04.11.1976

17.22-1-27

Zündmaschinen für Parallelschaltung
Richtlinien

A 2.13

19.06.1979

17.7-5-3


Verlust einer Zündmaschine


A 2.13

83.17.8-2002-9

25.09.2002

Sprengschwaden-Richtlinien

A 2.13

22.06.2005

83.17.12-2005-1

Zündmaschinen-Richtlinien

A 2.13

22.06.2005

83.17.15-2005-1

Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien

A 2.13

07.07.2005

83.01.22.7-2005-1

Umgang mit Sprengmitteln
(Umgangs-Richtlinien)

A 2.13

23.11.2006

83.17.15-2006-2

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb
von übertägigen Sprengmittellagern

A 2.13

23.11.2006

83.17.15-2006-1

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb
von Sprengmittellagern unter Tage
des Nichtsteinkohlenbergbaus

A 2.13

23.11.2006

83.17.15-2006-3

Richtlinien
für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern unter Tage des Steinkohlenbergbaus

A 2.13

16.02.2011

62.17.8-2010-4

Musterbetriebsplan-Sprengen

A 2.13

Beantragung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung für Sprengarbeiten



04.11.1976

17.22-1-27

Zündmaschinen für Parallelschaltung
Richtlinien

A 2.13


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Richtlinien für die Verwendung von Zündmaschinen für Parallelschaltung (Diese Richtlinien
sind auch in Heftform unter der Verlagsnummer 329 beim Verlag Hermann Bellmann,
4600 Dortmund 1, Postfach 13, erschienen.)

Vorg.: Rundverfügung vom 18.10.1974 - 17.11 II 19 - (Abschnitt A 2.13 des Sammelblatts)

Mit den nachstehenden Richtlinien werden die Zündverfahren mit Parallelschaltung der Sprengzünder
den neuesten Erkenntnissen angepaßt.

Weitere Untersuchungen der Berggewerkschaftlichen Versuchsstrecke und Sprengsachver-
ständigenstelle der Westfälischen Berggewerkschaftskasse haben ergeben, daß nicht nur bei
der einfachen Parallelschaltung sondern auch bei Verwendung von 3 Antennen (nunmehr
Dreiantennenschaltung genannt) eine größere Zündsicherheit erreicht wird, wenn 2 Antennen
als einseitig eingespeiste offene Leiter ausgebildet sind. Wesentliche Vorteile hierbei sind:

Nach dem Untersuchungsergebnis muß bei den leistungsstärksten Zündmaschinen auch die Anzahl
der Zünder nach unten hin begrenzt werden, um eine zu hohe Energieeinspeisung und hierdurch
bedingte Aufplatzversager (Erlöschen des Verzögerungssatzes durch Druckabfall infolge
Aufplatzens der Zünder) zu vermeiden.

Von den Richtlinien darf nur mit Zustimmung des Landesoberbergamts abgewichen werden.

Die im Vorgang genannte Rundverfügung mit Richtlinien wird hiermit aufgehoben.

Ich bitte, die neuen Richtlinien in vollem Umfang auch dort einzuführen, wo die Parallelschaltung
der Sprengzünder bereits zugelassen ist. Es ist sicherzustellen, daß die Sprengsteiger umgehend
die Sprengbeauftragten und Sprenghelfer über die Verfahrensänderung unterweisen.

Über die Umstellung auf die neuen Richtlinien bitte ich im Jahresbericht unter dem Abschnitt
"Sprengarbeit" (Gliederungs-Nr. 3.142) zu berichten.


Dortmund, den 04.11.1976

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



R i c h t l i n i e n
des LOBA NW
für die Verwendung von Zündmaschinen für Parallelschaltung
vom 4.11.1976


1. Geltungsbereich

Zündmaschinen für Parallelschaltung dürfen

im Geltungsbereich der Bergverordnung des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen
für die Erzbergwerke, Steinsalzbergwerke und für die Steine- und Erden-Betriebe (BVONK)

      in allen Sprengbetrieben,

im Geltungsbereich der Bergverordnung des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen für
die Steinkohlenbergwerke (BVOSt)
        
      nur in Gesteinsbetrieben, Flözstrecken und Abbaustrecken,
      jedoch nicht in Aufbrüchen,

verwendet werden.

Für die Verwendung ist eine betriebsplanmäßige Zulassung des Bergamts erforderlich.

