27.09.1978

18.24.44-155-6

Verwendung von Hydraulikstempeln

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Die Verwendung von nachgiebigen Hydraulikstempeln für andere als für Ausbauzwecke
hat in vielen Fällen zu Unfällen geführt, da die Stempel in den Widerlagern fast immer
unzureichend arretiert waren und oft bei Belastung abrutschten. Hierbei ist es durch
Metallfunken auch zu Zündungen von Grubengas gekommen, wenn Leichtmetallstempel
benutzt wurden.

Ich halte es daher für erforderlich, daß künftig folgendes in der Betriebsplanzulassung aufgenommen
wird:

Nachgiebige Hydraulikstempel dürfen für andere als für Ausbauzwecke nur verwendet werden,
wenn sie hierbei in Halterungen gelagert werden, die Seitenkräfte von mindestens 1/4 der
Nennkraft der Stempel aufnehmen können. Entsprechende Nachweise, die entweder rechnerisch
oder durch Prüfstandversuche zu führen sind, müssen vorliegen und aufbewahrt werden.

Dortmund, den 27.9.1978

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



09.05.1979

18.24.2-3-17

Sicherheit beim Lösen der Verbindungen
am Gleitbogenausbau

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Sicherheit beim Lösen der Verbindungen am Gleitbogenausbau
hier: Verwendung hydraulischer Lösegeschirre

In der Vergangenheit haben sich wiederholt schwere und tödliche Unfälle dadurch ereignet,
daß Personen beim Lösen der unter Spannung stehenden Verbindungen des Gleitbogenausbaus
von wegfliegenden Schrauben, abspringenden Laschen oder zurückschlagenden Ausbauteilen
getroffen und verletzt wurden.

Die steigende Zahl dieser Unfälle macht es erforderlich, für die vorbeschriebenen Arbeiten
künftig besondere Sicherheitsmaßnahmen vorzusehen.

Ich bitte deshalb zu veranlassen, daß die in Frage kommenden Betriebspunkte, z.B. Raubbetriebe
und Streben mit herausgezogenen Antrieben, in angemessener Zeit mit geeigneten Lösegeschirren,
z.B. hydraulischen Raubgabeln, ausgerüstet werden.

Nach Ablauf einer hierfür festzulegenden Übergangszeit von längstens 6 Monaten dürfen unter
Spannung stehende Verbindungsschrauben am Gleitbogenausbau nur noch dann gelöst werden,
wenn die Ausbausegmente zuvor mit den Lösegeschirren verspannt worden sind.

Ich bitte, das Entsprechende im Wege des Betriebsplanverfahrens zu veranlassen.

Falls die angestrebte Sicherheit im Einzelfall durch andere Maßnahmen erreicht werden soll,
bitte ich, dem Landesoberbergamt hierüber zu berichten.

Dortmund, den 9.5.1979

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



13.05.1981

18.22.1-8-21

Nutzung von Ladeschaufeln oder
Schneidauslegern als Standfläche
für Ausbauarbeiten

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Nutzung von Ladeschaufeln oder Schneidauslegern als Standfläche für Ausbauarbeiten

In Streckenvortrieben werden zunehmend Ladeschaufeln der Lademaschinen oder
Schneidausleger der Teilschnittmaschinen als Standfläche für Ausbauarbeiten oder ähnliche
Arbeitsvorgänge genutzt.

Hierbei haben sich in der Vergangenheit mehrfach schwere und tödliche Unfälle ereignet,
die u.a. durch Stein- und Kohlenfall oder durch Absturz von den als Standfläche genutzten
Maschinenteilen verursacht worden sind.

Insoweit besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß Teile von Maschinen als Standfläche
nur in Ausnahmefällen und nur dann genutzt werden dürfen, wenn sie hierfür besonders
eingerichtet sind. Hierbei ist sicherzustellen, daß zusätzliche Gefahren für dort arbeitende
Personen vermieden werden.

Dies bedingt, daß vor dem Betreten der bezeichneten Standflächen wirksame Maßnahmen
gegen ein unzeitiges Ingangsetzen der Maschine und gegen ein unzeitiges Heben, Verschwenken
oder Absenken der genutzten Maschinenteile getroffen werden. Bedienungshebel sind so zu
sichern, daß sie nicht versehentlich betätigt werden können.

Die Standflächen dürfen darüber hinaus erst dann betreten werden, wenn die dort arbeitenden
Personen sowohl gegen Stein- und Kohlenfall als auch gegen Ausrutschen und Absturz
hinreichend gesichert sind.

Die Bedienungsstände der betreffenden Maschinen sind erforderlichenfalls so lange besetzt zu
halten, wie sich Personen auf den dortigen Standflächen aufhalten.

Ich bitte zu veranlassen, daß die vorstehenden Gesichtspunkte in Betriebsanweisungen festgelegt
werden, und im weiteren darauf zu achten, daß von den Betrieben hiernach verfahren wird.

Unabhängig hiervon ist darauf hinzuweisen, daß für regelmäßig durchzuführende Arbeiten, die
weder von der Sohle noch vom Haufwerk aus sicher durchgeführt werden können, verfahrbare
Arbeitsbühnen eingesetzt werden sollten. Letzteres gilt insbesondere für Streckenvortriebe mit
großen Querschnitten und für das Hantieren mit schweren Ausbauteilen.

Dortmund, den 13.5.1981

Landesoberbergamt NW

In Vertretung:
P i l g r i m






01.07.1981

18.22.1-9-1

Herstellen von Streckenkreuzungen,
Streckenabzweigen und Großräumen

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW


Betr.: Herstellen von Streckenkreuzungen, Streckenabzweigen und Großräumen

Beim Herstellen von Streckenkreuzungen, Streckenabzweigen und Großräumen werden
vielfach größere Gesteinsflächen freigelegt, ohne daß diese unmittelbar durch endgültigen
Ausbau gesichert werden können.

Dies führt, schon in Anbetracht der großen Querschnitte und Fallhöhen, zu einer zunehmenden
Gefährdung durch Steinfall. Hierbei sind auch die zwangsläufig größeren Expositionszeiten der
Belegschaft beim Einbringen und Ausrichten der schweren Ausbaukonstruktionen zu
berücksichtigen.

Hinzu kommt, daß nach dem Einbringen des endgültigen Ausbaus bis zur späteren Hinterfüllung
oft noch über längere Zeit Hohlräume zwischen Ausbau und Gebirge offenbleiben, so daß
Schlagbeanspruchungen des Ausbaus und damit Bruchgefahren nicht auszuschließen sind.

Mehrere Unfälle und Ereignisse in jüngster Vergangenheit, deren Ursachen auf die vorstehenden
Sachverhalte zurückzuführen sind, geben nunmehr Anlaß, auf folgendes hinzuweisen:

Falls beim Herstellen von Streckenkreuzungen, Streckenabzweigen und Großräumen der
endgültige Ausbau nicht unmittelbar mit dem Freilegen des Gebirges Bau für Bau eingebracht und
hinterfüllt werden kann, sind die freigelegten Gesteinsflächen zunächst vorläufig gegen Steinfall
zu sichern. Als vorläufige Sicherungen kommen z.B. Anker in Verbindung mit Baustahlmatten oder
Maschendraht in Betracht. Die Absicherung der freigelegten Gesteinsflächen hat dabei so frühzeitig
und so wirksam zu erfolgen, daß für nachfolgende Arbeiten Schutz gegen Steinfall gegeben ist.

Gleichzeitig ist dafür Sorge zu tragen, daß die Arbeiten von geeigneten und gegen Absturz
gesicherten Bühnen aus vorgenommen werden können.

Ich bitte zu veranlassen, daß die vorstehenden Gesichtspunkte im Betriebsplanverfahren
berücksichtigt werden. Falls Einzelheiten auf Grund wechselnder örtlicher oder betriebliche
Gegebenheiten nicht im Betriebsplan geregelt werden können, sind vom Bergwerksbesitzer
Betriebsanweisungen zu erstellen und den Personen auszuhändigen, die diese Arbeiten ausführen.

Dortmund, den 01.07.1981

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s






19.02.1982

18.22.1-9-3

Sicherheit gegen Steinfall an
Durchbau- und Nachrißstellen

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Sicherheit gegen Steinfall an Durchbau- und Nachrißstellen

Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß auch an Durchbau- und Nachrißstellen in
Strecken ein unter anderem gegen Stein- und Kohlenfall hinreichend gesicherter Fahrweg
vorhanden sein muß.

Dies bedingt, daß Fahrwegführung und Steinfallsicherungen in diesen Bereichen so festgelegt
werden, daß Personen beim Durchfahren der Arbeitsstellen jederzeit, d.h. unabhängig vom
jeweiligen Stand der Arbeiten, gegen Stein- und Kohlenfall gesichert sind. Die Fahrwege sind
entsprechend zu kennzeichnen und ausreichend zu beleuchten.

Falls Sicherheit gegen Steinfall vorübergehend nicht gegeben ist, sind die Zugänge zu den
Arbeitsstellen gegen Betreten abzusperren. Die abgesperrten Bereiche dürfen nicht oder
nur nach vorheriger Abstimmung mit den dort beschäftigten Personen betreten bzw.
durchfahren werden. Entsprechende Hinweise sind auf Schildern bekanntzumachen.

Unabhängig hiervon ist zu prüfen, ob eine Verlegung der Fahrwege zur Umgehung der
Gefahrenbereiche, z.B. durch das Mitführen von Umfahrungsröschen bei nachgefahrenen
Abbaustrecken, vorgenommen werden kann (vergleiche Mitteilung vom 8.2.1979 unter
Abschnitt M 1 des Sammelblatts).

Ich bitte, das Erforderliche zu veranlassen.

Dortmund, den 19.02.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s




19.04.1982

18.24.2-5-2

Verwendung von Schreitausbau

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Verwendung von Schreitausbau

Bei nicht bestimmungsgemäßer Verwendung von Schreitausbau, z.B. für das Zurückziehen oder
für das Anheben von Strebförderern, ergeben sich unter Umständen besondere Unfallgefahren
(vergleiche Mitteilung vom 19.4.1982 unter Abschnitt M 1 des Sammelblatts).

Es ist daher erforderlich, daß in solchen Fällen nicht bestimmungsgemäßer Verwendung vom
Unternehmer besondere Betriebsanweisungen erstellt und den Personen ausgehändigt werden,
die mit der Durchführung dieser Arbeiten beauftragt sind.

Die Betriebsanweisungen müssen erkennen lassen, auf welche Weise und unter welchen
sicherheitlichen Voraussetzungen diese Arbeiten durchgeführt werden sollen.

Hierbei sind insbesondere folgende Grundsätze zu beachten:

1. Die Bedienung des Ausbaus muß aus gesichertem Stand vorgenommen werden.

2. Die Steuerungselemente dürfen nur betätigt werden, wenn vom Steuerstand aus zuvor
festgestellt worden ist, daß sich im Bereich der zu bewegenden Ausbaugestelle oder Betriebs-
einrichtungen Personen nicht aufhalten. Falls dies vom Steuerstand aus nicht zuverlässig
festgestellt werden kann, ist dafür Sorge zu tragen, daß keine Personen in die Gefahrenbereiche
gelangen können.

3. Bei Verwendung von Schreitausbau als Widerlager ist zu überprüfen, ob die Ausbaugestelle
ausreichend zwischen dem Hangenden und dem Liegenden des Strebs verspannt sind.

Vom Landesoberbergamt wurde zwischenzeitlich veranlaßt, daß bei neu zuzulassendem Ausbau
für die Stempel des hydraulischen Schreitausbaus Druckanzeigegeräte in jedem Ausbaugestell
vorzusehen sind.

Auf eine Umrüstung der Ausbaugestelle, die mit Druckanzeigegeräten noch nicht ausgerüstet sind,
sollte hingewirkt werden.

Sie werden gebeten, das Erforderliche zu veranlassen.

Dortmund, den 19.04.1982

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s




01.02.1984

18.22.1-9-15

Anforderungen
an den Ausbau von Brückenfeldern

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Anforderungen an den Ausbau von Brückenfeldern

Bezug: Rundverfügung betreffend das Herstellen von Streckenkreuzungen, Streckenabzweigen
           und Großräumen vom 1.7.1981 - 18.22.1.-9-1 - (SBl. A 2.16)


In jüngster Zeit sind auf mehreren Schachtanlagen des Bezirks Brückenfelder zu Bruch gegangen.
Ursächlich hierfür waren z.B. Auflockerungen des Gebirges, Abbaueinwirkungen, Hohlräume über
dem Brückenfeldausbau, Mängel in den Reibungsverbindungen, unzureichende Verspannungen
der Ausbaueinheiten, Fremdbelastungen des Ausbaus sowie Schwächung des Ausbaus bei
Umbau- oder Durchbaumaßnahmen infolge unzureichender ausbautechnischer Ersatzmaßnahmen.

Häufig blieb ungeklärt, ob die genannten Faktoren für das Auslösen der Brüche einzeln oder
im Zusammenwirken in Betracht kamen.

Zur Vermeidung weiterer Unglücksfälle dieser Art sind bei der Planung von Brückenfeldern,
beim Einbringen des Brückenfeldausbaus sowie bei gegebenenfalls notwendig werdenden
Umbau- oder Durchbaumaßnahmen mindestens die nachstehenden Gesichtspunkte zu beachten:

  1. Der Ausbau von Brückenfeldern ist vor Aufnahme der Arbeiten zum Herstellen von
    Streckenabzweigen oder Streckenkreuzungen festzulegen. Dies gilt auch für gegebenenfalls
    notwendig werdende Umbau- oder Durchbaumaßnahmen. Einzelheiten über den Brücken-
    feldausbau und die ihn zusammensetzenden Ausbauteile einschließlich Spannbolzen, Druck-
    bolzen, Zuglaschen, Gebirgsanker, Verzug und Hinterfüllung sind auf Ausbautafeln, gegeben-
    enfalls in Verbindung mit Zeichnungen und Erläuterungen, anzugeben. Ferner sind anzugeben
    die vorläufigen Sicherungen, die Einbaufolge der Ausbauteile, der gegebenenfalls erforderliche
    Ersatzausbau und die Höchstabstände der Ausbaueinheiten. Ausbautafeln, Zeichnungen und
    zugehörige Erläuterungen sind an den Arbeitsplätzen auszuhängen.  Im weiteren sind Betriebs-
    anweisungen zu erstellen und den Personen auszuhändigen, die diese Arbeiten durchführen.
    Die Betriebsanweisungen sollen Angaben über die Abfolge der wichtigsten Arbeitsvorgänge
    und über die ausbautechnische Absicherung der jeweiligen Arbeitsbereiche enthalten.
     
  2. Brückenfeldausbau ist grundsätzlich mit hydraulisch abbindenden Baustoffen zu hinterfüllen.
    Falls im Einzelfall, z.B. in standfestem Gebirge oder in Bereichen außerhalb hoher Druck-
    oder Abbaueinwirkungen, Handsteinhinterfüllung eingebracht werden soll, sind Hohlräume
    zwischen Ausbau und Gebirge so dicht zu verfüllen, daß der bestmögliche Anschluß des
    Ausbaus an das Gebirge erreicht wird. Die Hinterfüllung ist im Regelfall bereits mit dem
    Einbringen des Ausbaus Bau für Bau beziehungsweise in möglichst kleinen Abschnitten
    vorzunehmen. Abweichend hiervon kann die Hinterfüllung mit hydraulisch abbindenden
    Baustoffen in zwingenden Fällen auch in größeren Abschnitten beziehungsweise unmittelbar
    nach Erstellung des Brückenfeldausbaus eingebracht werden, sofern durch wirksame
    Ersatzmaßnahmen, z.B. durch Gebirgsankerung, sichergestellt ist, daß Steinfall oder
    Schlagbeanspruchungen des Ausbaus auszuschließen sind.
     
  3. Brückenfeldausbau ist durch zug- und druckfeste Verbindungen oder durch Gebirgsanker
    so zu sichern, daß Zug- und Druckkräfte in den Achsrichtungen der Strecken aufgenommen
    werden können. Letzteres gilt auch für die an Brückenfelder anschließenden Grubenbaue
    (§ 131 Abs. 6 BVOSt). Soweit Gebirgsanker verwendet werden, müssen diese voll verklebt
    beziehungsweise voll vermörtelt sein. Reibungsverbindungen des Brückenfeldausbaus sind
    unmittelbar nach deren Einbau sowie vor Umbau- oder Durchbaumaßnahmen auf ordnungs-
    gemäße Verspannung zu überprüfen. Die Überprüfungen sind in festzulegenden Zeitabständen
    zu wiederholen. Unterzugträger sowie andere Ausbauteile aus Metall sind gegen Abgleiten
    und Verschieben zu sichern (siehe Rundverfügung vom 4.12.1980 - 18.23.2-5-8 -;
    SBl. A 2.16). Brückenfeldausbau darf durch Kräfte, die nicht durch das Gebirge verursacht
    sind, nur beansprucht werden, wenn rechnerisch nachgewiesen ist, daß der Ausbau durch
    diese Zusatzkräfte weder eingeschoben noch umgeschoben oder umgezogen werden kann.

Die Bestimmungen des § 128 Abs. 2 BVOSt bleiben hiervon unberührt. Sie werden hiermit gebeten,
die für die Standsicherheit von Brückenfeldern notwendigen sicherheitlichen Voraussetzungen im
Betriebsplanverfahren festzulegen und die Durchführung dieser Maßnahmen zu überwachen.

Gleichzeitig werden Sie gebeten, eine Überprüfung des Sicherheitszustandes bereits errichteter
Brückenfelder nach Maßgabe vorstehender Gesichtspunkte zu veranlassen.

Bezüglich der Maßnahmen zum Schutz gegen Steinfall wird auf die Bezugsverfügung verwiesen.

Dortmund, den 1.2.1984

Landesoberbergamt NW

Schelter




06.12.1984

18.22.4-8-2

Maßnahmen gegen Schub
in geneigten Strebbetrieben

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Ausbau im unteren Strebeingangsbereich geneigter Strebbetriebe mit Bruchbau und Vollversatz

Bezug: Rundverfügung vom 14.7.1982 - 18.22.4-7-4 - (SBl. A 2.16)


Das unter dem Abschnitt M 1 des Sammelblatts mit gleichen Datum beschriebene Grubenunglück
gibt Veranlassung, nachstehende Maßnahmen gegen Schub festzulegen:

  1. Der Streckenausbau der unteren Abbaustrecken geneigter Strebbetriebe ist, möglichst
    im Ortsbreich, mit abbindenden Baustoffen dicht zu hinterfüllen. Dies gilt nicht für den Bereich
    der späteren Streböffnung und nicht für Strecken mit einem Hangendanschnitt unter 0,5 m.
  2. Hangendanschnitte sind, sofern nicht gänzlich darauf verzichtet werden kann, möglichst
    gering zu halten und sollten, soweit die Antriebe für Strebförderer und Gewinnungs-
    einrichtungen im Streb liegen, kleiner bemessen sein als die Liegendanschnitte.
  3. Bei Hangendanschnitten, die über die gebaute Mächtigkeit hinausgehen (H>M), sind
    die Grundwerte für den Ausbauwiderstand nach Ziffer 1.2.4 der Bruchbaurichtlinien
    im Verhältnis des größten Hangendanschnitss zur gebauten Mächtigkeit (H/M) zu erhöhen.
     
    Der erforderliche Ausbauwiderstand ist für den ungünstigsten Ausbauzustand nachzuweisen.
  4. Bei Liegendanschnitten, die über die gebaute Mächtigkeit hinausgehen, ist nachzuweisen,
    daß das Liegende mit 2-facher Sicherheit gegen Abrutschen gesichert ist. Hierbei ist von dem
    ungünstigsten Ausbauzustand auszugehen.
  5. Im unteren Strebeingangsbereich sind angeschnittene Hangendschichten zusätzlich gegen
    Schub zu sichern, sofern der Anschnitt mehr als 0,5 m beträgt. Hierzu sind Schubstempel
    in der Strecke so einzubringen, daß Schubkräfte aus dem Hangenden sicher aufgenommen
    werden können. Hierbei muß mittels geeigneter Übertragungselemente sichergestellt sein,
    daß die Schubstempel nicht in Firste und Sohle eindringen können und daß die Schubstempel
    an den Krafteinleitungsstellen gegen Abgleiten und Verschieben wirksam gesichert sind.

