18.12.1989

12.63.3-8-26

Fluchtweg-Richtlinien

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien für die Ermittlung zulässiger Fluchtweglängen im Steinkohlenbergbau unter Tage
        (Fluchtweg-Richtlinien)

Die Rundverfügung des Landesoberbergamts vom 18.12.1989 - 12.63.3-8-26 - mit Richtlinien für die
Ermittlung zulässiger Fluchtweglängen im Steinkohlenbergbau unter Tage (Fluchtweg-Richtlinien) ist
abgedruckt unter der Gliederungs-Nr. A 2.4.

Dortmund, den 18.12.1989

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r



30.08.1993

12.63.3-11-4

Rettungskonzept

A 2.15
(A 2.4)

An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Rettungskonzept für den Steinkohlenbergbau unter Tage (Rettungskonzept)

Die Rundverfügung des Landesoberbergamts vom 30.8.1993 - 12.63-11-4 - mit dem Rettungskonzept
für den Steinkohlenbergbau unter Tage (Rettungskonzept) ist abgedruckt unter der Gliederungs-
nummer A 2.4.

Dortmund, den 30.08.1993

Landesoberbergamt NRW

S c h e l t e r



28.11.1996

12.63.3-11-9

Streblängen-Richtlinien

A 2.15


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien über die Anforderungen an Abbaubetriebe mit Streblängen
         >250 m-Streblängen-Richtlinien-

Die Rundverfügung des Landesoberbergamts vom 28. 11. 1996 -12.63.3-11-9- mit Richtlinien
über die Anforderungen an Abbaubetriebe mit Streblängen > 250 m-Streblängen-Richtlinien -
ist abgedruckt unter der Gliederungs-Nr. A 2.4.


Dortmund, den 28. 11. 1996

Landesoberbergamt NRW

D r.  F o r n e l l i



10.11.1997
(15.04.2008)

11.1-8-23

Gebirgsschlag-Richtlinien

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Richtlinien zum Schutz vor Gefahren durch Gebirgsschläge

Mit den nachfolgend bekanntgemachten Richtlinien wurden die bisherigen Gebirgsschlag-Richtlinien
unter Berücksichtigung der dazu ergangenen Ergänzungsverfügungen unter Beteiligung der
DMT-Fachstelle für Gebirgsschlagverhütung und Vertretern der Ruhrkohle Bergbau AG aktualisiert.

Die Richtlinien sind bei der Zulassung von Betriebsplänen über das Erkennen und Beseitigen von
Gebirgsschlaggefahren zur Geltung zu bringen. Bezüglich etwaiger Abweichungen von den
Richtlinien wird auf die Rundverfügung vom 18.07.1994 - 0.9.1-1-1 - (Sammelblatt A 2.1)
verwiesen.

Darüber hinaus sind zu den Richtlinien nachfolgende Hinweise und Erläuterungen zu geben:

Zu 4.5

Sofern in Bereichen möglicher oder erkannter Gebirgsschlaggefahr mit dem Freiwerden
großer Grubengasmengen gerechnet werden muß, wird zum Erkennen von und zum
Schutz vor Gefahren durch Grubengas auf die Maßnahmen nach den Abschnitten 4.1.3
in Verbindung mit Anlage 1 und 5.1.3 in Verbindung mit Nr. 4 der zugehörigen Begleit-
verfügung der Gasausbruchs-Richtlinien des Landesoberbergamts NRW vom 29.05.1996
- 18.41.1-3-2 -(SBl. A 2.18) hingewiesen.

Zu 5.1, Nr. 2, c

Da es sich in der Vergangenheit gezeigt hat, daß Restpfeiler oder Abbaukanten in Einzelfällen
auch bei Abständen von mehr als 200 m druckerhöhend wirken können, sind in diesen Fällen
die entsprechenden Erfahrungswerte bei der grubengeometrischen Beurteilung zu berücksichtigen.

Zu 5.3.3; 5.3.4 und 5.3.6

Abweichungen kann das Bergamt - ggf. in Abstimmung mit dem Sachverständigen - bewilligen
bzw. zulassen. In der Vergangenheit haben sich für die Beurteilung von Abweichungen die regelmäßig
durchgeführten gemeinsamen "Fachgespräche Gebirgsschlagverhütung" bewährt.

Zu 5.3.9, Nr. 2 und 5.3.10, Nr. 3

Entsprechende Hilfsmittel für eine quantifizierbare Überwachung von Dreh- und Drehrüttelrohren
befinden sich z.Zt. in der Erprobung.

Zu 5.3.11

Andere Verfahren zur Überwachung stehender Stöße sind von einem Sachverständigen zu begleiten.

Zu 6.1 und 6.2

Sofern in Abbaubetrieben sowie in Vortrieben, soweit letztere außerhalb der Beeinflussung durch
Abbaubetriebe und andere Grubenbaue nach Abschnitt 5.3.5 liegen, die Bohrergebnisse anders als
nach Abschnitt 6.1 zu beurteilen sind, kann im Einzelfall abweichend von Abschnitt 6.2 mit
Zustimmung des Test- und Entspannungsbeauftragten der Abbau oder Vortrieb bis zum Erreichen
einer erweiterten Schutzzone von 4 M fortgeführt werden (s. Anlage 4).

Falls der Abbau oder Vortrieb über das vorgenannte Maß hinaus bis zum Erreichen der Schutzzone
3 M fortgeführt werden soll (vergl. Maß X in Anlage 4), bedarf dies der Zustimmung des Bergamts
unter Beteiligung des Sachverständigen, z. B. im Rahmen der gemeinsamen "Fachgespräche
Gebirgsschlagverhütung". Voraussetzung hierfür sind u. a. die Berücksichtigung der Schutzmaß-
nahmen nach Abschnitt 4.2 und ggf. stichprobenartige Testbohrungen. Die Fortführung der
Gewinnung oder des Vortriebs um das angegebene Maß X dar


R i c h t l i n i e n
des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
zum Schutz vor Gefahren durch Gebirgsschläge
(Gebirgsschlag-Richtlinien)

Stand: 15.04.2008

 

Inhaltsübersicht

1     Geltungsbereich

2     Begriffsbestimmungen

3     Allgemeines

4     Planung und betriebliche Voraussetzungen

4.1  Planung von Grubenbauen
4.2  Schutzmaßnahmen
4.3  Stein- und Kohlenfall
4.4  Selbstentzündungsgefahren
4.5  Gefahren durch Grubengas
4.6  Testprogramme

5     Bereiche möglicher Gebirgsschlaggefahr

5.1  Merkmale
5.2  Beurteilung der Kohle und des Nebengesteins
5.3  Maßnahmen in Bereichen möglicher Gebirgsschlaggefahr
5.3.1 Grundsätze
5.3.2 Testbohrverfahren
5.3.3 Testen fortschreitender und stehender Stöße
5.3.4 Testen nach und während Stillstandszeiten
5.3.5 Beeinflussung durch andere Grubenbaue
5.3.6 Verdichten des Testprogrammes
5.3.7 Einschränken oder Einstellen der Testmaßnahmen
5.3.8 Stichprobenartige Testbohrungen
5.3.9 Drehrohrverfahren
5.3.10 Drehrüttelverfahren
5.3.11 Sonstige Verfahren
5.3.12 Schriftliche Aufzeichnungen

6       Bereiche erkannter Gebirgsschlaggefahr

6.1    Beurteilung der Bohrergebnisse
6.2    Sofortmaßnahmen
6.3    Entspannungsverfahren
6.3.1 Entspannungsbohren
6.3.2 Entspannungssprengen
6.3.3 Sonstige Entspannungsverfahren
6.4 Überprüfung des Entspannungserfolges
6.5 Zusatzmaßnahmen nach erfolgter Entspannung

7     Sachverständige, Beauftragte und beschäftigte Personen

7.1  Beteiligung des Sachverständigen
7.2  Beauftragte für Test- und Entspannungsmaßnahmen
7.3  Beschäftigte Personen

8     Sonstiges

8.1  Elektrische Betriebsmittel
8.2  Bewetterung
8.3  Dokumentation
8.4  Benachrichtigung benachbarter Bergwerke
8.5  Benachrichtigung des Bergamts

 

1 Geltungsbereich

Diese Richtlinien enthalten Regelungen zum Schutz vor Gefahren durch Gebirgsschläge in
Betrieben des Steinkohlenbergbaus unter Tage.

2 Begriffsbestimmungen


3 Allgemeines

Gebirgsschläge sind Bruchvorgänge im Gebirge, die durch plötzliches Eintreten, heftigen Verlauf
und Einwirkungen auf Grubenbaue gekennzeichnet sind.

Gebirgsschläge im Steinkohlenbergbau sind verbunden mit Erschütterungen, knallartigen Geräuschen
und einem schlagartigen Hereinschieben des Kohlenstoßes, oft unter Zerkleinerung und Weg-
schleudern von Kohle und/oder Gestein. Gebirgsschläge können sich auch auf unmittelbare Neben-
gesteinsschichten auswirken. Bei Gebirgsschlägen ist mit dem plötzlichen Freiwerden großer
Grubengasmengen zu rechnen.

Gebirgsschläge werden durch hohe Spannungen des Gebirges um Grubenbaue verursacht.
Voraussetzungen für das Auftreten von Gebirgsschlägen sind hoher Gebirgsdruck, wie er sich aus
dem Teufendruck und druckerhöhenden Grubenbausituationen ergibt, sowie energiespeicherfähige
Kohle und festes Nebengestein, z. B. dickbankige Sandsteinschichten im Hangenden des Flözes.

Gefährdet sind insbesondere Grubenbaue mit anstehender Kohle. Schädliche Einwirkungen bei
Gebirgsschlägen entstehen im wesentlichen durch Flözvorschub oder Kohleauswurf. Diese
Einwirkungen können sehr verschieden sein und reichen von geringfügigen örtlichen Schäden bis
hin zu großräumigen Zerstörungen. 

4 Planung und betriebliche Voraussetzungen

4.1 Planung von Grubenbauen

Bereits bei der Planung von Grubenbauen ist zu prüfen, ob Voraussetzungen für eine Gebirgs-
schlaggefahr vorliegen.

Liegen Voraussetzungen für eine mögliche Gebirgsschlaggefahr vor und können die geplanten
Grubenbaue nicht in einen ungefährdeten Bereich verlegt werden, so sind bei der Planung
spannungsmindernde Maßnahmen zu berücksichtigen.

Zur Verringerung der Gebirgsschlaggefahr können u.a. nachstehende Maßnahmen in Betracht
kommen:

Abbaubetriebe sollten nicht in Richtung auf den Alten Mann bzw. auf Basisstrecken, Auf- und
Abhauen oder andere Grubenbaue im Abbauvorfeld zugeführt werden.

Streckenvortriebe in der Kohle sowie Auf- und Abhauen sollten in Abständen von weniger
als 5 m oder mehr als 20 M, mindestens 40 m zum Alten Mann oder zu Störungen aufgefahren
werden.

Grubenbaue sollten dem Abbaukantendruck oder dem Druck aus Restpfeilern nach Möglichkeit
nicht ausgesetzt werden. Dies gilt insbesondere für Strebbetriebe während der Anlaufzeit und für
Vortriebe in der Kohle, die nach Möglichkeit unter die abgebaute Flözseite gelegt werden sollten.

