagen eingeschaltet bleiben oder wieder
eingeschaltet werden, wenn durch entsprechende Messungen mit Handmessgeräten oder
tragbaren Messeinrichtungen eine gleichwertige Überwachung sichergestellt ist.

Bei Unwirksamkeit von CH4-Messeinrichtungen muss der Vortrieb bis zur Inbetriebnahme
von Reservegeräten grundsätzlich eingestellt sein. Ist nur eine CH4-Messeinrichtung
unwirksam, darf der Vortrieb wiederaufgenommen werden, wenn beauftragte Personen
(Verantwortliche Personen, Wettermesstrupps oder Wettermänner) den CH4-Gehalt
der Wetter an der Messstelle mit einer tragbaren Messeinrichtung ständig oder aber mit
Handmessgeräten in ausreichend schneller Zeitfolge messen. Es ist sicherzustellen, dass
bei Erreichen unzulässiger CH4-Grenzwerte die elektrischen Anlagen sofort abgeschaltet
werden. Diese Ersatzmaßnahme darf sich höchstens auf eine Zeit von 24 Stunden
erstrecken. Es wird empfohlen, für den Ausfall von CH4-Messeinrichtungen Reservegeräte
bereitzuhalten, die sofort betriebsbereit sind.

Für maschinelle Streckenvortriebe sind die Maßnahmen nach Anlage 15 zu beachten.

Die Vorrichtungen für das Überbrücken dürfen nur nach Anweisung einer fachkundigen
verantwortlichen Person betätigt werden. Die Fälle, in denen überbrückt werden darf,
sind schriftlich festzulegen.
 

5.6 

Wiederbelegung der Grubenbaue und Wiedereinschalten der
elektrischen Anlagen

 

Nach dem Ingangsetzen von Sonderbewetterungsanlagen dürfen Grubenbaue erst belegt
werden und elektrische Anlagen erst eingeschaltet werden, wenn festgestellt worden ist,
dass im freien Querschnitt der Grubenbaue der CH4-Grenzwert und die Grenzwerte für
andere schädliche Gase unterschritten sind. Das selbsttätige Wiedereinschalten ist nicht
zulässig.

Elektrische Anlagen dürfen zunächst nur insoweit wiedereingeschaltet werden, wie sie
zur Stromversorgung wettertechnischer Überwachungseinrichtungen erforderlich sind.

Die Handmessungen sind durch verantwortliche Personen oder Wettermänner mit
Handmessgeräten unter Berücksichtigung etwa vorhandener örtlicher Gasansammlungen
vorzunehmen. Die verantwortlichen Personen oder Wettermänner haben das Ergebnis
ihrer Feststellungen auf den Wettertafeln und in ihrem Wetterbuch zu vermerken.


1) Zur Vereinfachung des Ausdrucks wird in den weiteren Ausführungen die Kurzform
    "selbsttätig abschalten" benutzt, wobei in allen Fällen der Wetterstrom-Überwachung
    auch die Verzögerungsbegrenzung gilt.

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Anlage 1 Sonderbewetterungsrichtlinien Tabelle
Anlage 1 Zeichnung Wetterkühleinrichtung in einem aktiven Bypass zur Hauptluttenleitung

 



Anlage 2 - Bild 1
Anlage 2 - Blasende Sonderbewetterung


Anlage 3 - Bild 1
Anlage 3.1 - Parallelschaltung von Haupt- und Nebenluttenleitung
Anlage 3 - Bild 3
Anlage 3.2 Zeichnung


Anlage 4 - Bild 1

Anlage 4.1 - Schema
Anlage 4 - Bild 3
Anlage 4 - Bild 2



Anlage 5 - Bild 1

Anlage 4 - Bild 4

Anlage 5 - Bild 3

Anlage 5 - Bild 2

 

Anlage 5 - Bild 5

Anlage 5 - Bild 4



Anlage 6

Anlage 5 - Bild 6


Anlage 7 - Bild 1


Abschnitt 3.2.2.4 der Richtlinien

Anlage 7 - Bild 2

Abschnitt 3.2.2.4 der Richtlinien

Parallelgeschaltete Haupt- und Nebenluttenleitung (Kombilüfter) mit Coanda- Wirbellutten sowie Entstauberleitung



Anlage 9 - Bild 1

Hintereinanderschaltung von Haupt und Nebenluttenkeitung mit Coanda Wirbellutten, Luttenspeicher sowie Entstauberleitung mit Umkehrlutte

Anlage 9 - Bild 3

Anlage 9 - Bild 2

Anlage 9 - Bild 5

Anlage 9 - Bild 4

Anlage 9 - Bild 7

Anlage 9 - Bild 6


Anlage 10.1

Anlage 9 - Bild 8

Anlage 10.2

Fremdeinspeisung mittels hintereinandergeschalteter Sonderbewetterungen


Anlage 11

Abschnitt 4.1.2 der Richtlinien

Maßnahmen bei reduzierter CH4-Überwachung in Teilschnittmaschinenvortrieben in
Flözen ohne bzw. mit sehr geringem Gasinhalt (Gesamtgasinhalt q ³  0 m3/t und
desorbierbarer Gasinhalt qd < 0 m3/t)

1. Unmittelbar nach jedem Schneiden müssen mindestens an der Ortsbrust an den höchsten Stellen
    des frischen Kohlenstoßes sowie unter der Firste durch zuständige, verantwortliche Personen,
    Mitarbeiter des Wettermesstrupps oder Wettermänner CH4-Handmessungen vorgenommen
    werden. Die Messergebnisse sind in das Wetterbuch bzw. Messtruppbuch einzutragen.

    Unabhängig hiervon ist zu Beginn der Auffahrung und spätestens in Abständen von 1000 m der
    Gasinhalt an Kohlenproben aus flözgängigen Bohrlöchern (Standardverfahren) zu ermitteln;
    zwischen diesen Gasinhaltsbestimmungen sind in Abständen von 200 m Proben zur orientierenden
    Bestimmung des Gasinhalts vom frischen Kohlenstoß zu entnehmen (vereinfachtes Verfahren).

2. Ergibt eine der nach 1. durchzuführenden Messungen CH4-Gehalte > 0,1 %, so ist zumindest
    der Entstauberrohluftstrom durch eine ortsfeste CH4-Messeinrichtung zu überwachen und der
    Gasinhalt durch eine Gasinhaltsbestimmung (Standardverfahren) zu ermitteln.

3. Werden bei den nach 1. und 2. durchzuführenden Messungen CH4-Gehalte von mehr als 0,3 %
     oder CH4-Zuströme von mehr als 1 m3/min festgestellt, so ist der TSM-Vortrieb mit den nach
     den Sonderbewetterungs-Richtlinien vorgeschriebenen CH4-Messeinrichtungen zu überwachen.

 



Anlage 12 - Bild 1

Anlage 11 - Bild 1



Anlage 13 - Bild 1

Anlage 12 - Bild 2



Anlage 14 - Bild 1

Anlage 13 - Bild 2



Anlage 15

Abschnitt 5.5 der Richtlinien

Störungen in der wettertechnischen Überwachung

Elektrische Anlagen dürfen nach einer Abschaltung durch eine gestörte ortsfeste CH4-Messeinrichtung
nur nach Anweisung einer verantwortlichen Person wiedereingeschaltet und weiterbetrieben werden,
wenn sicherheitlich gleichwertige Ersatzmaßnahmen bis zur Wiederherstellung der ortsfesten
CH4-Überwachung durchgeführt werden.

Bei Ersatzmaßnahmen durch CH4-Handmessungen kann die Zuverlässigkeit dieser Überwachung in
Frage gestellt sein, so dass - gegebenenfalls abweichend von anderen Regelungen - für maschinelle
Strecken-vortriebe CH4-Handmessungen als Ersatzmaßnahmen nur möglich sind, wenn die folgenden
Anforderungen eingehalten werden:

1. Bei Ausfall der CH4-Messeinrichtung im durchmischten Ausziehstrom einer sonderbewetterten Strecke
    (M1-Gerät) sind Ersatzmaßnahmen durch CH4-Handmessungen nach einer Störungsabschaltung bis 
    zu 24 Stunden zulässig, wenn für den Weiterbetrieb der elektrischen Anlagen die umfassende
    CH4-Überwachung durch die Gerätegruppe in Nähe der Ortsbrust (Messeinrichtungen M2, M3 und M4)
    mit selbsttätiger Abschaltung der nichteigensicheren elektrischen Anlagen bei Erreichen von
    CH4-Grenzwerten sichergestellt ist.

2. Bei Ausfall nur einer CH4-Messeinrichtung innerhalb einer Gerätegruppe (vgl. Nr. 1) sind CH4-Hand-
    messungen bis höchstens zwei Stunden zulässig, wenn nach einer Störungsabschaltung elektrische
    Anlagen weiterbetrieben werden sollen.

    Auf die Zeit von 2 Stunden brauchen Zeiten, in denen elektrische Anlagen für den Vortrieb abgeschaltet
    sind, nicht angerechnet zu werden.

    Zu berücksichtigen ist, dass CH4-Handmessungen an den betreffenden Messstellen auch einwandfrei
    durchführbar sein müssen; andernfalls muss - z. B. an der Messstelle M3 - die Überwachung durch
    eine tragbare CH4-Messeinrichtung mit externem Messkopf durchgeführt werden.

3. Die Messergebnisse bei Ersatzmaßnahmen nach Nr. 1. und Nr. 2. sind schriftlich festzuhalten und
    zu den Schreibstreifen oder sonstigen Dokumentationen zu nehmen.

4. Reserve-Messeinrichtungen sind möglichst in der Nähe ortsfester Messeinrichtungen betriebsbereit
    zu halten. Die Reservehaltung von nur einer Messeinrichtung je Gerätegruppe erscheint dann aus-
    reichend, wenn die Messeinrichtung wahlweise an der Messstelle einer ausgefallenen CH4-Messein-
    richtung innerhalb einer Gerätegruppe in einer Zeit von höchsten 2 Stunden in Betrieb genommen
    werden kann und

    Wird die Reserve-Messeinrichtung parallel zu einer vorgeschriebenen Messeinrichtung mitbetrieben
    muss das Abschalten der elektrischen Anlagen sichergestellt sein, wenn nur jeweils ein Gerät den
    Abschaltgrenzwert erreicht.

5. Sofern nach Zeitablauf für Ersatzmaßnahmen eine gestörte CH4-Messeinrichtung nicht wieder
    einsatzbereit oder ersetzt worden ist, ist der Vortrieb einzustellen.



Anhang



13.10.2000

18.13.1-7-19

Hinweise für die wettertechnischen Belange
beim Ausrauben und/oder Abdämmen
von Grubenbauen im Steinkohlenbergbau

A 2.18

An die Bergämter des Landes NRW

Betr.: Maßnahmen gegen Brand- und Explosionsgefahren beim Abwerfen von
         Grubenbauen im Steinkohlenbergbau

1. Allgemeines

In offenen Grubenbauen, in denen sich im Rahmen von Raub- und/ oder Abdämmarbeiten,
insbesondere bei eingeschränkter Bewetterung, zumindest örtlich zündfähige Gas/Luft-Gemische
bilden können, ist bei Selbstentzündung von Kohle oder bei Wärmebildung durch gebirgs-
mechanische Beanspruchung (z. B. metallene Ausbauteile) Explosionsgefahr nicht auszuschließen.
Die Gefahr ist um so mehr gegeben,  je länger ein solcher Zustand andauert. Das gilt vor allem
deshalb, weil der abgeworfene Teil der Grubenbaue nicht mehr zur Feststellung örtlicher Gasan-
sammlungen betreten werden kann.

2. Grundsätze

2.1.An Stelle der Bewetterung von Grubenbauen kommt grundsätzlich nur ihre Verfüllung oder
explosionsfeste Abdämmung an allen Zugängen in Betracht. Das Verfüllen von Grubenbauen ist
so vorzunehmen, dass der nicht verfüllte Bereich bewettert wird. Beim Verfüllen und Abdecken
von Tagesschächten sind die hierzu im Sammelblatt (SBI.) des Landesoberbergamts NRW
unter A 2.26 veröffentlichten Bestimmungen zu berücksichtigen.

2.2.Als verfüllt gelten auch zu Bruch geworfene Grubenbaue, wenn die Verfüllung durch
Bruchberge so weit gegeben ist, dass sich Explosionen nicht durch unbewetterte Hohlräume
fortpflanzen können. Auch diese Grubenbaue sind an den Zugängen abzudämmen.

2.3.Die Sperrung von unbewetterten Grubenbauen durch nichtexplosionsfeste Mauern bedarf
einer von Abschnitt 2.1 abweichenden Regelung und ist grubensicherheitlich nur dann vertretbar,
wenn die Bildung zündfähiger Gas/Luft-Gemische (durch Methanausgasung oder Brandschwaden)
ausgeschlossen und eine für den ganzen Grubenbau repräsentative Überwachung sichergestellt ist.

2.4.Je länger abgeworfene Grubenbaue ohne explosionsfeste Abdämmung offen stehen, um so
größer ist das Explosionsrisiko. Daher sind die Raubarbeiten zeitlich auf das unbedingt notwendige
Maß zu begrenzen. Begonnene Raubarbeiten sind einschließlich der Abdämmungen zügig zu Ende
zu führen; sie dürfen auch nicht zeitweilig eingestellt werden. Unter "zügig zu Ende zu führen" ist
mindestens eine einschichtige Belegung der Raubarbeiten pro Arbeitstag zu verstehen. Es ist
sicherzustellen, dass durch das alleinige Ausräumen von Materialien, Betriebseinrichtungen und
Betriebsmitteln die Raubarbeiten auch zeitweilig nicht unterbrochen werden. Diese Forderung
ist in den Nebenbestimmungen der o. a. Hinweise in der Anlage 1 unter Abschnitt 4. und in der
Anlage 2 unter Abschnitt 2. festgelegt. Eine zeitweilige Einstellung von Raub- und Abdämm-
arbeiten ist deshalb nur zulässig, wenn das Bergamt einer solchen Abweichung zugestimmt hat
(Änderung der Nebenbestimmung der Betriebsplanzulassung oder Ausnahmeerteilung). Bei
grubensicherheitlich bedenklichen Verzögerungen der Raubarbeiten sind Zwischenabdämmungen
zu fordern.

Nach Beendigung der Raubarbeiten sind unverzüglich die Abdämmungen vorzunehmen. Mit
einem neuen Raubbetrieb soll erst begonnen werden, wenn ein anderer abgedämmt ist; jedoch
gelten zwei Raubbetriebe in demselben Wetterstrom (z. B. Einzieh- und Ausziehstrecke eines
Abbaus) als eine Einheit und sind beide möglichst schnell und gleichzeitig zu Ende zu führen.

2.5.Ein Unterbauen unbefahrbarer Bereiche, die nicht verfüllt sind, ist vor der Abdämmung
unzulässig.

2.6.Raubarbeiten sind so zu planen und abzuwickeln, dass jeder Wetterstrom einzeln auf
Größe und Gasgehalte bis zur Abdämmung überwacht wird. Grundsätzlich ist eine ortsfeste
Überwachung anzustreben. Die Abwetter von Raubbetrieben sollen anderen Betrieben,
insbesondere Abbaubetrieben, nicht zugeführt werden.

3.Raub- und Abdämmarbeiten bei durchgehender Bewetterung

3.1.Die durchgehende Bewetterung besitzt gegenüber der Sonderbewetterung den gruben-
sicherheitlichen Vorteil, dass der durch den ausgeraubten Bereich ziehende Wetterstrom auf
seine Größe und seine Gasgehalte überwacht werden kann. Daher ist nach Möglichkeit diese
Art der Bewetterung und Überwachung anzuwenden. Die Größe des Wetterstroms braucht
nur auf der Einziehseite oder auf der Ausziehseite überwacht zu werden. Wenn jedoch in dem
ausgeraubten Bereich der Zu- oder Abstrom von Schleichwettern in Betracht kommt, muss
die Größe des Wetterstroms auf der Einziehseite sowie auf der Ausziehseite dieses Bereichs
überwacht werden. Die Gasgehalte sind in jedem Fall auch auf der Ausziehseite festzustellen.

3.2.Der Wetterstrom muss besonders auf die Ausgasungs- und Klimabelange abgestellt sein
und darf nicht weniger als 200 m3/min betragen; in Grubenbauen im Flöz ist er darüber hinaus
so zu bemessen, dass die mittlere Wettergeschwindigkeit im größten freien Querschnitt 0,5 m/s
nicht unterschreitet. Im Einzelfall dürfen, erforderlichenfalls unter Hinzuziehung eines vom Landes-
oberbergamt NRW anerkannten Sachverständigen oder einer vom Landesoberbergamt NRW
anerkannten sachverständigen Stelle oder der Fachstelle für Sicherheit - Prüfstelle für Gruben-
bewetterung der DMT GmbH, geringere Werte festgelegt werden, wenn mit der Bildung von
CH4-Schichten auch dann nicht zu rechnen ist.

3.3. Soweit nach dem Bruchverhalten des Gebirges Zweifel darüber bestehen, ob der festgesetzte
Mindestwetterstrom bis zum Abdämmen aufrechterhalten werden kann, empfiehlt es sich, in den
auszuraubenden Grubenbauen, insbesondere in Streben, verlorenen Ausbau zu belassen.

3.4. Kann ein ausreichender durchgehender Wetterstrom nicht aufrechterhalten werden oder
ergeben sich bedenkliche Gasgehalte, so sind die Grubenbaue ein- und ausziehseitig abzudämmen.
Die vor diesen Dämmen befindlichen offenen Teile der Grubenbaue dürfen unter Sonder-
bewetterung ausgeraubt werden (vergleiche Abschnitt 4).

3.5.Abdämmungen sind ein- und ausziehseitig so vorzunehmen, dass die durchgehende
Bewetterung auch im Bereich der Dammbaustellen erst mit dem Schließen der Dämme
unterbrochen wird. In verbleibenden Streckenstümpfen oder dergleichen ist die erforderliche
Sonderbewetterung vorzubereiten und bei dem Schließen der Dämme rechtzeitig in Betrieb
zu nehmen. Die Dämme sind möglichst gleichzeitig so zu schließen, dass die Explosionsfestigkeit
in kürzester Zeit erreicht wird (vergleiche Abschnitt 2.4). Hierzu eignen sich insbesondere
explosionsfeste Dammrohre mit Blindflanschen.

4.Raub- und Abdämmarbeiten bei Sonderbewetterung

4.1. Der Wetterstrom richtet sich zumindest nach Abschnitt 3.1.1.1 der Sonderbewetterungs-
Richtlinien vom 19.05.2000 (SBI. A 2.18).

4.2. Beim Rauben von Grubenbauen muss der ausgeraubte Bereich zur Vermeidung von
Explosionsgefahren ausreichend verfüllt bzw. zu Bruch geworfen werden. Hierfür sind
entsprechende Nachweise zu erbringen (z. B. Ausschluss zündfähiger Gas/Luft-Gemische;
vollständige Hohlraumverfüllung); in Zweifelsfällen sind die jeweils zuständigen Fachstellen
hinzuzuziehen. Bezüglich des Bruchverhaltens sind mindestens die Hangendschichten, der
Gebirgsdruck, die Standfestigkeit des Grubenbaus (Streckenbegleitdämme, Vollhinterfüllung)
und der Grubenausbau (Ankerausbau) zu berücksichtigen.

Kann der ausgeraubte Bereich nicht ausreichend verfüllt oder bewettert werden, so sind
Zwischenabdämmungen entsprechend den Bestimmungen der Rundverfügung des Landes-
oberbergamts NRW zu 18.13.1-II-1 (SBl. A 2.15) vorzunehmen. Der Abstand der
Zwischenabdämmungen darf 5 x Ö (Streckenquerschnitt) -entsprechend der maximalen
Eindringtiefe eines blasenden Wetterstromes - nicht überschreiten. In der Praxis muss er
geringer sein, da Dammstärke und Arbeitsplatzbedarf (Abstand Dammbaustelle zum
Ausblasende der Luttenleitung) noch zu berücksichtigen sind (s. auch Abschnitte 2.1. und
2.2. in Verbindung mit Anlage 2 Abschnitte 6. und 8.).

Dies gilt insbesondere auch bei Rückbau mit Abwerfen von Abbaustrecken.

4.3.Sofern an dem ausgeraubten Bereich die Depression der Hauptbewetterung,
z. B. über einen dahinter liegenden abgedämmten Alten Mann, anliegt, sind gegebenenfalls
die Abdämmungen in die Überwachung einzubeziehen.

4.4.Die Abdämmung ist so vorzunehmen, dass die Explosionsfestigkeit in kürzester Zeit
erreicht wird.

4.5 Die Errichtung, der Betrieb und die Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen
richten sich nach den Bestimmungen der Sonderbewetterungs-Richtlinien vom 19.05.2000.
Insbesondere sind ortsfeste schreibende Methanmesseinrichtungen (M1 und M2) und
CO-Messeinrichtungen so zu installieren, dass optische und akustische Warnsignale bei
Erreichen der vorgeschriebenen bzw. festzusetzenden Grenzwerte in einer ständig besetzten
Stelle (Sicherheitswarte) ausgelöst werden.

