Anlage 3

Betriebsempfehlung

Bewetterung und Überwachung von Abschlussdämmen

Allgemeines

Diese Betriebsempfehlung soll den Wetteringenieuren einen Leitfaden für die Auslegung und
Überwachung der Bewetterung an Abschlussdämmen geben, so dass Gefahren durch Austreten
von CHoder anderen schädlichen Gasen schon frühzeitig in der Planungsphase und im laufenden
Betrieb vermieden werden können.

Gesetzliche Vorschriften

  1. Gemäß § 16 Absatz 1 ABBergV hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass alle untertägigen
    Arbeitsstätten mit einem ausreichendem Sicherheitsspielraum so bewettert werden, dass eine
    Atmosphäre aufrechterhalten bleibt, die

    - für die Sicherheit und Gesundheit unbedenklich ist,
    - den durch Explosionen und atembare Stäube bedingten Gefahren Rechnung trägt,
    - den Arbeitsbedingungen während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der angewandten
       Arbeitsmethoden und körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten angemessen ist.

  2. Gemäß § 32 Absatz 2 BVOSt müssen nicht durchschlägige Grubenbaue durch Sonderlüfter
    oder durch gleichwertige Einrichtungen (Stoßlutten) bewettert werden (Sonderbewetterung).
    Dies gilt nicht für söhlige Grubenbaue bis zu 6 m Länge und Schachtsümpfe, wenn der
    zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder anderen schädlichen Gasen nicht überschritten
    wird 1) .

  3. Desweiteren müssen gemäß § 26 BVOSt aufgegebene Grubenbaue an den Zugängen durch
    explosionsfeste Dämme abgeschlossen werden. Die Bauart dieser explosionsfesten Dämme
    und deren Überwachung sind in den Richtlinien des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen
    für die Sperrung und Abdämmung von Grubenbauen im Steinkohlenbergbau vom 21.04.1971
    in der Fassung vom 20.12.1985 – 18.13.1 II 1 – (Dammbau-Richtlinien) geregelt.


1) Änderung gemäß BVOSt vom 10.01.2000 in der Fassung vom 01.05.2001: "Dies gilt nicht
    für söhlige Grubenbaue bis zu 6 m Länge ohne anschließende Abschlussdämme und Schacht-
    sümpfe, wenn der zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder anderen schädlichen Gasen nicht
    überschritten wird."

Begriffsbestimmungen

Abschlussdämme

Die im Grubengebäude vorhandenen Abschlussdämme lassen sich in mehrere Kategorien einteilen.
Es liegt in der Verantwortung des Wetteringenieurs diese Einteilung vorzunehmen. Diese Einteilung
muss nach relevanten Änderungen in der Wetterverteilung erneut vorgenommen werden und die
entsprechenden Maßnahmen festgelegt werden.

Einziehende Abschlussdämme

Einziehende Abschlussdämme zeichnen sich dadurch aus, dass unabhängig von Luftdruck-
schwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druckschwankungen im
Grubengebäude das Druckgefälle immer in Richtung des abgedämmten Grubenbaues gerichtet ist.

Ausziehende Abschlussdämme

Ausziehende Abschlussdämme zeichnen sich dadurch aus, dass unabhängig von Luftdruck-
schwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druckschwankungen im
Grubengebäude das Druckgefälle immer in Richtung des offenen Grubengebäudes gerichtet ist.

Abschlussdämme mit wechselndem Druckgefälle

Abschlussdämme mit wechselndem Druckgefälle zeichnen sich dadurch aus, dass abhängig von
Luftdruckschwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druck-
schwankungen im Grubengebäude das Druckgefälle sowohl in Richtung des offenen Gruben-
gebäudes als auch  in Richtung des abgedämmten Grubenbaues gerichtet sein kann.

Maßnahmen vor Errichtung von Abschlussdämmen

Der Wetteringenieur ist sowohl bei der Wahl des Standortes von Abschlussdämmen und eventuell
erforderlicher Zusatzmaßnahmen, wie Verpressarbeiten vor Aufnahme der Dammbauarbeiten, als
auch bei der Festlegung der Einbauten (Entgasungs- und Entwässerungsleitung; Dammrohre)
maßgeblich am Entscheidungsprozess zu beteiligen.

Anlage 1 Flussdiagramm

Auf Grund von Wetternetzberechungen und betrieblichen Erfahrungen hat der Wetteringenieur
vor der Festlegung der Dammbaustelle und den erforderlichen Dammeinbauten festzulegen, in
welche Kategorie der Abschlussdamm voraussichtlich eingestuft werden muß. Hiervon
ausgehend ist nach oben dargestellten Entscheidungsbaum vorzugehen.