Druckzonen sollten so wenig wie möglich durchörtert werden. Dies gilt insbesondere für Strecken-
kreuzungen, Gesteinsbergabzweige, Parallelstrecken, Gegenortsbetriebe sowie für Streckenvor-
triebe in der Kohle oder Auf- und Abhauen über oder unter Gesteinsstrecken.

Streckenauffahrungen vorbeschriebener Art sollten außerhalb der Einwirkungsbereiche von Rest-
pfeilern, Kohleninseln, Störungen, Abbaukanten und Abbaueinwirkungen liegen.

Beim Schwenken von Strebbetrieben sollten ungünstige Pfeilerbildungen sowie andere sich aus
der Schwenkgeometrie ergebende ungünstige Zuordnungen von Grubenbauen vermieden werden.

Strebbetriebe sollten so geführt werden, daß sich ungünstige gegenseitige Beeinflussungen nicht
ergeben. Bei Einwirkungen aus mehreren laufenden Abbaubetrieben sollten gefährdete Gruben-
baue verlegt oder die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, den Abbau vorübergehend ganz
oder teilweise einzustellen.

Im übrigen sollten Grubenbaue in Bereichen möglicher Gebirgsschlaggefahr so geplant werden,
daß gegebenenfalls zu überwachende Bereiche möglichst klein gehalten bzw. diese zu gegebener
Zeit gegen Betreten gesperrt oder explosionsfest abgedämmt werden können.

Beim Vorliegen besonders ungünstiger Voraussetzungen ist zu prüfen, ob sich Druckkonzentrationen
durch den Abbau eines Schutzflözes im Hangenden oder im Liegenden vermeiden lassen.


4.2 Schutzmaßnahmen

In Bereichen, in denen eine Gebirgsschlaggefahr erkannt worden ist, ist im Einzelfall zu prüfen, ob
die Sicherheit der dort beschäftigten Personen, auch nach erfolgter Entspannungsmaßnahme, durch
vorsorgliche Schutzmaßnahmen verbessert werden kann.

In diesem Zusammenhang ist zu prüfen, ob in den angegebenen Bereichen beim Vortrieb oder bei
der Hereingewinnung von Kohle auf die Anwesenheit von Personen verzichtet werden kann und
ggf. nach erfolgtem Vortrieb oder erfolgter Gewinnung eine Wartezeit bis zum Betreten des
Gefahrenbereiches einzuhalten ist.

4.3 Stein- und Kohlenfall

Zur Vermeidung von Unfällen durch Stein- und Kohlenfall ist sicherzustellen, daß bei Test- und
Entspannungsarbeiten, soweit erforderlich, Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, mit deren
Hilfe ein gefahrloses Arbeiten am Kohlenstoß ermöglicht wird oder daß Einrichtungen verwendet
werden, die Arbeiten im Gefahrenbereich entbehrlich machen.

4.4 Selbstentzündungsgefahren

In Flözen, die zur Selbstentzündung neigen, sollen die Test- und Entspannungsbohrlöcher mit hierfür
geeigneten Stoffen verschlossen werden. Auch durch die Behandlung der Bohrlöcher mit Staub-
bindemitteln kann einer Selbstentzündungsgefahr entgegengewirkt werden.

4.5 Gefahren durch Grubengas

Bei Entspannungsmaßnahmen sind die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit der zulässige
Grubengasgehalt in den Wettern nicht überschritten wird.

Wenn bei Test- oder Entspannungsbohrungen Grubengas ausbläst, ist der Gasausbruchsbeauftragte
des Bergwerks zu benachrichtigen. Fallen Maßnahmen nach den Gasausbruchs- und Gebirgs-
schlagrichtlinien zusammen, ist eine fachübergreifende Überwachung und Koordinierung erforderlich.

4.6 Testprogramme

Liegen die Merkmale für eine mögliche Gebirgsschtaggefahr nach Abschnitt 5.1 vor, sind
Testprogramme aufzustellen, die Bestandteil des Betriebsplans sind.

Die Testprogramme sollen angeben, welche Maßnahmen zum Erkennen einer Gebirgsschlaggefahr
(Testmaßnahmen) durchgeführt werden.

5 Bereiche möglicher Gebirgsschlaggefahr

5.1 Merkmale

Bereiche möglicher Gebirgsschlaggefahr liegen vor:

  1. Wenn im zu beurteilenden Flöz unter gleichwertigen geologischen und grubengeometrischen
    Voraussetzungen im selben oder in benachbarten Baufeldern ein Gebirgsschlag bereits
    aufgetreten oder eine Gebirgsschlaggefahr bereits erkannt worden ist.
     
  2. Wenn eine mehr als 5 m mächtige Bank aus Sandstein oder ein Schichtenpaket vergleichbarer
    Festigkeit weniger als 10 m über einem Flöz beginnt und eine oder mehrere der folgenden
    geologischen und grubengeometrischen Voraussetzungen gegeben sind:
     
    a) anlaufender Streb bis zum Setzen des Haupthangenden,
    b) Abbau oder Auffahren von Grubenbauen im Umkreis von 20 M, mindestens 40 m zu
        - einer benachbarten abgebauten Bauhöhe oder
        - einem anderen Grubenbau oder
        - einer geologischen Störung,
    c) Restpfeiler oder Abbaukanten im Hangenden oder Liegenden des Flözes bis zu einem
        bankrechten oder seigeren Abstand von 200 m (Die Abbaukanten sind bis zu einem
        Flözeinfallen von 40 gon bankrecht, bei größerem Einfallen bankrecht und seiger zu projizieren
        und zu beurteilen. Die Änderung der Versatzart hat die Wirkung einer Abbaukante.),
    d) spitzwinklige Stellung (Winkel unter 80 gon) offener Grubenbaue mit anstehender Kohle
        zueinander,
    e) Flözeinklemmungen, z.B. verursacht durch erfahrungsgemäß wechselnde Flözmächtigkeit
        (Flözverschmälerungen um mehr als 20 % innerhalb einer Erstreckung von 10 m) oder 
        durch welliges Hangendes,
    f) mächtige Bank aus Sandstein oder einem Schichtenpaket vergleichbarer Festigkeit weniger
       als 5 m unter dem Flöz.

5.2 Beurteilung des Nebengesteins

Mit Hilfe der vorhandenen Aufschlüsse ist das Nebengestein nach Abschnitt 5.1 Nr. 2 flächendeckend
zu beurteilen. Dabei sind auch unmittelbar im Hangenden oder Liegenden befindliche Flöze mit
einzubeziehen. Bestehen Zweifel über den Aufbau des Gebirges bzw. seine Festigkeitseigenschaften,
so sind die Schichten durch Kernbohrungen aufzuschließen; andernfalls ist festes Nebengestein zu
unterstellen. Die Bohrkerne sollten nach dem Solid-Rock-Dia-*) oder durch vergleichbare Verfahren
beurteilt werden.


*)Ein von der DMT-Fachstelle für Gebirgsschlagverhütung entwickeltes Auswerteverfahren für Kernbohrungen
   zur Beurteilung einer Gebirgsschlaggefahr.

5.3 Maßnahmen in Bereichen möglicher Gebirgsschlaggefahr

5.3.1 Grundsätze

Liegen Voraussetzungen für eine mögliche Gebirgsschlaggefahr nach Abschnitt 5.1 vor, so sind
rechtzeitig Maßnahmen zum Erkennen einer Gebirgsschlaggefahr (Testmaßnahmen nach Testprogramm)
durchzuführen. Testmaßnahmen sind so durchzuführen, daß der gesamte Bereich einer möglichen
Gebirgsschlaggefahr erfaßt wird.

Als Testmaßnahmen kommen das Testbohrverfahren nach Abschnitt 5.3.2 sowie ergänzend dazu
stationäre Überwachungsverfahren nach den Abschnitten 5.3.9 und 5.3.10 in Betracht.

5.3.2 Testbohrverfahren

Standardverfahren für das Erkennen einer Gebirgsschlaggefahr ist das Testbohren. Die Testbohrungen
sind nach einem Testprogramm durchzuführen, das u.a. Angaben über Art, Zahl, Tiefe, Durchmesser,
örtliche Abstände und zeitliche Abfolge der Bohrlöcher enthalten soll (s. Anlagen 1 und 2).

Im weiteren gelten folgende Anforderungen:

  1. Der Durchmesser der Testbohrungen soll 50 mm betragen. In Ausnahmefällen sind
    Durchmesser von 42 mm und 46 mm zulässig.
  2. Testbohrungen sollen möglichst in der Mitte des Flözes verlaufen.
  3. Die Bohrkleinmengen sind für jeden Bohrmeter mit einer Genauigkeit von 0,5 l zu ermitteln.
  4. Die Bohrlochtiefe muß, rechtwinklig zum fortschreitenden Stoß gemessen, wenigstens
    3 M + A betragen. In stehenden Stößen muß die Bohrlochtiefe 4 M, mindestens jedoch
    5 m, betragen.
  5. Testbohrungen sind abzubrechen, wenn sie die im Abschnitt 6.1 aufgeführten Ergebnisse zeigen.
  6. Testbohrungen sind ebenfalls abzubrechen, wenn der Bohrkleinanfall 15 l/m überschreitet.
    Sofern Kontrolltestbohrungen einen höheren Bohrkleinanfall als 15 l/m bestätigen, sind die
    Sofortmaßnahmen nach Abschnitt 6.2 durchzuführen, oder das weitere Vorgehen ist in
    Abstimmung mit dem Bergamt unter Beteiligung des Sachverständigen festzulegen.
  7. Kontrolltestbohrungen dürfen nur in Anwesenheit einer fachkundigen verantwortlichen Person
    durchgeführt werden.

5.3.3 Testen fortschreitender und stehender Stöße

Fortschreitende Stöße sind wenigstens arbeitstäglich zu testen. Nach Tagen des Stillstandes
fortschreitender Stöße sind die arbeitstäglichen Testbohrungen unmittelbar vor Aufnahme der
Gewinnungs-, Vortriebsoder Nachreißarbeiten herzustellen.

Stehende Stöße offener Grubenbaue sind wenigstens wöchentlich durch Testbohrungen oder
Verfahren nach den Abschnitten 5.3.9 und 5.3.10 zu überwachen. Solange bei Testbohrungen
die Spannungsfreiheit von 4 M Tiefe nicht nachgewiesen werden kann, ist das Testprogramm in
diesem Bereich entsprechend den Testergebnissen zeitlich und ggf. örtlich zu verdichten. Dabei
ist wenigstens arbeitstäglich auf 3 M Tiefe zu testen, bis die Testbohrlochtiefe von 4 M,
mindestens 5 m wieder erreicht wird.

5.3.4 Testen nach und während Stillstandszeiten

Nach Stillstandszeiten, die länger als die im Testprogramm festgelegten zeitlichen Abstände für
das Testen der rückwärtigen Stöße angedauert haben, sind unmittelbar vor Wiederaufnahme
der Arbeiten zuerst die rückwärtigen Stöße des Grubenbaus nach Testprogramm zu testen.

Während Stillstandszeiten, die länger als die im Testprogramm festgelegten zeitlichen Abstände
für das Testen rückwärtiger Stöße andauern, sind die Grubenbaue zum Schutz der mit der
Überwachung dieser Grubenbaue beauftragten Personen vorsorglich durch stichprobenartige
Testbohrungen oder stationäre Verfahren zu überwachen.