Der Methangehalt des geraubten und durch den Freistrahl der Luttentour bewetterten
Bereichs sollte zusätzlich überwacht werden (z.B. durch Sonden). Geeignete Maßnahmen
sind im Betriebsplanantrag vom Wetteringenieur anzugeben. Falls eine Überwachung der
abströmenden Gas/Luft-Gemische aus dem Raubbereich nicht möglich ist (z. B. in dem Fall,
dass aufgrund des Einfallens des zu raubenden Grubenbaus sich zündfähige Gas/Luft-Gemische
im höher liegenden und bereits geraubten Bereich ansammeln können), ist das Rauben nicht
zuzulassen.

Zur Gewährleistung einer ausreichenden Bewetterung sollen die Messwerte der Volumen-
strommesseinrichtungen (W1/W2) am Ausblasende von Sonderbewetterungsanlagen
entsprechend den Wettermessdaten-Grundsätzen zu der ständig besetzten Stelle übertragen
und ausgewertet werden.

Vor Beginn der Raubarbeiten unter Sonderbewetterung sind Prüfungen entsprechend
Abschnitt 4.3 der Sonderbewetterungs-Richtlinien vom 19.05.2000 von einer wettertechnisch
qualifizierten verantwortlichen Person (Wetteringenieur, Wettersteiger) durchzuführen. Dabei
ist auch darauf zu achten, dass der Freistrahl der Lutte den Firstbereich des Raubbereichs
bewettert.

5. Besonderheiten bei der Ablösung von Bauhöhen

Im Hinblick auf möglicherweise von Raubbetrieben ausgehende Gefahren empfiehlt es sich,
die Ablösung der Bauhöhen so vorzunehmen, dass der betriebene Abbau nicht durch die
Wetter des Raubbetriebs der Nachbarbauhöhe belastet wird. Dadurch, dass sich der
Alte Mann auf der Abwetterseite befindet, ergeben sich brand- und ausgasungstechnische
sowie klimatische Vorteile.

6. Besonderheiten bei weiträumigem Abwerfen von Grubenbauen

Beim Abwerfen einer größeren Anzahl von Grubenbauen, z. B. auch bei Verkleinerung oder
Abwerfen des Grubengebäudes, sind die sich ergebenden Besonderheiten wie folgt zu
berücksichtigen.

6.1.Die sich in Abhängigkeit von den Änderungen der Grubenweite ergebenden Lüfter-
betriebspunkte müssen innerhalb der festgelegten Regelbereiche der Lüfter (ausreichend
weit von der Abreißgrenze entfernt) liegen. Besonders ist darauf zu achten, dass bei
Verlagerung diagonaler Wetterzweige die Stabilität der Wetterführung jederzeit gesichert ist.

6.2.Abweichend von dem Grundsatz der Überwachung jedes Wetterstromes (Abschnitt 2.6)
ist eine kurzfristige Zusammenfassung der Überwachung mehrerer paralleler Wetterströme
von Grubenbauen im Gestein zulässig, wenn die Größe des hierbei überwachten Wetterstroms
insgesamt 50 m3/s nicht überschreitet.

7. Hinzuziehung von Fachstellen

Soweit sich besondere wetter-, explosions- oder brandtechnische Fragen ergeben, sind hierfür
vom Landesoberbergamt NRW anerkannte Sachverständige, anerkannte sachverständige Stellen,
die Fachstelle für Sicherheit - Prüfstelle für Grubenbewetterung DMT GmbH oder die Fachstelle
für Brand- und Explosionsschutz der DMT GmbH hinzuzuziehen.

8. Zulassung von Betriebsplänen für Raub- und Abdämmarbeiten

Bei der Prüfung der Betriebspläne für Raub- und/oder Abdämmarbeiten ist darauf zu achten,
dass die Anforderungen nach diesen Hinweisen erfüllt werden. Außer den sonst erforderlichen
Unterlagen muss den Betriebsplänen ein Grubenbildauszug mit eingezeichneter Wetterführung und
geplanter Abdämmung beiliegen. Bei der Zulassung der Betriebspläne sind zumindest die Neben-
bestimmungen nach den Anlagen 1 bis 4 zu berücksichtigen, die für einfache Anordnungen von
Raub- und Abdämmbetrieben gelten. Bei schwierigen Anordnungen (z. B. bei weiträumigem
Abwerfen von Grubenbauen) sind erforderlichenfalls die Arbeiten in einzelne Raub- und Abdämm-
abschnitte so zu unterteilen, dass die Übersichtlichkeit erhalten bleibt.

Die Rundverfügungen vom 20.12.1985 - 18.13.1-7-19 - (Stand: 12.02.1996) nebst Anlagen und
12.02.1996 - 18.31.1-7-19 - (beide im Abschnitt A 2.18 des Sammelblattes) werden hiermit
aufgehoben.

Gründe für die redaktionelle Überarbeitung der o. a. Rundverfügungen sind die BVOSt vom
10.01.2000 und die Sonderbewetterungs-Richtlinien vom 19.05.2000.

Dortmund, den 13.10.2000

Landesoberbergamt NRW

v.  B a r d e l e b e n



Anlage 1

 

Nebenbestimmungen für Raub- und Abdämmarbeiten
bei durchgehender Wetterführung

 

1. Für jeden Raubbetrieb sind Wettermessstellen einzurichten, an denen jeweils vor Abzweigen
bzw. Einmündungen anderer Wetterströme der Ein- und Ausziehstrom des Raubbetriebs
überwacht werden kann.

2. Am Anfang und vor Ort der Raubbetriebe sind Wettertafeln (§ 37 Abs. 1 BVOSt) aufzuhängen.

3. Als Ortsälteste der Raubbetriebe sind Wettermänner (§ 38 Abs. 2 BVOSt) einzusetzen.

4. Begonnene Raubarbeiten sind einschließlich der Abdämmungen zügig zu Ende zu führen;
sie dürfen auch nicht zeitweilig eingestellt werden.

5. Für die Abdämmung sind spätestens bei Beginn der Raubarbeiten Vorbereitungen zu treffen
(z. B. Kennzeichnung der Dammbaustellen), dass die Abdämmung ohne Verzögerungen
vorgenommen werden kann.

6. Der Fortschritt der Raub- und Abdämmarbeiten ist arbeitstäglich schriftlich festzuhalten;
die Aufzeichnungen sind so aufzubewahren, dass sie jederzeit vom Bergamt eingesehen
werden können.

7. Jedem Raubbetrieb sind wenigstens ___________ m3/min Wetter zuzuführen. Die mittlere
Wettergeschwindigkeit im größten freien Querschnitt darf _____________ m/s nicht unter-
schreiten.

8.1. Wettergeschwindigkeit und Größe des durch den ausgeraubten Bereich ziehenden
Wetterstroms sind vor Aufnahme der Arbeit und wenigstens einmal während der Schicht
durch entsprechend unterwiesene Personen (verantwortliche Person, Wettermann oder
Ortsältester nach Abschnitt 3) festzustellen. Die Messwerte sind in ein Buch einzutragen,
das dem Wettersteiger wöchentlich zur Einsichtnahme vorzulegen ist. Der Wettersteiger
muss die Einsichtnahme mit Datum und Unterschrift vermerken.

8.2. Die Bestimmungen zu Abschnitt 8.1 können entfallen, wenn der Wetterstrom des
Raubbetriebs durch eine ortsfeste schreibende Wettergeschwindigkeitsmesseinrichtung
überwacht wird, durch die bei Erreichen des Mindestwetterstroms oder der Mindest-
wettergeschwindigkeit an einer ständig besetzten Stelle ein akustisches und optisches
Warnsignal ausgelöst wird.

9.1. In jedem Raubbetrieb ist unbeschadet der §§ 36 und 37 BVOSt vor Aufnahme
der Arbeit und wenigstens einmal während der Schicht der Gehalt der Wetter an
CH4, CO und CO2 durch eine der unter Abschnitt 8 genannten Personen festzustellen.
Eine der Feststellungen ist von einer verantwortlichen Person durchzuführen. Auch wenn
nur einziehseitig geraubt wird, müssen die vorgenannten Feststellungen auf jeden Fall auch
in dem Abwetterstrom des Raubbetriebs (ausziehseitig der ausgeraubten Grubenbaue)
getroffen werden.

Die CO-Feststellungen können entfallen, wenn der Abwetterstrom des Raubbetriebs durch
eine ortsfeste schreibende CO-Messeinrichtung überwacht wird.

9.2. Wird ein CH4-Gehalt von mehr als 0,5 % festgestellt, so ist der Abwetterstrom des
Raubbetriebs durch eine ortsfeste schreibende CH4-Messeinrichtung zu überwachen.

9.3. Ortsfeste Messeinrichtungen nach den Abschnitten 9.1 und 9.2 müssen mit Vorrichtungen
versehen sein, durch die bei Erreichen der vorgeschriebenen bzw. festgesetzten Grenze des
Gasgehalts bzw. bei Ansprechen der programmgesteuerten Brandfrüherkennung an der
ständig besetzten Stelle ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst wird. Bei
Erreichen der Grenze für den zulässigen CH4-Gehalt müssen auch die nichteigensicheren
elektrischen Anlagen selbsttätig und unverzögert abgeschaltet werden.

10. Werden die zulässigen Gehalte an CH4 oder anderen schädlichen Gasen überschritten
und können die unzulässigen Gehalte nicht unverzüglich und nachhaltig beseitigt werden,
so sind die ausgeraubten Grubenbaue ein- und ausziehseitig abzudämmen; das Bergamt
ist unverzüglich zu benachrichtigen. Dies gilt auch, wenn anhand der Ergebnisse der Fest-
stellungen eine Brandgefahr besteht.

11. Die in den Strecken getroffenen Sicherungen gegen Kohlenstaubexplosionen sowie die
Einrichtungen für den Brandschutz und zur Brandbekämpfung dürfen nur entsprechend dem
jeweiligen Fortschritt der Raubarbeiten ausgebaut werden.

12.1. Das Fertigstellen und Schließen der Dämme ist spätestens unverzüglich nach Beendigung
der Raubarbeiten in der Weise vorzunehmen, dass in kürzester Zeit der ein- und ausziehseitige
Abschluss die erforderliche Explosionsfestigkeit und Wetterdichtheit erlangt.

12.2. Beim Fertigstellen der Dämme sind die Feststellungen nach den Abschnitten 8 und 9
nach näherer Weisung des Wettersteigers in kürzeren Zeitabständen vorzunehmen.

12.3. Kann sich durch die Wetterdrosselung beim Dammbau eine Gefahr einstellen, so sind
Dammrohre in die Dämme einzubauen, durch die eine ausreichende Bewetterung bis zum
Schließen der Rohre gesichert ist. Dies gilt insbesondere auch für den Fall nach Abschnitt 10.
Die Dammrohre sind nach Fertigstellung der Dämme ein- und ausziehseitig gleichzeitig zu schließen.

Falls die Raubarbeiten nicht im Rahmen der vorstehenden Nebenbestimmungen durchgeführt
werden können, z. B. bei Umstellung auf Sonderbewetterung (Zwischenabdämmung erforderlich),
ist unverzüglich ein neuer Betriebsplan vorzulegen.



Anlage 2 

Nebenbestimmungen für Raub- und Abdämmarbeiten
bei Sonderbewetterung

 

1. Als Ortsälteste der Raubbetriebe sind Wettermänner (§ 38 Abs. 2 BVOSt) einzusetzen.

2. Begonnene Raubarbeiten sind einschließlich der Abdämmungen zügig zu Ende zu führen;
sie dürfen auch nicht zeitweilig eingestellt werden.

3. Für die Abdämmung sind spätestens bei Beginn der Raubarbeiten Vorbereitungen zu treffen
(z. B. Kennzeichnung der Dammbaustellen), dass die Abdämmung ohne Verzögerungen
vorgenommen werden kann.

4. Der Fortschritt der Raub- und Abdämmarbeiten ist arbeitstäglich schriftlich festzuhalten;
die Aufzeichnungen sind so aufzubewahren, dass sie jederzeit vom Bergamt eingesehen
werden können.

5. Die mittlere Wettergeschwindigkeit im größten freien Querschnitt darf __________ m/s
nicht unterschreiten.

6. Die Sonderbewetterung und deren Überwachung ist nach den Sonderbewetterungs-Richtlinien
vorzunehmen.

7.1. In dem Raubbetrieb ist unbeschadet der §§ 36 und 37 BVOSt vor Aufnahme der Arbeit
und wenigstens einmal während der Schicht der Gehalt der Wetter an CH4, CO und CO2
durch eine verantwortliche Person, einen Wettermann oder den Ortsältesten (vergleiche
Abschnitt 1) festzustellen. Eine der Feststellungen ist von einer verantwortlichen Person
durchzuführen. Die CO-Feststellungen können entfallen, wenn der Rückstrom der Sonder-
bewetterung durch eine ortsfeste schreibende CO-Messeinrichtung überwacht wird.

Die Abdämmungen in _______________________________________________ ________________________________________________________________

sind arbeitstäglich auf die Richtung des Wetterdrucks und die CH4- und CO-Gehalte in
den Schnüffelrohren zu überwachen.

7.2. Ortsfeste Messeinrichtungen nach Abschnitt 7.1 müssen mit Vorrichtungen versehen sein,
durch die bei Erreichen der vorgeschriebenen bzw. festgesetzten Grenze des Gasgehalts bzw.
bei Ansprechen der programmgesteuerten Brandfrüherkennung an der ständig besetzten Stelle
ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst wird.

8. Wenn der ausgeraubte Bereich, soweit er nicht bewettert wird, nicht zur Vermeidung von
Explosionsgefahren ausreichend verfüllt bzw. zu Bruch geworfen wird, sind Zwischenab-
dämmungen vorzunehmen.

9. Die in den Strecken getroffenen Sicherungen gegen Kohlenstaubexplosionen sowie die
Einrichtungen für den Brandschutz und zur Brandbekämpfung dürfen nur entsprechend dem
jeweiligen Fortschritt der Raubarbeiten ausgebaut werden.

10.1. Das Fertigstellen und Schließen der Abdämmung ist spätestens unverzüglich nach
Beendigung der Raubarbeiten in der Weise vorzunehmen, dass in kürzester Zeit der
Abschluss die erforderliche Explosionsfestigkeit und Wetterdichtheit erlangt.

10.2. Beim Fertigstellen der Abdämmung sind die Feststellungen nach Abschnitt 7 fortzusetzen.

10.3. Die Bestimmungen nach den Abschnitten 10.1 und 10.2 gelten auch für Zwischenab-
dämmungen.



Anlage 3 

Nebenbestimmungen für Abdämmarbeiten
bei durchgehender Wetterführung

 

1. Das Fertigstellen und Schließen der Dämme ist ohne zeitweilige Einstellung der Arbeiten
in der Weise vorzunehmen, dass in kürzester Zeit der ein- und ausziehseitige Abschluss die
erforderliche Explosionsfestigkeit und Wetterdichtheit erlangt.

2. Beim Fertigstellen der Dämme sind unbeschadet der §§ 36 und 37 BVOSt durch entsprechend
unterwiesene Personen (verantwortliche Person oder als Wettermann ausgebildete Person) vor
Aufnahme der Arbeit und wenigstens einmal während der Schicht die Wettergeschwindigkeit und
Größe des durch den abzudämmenden Bereich ziehenden Wetterstroms sowie der Gehalt der
Wetter an CH4, CO und CO2 festzustellen. Eine der Feststellungen ist von einer verantwortlichen
Person vorzunehmen. Es ist sicherzustellen, dass die Feststellungen auf jeden Fall auch an der
ausziehseitigen Abdämmung getroffen werden. Bei Zunahme der Gasgehalte der Wetter sind in
kürzeren Zeitabständen weitere Feststellungen nach näherer Weisung des Wettersteigers
durchzuführen.

3. Kann sich durch die Wetterdrosselung beim Dammbau eine Gefahr einstellen, so sind
Dammrohre in die Dämme einzubauen, durch die eine ausreichende Bewetterung bis zum
Schließen der Rohre gesichert ist. Die Dammrohre sind nach Fertigstellung der Dämme
ein- und ausziehseitig gleichzeitig zu schließen.



Anlage 4

 

Nebenbestimmungen für Abdämmarbeiten
bei Sonderbewetterung

 

1. Das Fertigstellen und Schließen der Abdämmung ist ohne zeitweilige Einstellung der
Arbeiten in der Weise vorzunehmen, dass in kürzester Zeit der Abschluss die erforderliche
Explosionsfestigkeit und Wetterdichtheit erlangt.

2. Beim Fertigstellen der Abdämmung sind unbeschadet der §§ 36 und 37 BVOSt durch eine
verantwortliche Person oder als Wettermann ausgebildete Person vor Aufnahme der Arbeit
und wenigstens einmal während der Schicht der Gehalt der Wetter an CH4, CO und CO2
festzustellen. Eine der Feststellungen ist von einer verantwortlichen Person vorzunehmen.



 13.10.2000

18.3-2-6

CH4-Ausnahme-Richtlinien

A 2.18

Stand: 18.06.2004

 

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen für die Bewilligung von
Ausnahmen für einen Gehalt der Wetter bis 1,5 % im freien Querschnitt der Grubenbaue
im Abbau (CH4-Ausnahme-Richtlinien)

Bei der Bewilligung von Ausnahmen von § 35 Abs. 1 BVOSt und der Genehmigung von
Ausnahmen von § 27 Abs. 1 ElBergV für einen CH4-Gehalt der Wetter bis 1,5 % im freien
Querschnitt der Grubenbaue bitte ich die anliegenden Richtlinien zu beachten. Die Über-
arbeitung der Richtlinien ist durch das Inkrafttreten der Bergverordnung des Landesober-
bergamts NRW für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000, der Bergverordnung
des Landesoberbergamts NRW für elektrische Anlagen (Elektro-Bergverordnung - ElBergV)
vom 09.05.2000 sowie der Neufassung der Richtlinien des Landesoberbergamts NRW über
die Errichtung, den Betrieb und die Überwachung von Sonderbewetterungsanlagen in
Grubenbauen des Steinkohlenbergbaus (Sonderbewetterungs-Richtlinien) erforderlich geworden.

Bei der Anwendung der Richtlinien bitte ich folgende Hinweise zu beachten:

Ausnahmen für einen CH4-Gehalt der Wetter bis 1,5 % dürfen nur für den Abbau bewilligt
werden und sind auf die durchgehend bewetterte ausziehende Abbaustrecke bis zum ersten
Wetterverzweigungspunkt und gegebenenfalls den Streb zu beschränken. Der jeweilige
CH4-Grenzwert ist dabei entsprechend den Ausgasungsgegebenheiten festzulegen
(s. Abschnitt 4.2.1 und 4.3.1 der Richtlinien).

Zur Vergleichmäßigung der Zusatzausgasung soll der Abbau im wettertechnischen Vorbau
geführt werden.

Bei wettertechnischem Rückbau mit durchgehender Wetterauffrischung des Strebauszieh-
stromes (z. B. Y-, H- oder A-Bewetterungszuschnitt) ist im Bereich des ausziehseitigen
Überganges Streb/Strecke mit lokalen Ausgasungszuströmen zu rechnen. Deshalb ist eine
Ausnahme für örtliche CH4-Konzentrationen bis zu 1,5 % im freien Querschnitt der
Grubenbaue im Bereich der Gaszutrittsstellen (ausziehseitige Strebhälfte, Übergangsbereich
Streb/Ausziehstrecke, Wetterauffrischungsstrecke) nur dann zu bewilligen, wenn der Grenz-
wert von 1 % für den mittleren CH4-Gehalt des Gesamtausziehstromes eingehalten wird.

Für wettertechnischen Rückbau mit Abwerfen oder Sonderbewettern der ausziehenden
Abbaustrecke dürfen wegen der mit dieser Zuschnittsform verbundenen besonderen
Ausgasungsschwierigkeiten CH4-Ausnahmen nicht bewilligt werden.

Zur Optimierung der Gasabsaugung sollte am entferntesten Bohrloch ein Unterdruck von
mindestens 100 mbar zur Verfügung stehen (s. Abschnitt 3.2 f der Richtlinien).

Von der Einschränkung in Abschnitt 5.1 der Richtlinien über die Einordnung eines
CH4-Ausnahmebetriebes in eine Wetterabteilung kann für folgenden Fall abgewichen werden:

Ist in der Bauabteilung planmäßig nur ein Abbaubetrieb vorhanden, können Übergangs-
schwierigkeiten in der An- bzw. Auslaufphase eintreten, wenn z. B. der Betrieb an einer
Baugrenze ohne Störung ausläuft und der Ablösebetrieb gleichzeitig anläuft. Müssen beide
Betriebe aufgrund der Klammerwirkung des vorgeschalteten Betriebs in dieselbe Wetter-
abteilung eingeordnet werden, so kann unter der Voraussetzung, dass die Gesamtförderung
beider Betriebe die Fördermenge des planmäßig laufenden Abbaubetriebes nicht überschreitet
und in den gemeinsamen Wetterzufuhr- oder -abfuhrstrecken Explosionssperren der Bauart 4.1
errichtet und betrieben werden, für einen der beiden Abbaubetriebe eine Ausnahme bewilligt
werden.

Das Stillsetzen von Fahrzeugen mit Dieselmotoren ist durch technische und/oder
organisatorische Maßnahmen sicherzustellen.