    Die Schubstempel sind in einem Bereich von wenigstens 5 m vor dem Streb und bis 10 m
    hinter dem Streb - in Vollversatzbetrieben bis 20 m hinter dem Streb - mitzuführen.
     
    Die genannten Abmessungen beziehen sich hierbei auf den Kohlenstoß des vorgesetzten
    Maschinenstalls bzw. den Kopf des Streckenbegleitdamms oder die Versatzfront.
     
    In Streben mit herausgezogenen Antrieben können Unterzüge, die für vorübergehend
    entfernte Stempel des Streckenausbaus mitgeführt werden, als Schubstempelsicherung
    nach Ziffer 5 gelten, wenn die Stempel entsprechend angeordnet sind und der Strecken-
    ausbau nach Ziffer 1 hinterfüllt ist.
     
    Falls die Schubsicherung durch andere Maßnahmen, z.B. durch Gebirgsanker,
    Sonderausbauformen oder besondere Betriebszuschnitte erreicht werden soll, sind
    entsprechende Betriebspläne vor der Zulassung bis auf weiteres dem Landesoberbergamt
    vorzulegen.
  6. Als Streckensaumsicherung sind feste Streckenbegleitdämme aus frühtragenden Baustoffen
    mitzuführen.
     
    Die Breite der Dämme sollte gebaute Flözmächtigkeit nicht unterschreiten; bei gebauten
    Flözmächtigkeiten <1,5 m sollte die Dammbreite wenigstens 1,5 m betragen.
     
    Falls die Streckensaumsicherung nicht schon vor dem Streb eingebracht wird, sind die
    Begleitdämme den Streben in möglichst geringen Abständen nachzuführen. Bei großen
    Abbaufortschritten (>4 m/d) setzt dies voraus, daß die Streckenbegleitdämme zwei- oder
    mehrmals täglich nachgeführt werden.
     
    Vorstehende Ausführungen zu Ziffer 6 gelten nicht für Vollversatzbetriebe und nicht für
    Rückbaubetriebe, sofern die untere Abbaustrecke unmittelbar nach Strebdurchgang
    abgeworfen wird.
     
    In diesem Fall müssen die Schubstempel bis zur Raubstelle eingebracht sein; gleichzeitig
    ist der Streckensaum zwischen Streb und Raubstelle durch Holzkästen zu sichern.
     
    Die offene Strebbreite ist auf das geringstmögliche Maß zu begrenzen. Die Höchstabstände
    zwischen Streb und Streckenbegleitdamm bzw. Versatz sind festzulegen.
  7. Einzelstempelbereiche sind so klein wie möglich zu halten. Dies gilt sowohl für deren Breite
    als auch für deren Länge in Einfallensrichtung. Für den Ausbau in Einzelstempelbereichen
    empfiehlt sich die Verwendung von gelaschten Profilträgern bzw. von Kreuzgelenkkappen.
     
    Die Antriebsmittel im Streb sind, falls überhaupt erforderlich, in ihren Abmessungen möglichst
    klein zu halten und ausbaufreundlich anzuordnen. Falls die Antriebe nicht in die Strecke
    verlegt werden können, oder im Streb nicht gänzlich hierauf verzichtet werden kann, ist
    zu prüfen, ob die Antriebe verkleinert oder zumindest so angeordnet werden können, daß
    die freien Ausbaustützweiten möglichst gering gehalten werden. Gleiche Überlegungen
    gelten für Rückhilfen oder ähnliche Einrichtungen.
  8. Stempel im unteren Strebeingangsbereich und Schubstempel in der Strecke sind wenigstens
    mit der festgelegten Mindestsetzkraft zu verspannen. Die Druckversorgung ist auf den
    geforderten Mindestsetzdruck einzustellen; erforderlichenfalls ist eine vom übrigen Streb
    getrennte Druckversorgung einzurichten. Setzgeräte, die für das Setzen von Einzelstempeln
    oder von Schubstempeln in den angegebenen Bereichen verwendet werden, sind mit Druck-
    anzeigegeräten auszurüsten; eine entsprechende Ausrüstung der Stempel mit Einrichtungen
    zur Kontrolle der Kraftaufnahme ist anzustreben.
     
    Das Setzen der Stempel hat unter Zuhilfenahme der Druckanzeigegeräte so zu erfolgen, daß
    wenigstens die festgelegte Mindestsetzkraft der Stempel erreicht wird. Die Kraftaufnahme
    der Stempel ist darüber hinaus wenigstens einmal auf jeder belegten Schicht von einer hierfür
    bestimmten fachkundigen und besonders geschulten Person zu überprüfen. Stempel mit
    unzureichender Kraftaufnahme sind nachzusetzen.
     
    Ausbauarbeiten sind so abzustimmen, daß Stempel im Bereich der Antriebe kohlenstoßseitig
    erst unmittelbar vor dem Rücken des Strebförderers und der Antriebe entfernt werden.
    Gleichzeitig ist sicherzustellen, daß der Ausbau im versatzseitigen Bereich der Antriebe
    unmittelbar nach dem Rücken wieder eingebracht wird.
     
    Stempel dürfen an der Bruchkante nur geraubt werden, wenn nach dem Rücken des
    Strebförderers die versatzseitige Ausbaureihe hinter dem Strebförderer vollständig
    eingebracht ist.
  9. Für das Einbringen der Schubsicherungen und die durchzuführenden Ausbaumaßnahmen
    sind Betriebsanweisungen zu erstellen und den für diese Betriebe zuständigen verantwortlichen
    Personen auszuhändigen. Personen, die in den unteren Strebeingangsbereichen solcher Betriebe
    beschäftigt sind, sind entsprechend zu unterweisen.

Sie werden hiermit angewiesen, die angegebenen Maßnahmen zur Schubsicherung beim Abbau
geneigter Streben ab 30 gon Einfallen im Betriebsplanverfahren festzulegen und die Durchführung
dieser Maßnahmen zu überwachen.

In Streben mit geringerem Einfallen (20-30 gon) ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Erhöhung des
Ausbauwiderstandes nach Ziffer 3 in Betracht kommt. Dies gilt insbesondere dann, wenn
Abbaustrecken nicht mit abbindenden Baustoffen hinterfüllt sind, größere Hangendanschnitte
vorliegen oder die Antriebe im Streb liegen.

Gleichzeitig werden Sie gebeten, eine Überprüfung bereits laufender Streben nach Maßgabe
vorstehender Gesichtspunkte zu veranlassen und, soweit erforderlich, Zusatzmaßnahmen gegen
Schub anzuordnen.

Die Bezugsverfügung wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 6.12.1984

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




23.04.1985

18.22.4-8-5

Einbringen von Schreitausbau sowie
Ausrauben von Ausbau in Streben,
Strecken und sonstigen Grubenbauen

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Einbringen von Schreitausbau sowie Ausrauben von Ausbau in Streben, Strecken und
sonstigen Grubenbauen

In der Vergangenheit ist es beim Einbringen von Schreitausbau sowie beim Ausrauben von
Ausbau in Streben, Strecken und sonstigen Grubenbauen vielfach zu schweren und tödlichen
Unfällen gekommen. In einigen Fällen wurden beim Einbringen des Schreitausbaus sowie beim
Ausrauben des Ausbaus an den Einbau- bzw. Raubstellen Streb- und Streckenbrüche ausgelöst.

Einige dieser Unfalle und Vorkommnisse waren nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die
Arbeiten in ihrem Ablauf und in den technischen Einrichtungen und Arbeitsmitteln nicht hinreichend
durchdacht und planmäßig festgelegt worden waren. Hinzu kamen Mängel bei der ausbau-
technischen Absicherung entsprechender Arbeitsstellen und eine unzureichende Überwachung
der Arbeiten.

Unstrittig ist, daß die eingangs bezeichneten Arbeiten in Bezug auf Planung, Organisation,
Durchführung und Überwachung, auch unter sicherheitlichem Aspekt, besondere Anforderungen stellen.

Von daher besteht Veranlassung, auf folgendes hinzuweisen:

Für das Einbringen von Schreitausbau sowie für das Ausrauben von Ausbau in Streben, Strecken
und sonstigen Grubenbauen sind vom Unternehmer (Bergwerksbesitzer) Sonderbetriebspläne zu
erstellen und vorzulegen.

In den Betriebsplänen muß dargelegt sein, auf welche Weise und unter welchen sicherheitlichen
Voraussetzungen diese Arbeiten durchgeführt werden.

Insoweit ist in den Betriebsplänen insbesondere einzugehen auf die im jeweiligen Fall einzuhaltende
sichere Arbeitsabfolge sowie auf die zu nutzenden technischen Einrichtungen, Arbeitsmittel und
Sicherheitsvorkehrungen, die für einen sicheren Arbeitsablauf unabdingbare Voraussetzung sind.

Gleichzeitig sind Angaben zu machen über die ausbautechnische Absicherung der Einbau- bzw.
Raubstellen, über gegebenenfalls abzusperrende Gefahrenbereiche bzw. einzuhaltende Sicherheits-
abstände, über Einrichtungen zur Beleuchtung, Signalgebung und Verständigung sowie über die
Prüfung der technischen Einrichtungen durch eine verantwortliche Person vor Inbetriebnahme und
deren Prüfung (Prüfung durch eine verantwortliche Person) und Überprüfungen (Prüfung durch eine
fachkundige Person) im laufenden Betrieb. Der Unternehmer hat hierbei sicherzustellen, daß die
genannten verantwortlichen Personen über entsprechende Fachkunde verfügen.

Bei Arbeiten zum Einbringen und Ausrauben von Schreitausbau ist im weiteren einzugehen auf die
den Transport sowie die Montage bzw. Demontage der Ausbaugestelle betreffenden sicherheitlichen
Erfordernisse.

Auf die Vorlage von Sonderbetriebsplänen kann verzichtet werden, wenn vorstehende Sachverhalte
in Betriebsplänen (z.B. Hauptbetriebsplan) bereits einheitlich geregelt sind.

Unabhängig von den vorzulegenden Betriebsplänen sind vom Unternehmer Betriebsanweisungen
zu erstellen und den Personen auszuhändigen, die diese Arbeiten ausführen.

Die Betriebsanweisungen sollen neben weitergehenden Angaben über Ablauf und Abfolge der
wichtigsten Arbeitsvorgänge insbesondere auch Angaben darüber enthalten, mit welchen
Einrichtungen und Hilfsmitteln und unter welchen sicherheitlichen Vorkehrungen diese Arbeiten
durchzuführen sind.

An den Einbaustellen des Schreitausbaus sowie an den Raubstellen des Ausbaus sind Ausbautafeln
auszuhängen, aus denen Einzelheiten über die ausbautechnische Absicherung der entsprechenden
Arbeitsbereiche ersichtlich sind. Die bezeichneten Arbeitsbereiche müssen ausreichend und blendfrei
erhellt sein.

Ein Musterbetriebsplan für das Einbringen und Ausrauben von Schreitausbau wurde mit gleichem
Datum unter dem Abschnitt A 7 des Sammelblatts herausgegeben.

Dortmund, den 23.4.1985

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




19.07.1985

18.22.4-8-7

Abfangen von Streckenbögen
am Übergang Streb-Strecke

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Abfangen von Streckenbögen am Übergang Streb-Strecke

hier: Abfangen sogenannter  ¾ -Bögen durch hinter den Bögen angreifende Unterzüge


Das unter dem Abschnitt M 1 des Sammelblatts mit gleichem Datum beschriebene Grubenunglück
hat gezeigt, daß Sicherheit bei Anwendung der oben angeführten Abfangtechnik nur dann erreicht
wird, wenn bestimmte ausbautechnische Voraussetzungen erfüllt sind und die Arbeiten mit besonderer
Sorgfalt durchgeführt werden.

Insoweit ist auf nachstehende Erfordernisse hinzuweisen:

  1. Bereits bei der Ortsauffahrung ist der Streckenausbau sorgfältig und möglichst dicht zu hinterfüllen.
    Ausbrüche sind mit abbindenden Baustoffen zu verfüllen. Unabhängig hiervon sollte für die
    Hinterfüllung des Streckenausbaus generell die Anwendung abbindender Baustoffe in Betracht
    gezogen werden.
  2. Mit dem Einbau der Kappenabfangschuhe sind gleichzeitig auch die unteren Laschen der
    Gleitbogenverbindung einzubringen. Hierdurch soll sichergestellt werden, daß die Stoßstempel
    des Streckenausbaus nach Strebdurchgang bereits vor dem Ausbau der Abfangkonsolen
    ordnungsgemäß eingebaut werden können.
  3. Beim Einbringen des Kappenabfangunterzugs ist sicherzustellen, daß die Kappenabfangschuhe
    vollflächig auf dem Gelenkkappenzug aufliegen. Der Streckenausbau ist an den Gelenkstellen
    (Verbindungsstellen 'Streckenbogen - Abfangunterzug') sorgfältig und fest gegen das Gebirge zu
    verkeilen. Die Hydraulikstempel des Unterzugs sind mit der vollen Setzkraft zu verspannen. Der
    Gelenkkappenzug darf an keiner Stelle unterbrochen sein. Jede Gelenkkappe ist mit wenigstens
    einem Hydraulikstempel zu unterstützen.
     
    Die Streckenbögen sind so einzubringen, daß sie nicht auf den Kappengelenken des Abfang-
    unterzugs aufliegen. Insoweit sollten Doppelkeilkappen unterschiedlicher Länge (Paßstücke)
    verfügbar sein.
  4. Bei Stoßdruck muß vermieden werden, daß die Stempel des Unterzugs in die Strecke
    hereingedrückt werden. Verschobene Unterzugstempel sind unverzüglich auszurichten und
    neu zu setzen. Erforderlichenfalls ist der Streckenausbau bereits bei der Ortsauffahrung
    komplett einzubringen. Letzteres gilt insbesondere für weit vorgesetzte Abbaustrecken.
     
    Bei Änderungen im Streckenverlauf (Kurven, Einfallen, Ansteigen) ist die Stabilität des
    Ausbaus durch besondere Maßnahmen, z.B. durch Änderung der Abfangtechnik oder
    durch Einbringen von Zusatzausbau, sicherzustellen.
     
    Im Bereich des Strebdurchgangs ist auf konvergenzbedingte Veränderungen der Lage des
    Unterzugs zu achten und sicherzustellen, daß der Abfangunterzug nicht an seinem Widerlager
    vorbeischieben kann. Die Streckenbögen sind hier erforderlichenfalls neu zu verkeilen und
    die Stempel des Unterzugs nachzusetzen bzw. auszurichten.
  5. Die strebseitigen Stempel des Unterzugs bzw. Stoßstempel des Streckenausbaus dürfen
    erst unmittelbar vor dem Rücken des Strebförderers entfernt werden. Die Höchstzahl der
    auszulösenden Stempel ist festzulegen. Vor dem Rauben der Stempel müssen die Keile der
    Gelenkkappenverbindungen fest angeschlagen sein.
  6. Unmittelbar nach dem Rücken des Strebförderers muß der Gelenkkappenzug wieder durch
    Hydraulikstempel unterstützt werden. Hierbei ist sicherzustellen, daß der Kappenabfang-
    unterzug beidseits des Strebförderers eine ausreichende Länge aufweist und durch Stempel
    so wirksam unterstützt ist, daß die Last der abzufangenden Streckenbögen auf eine hinreichende
    Abstützlänge verteilt wird.
     
    Gleichzeitig sind die Streckenbögen durch Anlaschen des strebseitigen Stoßsegments zu
    komplettieren, wobei auf die richtige Anordnung der Verbindungslaschen zu achten ist.
  7. Die Arbeiten zum Abfangen der Streckenbögen am Übergang Streb-Strecke sind mit den
    Arbeiten zum Einbringen des Streckenbegleitdamms so abzustimmen, daß den sicherheitlichen
    Erfordernissen, insbesondere im Hinblick auf die Lastverteilung der abzufangenden Strecken-
    bögen entsprechend Ziffer 6, Rechnung getragen wird.
  8. Bei Anwendung des vorbeschriebenen Abfangverfahrens sind Betriebsanweisungen zu erstellen
    und den für diese Betriebe zuständigen verantwortlichen Personen auszuhändigen. Die mit
    solchen Arbeiten beschäftigten Personen sind entsprechend zu unterweisen.

Ich bitte, die Anwendung der beschriebenen Abfangtechnik von den angegebenen Voraussetzungen
abhängig zu machen und letztere im Betriebsplanverfahren festzulegen.

Soweit das Verfahren in laufenden Betrieben bereits angewendet wird, bitte ich zu prüfen, ob
vorstehende Gesichtspunkte Berücksichtigung gefunden haben oder Zusatzmaßnahmen zu
veranlassen sind.

Dortmund, den 19.7.1985

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r



13.06.1989

13.31-12-18

Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in
Rücklaufleitungen von Hydraulik-Kreisläufen

A 2.16

 

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Sicherheit in Rücklaufleitungen von Hydraulik-Kreisläufen

Bezug: Rundverfügung vom 11.1.1980 - 18.24.2-4-3 -

 

In Ergänzung der o.a. Rundverfügung und unter Bezugnahme auf den unter M 1 des Sammelblattes
mit gleichem Datum beschriebenen Unfall besteht Veranlassung, auf nachstehende Erfordernisse
hinzuweisen:

Werden in Streben oder strebnahen Bereichen mit den Hydrauliksystemen für Schreitausbau
gleichzeitig andere hydraulische Bauteile betrieben, so sind auch diese durch geeignete Maßnahmen
gegen ein unbeabsichtigtes Ansprechen von hydraulischen Ventilen und Steuereinrichtungen durch
Staudrücke in Rücklaufleitungen zu sichern. Hierfür können u.a. folgende Maßnahmen in Betracht
kommen: Einbau von Rückschlag- und Druckbegrenzungsventilen, Erhöhung der Querschnitte von
Rücklaufleitungen, Einbau mechanischer Zylinderverriegelungen. Die jeweilige Sicherung gegen eine
Gefährdung durch Staudrücke in Rücklaufleitungen ist im Einzelfall im zugehörigen Hydraulikplan zu
dokumentieren.

Sie werden gebeten, die Durchführung dieser Maßnahmen zu überwachen.

Dortmund, den 13.06.1989

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r




12.10.1990

18.24.2-5-2

Verwendung von Schreitausbau

A 2.16


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Verwendung von Schreitausbau

hier: Drosseleinrichtungen in Zuführungsleitungen zu Ausbauzylindern

Bezug: Mitteilung vom 12.10.1990 über Unfälle in Verbindung mit Schreitausbau, SBl. M 1


Unter Bezugnahme auf die o.g. Mitteilung über Unfälle in Verbindung mit Schreitausbau wird
darauf hingewiesen, daß auch beim Ein- und Ausfahren von Schreitausbau nach den Ziffern 1 und
2 der in der Rundverfügung vom 19.4.1982 genannten Grundsätze zu verfahren ist.

Da die Entwicklung der hydraulischen Steuerungen des Schreitausbaus in den letzten Jahren zu
großen Zuleitungs- und Ventilquerschnitten und somit zu großen Volumenströmen geführt hat,
wurden die Bewegungsabläufe der Ausbaugestelle erheblich schneller. Dies gilt insbesondere für
Bewegungsvorgänge von Ausbauteilen (Haupt- und Anstellkappen, Kohlenstoßfänger), die durch
Ausbauzylinder (Eck-, Gelenk-, Klappzylinder) ausgelöst werden. Beim Staatlichen Material-
prüfungsamt NRW wurden bei Prüfstandsversuchen Geschwindigkeiten der genannten Ausbauteile
bis zu 50 cm/s gemessen. Wie die in der o.g. Mitteilung beschriebenen Unfälle zeigen, können
diese plötzlichen Bewegungen zu erheblichen Gefahren für Personen führen.