Wenn in fortschreitenden Stößen und den angrenzenden Teilen der stehenden Stöße nach
erfolgten Entspannungsmaßnahmen und anschließender Gewinnung oder Vortriebsarbeit länger
als 24 Stunden nicht mehr getestet worden ist, dürfen in den betreffenden Bereichen Arbeiten
erst dann wieder aufgenommen werden, wenn durch unmittelbar zuvor durchgeführte Test-
maßnahmen Spannungsfreiheit nachgewiesen worden ist.

5.3.5 Beeinflussung durch andere Grubenbaue

Grubenbaue in Bereichen möglicher Gebirgsschlaggefahr, die durch andere Grubenbaue
beeinflußt werden können, sind durch Testmaßnahmen zu überwachen.

Wenn Grubenbaue in einem Abstand von weniger als 20 M, mindestens 40 m aufeinander
zugeführt werden, sind Vortriebs-, Gewinnungs- und Nachreißarbeiten sowie Testmaßnahmen
in den betroffenen Grubenbauen so aufeinander abzustimmen, daß Gefährdungen von Personen,
die in den jeweiligen Grubenbauen beschäftigt sind, ausgeschlossen werden können. Ggf. ist
einer der Grubenbaue vorübergehend zu sperren.

5.3.6 Verdichten des Testprogramms

Testbohrungen sind zeitlich und örtlich zu verdichten, wenn sich der Bohrkleinanfall und/oder
andere Anzeichen, die auf hohe Gebirgsspannungen hinweisen, von Testreihe zu Testreihe erhöhen.

Sofern eine Gebirgsschlaggefahr nach Abschnitt 6.1 erstmals erkannt wird, sind die Testmaß-
nahmen ebenfalls zeitlich und örtlich zu verdichten. In diesem Fall ist auch zu prüfen, ob und ggf.
in welchem Umfang weitere Grubenbaue in die Testmaßnahmen mit einzubeziehen sind.

Im Flözeckenbereich sind die Streb- und Streckenstöße wenigstens arbeitstäglich zu testen,
wenn eine Gebirgsschlaggefahr erstmals erkannt wird oder eine Gebirgsschlaggefahr unter
gleichartigen Bedingungen im selben Flöz erkannt worden war. Bei Abbaufortschritten >4 m/d
sind im Flözeckenbereich Zwischentestbohrungen vorzusehen.

5.3.7 Einschränken oder Einstellen der Testmaßnahmen

Testmaßnahmen, die über einen längeren Zeitraum keine Hinweise auf erhöhte Gebirgsspannungen
anzeigen, können mit Zustimmung des Bergamtes eingeschränkt oder eingestellt werden, solange
sich die Merkmale für eine mögliche Gebirgsschlaggefahr nach Abschnitt 5.1 nicht zum Ungünstigen
hin verändern und solange neue Merkmale nicht hinzutreten.

5.3.8 Stichprobenartige Testbohrungen

Stichprobenartige Testbohrungen kommen dann in Betracht, wenn in Einzelfällen Zweifel
darüber bestehen, ob Spannungsfreiheit gegeben ist.

Dies gilt z. B. in Strecken oder Aufhauen, in denen das Liegende die Voraussetzungen nach
Abschnitt 5.1 Nr. 2f) aufweist und ein oder mehrere druckerhöhende Faktoren vorliegen sowie
in Grubenbauen, die bei fehlenden Nebengesteinsvoraussetzungen nach Abschnitt 5.1 Nr. 2 unter
geometrisch ungünstigen Bedingungen aufgefahren werden oder nachträglich unter Druckein-
wirkungen gelangen.

5.3.9 Drehrohrverfahren

Zur Überwachung stehender Stöße kann das Drehrohrverfahren unter folgenden Voraussetzungen
angewendet werden:

  1. Es dürfen nur Drehrohre und ggf. Hilfsmittel eingesetzt werden, deren Eignung für den
    vorgesehenen Zweck nachgewiesen ist (Standarddrehrohr siehe Anlage 3a).
     
  2. Das Drehrohr ist so einzubringen, daß es von Hand oder ggf. mit zulässigen Hilfsmitteln über
    seine gesamte Länge drehbar ist und nicht herausgezogen werden kann.
     
  3. Das Drehrohr darf nicht in solche Testbohrlöcher eingebracht werden, bei deren Herstellung
    (Bohrlochtiefe 4 M) in der vom Drehrohr zu überwachenden Tiefe von 3 M
    a) mehr als 6 l Bohrklein pro Bohrmeter angefallen sind oder
    b) ein oder mehrere Knälle aufgetreten sind oder
    c) das Bohrgestänge einzog oder festklemmte.
     
  4. Der Drehtest ist mindestens arbeitstäglich durchzuführen, soweit im Testprogramm nicht
    ausdrücklich andere Fristen festgelegt sind.
     
  5. Wird beim Drehtest ein Festsitzen des Drehrohres festgestellt, so ist sicherzustellen, daß
    bei einem Drehrohrabstand
    a) £ 10 m in 2-3 m Abstand vom Drehrohransatzpunkt eine Kontrolltestbohrung
    b) > 10 m in 2-3 m Abstand beiderseits des Drehrohransatzpunktes Kontrolltestbohrungen
    auf 4 M Tiefe unverzüglich hergestellt und beurteilt werden.
     
    Falls diese Testbohrlöcher wieder zur Aufnahme von Drehrohren dienen sollen, müssen die
    Voraussetzungen nach Abschnitt 5.3.9 Nr. 3 erfüllt sein, andernfalls hat die weitere Über-
    wachung durch Testbohrungen zu erfolgen.

5.3.10 Drehrüttelverfahren

Zur Überwachung stehender Stöße kann das Drehrüttelverfahren unter folgenden Voraussetzungen
angewendet werden:

  1. Neben dem Eignungsnachweis nach Abschnitt 5.3.9 Nr. 1 ist vor dem Ersteinsatz zusätzlich
    der Nachweis zu erbringen, daß sich die Kohle bei erhöhtem Gebirgsdruck in den vor-
    gesehenen Bereichen für den Einsatz von Drehrüttelrohren eignet (Standard-Drehrüttelrohr
    siehe Anlage 3b).
     
  2. Testbohrlöcher zur Aufnahme von Drehrüttelrohren müssen bei der Herstellung die
    Anforderungen nach Abschnitt 5.3.9 Nr. 3 erfüllen.
     
  3. Das Drehrüttelrohr ist so einzubringen, daß es von Hand oder ggf. mit zulässigen Hilfsmitteln
    über die gesamte Länge drehbar bzw. rüttelbar ist, und weder das Außen- noch das Innenrohr
    aus dem Bohrloch herausgezogen werden können.
     
  4. Der Kohlenstoß muß sowohl durch das Außenrohr (Drehtest) als auch durch das Innenrohr
    (Rütteltest) auf eine Tiefe von wenigstens 3 M überwacht werden.
     
  5. Der Drehtest bzw. der Rütteltest ist mindestens arbeitstäglich durchzuführen, soweit im
    Testprogramm nicht ausdrücklich andere Fristen festgelegt worden sind.
     
  6. Bei festsitzendem Außenrohr ist in Betracht zu ziehen, ob ergänzend zum Rütteltest unter
    Berücksichtigung der jeweiligen grubengeometrischen Situation stichprobenartige Test-
    bohrungen durchzuführen sind.
     
  7. Bei festsitzendem Rüttelrohr ist unverzüglich beidseitig vom Drehrüttelrohr je eine Kontroll-
    testbohrung in 2-3 m Abstand zu stoßen. Falls diese Testbohrlöcher wieder zur Aufnahme
    von Drehrüttelrohren dienen sollen, müssen die Voraussetzungen nach Abschnitt 5.3.9 Nr. 3
    erfüllt sein, andernfalls hat die weitere Überwachung durch Testbohrungen zu erfolgen.
     
  8. Bei Flözen mit Selbstentzündungsgefahr sollte der Ringraum zwischen Außenrohr und Bohrloch
    beim Einbringen oder ggf. nach dem Einbringen wetterdicht verschlossen werden.

5.3.11 Sonstige Verfahren

Betriebspläne über die Anwendung anderer Verfahren für das Erkennen von Gebirgsschlaggefahren,
z.B. die Überwachung stehender Stöße mittels Bohrlochverformungs-Sonden, sind vor Zulassung
dem Landesoberbergamt NRW vorzulegen. Dies gilt nicht, wenn solche Verfahren in Kombination
mit anderen Überwachungsmaßnahmen nach Abschnitten 5.3.2, 5.3.9 und 5.3.10 angewendet
werden sollen.

5.3.12 Schriftliche Aufzeichnungen

Bei Testbohrungen sind je Meter Bohrfortschritt folgende Ergebnisse schriftlich festzuhalten:

  1. Bohrkleinmengen,
  2. Entspannungsgeräusche (Knälle oder Arbeiten in der Kohle),
  3. Festklemmen des Bohrgestänges durch Gebirgsdruck,
  4. Hineinziehen des Bohrgestänges in das Bohrloch,
  5. im Bohrloch verbliebenes Bohrgestänge,
  6. Ausblasen von Grubengas,
  7. Bohrklein feucht/naß,
  8. Stein angebohrt.

Die Aufzeichnungen müssen ggf. Angaben darüber enthalten, warum die Sollbohrlochtiefe
nicht erreicht worden ist.

Bei der Anwendung des Drehrohr- oder Drehrüttelverfahrens sind die Ergebnisse der
Dreh- bzw. Rütteltests aufzuzeichnen.

Darüber hinaus muß das Bohrlochprotokoll folgende Angaben enthalten:

Datum und Uhrzeit der Bohrung, Ort der Bohrung, Name des Testers und der verantwortlichen
Person.

Die Aufzeichnungen sind mindestens bis zum Abwerfen des jeweiligen Grubenbaues aufzubewahren.
Eine kürzere Aufbewahrungsfrist bedarf der Zustimmung des Bergamts.

6 Bereiche erkannter Gebirgsschlaggefahr

6.1 Beurteilung der Bohrergebnisse

Eine Gebirgsschlaggefahr gilt als erkannt, wenn eine Testbohrung sowie unmittelbar nachfolgende
Kontrolltestbohrungen (im Regelfall 1 bis 2 Kontrolltestbohrungen) innerhalb der Bohrlochtiefe
von 3 M bei stehenden Stößen und von 3 M + A bei fortschreitenden Stößen zu folgenden
Ergebnissen führen:

  1. Erhöhter Bohrkleinanfall (mehr als 8 l/m bei 50 mm Durchmesser,
                                          mehr als 7 l/m bei 46 mm Durchmesser,
                                          mehr als 6 l/m bei 42 mm Durchmesser)
     und Vorliegen anderer Anzeichen, die auf hohe Gebirgsspannungen hinweisen, wie
    - Entspannungsgeräusche (Knälle oder Arbeiten in der Kohle),
    - Hineinziehen des Bohrgestänges in das Bohrloch oder
     
  2. Festklemmen des Bohrgestänges durch Gebirgsdruck oder
     
  3. Auslösen heftiger Entspannungsgeräusche (100-m-Knälle) beim Bohren.

6.2 Sofortmaßnahmen

Ist eine Gebirgsschlaggefahr nach Abschnitt 6.1 erkannt oder werden heftige Flözreaktionen
wie Flözvorschub oder Kohleauswurf festgestellt, sind sofort folgende Maßnahmen durchzuführen:

  1. Einstellen aller Arbeiten, die nicht der Sicherung des Arbeitsplatzes und der Beseitigung der
    Gebirgsschlaggefahr dienen, Einstellung jeglicher Abbauhammerarbeit,
  2. Räumen der Grubenbaue mit erkannter Gebirgsschlaggefahr und Sichern gegen unbefugtes
    Betreten,
  3. Abgrenzen des gefährdeten Bereiches durch weitere Testbohrungen von spannungsfreien
    Bereichen aus,
  4. Sperren anderer Grubenbaue im Einflußbereich der Entspannungsmaßnahme,
  5. Durchführen der Entspannungsmaßnahmen oder explosionsfestes Abdämmen des betroffenen
    Bereiches.