Vor Bewilligung einer Ausnahme ist anhand der Ausgasungs- und Bewetterungsunterlagen
sowie durch Befahrungen des Betriebes festzustellen, ob die wetter- und elektrotechnischen
Voraussetzungen der Richtlinien erfüllt und die Maßnahmen durchgeführt sind, die der
Beherrschung und Überwachung der Ausgasung und dem Explosionsschutz dienen.

Die Rundverfügung vom 11.11.1994 - 18.3-2-6 - (Abschnitt A 2.18 des Sammelblattes)
wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 13.10.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



Richtlinien des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
für die Bewilligung von Ausnahmen für einen CH4-Gehalt der Wetter
bis 1,5 % im freien Querschnitt der Grubenbaue im Abbau
(CH4-Ausnahme-Richtlinien)

vom 13.10.2000

 

Inhaltsübersicht

1.        Geltungsbereich

2.        Begriffsbestimmungen

3.        Allgemeine Anforderungen

3.1      Allgemeines
3.2      Antragsunterlagen

4.        Wetter- und elektrotechnische Voraussetzungen

4.1      Ausgasung
4.2      Bewetterung
4.3      Wettertechnische Überwachung
4.4      Elektrotechnische Anforderungen an wettertechnische Messeinrichtungen
4.5      Elektrotechnische Anforderungen an Kraft-,  Beleuchtungs- und Fernmeldeanlagen

5.       Nebenbestimmungen für CH4-Ausnahmebewilligungen

5.1     Wetterabteilung
5.2     Gasabsaugung
5.3     Bewetterung
5.3.1  Durchgehende Bewetterung
5.3.2  Sonderbewetterung
5.4     Ortsfeste schreibende Messeinrichtungen
5.4.1  CH4-Messeinrichtungen
5.4.2  Wettergeschwindigkeitsmesseinrichtungen
5.4.3  Überwachung der Messeinrichtungen
5.5     Ersatzmaßnahmen bei Unwirksamkeit bzw. Störung ortsfester schreibender CH4- und
          Wettergeschwindigkeits-Messeinrichtungen
5.6     Handmessungen
5.7     Sonstige Maßnahmen
5.7.1  Explosionsschutzmaßnahmen
5.7.2  Räumung des Gefahrenbereiches
5.7.3  Betrieb und Überwachung elektrischer Anlagen

 

1.  Geltungsbereich

Diese Richtlinien sind von den Bergämtern bei der Bewilligung von Ausnahmen für einen
CH4-Gehalt der Wetter bis 1,5 % im freien Querschnitt der Grubenbaue im Abbau zu
beachten.

2.  Begriffsbestimmungen

2.1  A u s n a h m e b e r e i c h

Ausnahmebereich ist der Bereich der Grubenbaue, in dem der zulässige CH4-Gehalt der
Wetter bis zu 1,5 % betragen darf und die elektrischen Anlagen mindestens bei Erreichen
dieses Grenzwertes selbsttätig und unverzögert abgeschaltet werden müssen.

2.2  G e f a h r e n b e r e i c h

Als Gefahrenbereich sind mindestens die Grubenbaue im Ausnahmebereich, der Streb und
die einziehende Abbaustrecke anzusehen. Nach Konzentration und Umfang der Gasgemische
kommen als Gefahrenbereich auch eine weiterausgedehnte Wetterabteilung sowie die
ausziehseitigen Grubenbaue in Betracht.

2.3  W e t t e r t e c h n i s c h e r  R ü c k b a u

Wettertechnischer Rückbau ist dann gegeben, wenn der höchste Ortsdruck bezogen auf den
Alten Mann an der ausziehseitigen Streböffnung anliegt.

2.4  W e t t e r t e c h n i s c h e r  V o r b a u

Wettertechnischer Vorbau ist dann gegeben, wenn der höchste Ortsdruck bezogen auf den
Alten Mann an der Anlaufkante des Strebs anliegt.

3.  Allgemeine Anforderungen

3.1  P l a n u n g s g r u n d s a t z

Die Maßnahmen zur Beherrschung der Ausgasung sind grundsätzlich so zu planen, dass der
CH4-Gehalt der Wetter im freien Querschnitt der Grubenbaue überall weniger als 1 % beträgt.
Ausnahmen sind nur dort zu bewilligen, wo der CH4-Gehalt wegen besonders starker
Ausgasung trotz optimaler Gasabsaugung und Wetterversorgung unerwartet lokal nicht ständig
unter 1 % zu halten ist. Zweck einer Ausnahme darf es z. B. nicht sein, den Abbau in einer
Bauabteilung zu Lasten der optimalen Wetterversorgung aller Betriebe zu konzentrieren, den
größtmöglichen Wetterstrom in einem Abbau zu verringern, die erforderliche wettertechnische
Infrastruktur oder Gasabsaugung zu vernachlässigen.

Für Abbaubetriebe mit hoher Zusatzausgasung ist als Zuschnittsform wettertechnischer Vorbau
vorzusehen.

In dem für die Bewilligung einer Ausnahme erforderlichen Antrag muss eingehend dargelegt
werden, warum im Einzelfall der CH4-Gehalt der Wetter nicht unter 1 % gehalten werden
kann und durch welche zusätzlichen Maßnahmen eine mindestens dem ausnahmelosen Zustand
gleichwertige Sicherheit gewährleistet wird.

3.2  A n t r a g s u n t e r l a g e n

Der Antrag muss mindestens enthalten

-  in wettertechnischer Hinsicht:

    a)  Gebirgsschichtenschnitt ca. 200 m ins Hangende und ca. 100 m ins Liegende mit
         Entfernungsangabe der Schnittlinie vom Abbau,
    b)  Abbaugrundriss mit Kennzeichnung der Abbaukanten und Restpfeiler bis ca. 200 m 
         ins Hangende und ca. 100 m ins Liegende, mit farblich eindeutiger Kennzeichnung des
         Ausnahmebereichs, mit Kennzeichnung der ein- und ausziehenden Wetterwege, mit
         Angaben der zugehörigen Wettergeschwindigkeiten und Wetterströme bis zur Abbaugrenze
         sowie der Standorte von Lüftern der Sonderbewetterungsanlagen, mit Angaben über
         Standort, Messstellen sowie Art und Typ der ortsfesten Messeinrichtungen, 
    c)  Ausgasungsvorausberechnung mit Ermittlung des maximalen Gasanfalls,
    d)  Ausschnitt aus dem Bewetterungsplan mit Angaben über die Wetterdruck- und
         Wetterstromverteilung und farblich eindeutiger Kennzeichnung des Ausnahmebereichs
         sowie Angaben über die Veränderung der Wetterströme im Abbaubereich (z.B. bei
         Durchschlägen und Abdämmungen, beim Öffnen von Wettertüren, durch die Einwirkung
         der Hauptlüfter), 
     e)  Stabilitätsberechnungen für den Fall der vollständigen Zerstörung von Wetterbauwerken
          in der betroffenen Wetterabteilung (s. Abschnitt 4.2.2),
     f)  Anzahl, Abstand, Durchmesser, Länge, Neigung und Lage der geplanten Gasabsauge-
          bohrungen einschließlich Angaben über Abdichtung der Standrohre, über Entwässerungs-
          maßnahmen und über den mindestens zur Verfügung stehenden Unterdruck am vom
          Druckerzeuger entferntesten Bohrloch, 
     g)  Angaben über die Errichtung und Reservehaltung von Einrichtungen zur Erhöhung der
          örtlichen Wettergeschwindigkeit;

-  in elektrotechnischer Hinsicht: 

     a)  Grubenriss, aus dem der Aufstellungsort der elektrischen Betriebsmittel, die Kabel-
          und Leitungsführung und die Wetterrichtungspfeile zu ersehen sind,
     b)  Übersichtsschaltplan mit vorgesehenen Kabel- und Leitungsbauarten,
     c)  Stromlaufplan über die Abschaltung der elektrischen Anlagen durch Isolationsüber-
          wachungseinrichtungen und CH4-Messeinrichtungen.

4.  Wetter- und elektrotechnische Voraussetzungen

4.1  A u s g a s u n g

Die Kenntnis des zu erwartenden Gasanfalls ist erforderlich, damit bereits bei der Planung,
insbesondere von Hochleistungsbetrieben, die Förderung, der Wetterstrom und die
Gasabsaugung aufeinander abgestimmt werden können.

In der Ausgasungsvorausberechung muss eine Änderung der Gasführung, z.B. bei Abbaukanten,
bei Restpfeilern, bei gegenseitiger Beeinflussung von Abbaubetrieben, berücksichtigt werden.

Die Berechnungen sind auf der Grundlage von Erfahrungswerten oder eines dem Stand der
Technik und Wissenschaft entsprechenden Verfahrens durchzuführen.

Der Antragsteller hat die ausreichende und auch optimale Bemessung der Gasabsaugeanlage
durch Berechnungen nachzuweisen. Die Zahl der Bohrlöcher, die Leitungsquerschnitte und
der verfügbare Unterdruck müssen groß genug sein, die absaugbare Gasmenge abzuführen.
Das abgesaugte Gas muss mit der Gasabsaugeanlage nach über Tage abgeführt werden.

4.2  B e w e t t e r u n g 

4.2.1  Zuschnittsformen des Abbaus

Zu den Maßnahmen zur Beherrschung der Ausgasung gehört der wettertechnische Vorbau;
dabei sind insbesondere Bewetterungsformen, durch die in Grubenbauen mit starker Ausgasung
Wetterstrom und Wettergeschwindigkeit vergrößert und/oder die durch Ausgasung vorbelasteten
Wetter aufgefrischt werden, z. B. Y-, H-, W- oder A-Zuschnitt, zu bevorzugen.  

Die Zufuhr von Frischwettern auf der Abwetterseite des Strebs mit Hilfe einer Sonderbewetterung
ist nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen zulässig (s. Abschnitt 5.3.2 der Richtlinien).

Besondere Vorsicht ist auch bei wettertechnischem Vorbau geboten bei einer Abdichtung des
versatz- bzw. bruchfeldseitigen Stoßes in der Abwetterstrecke (z. B. durch Streckenbegleitdämme)
wegen der dann auftretenden schwer beherrschbaren örtlichen Methanzuströme im Bereich der
ausziehseitigen Streböffnung (Rückbaueffekt). Dem Rückbaueffekt ist durch geeignete technische
Maßnahmen entgegenzuwirken.

4.2.2  Wetterdruck- und Wetterstromverteilung

Eine möglichst große Wettergeschwindigkeit (wenigstens 1 bis 2 m/s) ist zumindest in der
ausziehenden Abbaustrecke für eine schnelle Durchmischung des Gaszustromes mit dem
Wetterstrom sicherzustellen.

Damit die Druckverluste in den ein- und ausziehenden Strecken des Abbaubereiches nicht zu
groß werden, soll der Querschnitt 10 m2 betragen; ein Mindestquerschnitt von 8 m2 darf nicht
unterschritten werden. Zur Sicherstellung der o. a. Querschnitte sind rechtzeitig Senk- und
Erweiterungsarbeiten durchzuführen.

Durch Wetternetzberechnung hat der Antragsteller nachzuweisen, dass der Wetterdruck ausreicht,
während des Abbaus über die gesamte Baulänge die festgelegten Wetterströme durch die
Grubenbaue mit starker Ausgasung (Streb und ausziehende Abbaustrecke) zu führen.

Aus der Wetterdruck- und Wetterstromverteilung muss die Stabilität der Wetterführung
ersichtlich sein. Auf etwaige Schwachstellen (z.B. kritische diagonale Wetterwege, Wetter-
bauwerke) ist unter Angabe der Maßnahmen zur Stabilitätssicherung hinzuweisen.

Für die in der Wetterabteilung befindlichen Wetterbauwerke ist durch Wetternetzberech-
nungen nachzuweisen, dass bei Wegfall der Wetterbauwerke (z. B. durch eine Explosion)
noch eine ausreichende Bewetterung (Richtungsstabilität und Einhaltung der Mindestwetter-
geschwindigkeiten unter Berücksichtigung der Ausgasung) gewährleistet ist. Falls eine
ausreichende Bewetterung nicht gewährleistet ist, sind entsprechende Stabilisierungsmaß-
nahmen (z. B. 2 bar-Wetterbauwerke) vorzusehen.

4.3  W e t t e r t e c h n i s c h e  Ü b e r w a c h u n g

4.3.1  Überwachung der Ausgasung

Zur kontinuierlichen Überwachung der CH4-Ausgasung sind ortsfeste schreibende
CH4-Messeinrichtungen einzusetzen.

Durch die Bauweise der Messeinrichtungen sowie durch die Anordnung von Zusatzgeräten
für die Weitergabe von Abschaltbefehlen und für die Übertragung, Anzeige und Aufzeichnung
von Messwerten muss sichergestellt sein, dass bei Erreichen des Grenzwertes für den
zulässigen CH4-Gehalt der Wetter

a)  die elektrischen Anlagen, die nach § 27 ElBergV nicht weiterbetrieben werden dürfen,
selbsttätig und unverzögert abgeschaltet sowie akustische und optische Warnsignale an einer
ständig besetzten Stelle ausgelöst werden,

b)  der CH4-Gehalt der Wetter an allen Messstellen im Ausnahmebereich nach der Abschaltung
weiterhin gemessen und fernübertragen wird.

Für die Anordnung von Messeinrichtungen und die Handhabung von Grenzwerten gilt folgendes:

Es ist darauf zu achten, dass Auffrischungen oder Einrichtungen zur Erhöhung der örtlichen
Wettergeschwindigkeit nicht zur Anzeigeverfälschung führen.

Eine Vielzahl ortsfester schreibender Messeinrichtungen kann jedoch nicht die erforderliche
intensive Überwachung der örtlichen Ausgasung durch CH4-Handmessungen in Bereichen mit
erhöhten Gaszuströmen ersetzen, sondern nur ergänzen. Wegen der mit dem Betriebsablauf
sich immer wieder ändernden örtlichen Ausgasung darf diese Überwachung während belegter
Schichten nicht unterbrochen werden (s. Abschnitt 5.6 Abs. 1 der Richtlinien).

Durch Profilmessungen ist außerdem die Verteilung des Gaszustroms in die Grubenbaue zu
ermitteln; auf diese Weise ergibt sich ein Überblick über die Ausgasungsschwerpunkte
(s. Abschnitt 5.6 Abs. 2 der Richtlinien).

Die Maßnahmen gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann entsprechend der Rund-
verfügung des Landesoberbergamts NRW zu 18.41.3-12-1, Sammelblatt A 2.7, sind zu
berücksichtigen und durchzuführen.

4.3.2  Überwachung der Wetterströme

Zur kontinuierlichen Überwachung der für die Bewetterung des Strebs und der ausziehenden
Abbaustrecke erforderlichen Wetterströme sind ortsfeste schreibende Wettergeschwindig-
keitsmesseinrichtungen einzusetzen.

Für die Anordnung von Messeinrichtungen und für die Handhabung von Grenzwerten gilt
folgendes:

Der durch den Streb geführte Wetterstrom ist zusätzlich durch Handmessungen zu ermitteln
(Profilmessungen nach Abschnitt 5.6 Abs. 2 der Richtlinien). Die Ermittlung des Strebwetter-
stroms ist so durchzuführen, dass die im rückwärtigen Bereich durch den Alten Mann
ziehenden Wetter nicht miterfasst werden.

4.4  E l e k t r o t e c h n i s c h e  A n f o r d e r u n g e n  a n  w e t t e r t e c h n i s c h e 
       M e s s e i n r i c h t u n g e n

Als wettertechnische Messeinrichtungen dürfen nur Messeinrichtungen verwendet werden,
die Bestandteile einer eigensicheren Anlage sind.

Die Messeinrichtungen müssen so errichtet sein, dass Störungen (z. B. Beschädigung,
Spannungsausfall) in den Messgeräten und Zusatzeinrichtungen für die Weitergabe des
Abschaltbefehls zur selbsttätigen und unverzögerten Abschaltung der elektrischen Anlagen
im Ausnahmebereich führen, soweit es den technischen Möglichkeiten der zugelassenen
Geräte entspricht.

Die selbsttätige und unverzögerte Abschaltung muss auch bei Kurzschlüssen oder
Unterbrechungen in den Stromkreisen der außerhalb von Betriebsmitteln verlegten
Kabeln und Leitungen des Abschaltstromkreises erfolgen. 

Vorrichtungen für das Überbrücken des Abschaltstromkreises müssen so errichtet sein,
dass sie nur von befugten Personen betätigt werden können.

4.5  A n f o r d e r u n g e n  a n  e l e k t r i s c h e  A n l a g e n

Für Kabel und Leitungen, mit Ausnahme der Kabel und Leitungen von eigensicheren
Anlagen, sind Bauarten zu verwenden, bei denen der Schutzleiter

a)  gleichmäßig aufgeteilt als nichtisolierter konzentrischer Leiter über den Isolierhüllen
     der Außenleiter,
b)  gleichmäßig aufgeteilt als nichtisolierter Leiter in den Zwickeln, wenn die Isolierhüllen
     der Außenleiter mit einer nichtmetallenen leitenden Hülle bedeckt sind oder
c)  konzentrisch zur Leitungsachse als nichtisolierter Leiter zwischen Innen- und Außenmantel
     angeordnet ist.

Für Anlagen mit Nennspannungen über 220 Volt sind Kabel und Leitungen nach Buchstabe
a) oder b) zu verwenden. Hiervon ausgenommen sind Leitungen, die mit einer Schutzein-
richtung nach DIN VDE 0118 Teil 1 Abschnitt 19 überwacht sind; diese Leitungen müssen
jedoch hinsichtlich ihres Verhaltens bei Quetschbeanspruchungen geprüft und gekennzeichnet
sein.

Die elektrischen Anlagen, mit Ausnahme der eigensicheren Anlagen, müssen bei einfachem
vollkommenen Erdschluss selbsttätig abgeschaltet werden; danach muss ein selbsttätiges
Wiedereinschalten des fehlerhaften Netzteiles verhindert sein (z. B. durch Verwendung von
Erdschlusssperren). Dies gilt nur insoweit, wie in der Norm DIN VDE 0118 keine weiter-
gehenden Regelungen festgelegt sind.

Hilfsstromkreise, z.B. Steuerstromkreise (Befehlsgabe, Verriegelung), Melde- und Mess-
stromkreise müssen, soweit technisch möglich, eigensichere Stromkreise sein (eigensichere
Anlagen). Hiervon können ausgenommen bleiben:

-  Hilfsstromkreise in Gehäusen der Betriebsmittel,
-  Hilfsstromkreise in Motorzuleitungen,
-  Hilfsstromkreise, die zu Isolationsüberwachungseinrichtungen oder Schutzeinrichtungen
    nach DIN VDE 0118 Teil 1 Abschnitt 19 gehören.

5.  Nebenbestimmungen für Ausnahmebewilligungen von den Bestimmungen des
     § 35 Abs. 1 BVOSt und für Ausnahmegenehmigungen von den Bestimmungen
     des § 27 Abs. 1 ElBergV

5.1  W e t t e r a b t e i l u n g

In der Wetterabteilung, in welcher der Ausnahmebereich für CH4-Gehalte der Wetter bis
1,5 % liegt, darf ein weiterer Abbau nicht betrieben werden.

5.2  G a s a b s a u g u n g

Im Einwirkungsbereich des Abbaus ist das Grubengas aus dem Gebirgskörper planmäßig
abzusaugen. Die Gasabsaugeanlage ist so zu betreiben, dass das Grubengas unabhängig von
den Anforderungen einer Verwertung nach über Tage abgeführt wird und der CH4-Gehalt
im Abwetterstrom des Abbaus soweit wie möglich verringert wird.

5.3  B e w e t t e r u n g

5.3.1  Durchgehende Bewetterung

Folgende Wetterströme dürfen nachstehend aufgeführte Werte nicht unterschreiten:

a)  der Wetterstrom im Streb ..... m3/s,
b)  der Wetterstrom in der einziehenden Abbaustrecke ..... des Strebes ..... m3/s,
c)  der Wetterstrom in der einziehenden Abbaustrecke ..... des Strebes ..... m3/s,
d)  der Wetterstrom in der ausziehenden Abbaustrecke ..... des Strebes ..... m3/s
     (unter Berücksichtigung der Auffrischung durch den Wetterstrom aus .....),
e)  der Wetterstrom in ..... m3/s.

In der ausziehenden Abbaustrecke darf im durchgehenden Wetterstrom die mittlere
Wettergeschwindigkeit im größten Querschnitt ..... m/s nicht unterschreiten.

Die ein- und ausziehenden Strecken des Abbaubereichs müssen unabhängig von den
Erfordernissen der Fahrung und Förderung einen Nutzquerschnitt von mindestens
..... m2 aufweisen.

5.3.2  Sonderbewetterung

Der durch die Sonderbewetterung in den durchgehenden Wetterstrom eingespeiste
Wetterstrom (Auffrischung) darf nicht mehr als 30 % des aus durchgehendem und
eingespeistem Wetterstrom bestehenden Gesamtwetterstromes betragen. Bei Unter-
schreiten des Mindestwetterstromes der Sonderbewetterung müssen durch eine im
Ausblasende der Luttenleitung angeordnete Wetterstrommesseinrichtung die elektrischen
Anlagen im Streb und im Ausnahmebereich selbsttätig und unverzögert abgeschaltet
sowie an einer ständig besetzten Stelle ein akustisches und optisches Warnsignal
ausgelöst werden.