Um diese Gefahren künftig zu vermindern, ist es erforderlich, die Geschwindigkeit der vorgenannten
Ausbauteile zu begrenzen. Dabei sollte ein Wert von 30 cm/s - gemessen an den Kappen- und
Kohlenstoßfängerspitzen - beim Absenken der Kappen bzw. beim Ein- und Ausfahren der
Kohlenstoßfänger nicht überschritten werden. Sofern dieser Wert bei den Ausbauteilen des
vorhandenen Schreitausbaus überschritten wird, sind Drosseln mit maximal 1,5 mm Durchmesser
einzusetzen. Diese Drosselung gilt nur für Zuführungsleitungen zwischen Steuerventil und Zylinder,
jedoch nicht für Verbindungsleitungen zwischen Zylinder und Druckbegrenzungsventil, um weiterhin
den erforderlichen Flüssigkeitsablauf bei Überlastung der Zylinder sicherzustellen. Ebenfalls
ausgenommen sind Schreit- und Schiebekappenzylinder sowie die Stempel des Schreitausbaus.
Die getroffenen Maßnahmen sind in den zugehörigen Hydraulikplänen zu dokumentieren.

Sie werden gebeten, im Wege des Betriebsplanverfahrens sicherzustellen, daß im neubeschafften
Schreitausbau nur solche hydraulischen Steuerungen verwendet werden, die den vorgenannten
Anforderungen entsprechen. Für die ggf. erforderliche Umrüstung des vorhandenen Schreitausbaus
bitte ich, angemessene Fristen festzulegen.

Dortmund, den 12.10.1990

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r






06.01.1993

14.4.1-1-4

Elektrohydraulische Steuereinrichtungen
von Schreitausbau

A 2.16


Stand: 16.04.1996

An die Bergämter des Landes NRW

Betr: Verwaltungsvorschrift des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen für die Prüfung und
Verwendung elektrohydraulischer Steuereinrichtungen von Schreitausbau im Steinkohlenbergbau
unter Tage

Die Verwaltungsvorschrift für die Prüfung und Verwendung elektrohydraulischer Steuereinrichtungen
von Schreitausbau im Steinkohlenbergbau unter Tage wird nachstehend bekanntgemacht.

Der sachliche Inhalt der Verwaltungsvorschrift wurde unter Beteiligung des Oberbergamts für das
Saarland und das Land Rheinland-Pfalz und des Staatlichen Materialprüfungsamts NRW sowie
unter Mitwirkung von Vertretern des Steinkohlenbergbaus und der Hersteller erarbeitet. Die
DMT-Gesellschaft für Forschung und Prüfung mbH und der Fachverband Grubenausbau im
Wirtschaftsverband Stahlverformung e.V. hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.

Die Verwaltungsvorschrift soll bis zum Inkrafttreten entsprechender Europäischer Normen ein
einheitliches Verwaltungshandeln sicherstellen Dies gilt für die Prüfungen elektrohydraulischer
Steuereinrichtungen für Schreitausbau im Rahmen der Zulassungsverfahren nach § 130 Abs. 1 BVOSt,
für die Verwendung dieser Steuereinrichtungen und für deren Dokumentation.

Dortmund, den 06.01.1993

Landesoberbergamt NRW

S c h e l t e r





V e r w a l t u n g s v o r s c h r i f t
des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen
für die Prüfung und Verwendung
elektrohydraulischer Steuereinrichtungen von Schreitausbau

vom 6.1.1993

- Geschäftszeichen: 14.4.1.-1-4 -

Inhaltsübersicht


1 Geltungsbereich

2 Begriffsbestimmungen

3 Allgemeine Anforderungen an elektrohydraulische Steuereinrichtungen

4 Besondere Anforderungen an Ablauf- und Folgesteuerungen

5 Besondere Anforderungen an elektrische Geräte

6 Prüfungen

7 Anlage 'Anforderungen an die Dokumentation'

 

1. Geltungsbereich

Diese Verwaltungsvorschrift gilt für die Prüfung und Verwendung elektrohydraulischer
Steuereinrichtungen von Schreitausbau einschließlich der Not-Halt-, Sperr-, Anlaufwarn- und
Überwachungseinrichtungen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Befehlsgerät

Schaltgerät, mit dem Steuerbefehle gegeben werden können. Das Schaltgerät kann manuell bedienbar
oder prozeßbetätigt sein.

2.2 Betriebs-Aus-Einrichtung

Einrichtung, mit der Bewegungsvorgänge unverzögert unterbrochen werden können.

2.3 Betriebsebene

Einrichtung zur Steuerung des Betriebsablaufs.

2.4 Einzelfunktion

Einzelner Bewegungsvorgang in einem Ausbaugestell. 

2.5 Elektrohydraulische Steuereinrichtung

Einrichtung, die aus einer elektrischen Betriebs- und Sicherheitsebene und den hydraulischen
Steuerelementen besteht.

2.6 Funktionsablauf

Selbständige Ausführung einer Reihe ausgewählter Einzelfunktionen in einem Ausbaugestell.

2.7 Funktionsfolge

Selbständige Ausführung ausgewählter Einzelfunktionen in mehreren Ausbaugestellen.

2.8 Geber

Betriebsmittel, in denen nichtelektrische Größen (z.B. Wege, Drücke, Zeiten) in elektrische Signale
umgesetzt werden.

2.9 Hauptfunktion

Hauptfunktionen sind das Lösen der Stempel, das Schreiten des Ausbaugestells, das Setzen der
Stempel und das Rücken des Förderers.

2.10 Nebenfunktion

Nebenfunktionen sind außer den Hauptfunktionen alle weiteren Funktionen.

2.11 Not-Halt-Einrichtung

Einrichtungen, mit denen Bewegungsvorgänge unverzögert unterbrochen und ein automatisches
Ingangsetzen sicher verhindert werden.

2.12 Programm

Gesamtheit aller Anweisungen und Vereinbarungen für die Signalverarbeitung, durch die eine zu
steuernde Anlage aufgabengemäß beeinflußt wird.

2.13 Rastbetrieb

Betrieb von Funktionen mit Selbsthaltung oder Speicherung der gegebenen Einschaltbefehle

2.14 Sicherheitsebene

Einrichtung mit erhöhter Funktionssicherheit, die vorwiegend dem Schutz von Personen dient. 

2.15 Steuergerät

Betriebsmittel, in dem Steuerbefehle verarbeitet werden.

2.16 Störbeeinflussung

Elektrische Beeinträchtigung der Steuereinrichtungen durch ungewollte kapazitive, induktive oder
galvanische Kopplung.

2.17 Tastbetrieb

Betrieb von Funktionen ohne Selbsthaltung oder Speicherung der manuell gegebenen Einschaltbefehle.

2.18 Betriebsarten

2.18.1 Nachbarsteuerung

Betriebsart, bei der Einzelfunktionen in einem Ausbaugestell von einem Nachbargestell aus gesteuert
werden.

2.18.2 Ablaufsteuerung

Betriebsart, bei der ein Funktionsablauf in einem Ausbaugestell angesteuert wird. Das Befehlsgerät
befindet sich außerhalb des zu bewegenden Ausbaugestells.

2.18.3 Folgesteuerung

Betriebsart, bei der eine Funktionsfolge ausgeführt wird.

2.18.4 Zentralsteuerung

Betriebsart, bei der Ausbaugestelle von einem zentralen Steuerstand aus angesteuert werden.

2.18.5 Reparatursteuerung

Betriebsart, bei der Einzelfunktionen in einem Ausbaugestell nur hydraulisch betätigt werden.

3. Allgemeine Anforderungen an elektrohyraulische Steuereinrichtungen

3.1 Die Einrichtungen von Ausbausteuerungen müssen so beschaffen sein, daß die Steuerung
beim Auftreten von ihr erkannten elektrischen Störungen in einen sicheren Zustand überführt wird.

3.2 Der Sicherheitsebene sind in der Ausbausteuerung alle Funktionen zugeordnet, die

  1. jederzeit ein Anhalten von Funktionen gewährleisten,
  2. ein Selbstanlaufen von Bewegungen verhindern.

Dazu gehören insbesondere die Not-Halt-Einrichtung und die Datenübertragung zum Auslösen
und Anhalten von Funktionen.

Die sichere Funktion ist nach DIN VDE 0118 Teil 1 Abschnitt 17 zu gewährleisten.

Anmerkung: Die Not-Halt-Einrichtung muß den Anforderungen nach Abschnitt 3.12 entsprechen. 

3.3 Ein Fehler im Not-Halt-Stromkreis, der die Funktionssicherheit dieses Stromkreises
beeinträchtigt, muß zum Stillsetzen aller betätigten Funktionen und zum Sperren der Folge- oder
Zentralsteuerung führen. Wird der Not-Halt-Befehl seriell übertragen, so ist dieser nach
DIN VDE 0118 Teil 1 Abschnitt 17 abzusichern.

3.4 Die Datenübertragung zwischen den Ausbaugestellen ist gegen Störbeeinflussungen so
zu schützen, daß keine ungewollten Bewegungen ausgelöst und Ausschaltbefehle nicht verhindert
werden. Wird ein Befehl seriell übertragen, so muß das Befehlssignal entsprechend dem Stand
der Technik abgesichert sein.

3.5 Spannungsschwankungen im elektrischen Netz von mindestens - 30% bis + 20% der
Nennspannung dürfen die Funktionen der elektrohydraulischen Ausbausteuerung nicht beeinflussen.

3.6 Die Betriebsmittel dürfen nur innerhalb der Nennwerte verwendet werden, für die sie gebaut
sind. Sie müssen den zu erwartenden elektrischen Beansprungungen und den äußeren Einflüssen
am Verwendungsort gewachsen sein.

Die Funktionsfähigkeit der elektrohydraulischen Steuerung darf nicht durch magnetische, elektrische
oder elektromagnetische Störquellen beeinträchtigt werden können.

3.7 Bei Spannungsaufall muß der Bewegungsablauf abgebrochen werden. Bei Spannungswiederkehr
darf erst nach erneuter Befehlseingabe ein Neustart möglich sein

Bei Ausfall der hydraulischen Druckversorgung müssen bei automatisch ablaufenden Funktionen
die elektrischen Steuerbefehle abgebrochen und gelöscht werden, damit bei Druckwiederkehr ein
selbständiges Inbewegungsetzen ausgeschlossen wird. Ausgenommen sind kurzzeitige, betriebs-
bedingte Druckabfälle, die zeitlich überwacht werden.

3.8 Die Bedienungselemente der Befehlsgeräte sind so auszuführen, daß Befehle nicht unbeabsichtigt
gegeben werden können. Die Not-Halt- und die Betriebs-Aus-Einrichtung sind hiervon ausgenommen.

3.9 In der Betriebsart Nachbarsteuerung müssen bei Loslassen der Bedienungselemente die
Bewegungsvorgänge des Ausbaus unterbrochen werden (Tastbetrieb).

3.10 Ein Betriebsartenwechsel darf nur erfolgen nach

3.11 An jedem Ausbaugestell muß eine Einrichtung zum betriebsmäßigen Stillsetzen
(Betriebs-Aus/Stop-Taster) von Funktionsabläufen und Funktionsfolgen vorhanden sein.

3.12 An jedem Ausbaugestell muß eine Not-Halt-Einrichtung vorhanden sein, die

  1. bei Nachbar- und Ablaufsteuerung das unverzögerte Unterbrechen der Bewegungsabläufe
    im Not-Aus-betätigten Ausbaugestell und in seinen beiden Nachbargestellen bewirkt und
    ein Anlaufen der automatischen Bewegungsabläufen verhindert;
     
  2. bei Folge- und Zentralsteuerung das unverzögerte Unterbrechen der Bewegungsabläufe
    aller zugehörigen Ausbaugestelle sowie aller mit dem Ausbau steuerungstechnisch
    verknüpften Bewegungsabläufe der Gewinnungseinrichtungen bewirkt und ein Anlaufen
    der automatischen Bewegungsabläufe verhindert.

Die Not-Halt-Einrichtung muß

Der Not-Halt-Zustand darf nur an dem betätigten Not-Halt-Zustand darf nur an dem betätigten
Not-Halt-Schalter aufgehoben werden können.

Die Bewegungsvorgänge des Ausbaugestells, in dem die Not-Halt-Einrichtung betätigt wird,
dürfen nicht mehr elektrisch ansteuerbar sein.

Die Betätigung des Not-Halt-Schalters muß am Betätigungsort erkennbar sein, gegebenenfalls
am Steuerstand der Gewinnungseinrichtungen angezeigt werden.

3.13 An jedem Ausbaugestell muß eine Sperreinrichtung vorhanden sein, die das Ausführen von
Funktionen in dem Ausbaugestell, in dem sie sich befindet, verhindert. Diese Sperreinrichtung muß

Sperreinrichtung und Not-Halt-Einrichtung können in einer Baueinheit zusammengefaßt sein.

3.14 In Ausbaugestellen muß, solange von ihren Steuergeräten aus Befehle gegeben werden,
ein externes Ansteuern verhindert sein. 

3.15 Elektrisch betätigte Ventile müssen Bewegungsvorgänge abbrechen, wenn sie stromlos werden.
Ausgenommen ist die Einzelfunktion 'Förderer Rücken' im Rastbetrieb.

3.16 Bedienelemente und Anzeigegeräte müssen übersichtlich angeordnet sowie gegebenenfalls
durch genormte Symbole eindeutig und dauerhaft gekennzeichnet sein.

3.17 Bei Verwendung farbiger Anzeigen ist DIN VDE 0199/3.88 zu beachten.

Sofern für die Anzeige 'Allgemeiner Betriebszustand' LED verwendet werden, darf die
Farbe 'Gelb' benutzt werden.

3.18 Ein einfacher Erd- oder Leiterschluß oder ein Leiterbruch in den Kabeln oder Leitungen
außerhalb von Gehäusen darf weder zu Bewegungsvorgängen des Ausbaus führen noch das
Anhalten eingeleiteter Bewegungsabläufe verhindern.

3.19 Programme der elektrohydraulischen Steuerung sind modular und, soweit technisch möglich,
strukturiert aufzubauen. Die Veränderung von Parametern (z.B. Mindestsetzdruck) darf nur in
vorgegebenen Grenzen möglich sein und darf nicht zu grundsätzlichen Änderungen des Programms
führen. 

3.20 Programme der elektrohydraulischen Steuerung sind gegen unbefugte Eingriffe zu sichern,
Änderungen der Programme sind im Rahmen des Abschnitts 2.8.2 der 'Anforderungen an die
Dokumentation' zulässig (s. Anlage). Derartige Programmänderungen sind strukturiert auszuführen
und zu dokumentieren, sowie unverzüglich dem Bergamt anzuzeigen; sie dürfen gegebenenfalls
einer erneuten Prüfung.

3.21 Die Reparatursteuerung darf bei planmäßigem Betrieb unter keinen Umständen als Ersatz-
steuerung bei Ausfall der elektrohyraulischen Steuerung benutzt werden. Sie dient bei Auftreten
von Fehlerfällen ausschließlich dazu, die Wiederherstellung eines sicheren Betriebszustandes
herbeizuführen.

4. Besondere Anforderungen an Ablauf- und Folgesteuerung

4.1 In der Betriebsart Ablaufsteuerung muß während des Ablaufs mindestens eine optische
Anzeige erfolgen. 

4.2 In der Betriebsart Folgesteuerung muß mindestens 5 Sekunden vor Beginn der Funktion
ein Warnsignal in angesteuerten Ausbaugestellen gegeben werden. Während des gesamten
Funktionsablaufes bzw. der ganzen Funktionsfolge ist ein akustisches Warnsignal und eine
optische Anzeige zu geben. Die Signale müssen sich deutlich von anderen Signalen, die im
Bereich des elektrohydraulisch gesteuerten Schreitausbaus gegeben werden können, unterscheiden.

4.3 In der Betriesbart Folgesteuerung dürfen Steuerbefehle erst weitergegeben werden, wenn
mindestens ein Setzdruck von 100 bar erreicht ist.

4.4 An Befehlsgeräten von Ausbaugestellen, die im Rahmen einer Funktionsfolge angesteuert sind,
muß eine Befehlseingabe wirkungslos bleiben. Dies gilt nicht für Not-Halt-, Sperr- und Betriebs-
Aus-Einrichtungen sowie für Nebenfunktionen.

5. Besondere Anforderungen an elektrische Geräte

5.1 Die elektrischen Geräte müssen nach einer Beanspruchung durch sinusförmiges Schwingen
in drei Achsen nach IEC 68 Teil 2 - 6 mit einer Frequenz von 10 bis 55 Hz, einer Amplitude
von 0,35 mm oder einer Beschleunigung von maximal dem Fünffachen der Erdbeschleunigung (5 g)
nach 20 Prüfzyklen noch funktionsfähig sein.

5.2 Die elektrischen Geräte müssen nach einer Beanspruchung durch halbsinusförmiges Schocken
nach IEC 68 Teil 2 - 27 in beiden Richtungen von drei Achsen bei einer Beschleunigung von dem
Dreißigfachen der Erdbeschleunigung (30 g) und einer norminellen Einwirkungsdauer von 18 m
noch funktionsfähig sein. Die Schockbelastung ist in jeder Richtung dreimal aufzugeben.

5.3 Die elektrischen Geräte müssen bei einer Temperatur von 55 Grad Celcius und einer
Beanspruchung von zwei Zyklen funktionsfähig bleiben (Durchführung der Prüfung nach
DIN 40 046 Blatt 6. In Abweichung von der Norm werden die Geräte bei dieser Beanspruchung
im Betriebszustand geprüft).

5.4 Die elektrischen Geräte müssen nach einer achtstündigen Lagerung bei einer Temperatur
von - 25 Grad Celcius und nach einer achtstündigen Lagerung bei einer Temperatur von
+ 70 Grad Celcius noch funktionsfähig sein.

6. Prüfungen

6.1 Für die Prüfung des Programmaufbaus sowie der verwendeten Steuergeräte gelten die
Anforderungen an die Dokumentation elektrohydraulischer Steuereinrichtungen von Schreitausbau
(s.Anlage).

6.2 Die verbindliche Systemspezifikation ist unmittelbar nach der Erstellung durch eine anerkannte
Prüfstelle zu prüfen.

6.3 Am Baumuster sind mindestens folgende Prüfungen durchzuführen:

6.4 Die Ergebnisse der Baumusterprüfungen nach Abschnitt 6.1 bis 6.3 sind in einem Prüfbericht
wiederzugeben.



Anlage zu der Verwaltungsvorschrift des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen für die Prüfung
            und Verwendung elektrohydraulischer Steuereinrichtungen von Schreitausbau


Anforderungen an die Dokumentation
elektrohydraulischer Steuereinrichtungen von Schreitausbau


1 Allgemeines

Die nachfolgenden Bestimmungen regeln die Dokumentation der elektrohydraulischen Steuer-
einrichtungen von Schreitausbau nach Abschnitt 6.1 der Verwaltungsvorschrift.

Die Dokumentation im Sinne dieser Verwaltungsvorschrift umfaßt die erforderlichen Unterlagen
für die Verwendung des Schreitausbaus mit allen Betriebsarten. Die Dokumentation dient auch
der Prüfung im Rahmen der Betriebsplanzulassung sowie der Prüfung vor der erstmaligen
Inbetriebnahme und vor der Wiederinbetriebnahme nach Änderungen.


2 Art und Umfang der Unterlagen

Art und Umfang der für die Dokumentation erforderlichen Unterlagen sind rechtzeitig vor der Prüfung
und Errichtung der Steuereinrichtung mindestens zwischen Hersteller und einer anerkannten
Prüfstelle abzustimmen. Dies gilt auch bei wesentlichen Änderungen. Die Unterlagen müssen
übersichtlich, prüfbar und in deutscher Sprache abgefaßt sein; letzteres gilt nicht für die in der Regel
in englischer Sprache erstellten Teile der Software. Die Erfüllung der Anforderungen der Verwaltungs-
vorschrift muß aus ihnen ersichtlich sein.

In Einzelfällen erforderlich werdende Abweichungen von der Verwaltungsvorschrift sind anzugeben.
Dabei ist nachzuweisen, wie die geforderte Sicherheit auf andere Weise gewährleistet wird.

2.1 Kurzbeschreibung (Strukturbeschreibung)

Die elektrohydraulische Steuereinrichtung einschließlich der Not-Aus-, Sperr-, Anlaufwarn- und
Überwachungseinrichtungen ist im Zusammenhang mit den Funktionen des zugehörigen Schreit-
ausbaus zu beschreiben.