Die Abgrenzung des Gefahrenbereiches sowie die Entspannungsmaßnahmen dürfen nur in
Anwesenheit einer fachkundigen verantwortlichen Person durchgeführt werden. Entspannungs-
maßnahmen sind so durchzuführen, daß der gesamte Bereich einer erkannten Gebirgsschlaggefahr
erfaßt wird.

Die nach Abschnitt 6.2, Nr.1 und Nr.4 festgelegten Einschränkungen dürfen erst wieder zurück-
genommen werden, wenn der Erfolg der Entspannungsmaßnahme nach Abschnitt 6.4 erreicht ist.

6.3 Entspannungsverfahren

6.3.1 Entspannungsbohren

Standardverfahren für das Beseitigen von Gebirgsschlaggefahren ist das Entspannungsbohren.

Hierfür gelten nachstehende Anforderungen:

  1. Entspannungsbohrungen sind von nachweislich spannungsfreien Bereichen ausgehend anzusetzen.
    Die Bohrungen sollen nicht mehr als 10 m auseinander liegen. Die Richtung der Ent-
    spannungsbohrungen soll im Regelfall der Richtung von Test- und Kontrolltestbohrungen
    entsprechen.
     
  2. Während des Bohrvorganges ist zwischen Steuerstand und Bohrmaschine ein Sicherheitsabstand
    von mindestens 20 m einzuhalten.
  3. Entspannuhgsbohrungen müssen einen Durchmesser von mindestens 95 mm haben. Dabei darf
    nur einwandfreies Entspannungsbohrgestänge verwendet werden. Die Bohrmannschaften
    sind in regelmäßigen Zeitabständen über die ordnungsgemäße Verwendung dieses Bohrgestänges
    zu unterweisen.
  4. Die Tiefe der Entspannungsbohrungen ist so zu bemessen, daß der Kohlenstoß stets, auch
    nach der Gewinnung oder dem Vortrieb, auf eine Tiefe von 3 M abgebohrt ist. Dabei ist jedoch
    anzustreben, die Hochdruckzone zu durchbohren.
     
    In stehenden Stößen soll die Bohrlochtiefe wenigstens 4 M, mindestens jedoch 5 m betragen.
     
  5. Die Bohrergebnisse sind nach Maßgabe des Abschnittes 5.3.12 aufzuzeichnen.
     
    Im Bereich von Flözecken sollte dem Entspannungsbohren vor anderen Entspannungsverfahren
    der Vorzug gegeben werden.
  6. Da durch Entspannungsbohrungen in reinen Ankertrecken bzw. in Streckenabschnitten ohne
    Unterstützungsausbau (Kombi-A) deren Standsicherheit beeinflusst werden kann, ist hierüber
    der Ankeringenieur oder ggfls. ein Sachverständiger nach Abschnitt 7 der Anker-Richtlinien
    unverzüglich durch den Test- und Entspannungsbeauftragten zu informieren.

6.3.2 Entspannungssprengen

Bei der Anwendung des Entspannungssprengens sind die Richtlinien über technische und
organisatorische Maßnahmen bei der Durchführung des Entspannungssprengens in Bereichen
erkannter Gebirgsschlaggefahr (Entspannungssprengen-Richtlinien) vom 6.6.1995 - 18.22.3-8-7 -
(Sammeiblatt A 2.15) zugrunde zu legen.

6.3.3 Sonstige Entspannungsverfahren

Betriebspläne über die Anwendung sonstiger Entspannungsverfahren, z.B. durch Tränken, sind
vor Zulassung dem Landesoberbergamt NRW vorzulegen.

6.4 Uberprüfung des Entspannungserfolges

Das Gebirge gilt als entspannt, wenn die im Anschluß an Entspannungsmaßnahmen durchgeführten
Nachtestbohrungen keine kritischen Testbohrergebnisse nach Abschnitt 6.1 bzw. keinen Bohr-
kleinanfall von mehr als 15 l/m erbracht haben.

Bei Anwendung des Entspannungsbohrens sind an Stößen die Nachtestbohrungen mittig
zwischen dem Entspannungsbohrloch und dem letzten spannungsfreien Testbohrloch herzustellen,
wobei die Bohrlochlänge dem Testprogramm entsprechen muß.

In Vortrieben sind die Nachtestbohrungen mittig, bzw. winkelhalbierend zwischen dem letzten
spannungsfreien Testbohrloch und dem Entspannungsbohrloch sowie zwischen den Ent-
spannungsbohrungen anzusetzen. Die Bohrlochlänge der nur leicht aus der Auffahrrichtung
abgewinkelten Bohrungen beträgt 3 M + A und der anderen Bohrung mindestens 3 M x 1,4.

Bei Anwendung des Entspannungssprengens sind die Ansatzpunkte und Bohrlochlängen der
Nachtestbohrungen entsprechend festzulegen.

Nachtestbohrungen müssen erkennen lassen, ob der Stoß auf die erforderliche Tiefe entspannt
worden ist. Es ist auch zu prüfen, ob seitliche Verlagerungen der Hochdruckzone in zuvor
spannungsfreie Bereiche stattgefunden haben.

Entsprechende Prüfungen sollten auch in anderen Grubenbauen durchgeführt werden, soweit
diese im Einflußbereich der Entspannungsmaßnahmen liegen.

Nachtestbohrungen dürfen nur in Anwesenheit einer fachkundigen verantwortlichen Person
durchgeführt werden.

6.5 Zusatzmaßnahmen nach erfolgter Entspannung

Abbauhammerarbeit darf nur zu Hilfszwecken durchgeführt werden. Eine planmäßige
Abbauhammerarbeit bedarf der Zustimmung des Bergamts.

Auf die Abschnitte 4.2 (Schutzmaßnahmen) und 5.3.6 (Verdichten des Testprogrammes)
wird besonders hingewiesen.

Die Außerbetriebnahme der Erschütterungsschalter nach Abschnitt 8.1 sowie der zusätzlichen
CH4-Meßeinrichtung und Einrichtungen der Atemluftversorgung nach Abschnitt 8.2 bedarf der
Zustimmung des Bergamts.

7. Sachverständige, Beauftragte und beschäftige Personen

7.1 Beteiligung des Sachverständigen

Ein Sachverständiger ist zu beteiligen, wenn

Bei der Abfassung und ggf. Änderung von Testprogrammen nach Abschnitt 4.6 sollte ein Sach-
verständiger beteiligt werden.

Über eingeleitete Entspannungsmaßnahmen nach Abschnitt 6.3 und über alle besonderen
Vorkommnisse bei Test- und Entspannungsmaßnahmen ist ein Sachverständiger unverzüglich
zu informieren.


Anlage 1


Anlage 2


Anlage 3


Anlage 4



 23.12.1999

11.1-1999-4

Bohrloch-Verformungssonden

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

Betr.: Gebirgsschlag-Richtlinien

hier: Überwachung stehender Stöße mittels Bohrlochverformungs-Sonden

Nach Abschnitt 5.3.11 der Gebirgsschlag-Richtlinien vom 10. 11. 1997 durfte eine
Überwachung stehender Stöße mittels Bohrlochverformungs-Sonden (BV-Sonden)
bisher nur in Kombination mit anderen zugelassenen Überwachungsmaßnahmen erfolgen.

Nachdem seit 1993 dieses Verfahren in Kombination mit anderen bereits zugelassenen
Verfahren unter Begleitung der Fachstelle für Gebirgsschlagverhütung der DMT GmbH, Essen,
in zahlreichen Betriebspunkten auf 8 verschiedenen Bergwerken des Bezirkes erfolgreich
durchgeführt wurde, ist eine Verwendung von BV-Sonden nunmehr auch als alleiniges
Verfahren zur Überwachung stehender Stöße zulässig. Eine entsprechende Betriebsan-
weisung wurde zwischenzeitlich von der vorgenannten Fachstelle in Abstimmung mit der DSK
und dem Landesoberbergamt NRW erstellt. Diese Betriebsanweisung ist auch Gegenstand
der derzeit in Überarbeitung befindlichen "Betriebsempfehlungen zur Gebirgsschlagverhütung"
(Nr. 21.1; 7. Auflage).

Betriebspläne über die Verwendung von BV-Sonden zur alleinigen Überwachung stehender
Stöße brauchen daher dem Landesoberbergamt NRW künftig nicht mehr vorgelegt zu werden.

Dortmund, den 23. 12. 1999

Landesoberbergamt NRW

v.  B a r d e l e b e n



31.10.2000

18.7-2000-7

Schutz vor Wasserdurchbrüchen
beim Lösen von Standwasser

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein - Westfalen

Betr.: Schutz vor Wasserdurchbrüchen beim Lösen von Standwasser

Bezug: Mitteilung unter gleichem Datum in Abschnitt M 1 des Sammelblatts


Zur Vermeidung von Wasserdurchbrüchen sind bei der Planung und Durchführung von Wasser-
lösungsbohrungen insbesondere

im Gebirge zu beachten.

Zur Auskesselung neigen insbesondere Schichten aus wasserempfindlichen und quellfähigen
Schiefertonen, durchwurzelte Schiefertone sowie Wurzelböden.

Daher wird bereits bei der Planung von Wasserlösungsbohrungen folgende Verfahrensweise
für erforderlich gehalten:

Bei der Bohrarbeit auftretende Spülungsverluste sind ein Hinweis auf im Gebirge vorhandene
Wasserwegsamkeiten.

Sie werden gebeten, die Bergwerke zu veranlassen, dass Betriebsplänen über Wasserlösungs-
bohrungen ein Nachweis des zuständigen Markscheiders beigefügt wird, dass die vorgenannten
Gesichtspunkte beachtet worden sind.

Im Rahmen der Durchführung von Wasserlösungsbohrungen ist die Standfestigkeit des Standrohres
zu prüfen; der angesetzte Prüfdruck sollte etwa doppelt so hoch wie der zu erwartende maximale
Wasserdruck sein.

Die zu erwartende Wassermenge und die tatsächlich abgezogene Wassermenge sind durch den
Markscheider zu vergleichen. Außerdem ist der Druck des angebohrten Standwassers zu messen
und mit der abgezogenen Wassermenge in Beziehung zu setzen. Bestehen Unsicherheiten hinsichtlich
der vollständigen Lösung des Standwassers, ist durch nachträgliche Bohrungen der Erfolg der
Maßnahme zu überprüfen.

Mit Inkrafttreten der Neufassung der Bergverordnung des Landesoberbergamts NRW für die
Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000 entfiel der vormalige Erlaubnisvorbehalt für
das Lösen von Standwasser. Damit sind die Anforderungen an Wasserlösungsbohrungen künftig
ausschließlich im Betriebsplanverfahren festzulegen. Die vorstehende Rundverfügung wurde
entsprechend modifiziert.