Von der Abschaltung sind elektrische Anlagen und elektrische Betriebsmittel
ausgenommen, die nach § 27 Absatz 2 ElBergV hinsichtlich ihres Schlagwetterschutzes
und ihrer Funktionsfähigkeit für den Betrieb bei unzulässigem Gehalt der Wetter an
Grubengas geeignet sind.

Sind zur Sonderbewetterung gehörende elektrische Anlagen im Streb oder Ausnahme-
bereich angeordnet, so muss bei ihrer Abschaltung oder ihrem Ausfall selbsttätig und
unverzögert ein Druckluftlüfter oder der Druckluftteil eines Kombi-Lüfters in Betrieb
gesetzt werden (vgl. Abschnitt 3.1.3.1 der Sonderbewetterungs-Richtlinien, SBl. A 2.18).
Sofern die Druckluftbewetterung als Notbewetterung nicht die vorgeschriebene
Wettergeschwindigkeit ermöglicht, müssen gleichzeitig die elektrischen Anlagen im
sonderbewetterten Bereich selbsttätig und unverzögert abgeschaltet und die dort
beschäftigten Personen zurückgezogen werden.

5.4  O r t s f e s t e  s c h r e i b e n d e  M e s s e i n r i c h t u n g e n

5.4.1      CH4-Messeinrichtungen

Durch ortsfeste schreibende CH4-Messeinrichtungen sind zu überwachen:

5.4.1.1  Der örtliche CH4-Gehalt des Wetterstromes

a)  im Streb auf der Ausziehseite in der Firste oder im Übergangsbereich Streb/Strecke
     jeweils in dem Bereich des erfahrungsgemäß größten CH4-Zustromes,
b)  an der im ausziehenden Wetterstrom errichteten Strebverteilung,
c)  im Bereich des erfahrungsgemäß größten CH4-Zustroms in der ausziehenden
     Abbaustrecke im Firstbereich des abgebauten Streckenstoßes.

5.4.1.2  Der mittlere CH4-Gehalt des Wetterstromes
a)  im ausziehenden Wetterstrom in einem Abstand von ..... bis ..... m vom Streb dort,
     wo das Grubengas mit dem Wetterstrom durchmischt ist,
b)  am Ende der ausziehenden Abbaustrecke (am Ende des Ausnahmebereichs) vor dem
      Zustrom anderer Wetterströme,
c)  ..... Die CH4-Messeinrichtungen müssen so errichtet und betrieben werden, dass bei
     Erreichen eines Grenzwertes bei den Messeinrichtungen nach Abschnitt .... von .... % CH4,
                                                                                          nach Abschnitt .... von .... % CH4,
                                                                                         nach Abschnitt .... von .... % CH4,

und Ansprechen eines der Grenzsignalgeber die elektrischen Anlagen im Streb und im
Ausnahmebereich selbsttätig und unverzögert abgeschaltet und an der ständig besetzten Stelle
ein akustisches und optisches Warnsignal ausgelöst werden.

Von der Abschaltung sind elektrische Anlagen und elektrische Betriebsmittel ausgenommen,
die nach § 27 Absatz 2 ElBergV hinsichtlich ihres Schlagwetterschutzes und ihrer Funktions-
fähigkeit für den Betrieb bei unzulässigem Gehalt der Wetter an Grubengas geeignet sind.

5.4.2  Wettergeschwindigkeitsmesseinrichtungen

Durch ortsfeste schreibende Wettergeschwindigkeitsmesseinrichtungen sind die Wetterströme
nach Abschnitt ..... zu überwachen.

Die Messeinrichtungen müssen mit Grenzsignalgebern ausgerüstet sein, durch die bei Erreichen
der Grenzwerte nach Abschnitt ..... an der ständig besetzten Stelle ein akustisches und optisches
Warnsignal auslösen.

5.4.3  Überwachung der Messeinrichtungen

An den Messeinrichtungen nach Abschnitt 5.4.1 haben die örtlich zuständigen verantwortlichen
Personen auf jeder Gewinnungsschicht mit ihrem CH4-Handmessgerät Vergleichsmessungen
durchzuführen und die Ergebnisse in ihr Wetterbuch einzutragen.  

Die Anzeigegenauigkeit und Empfindlichkeit der ortsfesten schreibenden Messeinrichtungen
sind bei der Inbetriebnahme durch den Wetteringenieur zu prüfen sowie vierteljährlich durch
eine vom Landesoberbergamt NRW anerkannte sachverständige Stelle oder durch die Fachstelle
für Sicherheit - Prüfstelle für Grubenbewetterung der DMT GmbH oder durch einen vom
Landesoberbergamt NRW anerkannten Sachverständigen gemäß Spalte 3 der Messgeräte-
Überwachungs-Richtlinien, Sammelblatt A 2.18, prüfen zu lassen.

5.5  E r s a t z m a ß n a h m e n  b e i  U n w i r k s a m k e i t  b z w.  S t ö r u n g  
       o r t s f e s t e r  s c h r e i b e n d e r  C H 4 - u n d  W e t t e r g e s c h w i n d i g-
       k e i t s - M e s s e i n r i c h t u n g e n

Solange CH4-Messeinrichtungen unwirksam oder gestört sind, müssen in dem zugehörigen
Schaltbereich die elektrischen Anlagen abgeschaltet sein. Dies gilt nicht für die Dauer der
Prüfgasaufgabe im Rahmen der Gerätekalibrierung für jeweils eine Messeinrichtung sowie
bei Störung nur einer Messeinrichtung.

Bei Störung nur einer CH4-Messeinrichtung ist der CH4-Gehalt der Wetter an der Messstelle
in Abständen von höchstens 10 Minuten durch besonders beauftragte verantwortliche Personen,
Wettermesstrupps oder Wettermänner mit CH4-Handmessgeräten oder mit einem tragbaren
CH4-Messgerät zu messen. Zwischen der Messstelle und dem Schalter, der die Abschaltung
der elektrischen Anlagen bewirkt, muss eine Fernsprechverbindung vorhanden sein. Mess-
und Schaltstelle sind ständig durch Personen zu besetzen. Durch Anweisungen an diese Personen
ist sicherzustellen, dass bei Erreichen des CH4-Grenzwertes die elektrischen Anlagen unverzüglich
abgeschaltet werden. Diese Ersatzmaßnahme darf sich für die Messeinrichtung nach
Abschnitt 5.4.1.2 b) (am Ende des Ausnahmebereichs) höchstens auf eine Zeit von 24 Stunden,
für alle anderen CH4-Messeinrichtungen höchstens auf eine Zeit von 2 Stunden erstrecken.
Sofern nach dieser Zeit die gestörte Messeinrichtung noch nicht wieder einsatzbereit oder
ersetzt worden ist, ist die Gewinnung einzustellen.

Bei Störung nur einer Messeinrichtung nach Abschnitt 5.4.2 ist der Wetterstrom an der Messstelle
auf jeder Gewinnungsschicht durch beauftragte verantwortliche Personen oder Wettermesstrupps
mit Handmessungen zu ermitteln. Diese Ersatzmaßnahme ist längstens bis zu einer Dauer von drei
Arbeitstagen zulässig.

Die Messergebnisse bei Ersatzmaßnahmen sind schriftlich festzuhalten und zu den Schreibstreifen
der ausgefallenen Messeinrichtung zu nehmen.

5.6  H a n d m e s s u n g e n

Unabhängig von den sonst vorgeschriebenen CH4-Feststellungen ist auf jeder belegten Schicht
die Ausgasung, insbesondere in den Bereichen mit erfahrungsgemäß großem CH4-Zustrom,
ständig durch hierzu besonders beauftragte verantwortliche Personen, Wettermesstrupps oder
Wettermänner nach näherer Weisung des Wetteringenieurs zu überwachen. Dabei sind auch
die Maßnahmen gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann entsprechend der Rundverfügung
des Landesoberbergamts NRW zu 18.41.3-12-1, Sammelblatt A 2.7, zu berücksichtigen und
durchzuführen.

Während der Zeit der im Wochen- und Tagesablauf größten Ausgasung ist durch CH4-Hand-
messungen im Streb- und Streckenquerschnitt (Profilmessungen) die Verteilung des Gaszu-
stromes in die Grubenbaue wöchentlich zu ermitteln. Außerdem ist der Strebwetterstrom
wenigstens einmal wöchentlich durch Handmessungen (Profilmessungen) zu ermitteln.

Für die Feststellung des CH4-Gehaltes in der Firste und in Hohlräumen hinter dem Ausbau
müssen CH4-Handmessgeräte mit Messsonden verwendet werden.

Die jeweils ungünstigsten Ergebnisse der CH4-Handmessungen sowie die Ergebnisse der
Profilmessungen sind schriftlich festzuhalten und wenigstens 6 Monate aufzubewahren.

5.7  S o n s t i g e  M a ß n a h m e n

5.7.1  Explosionsschutzmaßnahmen

Streckenstöße mit erfahrungsgemäß großer Ausgasung sind freizuhalten von

In den Abbaustrecken müssen Explosionssperren der Bauart 4.1 errichtet und betrieben
werden; der sich ablagernde Kohlenstaub ist in allen Bereichen durch Mittel zu binden,
die vom Landesoberbergamt zugelassen worden sind (Staubbindeverfahren).

Die Maßnahmen und Einrichtungen zum Schutz gegen Kohlenstaubexplosionen sind
wenigstens wöchentlich zu prüfen.

Sprengarbeit ist nur bei CH4-Gehalten unter 1 % zulässig. Im Bereich der Zündmaschine
und der Zündleitung darf der CH4-Gehalt bis 1,5 % betragen.

Der Betrieb von Fahrzeugen mit Dieselmotoren ist nur zulässig, wenn sichergestellt ist,
dass die Motoren bei 1,5 % CH4 stillgesetzt werden.

Im Ausnahmebereich dürfen Lokomotivbatterien nur in der Zündschutzart Erhöhte
Sicherheit "e" verwendet werden.

Außerhalb des Ausnahmebereichs errichtete Antriebe von Schienenhänge- und Schienen-
flurbahnen sowie Stetigförderern, die im Streb oder Ausnahmebereich verlegt sind,
müssen in die selbsttätige CH4-Abschaltung einbezogen sein.

Im Streb und im Ausnahmebereich dürfen Ausbauteile aus Leichtmetall nicht verwendet
werden. Andere Betriebsmittel sollen keine ungeschützten Außenflächen aus Leichtmetall
aufweisen.

5.7.2  Räumung des Gefahrenbereichs

Als Gefahrenbereich gelten mindestens die Grubenbaue im Ausnahmebereich, der Streb und ...

Können unzulässige CH4-Gehalte der Wetter nicht sofort nachhaltig beseitigt werden, so
sind unverzüglich alle Personen aus dem Gefahrenbereich zurückzuziehen.

Bei Ausfall eines Haupt- oder Zusatzlüfters, einer Sonderbewetterung, der Gasabsaugung oder
beim Umschalten eines Hauptlüfters auf den Reservelüfter sind die in der Wetterabteilung tätigen
verantwortlichen Personen unverzüglich zu benachrichtigen. Kann in diesen Fällen der zulässige
CH4-Gehalt im Wetterstrom nicht eingehalten werden, so haben die verantwortlichen Personen
alle Personen aus dem Gefahrenbereich zurückzuziehen.

Für die Wetterabteilung und die sich ausziehseitig anschließenden Grubenbaue müssen
Maßnahmen zur Hilfe von Verletzten und Flucht der Belegschaft nach über Tage in einem
Rettungskonzept festgelegt sein.

Das eigensichere Fernsprech- und Lautsprechernetz muss den Anforderungen für eine schnelle
Räumung des Gefahrenbereichs genügen.

5.7.3  Betrieb und Überwachung elektrischer Anlagen

a)  Wiedereinschalten der elektrischen Anlagen

      Das Wiedereinschalten elektrischer Anlagen nach einer Abschaltung infolge Erreichens
      des CH4-Grenzwertes darf nur nach Anweisung einer verantwortlichen Person und nur
      dann vorgenommen werden, wenn vorher durch Messungen mit CH4-Handmessgeräten
      festgestellt wurde, dass im freien Querschnitt der Grubenbaue des Ausnahmebereichs der
      CH4-Grenzwert unterschritten ist. Das selbsttätige Wiedereinschalten ist nicht zulässig.
 
      Das Wiedereinschalten und der Weiterbetrieb elektrischer Anlagen nach einer Abschaltung
      durch Störung in CH4-Messeinrichtungen ist, falls die Störung in der CH4-Messeinrichtung
      nicht sofort beseitigt werden kann, nur nach Anweisung einer verantwortlichen Person
      zulässig. In diesem Fall sind die Ersatzmaßnahmen nach Abschnitt 5.5 durchzuführen.
      Eine verantwortliche Person muss in dieser Zeit im Ausnahmebereich anwesend bleiben.

      Das Wiedereinschalten elektrischer Anlagen nach einer Abschaltung infolge eines Erd-
      schlusses darf erst vorgenommen werden, wenn der erdschlussbehaftete Teil der Anlage
      abgetrennt oder der Fehler beseitigt worden ist.

b)  Überbrückung des Abschaltstromkreises

      Die Vorrichtungen zum Überbrücken des Abschaltstromkreises dürfen nur nach Anweisung
      einer verantwortlichen Person betätigt werden. Die Fälle, in denen überbrückt werden darf,
      sind schriftlich festzulegen.

c)  Überwachung elektrischer Anlagen

     Unmittelbar vor Inanspruchnahme einer Ausnahme von § 27 Abs. 1 ElBergV sind die
     elektrischen Anlagen im Ausnahmebereich durch einen elektrotechnischen Sachverständigen
     oder Werkssachverständigen zu prüfen.

     Bei der Prüfung ist auch die Funktionssicherheit der CH4- und Wettergeschwindigkeits-
     messeinrichtungen festzustellen.

     Das Ergebnis der Prüfung ist vom Sachverständigen aufzuzeichnen.

     Die Prüfungen sind alle drei Monate vorzunehmen. Der Zeitraum zwischen zwei Prüfungen
     darf nicht mehr als vier Monate betragen.



9.11.2000

18.7-2000-6

Maßnahmen zum Erkennen und Vermeiden von CH- Gefahren
beim Einsatz dieselbetriebener Fahrzeuge und
in an Abschlussdämmen anschließenden Streckenstümpfen

A 2.18

An die Bergämter des Landes NRW (außer Düren)

Betr.: Maßnahmen zum Erkennen und Vermeiden von CH4-Gefahren beim Einsatz
         dieselbetriebener Fahrzeuge und in an Abschlussdämmen anschließenden
         Streckenstümpfen

Zum Erkennen und Vermeiden o. a. Gefahren bitte ich folgende Maßnahmen
betriebsplanmäßig zu berücksichtigen:

1. In Fahrstrecken von dieselbetriebenen Fahrzeugen, in denen Gefahren durch örtliche
    CH4-Zuströme nicht ausgeschlossen werden können, müssen die mittleren Wetter-
    geschwindigkeiten mindestens 0,5 m/s betragen. Diese Wettergeschwindigkeiten 
    sind durch ortsfeste, registrierende Messeinrichtungen so zu überwachen, dass bei
    Erreichen der vorgeschriebenen Grenzwerte in den jeweiligen Fahrstrecken
    Warnsignale an einer ständig besetzten Stelle ausgelöst werden.

2. Alle Streckenstümpfe, die an Abschlussdämme anschließen, sind zu bewettern.
    Dabei sind z. B.

     - die Länge des Streckenstumpfes,
     - die mittlere Wettergeschwindigkeit in der durchgehenden Bewetterung,
     - Wetteraustausch (Turbulenzen/Verwirbelungen),
     - das am Abschlussdamm anliegende Druckgefälle und
     - örtliche wettertechnische Maßnahmen
   zu berücksichtigen.

3. Bei Gefahren durch CH4-Zuströme aus den Abschlussdämmen sind in den
    Streckenstümpfen die CH4-Gehalte durch registrierende CH4-Messeinrichtungen
    so zu überwachen, dass bei Erreichen der vorgeschriebenen Grenzwerte Warnsignale
    an einer ständig besetzten Stelle ausgelöst werden. Dabei ist sicherzustellen, dass bei
    Erreichen unzulässiger CH4-Gehalte die nichteigensicheren elektrischen Betriebsmittel
    unverzögert abgeschaltet werden. Bei Neuinstallation elektrischer Betriebsmittel ist
    eine selbsttätige Abschaltung vorzusehen. Ggf. sind zusätzliche Überwachungs-
    maßnahmen, z. B. Differenzdrucküberwachungen der Abschlussdämme, vorzusehen.

4. Als Sofortmaßnahme sind alle Fahrer dieselbetriebener Fahrzeuge, die in Strecken
    entsprechend Abschnitt 1. fahren, mit CH4-Handmessgeräten auszurüsten und
    entsprechend der Gefahrensituation zu unterweisen. Möglichst umgehend, aber bis
    spätestens 31.12.2001, sollen diese Handmessgeräte durch kontinuierlich messende
    Handmessgeräte mit optischer und akustischer Warnsignalgebung ersetzt werden.

Durch technische Maßnahmen ist anzustreben, dass bei Erreichen unzulässiger
CH4-Gehalte die Motoren von dieselbetriebenen Fahrzeugen neueren Bautyps
selbsttätig abgeschaltet werden.

Hinweise:

Zu den technischen Maßnahmen unter Abschnitt 4. werden von der DMT-TesTec
in Absprache mit der DSK und den Herstellern Lösungsansätze erarbeitet, die der
aufgezeigten Gefahrensituation Rechnung tragen und zur Entwicklung sicherheits-
technischer Maßnahmen führen sollen, die mittelfristig praktisch umsetzbar sind.

Detailmaßnahmen zu den o. a. Abschnitten werden von der DSK in einer
Betriebsempfehlung bis zum 31.12.2000 festgelegt.

Weitere maschinentechnische Maßnahmen u. a. zur Überwachung, Wartung und
Instandsetzung werden zu gegebener Zeit in einer gesonderten Rundverfügung
mitgeteilt.

Dortmund, den 9.11.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



 11.07.2001

18.91-9-1

Wetterbauwerke

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen ( außer Düren)

Betr.: Wetterbauwerke

          hier: Wetterschleusen

Bezug: DIN 21 635 " Wetterbauwerke für den Bergbau, Wetterschleusen, Errichtung und Betrieb"

Die deutsche Norm DIN 21 635 ist seit dem 1.2.1998 gültig. Eine Ausfertigung dieser Norm
wurde Ihnen bereits gesondert zugestellt.

Die in oben bezeichneter Norm enthaltenen Anforderungen bitte ich im Betriebsplanverfahren
zur Geltung zu bringen. Die erforderlichen Einrichtungen an Fahrweg-, Förderweg- und
Pendeltüren sind in der Tabelle 1 dieser Norm zusammengestellt. Hierbei ist insbesondere
folgendes zu beachten:

Durch besondere Einrichtungen muss gewährleistet sein, dass auch bei Förderung und Fahrung
diejenige Anzahl von Türen geschlossen bleibt, die zur Sicherstellung der stabilen Wetter-
stromverteilung im Grubengebäude erforderlich ist. Die Einrichtungen müssen zumindest
sicherstellen, dass die Türen nicht gleichzeitig unbeabsichtigt geöffnet werden können.

Für den Bergbau zugelassene Baustoffe (z.B. Spritz-Schaumkunststoffe) und Bauteile
(z.B. Wettertuch), bei denen Formveränderungen unter Brandeinfluss (Schrumpfen) möglich
sind, dürfen nur verwendet werden, wenn eine ausreichende und stabile Wetterführung in
den beeinflussten Grubenbauen auch unter Berücksichtigung der brandtechnischen
Auswirkungen auf die Wetterschleuse gewährleistet ist. Dabei ist besonders auf die
Bewetterung diagonaler Wetterwege zu achten.

Grundsätzlich ist eine seitliche Profilfreiheit von 500 mm vorzusehen (vgl. Nr. 4.1.4 der Norm),
da hierdurch die Unfallgefährdung für die Lokomotivführer erheblich vermindert wird.

Die Rundverfügung vom 31.8.2000 - 18.91-9-1- (SBL. A 2.18) wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 10.07.2001

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in Nordrhein-Westfalen
Im Auftrag

E k h a r t  M a a t z



22.02.2002

83.18.34.2-1-9

Wettermeßdaten-Richtlinien

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Fernübertragung, Verarbeitung und Dokumentation der Ausgabedaten ortsfester
wettertechnischer Messgeräte (Wettermessdaten-Richtlinien)

Rundverfügung vom 22.12.1988 - 18.34.2-1-9 - (SBl. A 2.18),
Rundverfügung vom 8.1.1981 - 11.95.3-2-15 - (nicht im Sammelblatt veröffentlicht)

Hiermit wird die Neufassung der Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg über die
Fernübertragung, Verarbeitung und Dokumentation der Ausgabedaten ortsfester
wettertechnischer Messgeräte (Wettermessdaten-Richtlinien) bekanntgemacht.
Ich bitte, diese Richtlinien bei zukünftigen Betriebsplanzulassungen im Einzelfall zu
berücksichtigen.