2.2 Anordnungsplan

In Anordnungsplänen ist der prinzipielle Aufbau der Steuereinrichtungen mit den mechanischen,
elektrischen und hydraulischen Teilen sowie den zugehörigen Sicherheits- und Überwachungs-
einrichtungen schematisch darzustellen (Gesamtübersicht).

Die Bezeichnungen (Klartext oder Kurzbezeichnung mit Legende) der Betriebsmittel müssen mit
den in den übrigen Unterlagen verwendeten Begriffen übereinstimmen.

2.3 Darstellung des Funktionsablaufs

Die Funktion des Schreitausbaus ist prozessorientiert so darzustellen, daß

2.4 Übersichtsschaltplan

In Ubersichtsschaltplänen sind vereinfacht und im allgemeinen einpolig die wesentlichen Teile der
Energie- und Steuerstromkreise der elektrohydraulischen Steuereinrichtung des Schreitausbaus
darzustellen.

2.5 Stromlaufplan

In Stromlaufplänen sind mindestens die Sicherheits- und Überwachungsstromkreise sowie die
erforderlichen Meldestromkreise der elektroyhdraulischen Steuerung des Schreitausbaus darzustellen.

Aus den Stromlaufplänen muß der Signalfluß von den Befehlsgeräten auf die Stellglieder und
gegebenenfalls Empfänger eindeutig zu erkennen sein (vergl. DIN 40 719 Teil 3).

2.6 Elektrohydraulischer Schaltplan

Elektrohydraulischen Schaltplänen muß der funktionelle Zusammenhang zwischen elektrischen und
hydraulischen Steuereinrichtungen zu entnehmen sein.

2.7 Schnittstellen

Aus den Angaben zu den Schnittstellen müssen die funktionellen Eigenschaften und Abhängigkeiten
zwischen den mechanischen, elektrischen und hydraulischen Teilen der Steuerung erkennbar sein.

Dabei sind unter anderem anzugeben:

2.8 Programmunterlagen

2.8.1 Für die Beurteilung sicherheitsbezogener Teile der Steuereinrichtungen sind die erforderlichen
Programmunterlagen zwischen Hersteller und anerkannter Prüfstelle abzustimmen. Hierzu eigenen sich

2.8.2 Nach Abschluß der Zulassungsprüfung sind die in Ordnung befundenen Programme in Anwesenheit
eines dazu befugten Angehörigen einer anerkannten Prüfliste auf Datenträgern dauerhaft aufzuzeichnen.

Die Datenträger sind Bestandteile der Zulassungsgutachten; sie verbleiben bei der anerkannten Prüfstelle.

Änderungen der nach Satz 1 aufgezeichneten Programme dürfen im laufenden Betrieb nur durch den
Hersteller oder durch einen für die Untersuchung elektrischer Anlagen anerkannter Sachverständigen im
Einvernehmen mit dem Ausbauingenieur vorgenommen werden. Geänderte Programme sind in
Anwesenheit des Sachverständigen auf Datenträgern dauerhaft aufzuzeichnen. Eine Kopie des Datenträgers
ist der anerkannten Prüfstelle zur Verfügung zu stellen.

2.9 Betriebsmittelverzeichnis

Die in einer elektrohydraulischen Steuereinrichtung verwendeten Betriebsmittel müssen in einem Betriebs-
mittelverzeichnis mit Angaben zum Schlagwetterschutz eingetragen sein.

2.10 Bedienungs- und Wartungsanleitung

Für den sicheren Betrieb der Steuereinrichtungen müssen Bedienungs- und Wartungsanleitungen mit
Angaben zu Bedienelementen und Bedienfunktionen sowie zu erforderlichen Wartungsfristen und
Wartungsarbeiten vorhanden sein.


 


10.05.1993

18.7-5-11

Anforderungen an mitgefahrene Abbaustrecken

A 2.16


An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Anforderungen an mitgefahrene Abbaustrecken

hier: Ausbausituation am Übergang Streb - Strecke

Der unter dem Abschnitt M 1 des Sammelblatts mit gleichem Datum beschriebene Unglücksfall
hat gezeigt, daß bei mitgefahrenen Abbaustrecken Sicherheit am Übergang Streb - Strecke nur
dann erreicht werden kann, wenn bestimmte ausbautechnische Voraussetzungen erfüllt sind und
die Ausbauarbeiten mit besonderer Sorgfalt durchgeführt werden.

Insoweit ist auf nachstehende Erfordernisse hinzuweisen:

  1. In Bereichen, in denen die Streckenbögen noch nicht vollständig eingebracht sind, ist die
    Standsicherheit des Ausbaus nachzuweisen. Standsicherheit kann z.B. durch das Einbringen
    von Unterzügen oder Gebirgsankern erreicht werden.
  2. Zur Sicherstellung der Tragkraft des Streckenausbaus müssen die Streckenbögen über ihrem
    gesamten Umfang ausreichend gut gebettet sein. Hierzu ist der Ausbau mit frühtragenden
    Baustoffen zu hinterfüllen (Voll- oder Teilhinterfüllung) oder über dem gesamten Umfang
    sorgfältig zu verkeilen. Die Verkeilung muß aus Hartholz oder aus anderen geeigneten Materialien
    (z.B.Baustoffkissen) bestehen und so eingebracht werden, daß die Abstände zwischen den
    Verkeilungsstellen 1,5 m nicht überschreiten. Die Streckenbögen müssen hierbei in jedem Fall
    in der Firste, in den Zwickelbereichen und an den Gelenkstellen (Abfangunterzüge oder
    Abfangankerung) gegen das Gebirge verkeilt sein.
  3. Beim Einbau der Rinnenprofile des Streckenausbaus ist auf die Mindestüberlappungslänge
    und auf Parallelität der zu verbindenden Teile zu achten. Beim Einbau der nachgiebigen
    Verbindungen ist sicherzustellen, daß jede Schraube jeder Verbindung mit dem Mindest-
    drehmoment angezogen wird, das in der Zulassung der Ausbauteile angegeben ist. Jede
    Verbindung muß nachverspannt sein, wenn ihr Abstand zur Ortsbrust oder zur Einbaustelle
    mehr als 6 m beträgt. Die Überlappungslänge und das erforderliche Schraubenanzugsmoment
    sind auf den Ausbautafeln anzugeben.
  4. Die Anzahl der offenen Streckenbögen vor Strebdurchgang ist so gering wie möglich zu halten;
    nach dem Rücken der Antriebe ist der Streckenausbau unverzüglich zu komplettieren.

    Ich bitte, vorstehende Anforderungen an mitgefahrene Abbaustrecken im Wege des Betriebs-
    planverfahrens umzusetzen. Für laufende Betriebe bitte ich zu prüfen, ob den genannten
    Anforderungen entsprochen wird oder Zusatzmaßnahmen zu veranlassen sind.

Dortmund, den 10.05.1993

Landesoberbergamt NRW

i.V. v o n  B a r d e l e b e n



13.11.1997

18.24.1-19-26

Verwendung von Gleitbogenausbau

A 2.16

 

An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

 

In jüngerer Vergangenheit.sind bei der Verwendung nachgiebiger Verbindungen des Strecken-
ausbaus vielfach Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang

Insoweit besteht Veranlassung, auf nachstehende Anforderungen hinzuweisen:

Ein möglichst hoher und gleichmäßiger Einsinkwiderstand in den Überlappungen der Bogen-
segmente wird nur durch ordnungsgemäß angezogene Verbindungsschrauben erreicht. Hierzu
ist sicherzustellen, daß das gemäß Ausbauzulassung erforderliche Anzugsmoment der Schrauben
unmittelbar beim Einbringen des Streckenausbaus aufgebracht wird und die Schrauben nach
erfolgter Sprengarbeit kontrolliert und erforderlichenfalls mit diesem Anzugsmoment nachgezogen
werden. Bezüglich des Anzugmomentes gilt der Sollwert gemäß Ausbauzulassung (- 75, + l00 Nm).
Um eine vorzeitige Verstarrung des Gleitbogens zu verhindern, sollte die obere Abweichung
des Anzugsmoments nicht überschritten werden.

Von großer Bedeutung für eine einwandfreie Funktion der nachgiebigen Verbindungen ist ihr
ordnungsgemäßer Einbau und das wechselseitige Anziehen der Verbindungsschrauben. Im weiteren
ist erforderlich, daß der untere und obere Einschubbereich der eingebrachten Stoßsegmente
mindestens 250 mm von solchen Einbauten freigehalten werden, die die Funktion des Einschiebens
verhindern oder einschränken können.

Bei der Montage des Streckenausbaus (Profilform TH) müssen sich die Profilenden der sich
überlappenden Segmente im Ohrenbereich abstützen. Nur so ist eine einwandfreie Funktion der
Verbindungen gewährleistet.

Die für den jeweiligen Ausbautyp angegebenen Überlappungslängen sind Mindestlängen. Sie
dürfen keinesfalls unterschritten werden.

Eine Kontrolle der Verbindungsschrauben auf Eiinhaltung der vorgegebenen Anzugsmomente über
eine Erstreckung von 20 m hinter der Einbaustelle ist sicherzustellen.

Hinsichtlich der erforderlichen Unterweisungen sowie der schriftlichen Anweisungen über die
ordnungsgemäße Verwendung von Gleitbogenausbau wird auf die §§ 6 und 7 ABBergV hingewiesen.

Ich bitte dafür Sorge zu tragen, daß bei den bergamtlichen Befahrungen verstärkt auf die genannten
Anforderungen geachtet wird. 

Dortmund, den 13. 11. 1997

Landesoberbergamt NRW

v.  B a r d e l e b e n



31.08.2000

18.24.1-2000-1

 
Ankergenehmigungs-Richtlinien


A 2.16

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien über die Genehmigung von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau
         (Ankergenehmigungs-Richtlinien)

Mit der zunehmenden Verwendung von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau werden künftig auch
Gebirgsanker eingesetzt, die aufgrund ihrer Bauform (z.B. Seilanker) oder Materialeigenschaften
(z.B. Kunststoffanker) den bisherigen Bauart-Zulassungsanforderungen, die auf einer Beurteilung
von Vollstäben aus Stahl basierten, nicht mehr entsprechen.

Eine Verwendung neuerer Ankerbauformen und -materialien ist jedoch für bestimmte Einsatz-
bereiche sinnvoll und nach den "Richtlinien über die Verwendung von Ankerausbau im Steinkohlen-
bergbau" vom 28.05.1998 - 18.24.1-20-3 - möglich. Insofern war nach Erstellung der vorgenannten
Richtlinien nunmehr auch eine Überarbeitung der bisherigen Bauart-Zulassungsanforderungen
erforderlich. Das Ergebnis dieser Überarbeitung ist den nachfolgend bekannt gemachten Richtlinien
zu entnehmen, die unter Beteiligung von Vertretern der Deutschen Montan Technologie GmbH, der
Deutschen Steinkohle AG sowie der Hersteller von Gebirgsankern erarbeitet wurde. Diese Richtlinien
sind von den Herstellern, die künftig eine Genehmigung für Gebirgsanker nach § 28 der Berg-
verordnung des Landesoberbergamts NRW für Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000
beantragen, zugrunde zu legen. Bisher erteilte Bauartzulassungen gelten gem. § 62 BVOSt weiterhin.

Sie werden hiermit gebeten, künftig bei der Zulassung von Betriebsplänen über die Verwendung von
Ankerausbau zu prüfen, ob für die vorgesehenen Gebirgsanker ein Genehmigungsbescheid nach
§ 28 BVOSt oder eine Bauartzulassung nach vormals § 130 BVOSt vorliegt.

Dortmund, den 31.08.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



R i c h t l i n i e n

über die Genehmigung von Ankerausbau
im Steinkohlenbergbau
(Ankergenehmigungs-Richtlinien)

 

Inhaltsübersicht 

1. Anwendungsbereich

2. Begriffsbestimmungen

3. Genehmigungsverfahren

3.1 Allgemeines
3.2 Profilierte Vollstabanker aus Stahl
3.3 Sonstige Anker

4. Kennzeichnung

5. Sonstiges

Anhang 1: Profilierungen von Vollstabankern
Anhang 2: Mindestanforderungen an die Werkstoffeigenschaften von profilierten Vollstab-Stahlankern
Anhang 3: Werkstoffeigenschaftsprüfung von Gebirgsankern
Anhang 4: Gebrauchseigenschaftsprüfung von Gebirgsankern
Anhang 5: Beispiele für die Kennzeichnung von Gebirgsankern

 

1. Anwendungsbereich

Diese Richtlinien enthalten Anforderungen an die Werkstoff- und Gebrauchseigenschaften sowie die
Kennzeichnung von Gebirgsankern, die im Steinkohlenbergbau unter Tage als Ausbaumittel zur
Übertragung von Ausbaukräften (Zug- und / oder Scherkräfte) verwendet werden.

2. Begriffsbestimmungen

Es gelten die Begriffsbestimmungen der Richtlinien des Landesoberbergamts NRW über die
Verwendung von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau (Anker-Richtlinien) vom 28.5.1998
- 18.24.1-20-3 - (s. Sammelblatt A 2.16).

Darüber hinaus werden folgende Begriffe definiert:

Gebirgsanker

Gebirgsanker sind Ausbauteile, die in Bohrlöchern im eingebauten Zustand durch Aufnahme von
Ausbaukräften (Zug- und/oder Scherkräfte) Gebirgsteile miteinander oder Konstruktionselemente
(z. B. Abfangankerlaschen) mit dem Gebirge verbinden.

Werkstoffeigenschaftsprüfung

Werkstoffeigenschaftsprüfung ist die Untersuchung der Materialeigenschaften von genehmigungs-
pflichtigen Ankerausbauteilen im nicht eingebauten Zustand.

Gebrauchseigenschaftsprüfung

Gebrauchseigenschaftsprüfung ist die Untersuchung des Trag- und Verformungsverhaltens von
genehmigungspflichtigen Ankerausbauteilen im eingebauten Zustand.

 

3. Genehmigungsverfahren

3.1 Allgemeines

Als Gebirgsanker werden überwiegend durchgehend profilierte Vollstäbe aus Stahl eingesetzt.
Mit einer zunehmenden Verwendung von Gebirgsankern unterschiedlicher Bauart, wie z.B. bei
der Sicherung von Streb/Streckenübergängen, kommen auch Gebirgsanker mit modifizierten
Bauformen und /oder Materialeigenschaften zum Einsatz. Für beide Ankerarten sind nachfolgend
die Voraussetzungen zum Erlangen einer Genehmigung nach § 28 der Bergverordnung des
Landesoberbergamts NRW für Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000 beschrieben.

Neben dem Nachweis über die Durchführung der Werkstoff- bzw. Gebrauchseigenschaftsprüfungen
nach den Abschnitten 3.2 und 3.3 und der Dokumentation der Kennzeichnung nach Abschnitt 4 sind
folgende Unterlagen jedem Genehmigungsantrag beizufügen:

a) Zeichnerische Darstellung des Gebirgsankers und der zugehörigen Bauteile

b) Werkszeugnis über das Material des Gebirgsankers und erforderlichenfalls der Ausbaukraft
     übertragenden Bauteile

c) Einbauanweisung des Gebirgsankers

Sofern Gebirgsanker und/oder zugehörige Bauteile aus Kunststoffen bestehen, ist darüber hinaus ein
Eignungsnachweis nach DIN 22 100, Teil 7 (Betriebsmittel und Betriebsstoffe aus Kunststoffen zur
Verwendung in Bergwerken unter Tage) erforderlich.

Werden für die Prüfungen nach den Abschnitten 3.2 und 3.3 mehrere Prüfstellen beauftragt, muß
eine der Prüfstellen die Kennzeichnung und Verteilung der Prüflinge koordinieren.

3.2 Profilierte Vollstabanker aus Stahl

Auf Grund der bisherigen überwiegenden Verwendung von durchgehend profilierten Vollstab-
Gebirgsankern aus Stahl liegen über diesen Ankertyp langjährige Erfahrungen vor, sofern die
Profilierung dem Anhang 1 entspricht. Danach ist davon auszugehen, daß Vollstab-Stahlanker
bei vorschriftsmäßigem Einbau sicher verwendet werden können, wenn sie die Mindestanforderungen
an die Werkstoffeigenschaften gem. Anhang 2 erfüllen. Die Feststellung der Werkstoffeigenschaften
erfolgt dabei nach den im Anhang 3 beschriebenen Prüfungen.

Wird dieser Nachweis durch eine anerkannte Prüfstelle erbracht, erteilt das Landesoberbergamt NRW
dem Hersteller auf Antrag eine befristete Genehmigung nach § 28 BVOSt für einen kontrollierten
Betriebsversuch unter Tage. Nach erfolgreichem Betriebsversuch wird die vorgenannte
Genehmigung unbefristet erteilt.

Wird eine oder werden mehrere Anforderungen an die Werkstoffeigenschaften nicht erfüllt, so bedarf
dieser Anker zusätzlich einer Gebrauchseigenschaftsprüfung nach Anhang 4.

3.3 Sonstige Anker

Mit dem zunehmenden Einsatz von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau wurden auch die Bauformen
und Materialeigenschaften von Gebirgsankern so modifiziert, daß eine Festlegung von Werkstoffgrenz-
werten oder Ermittlung von mechanischen Eigenschaften oftmals nicht sinnvoll oder technisch nicht
möglich ist. Gleichwohl sind auch für diese Anker die Materialeigenschaften nach Anhang 2 - soweit
technisch machbar - gem. Anhang 3 prüfen zu lassen.

Damit diese Anker mit ihren besonderen Eigenschaften in einem Ankersystem verwendet werden können,
bedürfen sie darüber hinaus einer Gebrauchseigenschaftsprüfung nach Anhang 4. Zum Erlangen einer
Genehmigung nach § 28 BVOSt ist die Gebrauchseigenschaftsprüfung ebenfalls von einer anerkannten
Prüfstelle durchführen zu lassen.

Auf Grund des Ergebnisses der Gebrauchseigenschaftsprüfung in Verbindung mit der Materialprüfung
nach Anhang 3 entscheidet das Landesoberbergamt NRW über die Genehmigung, die ebenfalls für
einen untertägigen Erprobungseinsatz befristet und erforderlichenfalls unter besonderen
Voraussetzungen oder Verwendungsbeschränkungen erteilt wird. Die endgültige Genehmigung
nach erfolgreichem Erprobungseinsatz berücksichtigt auch die dabei gemachten Erfahrungen.

 

4. Kennzeichnung

Ankerstangen und deren Ausbaukraft übertragenden Bauteile (Ankerplatte, Ankermutter, Ankerlasche)
sind so zu kennzeichnen, daß sie im eingebauten Zustand identifiziert werden können. Dabei muß die
Kennzeichnung eine Identifizierung der Ausbauteile nach Typ und Hersteller ermöglichen.

Eine Dokumentation der jeweiligen Kennzeichnung ist dem zugehörigen Genehmigungsantrag nach
§ 28 BVOSt beizufügen. Beispiele für eine Kennzeichnung von Ankerausbau sind im Anhang 5
beschrieben.

Ist im Einzelfall, z.B. aufgrund der Bauteilgröße oder -beschaffenheit, eine Kennzeichnung nicht möglich
oder sinnvoll, so sind diese Bauteile nach Typ und Lieferant für den jeweiligen Grubenbau (örtlich
nachweisbar) vom Verwender zu dokumentieren. Die Dokumentation ist mindestens bis zum Abwerfen
des Grubenbaus aufzubewahren.

5. Sonstiges

Ankermörtel und mit Ankerausbau verwendeter Verzug sind nicht Gegenstand dieser Richtlinien.
Auf die besondere Bedeutung

  1. des Ankermörtels für eine sichere Übertragung der Ausbaukraft von Ankern in das Gebirge
  2. des Verzuges für die Standsicherheit des Grubenbaues

wird jedoch besonders hingewiesen.

Lastanker sind ebenfalls nicht Gegenstand dieser Richtlinien. Lastanker sollten hinsichtlich ihrer
Materialeigenschaften jedoch zumindest den Anforderungen des Anhangs 2 genügen. Bei
dynamischer Belastung müssen Lastanker darüber hinaus Vorgaben entsprechen, die in besonderen
Anforderungen an dynamisch beanspruchte Lastanker (z. B. DIN 20622) definiert sind.