 

2. Einfache Parallelschaltung mit Zünderzahl und Widerstand innerhalb der für
    die Zündmaschinen vorgesehenen Grenzen

Für die Verwendung bis zu den auf dem Typenschild der Zündmaschinen angegebenen oberen
Grenzen für die zulässige Anzahl der Zünder und den zulässigen Widerstand sind nachfolgende
Bestimmungen zu vereinbaren oder als Bedingungen und Auflagen festzusetzen (Nr. 2.1 bis 2.12).

2.1. Die Leistungsfähigkeit der Zündmaschinen ist vor jeder Benutzung mit dem hierfür zugelassenen
Zündmaschinenprüfgerät zu prüfen. Bei Zündmaschinen, für die kein Zündmaschinenprüfgerät
zugelassen wurde, muß mit der eingebauten Anzeigevorrichtung der ordnungsgemäße Ladezustand
des Zündmaschinenkondensators festgestellt werden.

2.2. Der Widerstand des Zündkreises ist vor jedem Zünden von Sprengladungen mit einem hierfür
bestimmten Ohmmeter zu messen.

2.3. Als Zündleitungen dürfen nur festverlegte mehradrige Gummischlauchleitungen NSH, NSSH
oder Leitungstrossen NTM, NTS nach der Bestimmung VDE 0250 verwendet werden, welche
die Adern für die Hin- und Rückleitung des Zündstromes enthalten.

Ort und Verlegung der Leitung (z.B auch Aufhängung in Schächten) sind so auszuwählen, daß
eine mindestens fünffache Sicherheit gegen Zerreißen gewährleistet ist.

2.4. Für die Verbindung der Zündleitung mit den einzelnen Zünderdrähten sind zwei mehrdrähtige
blanke Kupferleiter mit einem Abstand von mindestens 30 cm als sogenannte Antennen zu verlegen
(einfache Parallelschaltung). Der Nennquerschnitt eines jeden Kupferleiters muß 1 mm2 betragen.
Die Durchmesser der Einzeldrähte dürfen nicht kleiner als 0,3 mm sein. Beide Antennen sind als
parallele Leiter an Holzpflöcken zu befestigen.

2.5. Bei beiden Antennen muß ein Ende des Kupferleiters in solcher Länge freibleiben, daß die
Zündleitung unmittelbar angeschlossen werden kann. Diese freibleibenden Enden beider
Antennen müssen von demselben Holzpflock ausgehen. Die Antennen dürfen nicht ringförmig in
sich geschlossen sein (Anlage 1). Die Antennenlänge zwischen der ersten und der letzten Zünder-
anschlußstelle darf 5 m nicht unter- und 20 m nicht überschreiten.

2.6 Jeder Sprengzünder ist mit dem einen Zünderdraht mit der einen Antenne und mit dem anderen
Zünderdraht mit der zweiten Antenne durch mehrfaches festes Umwickeln zu verbinden; die freien
Zünderdrahtenden sind dabei um den Anfang der Drahtwicklung zurückzuschlagen. Zünderdrähte
gleicher Isolationsfarbe sind jeweils an dieselbe Antenne anzuschließen. Es dürfen nur Sprengzünder
mit gleicher Zünderdrahtlänge verwendet werden; das Kürzen oder Verlängern der Zünderdrähte
ist unzulässig.

2.7. Die Verbindungen der blanken Enden der Zündleitung mit den freien Enden der Antennen sind
durch Verdrillen auf mindestens 5 cm Länge herzustellen. Der unter Nr. 2.4 angegebene Mindest-
abstand von 30 cm ist auch zwischen den blanken Enden der Zündleitungen sowie zwischen den
freien Enden der Antennen einzuhalten.

2.8. Zündleitung und Antennen dürfen nur die genannten Verbindungen haben. Flickstellen sind
unzulässig.

2.9 Das an die Antennen angeschlossene Ende der Zündleitung ist gegen Beschädigung durch
Sprengstücke durch einen Schlauch auf mindestens 10 m Länge zu schützen. Die mit Fortschreiten
des Sprengortes für die Verlängerung benötigten Reservewindungen der Zündleitung sind
ausreichend entfernt oder anderweitig geschützt aufzuhängen. Die zum Anschluß an die Zünd-
maschine bestimmten Adern der Zündleitung müssen mit hierfür geeigneten Kabelschuhen so
ausgerüstet sein, daß keine blanken Drähte zwischen Isolierung und Kabelschuh verbleiben.