Bewetterung von Abschlussdämmen

Gemäß § 32 Absatz 1 BVOSt ist die Bewetterung von Grubenbauen, hier Streckenstümpfen
vor Abschlussdämmen, so auszulegen, dass der zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder
anderen schädlichen Gasen nicht überschritten wird. Bei der Auswahl der Bewetterungsform
sind durch den Wetteringenieur folgende Aspekte mit einzubeziehen:

Sind Gefahren durch CH4-Zuströme oder Zuströme durch andere schädliche Gase nicht auszuschließen,
können, gemäß der Entscheidung des Wetteringenieurs, die folgenden Zusatzmaßnahmen zur Anwendung
kommen:

Die Überwachung mit Hilfe stationärer Messeinrichtungen ist so zu gestalten, dass bei Erreichen
der vorgeschriebenen Grenzwerte an einer ständig besetzten Stelle Warnsignale ausgelöst werden.

Bei Erreichen unzulässiger CH4-Gehalte ist sicherzustellen, dass die gegebenenfalls im Streckenstumpf
vorhandenen nicht eigensicheren elektrischen Betriebsmittel unverzögert abgeschaltet werden.
Bei Neuinstallationen elektrischer Betriebsmittel muß eine selbsttätige Abschaltung vorgesehen werden.

Maßnahmen nach Errichtung von Abschlussdämmen

Nach der Fertigstellung von Abschlussdämmen ist eine Abnahme gemäß Abschnitt 5.4 der
Dammbau-Richtlinien durch eine hierfür bestellte verantwortliche Person erforderlich. In
Abschnitt 5.4 der Dammbau-Richtlinien wird sowohl die Abnahme als auch die weitere
Überwachung der Abschlussdämme geregelt. Somit können eventuell erforderliche Nachdicht-
maßnahmen unverzüglich festgelegt und in die Wege geleitet werden. Es wird hier die Kontrolle
des äußeren Zustandes der Dämme, Bestimmung des Druckgefälles an den Dämmen, Kontrolle
der Dichtigkeit sowie die Überwachung hinsichtlich CH4 oder anderer schädlicher Gase vor den
Dämmen und auch hinter den Dämmen (Schnüffelrohr-Probe) gefordert. Bei Abdämmungen von
nicht durchschlägigen Grubenbauen brauchen die Prüfungen nicht im vollen Umfang durchgeführt
werden. Diese Prüfungen müssen spätestens 14 Tage nach Beendigung der Abdämmarbeiten und
dann anschließend in Abständen von 14 Tagen über einen Zeitraum von mindestens 6 Wochen
durchgeführt werden. Danach müssen die Prüfungen in mindestens jährlichen Abständen wiederholt
werden. Diese Intervalle müssen verkürzt werden, wenn die Dichtigkeit oder Widerstandsfähigkeit
eines Dammes beeinträchtigt wird.

Die hierfür bestellte verantwortliche Person nimmt die Bewetterungsmaßnahmen ab.

Gemäß Abschnitt 3.3.3 der Wetterdruck-Richtlinien vom 06.12.1972 ist der Druckabfall der
Wetter im Grubengebäude nach wesentlichen Änderungen der Wetterverteilung zu ermitteln. Nach
Abschnitt 5.2 der Richtlinie ist bei Änderungen der Druckverteilung zu beachten, dass in abgedämmten
Grubenbauen der bestehende Zustand gestört oder die Brandgefahr durch verstärkte Schleichwetter-
ströme erhöht werden kann. In Abschnitt 5.5 der Dammbau-Richtlinien wird darauf hingewiesen,
dass die Auswertung der Überwachungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Wetterüberwachung
des gesamten Grubengebäudes zu sehen ist. In diesem Zusammenhang sind auch Abbaueinwirkungen
auf die abgedämmten Grubenbaue, Änderungen des barometrischen Luftdruckes sowie Änderungen
im Wetternetz mit in die Bewertungen einzubeziehen. Vor Wetterumstellungen ist daher die Beeinflussung
der Abschlussdämme zu ermitteln und eventuell erforderliche Maßnahmen festzulegen. Hierzu kann
es erforderlich werden, die Bewetterungsform des Streckenstumpfes den neuen Gegebenheiten
anzupassen.

Nach erfolgter Wetterumstellung sind die beeinflussten Dämme zu überprüfen.

Erhebliche Beeinflussungen im Ausgasungsverhalten von Dämmen können sich durch Abdämmungs-
maßnahmen von Nachbarbergwerken ergeben. Werden Grubenbaue – insbesondere Ausziehschächte –
abgedämmt oder abgeworfen, so können sich über weitverzweigte untertägige Verbindungen und
Dämme zusätzliche Gaszuströme einstellen. Ein enger Informationsaustausch zwischen den
betroffenen Bergwerken ist unbedingt herzustellen.