Die Nutzung des Ankerschaftes von Ausbauankern (Vollstab-Stahlanker > 22 mm Æ )
zur Aufhängung statischer Lasten unabhängig vom Aufhängewinkel ist bis 50 kN ohne
besonderen Nachweis möglich. Für andere Ankerbauformen ist ein Nachweis gem. Anhang 4
zu führen.

Sofern bei der Verwendung von Ankerausbau Tatsachen bekannt werden, die eine Änderung,
Ergänzung oder den Widerruf einer Genehmigung von Gebirgsankern und/oder deren zugehörigen
Bauteilen erforderlich erscheinen lassen, ist das Landesoberbergamt NRW hierüber unverzüglich
zu unterrichten.



Ankergenehmigungs-Richtlinien Anhang 1



Ankergenehmigungs-Richtlinien Anhang 2



Werkstoffeigenschaftsprüfung von Gebirgsankern              Anhang 3

1. Allgemeines

Die Grundlage der Werkstoffeigenschaftsprüfung von Gebirgsankern basiert auf
DIN 21 521 Teil 1 und 2.

Dem Prüfinstitut sind vom Antragsteller ausreichendes Probenmaterial und die technischen Unterlagen
zur Verfügung zu stellen. An dem Probenmaterial ist eine Konformitätsprüfung (visuelle, maßliche und
werkstoffanalytische Prüfung) entsprechend den technischen Unterlagen durchzuführen. Die bauart-
spezifischen Merkmale des Gebirgsankers (Rippung, Machart des Seil-/Bündelankers etc.) sind
bildlich zu dokumentieren.

Die notwendigen Prüfverfahren sind nachstehend aufgeführt. In Ausnahmefällen können einzelne
Prüfungen entfallen, wenn diese technisch unmöglich oder nicht sinnvoll sind, z. B.

Bei den Zugversuchen und Technologischen Biegeversuchen (Faltversuchen) sind Spannungs/-
dehnungskurven bzw. Kraft-/Verlängerungskurven während der Versuchsdurchführung aufzunehmen.

Die Ermittlung der Werkstoffeigenschaften (mechanische Kennwerte aus Zugversuch, Kerbschlag-
biegeversuch und Technologischer Biegeversuch) sind jeweils an drei Proben durchzuführen.

 

2 Prüfverfahren für profilierte Vollstab-/Hohlstabgebirgsanker aus Stahl

An den Ankern sind Zugversuche, Kerbschlagbiegeversuche und Technologische Biegeversuche
(Faltversuche) durchzuführen. 

2.1 Ganzzugversuche nach DIN EN 10 002 Teil 1

An unbearbeiteten Teillängen der Anker sind Ganzzugversuche durchzuführen. Dabei ist zwischen
Ganzzugversuchen am Ankerschaft und Ankerkopf zu unterscheiden. Bei der Prüfung am Ankerkopf
wird die vom Befestigungselement übertragende Ausbaukraft ermittelt. In der Regel wird eine
aufgeschraubte Ankermutter als Befestigungselement verwendet.

  1. Ganzzugversuch am Ankerschaft
     
    Bei den Versuchen ist die Kraft an der Streckgrenze Fe, Höchstzugkraft Fm,
    Streckgrenze ReH, Zugfestigkeit Rm, Bruchdehnung A5, und Gleichmaßdehnung AG10
    zu ermitteln.
     
    Die Gleichmaßdehnung AG10 ist auf eine Länge des 10-fachen Nenndurchmessers des
    Ankerschaftes d0 zu bestimmen, die 5 d0 außerhalb der Bruchstelle beginnt.
     

 Anlage 3 - Bild 1

2.2 Kerbschlagbiegeversuch nach DIN EN 10 045

Für die Kerbschlagbiegeversuche sind DVM - Proben nach DIN 50 115 zu verwenden.
Die Proben sind mittig aus der Querschnittsfläche des Ankers zu entnehmen.

2.3 Technologischer Biegeversuch (Faltversuch) nach DIN 50 111

Die Biegeversuche sind an unbearbeiteten Teillängen der Anker durchzuführen. Als Prüfgerät
ist die Biegevorrichtung mit Biegestempel und Auflagerollen zu verwenden. Der Durchmesser
des Biegestempels muß 20 mm betragen.

3 Prüfverfahren für flexible Anker (Seil-/Bündelanker)

An flexiblen Ankern, die mit einem Befestigungselement zur Übertragung der Ausbaukraft
ausgeführt sind (z. B. aufgepreßte Gewindehülse am Ankerkopf), sind Ganzzugversuche nach
Abschnitt 2.1 b durchzuführen.

Die Höchstzugkraft Fm am Ankerschaft (z. B. Seil, Litze) wird im Ganzzugversuch bei der
Gebrauchseigenschaftsprüfung gemäß Anhang 4 ermittelt.

4 Prüfverfahren für Ausbaukraft übertragende Bauteile (Ankermutter, Kupplungs-
   mutter, Ankerplatte, Ankerlaschen)

An Ankermuttern sind Zugversuche mit zugehörigen Ankern gem. Abschnitt 2.1 b durchzuführen.

An Kupplungsmuttern sind Zugversuche nach DIN EN 10 002 Teil1 mit zugehörigen Ankern
durchzuführen. Es ist die Kraft an der Streckgrenze Fe, Höchstzugkraft Fm und die Ausfallursache
bei Höchstzugkraft Fm zu ermitteln.

Die Prüfung an Ankerplatten erfolgt nach DIN 21 521 Teil 2 Absatz 7.2, Ausgabe 02/93.

An Ankerlaschen sind Belastungsprüfungen mit zugehörigen Ausbauprofilen, Ankern und Muttern
entsprechend der schematischen Darstellung durchzuführen. Die Belastung muß gleichmäßig und
stoßfrei mit einer Prüfgeschwindigkeit von 10 mm/min erfolgen. Bei den Versuchen ist die
Höchstzugkraft Fm und die Ausfallursache bei Höchstzugkraft Fm zu ermitteln.

   Anlage 3 - Bild 2

5. Kennzeichnung

Es ist zu prüfen, ob die Kennzeichnung den Anforderungen gemäß Abschnitt 4 der Ankerge-
nehmigungs-Richtlinie entspricht.

6 Aufbewahrungsdauer

Nach der Prüfung sind die Proben mindestens zwei Jahre im Prüfinstitut aufzubewahren. Darüber
hinaus ist ein ungeprüftes Referenzmuster, die technischen Unterlagen vom Antragsteller sowie
die Qualitätsaufzeichnungen der Prüfungen mindestens 10 Jahre aufzubewahren.

7 Dokumentation und Beurteilung

Die Ergebnisse der Prüfungen, die bildliche Dokumentation sowie die mitgeschriebenen Diagramme
sind in einem Bericht zusammenzufassen und im Hinblick auf die Mindestanforderungen nach
Anhang 2 zu beurteilen. 



Gebrauchseigenschaftsprüfung von Gebirgsankern  - Anhang 4

 

1. Allgemeines

Grundlage der Gebrauchseigenschaftsprüfungen ist die Grundsatzprüfung an Gebirgsankern
nach DIN 21521 Teil 1 und 2.

Bei der Grundsatzprüfung werden die Originalanker in ein repräsentatives Modellgebirge aus
Baustoff eingebaut und den im eingebauten Zustand zu erwartenden Beanspruchungsarten
(Zug und Scherung) ausgesetzt. Mit Hilfe der Konzeption dieser Einzelprüfungen kann die
einsatzrelevante Bestimmung von Zug- und Scherkräften mit ihren zugehörigen Verformungen
an eingebauten Gebirgsankern erfolgen. Für die Beurteilung der gebirgsmechanischen Wirkung
der verschiedenen Ankerbauformen kann so das Zusammenwirken von Ankerschaft, Verbund-
element und Gebirge bei unterschiedlichen Beanspruchungen untersucht werden. Neben der
Bestimmung der Gebrauchseigenschaften erlaubt diese Vorgehensweise eine direkte Einordnung
der Prüfergebnisse im Vergleich zu anderen Ankerbauformen.

Für die Beurteilung des Trag- und Verformungsverhaltens verschiedener Ankerschaftbauformen
ist Festlegung von Referenzmörteln (1 Kunstharzmörtel, 1 mineralischer Ankermörtel) zwingend
erforderlich. Nur so wird die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ohne den Einfluß des Ankermörtels
insbesondere bei Zugprüfungen gewährleistet.

Die Ermittlung der Gebrauchseigenschaften (Zug-und Scherprüfungen) ist jeweils an mindestens
zwei Proben durchzuführen.

2. Prüfverfahren

Für die Gewährleistung einer Beurteilung der Prüfergebnisse, die aus einem Vergleich der
Prüfergebnisse mit den Resultaten bereits erfolgreich eingesetzter Anker besteht, ist insbesondere
auf gleichbleibende Prüfbedingungen in Verbindung mit der Gestaltung des Modellgebirges
(DIN 21521, Teil 2: 7.3, 7.4, 7.5, 7.6) zu achten. In diesem Zusammenhang ist für die
vergleichende Beurteilung von Einzelteilen eines Gebirgsankers die Verwendung von
Referenzeinzelteilen zwingend erforderlich.

2.1 Zugprüfungen

Im Rahmen von Zugprüfungen an eingebauten Ankern werden folgende Kennwerte ermittelt:

  1. Ermittlung des Trag- und Verformungsverhaltens vollständig eingebauter Gebirgsanker
    bei einer sich öffnenden Kluft.
  2. Bestimmung der Verbundkräfte am inneren Verbund mit den Referenzmörteln

Die Anforderungen an die Prüfungsdurchführung sind in der DIN 21521, Teil 2: 7.3, 7.4, 7.5
dargelegt. Die im Rahmen von Zugprüfungen zu ermittelnden Kennwerte sind im Abschnitt 3.1
des Anhanges 3 tabellarisch zusammengefaßt.

2.2 Scherprüfungen

Im Rahmen der Scherprüfungen wird das Trag- und Verformungsverhalten eingebauter Gebirgsanker
unter den Scherwinkeln von 50° und 90° ermittelt.

Die Anforderungen an die Prüfungsdurchführung sind in der DIN 21521, Teil 2: 7.6 dargelegt.
Die im Rahmen von Scherprüfungen zu ermittelnden Kennwerte sind im Abschnitt 3.2 des
Anhanges 3 tabellarisch zusammengefaßt.

2.3 Beurteilung der Prüfergebnisse

Grundlage der Beurteilung der Prüfergebnisse ist die Einordnung der Resultate im Vergleich zu
bisher erfolgreich im deutschen Steinkohlenbergbau eingesetzten Ankern. Für die Beurteilung
sind die Ergebnisse der Materialprüfungen (Anhang 2) zu berücksichtigen.

 

Anhang 4 - Bild 1

Anhang 4 - Bild 2



anhang 5



06.11.2000

18.8-2000-10

Sicherheit gegen Abgleiten und Verschieben
von Ausbauteilen aus Metall

A 2.16

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Sicherheit gegen Abgleiten und Verschieben von Ausbauteilen aus Metall

In vielen Bereichen des Grubenbetriebs werden Ausbauteile aus Metall durch andere Ausbauteile
aus Metall unterstützt (z.B. Abstützung von Kappschienen und Gelenkkappen durch Stahlstempel
oder durch stählerne Unterzüge).

In der Vergangenheit sind zahlreiche Unfälle und Brüche dadurch ausgelöst worden, daß Stempel
von den unterstützten Kappen abgerutscht sind oder Kappen und Unterzüge gegeneinander
verschoben wurden.

Zur Vermeidung der hiermit verbundenen Gefahren werden nachstehende Maßnahmen für
erforderlich gehalten:

Werden Ausbauteile aus Metall durch andere Ausbauteile aus Metall unterstützt, müssen
Halterungen oder Arretierungen vorhanden sein, die ein Abgleiten oder Verschieben der
Ausbauteile gegeneinander verhindern. Hiervon ausgenommen ist der Verzug.

Dies bedeutet, daß sich abstützende Ausbauteile aus Metall künftig so eingebracht sein müssen,
daß sie an ihren Krafteinleitungsstellen bzw. Verbindungspunkten gegen Abgleiten und
Verschieben wirksam arretiert sind.

Die hierzu erforderlichen Halterungen oder Arretierungen sind als Ausbauteile oder als
Ausbauzubehör anzusehen und bedürfen einer Genehmigung nach § 28 BVOSt.

Ich bitte, das Entsprechende im Wege des Betriebsplanverfahrens zu veranlassen.

Die vorstehende Rundverfügung wurde im Hinblick auf die Neufassung der Bergverordnung
des Landesoberbergamts NRW für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000
modifiziert.

Dortmund, den 06.11.2000

Landesoberbergamt NW

v.  B a r d e l e b e n



 28.11.2000

18.7-2000-1

Schäden am Schreitausbau älterer Bauart

A 2.16

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Schäden am Schreitausbau älterer Bauart

Auf einem Bergwerk des Bezirkes wurden in einem laufenden Abbaubetrieb zwei Anstellschiebe-
kappen von den Hauptkappen des Schreitausbaus nach Durchfahren eines geologisch stark
gestörten Bereiches abgerissen.

Mit der Begutachtung der Schäden wurde das DMT-Prüflabor für Schreitausbau beauftragt. Nach
dessen Schadensaufnahme mussten kurzfristig insgesamt 9 Hauptkappen gewechselt werden,
da an deren Gelenkverbindungen zu den Anstellschiebekappen fortschreitende Rissbildungen
festgestellt wurden. Weitere Schäden traten anschließend nicht mehr auf.

Der Gutachter führt die Schäden im Wesentlichen auf das hohe Alter des Ausbaus (Baujahr 1983)
in Verbindung mit starker Beanspruchung (Störungsdurchörterung) zurück.

Zur Vermeidung künftiger vergleichbarer Ereignisse in Folge Materialermüdung schlägt der Gutachter
vor, Schreitausbau mit Anstellschiebekappen, der älter ist als 10 Jahre, bei Auftreten außer-
gewöhnlicher Betriebszustände (z. B. Störungsdurchörterung mit Sprengarbeit) und vor jedem
Wiedereinsatz visuell auf Schäden zu prüfen.

Sollten bei diesen Sichtprüfungen Schäden an sicherheitsrelevanten Bauteilen festgestellt werden,
die über Einzelfälle hinausgehen, sollten weiter gehende Prüfungen (z. B. Rissfortschrittskontrolle,
Rissprüfungen, Bauteilprüfungen) durchgeführt werden.

Mit Schreiben vom 15.8.2000 wurde die Deutsche Steinkohle AG aufgefordert, die Ausbauingenieure
ihrer Bergwerke über den vorstehenden Sachverhalt zu unterrichten, die genannten Prüfungen am
Schreitausbau mit Anstellschiebekappen älterer Bauart (> 10 Jahre) durchzuführen bzw. durchführen
zu lassen, die Prüfergebnisse zu dokumentieren und dem zuständigen Bergamt auf Verlangen
vorzulegen.

Sie werden hiermit gebeten, in die Prüfung von Sonderbetriebsplänen "Abbau", die eine Verwendung
von Schreitausbau mit Anstellschiebekappen älterer Bauart zum Inhalt haben, diese Dokumentationen
mit einzubeziehen.

Dortmund, den 28.11.2000

Landesoberbergamt NRW

v. B a r d e l e b e n



18.07.2001

83.18.8-2001-6


Ausbau als Widerlager


A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW - (ausgenommen Düren) -

Verwendung des Regelausbaus als Widerlager

Mit der Neufassung der Bergverordnung für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.1.2000
wurde der vormalige Ausnahmevorbehalt für eine Verwendung von Ausbau als Widerlager
gem. § 128 Abs. 2 BVOSt vom 20.2.1970 obsolet.

Da die Bergämter bei der betriebsplanmäßigen Regelung der Verwendung von Ausbau als
Widerlager z. T. unterschiedliche Anforderungen stellten, wurde zwecks einer einheitlichen
Verfahrensweise das beigefügte Muster eines entsprechenden Sonderbetriebsplanes erarbeitet
und mit der Deutschen Steinkohle AG (DSK) und den Steinkohlenbergämtern abgestimmt.
Der Musterbetriebsplan berücksichtigt bereits die Neufassungen der Türstock- und der
Anker-Richtlinien.

Die Bergwerke der DSK werden den Bergämtern in Kürze Sonderbetriebspläne nach dem
beigefügten Muster vorlegen. Über wesentliche Abweichungen vom Muster-Betriebsplan bitte
ich die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, zu unterrichten.

Dortmund, den 18.07.2001

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
E k h a r t  M a a t z


Anlage

Muster eines Sonderbetriebsplans

Bergamt   ......................................................................................................

Bergwerk ......................................................................................................

Verwendung des Regelausbaus als Widerlager

Das Bergwerk ....................................................... der Deutschen Steinkohle AG beabsichtigt
den Regelausbau weiterhin als Widerlager zu benutzen.

Dazu werden folgende Regelungen enthalten:

1.

Allgemein

 

  • Als Regelausbau bezeichnen wir einen vollständigen und tragfähigen Ausbau.

 

  • Für rechteckförmige Grubenbaue werden wir bei Beanspruchung durch dynamische Belastungen (insbeh.EHB) einen Einzelnachweis des Ausbaus führen.

 

  • Wenn Anker als Ausbau verwendet werden, werden wir einen Standsicherheitsnachweis gemäß Abschnitt 4 der
    Anker-Richtlinien unter Berücksichtigung der Zusatzlasten führen.

2.

Grubenbaue mit Unterstützungsausbau

2.1

Bogenförmige Grubenbaue

 

Wenn der Regelausbau aus Metall als Widerlager zum Bewegen von Lasten benutzt werden soll, wird die maximale in den Ausbau eingeleitete Kraft 50 kN pro Bau nicht überschreiten.

2.2

Rechteckförmige Grubenbaue

 

Wenn der Regelausbau aus Metall als Widerlager zum Bewegen von Lasten benutzt werden soll,

 

- wird die maximale in den Ausbau eingeleitete Kraft 50 kN pro Bau nicht überschreiten,

 

- werden Kappen, die als Widerlager genutzt werden, mindestens von zwei Stempeln unterstützt,

 

- wird das Widerlager nur zwischen diesen Auflagerpunkten (Stempeln) angebracht werden.

 

Sofern Hydrauikstempel zur Erstellung des Ausbaus verwendet werden, beträgt deren Setzlast mindest 240 kN.

 

Hinsichtlich der erforderlichen Verbolzung werden wir die entsprechenden Vorgaben der Türstock-Richtlinien einhalten.

3.

Ankerausbau

 

In Strecken mit Ankern als Regelausbau werden wir diese nur dann als Widerlager zur Aufhängung statischer Lasten verwenden, wenn die Tragfähigkeit des Ankers dadurch nicht herabgesetzt wird.

 

Bei der Verwendung von Aufhängungen für statische Lasten werden wir entsprechend den Ankergenehmigungs-
Richtlinien, Abschnitt 5, Abs.3 verfahren.

 

Aufhängungen für dynamische Lasten (z.B. EHB, Kehren von Fördermitteln) werden wir mit gesonderten Lastankern realisieren. Die dadurch resultierende Zusatzbelastung ist Bestandteil des Standsicherheitsnachweises.


20.07.2001

18.24.1-2000-2

 
Türstock-Richtlinien

 
A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW

Betr.: Türstock-Richtlinien

Die Rundverfügung über Türstockausbau im Vortriebsbereich von Strecken sowie Auf- und
Abhauen vom 23.12.1977 - 18.24.1-2-2 - (veröffentlicht im Sammelblatt unter A 2.16)
entsprach insbesondere durch die zunehmende maschinelle Auffahrung von Rechteckstrecken
und Breitaufhauen - z. T. in Verbindung mit Ankerausbau - nicht mehr dem Stand der Technik.

Die nachfolgend bekannt gemachten Türstock-Richtlinien wurden mit Vertretern der Deutschen
Steinkohle AG und der Deutschen Montan Technologie GmbH sowie der Bergämter erarbeitet
und ersetzen die vorgenannte Rundverfügung.

Sie werden hiermit gebeten, bei der künftigen Prüfung von Betriebsplänen über Streckenvortriebe
sowie Auf- und Abhauen mit Türstockausbau die Türstock-Richtlinien zu Grunde zu legen. Für
wiederholt aufzufahrene Sonderbauwerke nach Abschnitt 1 der Türstock-Richtlinien empfielt es
sich, einen entsprechenden Ausbaukatalog, auf den dann im Einzelfall Bezug genommen werden
kann, betriebsplanmäßig zuzulassen.