Dortmund, den 31.10.2000

Landesoberbergamt NRW

v.  B a r d e l e b e n



31.10.2000

18.22.3-2000-1

Entspannungssprengen-Richtlinien

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen (außer Düren)

Betr.: Richtlinien über technische und organisatorische Maßnahmen bei der Durchführung des
Entspannungssprengens in Bereichen erkannter Gebirgsschlaggefahr - Entspannungssprengen-
Richtlinien-*)

Bezug: Gebirgsschlag-Richtlinien vom 10.11.1997 - 11.1-8-23 - (Sammelblatt des Landes-
           oberbergamts NRW, Abschnitt A 2.15)

Unter Bezugnahme auf Abschnitt 6.3.2 der Gebirgsschlag-Richtlinien vom 10.11.1997 werden
hiermit die Richtlinien über technische und organisatorische Maßnahmen bei der Durchführung des
Entspannungssprengens in Bereichen erkannter Gebirgsschlaggefahr - Entspannungssprengen-
Richtlinien - bekanntgemacht. Die Richtlinien sind mit der Fachstelle für Gebirgsschlagverhütung und
der Fachstelle für Sprengwesen der DMT-GmbH, Essen, abgestimmt. In die Richtlinien wurden
bewährte Regelungen aus früheren Einzelbewilligungen übernommen sowie Erkenntnisse aus
Versuchen und langjährigen Betriebserfahrungen eingebracht.

Die Richtlinien sind bei der Zulassung von Betriebsplänen über Entspannungssprengen in
Bereichen erkannter Gebirgsschlaggefahr zur Geltung zu bringen.

Zu den Richtlinien sind im einzelnen noch folgende Hinweise und Erläuterungen zu geben:

Zu 4.1

Im Hinblick auf Druck- und Konvergenzauswirkungen auf das Bohrloch und den im allgemeinen
üblichen Patronendurchmesser von 30 bis 32 mm hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die für das
Entspannungssprengen verwendeten Test- und Sprengbohrlöcher mit Bohrkronendurchmessern
von 50 mm zu erstellen.

Zu 4.3

Eine größtmögliche Entspannungswirkung ist dann zu erzielen, wenn die Ladung möglichst intensiv
und großflächig auf die Hochspannungszone einwirkt. Das heißt, je näher die Ladung an die
kritische Spannungszone herangebracht wird und je größer die Sprengenergie der detonierten
Ladung ist, um so größer sind Reichweite und Wirksamkeit der Entspannung.

Zu 4.4

Die Verfahrensanwendung hat ergeben, daß die Prüfung auf Gängigkeit von Entspannungsspreng-
bohrlöchern mit herkömmlichen Ladestöcken nicht genügt.

Zur Prüfung auf ausreichende Gängigkeit sind deshalb eigens hierfür entwickelte, zylindrisch
ausgebildete Bohrlochsondierköpfe zu verwenden, die auf einen entsprechend vorgerichteten
Ladestock oder andere geeignete Hilfsmittel (z.B. Drehrohre) aufgesteckt bzw. aufgeschraubt
werden.

Zu 4.6

Weil Entspannungssprengbohrlöcher im Gegensatz zu Abschlagsprengbohrlöchern stets bis an
eine Zone erhöhter Druckspannungen im Flöz heranreichen, sind Maßnahmen zu treffen, die ein
Desensibilisieren der Ladesäule infolge des Zusammendrückens der Sprengstoffpatronen
ausschließen.

Damit mögliche Bohrlochkonvergenzen abklingen können - nach bisherigen Erfahrungen ist dies
in einem Zeitraum von 20 Minuten zu erwarten - ist zwischen dem Ende des Bohrens und dem
Beginn des Einbringens der Ladesäule eine Wartezeit von 30 Minuten einzuhalten. So wird
erreicht, daß sich die Ladesäule während ihrer anschließenden Verweildauer in einem standfesten
Teil des Bohrloches befindet.

Zu 5.2

Im Unterschied zum Abschlagssprengen wird beim Entspannungssprengen die Vorgabe nicht
geworfen; somit besteht auch keine Gefahr der Zündung von Schlagwettern unter Kanten-
bedingungen. Von daher bestehen sicherheitstechnisch auch keine Bedenken, die brisanteren
Wettersprengstoffe der Klassen II oder I zu verwenden, soweit die wetter- und ausgasungs-
technischen Voraussetzungen dieses zulassen.

Zu 5.3

Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, über die gesamte Länge der Ladesäule Wettersprengschnur
beizuladen. Gezündet wird aus dem Bohrlochtiefsten über einen Sprengmomentzünder, der mit
der Sprengschnur fest verbunden ist und außen an der Schlagpatrone anliegt. Das Zünden der
gesamten Ladesäule mit Sprengschnur verbessert die Detonationswirkung und erhöht die
sprengtechnische Sicherheit. Teilversager werden auf diese Weise ausgeschlossen.

Da nur Sprengmomentzünder verwendet werden dürfen, kann auch eine Sprengbeeinflussung
von Nachbarladungen nicht erfolgen.

Zu 5.4

Zur Vermeidung von Vollversagern müssen die Zünderdrähte höheren Anforderungen entsprechen
als die sonst in Sprengbetrieben üblichen Zünderdrähte.

Zu 5.7

Aufgrund von Untersuchungsergebnissen der Fachstelle für Sprengwesen ist es unbedenklich,
beim Entspannungssprengen die nach Vorschrift verpackungsmäßig eingeschlauchten Wetter-
sprengstoffpatronen von außen durch den mitgelieferten Kunststoff-Folienschlauch mit Wetter-
sprengschnur zu zünden.

Zu 5.8

Die Detonationsfähigkeit der Sprengstoffpatronen kann durch Wassereinwirkung nachteilig
beeinflußt werden. Für das Entspannungssprengen bedeutet dies, daß durch entsprechendes
Einschlauchen der Ladung dafür Sorge getragen werden muß, daß kein Wasser in den
Sprengstoff eindringt.

Zu 5.10

Durchgeführte Versuche der Fachstelle für Sprengwesen mit langen Mörsern und langen
Leerräumen vor der Ladung haben ergeben, daß mit deutlich geringeren Zündgefahren von
Schlagwettern dann zu rechnen ist, wenn am Bohrlochmund eine zusätzliche Besatzpatrone
eingebracht wird.

Zu 6.2

Die nach Abschnitt 5.10 einzubringende Besatzpatrone am Bohrlochmund ist auch bezüglich
der Versagerkontrolle ein weiteres Merkmal dafür, daß die Ladung detoniert ist.

Zu 6.3

Liegt der nach dem Zünden gemessene Widerstand der Zünderdrähte um mindestens 0,4 Ohm
unter dem Wert vor dem Zünden oder ist der Widerstand unendlich, so ist davon auszugehen,
daß der Zünder und somit die Ladesäule detoniert ist.

Hat sich der Widerstand nicht oder nur unwesentlich verändert, handelt es sich um eine
Versagersprengladung.

Nach der Überarbeitung und Veröffentlichung der Gebirgsschlag-Richtlinien vom 10.11.1997
- 11.1-8-23 - und Inkrafttreten der Bergverordnung des Landesoberbergamts NRW für die
Steinkohlenbergwerke (BVOSt) vom 10.01.2000 wurden die Entspannungssprengen-Richtlinien
sowie die zugehörige Begleitverfügung entsprechend modifiziert.

Dortmund, den 31.10.2000

Landesoberbergamt NRW

v.  B a r d e l e b e n



R i c h t l i n i e n
über technische und organisatorische Maßnahmen
bei der Durchführung des Entspannungssprengens
in Bereichen erkannter Gebirgsschlaggefahr
- Entspannungssprengen-Richtlinien -

1. Zweck, Anwendungsbereich

Das Entspannungssprengen ist ein Entspannungsverfahren, mit dem durch Erschütterungen
gefährliche Spannungszonen aus dem Nahbereich von Grubenbauen ins ungefährliche Vorfeld
verlagert werden.

Beim Entspannungssprengen werden Testbohrlöcher in Kohlenstößen, die eine Gebirgsschlaggefahr
anzeigen, möglichst dicht an der Spannungszone mit nichtwerfenden Sprengladungen aus Wetter-
sprengstoffen geladen und mit Sprengmomentzündern gezündet.

2. Allgemeine Grundsätze

2.1 Bei der Anwendung des Entspannungssprengens sind die "Richtlinien des Landesoberbergamtes
Nordrhein-Westfalen zum Schutz für Gefahren durch Gebirgsschläge (Gebirgsschlag-Richtlinien) "
vom 10.11.1997 - 11.1-8-23 - zugrunde zu legen.

Dies gilt nicht für Abweichungen, die sich durch das Entspannungssprengen ergeben.

2.2 Test- und Entspannungsmaßnahmen in Grubenbauen, in denen das Entspannungssprengen
erstmalig angewendet werden soll, sind unter Beratung der Fachstelle für Gebirgsschlagverhütung
durchzuführen. Gegebenenfalls ist auch die Fachstelle für Sprengwesen der DMT-GmbH hinzuzuziehen.
Sofern andere als die vorgenannten Stellen hinzugezogen werden müssen diese die entsprechenden
qualitativen Nachweise dem Landesoberbergamt NRW erbracht haben.

Liegen bereits Erfahrungen und gleichartige Verhältnisse vor, kann auf eine Beratung verzichtet werden.

2.3 Die Maßnahmen zur Gebirgsschlagverhütung sind nach einem gültigen Test- und Entspannungs-
programm durchzuführen. Die erstellten Testbohrungen können für das Entspannungssprengen benutzt
werden.

2.4 Vor Aufnahme der Entspannungsmaßnahmen müssen die rückwärtigen Stöße spannungsfrei sein.
Mit den Entspannungsmaßnahmen ist von spannungsfreien Bereichen aus zu beginnen.

2.5 Das Entspannungssprengen darf nicht angewendet werden, wenn in dem zu entspannenden Bereich
die Spannungsfreiheit geringer als 3 M ist (M = anstehende Flözmächtigkeit in Metern einschließlich
der mit dem Flöz zum Auswandern neigenden Schichten). Beim Auftreten erhöhter Spannungen in
Bereichen zwischen 2 M und 3 M ist die weitere Vorgehensweise mit dem Bergamt und der Fachstelle
für Gebirgsschlagverhütung abzustimmen.

3. Beteiligte Personen

3.1 Entspannungssprengen und Nachtestbohrungen dürfen nur in Anwesenheit einer fachkundigen
verantwortlichen Person ausgeführt werden.

3.2 Die beteiligten Personen - wie Test- und Entspannungsbeauftragte, Teststeiger, Sprengsteiger,
Sprengbeauftragte und fachkundige verantwortliche Personen - müssen durch die Fachstelle für
Gebirgsschlagverhütung sowie durch die Fachstelle für Sprengwesen für die Durchführung des
Entspannungssprengens ausgebildet sein.

Sie müssen in Zeitabständen von längstens 3 Jahren erneut unterwiesen werden. Ihnen ist eine
Dienstanweisung auszuhändigen.

3.3 Bei den Vorbereitungsarbeiten zum Entspannungssprengen und dem Laden der Bohrlöcher dürfen
Sprenghelfer beteiligt werden. Diese Personen dürfen selbst jedoch nur die Sprengstoffladesäule und
den Besatz einbringen.