Betriebspläne, die eine Überbrückung der Messeinrichtungen von der ständig besetzten
Stelle beinhalten (siehe 2. Absatz des Abschnitts 3.2), sind vor Zulassung der
Bezirksregierung Arnsberg vorzulegen.

Die Rundverfügungen des Landesoberbergamts NRW
vom 22.12.1988 - 18.34.2-1-9 - (SBl. A 2.18) und
8.1.1981 - 11.95.3-2-15 - (nicht im Sammelblatt veröffentlicht) werden hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 22.02.2002

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW
Im Auftrag

E k h a r t  M a a t z


30.11.2005

83.18.34.7-2003-2

Wettermeßdaten-Richtlinien

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen


Fernübertragung, Verarbeitung und Dokumentation der Ausgabedaten
ortsfester wettertechnischer Messgeräte (Wettermessdaten-Richtlinien)

Prüfung von Sicherheitswartenrechnern

Wettermessdaten-Richtlinien vom 22.02.2002 - 83.18.34.2-1-9 -

Aufgrund der Neufassung der Messgeräte-Überwachungs-Richtlinien vom 15.11.2005
lautet der letzte Absatz des Abschnitts 2.1 „Allgemeines“ der o. a. Wettermessdaten-Richtlinien
nunmehr wie folgt:

Einrichtungen und Verfahren für die Auswertung der Ausgabedaten ortsfester wettertechnischer
Messeinrichtungen (z. B. Sicherheitswartenrechner) sind vor erstmaliger Inbetriebnahme durch
eine anerkannte Fachstelle zu prüfen. Bei wesentlichen Änderungen, z. B: geänderte Programm-
module oder Betriebssysteme, sind die Prüfungen zu wiederholen.

Dortmund, den 30.11.2005

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW
Im Auftrag:

M i c h a e l  K i r c h n e r



Richtlinien über Fernübertragung, Verarbeitung
und Dokumentation der Ausgabedaten
ortsfester wettertechnischer Messgeräte

(Wettermessdaten-Richtlinien)
vom 22.02.2002

Stand: 30.11.2005

Inhaltsverzeichnis

1.  Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

2.    Anforderungen
2.1 Allgemeines
2.2 Rechnerfreie Technik
2.3 Rechnergestützte Technik
2.4 Datenfernübertragung

3.    Schaltaufgaben
3.1 Allgemeines
3.2 Überbrückung von Messeinrichtungen, Grenzwertänderungen

1.    Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

Diese Richtlinien gelten für die Fernübertragung, Verarbeitung und Dokumentation von
Ausgabedaten ortsfester registrierender Messeinrichtungen für Wettergeschwindigkeit,
Wetterstrom, CH4-, CO und O2 sowie Wetterstrom und nutzbare Druckerhöhung an
Haupt- und Zusatzlüftern.

Ortsfeste Messeinrichtungen sind selbstständig messende, anzeigende, gegebenenfalls
registrierende, schaltende und warnende Geräte, die stationär im Dauerbetrieb verwendet
werden. Die Energieversorgung ist in der Regel netzgebunden.

Die Messeinrichtung umfasst die Gesamtheit aller Geräte, die zum Aufnehmen einer
Messgröße, zum Weitergeben und Anpassen eines Messsignals und zum Ausgeben
eines Messwertes als Abbild einer Messgröße erforderlich sind.

Messgeräte sind die im Signalfluss liegenden Geräte einer Messeinrichtung, die für deren
messtechnische Eigenschaften bestimmend sind.

2. Anforderungen

2.1 Allgemeines

Die Messwerte ortsfester wettertechnischer Messeinrichtungen müssen an einer ständig
besetzten Stelle in einer für den Menschen leicht auswertbaren Form registriert werden.

Warn- und Alarmsignale ortsfester wettertechnischer Messeinrichtungen müssen an einer
ständig besetzten Stelle unverzüglich ausgelöst werden; sie müssen deutlich erkennbar sein.

Die Brandfrüherkennung ist rechnergestützt durchzuführen. In Bereichen von Wasser-
haltungen, beim Abwerfen von Grubenfeldern und beim Betrieb von Gasabsaugungen
kann die Brandfrüherkennung auch rechnerfrei durchgeführt werden.

Die an der ständig besetzten Stelle zur Wetterüberwachung beschäftigten Personen
müssen für diese Aufgaben in bezug auf ihre Fachkunde ausgebildet und qualifiziert
sein; sie müssen regelmäßig nachgeschult werden.

Die registrierten Messwertverläufe sind wenigstens wöchentlich, für besondere
Vorkommnisse sowie Anomalien festzulegender Art unverzüglich, von der besonders
bestimmten wettertechnischen verantwortlichen Person auszuwerten und mit Datum
und Namenszeichen oder gleichwertiger elektronischer Kennzeichnung zu versehen.

Die Parameter der einzelnen Messstellen sind zu dokumentieren.

Datum und Uhrzeit der Kalibrierungen ortsfester wettertechnischer Messeinrichtungen
müssen protokolliert werden. Die Kalibrierung muss bei den Messwertaufzeichnungen
eindeutig gekennzeichnet sein.

Die registrierten Messwerte, erforderlichen schriftlichen Aufzeichnungen und die
Dokumentation von Hard- und Software mit zeitlicher und räumlicher Zuordnung
sowie die Prüfergebnisse sind wenigstens 6 Monate über ihre aktuelle Gültigkeit hinaus
aufzubewahren. Die Software ist so zu dokumentieren und zu archivieren, dass die
Software fehlerfrei reproduziert werden kann. Die Übereinstimmung von im Einsatz
befindlicher und archivierter Software muss nachvollziehbar sein.

Können Störungen an ortsfesten wettertechnischen Messeinrichtungen und bei der
Auswertung der Messdaten mit sicherheitlich bedenklichen Auswirkungen verbunden
sein, müssen geeignete Maßnahmen zum schnellen Erkennen dieser Störungen
getroffen sein, soweit es den technischen Möglichkeiten der Geräte entspricht.
Bei solchen Störungen muss es unmöglich sein, dass ihre Anzeige als gültiger
Messwert (z. B. als „Null“-Anzeige) angesehen wird.

Für Wetterstrom und nutzbare Druckerhöhung an Haupt- und Zusatzlüftern ist
ein Verzicht auf Schreibstreifen zulässig, wenn eine rechnergestützte Auswertung mit
einem Abtastintervall ≤ 10 Sekunden und einer Mittelwertspeicherung ≤ 1 Minute
erfolgt. Bei Axiallüftern muss eine geeignete Abreißüberwachung mit einer eigenen
Störmeldung vorhanden sein.

Einrichtungen und Verfahren für die Auswertung der Ausgabedaten ortsfester
wettertechnischer Messeinrichtungen (z. B. Sicherheitswartenrechner) sind vor
erstmaliger Inbetriebnahme durch eine anerkannte Fachstelle zu prüfen. Bei
wesentlichen Änderungen, z. B: geänderte Programmmodule oder Betriebssysteme,
sind die Prüfungen zu wiederholen.

2.2  Rechnerfreie Technik

Die Zeitkonstante der Signaldämpfung bei der Registrierung der Messwerte darf
nicht größer als 10 Sekunden sein. Die Zeitkonstante der Signaldämpfung bei der
Registrierung der Messwerte von Wetterstrom und nutzbarer Druckerhöhung an
Haupt- und Zusatzlüftern darf nicht größer als 2 Sekunden sein.

Registriergeräte müssen eine Vorschubgeschwindigkeit von mindestens 20 mm/h
besitzen. Schreibstreifen und Skalenlänge müssen innerhalb der Messspanne eine
möglichst linear geteilte Skala

haben. Bei Mehrfachschreibern dürfen auf den einzelnen Schreibstreifen höchstens
4 Messlinien registriert werden; diese müssen sich deutlich unterscheiden.

Auf dem Registriergerät und auf den Schreibstreifen muss der richtige Skalenmaßstab
angegeben, bei mehreren wahlweise verwendbaren Maßstäben eindeutig gekennzeichnet
sein. Soweit dies aus besonderen Gründen (z. B. Verwendung verschiedener
Messbereiche bzw. Messgrößen) nicht möglich ist, müssen den Schreibstreifen die
richtigen Skalenmaßstäbe als Ableselineale beigefügt sein. Für Schreibstreifen,
Ableselineale und Messbedingungen (z. B. Messdüse, Messquerschnitt) muss eine
eindeutige zeitliche und räumliche Zuordnung zu der jeweiligen Messeinrichtung und
Messstelle durch schriftliche Aufzeichnungen sichergestellt sein, die zu den Schreib-
streifen zu nehmen sind.

2.3 Rechnergestützte Technik

Rechnersysteme müssen redundant ausgelegt sein, so dass bei Störung des
Rechnersystems auf das Ersatzsystem umgeschaltet werden kann. Dabei darf die
Datenausfallzeit 5 Minuten nicht überschreiten. Die Energieversorgung ist ebenfalls
redundant auszulegen. Bei Störungen ist die Redundanz unverzüglich wiederherzustellen.

Das Rechnersystem muss gegen Fremdeinwirkungen (z. B. Wärmeeinwirkungen,
Überspannungen, elektromagnetische Störeinflüsse) geschützt sein.

Die Übertragungs- und Verarbeitungskette vom Messgerät bis zur Datenausgabe
muss vollständig prüfbar sein. Die Datenverarbeitung muss gegen unbefugte Eingriffe
geschützt sein. Die Namen der befugten Personen sind schriftlich festzuhalten. Die
messstellenspezifischen Parameter dürfen ausschließlich durch geschultes Personal
geändert werden.

Die Messdatenerfassung muss mit einer Abtastfolge von höchstens 5 Sekunden
für Methan-Messeinrichtungen sowie höchstens 10 Sekunden für sonstige Mess-
einrichtungen durchgeführt werden. Die unverzügliche Visualisierung der aktuellen
Messwerte muss möglich sein.

Es sind wenigstens folgende Daten mit eindeutiger zeitlicher und räumlicher Zuordnung
zu der jeweiligen Messeinrichtung und Messstelle zu speichern:

Die wie vorstehend gespeicherten Werte müssen in übersichtlicher Form auf einem
Bildschirm dargestellt und ausgedruckt werden können.

Für die Wettergeschwindigkeits- und Wetterstromaufzeichnungen ist zusätzlich
folgendes zu beachten: Die Grenzwerte der Wettergeschwindigkeits- und Wetter-
strommesseinrichtungen sind auf den Richtwert „80% vom planmäßigen Wetterstrom“,
aber keinesfalls unter dem vorgeschriebenen Mindestwetterstrom einzustellen.

2.4 Datenfernübertragung

Datenübertragungsanlagen müssen geeignete Fehlererkennungsverfahren haben.
Die Auflösung übertragener Daten darf 10 Bit nicht unterschreiten.

Bei programmierbaren digitalen Datenübertragungsanlagen muss sichergestellt werden,
dass die Übertragung wettertechnischer Messdaten durch Programmierarbeiten oder
andere Eingriffe (z. B. kurzzeitiger Spannungsausfall) nicht fehlerhaft beeinflusst werden
kann.

Bei digitalen Datenübertragungsanlagen darf die Laufzeit der Daten vom Messwert-
ausgang des Gerätes bis zum Eingangsdatenpuffer des Rechners 10 Sekunden nicht
überschreiten.

3. Schaltaufgaben

3.1. Allgemeines

Schaltungen durch ortsfeste wettertechnische Messeinrichtungen müssen selbsttätig und
unverzögert innerhalb ≤ 1 Sekunde erfolgen.

Die Grenzwerte, bei denen Schaltungen ausgelöst werden, sowie Art und Umfang der
Schaltungen sind für die einzelnen Messeinrichtungen zu dokumentieren.

Der Abschaltstromkreis muss auf unmittelbarem Wege zu den Schaltern verlegt sein,
mit deren Hilfe bei Erreichen des Grenzwertes die nichteigensicheren Stromkreise
abgeschaltet werden. Stromkreise für Abschaltungen müssen, soweit es technisch
möglich ist, als sich selbst überwachende Stromkreise ausgeführt sein, mindestens
jedoch als Ruhestromkreise.

Wenn Abschaltungen über eine programmierbare Steuerung ausgelöst werden,
müssen diese auf unmittelbarem Wege zu den Schaltern verlegt sein, mit deren Hilfe
bei Erreichen des Grenzwertes die nichteigensicheren Stromkreise abgeschaltet werden.

Der Programmabschnitt für wettertechnische Überwachungs- und Schaltaufgaben
muss - bis auf notwendige Verknüpfungen - von anderen Programmabschnitten,
zum Beispiel für Maschinensteuerung, getrennt sein und unabhängig funktionieren.

Um Risiken durch Software einzuschränken, sind die Programme durch anerkannte
Sachverständige oder sachverständige Stellen zu prüfen. Im Rahmen der Prüfung
werden die vom Anwender veränderbaren Parameter festgelegt.

Ortsfeste wettertechnische Messeinrichtungen sind so auszuführen, dass Störungen
(z. B. Beschädigung, Spannungsausfall) in den Messwertgebern und zugehörigen
Stromversorgungsgeräten sowie in den Zusatzeinrichtungen für die Weitergabe der
Abschaltsignale, soweit es den technischen Möglichkeiten der Geräte entspricht,
zur selbsttätigen Abschaltung der nichteigensicheren Stromkreise führen, wenn eine
Grenzwertabschaltung gefordert ist.

Nach Abschaltung bei Erreichen des Grenzwertes wettertechnischer Messeinrichtungen
dürfen elektrische Anlagen erst wiedereingeschaltet werden, wenn festgestellt worden
ist, dass dies gefahrlos geschehen kann. Dazu ist insbesondere zu prüfen, ob die
Wetterführung sich in ordnungsgemäßem Zustand befindet und dass im freien
Querschnitt der Grubenbaue der Methangrenzwert und die Grenzwerte für andere
schädliche Gase unterschritten sind. Die Gasmessungen sind durch verantwortliche
Personen, Wettermesstrupps oder Wettermänner mit Handmessgeräten unter
Berücksichtigung etwa vorhandener örtlicher Gasansammlungen vorzunehmen.
Das Wiedereinschalten darf nur auf Anweisung einer verantwortlichen Person
geschehen.

Nach Abschaltung durch Störung der wettertechnischen Messeinrichtungen dürfen
elektrische Anlagen, falls die Störung nicht sofort beseitigt werden kann, nur nach
Anweisung einer verantwortlichen Person wiedereingeschaltet und weiterbetrieben
werden, wenn im zulässigen Rahmen sicherheitlich gleichwertige Ersatzmaßnahmen
durchgeführt werden.

Selbsttätiges Wiedereinschalten ist nicht zulässig.

3.2 Überbrückung von Messeinrichtungen, Grenzwertänderungen

Bedienungselemente, die die wettertechnische Überwachung beeinflussen können
(z. B. Überbrücken von Messeinrichtungen, Änderung von Grenzwerten), müssen
vor Betätigung durch unbefugte Personen geschützt sein. Der Zustand der Überbrückung
sollte an Ort und Stelle sowie an einer ständig besetzten Stelle angezeigt werden.

Das Überbrücken ortsfester wettertechnischer Messeinrichtungen darf nur in dem
durch die Messeinrichtungen überwachten Bereich oder in Nähe dieses Bereiches
vorgenommen werden. Abweichend hiervon darf auch von der ständig besetzten
Stelle aus überbrückt werden, wenn die Selbstüberwachung des Steuerstromkreises
und die Anzeige des Überbrückungszustandes sichergestellt sind.

Für einen in der Überwachung zusammenhängenden Bereich (z. B. CH4-Ausnahme-
bereich, sonderbewetterter Bereich) darf jeweils nur eine Messeinrichtung überbrückt
werden. Die Überbrückung darf nur von einer Stelle aus möglich sein. Nach
Abschaltungen bei Erreichen des Grenzwertes darf der Abschaltstromkreis nicht
unwirksam gemacht werden, zum Beispiel durch Überbrücken.

Die Bedienungselemente, die die wettertechnische Überwachung beeinflussen können,
dürfen nur nach Anweisung einer besonders bestimmten verantwortlichen Person
betätigt werden; die Fälle, in denen überbrückt werden darf, sind zu dokumentieren
(z. B. zur Kalibrierung). Jeder Bedienungsvorgang ist zu protokollieren: Zeitdauer
mit Datum und Uhrzeiten, veranlassende und ausführende Person, Messgeräte-Nummer,
Art und Grund des Bedienungsvorgangs (z. B. Angabe des neuen Grenzwertes
aufgrund einer Ausnahmebewilligung), bei Überbrückungen Art und Ergebnisse der
Ersatzmaßnahmen (z. B. Methan-Handmessungen).



03.12.2002

83.18.32-2002-1

Nichteinordnung von Aus- und Vorrichtungsbetrieben in Wetterabteilungen

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen (außer Düren)

 

Nichteinordnung von Aus- und Vorrichtungsbetrieben in Wetterabteilungen
Ausnahmen von § 34 Abs. 1 BVOSt vom 10.01.2000 i. d. F. vom 01.05.2001
Rundverfügung vom 19.07.1991 - 18.32 - 1 - 19 -

Die Überarbeitung der o. a. Rundverfügung ist durch das Inkrafttreten der Bergverordnung
für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000, der Neufassungen der
Gasausbruchs-Richtlinien vom 29.05.1996, der Sonderbewetterungs-Richtlinien vom
19.05.2000 und der Rundverfügung "Maßnahmen gegen Entzündungen von Grubengas in
Streckenvortrieben mit Schneidkopf-Teilschnittmaschinen" vom 20.10.2000 erforderlich
geworden.

Bei Entscheidungen über Ausnahmeerteilungen von § 34 Abs. 1 BVOSt für Aus- und
Vorrichtungsbetriebe, bitte ich künftig die nachfolgenden Erfordernisse zu beachten.

Die jeweiligen Antragsunterlagen müssen eine Prüfung nach diesen Erfordernissen ermöglichen.

  1. In jedem Ausnahmebetrieb sind Explosionssperren der Bauart 4.1 (aufgeteilte
    Wassertrogsperren) zu errichten. Ausgenommen hiervon sind Ausnahmebetriebe, in
    denen mit Gefahren durch größere CH4-Zuströme nicht zu rechnen ist und/oder in denen
    Kohle mit mehr als 0,2 m Mächtigkeit über eine längere Erstreckung nicht ansteht.
     
  2. In jedem Ausnahmebetrieb ist grundsätzlich das Staubbindeverfahren (siehe
    § 41 Abs. 1 Satz 1 BVOSt) durchzuführen. In Ausnahmebetrieben, in denen Kohle
    mit mehr als 0,2 m Mächtigkeit über eine längere Erstreckung nicht ansteht, kann auch
    das Gesteinstaubverfahren angewandt werden.
     
    Von der Anwendung des Staubbindeverfahrens darf der Vorortbereich auf eine
    Erstreckung von höchstens 200 m ausgenommen werden, wenn in diesem Bereich
    anstelle des Staubbindeverfahrens das Gesteinstaubverfahren (§ 41 Abs. 1 Satz 2 BVOSt)
    angewendet wird.
     
    Bei nachgewiesener Explosionsungefährlichkeit des Kohlenstaubs im Sinne des
    § 41 Abs. 1 Satz 3 BVOSt darf auf die Anwendung des Gesteinstaub- oder Staubbinde-
    verfahrens verzichtet werden.
     
  3. Die Belegung eines jeden Ausnahmebetriebs darf zusammen mit der Belegung der
    wettertechnisch vor- oder nachgeschalteten Betriebspunkte, für die bereits eine Ausnahme
    von der Bestimmung des § 34 Abs. 1 BVOSt gilt, sowie zusammen mit der Anzahl der
    Personen in jeder vor- oder nachgeschalteten Wetterabteilung jeweils 100 Personen nicht
    überschreiten.
     
    Abweichend hiervon darf die Belegung mehr als 100 Personen betragen, wenn in den
    vorgenannten Betrieben bei Explosionen gegenseitige, bedenkliche Beeinträchtigungen
    von Personen infolge mechanischer und/oder toxischer Auswirkungen dieser Explosionen
    ausgeschlossen werden können.
     
    Bedenkliche Beeinträchtigungen können dann ausgeschlossen werden, wenn zwischen
    den zündgefährdeten Bereichen von Ausnahmebetrieben und den wettertechnisch vor-
    oder nachgeschalteten Wetterabteilungen (Anfangs- und Endpunkte) oder anderen
    Ausnahmebetrieben jeweils eine Entfernung von 1.200 m vorhanden ist.
     
    Zündgefährdete Bereiche sind die jeweilige Ortsbrust der Vortriebe sowie bei Gasaus-
    bruchsgefahr die sonderbewetterten Bereiche.
     
  4. Jeder Ausnahmebetrieb ist wenigstens zweimal wöchentlich durch Personen, die nach
    dem "Plan für die Ausbildung von in Wettermesstrupps tätigen Personen" ausgebildet
    worden sind, auf Grubengaszuströme zu prüfen.
     
  5. In jedem Ausnahmebetrieb sind wenigstens 14-tägig durch den Explosionsschutzsteiger
    die in § 41 BVOSt vorgeschriebenen Maßnahmen zur Sicherung gegen Kohlenstaub-
    explosionen zu prüfen.