Über grubensicherheitlich bedeutsame Ereignisse im Zusammenhang mit den Türstock-Richtlinen
bitte ich die Bezirksregierung Arnsberg umgehend zu unterrichten.

Dortmund, den 10.7.2001

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
E k h a r t  M a a t z



Türstock-Richtlinien
der Bezirksregierung Arnsberg
vom 20.07. 2001

Inhalt:

1. Anwendungsbereich

2. Begriffsbestimmungen

3 Berechnung des Türstockausbaus

3.1 Allgemeines
3.2 Reiner Türstockausbau
3.3 Türstockausbau mit Substitutionsankerung

4. Sonstiges

4.1 Verbolzung
4.2 Verzug
4.3 Benachrichtigung des Bergamts

Anhang 1: Flussdiagramm der erforderlichen Nachweise
Anhang 2: Kennwerte verschiedener Stempel
Anhang 3: Tabelle der Mindestbiegetragfähigkeit von Kappenprofilen
Anhang 4: Belastungsannahme bei ausgestelltem Türstock

1. Anwendungsbereich

Diese Richtlinien enthalten Anforderungen an die Berechnung von Türstockausbau in rechteckförmigen
Strecken sowie Auf- und Abhauen des Steinkohlenbergbaus unter Tage. Eine Verwendung von
geraden Kappen mit gebogenen Kappenenden sowie von geraden Kappen mit bogenförmigen
Stempeln erfolgt ebenfalls nach Maßgabe der Türstock-Richtlinien. Ausgenommen hiervon sind
Sonderbauwerke wie z.B. Streckenabzweige und -nischen.

2. Begriffsbestimmungen

Hinsichtlich des Ankerausbaus gelten die Definitionen der Anker-Richtlinien vom 28.5.1998
- 18.24.1-20-3 -.

Darüber hinaus werden folgende Begriffe definiert:

Substitutionsankerung

Bei der Substitutionsankerung werden Mittelstempel des Türstockausbaus durch
Gebirgsanker nach Maßgabe eines Standsicherheitsnachweises ersetzt.
 

Fall aus der Höhe 0

Der Fall aus der Höhe 0 berücksichtigt neben der statischen Gewichtskraft der zu sichernden
Hangendschichten auch deren dynamische Lastanteile durch einen Beiwert f = 1,63. 

3 . Berechnung des Türstockausbaus

3.1 Allgemeines

Für das vorgesehene Ausbauschema ist zunächst nachzuweisen, dass mit den gewählten
Ausbauteilen der vorgeschriebene Mindestausbauwiderstand eingehalten wird. Nach
erfolgtem Nachweis des erforderlichen Mindestausbauwiderstandes ist ebenfalls rechnerisch
nachzuweisen, dass mit dem vorgesehenen Ausbauschema die größte zulässige Stützweite nicht
überschritten wird.

Für verschiedene Ausbauvarianten sind die erforderlichen Nachweise in einem Flussdiagramm
im Anhang 1 dargestellt. Der Anhang 2 enthält Kennwerte für üblicherweise verwendete Stempel.
Im Anhang 3 ist die Mindestbiegetragfähigkeit der derzeit verwendeten Kappenprofile tabellarisch
aufgeführt. Der Anhang 4 enthält eine Darstellung der Belastungsannahme bei ausgestelltem Türstock.

Neben der erforderlichen Ausbau- und Stützweitenberechnung sind Betriebsplananträgen für
Türstockausbau Angaben über die zu verwendenden Ausbauteile wie Kappenprofile und
-verbindungen, Stempel, Halterungen bzw. Verbindungen zwischen Kappen und Stempeln, Anker
und zugehörige Bauteile sowie über die Verbolzung und den Verzug beizufügen.

3.2 Reiner Türstockausbau

Zum Nachweis des Mindestausbauwiderstandes ist bei der Berechnung der Ausbaubelastung
durch die Gesteinsgewichtkraft als Belastung ein rechteckiger Gesteinskörper mit den Kanten-
längen Streckenbreite und halbe Streckenbreite zu Grunde zu legen.

 Formel 1

Hinweis : Alle verwendeten Abkürzungen und Symbole sind im Anhang 1 definiert.

Bei ausgestelltem Türstock ist gern . Anhang 4 für b die Sohlenbreite anzusetzen.

Für die Ermittlung der größten zulässigen Stützweite I max.zul. wird künftig die in der
Vergangenheit bewährte Betrachtung zu Grunde gelegt, die von einer gleichmäßigen Belastung
der Kappen zwischen den Stempeln

    Formel 2

Sofern für Rechteckstrecken mit reinem Türstockausbau eine Sohlenbreite b von 5 m nicht
überschritten wird, erfolgt die Berechnung von I max .zul.  gem. Formel 2.

Bei Sohlenbreiten > 5 m ist neben dem Sicherheitsfaktor s = 1,5 noch ein weiterer Belastungs-
beiwert f = 1,63 hinzuzufügen, der einen dynamischen Belastungsfall (Fall aus der Höhe 0)
berücksichtigt . Auf diesen Beiwert f kann jedoch verzichtet werden, wenn vor Ort ausschließlich
Hydraulikstempel oder Ausbauelemente mit gleichwertigen aktiven Setzkräften zwecks vollständiger
Verspannung der Kappe am Hangenden (min. 20 kN) gesetzt werden. Bei gleichzeitiger
Verwendung von aktiven und passiven Stützelementen geht der Beiwert f in die Formel ein, jedoch
kann die Setzkraft der aktiven Stützelemente ebenfalls um den Faktor 1,63 erhöht werden .

Sofern aktiv gesetzte Stützelemente im nachgeschalteten Bereich durch ein verspanntes Setzen von
anderen Stützelementen ausgetauscht werden, ist vor dem Rauben des aktiven Stützelementes
immer zuerst das neue Stützelement zu setzen und zu verspannen.

3.3 Türstockausbau mit Substitutionsankerung

Bei Überschreiten der größten zulässigen Stützweiten nach Abschnitt 3.2 - z. B. auf Grund
maschinentechnischer Erfordernisse im Vortriebsbereich - sind die fehlenden Mittelstempel
durch eine Substitutionsankerung zu ersetzen. Die Substitutionsankerung ist gem. den
Anforderungen der Anker-Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg vom 23.7.2001
- 83.18 .24.1-2001-2 - durchzuführen.

Beim Türstockausbau mit Substitutionsankerung handelt es sich um zwei unselbstständige
Ausbauarten, die in Kombination miteinander wirken. Sofern daher eine der beiden Ausbauarten
während der gesamten Nutzung des Grubenbaus ihre Ausbaufunktion nicht vollständig erfüllen
kann (z.B. Auflockerung oder Durchbiegung der Dachschichten bei Abbaudurchgang), muss die
andere entsprechend ertüchtigt werden. 

4. Sonstiges

4.1 Verbolzung

Türstockausbau ist zu verbolzen; dazu ist in der Firste und den Stößen je angefangenen 2 m Kappen-
bzw. Stempellänge mindestens eine Verbolzung einzubringen. Die Stoßstempel (ausgenommen
Hydraulikstempel) sind mit mindestens 2 Bolzenreihen zu sichern, wobei eine Reihe so nah wie
möglich (max. Abstand 0,5 m) an den Eckverbindern einzubauen ist.

Bei großen Streckenhöhen oder bei Einfallen der Strecke bzw. des Auf- oder Abhauens ist im
Einzelfall zu prüfen, ob auch das Erfordernis besteht, die Mittelstempelreihe - ausgenommen
Hydraulikstempel - untereinander zu verbolzen.

4.2 Verzug

Die Aufgabe des Verzuges ist es zu verhindern, dass lose Gesteinsschalen in den Streckenhohlraum
hereinbrechen und zu weiteren Auflockerungen des Gebirges führen. Dem Verzug kommt daher
eine besondere Bedeutung in Hinblick auf die Standsicherheit des Grubenbaues zu. Anforderungen
an Verzugsmatten sind im Bergbaubetriebsblatt 21 510/06.95 (Verzugsmatten-Technische
Anforderungen) festgelegt.

4.3 Benachrichtigung des Bergamts

Besondere Ereignisse im Zusammenhang mit der Anwendung der Türstock-Richtlinien sind dem
Bergamt unverzüglich zu melden.



Anhang 1



Anhang 2



Anhang 3



Anhang 4



23.07.2001

83.18.24.1-2001-2


Anker-Richtlinien


A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW - ausgenommen Düren -

Richtlinien über die Verwendung von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau - Anker-Richtlinien -

Die nachfolgend bekannt gemachten Richtlinien ersetzen die Anker-Richtlinien vom 28.5.1998
- 18.24.1-20-3 -, die hiermit aufgehoben werden.

Die Anker-Richtlinien wurden insbesondere dahingehend aktualisiert, dass ein zusätzlicher Anhang
(Anhang 4 neu) mit Anforderungen an die Substitutionsankerung bei Türstockausbau aufgenommen
wurde. Des Weiteren wurden die Richtlinien auch redaktionell, z.B. im Hinblick auf die Neufassung
der Bergverordnung für die Steinkohlenbergwerke (BVOSt), überarbeitet.

Die Aktualisierung der Anker-Richtlinien erfolgte dabei einvernehmlich unter Beteiligung von Vertretern
der Deutschen Steinkohle AG, der Deutschen Montan Technologie GmbH sowie der Bergämter.

Sie werden hiermit gebeten, künftig bei der Zulassung von Betriebsplänen über die Verwendung von
Ankerausbau im Steinkohlenbergbau die Neufassung der Anker-Richtlinien zur Geltung zu bringen.
Bezüglich etwaiger Abweichungen von den Richtlinien wird auf die Rundverfügung vom 18.7.1994
- 09.1-1-1 - (Sammelblatt A 2.1) verwiesen.

Dortmund, den 23.07.2001

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
E k h a r t  M a a t z



R i c h t l i n i e n
über die Verwendung von Ankerausbau
im Steinkohlenbergbau
(Anker-Richtlinien)

Stand: 15.04.2008

 

Inhaltsübersicht  

1. Anwendungsbereich 

2. Begriffsbestimmungen 

3. Allgemeines 

4. Standsicherheitsnachweis 

5. Einbringen des Ankerausbaus 

6. Überwachung des Ankerausbaus 

7. Sachverständige, Ankeringenieure und mit der Durchführung beschäftigte Personen 

8. Sonstiges 

Anhang 1: Standsicherheitsnachweis für bogenförmige Ankerstrecken
Anhang 2: Standsicherheitsnachweis für reine Rechteck-Ankerstrecken
Anhang 3: Standsicherheitsnachweis für Zusatzankerung
Anhang 4: Standsicherheitsnachweis für Substitutionsankerung
Anhang 5: Standsicherheitsnachweis für Sonderfälle
Anhang 6: Einbringen des Ankerausbaus
Anhang 7: Messsysteme zur Überwachung von Ankerausbau

 

1. Anwendungsbereich

Diese Richtlinien enthalten Anforderungen an die Dimensionierung, das Einbringen und die
Überwachung von Ankerausbau im Steinkohlenbergbau unter Tage.

2. Begriffsbestimmungen

Ankerausbau

Der Ankerausbau ist ein Ausbausystem bestehend aus Gebirgsankern zur Aufnahme von
Ausbaukräften.

Das Ausbausystem ist gekennzeichnet durch die nachfolgend genannten Begriffe und definierten
Systemkomponenten:

Zubehör

Zubehör sind Elemente beim Anker, die nicht Gegenstand der Ausbauberechnung sind. Hierzu gehören
z. B. Indikatoren, Meßanker, Lastanker, Verzug, Verzughalteplatte, Kohlenstoßverfestigungsmittel
(z. B. Kunststoff- bzw. Holzanker).

Ausbauberechnung

Die Ausbauberechnung ist ein rechnerischer Nachweis über die Ausbaudimensionierung.

Standsicherheitsnachweis

Der Standsicherheitsnachweis ist ein Plausibilitätsnachweis über die Sicherheit gegen plötzliches
Versagen von Ausbau und Gebirge während der Nutzung des Grubenbaues unter Berücksichtigung
der geologischen, tektonischen und lithologischen Beschaffenheit des Gebirges.

3. Allgemeines

Der Anker ist ein soforttragendes Ausbaumittel. Mit hohem Qualitätsstandard eingebrachter
Ankerausbau kann somit Gebirgsauflockerungen im Ansatz verhindern und den Gebirgsverband
erhalten.

Zusatz- und Substitutionsanker als Ausbaumittel können den Unterstützungsausbau ergänzen bzw.
ersetzen.

Anker, die bei der Herstellung von Grubenräumen als Ausbaumittel eingesetzt werden, sind im
freigelegten Gebirge so dicht an der Ortsbrust wie möglich einzubringen.

In Standssicherheitsbetrachtungen dürfen nur Anker berücksichtigt werden, deren Eignung für
den jeweiligen Einsatzfall nachgewiesen ist.

Der Ankermörtelmuß in der Lage sein, die erforderlichen Kräfte aufzunehmen.

Zu einem Ankerausbausystem gehört neben den Ankern ein im Regelfall eingesetzter Verzug.
Der Verzug soll vermeiden, daß lose Gesteinsschalen zwischen den Ankeransatzpunkten in den
Streckenhohlraum hereinbrechen. Anforderungen an Verzugsmatten sind im Bergbaubetriebs-
blatt 21510 / 06.95 (Verzugsmatten - Technische Anforderungen) festgelegt.

Voraussetzung für die Anwendung eines Ankerausbausystems ist ein Standsicherheitsnachweis.

 

4. Standsicherheitsnachweis

Der Ankerausbau ist so zu dimensionieren, daß die Standsicherheit des Grubenbaus gewährleistet
ist. Dazu ist die Standsicherheit gemäß Anhang 1 - 4 nachzuweisen.

Sofern eine aussagefähige Ausbauberechnung in Sonderfällen nach Anhang 5 nicht möglich ist,
kann die Ausbauberechnung im Einzelfall alternativ durch ein ausreichendes Meßprogramm und
erforderlichenfalls Zusatzmaßnahmen ersetzt werden (siehe Anhang 5).

Besondere betriebliche Einflussfaktoren, wie z. B.

sind im Standsicherheitsnachweis zu berücksichtigen.
Da erfahrungsgemäß beim Entspannungsbohren nach den Gebirgschlag- oder Gasausbruchs-Richtlinien
große Kohlenkleinmengen dem Stoß entnommen werden können, ist die Standsicherheit der jeweiligen
Ankerstrecke von einem Ankeringenieur oder Sachverständigen nach Abschnitt 7 gemeinsam mit dem
Test- und Entspannungsbeauftragten nach Abschnitt 7.2 der Gebirgsschlag-Richtlinen neu zu beurteilen.


5. Einbringen des Ankerausbaus

Voraussetzung für die Standsicherheit des Grubenbaus ist das ordnungs- gemäße Einbringen
der Gebirgsanker. Hierbei kommt der Auswahl

eine entscheidende Bedeutung zu.

Einzelheiten zum Erstellen der Bohrlöcher und zum Einbringen der Anker - zum Beispiel
Drehzahl und Vorschubgeschwindigkeit beim Patronenverfahren - sind dem Anhang 6 und
der Betriebsempfehlung Nr. 20.6 "Ankern im Steinkohlenbergbau" zu entnehmen.

 

6. Überwachung des Ankerausbaus

Die Standsicherheit des geankerten Grubenbaus ist durch ein Meßprogramm mit einer ausreichenden
Meßdichte gemäß Anhang 7 regelmäßig zu überwachen.

Durch das verwendete Meßsystem müssen Bewegungen des Gebirges und die Funktionstüchtigkeit
des Ausbaus angezeigt oder beurteilbar werden.

Die Meßeinrichtungen sind im Zuge der Auffahrung frühstmöglich, jedoch spätestens 3 m hinter
der letzten Ankerreihe einzubringen. In Sprengbetrieben müssen die Messeinrichtungen spätestens
nach dem Sprengen des nächsten Abschlages eingebracht werden.

Die Meßintervalle sind in Abhängigkeit von der Gebirgsbewegung und der Nutzung des Grubenraumes
(Vortrieb, Standzeit, Zusatzbeanspruchung) festzulegen.

Deuten die Meßergebnisse, andere Anzeichen oder Maßnahmen wie z. B.

darauf hin, dass die Standsicherheit des Grubenbaus in Frage zu stellen ist, sind erforderlichenfalls
ausbautechnische Ersatzmaßnahmen (zum Beispiel Zusatzanker, Unterstützungsausbau) zu ergreifen.

Die dazu notwendigen Ausbaumittel sind so zu bevorraten, dass kurzfristig - im Regelfall innerhalb
einer Schicht - mit den Ausbaumaßnahmen begonnen werden kann.

Der Ankeringenieur nach Abschnitt 7, 2. Absatz, ist über diese durchgeführten Maßnahmen
umgehend zu informieren und zur Beratung und erforderlichenfalls zur Veranlassung weiterer
Maßnahmen hinzuzuziehen.

 

7. Sachverständige, Ankeringenieure und mit der Durchführung beschäftigte Personen

Sachverständige sind in Zweifelsfällen bei der Beurteilung

Die Sicherstellung der erforderlichen Ausbauqualität für die Ankerprojekte ist vom Unternehmer
zu gewährleisten. Er hat für die Planung, die Erstellung von Standsicherheitsnachweisen und für die
Überwachung des Ankerausbaus eine Person mit der erforderlichen Fachkunde - im Regelfall den
Streckenausbauingenieur - (Ankeringenieur) hinzuzuziehen. Dieser Ankeringenieur ist nach einem Plan,
der dem Landesoberbergamt NRW anzuzeigen ist, auszubilden und entsprechend dem Stand der
Technik nachzuschulen.

Die mit der Durchführung von Ankerarbeiten beschäftigten Personen sind in der Ankertechnik zu
unterweisen und im Bedarfsfall - z.B. bei der Anwendung neuer Techniken - nachzuunterweisen.

 

8. Sonstiges

8.1 Dynamische Krafteinleitung

Sofern eine dynamische Krafteinleitung (z.B. EHB-Betrieb, Energiezug) über Anker erfolgt, sind
Lastanker zu verwenden. Die dabei auftretenden Belastungen sind im jeweiligen Standsicherheits-
nachweis zu berücksichtigen.

8.2 Dokumentation

Die Meßergebnisse nach Abschnitt 6 sind zu dokumentieren und mindestens bis zum Abwerfen
des betreffenden Grubenbaus aufzubewahren.

8.3 Benachrichtigung des Bergamtes

Das Bergamt ist unverzüglich zu benachrichtigen, wenn die Standsicherheit des geankerten
Grubenbaus gefährdet ist.





Anhang 1

Standsicherheitsnachweis für bogenförmige Ankerstrecken

Grundsatz

Der zu ankernde Grubenbau ist hinsichtlich folgender Punkte zu untersuchen:

Berechnung

Die Ausbauberechnung muß beinhalten:

Bewertung

Die Standsicherheit gilt als nachgewiesen, wenn

Beim Überschreiten der kritischen Konvergenz ist eine messtechnische Überwachung nach
Anhang 7 vorzusehen, die sicherstellt, daß ein Versagen des Ankerausbaus rechtzeitig erkannt
und die Standsicherheit des Grubenbaus - erforderlichenfalls durch Zusatz- oder Ersatzmaßnahmen -
gewährleistet ist.



Anhang 2

Standsicherheitsnachweis für reine Rechteck-Ankerstrecken

Grundsatz

Der zu ankernde Grubenbau ist hinsichtlich folgender Punkte zu untersuchen:

Berechnung

Die Ausbauberechnung muß beinhalten:

Bewertung

Die Standsicherheit gilt als nachgewiesen, wenn



Anhang 3

Standsicherheitsnachweis für Zusatzankerung als tragendes Ausbaumittel

Grundsatz

Der zu ankernde Grubenausbau ist hinsichtlich folgender Punkte zu untersuchen:

Berechnung

Die Ausbauberechnung muß je nach Anwendung beinhalten:

Bewertung

Die Standsicherheit gilt als nachgewiesen, wenn



Anhang 4

Standsicherheitsnachweis für Substitutionsankerung 
als Ersatz von Stempeln in Rechteckstrecken

Grundsatz

Der zu ankernde Grubenausbau ist hinsichtlich folgender Punkte zu untersuchen:

Berechnung

Die Ausbauberechnung muss je nach Anwendung beinhalten:

Grundsätze der Berechnung von Substitutionsankerungen enthält Anhang 4.1.