2.10. Mit Zündmaschinen für mehr als 50 parallelgeschaltete Zünder dürfen nur mehr als
5 Sprengzünder gezündet werden. Für weniger Zünder ist eine Zündmaschine für Reihenschaltung
bereitzustellen; die Zünder sind dann in Reihe zu schalten, wobei besonders auf die Vermeidung
von Nebenschlüssen zu achten ist.

2.11 Als Zündmaschinen für Parallelschaltung dürfen in Abbaustrecken des Steinkohlenbergbaus
nur solche für höchstens 50 parallelgeschaltete Brückenzünder U mit einer Betriebsspitzenspannung
bis 750 V verwendet werden.

2.12. Zündmaschinen für Parallelschaltung dürfen nur vom Herstellerwerk instandgesetzt werden,
auch wenn dem Verwender eine Erlaubnis zum Instandsetzen von Zündmaschinen in einer eigenen
Werkstatt vorliegt.

3. Einfache Parallelschaltung mit Zünderzahl oder Widerstand außerhalb der für die
    Zündmaschinen vorgesehenen Grenzen sowie Dreiantennenschaltung

Von den vorstehenden Bestimmungen können folgende Abweichungen zugelassen werden, wenn
dem Betriebsplan für die Verwendung von Zündmaschinen für Parallelschaltung ein Gutachten der
Berggewerkschaftlichen Versuchsstrecke und Sprengsachverständigenstelle der Westfälischen
Berggewerkschaftskasse über die Unbedenklichkeit des Verfahrens beigefügt ist.

3.1. In Fällen, in denen die auf dem Typenschild der Zündmaschinen angegebenen oberen Grenzen
für die zulässige Anzahl der Zünder oder den zulässigen Widerstand überschritten werden sollen,
sind die Bestimmungen Nr. 2.1 bis 2.12 und die Angaben in dem Gutachten zu vereinbaren oder
als Bedingungen und Auflagen festzusetzen.

3.2. In Fällen, in denen Dreiantennenschaltung der Zünder angewendet werden soll, sind die
Bestimmungen Nr. 2.1 bis 2.3, 3.2.1 bis 3.2.4 und 2.8 bis 2.12 sowie die Angaben in dem
Gutachten zu vereinbaren oder als Bedingungen und Auflagen festzusetzen.

3.2.1. Für die Verbindung der Zündleitung mit den einzelnen Zünderdrähten sind drei mehrdrähtige
blanke Kupferleiter als sogenannte Antennen zu verlegen (Dreiantennenschaltung). Davon werden
zwei als Zuführungsantennen und die dritte als Verbindungsantenne bezeichnet. Der Abstand
dieser Antennen untereinander darf 30 cm nicht unterschreiten. Der Nennquerschnitt eines jeden
Kupferleiters mus 1 mm2 betragen. Die Durchmesser der Einzeldrähte dürfen nicht kleiner als
0,3 mm sein. Die drei Antennen sind als parallele Leiter an Holzpflöcken zu befestigen.

3.2.2. Bei beiden Zuführungsantennen muß ein Ende des Kupferleiters in solcher Länge frei bleiben,
daß die Zündleitung unmittelbar angeschlossen werden kann. Die Antennen dürfen nicht ringförmig
in sich geschlossen sein (Anlagen 2a und 2b). Die beiden Zuführungsantennen müssen etwa die
gleiche Länge haben. Die Länge je Zuführungsantenne zwischen der ersten und der letzten Zünder-
anschlußstelle darf 5 m nicht unter- und 20 m nicht überschreiten.

3.2.3. Von allen Zündern ist je ein Zünderdraht mit gleicher Isolationsfarbe an die Verbindungs-
antenne anzuschließen. Die anderen Zünderdrähte sind zu gleichen Teilen an die beiden Zuführungs-
antennen anzuschließen. Hat ein Zündgang eine ungerade Zünderzahl, so dürfen sich die Zünder-
zahlen je Zuführungsantenne um höchstens einen Zünder unterscheiden. Die Anschlüsse der
Zünderdrähte an die Antennen sind durch mehrfaches festes Umwickeln herzustellen; die freien
Zünderdrahtenden sind dabei um den Anfang der Drahtwicklung zurückzuschlagen. Es dürfen nur
Sprengzünder mit gleicher Zünderdrahtlänge verwendet werden; das Kürzen oder Verlängern der
Zünderdrähte ist unzulässig.