4. Grundsätze für das Erstellen und Laden der Bohrlöcher

4.1 Testbohrlöcher, die für das Entspannungssprengen vorgesehen sind, sollten mit einem Bohr-
kronendurchmesser von 50 mm erstellt werden.

4.2 Der Abstand der Testbohrlöcher, die zum Entspannungssprengen benutzt werden sollen,
darf 10 Meter nicht überschreiten.

4.3 Weitere Testbohrlöcher im Nahbereich von kritischen Testbohrlöchern dürfen erstellt werden,
um an dieser Stelle die Entspannungswirkung zu erhöhen.

Der Abstand und die Anordnung der Entspannungssprengbohrlöcher ist so zu wählen, daß ein
Nachtesten des anschließend gesprengten Bereichs möglich ist, ohne dass durch Nachtest-
bohrungen bereits vorher benutzte Sprengbohrlöcher angebohrt werden.

4.4 Unmittelbar vor dem Laden der Sprengbohrlöcher sind diese mit einem Bohrlochsondiergerät
auf Gängigkeit zu prüfen.

4.5 Der Freiraum zwischen dem Ladesäulenende und dem Bohrlochmund darf bei der Bemessung
der Ladesäulenlänge einen Wert von 1,5 M nicht unterschreiten, damit die Vorgabe nicht geworfen
wird. Bei Flözen mit einer gesamten Mächtigkeit größer 2 Meter reicht ein Freiraum von 3 Metern
aus.

4.6 Das Laden der Bohrlöcher darf frühestens 30 Minuten*) nach deren Fertigstellung erfolgen.
Die Sprengarbeit ist so zu organisieren, daß der Zeitraum zwischen Laden und Zünden nicht mehr
als 60 Minuten*) beträgt.


*) Nach Vorliegen von Erfahrungen über die Standsicherheit von Bohrlöchern können diese Zeiträume
    mit zustimmung des Bergamts geändert werden.

5. Handhabung und Durchführung des Sprengvorgangs

5.1 Die Sprengladung je Sprengbohrloch sollte im allgemeinen aus 20 Patronen entsprechend einer
Ladesäule von 2,5 Meter Länge eines Wettersprengstoffes der Klasse lll bestehen.

5.2 Abweichend von Abschnitt 5.1 darf zur Verstärkung der Erschütterungseinwirkungen auch ein
Wettersprengstoff einer niedrigeren Klasse verwendet werden, falls dies am jeweiligen Betriebspunkt
nach der Sprengtabelle für das herkömmliche Sprengen zulässig ist.

5.3 Zum Zwecke einer zuverlässigen Detonationsübertragung ist über die gesamte Länge der Ladesäule
Wettersprengschnur beizuladen. In begründeten Fällen darf hiervon abgewichen werden, wenn durch
andere geeignete Hilfsmittel, wie z. B. Halbschalen oder Hartstäbe, eine geschlossene Ladesäule
gewährleistet wird.

5.4 Die Zünderdrähte müssen aus Kupfer mit verstärkter Isolierung bestehen.

5.5 Der elektrische Widerstand der einzelnen Sprengmomentzünder ist vor der Verwendung mit einem
Zündkreisprüfer mit Digitalanzeige und einer Auflösung von 0,1 Ohm zu messen. Der Meßwert für den
jeweiligen Zünder ist festzuhalten.

5.6 Der Zünder muß mit der Wettersprengschnur fest verbunden werden (Umwickeln mit Isolierband
oder ähnlichem). Dabei muß der Zünder mit dem freien Ende der Wettersprengschnur abschließen.

Der Zünderboden muß nach dem späteren Einbringen der Gesamtladung zum Bohrlochmund zeigen.

5.7 Die Kombination aus Zünder und Sprengschnur ist außen an der ersten Patrone der Wetterspreng-
stoffpatronensäule zu befestigen.

5.8 Die gefertigte Kombination von Patronen/Zünder/Sprengschnur ist in einen Ladeschlauch aus
verstärktem Hüllenmaterial entsprechender Länge einzubringen. Die Sprengstoffpatronen müssen
hierbei im Schlauch eine geschlossene Ladesäule bilden.

5.9 Die eingeschlauchte Ladung ist mit einer Gleitschutzhülse zu versehen und mit der Schlagpatrone
zuerst in das Bohrloch einzuführen.

5.10 In jedes Bohrloch ist eine Wasserbesatzpatrone unmittelbar auf die Ladesäule aufzubringen.
Am Bohrlochmund ist eine zweite Wasserbesatzpatrone einzubringen.

5.11 Über alle Bohrlöcher sind Aufzeichnungen gemäß Abschnitt 5.3.12 der Gebirgsschlag-Richtlinien
anzufertigen. Die Lage der Ladesäule von der ersten bis zur letzten Patrone ist beim Ladevorgang
festzustellen und in den Aufzeichnungen festzuhalten.

5.12 In einem Zündgang dürfen nicht mehr als 20 Ladungen gezündet werden. In sonderbewetterten
Betrieben darf die Länge des durch Entspannungssprengen zu entspannenden Bereichs 50 Meter
nicht überschreiten.

5.13 Der Sicherheitsabstand zwischen Zünd- und Sprengstelle ist so festzulegen, daß die Zündstelle
in einem ungefährdeten Bereich liegt. Der Sicherheitsabstand muß mindestens 100 Meter betragen.

6. Maßnahmen nach dem Sprengen

6.1 Nach dem Zünden der Ladungen darf die Sprengstelle erst wieder betreten werden, wenn durch
das Sprengen ausgelöste Entspannungserscheinungen (Gebirgsknälle) mit Kohlenauswurf und
Kohlenvorschub) nicht mehr wahrgenommen werden. Es ist eine Wartezeit von mindestens
15 Minuten einzuhalten.

6.2 Aus dem Zustand der Zünderdrähte (z. B. durch detonierten Sprengstoff verschmorte Drahtisolation)
sind Schlußfolgerungen darüber zu ziehen, ob die Ladung durchdetoniert ist oder nicht.

6.3 Lassen sich die Zünderdrähte nicht oder nur schwer ziehen, ist ihr Widerstand mit einem
Zündkreisprüfer zu messen und mit dem Wert der Messung vor der Sprengung nach Abschnitt 5.5
zu vergleichen.

6.4 Die Wirkung der Entspannungsmaßnahmen ist in jedem Fall durch Nachtestbohrungen
nachzuweisen. Die Ergebnisse sind nach den Gebirgsschlag-Richtlinien zu beurteilen.

7 Sprengversager

7.1 Ist aufgrund der Ergebnisse der Prüfung nach den Abschnitten 6.2 und 6.3 davon auszugehen,
daß ein Sprengversager vorliegt, ist der Sprengsteiger hinzuzuziehen, der über die zu ergreifenden
Maßnahmen entscheidet.

7.2 Sprengversager dürfen nicht angebohrt werden oder bei späteren Gewinnungsvorgängen nicht
in den Arbeitsbereich der Gewinnungsmaschine gelangen.

7.3 Bei Sprengversagern, die nicht beseitigt werden können, ist das Bergamt unverzüglich zu
benachrichtigen.



12.07.2002

83.11.1-2002-1

Einbringen von stationären Überwachungseinrichtungen
in Testbohrlöcher

A 2.15

An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Gebirgsschlag-Richtlinien

Einbringen von stationären Überwachungseinrichtungen in Testbohrlöcher

Mit Schreiben vom heutigen Tage habe ich einem Antrag der DMT-Fachstelle für Gebirgsschlag-
verhütung dahingehend zugestimmt, dass künftig die bisherigen Grenzwerte für das Einbringen von
stationären Überwachungseinrichtungen (Drehrohre, Drehrüttelrohre und Bohrlochverformungssonden)
von 4 bzw. 5 l auf einheitlich 6 l Bohrklein je Bohrmeter, unabhängig von der Bohrlochtiefe, erhöht
werden.

Grundlage des Antrags waren umfangreiche labortechnische Untersuchungen, die durch zahlreiche
Untertagebeobachtungen der Fachstelle bestätigt wurden. Auch haben die bisherigen Erprobungs-
einsätze unter Berücksichtigung des neuen Grenzwertes keine sicherheitlichen Nachteile erkennen
lassen.

Der Abschnitt 5.3.9, Nr. 3, Buchstabe a der Gebirgsschlag-Richtlinien lautet nunmehr:

5.3.9 Drehrohrverfahren

Die Deutsche Steinkohle AG habe ich mit Schreiben vom heutigen Tage über vorstehende Änderungen
unterrichtet und gebeten, die zugehörigen Betriebsanweisungen entsprechend anzupassen.

Dortmund, den 12. Juli 2002

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
in Nordrhein-Westfalen
 
In Vertretung
G ü n t e r   K o r t e



13.01.2006

83.18.8-2000-12

Richtlinien über das explosionsfeste
Abdämmen von aufgegebenen Grubenbauen

A 2.15


An die Bergämter des Landes Nordrhein-Westfalens (außer Düren)

Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg über das explosionsfeste Abdämmen von aufgegebenen
Grubenbauen

Rundverfügungen vom 21.04.1971, 15.03.1979 und 20.12.1985 - 18.13.1-2-1 -

Mit den nachfolgend bekannt gemachten Richtlinien werden die bisherigen Abdämmungs-Richtlinien
sowie zugehörige Ergänzungsverfügungen aktualisiert.

Die unter Beteiligung der Deutschen Steinkohle AG und der Bergämter erarbeitete Neufassung war
geboten, da sich der Stand der Technik beim Erstellen von Abschlussdämmen in Bezug auf die
bisherigen Richtlinien wesentlich geändert hat.

Darüber hinaus enthielten die vormaligen Richtlinien umfangreiche Anforderungen an das Sperren
aufgegebener Grubenbaue, das nach der geltenden Bergverordnung für die Steinkohlenbergwerke
(BVOSt) nicht mehr zulässig ist.

Ich bitte die aktualisierten Abdämmungs-Richtlinien betriebsplanmäßig zur Geltung zu bringen.

Die bisherigen „Richtlinien für Sperrung und Abdämmung von Grubenbauen im Steinkohlenbergbau“
vom 21.4.1971, - 18.13.1-2-1 - und zugehörige Ergänzungsverfügungen vom 15.3.1979 sowie vom
20.12.1985 werden hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg
über das explosionsfeste Abdämmen von
aufgegebenen Grubenbauen
(Abdämmungs-Richtlinien)

Inhaltsverzeichnis

1.     Anwendungsbereich

2.     Begriffsbestimmungen

3.     Planung und Errichtung explosionsfester Dämme

4.     Überwachung explosionsfester Dämme
4.1   Prüfung nach Fertigstellung
4.2   Folgeprüfungen

5.   Dokumentation

Anlage 1  Standardberechnung explosionsfester Kurzdämme

Anlage 2   DSK-Regelungen zum Einsatz von mineralischen Baustoffen unter Tage

Anlage 3    Betriebsempfehlung: Bewetterung und Überwachung von Abschlussdämmen

Anlage 4    Dammtafel

 
1.   Anwendungsbereich

Diese Richtlinien gelten für das explosionsfeste Abdämmen von aufgegebenen Grubenbauen
im nordrhein-westfälischen Steinkohlenbergbau nach § 26 Abs. 1 BVOSt. Die Anforderungen
an die Überwachung und Dokumentation nach den Abschnitten 4 und 5 gelten auch für bereits
vorhandene Abschlussdämme.