Bewertung

Die Standsicherheit gilt als nachgewiesen, wenn



Anhang 4.1

Grundsätze der Berechnung von Substitutionsankerung

Beim kombinierten Anker-Türstockausbau kann die Anzahl von Mittelstempeln durch
gezielt eingebrachte Anker reduziert werden; ggfs. kann auf Mittelstempel verzichtet werden.

Die Ausbauberechnung ist ein Bestandteil des Standsicherheitsnachweises.

Für die Anwendung der Substitutionsankerung ist eine geologisch geotechnische Aufnahme und
Bewertung der Gebirgsverhältnisse erforderlich. Dazu muß neben der Ankerbarkeit des Gebirges
in Abhängigkeit von der Gebirgsbeschaffenheit die Geometrie, d. h. Größe, Form und Gewicht
des geotechnischen Kluftkörpers bzw. von Teilkluftkörpern, ermittelt werden (siehe Skizze,
Anhang 4.2).

Aufzuhängende Lasten (z. B. EHB-Betrieb) sind bei der Ausbauberechnung zu berücksichtigen.

Bei der Ausbauberechnung werden neben den stützenden Ausbaumitteln nur diejenigen Anker
berücksichtigt, die den jeweiligen geotechnischen Kluftkörper in Abhängigkeit des Ankertyps
mit ausreichender Länge ( ³ 0,5 m) durchstoßen.

Beim Einsatz von aktiven Stützelementen (z. B. HD-Stempeln) ist für die Berechnung des
tatsächlich eingebrachten Ausbauwiderstandes (Aw) die Setzkraft dieser aktiven Ausbaumittel
mit dem dynamischen Faktor (1,63) zu multiplizieren. Sofern daher aktive Stützelemente im
nachgeschalteten Bereich durch andere Stützelemente ersetzt werden, ist vor dem Rauben des
aktiven Stützelementes immer zuerst das neue Stützelement zu setzen und zu verspannen.
Anderenfalls ist der Ausbauwiderstand neu zu berechnen. Die Ausbauberechnung muß
folgende Bedingungen erfüllen:

Aw > Awg,

zul. ³ c (siehe Anhang 4.2).

Der Abstand der eingesetzten Ausbaumittel darf I zul. nicht überschreiten.

Bei der Anwendung der Substitutionsankerung ist eine meßtechnische Überwachung gemäß
Anhang 7 im Standsicherheitsnachweis festzulegen.

Die Berechnungsformeln und das Formelverzeichnis enthalten die Anhänge 4.2 und 4.3.



Anhang 4.2



Anhang 4.3



Anhang 5

Standsicherheitsnachweis für Sonderfälle

Sonderfälle sind Ausbauformen, die keine physikalisch aussagefähige Ausbauberechnung
ermöglichen (ggf. Strebendstellung, Durchfahren eines nicht verfüllten Grubenbaus) oder
für die der rechnerische Nachweis nicht geführt werden kann.

Grundsatz

Der zu ankernde Grubenausbau ist hinsichtlich folgender Punkte zu untersuchen:

Bewertung

Folgende Anforderungen müssen erfüllt werden:



Anhang 6

Einbringen des Ankerausbaus

Bohrlochlänge und Bohrlochdurchmesser

Beim Patronenverfahren (in der Regel Klebeharze) hängt die Wahl des Bohrlochdurchmessers und
der Bohrlochlänge von den Abmessungen des zu setzenden Ankers ab, um eine Vollverklebung zu
gewährleisten.

Der Bohrlochdurchmesser sollte dabei so gewählt werden, daß eine Ringspaltbreite von
max. 3 bis 4 mm gegeben ist. Bei größerer Ringspaltbreite sind die übertragbaren Ankerkräfte
durch Prüfstands- oder in situ- Versuche nachzuweisen.

Beim Füllmörtelverfahren muß die Ringspaltbreite > 3 mm betragen.

Einbringen der Anker

Für das Einbringen von Gebirgsankern kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht:

Füllmörtelverfahren

Beim Füllmörtelverfahren wird das Bohrloch mit Ankermörtel verfüllt.

Das Füllmörtelverfahren empfiehlt sich insbesondere bei der Langankertechnik, der Abfangankerung
oder wenn das Gebirge klüftig oder bereits durch Rißbildung aufgelockert ist. Die Abbindezeit des
Ankermörtel ist dabei zu berücksichtigen.

Patronenverfahren

Beim Patronenverfahren wird das Bohrloch mit Klebepatronen beschickt. Dabei muß das
Patronenvolumen dem Ringraum so angepaßt werden, daß eine Vollverklebung sichergestellt ist.
Werden endverklebte Anker eingesetzt, so ist die ordnungsgemäße Herstellung der Endverklebung
gegebenenfalls durch Zugversuche nachzuweisen.

Injektionsverfahren

Beim Injektionsverfahren wird der Ringspalt zwischen einem eingebrachten Anker und der
Bohrlochwandung mit einem fließfähigen Injektionsmörtel verfüllt.

Einbringen von Reibschlußankern

Beim Einbringen von Reibschlußankern ist eine ausreichende Vorspannung des Verbundelementes
sicherzustellen. Die Eignung von Reibschlußankern ist durch Zugversuche für das jeweilige Vorhaben
- insbesondere in Sprengvortrieben - nachzuweisen und während des Betriebes stichprobenartig zu
bestätigen.



Anhang 7

Meßsysteme zur Überwachung von Ankerausbau

Das Meßprogramm für Ankerstrecken in Rechteck- und in Bogenform sowie für die
Zusatzankerung kann folgende Meßsysteme beinhalten:

  1. Konvergenzmessung
  2. Tell-Tales (Mehrfachextensometer; s. Anhang 7.1)
  3. Kraftmeß- oder Widerstandsmeßanker (s. Anhänge 7.2 u. 7.3)
  4. Laststufenindikator (s. Anhang 7.5)
  5. Bohrlochuntersuchungen mit dem Endoskop

Die Anzahl und Art der eingesetzten Meßsysteme je Meßstation und die Dichte der Stationen
ist von den einzelnen Vorhaben abhängig. Tell-Tales sind in jedem Fall bei der Auffahrung
spätestens 3 m hinter der letzten Ankerreihe einzubringen. In Sprengbetrieben müssen die
Messeinrichtungen spätestens nach dem Sprengen des nächsten Abschlages eingebracht werden.
Die Festlegung der meßtechnischen Überwachung ist für jedes Flöz vorzunehmen.

Weitere gleichwertige Projekte im gleichen Flöz können dann im Regelfall mit einer regelmäßigen,
aber reduzierten Meßüberwachung durchgeführt werden, sofern die zugehörige geotechnische und
gebirgsmechanische Begutachtung diesem nicht entgegensteht.

Bei Vorliegen ausreichender betrieblicher Erfahrungen für gleichartige Projekte in bekannten
Flözhorizonten kann die messtechnische Überwachung entfallen.

Für eine Rechteckstreckenankerung ohne Abbaueinwirkung ist die meßtechnische Überwachung
im folgenden beispielhaft aufgeführt:

Die Einführung in einem neuen Flöz erfolgt in zwei Phasen.

Die Phase 1 ist die Kombination von Ankerausbau und Türstockausbau ohne Hangend-
kontakt auf einer Auffahrlänge von 4 x b (b = Sohlenbreite). Dabei ist zu beachten, daß
der Ankerausbau zuerst eingebracht wird. Nach einer Auffahrlänge von 2 x b wird die im
Anhang 7.3 beschriebene Meßstation eingebaut.

Die Phase 2 (alleiniger Ankerausbau) beginnt nach dem Kombinationsausbau, wenn die
Ergebnisse der vorgenannten Meßstation (Phase 1) die Standsicherheit bestätigen. Zur
Bestätigung bzw. Überprüfung des tragenden Gesteinsbalkens wird nach 30 - 60 m reinem
Ankerausbau eine zweite komplette Meßstation nach Anhang 7.4 eingebaut. Anschließend
werden in der laufenden Auffahrung im Abstand von 30 - 80 m jeweils 3 Tell-Tales als
Meßstation eingebaut.

Aufgrund der erzielten Meßergebnisse oder im Hinblick auf die weitere Nutzung (Abbaueinwirkung)
der jeweiligen Ankerstrecke kann es erforderlich werden, die meßtechnische Überwachung um
weitere Meßsysteme (Widerstandsmeß-, Kraftmeßanker, Endoskopiebohrlöcher) zu ergänzen.

In besonderen Fällen (Abbaukanten, Störungen etc.) können innerhalb einer Ankerstrecke zusätzliche
Meßstationen bzw. -horizonte notwendig werden.



Anhang 7.1 - Bild



Anhang 7.2 - Bild



Anhang 7.3 - Bild



Anhang 7.4 - Bild



Anhang 7.5 - Bild



09.08.2001

83.18.7-1999-9


Ortsbrust- und Stoßsicherungen


A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW

Ortsbrust- und Stoßsicherungen

Auf Empfehlung der Gemeinschaftsaufgabe Arbeitsschutz (GAAS) wurde unter Beteiligung
von Vertretern der Bergbau-Berufsgenossenschaft, der Bezirksregierung Arnsberg, des
Bergamtes Kamen, der DSK-Ruhr und DSK-Saar, der Fa. Thyssen Schachtbau GmbH sowie
der IGBCE einvernehmlich der "Leitfaden für die Gestaltung von Ortsbrust- und Stoßsicherungen
in Streckenvortrieben des deutschen Steinkohlenbergbaus" erarbeitet.

Die BBG-Bochum hat die Verbreitung des Leitfadens auf den Bergwerken der DSK sowie die
Übersendung an die Bergämter und andere interessierte Stellen übernommen. Weitere Exemplare
können bei der BBG-Bochum oder der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung 8, angefordert werden.

Der Leitfaden empfiehlt als Ortsbrustsicherung neben der 1-Strang-Bühne mit integrierter Orts-
brustsicherung ausschließlich das Ankern. Andere Möglichkeiten der Ortsbrustsicherung sind
auf Sonderfälle (z.B. Streckenansätze) zu beschränken und im zugehörigen Betriebsplanantrag
besonders zu begründen.

Ich bitte, die im Leitfaden beschriebenen Anforderungen an Ortsbrust- und Stoßsicherungen im
Betriebsplanverfahren zur Geltung zu bringen und die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung
Bergbau und Energie in NRW, über wesentliche Abweichungen von diesen Anforderungen zu
unterrichten.

Vorstehende Rundverfügung ersetzt die Verfügungen vom 9.8.1976 - 18.22.1-6-86 - und
vom 30.6.1982 - 18.22.1-9-6 - (SBl. A 2.16), die hiermit aufgehoben werden.

Dortmund, den 9.8.2001


Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
E k h a r t  M a a t z



03.02.2003

83.18.24.1-2003-1


Hydraulischer Grubenausbau


A 2.16

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Inverkehrbringen von hydraulischem Grubenausbau

Mit der 9. Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz (9. GSGV-Maschinenverordnung) wurde
die EG-Maschinenrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Die Maschinenverordnung regelt das
Inverkehrbringen von Maschinen, wobei der hydraulische Schreitausbau sowie hydraulische
Einzelstempel auch als Maschinen gelten. Mit dem Ablauf der Übergangsfrist zum 31.12.1994
darf hydraulischer Grubenausbau nur noch in den Verkehr gebracht werden, wenn er den
Anforderungen des Anhangs I der Maschinenverordnung entspricht, der Hersteller die Konformität
nach Anhang II bestätigt und der Ausbau mit dem CE-Kennzeichen nach Anhang III versehen ist.

Die Anforderungen des Anhangs I werden durch harmonisierte europäische Normen konkretisiert.
Solange diese noch nicht vorliegen, gelten entsprechende nationale Regelungen (Normen und
technische Spezifikationen) weiter.

Für den hydraulischen Schreitausbau wird eine mandatierte Norm unter EN 1804 "Maschinen
für den Bergbau unter Tage - Sicherheitsanforderungen für hydraulischen Schreitausbau" erarbeitet.
Diese Norm beinhaltet im Wesentlichen die vom jeweiligen Hersteller zu beachtenden Sicherheits-
anforderungen sowie die Prüfanforderungen, die von einer akkreditierten Prüfstelle im Rahmen einer
erforderlichen Bauartprüfung nachzuweisen sind. Grundlage dieser europäischen Norm sind die
einschlägigen Richtlinien und Rundverfügungen des ehemaligen Landesoberbergamts NRW, so dass
das bisherige Sicherheitsniveau erhalten bleibt.

Nach Mitteilung des "Normenausschusses Bergbau" im "DIN Deutsches Institut für Normung e.V."
sind nunmehr die ersten beiden Teile dieser Norm als

DIN EN 1804-1 Maschinen für den Bergbau unter Tage - Sicherheitsanforderungen für
                           hydraulischen Schreitausbau - Teil 1: Ausbaugestelle und allgemeine Anforderungen;
                           Deutsche Fassung EN 1804-1:2001 und

DIN EN 1804-2 Maschinen für den Bergbau unter Tage - Sicherheitsanforderungen für hydraulischen
                           Schreitausbau - Teil 2: Stempel und Zylinder; Deutsche Fassung EN 1804-2:2001 

mit Ausgabedatum Februar 2003 im Beuth-Verlag GmbH, 10772 Berlin, erschienen und dort gegen
Gebühr zu beziehen. Damit erfolgen nunmehr die Prüfungen von Ausbaugestellen sowie zugehörigen
Stempeln und Zylindern ausschließlich nach diesen Normen. Darüber hinaus haben die akkreditierten
europäischen Prüfstellen für Schreitausbau vereinbart, dass die Bauart hydraulischer Einzelstempel
aufgrund des vergleichbaren Sicherheitsniveaus ebenfalls nach EN 1804-2 geprüft wird.

In der Bundesrepublik Deutschland sind für die Prüfung und Zertifizierung hydraulischen Schreit-
ausbaus die Prüflaboratorien bzw. Zertifizierstellen des Materialprüfungsamtes NRW (MPA)
sowie der Deutschen Montan Technologie GmbH (DMT) akkreditiert. Beide Zertifizierstellen
dokumentieren und veröffentlichen ihre Zertifikate auch im Ausbau-Sammelbuch der Bezirksregierung
Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, um damit auch künftig den Bergämtern sowie
den Ausbauingenieuren der Bergwerke eine komplette Liste des genehmigten bzw. zertifizierten
(vormals zugelassenen) Grubenausbaus zur Verfügung stellen zu können.

Das Genehmigungsverfahren nach § 28 BVOSt für nicht-hydraulische Ausbauteile und Ausbauzu-
behör bleibt von vorgenannter Verfahrensweise unberührt. Als Prüfstellen sind hier ebenfalls die
Prüflaboratorien des MPA und der DMT - ausgenommen Ankerausbau - von der Bezirksregierung
Arnsberg anerkannt. Zu beachtende Besonderheiten beim Genehmigungsverfahren von Ankerausbau
sind Gegenstand der Ankergenehmigungs-Richtlinen vom 31.08.2000 - 18.24.1-2000-1 - (ebenfalls
veröffentlicht unter A 2.16).

Mit Herausgabe der beiden ersten Teile der DIN EN 1804 werden folgende Richtlinien und
Rundverfügungen gegenstandslos:

Dortmund, den 03.02.2003

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:
 M i c h a e l  K i r c h n e r



21.12.2004

83.18.22.1-2004-1

Einsatz von mineralischen
Baustoffen unter Tage

A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW

Einsatz von mineralischen Baustoffen unter Tage

Auf Grund der zunehmenden Verwendung von Baustoffen im nordrhein-westfälischen
Steinkohlenbergbau – insbesondere als Streckenausbau (Spritzbeton ) – hat die Deutsche
Steinkohle AG ( DSK ) unter Beteiligung der Abt. 8 der Bezirksregierung Arnsberg die
als Anlage beigefügten "DSK – Regelungen zum Einsatz von mineralischen Baustoffen"
erarbeitet.

Dazu hat mir die DSK zwischenzeitlich mitgeteilt, dass sie diese Regelungen auf ihren Bergwerken
mit Aufnahme in das Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument umsetzt und in die "Liste der
anerkannten Verwaltungsvorschriften" einfügt, die ab dem 1.1.2005 spätestens bei Neufassungen
von Hauptbetriebsplänen als regelmäßig zu aktualisierende Anlage den jeweiligen Hauptbetriebs-
plänen beigefügt wird.

Nach Abschnitt 3 der Regelungen ist bei Verwendung von Baustoffen als alleiniger Ausbau oder
bei Einrechnung als Kombination mit anderen Ausbauelementen (z. B. Anker) ein entspr.
Standsicherheitsnachweis zu führen. Auf Grund noch fehlender Erfahrungen sind im deutschen
Steinkohlenbergbau entsprechende Standard-Verfahren zur Standsicherheitsberechnung noch
nicht vorhanden.

In sofern werden Sie hiermit gebeten, für künftige untertägige Einsätze von mineralischen Baustoffen
im Steinkohlenbergbau sicher zu stellen, dass bei einer Verwendung von Baustoffen als alleiniger
Ausbau oder bei Einrechnung als Kombination mit anderen Ausbauelementen (z.B. Anker) bis auf
weiteres ein entspr. Standsicherheitsnachweis nach Maßgabe der beigefügten Regelungen durch
einen Sachverständigen/eine sachverständige Stelle geführt wird.

Dies schließt auch das Konsolidieren von Ortsbrust und Stößen in Vortrieben zur Verhinderung
von Stein- und Kohlenfall ein.

Die Rundverfügung vom 12.2.1987 - 18.22.1 – 10 – 5 – (Sammelblatt A 2.16) wird hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg

Im Auftrag:

K i r c h n e r


 

DSK-Regelungen zum Einsatz von mineralischen Baustoffen unter Tage

1

Anwendungsbereich

 

Diese Regelungen gelten für alle Grubenbaue der Bergwerke in der DSK. Sie beschreiben die grundsätzlichen, zu berücksichtigenden Gesichtspunkte beim Einsatz von mineralischen Baustoffen gemäß nachfolgender Definitionen. Vom Anwendungsbereich ausgenommen sind die maschinentechnischen Aspekte, die Einrichtungen zum Einbringen von Baustoffen gemäß Anlage 1, sowie Sonderbaustoffe, wie z.B. Injektions- und Ankermörtel.

2

Definitionen

 

 

Hinterfüllen:

Verfüllen von Hohlräumen zwischen den mit Verzugsmatten und Abdichtgewebe (z.B. Jute) hinterlegten  Stahlbögen und dem Gebirge.

 

Durchspritzen: 

Verfüllen von Hohlräumen zwischen den mit offenen Verzugsmatten versehenen Stahlbögen und dem Gebirge durch radialen Auftrag des Baustoffes. Hierbei kann der Verzug mit eingespritzt werden.

 

Versiegeln:

Verschließen von Rissen und Klüften durch Auftrag mit nicht weiter definierter Spritzstärke, um dichte  Oberflächen zu schaffen.

 

Anspritzen /
Torkretieren:

Auftragen von anhaftendem Baustoff mit oder ohne bewehrende(n) Fasern in definierter Spritzstärke.

 

Konsolidieren:

Anspritzen freigelegter Gesteinsflächen mit soforttragenden Baustoffen ( 5 N/mm² nach 1 h ) zur schnelleren Sicherung gegen Stein- und Kohlenfall.

3

Allgemeine Anforderungen

  •  

Das freiliegende Gebirge ist vor dem Auftragen/Einbringen des Baustoffs aus sicherem Stand sorgfältig zu bereißen.
  •  

Der Baustoff ist auf Grundlage vorliegender schriftlicher Anweisungen - bezogen auf die Randbedingungen des jeweiligen Einsatzfalles - einzubringen.

  •  

Das Auftragen/Einbringen des Baustoffes hat aus gesichertem Bereich heraus zu erfolgen.