Die Rundverfügung vom 19.07.1991 - 18.32 - 1 - 19 - wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 03.12.2002

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen
Im Auftrag

M i c h a e l    K i r c h n er



25.03.2004

83.18.33.2-4-5

Bewetterungsplan und Wetterbericht

A 2.18

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen (außer Düren)

 

Bewetterungsplan und Wetterbericht
Betriebsempfehlungen der Deutschen Steinkohle AG für die Darstellung des Grubengebäudes und
Angaben zur Wetterführung im Bewetterungsplan und Wetterbericht
Rundverfügung vom 22.07.1992 und 16.01.1996 - 18.33.2-4-5 -,
Rundverfügung vom 08.10.1965 – 23/4-112.23/6551/65 –

Als Anlage werden Ihnen hiermit die Betriebsempfehlungen der Deutschen Steinkohle AG mit Stand
vom 01.02.2004 zur Kenntnis übersandt.

Die Regelungen dienen zur einheitlichen und normgerechten Darstellung der Bewetterung des
Grubengebäudes (Bewetterungsplan) sowie Erstellung des Wetterberichts gemäß § 39 Abs. 1 BVOSt
und § 16 Abs. 6 ABBergV.

Zu den in den Betriebsempfehlungen angeführten Wetterabteilungen wird insbesondere zu deren
Einordnung und Begrenzung folgendes ergänzt:

Eine Wetterabteilung wird begrenzt durch die Stellen, an denen

Die Anfangs- und Endpunkte von Wetterabteilungen liegen in den Abzweigungspunkten bzw.
Einmündungspunkten der Wetterabteilungsströme.

Die in den Betriebsempfehlungen enthaltenen Anforderungen und Vorgaben sowie die o. a.
ergänzenden Bestimmungen bitte ich im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen.
Abweichungen bedürfen der Zustimmung der Bezirksregierung Arnsberg.

Es wird gebeten, die Zweitausfertigungen der halbjährlichen Bewetterungspläne und
Wetterberichte an die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
weiterzureichen.

Die Wetterführungsplan-Richtlinien vom 22.07.1992 – 18.33.2-4-5 – einschl. zugehöriger
Rundverfügungen vom 22.07.1992 und 16.01.1996 (SBl. A 2.18) sowie die Rundverfügung
vom 08.10.1965 – 23/4-112.23/6551/65 – (nicht im Sammelblatt veröffentlicht) werden
hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 25.03.2004

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag

M i c h a e l  K i r c h n er



Regelungen
der Deutschen Steinkohle AG
für die Darstellung des Grubengebäudes
und Angaben zur Wetterführung
im Bewetterungsplan und Wetterbericht
vom 01.02.2004

Inhaltsverzeichnis


1 Geltungsbereich

2 Aufgabe des Wetterberichtes und des Bewetterungsplans

3 Inhalt des Wetterberichtes

4 Inhalt des Bewetterungsplans

5 Darstellung des Bewetterungsplans

5.1 Allgemeines
5.2 Symbole im Bewetterungsplan
5.3 Teil-Bewetterungspläne

6 Unterzeichnung

 

1    Geltungsbereich

Diese Empfehlungen gelten für die Darstellung der Bewetterung des Grubengebäudes sowie
Angaben zum Wetterbericht nach § 39 Abs. 1 BVOSt und sind für die Betriebe der DSK-Ruhr
und DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH verbindlich.

2      Aufgabe des Wetterberichtes und des Bewetterungsplans

Der Wetterbericht nach § 39 Absatz 1 BVOSt enthält eine Zusammenstellung wettertechnischer
Kennwerte und zusätzliche Angaben zur Bewetterung, Ausgasung und zum Klima.

Der Bewetterungsplan nach § 16 Abs. 6 ABBergV hat die Aufgabe, einen schnellen und unmittelbaren
Überblick über das bewetterte Grubengebäude sowie den Zustand der Bewetterung im Grubengebäude
zu vermitteln. Der Bewetterungsplan bildet eine Grundlage zur Beurteilung der Wirkungen zwischen
Ereignissen oder Maßnahmen und der Bewetterung einer Grube oder von Teilen einer Grube sowie
zur raschen Orientierung über Flucht- bzw. Rettungswege in Verbindung mit Flucht- und Rettungsplänen
sowie erforderlichenfalls dem Risswerk.

3      Inhalt des Wetterberichtes

Der Wetterbericht muss wenigstens enthalten:

Der Wetterbericht ist halbjährlich dem Bergamt in tabellarischer Form anzuzeigen (s. Anlage 1).

4    Inhalt des Bewetterungsplans

Der Unternehmer hat gemäß § 16 Absatz 6 ABBergV einen Bewetterungsplan mit allen
wesentlichen Merkmalen der Bewetterung anzufertigen, regelmäßig auf den neuesten Stand
zu bringen und im Betrieb verfügbar zu halten.

Wesentliche Merkmale der Bewetterung sind:

Hauptlüfter, Zusatzlüfter, Richtung und Größe der Wettervolumenströme, CH4-Gehalte der
Wetter in den Wetterabteilungen, Ausnahmebetrieben nach § 34 Abs. 1 BVOSt und
Hauptausziehströmen, Ergebnisse der Wetterdruckmessungen, Bezeichnungen und Abgrenzungen
der Wetterabteilungen, Ortsdruckangaben an den Verzweigungspunkten in den Wetterabteilungen,
Abbaubetriebe und ihre Abbaurichtungen, sonderbewetterte Grubenbaue, Fahrdraht- und
Dieselverkehrstrecken, Gasabsaugeleitungen, Wetterbauwerke, Explosionssperren, Abschlussdämme.

Es sind sämtliche bewetterten Grubenbaue im Bewetterungsplan darzustellen. Geplante oder
abgedämmte Grubenbaue sind nicht darzustellen.

Anstelle der tatsächlich gemessenen Werte für Wetterstrom und Wetterdruck dürfen durch
Wetternetzberechnungen ermittelte Messwerte verwendet werden, wenn im Einzelfall geprüft
worden ist, dass die ermittelten Werte von den tatsächlichen Messwerten nicht wesentlich
abweichen.

5    Darstellung des Bewetterungsplans

5.1 Allgemeines

Der Bewetterungsplan ist grundsätzlich nach den Vorgaben der Norm DIN 21901 ff.
(Bergmännisches Risswerk; hier insbesondere: DIN 21913 sowie DIN 21916 Teile 1 und 3)
auszuführen.

Der Bewetterungsplan soll in parallelperspektivischer Darstellung angefertigt werden.
Die Darstellung des Grubengebäudes ist nach Möglichkeit so zu orientieren, dass der Nordpfeil
gegen den oberen Blattrand zeigt.

Werden Grubenbaue in der Darstellung unterbrochen, sind die Längen der nicht dargestellten
Abschnitte im Bewetterungsplan anzugeben.

Messwerte einzelner Wettermessstellen können tabellarisch zusammengefasst und dargestellt
werden, wenn die Messwerte an den Wettermessstellen selbst nicht übersichtlich angegeben
werden können.

Nachtragungen von für die Überwachung der Bewetterung bestimmten verantwortlichen Person
(Wetteringenieur bzw. Wettersteiger) brauchen nicht maßstäblich zu sein.

5.2  Symbole im Bewetterungsplan

Die Symbole im Bewetterungsplan sind entsprechend der Anlage 2 zu verwenden. Werden
zusätzliche Symbole verwendet, sind dafür eindeutige Erklärungen in die Legende zu bringen.

5.3 Teil-Bewetterungspläne

Werden bei der Darstellung eines weiträumigen Grubengebäudes, z. B. eines Verbundbergwerks,
Teil-Wetterführungspläne verwendet, müssen diese Teilpläne zur Gewährleistung der
Gesamtübersicht so angefertigt sein, dass sie sich unmissverständlich aneinanderlegen lassen.

In den Teilplänen sind die Anschlussstellen jeweils zu kennzeichnen.

6     Unterzeichnung

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Darstellung des Grubengebäudes hat der Markscheider
im Rahmen der ihm hierfür schriftlich gemachten Meldungen den Bewetterungsplan unter Angabe
des Zeitpunktes der Anfertigung zu unterzeichnen.

Die Richtigkeit und Vollständigkeit der nach § 16 Absatz 6 ABBergV und § 39 Absatz 1 BVOSt
geforderten Angaben sind durch Unterschrift und Datum von denjenigen verantwortlichen
Personen zu bestätigen, die der Bergwerksunternehmer zur Überwachung der Bewetterung *1
sowie der übrigen in den Bewetterungsplan einzutragenden Einrichtungen und Anlagen *2 bestellt hat.


*Wetteringenieur bzw. Wettersteiger

*Explosionsschutz- bzw. Brandschutzsteiger


Symbole Wettertechnik Anlage 2

 

 


21.02.2005

83.18.41.1-2004-2

Vermeidung von Gasgefahren bei
Über- oder Unterbauen von Grubenbauen

A 2.18


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen  (ausgenommen Düren)


DSK-Regelungen "Vermeiden der Gefahr des Freiwerdens großer Grubengasmengen durch das
Über- oder Unterbauen von Grubenbauen durch Abbaubetriebe"

Anlage: DSK – Regelungen


Als Anlage werden hiermit die o. a. DSK-Regelungen mit Stand vom 02.02.2005 zur Kenntnis übersandt.

Die in den DSK-Regelungen "Vermeiden der Gefahr des Freiwerdens großer Grubengasmengen durch
das Über- oder Unterbauen von Grubenbauen durch Abbaubetriebe" enthaltenen Anforderungen bitte
ich im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen.

Dazu hat die DSK AG mit Schreiben vom 17.12.2004 mitgeteilt, dass sie diese Regelungen auf ihren
Bergwerken mit Aufnahme in das Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument (SGD) umsetzt und
in die "Liste der anerkannten Verwaltungsvorschriften" einfügt, die ab dem 01.01.2005 spätestens
bei Neufassung von Hauptbetriebsplänen als regelmäßig zu aktualisierende Anlage den jeweiligen
Hauptbetriebsplänen beigefügt wird.

Dortmund, den 21.02.2005

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
In Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
M i c h a e l  K i r c h n e r



DSK-Regelungen

Vermeiden der Gefahr des Freiwerdens großer Grubengasmengen durch das
Über- oder Unterbauen von Grubenbauen durch Abbaubetriebe


- Inhaltsverzeichnis -

1. Einleitung

2. Vorgehensweise zur Erkennung und Vermeidung von Gefahren aus Über- oder
    Unterbauungssituationen

Flussdiagramm der Vorgehensweise

3. Maßnahmen zur Gefahrenvermeidung aus Über- oder Unterbauungssituationen

3.1 Planerische Maßnahmen
3.1.1 Zuschnittsplanung
3.1.2 Zeitliche Koordination

3.2 Betriebliche Maßnahmen
3.2.1 Verringerung der Gaszuströme beim Über- oder Unterbauen
3.2.1.1 Verstärkung der Gasabsaugung im beeinflussenden Abbaubetrieb
3.2.1.2 Einrichtung einer Gasabsaugung im beeinflussten Grubenbau
3.2.1.2.1 Gasbohrmaßnahmen in Gesteinsbergen und Querschlägen
3.2.1.2.2 Gasbohrmaßnahmen in Richt- und Flözstrecken
3.2.1.2.3 Zusätzliche flözgängige Bohrungen in Richt- und Flözstrecken
3.2.1.2.4 Gasabsaugung von Störungsklüften
3.2.1.3 Änderung der Strebstellung zum beeinflussten Grubenbau
3.2.1.4 Reduzierung der Abbaugeschwindigkeit
3.2.2 Wettertechnische, messtechnisch überwachende und organisatorische Maßnahmen
3.2.2.1 Erhöhung der Wettermenge im betroffenen Grubenbau
3.2.2.2 Installation von zusätzlichen örtlichen Verwirbelungseinrichtungen
3.2.2.3 Methanüberwachung durch zusätzliche Methanmessgeräte
3.2.2.4 Festlegung von Warnwerten
3.2.2.5 Vorbereitungsmaßnahmen zur Abdämmung mit Inertisierungsmöglichkeit
3.2.3 Abdämmung und Gasabsaugung

4. Fallbeispiele mit Maßnahmenbeschreibung

4.1 Überbauen einer Richtstrecke mit einem Strebbetrieb

4.2 Überbauen einer Flözstrecke mit einem Strebbetrieb

4.3 Flözgängige Bohr- und Absaugmaßnahmen

4.4 Unterbauen eines abgedämmten Grubenbaus

4.5 Messtechnische Überwachung beeinflusster Bereiche bei Über- und Unterbauung


5. Sonderfälle

5.1 Auffahren einer flözgeführten Strecke im Beeinflussungsbereich eines laufenden
      Abbaubetriebes

5.2 Annäherung eines Strebs an einen Flözstreckenvortrieb mit Gasausbruch



1. Einleitung

In Grubenbauen, die durch einen Abbaubetrieb über- oder unterbaut werden, kann es zur
Freisetzung großer Grubengasmengen kommen. Im gasführenden Karbon wird dies durch
folgend beschriebene gebirgsmechanische Vorgänge verursacht:

Nähert sich ein Strebbetrieb einem im Liegenden oder Hangenden befindlichen Grubenbau,
so gerät dieser und seine Umgebung zunächst unter Einfluss einer dem Abbau vorauseilenden
Zusatzdruckzone. Dies bewirkt eine Verdichtung und somit eine starke Verringerung der
Gasdurchlässigkeit der in der Nähe des betroffenen Grubenbaus angeordneten Flöze, so dass
deren Gas dem Grubenbau noch nicht oder nur in sehr geringem Maße zuströmen kann
("Barrierewirkung"). Gleichzeitig ergeben sich in der Zusatzdruckzone in der Regel Plastifizierungen
(Entstehung von Rissen und Spalten, ggf. auch wahrnehmbar in Form von Konvergenzen im
Grubenbau), die die künftigen Gaswegigkeiten zu den umgebenden Flözen verursachen.

Die dem Strebdurchgang folgende Entlastung bewirkt eine Auflockerung des Gebirges
(Bruchbewegungen) und gleichzeitig die Freisetzung des gespeicherten Grubengases der
beteiligten Flöze in der Umgebung des Grubenbaus. Mit dieser Entlastung ist ebenfalls eine
mehrfache Erhöhung der Durchlässigkeit der Flöze verbunden, so dass nun auch das
desorbierte Grubengas bei fortschreitendem Abbau aus größerer Entfernung dem offenen
Grubenbau über die entstandenen Risse und Spalten im Gebirge zufließen kann. Ein sich
daraus ergebender sehr starker Methanzustrom bleibt dann erfahrungsgemäß über einen
Zeitraum mehrerer Tage auf sehr hohem Niveau. Erst im Laufe mehrerer Wochen klingt er
allmählich wieder ab. Befindet sich im Profil des Grubenbaus (z. B. einer zukünftigen
Abbaubegleitstrecke) selbst noch ein aufgeschlossenes Flöz, kann dessen Grubengas, ohne
Widerstände über das Gebirge überwinden zu müssen, sehr leicht zutreten und einen
wesentlichen Anteil der Zuströme darstellen.

Aus bisher gemachten Erfahrungen erstreckt sich der ausgasungstechnische Einflussbereich
eines Abbaubetriebes für den Fall des Überbauens von Grubenbauen bis ca. 100 m ins
Liegende, im Hangenden reicht er weiter. Bedingt >durch die größeren Gaswegigkeiten im
Hangendbruchraum ist ein Grubenbau durch eine Unterbauung einer intensiveren Einwirkung
ausgesetzt. Hier ist eine Beeinflussung bis zu einer Entfernung von 160 m zu erwarten.

Im Einzelfall ist jedoch zu prüfen, ob lagerstättenspezifische (ausgasungstechnische)
Besonderheiten vorliegen, die eine über die oben genannten Abstände hinausgehende
Beeinflussung ermöglichen können (z.B.: hohe Gasinhalte, gasführende Kluftsysteme).

Die Höhe des Gaszustroms in einen beeinflussten Grubenbau ist von folgenden Faktoren
abhängig:

Drei nachfolgend beschriebene betriebliche Ereignisse (in den Jahren 2002 und 2003) bei der
Überbauung von offenen Grubenbauen mit Strebbetrieben sollen verdeutlichen, welche großen
Methanmengen freigesetzt werden können.

Ereignis 1:

Überbauen eines Gesteinsberges durch einen Abbaubetrieb in einem Abstand von 65 - 110 m

Abbildung 1

Abbildung 1: Ereignis 1

Ereignis 2:

Überbauen eines TSM-Vortriebs durch einen Abbaubetrieb in einem Abstand von ca. 50 m

Abbildung 2

Abbildung 2:Ereignis 2

Ereignis 3:

Überbauen eines Querschlags mit einem Abbaubetrieb (Gaszustrom im Querschlag bei einem
senkrechten Abstand des Strebs zwischen 100 m und 30 m).

Abbildung 3

Abbildung 3: Ereignis 3

Diese Beispiele verdeutlichen, dass für das gefahrlose Über- oder Unterbauen von Grubenbauen
durch Abbaubetriebe in der Regel (ggf. bereits im Planungsstadium) Vorkehrungen zur
Beherrschung der Ausgasung berücksichtigt werden müssen.

In den hier vorliegenden Regelungen sind allgemeine Vorgehensweisen und Maßnahmen mit
Beispielen für die Beherrschung der Ausgasung beim Über- oder Unterbauen von Grubenbauen
dargestellt und erläutert, die zur Anwendung gebracht werden können. Aufgrund der von Fall zu
Fall unterschiedlichen geologischen und auch gebirgsmechanischen Gegebenheiten müssen die
nachfolgend dargestellten Möglichkeiten zur Beherrschung der Ausgasung deshalb jeweils
daraufhin abgestimmt werden.

Beim Über- oder Unterbauen von abgedämmten Grubenbauen kann es durch Gaszuströme
über die Abschlussdämme in die offenen Grubenbaue ebenfalls zu Gefährdungen kommen.
In diesem Zusammenhang wird auf die Beachtung von durchzuführenden Maßnahmen an
ausgasenden Dämmen in Anlehnung an die Betriebsempfehlungen "Bewetterung und Über-
wachung von Abschlussdämmen" als auch den Abschnitt 2.5 der Rundverfügung "Maßnahmen
gegen Brand- und Explosionsgefahren beim Abwerfen von Grubenbauen im Steinkohlenbergbau"
vom 13. Oktober 2000 (..."Ein Unterbauen unbefahrbarer Bereiche, die nicht verfüllt sind, ist
vor der Abdämmung unzulässig"..) hingewiesen.


2. Vorgehensweise zur Erkennung und Vermeidung von Gefahren aus Über- oder
    Unterbauungssituationen

Grundsätzlich ist bei der Beurteilung einer Über- oder Unterbauungskonstellation die Frage
nach einer Gefährdung durch das Freiwerden von Grubengas zu klären. Dies erfordert eine
Analyse der lagerstättenspezifischen Eigenschaften sowie der geometrischen Über- oder
Unterbauungssituation unter Berücksichtigung der in der Einleitung dargestellten Zusammenhänge.
Entweder kann danach eine Gefährdung gänzlich ausgeschlossen werden, oder es müssen
planerische oder betriebliche Schritte zur Gefahrenabwehr ergriffen werden.

So ist schon während der Planung erkennbar, ob sich eventuell Über- oder Unterbauungs-
situationen von Grubenbauen durch zukünftig laufende Strebbetriebe ergeben. Für den Fall
einer damit verbundenen Gefährdung durch Grubengas bietet eine entsprechende Zuschnitts-
änderung in dieser frühen Phase die erste Möglichkeit der Gefahrenvermeidung.

Des weiteren können im laufenden Grubenbetrieb durch zeitliche Verschiebungen im Abbau
und / oder in der Aus- und Vorrichtung neue Über- oder Unterbauungssituationen entstehen.
Durch ständige Beobachtung der Betriebe kann dies jedoch rechtzeitig erkannt und, falls
Voraussetzungen für die Gefährdung durch Freiwerden von Grubengas vorliegen sollten,
durch einhergehende zeitliche Koordination vermieden werden.

Im Falle einer konkret eintretenden Über- oder Unterbauungskonstellation mit einer durch
die Analyse festgestellten Gefährdung sind betriebliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr in
Anwendung zu bringen. Diese bestehen einerseits in der Verringerung der zu erwartenden
Gaszuströme (z. B. Bohrprogramme zur Gasabsaugung), andererseits in wettertechnischen,
messtechnischen und organisatorischen Möglichkeiten bis hin zum vorübergehenden
Abdämmen eines betroffenen Grubenbaus.

Im folgenden Flussdiagramm wird die Vorgehensweise zur Erkennung und Vermeidung von
Gefahren aus Über- oder Unterbauungssituationen schematisch beschrieben. Aufgrund der
von Fall zu Fall unterschiedlichen geologischen als auch gebirgsmechanischen Gegebenheiten
sowie je nach Grad der festgestellten Gefährdung müssen die unter Abschnitt 3 ausführlich
dargestellten Mittel zur Beherrschung der Ausgasung deshalb jeweils daraufhin abgestimmt
werden. Sie sind je nach Erfordernis entweder einzeln oder in Kombination miteinander zur
Anwendung zu bringen. Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen zur Abwehr erkannter
Gefahren sind betriebsplanmäßig unter Hinzuziehung einer anerkannten Fachstelle festzulegen.