3.2.4. Die Verbindungen der blanken Enden der Zündleitung mit den freien Enden der Zuführungs-
antennen sind durch Verdrillen auf mindestens 5 cm Länge herzustellen. Der unter Nr. 3.2.1
angegebene Mindestabstand von 30 cm ist auch zwischen den blanken Enden der Zündleitungen
sowie zwischen den freien Enden der Zuführungsantennen einzuhalten.



Anlagenverzeichnis

Anlage 1 Schematische Darstellung der einfachen Parallelschaltung

Anlage 1

Anlage 2a Schematische Darstellung der Dreiantennenschaltung
(z.B. söhlige Auffahrung).

Anlage 2a

Anlage 2b Schematische Darstellung der Dreiantennenschaltung (z.B. Teufbetrieb).

Anlage 2b




19.06.1979

17.7-5-3


Verlust einer Zündmaschine


A 2.13


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Verlust einer Kondensator-Zündmaschine


Im Untertagebetrieb einer Schachtanlage im Bezirk des Landesoberbergamts wurde eine
Kondensator-Zündmaschine aus einer verschlossenen Sprengmittelkiste entwendet.

Die Sprengmittelkiste stand am Fuße eines Gesteinsberges und diente zur Aufbewahrung von
zwei Zündmaschinen für die Sprengarbeit. Sie war ordnungsgemäß beschriftet und besaß ein
innenliegendes Sicherheitsschloß, daß durch eine runde Öffnung an der Vorderseite der Kiste
mit einem Schlüssel geöffnet und geschlossen werden konnte.

Nach einem arbeitsfreien Wochenende stellt der zuständige Sprengbeauftragte fest, daß sich
die Sprengmittelkiste nicht mehr an ihrem Aufstellungsort befand, sondern etwa 25 m weiter hinter
einen Stapel von Hohlblocksteinen transportiert worden war. Der Deckel der Kiste war an der
rechten vorderen Ecke so weit nach oben gebogen, daß man ohne Schwierigkeiten hineingreifen
konnte. Das Schloß der Kiste wies keine Schäden auf.

Auf Grund der Kratzspuren am Deckel und an der Wandung der Kiste ist zu vermuten, daß
diese mit einem Brecheisen geöffnet wurde. Die von der Betriebsleitung veranlaßte Suche nach
der Zündmaschine blieb erfolglos.

Der Vorfall zeigt, daß die unbeaufsichtigte Aufbewahrung von Sprengmitteln in Sprengmittelkisten
- insbesondere in Zeiten der Betriebsruhe (Wochenende u.ä.) - nicht risikolos ist. Zur Erhöhung
der Sicherheit von Sprengmittelkisten gegen Aufbrechen sind folgende Maßnahmen geeignet:

  1. Stahlblechdeckel von Sprengmittelkisten sind auf der Innenseite durch Anbringen von
    Winkeleisen so zu verstärken, daß ein Aufbiegen des Deckels erschwert ist.
  2. Sprengmittelkisten müssen so beschaffen oder befestigt sein, daß sie nicht ohne Hilfsmittel
    von ihrem Aufstellungsort entfernt werden können.
  3. Standorte von Sprengmittelkisten müssen gut beobachtbar sein.

Zündmaschinen dürfen in Sprengmittelkisten nur dann unbefristet aufbewahrt werden, wenn
der sichere Verschluß arbeitstäglich festgestellt wird.

Ich bitte, das Erforderliche zu veranlassen.

Dortmund, den 19.6.1979

Landesoberbergamt NW

C o e n d e r s



83.17.8-2002-9

25.09.2002

Sprengschwaden-Richtlinien

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW - ausgenommen Düren -

Sprengschwaden-Richtlinien

Die Grenzwerte u.a. für CO und NOsind gemäß der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und
zugehöriger Technischer Regeln Gefahrstoffe (TRGS) in der Vergangenheit herabgesetzt worden.
Da die vorgenannten Gase insbesondere bei der detonativen Umsetzung von Sprengstoffen erzeugt
werden, war nunmehr eine entsprechende Anpassung der Sprengschwaden-Richtlinien erforderlich.