  •  

Spritzschatten sind - so weit wie möglich - zu vermeiden.

  •  

Soll mit Baustoff die Standsicherheit gewährleistet werden, ist hierüber ein Nachweis zu erbringen. Dies gilt auch für Ortsbrustsicherungen mit Baustoffen.

  •  

Die vorgegebene Stärke der Baustoffschicht sowie die Baustoffqualität sind gemäß des zugehörigen Standsicherheitsnachweises regelmäßig zu prüfen.

  •  

Beim Auftreten von Besonderheiten - wie z.B. bei Wasserzufluss oder Konvergenz - hat die zuständige verantwortliche Person entsprechende Maßnahmen festzulegen.

  •  

Die für Arbeiten mit Baustoffen vorgesehenen persönlichen Schutzausrüstungen sind zu tragen. Die Arbeitsschutzmaßnahmen der "Betriebsanweisung für Personen, die mit hydraulisch abbindenden Baustoffen umgehen" (Handbuch Arbeitssicherheit
Nr. 849203), sind zu beachten (siehe Anlage 2).

  •  

Die Dichtheit der Rohrleitungen und Bunker, in denen Baustoffe gefördert bzw. gelagert werden, ist zu gewährleisten.

 

 

4

Besondere Anforderungen bei der Anwendung der Spritzverfahren

 

Bei der Anwendung des Nassspritzverfahrens (hydromechanische oder hydraulische Verarbeitung) sind folgende Gesichtspunkte zu beachten:

  •  

Funktion und Zustand der Mischeinrichtung sind vor Aufnahme und nach Ende der Spritzarbeiten zu prüfen.

  •  

Die vorgegebene Wasserzugabemenge ist unbedingt einzuhalten, um die geforderten technologischen Eigenschaften (Festigkeit, Abbindeverhalten) zu gewährleisten.

  •  

Die maximal zulässige Menge von Erstarrungsbeschleunigern darf nicht überschritten werden, um die Endfestigkeit des eingebrachten Baustoffs sicher zu stellen.

  •  

Bei Hinterfüllarbeiten ist darauf zu achten, dass das Abdichtgewebe ordnungsgemäß eingebracht ist und dicht abschließt.

  •  

Größere Spülwassermengen sind vorzugsweise in Absetzbecken oder in abgeworfene Grubenräume zu leiten. Das in Absetzbecken vom Feststoff befreite Spülwasser kann der Baustoffmischeinrichtung wieder zugeführt werden.

 

Bei der Anwendung des Trockenspritzverfahrens (pneumatische Verarbeitung) ist insbesondere zu beachten, dass die Funktion und der Zustand der Bedüsungseinrichtung unmittelbar vor Aufnahme und sowie nach Ende der Spritzarbeiten geprüft werden.

Anlage 1:

Auszug aus der Technikstrategie -Bereich Vorleistung- Bild1

Auszug aus der Technikstrategie -Bereich Vorleistung- Bild2


Anlage 2

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Chemische Arbeitsstoffe


Nr.: 849203

HANDBUCH
ARBEITSSICHERHEIT

Betriebsanweisung für Personen
die mit hydraulisch abbindenden
Baustoffen umgehen


Stand: 07/89

Betriebsanweisung

für Personen, die mit hydraulisch abbindenden Baustoffen umgehen

Ausgabe: Juli 1989
RAG-Nr. 849203

1. Allgemeines

1.1 Diese Betriebsanweisung gilt für Personen, die mit Baustoffen umgehen. Zum Beispiel bei dem
      Herstellen von Streckenbegleitdämmen,

1.2 Mit Baustoffen dürfen nur Personen umgehen, die hierfür unterwiesen und beauftragt sind.

1.3 Die meisten hydraulisch abbindenden Bau- und Zumischstoffe können durch ihre ätzende Wirkung
     Schädigungen der Haut hervorrufen. Besonders gefährdet sind Augen, Schleimhäute und Wunden
     sowie Reib- und Schwitzstellen.

1.4 Betriebsanleitung, Betätigungs- und Wartungsanweisung des Herstellers der Maschine sowie die
      Verarbeitungshinweise für den Baustoff sind zu beachten.

1.5 Hinweis- und Warnschilder beachten.

1.6 Undichte Maschinen und Leitungen könne zu Verletzungen und Staubentwicklungen führen.
      Festgestellte Mängel an Maschinen oder Leitungen sofort beseitigen. Ist dies nicht möglich,
      die zuständige Aufsichtsperson benachrichtigen. Können durch Mängel Personen gefährdet
      werden, muß die Anlage außer Betrieb genommen werden.

2. Persönliche Körperschutzmittel

2.1 Beim Umgang mit Baustoffen müssen persönliche Körperschutzmittel getragen werden
      (z. B. Augen-/Gesichtsschutz, Atemschutz, Schutzkleidung, Stulpenhandschuhe).

2.2 Freie Körperstellen schützen (z. B. durch Hautschutzcreme).

3. Maßnahmen bei Hautkontakt mit Baustoffen

3.1 Augenspritzer sind mit viel Wasser auszuspülen. Der werksärztliche Dienst ist unverzüglich
     aufzusuchen.

3.2 Spritzer auf der Haut sofort gründlich mit Wasser abwaschen.

4. Betriebsvorbereitung

4.1 Vor Aufnahme des Betriebes den sicheren Standort und die ordnungsgemäße Installation
      der Anlage überprüfen (besonders bei mobilen Anlagen). Sicherstellen, daß ausreichende
      Betätigungsfreiräume vorhanden sind.

4.2 Vor Aufnahme des Betriebes auf Vorhandensein und Funktionsfähigkeit überprüfen:

4.2 Bei zentraler Baustoffversorgung auf die richtige Anwahl der anfordernden Betriebe achten
      (Rohrleitungsweiche).

4.3 Vor Aufnahme des Betriebes überprüfen, ob sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten.

5. Betrieb

5.1 Bei laufendem Betrieb auf folgendes achten:

5.2 Niemals Schutzvorrichtungen ändern oder entfernen.

6. Betriebsstörungen, Wartungs- und Reparaturarbeiten

6.1 Störungsbeseitigungen, Wartungs- und Reparaturarbeiten dürfen nur bei stillgesetzter und
     druckentlasteter Anlage durchgeführt werden. Die Anlage gegen unbefugtes Wiedereinschalten
     sichern.

6.2 Beseitigung von Leitungsverstopfern

7. Nach Betrieb

7.1 Nach Beendigung der Baustoffversorgung

7.2 Nach Beendigung der Arbeiten die Anlage gegen unbefugte Inbetriebnahme sichern.

8. Zusätzliche betriebliche Anweisungen



21.12.2004

83.18.24.1-2004-2

Schweißarbeiten an Ausbauteilen

A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW (außer Bergamt Düren)


Schweißarbeiten an Ausbauteilen


Die Anforderungen an das Schweißen von Ausbaugestellen sowie von Stempeln und Zylindern
(hydraulischer Grubenausbau) sind in den europäischen Normen DIN EN 1804-1 und
DIN EN 1804-2 abschließend geregelt.

Für Schweißarbeiten an nicht-hydraulischen Ausbauteilen hat der Schweißbetrieb den großen
Eignungsnachweis zum Schweißen von Ausbauteilen für den Bergbau nach
DIN 18 800-7 : 2002-09, Abschnitt 13.4, Klasse D, Tabellen 12 und 14 mit folgenden
Abweichungen zu führen:

  1. Die Verfahrensprüfung soll sich auf die speziell beim Grubenausbau verwendeten Werkstoffgüten
    beziehen.
  2. Als Schweißaufsicht nach Tabelle 14, Spalte D a.a.O. ist nicht in jedem Fall ein Schweiß-
    Fachingenieur erforderlich. Maßgebend ist, dass die für den Betrieb zuständige Schweißaufsichts-
    person der anerkannten Stelle eine entsprechende Sachkunde nachweist, die z.B. in langjähriger
    praktischer Erfahrung erworben sein kann. Als anerkannte Stelle ist eine der in DIN 18 800-7 *)
    genannten Stellen (z.B. die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt in Duisburg) heran zu
    ziehen.

Vorstehende Anforderungen an das Schweißen von hydraulischen sowie nicht-hydraulischen
Ausbauteilen gelten auch für Schweißarbeiten im Rahmen der Instandsetzung von Grubenausbau.

Die Deutsche Steinkohle AG hat mir mitgeteilt, dass sie bei der Auftragsvergabe für neue und instand
zu setzende Ausbauteile nur Betriebe berücksichtigt, welche die vorstehenden Anforderungen erfüllen
und dass sie diese Rundverfügung in die "Liste der anerkannten Verwaltungsvorschriften" einfügt, die
ab dem 1.1.2005 spätestens bei Neufassung von Hauptbetriebsplänen als regelmäßig zu aktualisierende
Anlage den jeweiligen Hauptbetriebsplänen beigefügt wird.

Die Rundverfügung vom 25.4.1990 - 18.24.1-12-27 – (ebenfalls veröffentlicht unter A 2.16) wird
hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 21.12.2004

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
K i r c h n e r

*) Die DIN EN 1090-1 kann neben der DIN 18 800-7 verwendet werden.
   Ab dem 01.07.2014 ist dann nur noch die DIN EN 1090-1 anzuwenden.

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21.12.2004

83.18.24.1-2004-1

Anforderungen an die Instandsetzung
von Grubenausbau
- Instandsetzungs-Richtlinien -

A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW

Anforderungen an die Instandsetzung von Grubenausbau (Instandsetzungs-Richtlinien)

Die gesetzlichen Vorgaben für das Inverkehrbringen von hydraulischem sowie nicht-hydraulischem
Grubenausbau sind in der Rundverfügung vom 3.2.2003 – 83.18.24.1-2003-1 – (Sammelblatt A 2.16)
beschrieben.

Nach § 15 Abs. 4 ABBergV hat der Unternehmer (Verwender von Grubenausbau) u. a. dafür zu sorgen,
dass der Ausbau regelmäßig geprüft und instandgehalten wird. Die dafür erforderlichen Instandsetzungs-
arbeiten wurden in der Vergangenheit von Herstellern, Ersatzteillieferanten, Instandsetzungsbetrieben
und Verwendern von Grubenausbau teilweise unterschiedlich gehandhabt.

Dies gab Veranlassung, die nachfolgend bekannt gemachten "Anforderungen an die Instandsetzung von
Grubenausbau (Instandsetzungs-Richtlinien)" zu erarbeiten und im Einvernehmen mit den notifizierten
Prüfstellen für hydraulischen Ausbau, den anerkannten Prüfstellen für nicht-hydraulischen Ausbau,
dem Oberbergamt für das Saarland und das Land Rheinland-Pfalz sowie Vertretern des Steinkohlen-
bergbaus festzulegen.

Die Deutsche Steinkohle AG hat mir mitgeteilt, dass sie bei der Auftragsvergabe für instand zu setzende
Ausbauteile nur Betriebe berücksichtigt, welche die vorstehenden Anforderungen erfüllen und dass sie
diese Richtlinien in die "Liste der anerkannten Verwaltungsvorschriften" einfügt, die ab dem 1.1.2005
spätestens bei Neufassung von Hauptbetriebsplänen als regelmäßig zu aktualisierende Anlage den
jeweiligen Hauptbetriebsplänen beigefügt wird.

Mit der Veröffentlichung der "Instandsetzungs-Richtlinien" werden die Rundverfügungen vom
5.4.1993 – 18.24.1-14-6 – und vom 6.11.2000 – 18.8.-2000-9 – (beide veröffentlicht im Sammelblatt
unter A 2.16) gegenstandslos.

Dortmund, den 21.12.2004

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen

Im Auftrag
K i r c h n e r


Anforderungen an die Instandsetzung von Grubenausbau
-  Instandsetzungs-Richtlinien –

1.

Definitionen und Anwendungsbereich

 

Instandsetzung ist das Aufarbeiten sowie Austauschen von Bauteilen oder schadhaften Teilen zur Wiederherstellung eines dem Ursprungszustand gleichwertigen, sicherheitlich einwandfreien Zustandes von Grubenausbau zum Zwecke der betrieblichen Wiederverwendung. Im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten können auch Änderungen am Grubenausbau anfallen.

Instandsetzungsarbeiten im Sinne dieser Richtlinien sind
- Arbeiten am Grubenausbau, die mit einer teilweisen oder kompletten Demontage verbunden sein können, ohne Änderungen von Bauteilen,
- Änderungen an Bauteilen des Grubenausbaus, die die Leistung, Funktion oder Sicherheitstechnik berühren, in Verbindung mit oder ohne Reparaturarbeiten

Die Instandsetzung des Ausbaus kann in Werkstätten des Herstellers, des Verwenders, in Werkstätten Dritter oder unter Tage inner- oder außerhalb von Werkstätten erfolgen.

Nachstehende Anforderungen sind bei der Instandsetzung von Grubenausbau in Werkstätten zu erfüllen. Für Instandsetzungsarbeiten unter Tage außerhalb von Werkstätten sind die Abschnitte 3 und 7 ausgenommen.

2.

Anforderungen bei Änderungen an Bauteilen

2.1 

Alle Änderungen gegenüber der Bauart von im Fluss der Ausbaustützkraft liegenden Bauteilen (Grubenausbauteile) sowie von Schreitwerken sind bei hydraulischem Grubenausbau einer hierfür notifizierten Prüfstelle und bei nicht-hydraulischem Grubenausbau der Bezirksregierung Arnsberg mit den entsprechenden Unterlagen einschl. Zeichnungen anzuzeigen.

Eine Sonderregelung für hydraulische Stempel und Zylinder ist im Anhang beschrieben.

Alle Änderungen an nicht im Fluss der Ausbaustützkraft liegenden Bauteilen (Ausbauzubehör) sind zu dokumentieren; die entsprechenden Unterlagen sind aufzubewahren und der zuständigen Stelle auf Verlangen vorzulegen.

2.2 

Entscheidet die zuständige Stelle nach Prüfung der Anzeige nach Abschnitt 2.1 , Abs. 1, dass durch die vorgesehenen Änderungen den technischen Vorgaben des geprüften Baumusters nicht mehr entsprochen wird, ist eine erneute EG-Baumusterprüfung/Genehmigungsprüfung des Grubenausbauteils durchzuführen.

2.3 

Geänderte Grubenausbauteile nach Abschnitt 2.2 dürfen erst verwendet werden, wenn die erforderliche Genehmigung bzw. die Konformitätserklärung mit EG-Baumusterprüfbescheinigung erteilt worden ist.

3.

Anforderungen an die Instandsetzungsbetriebe (Werkstätten)

3.1

Für Instandsetzungsarbeiten darf nur Personal eingesetzt werden, das nachweislich aufgrund der Ausbildung und Berufserfahrung mit dem Stand der Technik vertraut und zur Durchführung der Arbeiten und deren eventuellen Überprüfung ausreichend qualifiziert ist.

3.2

Für die Durchführung von Instandsetzungsarbeiten müssen schriftliche Unterlagen einschl. Zeichnungen vorhanden sein, die nach Art und Umfang eine ordnungsgemäße Instandsetzung gewährleisten.

3.3

Die technischen Einrichtungen von Instandsetzungsbetrieben müssen den Anforderungen der durchzuführenden Arbeiten entsprechen und sich auf dem Stand der Technik befinden.

4.

Anforderungen an Ersatzteile

 

Für Instandsetzungsarbeiten dürfen nur Originalersatzteile oder solche Ersatzteile verwendet werden, die mit den zum Ausbau gehörigen Teilen in ihren Abmessungen, Werkstoffeigenschaften und Funktionen sicherheitlich mindestens gleichwertig sind.

5.

Anforderungen an Schweißarbeiten

 

Die Anforderungen an Schweißarbeiten an hydraulischen sowie nicht-hydraulischen Ausbauteilen – einschließlich Schweißarbeiten im Rahmen von Instandsetzungen – sind in der Rundverfügung – 83.18.24.1 – 2004 – 2 - vom 21.12.2004 festgelegt.

6.

Anforderungen an die Kennzeichnung

6.1

Instandgesetzte Ausbauteile müssen gesondert gekennzeichnet sein. Die Kennzeichnung muss die Werkstatt und das Jahr der Instandsetzung erkennen lassen.

6.2

Die im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten verwendeten Ersatzteile müssen vom Hersteller gekennzeichnet sein. Ist eine Kennzeichnung nicht möglich, so muss die Herkunft beim Instandsetzungsbetrieb dokumentiert sein.

6.3

Nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten endmontierte Schreitausbaueinheiten sowie endmontierte hydraulische Einzelstempel sind zusätzlich mit einem Kennzeichen , z.B. nach DIN 21 546, zu versehen.

7.

Anforderungen an die Qualitätssicherung

 

Instandsetzungsbetriebe und Ersatzteillieferanten müssen grundsätzlich über ein zertifiziertes Qualitätssicherungssystem nach DIN EN ISO 9001: 2000 ff verfügen.

 

Anhang

 

Erfahrungswerte aus Instandsetzungen bei Stempeln und Zylindern haben ergeben, dass in der Regel eine Vergrößerung des Rohrinnendurchmessers oder eine Verkleinerung des Rohraußendurchmessers bei den Unterstufen mehrstufiger Stempel bis 0,6 mm und bei Schreitzylindern bis 1 mm sowie bei Mittel- und Oberstufen mehrstufiger Stempel und bei sonstigen im Kraftfluss der Ausbaustützkraft liegenden Zylindern bis 0,4 mm statisch unbedenklich durchgeführt werden kann. Dies kann entweder in einem Schritt bei der Erstinstandsetzung oder in mehreren Schritten bei wiederholter Instandsetzung erfolgen.

Bei Einhaltung dieser Grenzwerte ist eine gesonderte Anzeige nach Abschnitt 2.1 nicht erforderlich, wenn bei der Instandsetzung die Original-Dichtungen des Stempels bzw. des Zylinders oder sicherheitlich mindestens gleichwertige Dichtungen verwendet werden.

Änderungen von mehr als 0,4 mm bzw. 0,6 mm des Ursprungsdurchmessers über die Fertigungstoleranzen hinaus – auch wenn diese durch galvanische oder sonstige Maßnahmen auf den Ursprungsdurchmesser zurückgeführt werden – gelten als Bauartänderungen und erfordern eine erneute EG-Baumusterprüfung nach Abschnitt 2.2, sofern nicht bereits in der Genehmigung (Alt-Zulassung) bzw. in der EG-Baumusterprüfbescheinigung andere Werte als zulässig aufgeführt sind.


09.03.2005

83.18.8-2003-2

Arbeiten im Gewinnungsfeld von Streben

A 2.16

An die Bergämter des Landes NRW

Arbeiten im Gewinnungsfeld von Streben

Auf Empfehlung der Gemeinschaftsaufgabe Arbeitsschutz (GAAS) wurde unter Beteiligung von
Vertretern der Bergbau-Berufsgenossenschaft, der Bezirksregierung Arnsberg, des Bergamts
Recklinghausen, der DSK-Ruhr sowie der IGBCE einvernehmlich der Leitfaden für die Durchführung
von Arbeiten im Gewinnungsfeld von Streben" erarbeitet.

Die BBG-Bochum hat die Verbreitung des Leitfadens auf den Bergwerken der DSK sowie die
Übersendung an die Bergämter und andere interessierte Stellen übernommen. Weitere Exemplare
können bei der BBG-Bochum oder der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie
in NRW, angefordert werden.

In diesem Leitfaden werden insbesondere die nach dem Stand der Sicherheitstechnik erforderlichen
Maßnahmen und Verhaltensregeln zur Minimierung der Gefahren durch Stein- und Kohlenfall in
Streben erläutert und dargestellt; er soll daher auf den Bergwerken der DSK Bestandteil des
Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokuments nach § 3 ABBergV werden.

Ich bitte, die im Leitfaden beschriebenen Anforderungen im Betriebsplanverfahren zur Geltung zu
bringen und die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, über
wesentliche Abweichungen von diesen Anforderungen zu unterrichten.

Vorstehende Rundverfügung ersetzt die Verfügungen vom 4.8.1977 – 18.22-1-29 – und vom
24.2.1983 – 18.22.1-9-11 (beide im Sammelblatt unter A 2.16), die hiermit aufgehoben werden.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

M i c h a e l  K i r c h n e r