Flussdiagramm-Originalgröße

Flussdiagramm: Vorgehensweise bei einer Über- oder Unterbauungssituation


3. Maßnahmen zur Gefahrenvermeidung aus Über- oder Unterbauungssituationen

Die im Flussdiagramm genannten Einzelmaßnahmen zur Gefahrenabwehr werden nachfolgend
genauer beschrieben und durch weitere Hinweise und Erklärungen ergänzt.

3.1 Planerische Maßnahmen

3.1.1 Zuschnittsplanung

Diagrammweg A

Eine Möglichkeit der Gefahrenvermeidung besteht darin, dass durch die Wahl des Abbauzuschnitts
die geometrische Situation der Über- oder Unterbauung von Grubenbauen ausgeschlossen wird.

3.1.2 Zeitliche Koordination

Diagrammweg B:

Durch zeitliche Koordination von Abbaubetrieben und Streckenvortrieben lassen sich Über- oder
Unterbauungssituationen entzerren. Dieses ist sowohl durch Eingriff in die Abbauzeit- und
Vortriebspläne als auch durch die Steuerung der Abbau- bzw. Streckenvortriebsgeschwindigkeit
zu realisieren.

3.2 Betriebliche Maßnahmen

Für den konkreten Fall einer Über- oder Unterbauung gibt es eine Reihe von Möglichkeiten,
den erwarteten Gefährdungen durch Gaszuströme in die betroffenen Grubenbaue entgegenzuwirken.

Dies kann einerseits durch die Verringerung der erwarteten Gaszuströme und andererseits durch
wettertechnische, messtechnisch überwachende und organisatorische Möglichkeiten geschehen.

3.2.1 Verringerung der Gaszuströme beim Über- oder Unterbauen

Diagrammweg C

3.2.1.1 Verstärkung der Gasabsaugung im beeinflussenden Abbaubetrieb

Um einen betroffenen Grubenbau vor den zu erwartenden Gaszuströmen zu schützen, kann dies
durch eine entsprechende Anordnung von Gasbohrungen aus dem beeinflussenden Abbaubetrieb
erfolgen (siehe Abbildungen 5 und 6: längere Bohrlöcher in die Nähe des betroffenen Grubenbaus).
Die möglichen Ansatzpunkte sind hier jedoch in der Regel auf die Abbaustrecken im Bereich des
Alten Mannes des laufenden Abbaubetriebs beschränkt und wirken somit nicht auf der
Gesamtlänge der Über- oder Unterbauung im beeinflussten Grubenbau.

3.2.1.2 Einrichtung einer Gasabsaugung im beeinflussten Grubenbau

Grundsätzlich müssen die Gasannahmestellen im beeinflussten Grubenbau rechtzeitig an die
Gasabsaugung angeschlossen werden. Im Folgenden werden die dazu erforderlichen Bohr-
programme beschrieben.

3.2.1.2.1 Gasbohrmaßnahmen in Gesteinsbergen und Querschlägen

Gesteinsberge und Querschläge durchörtern Schichten und Flöze (siehe Abbildungen 1 und 3).
Die Bohrlochansatzpunkte sollten im Bereich der Flözdurchtritte liegen. Länge und Anzahl
der Löcher müssen im Einzelfall unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten festgelegt
werden. Im Bereich der Flözdurchtritte sind durch Abdichtung des gesamten Streckenmantels
Wetterkurzschlüsse zur Gasabsaugung zu vermeiden.

3.2.1.2.2 Gasbohrmaßnahmen in Richt- und Flözstrecken

Flöze im Liegenden und Hangenden, die unter Abbaueinfluss geraten und ihr Grubengas in
Richt- und Flözstrecken abgeben können, müssen besaugt werden. Dazu bieten sich beispiels-
weise fächerartige Bohrlochanordnungen aus den betroffenen Strecken an (siehe Abbildungen
5, 6 und 7). Länge und Anzahl der Bohrlöcher sowie der Abstand der Fächer zueinander
ergeben sich aus der ausgasungstechnischen Analyse.

3.2.1.2.3 Zusätzliche flözgängige Bohrungen in Richt- und Flözstrecken

Die sich im Auffahrungsprofil von Richt- und Flözstrecken befindlichen Flöze sind erforderlichenfalls
zu besaugen. Dazu sind zusätzliche Gasbohrlöcher (ähnlich wie bei einer Vorentgasungsmaßnahme
eines Bauflözes) in beiden Stößen der Strecken parallel zur Laufrichtung des Abbaubetriebs flöz-
gängig herzustellen (siehe Abbildung 6). Dabei ist eine Länge von mindestens 100 m anzustreben,
um eine möglichst frühe Wirkung der Vorentgasung des beeinflussten Bereiches zu erzielen. Die
Abstände untereinander sollen 10 m bis 20 m betragen. Mit einem geringen angelegten Unterdruck
wird das Gas bei der Annäherung und der anschließenden Entfernung des Abbaubetriebs abgesaugt
(siehe Abbildung 8). Zur Gasannahme können auch bereits erstellte Tränklöcher genutzt werden,
jedoch nur bevor sie mit Wasser beaufschlagt werden, da sonst eine Blockierung der Ausgasung
die Folge wäre.

3.2.1.2.4 Gasabsaugung von Störungsklüften

Im Falle, dass Störungsklüfte gasführend sind, sind diese durch entsprechend angeordnete
Bohrungen zu besaugen (siehe Abbildung 7). Dies gilt auch für solche, die den Grubenbau
nicht unmittelbar schneiden, sich aber in der Nähe befinden.

3.2.1.3 Änderung der Strebstellung zum beeinflussten Grubenbau

Das Gefährdungsmoment durch das Auftreten hoher Methanmengen ist dann am größten,
wenn Strebfront und Strecke parallel zu einander verlaufen. Dem Grubenbau mit seiner
begrenzten Wettermenge kann so über eine Erstreckung der gesamten Länge des Strebes
bei dessen Annäherung und anschließender Überbauungsphase in kurzer Zeit viel Gas zuströmen.
Um eine nur punktuelle Einwirkung mit kleineren Gaszuströmen zu erreichen, ist ein möglichst
großer Schnittwinkel durch Änderung der Strebstellung zum betroffenen Grubenbau anzustreben
(siehe Abbildung 4).

3.2.1.4 Reduzierung der Abbaugeschwindigkeit

Die Verringerung der Abbaugeschwindigkeit führt ebenfalls zur zeitlichen Verlängerung der
Beeinflussung und somit zur Reduktion hoher momentaner Gaszuströme in den gefährdeten
Grubenbau. 

3.2.2 Wettertechnische, messtechnisch überwachende und organisatorische Maßnahmen

Diagrammweg D

Sind vor und während einer Über- oder Unterbauung Gefahren, die sich aus der dem Wetterstrom
zufließenden Ausgasung ergeben, nicht auszuschließen, ist diesen mit entsprechenden wetter-
technischen, messtechnisch überwachenden und organisatorischen Maßnahmen zu begegnen.

3.2.2.1 Erhöhung der Wettermenge im betroffenen Grubenbau

Maßnahmen zur Erhöhung der Wettermenge im betroffenen Grubenbau sind vorzubereiten.
Dies kann z.B. durch Einbau einer weiteren Sonderbewetterungsanlage geschehen. Bei
durchgehender Bewetterung ist zu prüfen, ob durch Wetterumstellungen eine Verbesserung
der Wetterversorgung herbeigeführt werden kann.

3.2.2.2 Installation von zusätzlichen örtlichen Verwirbelungseinrichtungen

In den gefährdeten Bereichen der beeinflussten Grubenbaue kann es zu örtlichen Methan-
ansammlungen kommen, die durch zusätzliche Verwirbelungseinrichtungen, z. B. Wetterdüsen,
beseitigt werden müssen. Eine Überwachung dieser Bereiche ist durch wiederholte
CH4-Profilmessungen (mit geeigneten Handmessgeräten: Messbereich bis 100 %)
vorzunehmen, um bei Veränderungen der Gaszutrittsstellen rechtzeitig entsprechende
Vorkehrungen einleiten zu können.

3.2.2.3 Methanüberwachung durch zusätzliche Methanmessgeräte

Bei einer zu erwartenden Gefährdung durch Gaszuströme kann es erforderlich sein, den
Wetterstrom durch zusätzliche stationäre Methanmesseinrichtungen zu überwachen
(siehe Abbildungen 10 und11). Diese Messgeräte müssen mit Abschaltfunktion ausgestattet
und so positioniert sein, dass die im nachfolgenden Wetterweg befindlichen elektrischen
Anlagen und Betriebsmittel rechtzeitig selbsttätig abgeschaltet werden. Anzahl und
Positionierung der einzelnen Messgeräte müssen der jeweiligen Situation angepasst werden.

3.2.2.4 Festlegung von Warnwerten

Es sind Warnwerte festzugelegen, um Gefahren rechtzeitig mit geeigneten Mitteln begegnen
zu können.

3.2.2.5 Vorbereitungsmaßnahmen zur Abdämmung mit Inertisierungsmöglichkeit

Für den Fall einer sich wider Erwarten einstellenden dauerhaften Überschreitung zulässiger
Grenzwerte ist die schnellstmögliche Abdämmung des Grubenbaus vorzubereiten. Dazu ist
vorsorglich ebenfalls die Installation einer Inertisierungsleitung vorzusehen, die unverzögert
in Betrieb genommen werden kann.

3.2.3 Abdämmung und Gasabsaugung

Diagrammweg E

Durch die vorübergehende Abdämmung eines unter Abbaueinfluss geratenden Grubenbaus
lässt sich ebenfalls eine Gefährdung vermeiden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der
abgedämmte Grubenbau vor dem Eintreten der Einwirkung an die Gasabsaugung angeschlossen
werden kann. Die Größe und Zusammensetzung der abgesaugten Grubengasmengen sind im
Hinblick auf die spätere gefahrlose Wiederöffnung des Grubenbaus messtechnisch zu ermitteln.

4. Fallbeispiele mit Maßnahmenbeschreibung

Im Folgenden sollen anhand einiger Beispiele Möglichkeiten zur Beherrschung der Ausgasung
dargestellt werden.

4.1 Überbauen einer Richtstrecke mit einen Strebbetrieb

Abbildung 4

Abbildung 4: Überbauen einer Richtstrecke mit einem Strebbetrieb

Abbildung 4 zeigt schematisch eine Überbauung einer Richtstrecke. Durch die Schrägstellung
des Strebes zur Strecke kommt diese nur schrittweise unter Abbaueinfluss.

Abbildung 5

Abbildung 5: Gasbohrmaßnahmen beim Überbauen einer Richtstrecke mit einem Strebbetrieb

In Abbildung 5 sind beispielhaft die Bohr- und Absaugmaßnahmen aus der betroffenen Richtstrecke
heraus in die nächsten Begleitflöze dargestellt. In diesem Fall ist das von der Strecke direkt im Profil
aufgeschlossene Begleitflöz so geringmächtig, dass flözgängige Bohrungen zur Gasabsaugung nicht
durchführbar sind. Weiterhin sind aus dem Abbaubetrieb heraus lange Gasbohrlöcher in das obere
Begleitflöz über der Strecke angedeutet, die jedoch nur in Teilbereichen der Überbauung wirksam
sind. (Anmerkung: Die Anzahl der Bohrungen ist nur beispielhaft und ist im Einzelfall dem Umfang
der Erfordernisse anzupassen). 


4.2 Überbauen einer Flözstrecke mit einen Strebbetrieb

Abbildung 6

Abbildung 6: Gasbohrungen beim Überbauen einer Flözstrecke

Abbildung 7 

Abbildung 7: Gasbohrungen beim Überbauen einer Flözstrecke in der Nähe einer
                      gasführenden Störungskluft

Abbildung 6 zeigt ein Gasbohrschema für das Überbauen einer Flözstrecke. Neben den
Gasbohrlöchern aus dem Abbau heraus und den Fächern ins Liegende und Hangende sind
flözgängige Bohrungen in beiden Stößen angeordnet, um Gas aus dem direkt aufgeschlossenen
Flöz aufzunehmen. In Abbildung 7 ist beispielhaft ein Bohrschema dargestellt, wenn eine
gasführende Störungskluft vorhanden ist.

4.3 Flözgängige Bohrungen

Abbildung 8

Abbildung 8: Flözgängige Bohrungen zur Gasannahme bei einer Überbauung

Abbildung 8 zeigt eine flözgängige Bohrlochanordnung zu beiden Seiten einer Abbau-
begleitstrecke. Der Strebbetrieb in Flöz C überfährt die Wettereinziehstrecke des 60 m
darunter liegenden Abbaubetriebs in Flöz Zollverein 2. Im Bereich der Überbauung wurden
aus der Einziehstrecke in Flöz Zollverein 2 flözgängige Gasbohrlöcher erstellt, um das aus
dem Flöz Zollverein 2 freiwerdende Grubengas während der Überbauung annehmen zu können.

Die Abstände und Längen der Langlöcher sind nur schematisch angedeutet. Eine genauere
Beschreibung ist im Abschnitt 3.2.1.2 enthalten.

In einem konkreten Fall konnten mit Hilfe eines solchen Bohrprogramms bei einer Annäherung
eines Strebbetriebes an den betroffenen Grubenbau bis zu 60 % des zusätzlichen maximalen
Gaszustromes durch die Gasabsaugung erfasst werden.


4.4 Unterbauen eines abgedämmten Grubenbaus

Abbildung 9

Abbildung 9: Schematisches Beispiel für das Unterbauen eines abgedämmten Grubenbaus

Auch abgedämmte Grubenbaue sollen bei einer Unterbauung einer kritischen Beurteilung
unterworfen werden. Selbst weiter entfernt liegende Dämme können ggf. eine Gefährdung
darstellen. Erforderlichenfalls sollten Abdichtungen der Dämme sowie deren Anschluss an
die Gasabsaugung durchgeführt und messtechnische Überwachung installiert werden. Ein
Beispiel dazu ist in Abbildung 9 dargestellt.

4.5 Messtechnische Überwachung beeinflusster Bereiche bei Über- und Unterbauung

Abbildung 10

Abbildung 10: Unterbauen einer sonderbewetterten Strecke mit messtechnischer Überwachung

Abbildung 11

Abbildung 11: Überbauen einer sonderbewetterten Strecke mit messtechnischer Überwachung

In den Abbildungen 10 und 11 sind schematisch in den beeinflussten Grubenbauen die Bereiche
dargestellt, die verstärkt auf CH4 -Zuströme zu überwachen sind. Wie in Abschnitten 3.2.2.2 und
3.2.2.3 beschrieben, sollen sie einer besonderen Beobachtung (Profilmessungen und ggf. zusätzliche
Verwirbelungseinrichtungen) unterzogen und, wenn erforderlich, durch ein zusätzliches Methan-
messgerät mit Abschaltfunktion abgesichert werden.

5. Sonderfälle  

5.1 Auffahren einer flözgeführten Strecke im Beeinflussungsbereich eines laufenden
      Abbaubetriebes

Abbildung 12

Abbildung 12: Auffahren einer flözgeführten Strecke im Beeinflussungsbereich eines laufenden
                        Abbaubetriebes

In Abbildung 12 wird ein Streckenvortrieb in Flöz Wilhelm dargestellt, der sich mit 60 m Abstand
zur Strebfront in Flöz Präsident/Helene im entlasteten Versatzraum befindet. Dies führte zu nicht
erwarteten Gaszuströmen in die sonderbewetterte Strecke. Da diese aus betrieblichen Gründen
so schnell wie möglich aufgefahren werden musste, konnte der Vortrieb nur im Schutze einer
Gasabsaugung mit aufwendigen Bohrarbeiten durchgeführt werden. Die Bohrungen erfolgten in
fächerförmiger Anordnung in die Ortsbrust als auch in regelmäßigen Abständen in die Streckenfirste
und -sohle in das jeweils nächstliegende Begleitflöz.

5.2 Annäherung eines Strebs an einen Flözstreckenvortrieb mit Gasausbruch

Abbildung 13

Abbildung 13: Abbau in Flöz 59 und Streckenvortrieb in Flöz 69 fahren aufeinander zu

Zwar hat in diesem Beispiel in Abbildung 13 keine Überbauung stattgefunden, dennoch sind
bei der dargestellten Lage der Strecke in Flöz 69 und des Strebes in Flöz 59 1.450 m3 Grubengas
plötzlich durch einen Gas-/Kohlenausbruch freigeworden und 25 t Kohle ausgeworfen worden.
Bei einer Annäherung beider Betriebe von 20 m kam es im Vortrieb der Strecke zu einem
Gasausbruch, der durch die dem Abbau vorauseilende Spannungszone ausgelöst wurde.



22.09.2005

83.18.34.4-6-1

Verwendung von Messgeräten
nach § 35 Absatz 6 BVOSt

A 2.18

An die Bergämter des Landes NRW

Verwendung von Messgeräten nach § 35 Absatz 6 BVOSt

Rundverfügung vom 28.12.2001 - 83.18.34.4-6-1 -


Gasmessgeräte, die nach § 35 Abs. 6 BVOSt vom 10.01.2000 in der Fassung vom 01.05.2001
verwendet werden sollen, müssen wenigstens den jeweils gültigen Anforderungen der
europäischen Normen EN 61779, Teile 1 bis 3, bzw. EN 50054 bis EN 50056, EN 50 104,
EN 45 544 bzw. EN 12 31 oder einem gleichwertigen technischen Stand entsprechen und
auf ihre Eignung durch eine gemäß Richtlinie 94/9/EG benannte Stelle geprüft worden sein.

Zudem sind bergbauspezifische Umgebungseinflüsse wie Staub, Temperatur, Druck, relative
Feuchte, Wettergeschwindigkeit, örtliche Grubengaszuströme, Stoßbelastung, Störgase, die
die Funktionsfähigkeit der Messgeräte beim Einsatz im Steinkohlenbergbau unter Tage
beeinträchtigen können, zu berücksichtigen. Außerdem sind die bergbautypischen Verwend-
ungszwecke, wie Brandfrüherkennung, Gasabsaugung, Abwehr von Gefahren durch
CH4-Zuströme, zu berücksichtigen.

Für die Anforderungen an Wettergeschwindigkeits- oder Wetterstrommessgeräte wird auf
die Rundverfügung vom 30.11.1983 - 18.34.1-4-12 - verwiesen.

Für den Nachweis der Eignung nach § 35 Abs. 6 BVOSt sind wenigstens folgende Unterlagen
vorzulegen:

  • schriftliche Anzeige bei der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie
    in NRW,
  • ausführliche Beschreibung des Messgerätetyps, der Messgrundlage und der Wirkungsweise,
  • Konformitätserklärung des Herstellers und EG-Baumusterprüfbescheinigung nach
    Richtlinie 94/9/EG,
  • Erfahrungsbericht über den probeweisen Untertageeinsatz.

Ich bitte, im Rahmen des Betriebsplanverfahrens beim Einsatz von Messgeräten nach § 35 Absatz 6
zu prüfen, ob deren Einsatz unbedenklich ist. Diese Prüfung kann entfallen, wenn der Unternehmer
dem Betriebsplan eine Mitteilung der Bezirksregierung Arnsberg beifügt, aus der hervorgeht, dass
keine Bedenken gegen den untertägigen Einsatz erhoben werden. Falls die v. g. Mitteilung nicht
beigefügt ist, ist der Betriebsplan vor Zulassung der Bezirksregierung Arnsberg vorzulegen.

Unter die Anzeigepflicht fallen sowohl Handmessgeräte als auch ortsfeste Messgeräte, die nach
§ 35 Absatz 5 BVOSt zur untertägigen wettertechnischen Überwachung von Gasen und
Volumenströmen verwendet werden.

Anträge für Untertageerprobungen o. a. wettertechnischer Messgeräte sind vor Zulassung der
Bezirksregierung Arnsberg vorzulegen.

Messgeräte, gegen deren untertägige Verwendung keine Bedenken bestehen, werden in einer
Sammelliste im Sammelblatt der Bezirksregierung Arnsberg, Gliederungsabschnitt A 3.18,
veröffentlicht.

Die Rundverfügung der Bezirksregierung Arnsberg vom 28.12.2001 – 83.18.34.4-6-1 –
wird hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie NRW
Im Auftrag

M i c h a e l  K i r c h n e r



14.02.2007

83.11.92.1-7-9

Explosionsschutz im Bergbau unter Tage
2-bar-Wetterbauwerke
DIN EN 14591-1

A 2.18

Explosionsschutz im Bergbau unter Tage
2-bar-Wetterbauwerke
DIN EN 14591-1

Rundverfügung vom 27.07.2000 - 11.92.1-7-19 -

Die deutsche Norm DIN 21573-3 mit Stand vom April 2000 "2-bar-Wetterbauwerk" ist
durch die deutsche Fassung der europäischen Norm EN 14591-1 "2-bar-Wetterbauwerk"
mit Stand vom Dezember 2004 ersetzt worden.

Gegenüber der DIN 21573-3, Stand April 2000, wurden folgende Änderungen vorgenommen:

  1. Die Abmessungen und Werkstoffe für die 2-bar-Fahrwegtür und 2-bar-Förderwegtür
    wurden in die normativen Anhänge verschoben.

  2. Der informative Anhang ZA wurde neu aufgenommen.

Eine Ausfertigung der Norm DIN EN 14591-1 ist zur Kenntnisnahme beigefügt. Ich bitte,
die v.g. Norm enthaltenen Anforderungen im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen.