Diese Richtlinien gelten nicht für Spezialdämme ( z. B. Brand- oder Wasserdämme ) sowie für
das Abdämmen und/oder Verfüllen aufgegebener Tagesschächte.

2.    Begriffsbestimmungen

Explosionsfeste Dämme:

Dämme in söhligen und geneigten Grubenbauen gelten als explosionsfest, wenn sie rechnerisch
einer statischen Druckbelastung von mindestens 5 bar in Richtung der Streckenachse standhalten.

In seigeren Grubenbauen müssen explosionsfeste Dämme einer statischen Druckbelastung von
mindestens 8 bar, die von oben auf den Damm wirkt, standhalten.

3.   Planung und Errichtung explosionsfester Dämme

Der Wetteringenieur ist sowohl bei der Wahl des Standortes von Abschlussdämmen  und eventuell
erforderlicher Zusatzmaßnahmen, wie Verpressarbeiten vor Aufnahme der Dammbauarbeiten, als
auch bei der Festlegung der Einbauten ( Entgasungs- und Entwässerungsleitung, Dammrohre )
maßgeblich am Entscheidungsprozess zu beteiligen. Auf Grund von Wetternetzberechnungen und
betrieblichen Erfahrungen hat der Wetteringenieur vor der Festlegung der Dammbaustelle und der
erforderlichen Dammeinbauten festzulegen, in welche Kategorie der Abschlussdamm voraussichtlich
eingestuft werden muss. Hiervon ausgehend ist nach dem nachfolgend dargestellten Entscheid-
ungsweg vorzugehen.

Anlage 1 Flussdiagramm

Explosionsfeste Abschlussdämme werden üblicherweise als Kurzdämme aus mineralischen
Dammbaustoffen mit hoher Biegezugfestigkeit errichtet. Die erforderliche Festigkeit dieser
Dämme ist rechnerisch nachzuweisen. Dabei sind zu erwartende Einwirkungen des Gebirgsdrucks
auf den Damm  zu berücksichtigen. Bauweise, Material und Einbauten der Abschlussdämme
müssen so beschaffen sein, dass äußere Einflüsse (z.B. aggressive Wässer,  Luftfeuchtigkeit oder
Temperatur) die Explosionsfestigkeit nicht beeinflussen können. Die Standardberechnungsverfahren
sind in der Anlage  1 dargestellt. Abweichungen von den Standardberechnungsverfahren bedürfen
einer Prüfung durch einen dafür anerkannten Sachverständigen oder einer anerkannten sachverständigen
Stelle.

Abschlussdämme sind mit einer ausreichenden Anzahl von Dammrohren zur Bewetterung sowie
mit Schnüffelrohren zu versehen. Alle durch den Damm führenden Rohre und ihre Armaturen
müssen einer statischen Druckbelastung von mindestens 5 bar standhalten. Die Rohre sind so
einzubauen, dass sie von der befahrbaren Seite jederzeit zugänglich sind.

Bei der Errichtung der Dämme sind die „DSK-Regelungen zum Einsatz von mineralischen Baustoffen
unter Tage“ (s. Anlage 2) zu berücksichtigen.

4.   Überwachung explosionsfester Dämme

Zur Bewetterung und Überwachung von Abschlussdämmen ist die Betriebsempfehlung
„Bewetterung und Überwachung von Abschlussdämmen“ zu beachten (s. Anlage 3).
Zusätzlich ist Folgendes zu beachten:

4.1    Prüfung nach Fertigstellung

Spätestens 14 Tage nach Beendigung der Abdämmungsarbeiten muss eine Prüfung nach
§ 4 Abs. 2 BVOSt durch eine verantwortliche Person erfolgen. Dabei sind festzustellen:

  1. der Zustand des Dammes und des umgebenden Gebirges sowie des Dammanschlusses
    an das Gebirge,

  2. das Wetterdruckgefälle am Damm (Unterschied der statischen Drücke vor und hinter
    dem Damm),

  3. die Wirksamkeit des Dammabschlusses durch Prüfung auf  Wettereintritts- oder
    Gasaustrittsstellen,

  4. der Gehalt der Wetter vor dem Damm an CH4 und anderen schädlichen Gasen; die
    Feststellung des Gehalts an anderen schädlichen Gasen kann entfallen, wenn die zuständige
    verantwortliche Person (Brandschutz- und Wettersteiger) es nach den örtlichen Gegebenheiten
    nicht für notwendig hält,

  5. bei ausziehenden Dämmen die Gehalte an CH4 und anderen schädlichen Gasen
    - insbesondere CO - im geöffneten Schnüffelrohr.

Bei Dämmen, die zum Abschluss vorher nicht durchschlägiger Grubenbaue dienen, können die
Feststellungen nach den Buchstaben b. und c. entfallen.

4.2 Folgeprüfungen

Weitere Prüfungen nach § 4 Abs. 2 BVOSt  sind in Abständen von 14 Tagen über einen Zeitraum
von mindestens 6 Wochen entsprechend Abschnitt 4.1 a. bis e. vorzunehmen. Daran anschließend
ist entsprechend Abschnitt  4.1. a. bis e. mindestens jährlich zu prüfen. Über die jährlichen Prüfungen
nach Abschnitt 4.1 b. hinaus ist das Wetterdruckgefälle am Damm nach wesentlichen Änderungen
der Wetter- oder Druckverteilung zu ermitteln (z.B. Druckänderungen im Bereich von Dämmen).

Besteht die Gefahr, dass die Dichtheit oder Explosionsfestigkeit  eines Dammes durch äußere Einflüsse,
z.B. durch Abbaueinwirkungen beeinträch-tigt wird, so sind für die Überwachung kürzere Fristen
festzulegen.

Bei Dämmen, die zum Abschluss vorher nicht durchschlägiger Grubenbaue dienen, können die
Feststellungen nach Abschnitt 4.1 b. und c. auch bei den weiteren Prüfungen entfallen.

5. Dokumentation

Für  jeden Abschlussdamm sind  Nachweise mit folgenden  Angaben zu füh-ren und verfügbar zu halten:

  1. Kennzeichnung,

  2. Ortsangabe,

  3. Maße des Grubenbaues an der Einbaustelle (größte Höhe und Breite nach Lüften des
    Verzuges ohne Auskerbungen für die Widerlager bzw. Stützwände),

  4. Bauart (z. B. Länge des Dammkerns, verwendeter Baustoff),

  5. Datum der Fertigstellung,

  6. Datum und Ergebnis der Prüfung nach Abschnitt 4.1,

  7. Datum und Ergebnisse der Folgeprüfungen nach Abschnitt 4.2,

  8. nachträgliche bauliche Änderungen und Abdichtungsmaßnahmen.

Die Nachweise für Dämme sind auch dann weiterhin aufzubewahren, wenn der Damm selbst
nicht mehr zugänglich ist.

Abschlussdämme sind durch Tafeln (s. Anlage 4) mit Angaben zum Datum, der Richtung des
ermittelten Wetterdruckgefälles, Dammnummer und Unterschrift des Prüfers zu kennzeichnen.

Abschlussdämme sind dem Markscheider zu melden und in das Grubenbild einzutragen sowie
gem. § 16 Abs. 6 ABBergV im Bewetterungsplan darzustellen.


Bild Anlage 1


Anlage 2

DSK-Regelungen zum Einsatz von mineralischen Baustoffen unter Tage

1   Anwendungsbereich

Diese Regelungen gelten für alle Grubenbaue der Bergwerke in der DSK. Sie beschreiben die
grundsätzlichen,  zu berücksichtigenden Gesichtspunkte beim Einsatz von mineralischen Baustoffen
gemäß nachfolgender Definitionen. Vom Anwendungsbereich ausgenommen sind die maschinen-
technischen Aspekte, die Einrichtungen zum Einbringen von Baustoffen gemäß Anlage 1, sowie
Sonderbaustoffe, wie z.B. Injektions- und Ankermörtel.

2   Definitionen

Hinterfüllen: 

Verfüllen von Hohlräumen zwischen den mit Verzugsmatten und Abdichtgewebe  (z.B. Jute) hinterlegten Stahlbögen und dem Gebirge.

Durchspritzen:

Verfüllen von Hohlräumen zwischen den mit offenen Verzugsmatten versehenen Stahlbögen und dem Gebirge durch radialen Auftrag des  Baustoffes. Hierbei kann der Verzug mit eingespritzt  werden.

Versiegeln:

Verschließen von Rissen und Klüften durch Auftrag mit nicht weiter definierter Spritzstärke, um dichte Oberflächen zu schaffen.

Anspritzen / Torkretieren: 

Auftragen von anhaftendem Baustoff mit oder ohne bewehrende(n) Fasern in definierter Spritzstärke.

Konsolidieren:

Anspritzen freigelegter Gesteinsflächen mit  soforttragenden Baustoffen ( 5 N/mm² nach 1 h ) zur schnelleren Sicherung gegen Stein- und Kohlenfall.

3   Allgemeine Anforderungen


4   Besondere Anforderungen bei der Anwendung der Spritzverfahren

Bei der Anwendung des Nassspritzverfahrens (hydromechanische oder hydraulische Verarbeitung)
sind folgende Gesichtspunkte zu beachten:

Bei der Anwendung des Trockenspritzverfahrens (pneumatische Verarbeitung) ist insbesondere
zu beachten, dass die Funktion und der Zustand der Bedüsungseinrichtung unmittelbar  vor
Aufnahme und sowie nach Ende der Spritzarbeiten  geprüft werden.

Anlagen

Anlage 2 Bild 1

  Anlage 2 Bild 2

Anlage 2 - Anlage 2

Betriebsanweisung

für Personen, die mit hydraulisch abbindenden Baustoffen umgehen

Ausgabe: Juli 1989
RAG-Nr. 849203

1. Allgemeines

1.1 Diese Betriebsanweisung gilt für Personen, die mit Baustoffen umgehen. Zum Beispiel bei dem
     Herstellen von Streckenbegleitdämmen,

1.2 Mit Baustoffen dürfen nur Personen umgehen, die hierfür unterwiesen und beauftragt sind.

1.3 Die meisten hydraulisch abbindenden Bau- und Zumischstoffe können durch ihre ätzende
      Wirkung Schädigungen der Haut hervorrufen. Besonders gefährdet sind Augen, Schleimhäute
      und Wunden sowie Reib- und Schwitzstellen.

1.4 Betriebsanleitung, Betätigungs- und Wartungsanweisung des Herstellers der Maschine sowie
     die Verarbeitungshinweise für den Baustoff sind zu beachten.

1.5 Hinweis- und Warnschilder beachten.

1.6 Undichte Maschinen und Leitungen könne zu Verletzungen und Staubentwicklungen führen.
      Festgestellte Mängel an Maschinen oder Leitungen sofort beseitigen. Ist dies nicht möglich,
      die zuständige Aufsichtsperson benachrichtigen. Können durch Mängel Personen gefährdet
      werden, muß die Anlage außer Betrieb genommen werden.

2. Persönliche Körperschutzmittel

2.1 Beim Umgang mit Baustoffen müssen persönliche Körperschutzmittel getragen werden
     (z. B. Augen-/Gesichtsschutz, Atemschutz, Schutzkleidung, Stulpenhandschuhe).