Die Rundverfügung vom 27.07.2000 - 11.92.1-7-19 - wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 14.02.2007

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

M i c h a e l  K i r c h n e r



Richtlinien

für die messtechnische Überwachung

wettertechnischer Messgeräte und Messeinrichtungen

(Messgeräte-Überwachungs-Richtlinien)

vom 16.08.2011

Die einwandfreie Funktion der wettertechnischen Messgeräte und Messeinrichtungen
hängt von ihrer sorgfältigen Überwachung durch Wartung und Prüfungen ab. Bei
ortsfesten Messeinrichtungen sind in die Überwachung die Messdatenübertragung und
Registrierung, die Kalibrierungseinrichtungen und sonstige Zusatzgeräte einzubeziehen.
Die Abschaltung elektrischer Anlagen, die Auslösung von Warnsignalen und sonstiger
sicherheitlicher Funktionen sind in die Prüfung I und II mit einzubeziehen.

Die Termine und Fristen für die Prüfungen sind in der Anlage 1 dargestellt. Der Unter-
nehmer hat dafür zu sorgen, dass die in der Tabelle angegebenen Termine und Fristen
nicht überschritten werden. Die Mindestanforderungen an die durchzuführenden Arbeiten
im Rahmen der Prüfung II und III sind in der Anlage 2 vorgegeben.

Die Prüfungen I nach Spalte 2 der Tabelle sind durch eine hierfür von der zuständigen
Behörde anerkannten Fachstelle durchführen zu lassen. Die Prüfungen I nach Spalte 3
der Tabelle dürfen, sofern sie nicht ebenfalls durch eine anerkannte Fachstelle vorge-
nommen werden, durch einen hierfür anerkannten Sachverständigen durchgeführt werden.
Die anerkannte Fachstelle oder der anerkannte Sachverständige kennzeichnet das
geprüfte Gerät durch eine Plakette mit Kalendermonat und -jahr der Prüfung und stellt
einen Nachweis über die Durchführung der Prüfung aus. Bei der Durchführung der
Prüfung I in der Untersuchungsstelle entfällt bei Strömungs-, Volumenstrom- und Druck-
messgeräten sowie Psychrometern diese Plakette; stattdessen wird das geprüfte Gerät
mit einer Plakette mit Kalendermonat und -jahr der Folgeprüfung(en) gekennzeichnet.
Beispiele für Prüfplaketten sind in der Anlage 3 dargestellt. Geräte, deren Prüfungen I
länger zurückliegen, als es den angegebenen Fristen entspricht, dürfen nicht benutzt werden.

Die Prüfungen II nach Spalte 4 der Tabelle dürfen von fachkundigen verantwortlichen
Personen (Wettermessgerätesteigern) durchgeführt werden, die ihre Fachkunde bei
einer anerkannten Fachstelle erworben haben (s. Anlage 4). Die Prüfungen III nach
Spalte 5 der Tabelle dürfen von fachkundigen Personen (Wettermessgerätewarten)
durchgeführt werden, die ihre Fachkunde bei einer anerkannten Fachstelle erworben
haben (s. Anlage 5). Jede zweite Prüfung II nach Spalte 4 kann auch von Wettermess-
gerätewarten vorgenommen werden, wenn die Prüfergebnisse vom Wettermessgeräte-
steiger kontrolliert werden.

Die Prüfungen nach der Tabelle und Wartungen der Messgeräte sind anhand der Betriebs-
und Wartungsanleitung des Messgeräteherstellers durchzuführen. Weitere Hinweise einer
anerkannten Fachstelle und Festlegungen der Bergbehörde sind zu beachten. Bei den
Prüfungen II und III sind auch Hinweise der anerkannten Sachverständigen zu berück-
sichtigen.

Unabhängig von sonstigen Regelungen der Bergbehörde, z. B. im Rahmen der Betriebs-
planzulassungen für den Messgeräteeinsatz, sind in den Anlagen 6 und 7 für tragbare
Gasmessgeräte einschließlich Handmessgeräte sowie Gasmessgeräte einschließlich
Handmessgeräte der Grubenwehr zusätzliche Regelungen getroffen worden.

Wegen der Bedeutung einer zuverlässigen Wetterüberwachung für die Grubensicherheit,
insbesondere beim Einsatz ortsfester Messeinrichtungen mit Abschaltfunktionen, ist über
die Ergebnisse der von Sachverständigen durchgeführten Prüfungen I nach Anlage 8
sowie über die Anzahl der Geräte, Abschaltfehler mit Ursachen und veranlasste
Maßnahmen nach Anlage 9 der Bezirksregierung Arnsberg zu berichten.

Die Messgeräte-Überwachungs-Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg vom 15.11.2005
i. d. F. vom 31.07.2006 einschl. zugehöriger Rundverfügungen, Az. 83.18.34.7-2003-2,
werden hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 16.08.2011

Bezirksregierung Arnsberg

Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K l a u s  J ä g e r s b e r g


Anlagenverzeichnis

Anlage 1 Tabelle der Termine und Fristen für die Prüfung wettertechnischer
Messeinrichtungen
Anlage 2 Mindestanforderungen an die durchzuführenden Arbeiten im Rahmen
der Prüfung II und III
Anlage 3 Beispiele für Prüfplaketten
Anlage 4 Plan für die Ausbildung von Wettermessgerätesteigern
Anlage 5 Plan für die Ausbildung von Wettermessgerätewarten
Anlage 6 Wartung und Prüfung der tragbaren Gasmessgeräte einschließlich
Handmessgeräte
Anlage 7 Wartung und Prüfung der tragbaren Gasmessgeräte einschließlich
Handmessgeräte bei der Grubenwehr
Anlage 8 Ergebnisse der von Sachverständigen durchgeführten Prüfungen I
an ortsfesten Messeinrichtungen
Anlage 9 Anzahl der Messeinrichtungen, Gerätetypen, Prüfergebnisse und
Abschaltfehler mit Ursachen sowie veranlasste Maßnahmen

 


Anlage 1

Tabelle

der Termine und Fristen

für die Prüfungen

wettertechnischer Messeinrichtungen

Von den Prüfungen I am Einsatzort nach Spalte 3 der Tabelle sind mindestens
40 % von der Prüfstelle für Grubenbewetterung durchzuführen.

Tabellenübersicht

1. Gasmesseinrichtungen

2. Messeinrichtungen für Strömung, Volumenstrom und Druck

3. Druck- und Volumenstrommesseinrichtungen an Haupt- und Zusatzlüftern

4. Temperatur- und Klimamessgeräte

5. Prüfröhrchenmessgeräte


Anlage 1 - Tabelle 1


Anlage 1 - Tabelle 2



Anlage 2 - Tabelle 1

Anlage 2 - Tabelle 2


 


Anlage 3 - Beispiele Prüfplaketten

 


Anlage 4

Plan für die Ausbildung von fachkundigen verantwortlichen Personen
(Wettermessgerätesteigern)

1. Ortsfeste wettertechnische Messeinrichtungen

Voraussetzung für die Teilnahme an Grund- und Ergänzungslehrgängen ist die
Ausbildung zum Wettersteiger.

Für wettertechnische Messgeräte auf Fahrzeugen unter Tage, an Gasabsauge-
anlagen und Hauptlüfteranlagen über Tage ist alternativ wenigstens die Bestellung
als technische verantwortliche Person mit einer Ausbildung als Wettermess-
truppmann erforderlich.

Die Ausbildung besteht aus Grundlehrgang1 *) (Mindestdauer: 3 Tage) und
Ergänzungslehrgänge 1 *) (Mindestdauer: 1 Tag) mit den im Betrieb vorhandenen
Messgerätetypen.

Grundlehrgang 1

Lehrgangsinhalte:

  • anzuwendendes behördliches Regelwerk sowie EU-Richtlinien und Normen,
  • Begriffe der Messtechnik,
  • Messverfahren von Gasmessgeräten sowie betriebliche und umgebungsbedingte
    Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Messverfahren für Strömungsgeschwindigkeit, Volumenstrom, Druck und
    Temperatur sowie betriebliche und umgebungsbedingte Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Messdatenübertragung und Registrierung,
  • Auslösung von Warnsignalen und Abschaltungen,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • schriftliche Abschlussprüfung und Abschlussbesprechung.

*) Im Einzelfall kann die Zeitdauer von der Ausbildungsstelle angepasst werden.

Ergänzungslehrgänge 1

Lehrgangsinhalte:

  • Aufbau und technische Eigenschaften der Messgeräte,
  • Besonderheiten,
  • Zubehör und Prüfmittel,
  • Einstellung von Parametern,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • praktische Übungen,
  • praktische Abschlussprüfung.

2. Tragbare wettertechnische Messgeräte in der Lampenstube über Tage

Voraussetzung für die Teilnahme an Grund- und Ergänzungslehrgängen 2 ist die
Bestellung als technische verantwortliche Person.

Die Ausbildung besteht aus Grundlehrgang 2 (Mindestdauer: 2 Tage) und Ergänzungs-
lehrgänge 2 (Mindestdauer: 1 Tag) mit den im Betrieb vorhandenen Messgerätetypen.

Grundlehrgang 2

Lehrgangsinhalte:

  • anzuwendendes behördliches Regelwerk sowie EU-Richtlinien und Normen,
  • Begriffe der Messtechnik,
  • Messverfahren von Gasmessgeräten sowie betriebliche und umgebungsbedingte
    Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Messverfahren für Strömungsgeschwindigkeit, Volumenstrom, Druck und
    Temperatur sowie betriebliche und umgebungsbedingte Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • schriftliche Abschlussprüfung und Abschlussbesprechung.

Ergänzungslehrgänge 2

Lehrgangsinhalte:

  • Aufbau und technische Eigenschaften der Messgeräte,
  • Besonderheiten,
  • Zubehör und Prüfmittel,
  • Einstellung von Parametern,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • praktische Übungen,
  • praktische Abschlussprüfung.

3. Nachschulung

Mindestens 1x jährlich und bei besonderem Bedarf hat ein Erfahrungsaustausch
zwischen den Wettermessgerätesteigern und einem zuständigen anerkannten
Sachverständigen zu erfolgen.


 


Anlage 5

Plan für die Ausbildung von fachkundigen Personen (Wettermessgerätewarten)

1. Ortsfeste wettertechnische Messeinrichtungen

Voraussetzung für die Teilnahme an Grund- und Ergänzungslehrgängen ist die Ausbildung
zum Wettermesstruppmann.

Für wettertechnische Messgeräte auf Fahrzeugen unter Tage, an Gasabsaugeanlagen und
Hauptlüfteranlagen über Tage ist alternativ wenigstens eine abgeschlossene technische
Berufsausbildung erforderlich.

Die Ausbildung besteht aus Grundlehrgang1 *) (Mindestdauer: 3 Tage) und Ergänzungs-
lehrgänge 1 *) (Mindestdauer: 1 Tag) mit den im Betrieb vorhandenen Messgerätetypen.

Grundlehrgang 1

Lehrgangsinhalte:

  • anzuwendendes behördliches Regelwerk,
  • Begriffe der Messtechnik,
  • Messverfahren von Gasmessgeräten sowie betriebliche und umgebungsbedingte
    Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Messverfahren für Strömungsgeschwindigkeit, Volumenstrom, Druck und Temperatur
    sowie betriebliche und umgebungsbedingte Einflüsse auf die Messgeräte,
  • Messdatenübertragung und Registrierung,
  • Auslösung von Warnsignalen und Abschaltungen,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • schriftliche Abschlussprüfung und Abschlussbesprechung.

Ergänzungslehrgänge 1

Lehrgangsinhalte:

  • Aufbau und technische Eigenschaften der Messgeräte,
  • Besonderheiten,
  • Zubehör und Prüfmittel,
  • Einstellung von Parametern,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • praktische Übungen,
  • praktische Abschlussprüfung.

*) Im Einzelfall kann die Zeitdauer von der Ausbildungsstelle angepasst werden.

2. Tragbare wettertechnische Messgeräte in der Lampenstube über Tage

Voraussetzung für die Teilnahme an Grund- und Ergänzungslehrgängen 2 ist eine
abgeschlossene Berufsausbildung.

Die Ausbildung besteht aus Grundlehrgang 2 (Mindestdauer: 2 Tage) und
Ergänzungslehrgänge 2 (Mindestdauer: 1 Tag) mit den im Betrieb vorhandenen
Messgerätetypen.

Grundlehrgang 2

Lehrgangsinhalte:

  • anzuwendendes behördliches Regelwerk,
  • Begriffe der Messtechnik,
  • Messverfahren von Gasmessgeräten
  • Messverfahren für Strömungsgeschwindigkeit, Volumenstrom, Druck
    und Temperatur,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • schriftliche Abschlussprüfung und Abschlussbesprechung.

Ergänzungslehrgänge 2

Lehrgangsinhalte:

  • Aufbau und technische Eigenschaften der Messgeräte,
  • Besonderheiten,
  • Zubehör und Prüfmittel,
  • Einstellung von Parametern,
  • Vorbereitung, Inhalte und Dokumentation von Prüfungen II und III,
  • praktische Übungen,
  • praktische Abschlussprüfung.

3. Nachschulung

Mindestens 1x jährlich und bei besonderem Bedarf hat ein Erfahrungsaustausch
zwischen den Wettermessgerätewarten und Wettermessgerätesteigern zu erfolgen.


 


Anlage 6

Wartung und Prüfung der tragbaren Gasmessgeräte
einschließlich Handmessgeräte

1 Allgemeines

1.1 Für die Aufbewahrung, Ausgabe, Wartung und Prüfungen II und III der Messgeräte
sowie der hierfür erforderlichen Einrichtungen ist eine fachkundige verantwortliche Person
verantwortlich zu machen.

1.2 Die Wartung und Prüfung III der Messgeräte ist Wettermessgerätewarten zu übertragen.

1.3 Für jedes Messgerät sind Nachweise zu führen und verfügbar zu halten. Die Nachweise
müssen mindestens folgende Angaben enthalten: ­

  • Gerätetyp und Seriennummer, ­
  • Durchgeführte Prüfungen I, II und III, einschließlich Datum, Name und gegebenenfalls
    festgestellte Mängel, ­
  • Gerätebenutzer, ­
  • Datum, Ort und Umfang von Instandsetzungen. ­
  • Die Aufzeichnungen zu den Prüfungen II und III sowie zu den Gerätebenutzern sind
    mindestens bis zum Ende des Folgejahres aufzubewahren. Die Aufzeichnungen zu
    den Prüfungen I und Instandsetzungen sind mindestens bis zum Ende des Jahres
    aufzubewahren, das auf die Entfernung des Gerätes aus dem Bestand des Betreibers
    folgt.

2 Aufbewahrung, Ausgabe und Rückgabe

2.1 Die Messgeräte sind in einem geeigneten Raum aufzubewahren.

2.2 Die Gerätebenutzer müssen vor der Anfahrt den äußeren Zustand des Messgerätes
und bei CH4-Messgeräten die Anzeigegenauigkeit prüfen. Wenn ein aufsetzbarer
Pumpenadapter mitgeführt wird, muss die Prüfung im Pumpenbetrieb unter Verwendung
des Pumpenadapters durchgeführt werden.

2.3 In der Nähe der Ausgabestelle der CH4-Messgeräte müssen Vorrichtungen vorhanden
sein, die es dem Gerätebenutzer ermöglichen, ohne Schwierigkeiten die Anzeige des von
ihm empfangenen Messgerätes mit einem geeigneten Prüfgas zu prüfen.

2.4 An der Stelle, an der der Gerätebenutzer die Anzeigegenauigkeit des CH4-Messgerätes
prüft, muss das Ergebnis der Analyse des Prüfgases angegeben sein. Ferner sind die
Grenzwerte anzugeben, innerhalb deren der Messwert eines ordnungsgemäßen
CH4-Messgerätes bei der Feststellung der Anzeigegenauigkeit durch den Gerätebenutzer
liegen muss.

2.5 Die Geräte müssen nach Gebrauch von den Gerätebenutzern unverzüglich im
Aufbewahrungsraum zurückgegeben werden. Der Wettermessgerätewart hat sich zu
vergewissern, dass eine ordnungsgemäße Rückgabe der Geräte erfolgt ist.

2.6 Die Gerätebenutzer müssen Beanstandungen an den Messgeräten melden.

3 Durchführung der Wartung und Prüfung III

Der Wettermessgerätewart hat die Wartung und Prüfung III unter Beachtung der
Betriebs- und Wartungsanleitung des Messgeräteherstellers wie folgt vorzunehmen:

3.1 Einsatztägliche Wartung 

  • Kontrolle der Geräte auf mechanische Beschädigungen inklusive Vorsatzfilter.
  • Kontrolle der Gaseintrittsöffnungen auf Verunreinigungen.
  • Kontrolle des Ladezustands der Akkus oder Batterien und gegebenenfalls Ladung
    der Akkus oder Austausch der Batterien.
  • Bei größeren Zeitabständen zwischen den Geräteeinsätzen sind zur Erhaltung der
    Betriebsbereitschaft weitere Kontrollen des Ladezustands vorzunehmen.

3.2 Intervall für Prüfung III

gemäß Anlage 1

3.3 Mindestanforderungen an die durchzuführenden Arbeiten bei der Prüfung III

gemäß Anlage 2.


 


Anlage 7

Wartung und Prüfung der tragbaren Gasmessgeräte
einschließlich Handmessgeräte bei der Grubenwehr

1. Allgemeines

1.1. Für die Aufbewahrung, Ausgabe, Wartung und Prüfungen II und III der Messgeräte
sowie der hierfür erforderlichen Einrichtungen ist eine fachkundige verantwortliche Person
verantwortlich zu machen.

1.2. Die Wartung und Prüfung III der Messgeräte ist Wettermessgerätewarten zu übertragen.

1.3. Für jedes Messgerät sind Nachweise zu führen und verfügbar zu halten. Die Nachweise
müssen mindestens folgende Angaben enthalten:

  • Gerätetyp und Seriennummer,
  • Durchgeführte Prüfungen I, II und III, einschließlich Datum, Name und gegebenenfalls
    festgestellte Mängel,
  • Angaben zum Einsatz
  • Datum, Ort und Umfang von Instandsetzungen.

2. Aufbewahrung, Ausgabe und Rückgabe

2.1. Die Messgeräte sind in einem geeigneten Raum aufzubewahren.

2.2. Die Geräte müssen nach Gebrauch von den Gerätebenutzern unverzüglich im
Aufbewahrungsraum zurückgegeben werden. Der Wettermessgerätewart hat sich zu
vergewissern, dass eine ordnungsgemäße Rückgabe der Geräte erfolgt ist.

2.3. Die Gerätebenutzer sind anzuhalten, Beanstandungen an den Messgeräten zu melden.

3. Durchführung der Wartung und Prüfung III

Der Wettermessgerätewart hat die Wartung und Prüfung III unter Beachtung der Betriebs-
und Wartungsanleitung des Messgeräteherstellers wie folgt vorzunehmen:

3.1. Prüfintervall

gemäß Anlage 1 und nach jedem Einsatz

3.2. Mindestanforderungen an die durchzuführenden Arbeiten

  • gemäß Anlage 2.
  • Messgeräte mit aufsetzbarem Pumpenadapter müssen im Pumpenbetrieb unter
    Verwendung des Pumpenadapters geprüft werden.

 


Anlage 8

Bergwerk

 

CH4

CO

 w

 .
V

Sonder-
mess-
geräte

∑ 

Anzahl der geprüften Messeinrichtungen            
Anzahl der Messeinrichtungen mit dem Prüfergebnis            
 

1

           

2

           

3

           

4

           
Anzahl der geprüften Messeinrichtungen mit
  • Fernübertragung
  • Warnsignalauslösung
  • Abschaltung
           

Bewertung der Prüfergebnisse:

1 = Messeinrichtung in Ordnung

2 = Messeinrichtung wies Mängel auf, die während der Prüfung behoben wurden.

3 = Messeinrichtung wies Mängel auf, die während der Prüfung nicht behoben werden konnten.
      Nachprüfung ist nicht erforderlich.

4 = Messeinrichtung wies Mängel auf, die während der Prüfung nicht behoben werden konnten.
      Nachprüfung ist erforderlich.


 


Anlage 9

CH4-Messeinrichtungen

Anzahl

Gerätetyp

Prüfergebnis

Bei der Prüfung
aufgetretene Fehler

   

I

II

III

IV

           
                       
                       
                       

CO-Messeinrichtungen

Anzahl

Gerätetyp

Prüfergebnis

Bei der Prüfung
aufgetretene Fehler

   

I

II

III

IV

           
                       
                       
                       

Wettergeschwindigkeitsmesseinrichtungen

Anzahl

Gerätetyp

Prüfergebnis

Bei der Prüfung
aufgetretene Fehler

   

I

II

III

IV

           
                       
                       
                       

Wetterstrommesseinrichtungen

Anzahl

Gerätetyp

Prüfergebnis

Bei der Prüfung
aufgetretene Fehler

   

I

II

III

IV

           
                       
                       
                       

Sondermessgeräte

Anzahl

Gerätetyp

Prüfergebnis

Bei der Prüfung
aufgetretene Fehler

   

I

II

III

IV

           
                       
                       
                       

Bemerkungen über Abschaltfehler, über andere bedeutsame Fehler
sowie über veranlasste Maßnahmen.