2.2 Freie Körperstellen schützen (z. B. durch Hautschutzcreme).

3. Maßnahmen bei Hautkontakt mit Baustoffen

3.1 Augenspritzer sind mit viel Wasser auszuspülen. Der werksärztliche Dienst ist unverzüglich
      aufzusuchen.

3.2 Spritzer auf der Haut sofort gründlich mit Wasser abwaschen.

4. Betriebsvorbereitung

4.1 Vor Aufnahme des Betriebes den sicheren Standort und die ordnungsgemäße Installation der 
      Anlage überprüfen (besonders bei mobilen Anlagen). Sicherstellen, daß ausreichende Betätigungs-
      freiräume vorhanden sind.

4.2 Vor Aufnahme des Betriebes auf Vorhandensein und Funktionsfähigkeit überprüfen:

4.2 Bei zentraler Baustoffversorgung auf die richtige Anwahl der anfordernden Betriebe achten
     (Rohrleitungsweiche).

4.3 Vor Aufnahme des Betriebes überprüfen, ob sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten.

5.  Betrieb

5.1 Bei laufendem Betrieb auf folgendes achten:

5.2 Niemals Schutzvorrichtungen ändern oder entfernen.

6. Betriebsstörungen, Wartungs- und Reparaturarbeiten

6.1 Störungsbeseitigungen, Wartungs- und Reparaturarbeiten dürfen nur bei stillgesetzter und
     druckentlasteter Anlage durchgeführt werden.Die Anlage gegen unbefugtes Wiedereinschalten
     sichern.

6.2 Beseitigung von Leitungsverstopfern

7. Nach Betrieb

7.1 Nach Beendigung der Baustoffversorgung

7.2 Nach Beendigung der Arbeiten die Anlage gegen unbefugte Inbetriebnahme sichern.

8. Zusätzliche betriebliche Anweisungen


Anlage 3

Betriebsempfehlung

Bewetterung und Überwachung von Abschlussdämmen

Allgemeines

Diese Betriebsempfehlung soll den Wetteringenieuren einen Leitfaden für die Auslegung und
Überwachung der Bewetterung an Abschlussdämmen geben, so dass Gefahren durch Austreten
von CHoder anderen schädlichen Gasen schon frühzeitig in der Planungsphase und im laufenden
Betrieb vermieden werden können.

Gesetzliche Vorschriften

  1. Gemäß § 16 Absatz 1 ABBergV hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass alle untertägigen
    Arbeitsstätten mit einem ausreichendem Sicherheitsspielraum so bewettert werden, dass eine
    Atmosphäre aufrechterhalten bleibt, die

    - für die Sicherheit und Gesundheit unbedenklich ist,
    - den durch Explosionen und atembare Stäube bedingten Gefahren Rechnung trägt,
    - den Arbeitsbedingungen während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der angewandten
       Arbeitsmethoden und körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten angemessen ist.

  2. Gemäß § 32 Absatz 2 BVOSt müssen nicht durchschlägige Grubenbaue durch Sonderlüfter
    oder durch gleichwertige Einrichtungen (Stoßlutten) bewettert werden (Sonderbewetterung).
    Dies gilt nicht für söhlige Grubenbaue bis zu 6 m Länge und Schachtsümpfe, wenn der
    zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder anderen schädlichen Gasen nicht überschritten
    wird 1) .

  3. Desweiteren müssen gemäß § 26 BVOSt aufgegebene Grubenbaue an den Zugängen durch
    explosionsfeste Dämme abgeschlossen werden. Die Bauart dieser explosionsfesten Dämme
    und deren Überwachung sind in den Richtlinien des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen
    für die Sperrung und Abdämmung von Grubenbauen im Steinkohlenbergbau vom 21.04.1971
    in der Fassung vom 20.12.1985 – 18.13.1 II 1 – (Dammbau-Richtlinien) geregelt.


1) Änderung gemäß BVOSt vom 10.01.2000 in der Fassung vom 01.05.2001: "Dies gilt nicht
    für söhlige Grubenbaue bis zu 6 m Länge ohne anschließende Abschlussdämme und Schacht-
    sümpfe, wenn der zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder anderen schädlichen Gasen nicht
    überschritten wird."

Begriffsbestimmungen

Abschlussdämme

Die im Grubengebäude vorhandenen Abschlussdämme lassen sich in mehrere Kategorien einteilen.
Es liegt in der Verantwortung des Wetteringenieurs diese Einteilung vorzunehmen. Diese Einteilung
muss nach relevanten Änderungen in der Wetterverteilung erneut vorgenommen werden und die
entsprechenden Maßnahmen festgelegt werden.

Einziehende Abschlussdämme

Einziehende Abschlussdämme zeichnen sich dadurch aus, dass unabhängig von Luftdruck-
schwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druckschwankungen im
Grubengebäude das Druckgefälle immer in Richtung des abgedämmten Grubenbaues gerichtet ist.

Ausziehende Abschlussdämme

Ausziehende Abschlussdämme zeichnen sich dadurch aus, dass unabhängig von Luftdruck-
schwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druckschwankungen im
Grubengebäude das Druckgefälle immer in Richtung des offenen Grubengebäudes gerichtet ist.

Abschlussdämme mit wechselndem Druckgefälle

Abschlussdämme mit wechselndem Druckgefälle zeichnen sich dadurch aus, dass abhängig von
Luftdruckschwankungen, Öffnen oder Schließen von Wettertüren oder sonstigen Druck-
schwankungen im Grubengebäude das Druckgefälle sowohl in Richtung des offenen Gruben-
gebäudes als auch  in Richtung des abgedämmten Grubenbaues gerichtet sein kann.

Maßnahmen vor Errichtung von Abschlussdämmen

Der Wetteringenieur ist sowohl bei der Wahl des Standortes von Abschlussdämmen und eventuell
erforderlicher Zusatzmaßnahmen, wie Verpressarbeiten vor Aufnahme der Dammbauarbeiten, als
auch bei der Festlegung der Einbauten (Entgasungs- und Entwässerungsleitung; Dammrohre)
maßgeblich am Entscheidungsprozess zu beteiligen.

Anlage 1 Flussdiagramm

Auf Grund von Wetternetzberechungen und betrieblichen Erfahrungen hat der Wetteringenieur
vor der Festlegung der Dammbaustelle und den erforderlichen Dammeinbauten festzulegen, in
welche Kategorie der Abschlussdamm voraussichtlich eingestuft werden muß. Hiervon
ausgehend ist nach oben dargestellten Entscheidungsbaum vorzugehen.

Bewetterung von Abschlussdämmen

Gemäß § 32 Absatz 1 BVOSt ist die Bewetterung von Grubenbauen, hier Streckenstümpfen
vor Abschlussdämmen, so auszulegen, dass der zulässige Gehalt der Wetter an CH4 oder
anderen schädlichen Gasen nicht überschritten wird. Bei der Auswahl der Bewetterungsform
sind durch den Wetteringenieur folgende Aspekte mit einzubeziehen:

Sind Gefahren durch CH4-Zuströme oder Zuströme durch andere schädliche Gase nicht auszuschließen,
können, gemäß der Entscheidung des Wetteringenieurs, die folgenden Zusatzmaßnahmen zur Anwendung
kommen:

Die Überwachung mit Hilfe stationärer Messeinrichtungen ist so zu gestalten, dass bei Erreichen
der vorgeschriebenen Grenzwerte an einer ständig besetzten Stelle Warnsignale ausgelöst werden.

Bei Erreichen unzulässiger CH4-Gehalte ist sicherzustellen, dass die gegebenenfalls im Streckenstumpf
vorhandenen nicht eigensicheren elektrischen Betriebsmittel unverzögert abgeschaltet werden.
Bei Neuinstallationen elektrischer Betriebsmittel muß eine selbsttätige Abschaltung vorgesehen werden.

Maßnahmen nach Errichtung von Abschlussdämmen

Nach der Fertigstellung von Abschlussdämmen ist eine Abnahme gemäß Abschnitt 5.4 der
Dammbau-Richtlinien durch eine hierfür bestellte verantwortliche Person erforderlich. In
Abschnitt 5.4 der Dammbau-Richtlinien wird sowohl die Abnahme als auch die weitere
Überwachung der Abschlussdämme geregelt. Somit können eventuell erforderliche Nachdicht-
maßnahmen unverzüglich festgelegt und in die Wege geleitet werden. Es wird hier die Kontrolle
des äußeren Zustandes der Dämme, Bestimmung des Druckgefälles an den Dämmen, Kontrolle
der Dichtigkeit sowie die Überwachung hinsichtlich CH4 oder anderer schädlicher Gase vor den
Dämmen und auch hinter den Dämmen (Schnüffelrohr-Probe) gefordert. Bei Abdämmungen von
nicht durchschlägigen Grubenbauen brauchen die Prüfungen nicht im vollen Umfang durchgeführt
werden. Diese Prüfungen müssen spätestens 14 Tage nach Beendigung der Abdämmarbeiten und
dann anschließend in Abständen von 14 Tagen über einen Zeitraum von mindestens 6 Wochen
durchgeführt werden. Danach müssen die Prüfungen in mindestens jährlichen Abständen wiederholt
werden. Diese Intervalle müssen verkürzt werden, wenn die Dichtigkeit oder Widerstandsfähigkeit
eines Dammes beeinträchtigt wird.

Die hierfür bestellte verantwortliche Person nimmt die Bewetterungsmaßnahmen ab.

Gemäß Abschnitt 3.3.3 der Wetterdruck-Richtlinien vom 06.12.1972 ist der Druckabfall der
Wetter im Grubengebäude nach wesentlichen Änderungen der Wetterverteilung zu ermitteln. Nach
Abschnitt 5.2 der Richtlinie ist bei Änderungen der Druckverteilung zu beachten, dass in abgedämmten
Grubenbauen der bestehende Zustand gestört oder die Brandgefahr durch verstärkte Schleichwetter-
ströme erhöht werden kann. In Abschnitt 5.5 der Dammbau-Richtlinien wird darauf hingewiesen,
dass die Auswertung der Überwachungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Wetterüberwachung
des gesamten Grubengebäudes zu sehen ist. In diesem Zusammenhang sind auch Abbaueinwirkungen
auf die abgedämmten Grubenbaue, Änderungen des barometrischen Luftdruckes sowie Änderungen
im Wetternetz mit in die Bewertungen einzubeziehen. Vor Wetterumstellungen ist daher die Beeinflussung
der Abschlussdämme zu ermitteln und eventuell erforderliche Maßnahmen festzulegen. Hierzu kann
es erforderlich werden, die Bewetterungsform des Streckenstumpfes den neuen Gegebenheiten
anzupassen.

Nach erfolgter Wetterumstellung sind die beeinflussten Dämme zu überprüfen.

Erhebliche Beeinflussungen im Ausgasungsverhalten von Dämmen können sich durch Abdämmungs-
maßnahmen von Nachbarbergwerken ergeben. Werden Grubenbaue – insbesondere Ausziehschächte –
abgedämmt oder abgeworfen, so können sich über weitverzweigte untertägige Verbindungen und
Dämme zusätzliche Gaszuströme einstellen. Ein enger Informationsaustausch zwischen den
betroffenen Bergwerken ist unbedingt herzustellen.


Anlage 4

Anlage 4