Die in den Richtlinien genannten Maßnahmen und Grenzwerte, mit denen eine Gefährdung von
Personen durch Sprengschwaden vermieden wird, beruhen im Wesentlichen auf den Ergebnissen
zahlreicher Untertage-Messungen im Abwetterbereich von Sprengbetrieben. Abweichungen von
den Anforderungen sind möglich, sofern durch Messungen einer anerkannten Fachstelle oder von
besonders unterwiesenen fachkundigen Personen nachgewiesen wird, dass eine Gefährdung von
Personen im Abwetterbereich von Sprengbetrieben nicht zu besorgen ist. Dabei gelten als fach-
kundige, besonders unterwiesene Personen insbesondere die Mitarbeiter der Abteilung
Betrieblicher Arbeitsschutz (BA) der Deutschen Steinkohle AG (DSK).

Ich bitte, die nachstehenden Sprengschwaden-Richtlinien betriebsplanmäßig umzusetzen und mir
über Besonderheiten sicherheitlicher Art unverzüglich zu berichten.

Die Rundverfügung vom 28.06.1978 -17.8-3-1- wird hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

Michael Kirchner



Richtlinien
der Bezirksregierung Arnsberg
zum Schutz gegen schädliche Einwirkungen von Sprengschwaden
(Sprengschwaden-Richtlinien)
vom 25.09.2002

1. Geltungsbereich

Diese Richtlinien sind bei Regelungen über die Durchführung von Sprengarbeiten unter Tage
zugrunde zu legen. Entsprechend ihrem Schutzziel ergänzen sie die einschlägigen Bestimmungen
der ABBergV und zugehöriger Verwaltungsanweisungen.

2. Gefährlichkeit der Sprengschwaden

2.1. Allgemeines

Die bei der detonativen Umsetzung von Sprengstoffen entstehenden Schwaden enthalten neben
sonstigen Bestandteilen schädliche Gase. Ihr Anteil in den Schwaden kann je nach Sprengstoffart
und Umsetzungsbedingungen in gewissen Grenzen schwanken. Ihre Wirkung auf den Menschen
hängt von ihrer Konzentration und ihrer Einwirkungszeit ab.

2.2. Schädliche Gase

Die im Bergbau verwendeten Sprengstoffe entwickeln bei ihrer Umsetzung neben Wasserdampf
im wesentlichen Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und nitrose Gase (Stickstoffoxide).

2.2.1. Kohlendioxid

Kohlendioxid (CO2) tritt in den Sprengschwaden in größerer Menge auf, jedoch kann es infolge
seiner vergleichsweise geringen Giftigkeit im allgemeinen vernachlässigt werden.

2.2.2. Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb- und geruchloses Gas. Es verursacht beim Menschen Sauerstoff-
mangel im Blut, wodurch Kopfschmerzen, Schwindel, Schwächeerscheinungen, Ohrensausen,
Herzklopfen, erhöhte Pulsfrequenz, Blutdruckänderungen, Kurzatmigkeit, Erbrechen, Zustand
der Berauschtheit, Verlust der Entschlusskraft und schließlich Bewusstlosigkeit auftreten können.
Der Tod wird zumeist durch Atemlähmung verursacht. Der Grenzwert der TRGS 900 liegt für
CO bei einem achtstündigen Mittelwert bei 30 ppm.

2.2.3. Nitrose Gase

Unter Berücksichtigung der im Bergbau verwendeten Sprengstoffe ist eine Gefährdung durch
nitrose Gase zu erwarten. Nitrose Gase sind ein Gemisch von Stickstoffoxiden. In Sprengschwaden
bestehen sie im wesentlichen aus dem farblosen Stickstoffmonoxid (NO) und dem braunroten
Stickstoffdioxid (NO2), zusammen als NOx bezeichnet. Stickstoffdioxid hat einen charakteristischen
Geruch. Bei höheren Konzentrationen wird die Farbe des NO2 deutlich sichtbar. Vergiftungs-
erscheinungen sind überwiegend der Einwirkung von NO2 zuzuschreiben.

Der Grenzwert nach TRGS 900 liegt bei NObei 5 ppm. Die erste Wirkung, die verhältnismäßig
schnell eintritt, ist durch eine vorübergehende Reizung der Atemwege (Husten und Kratzen im Rachen),
sowie durch Schwindel und Kopfschmerzen gekennzeichnet. In frischen Wettern reduzieren sich diese
Erscheinungen meist nach etwa 30 Minuten. Während einer Latenzperiode - im Mittel von 6-8 Stunden,
in seltenen Fällen auch mehr als 24 Stunden - werden kaum Vergiftungssymptome wahrgenommen.
Das eingeatmete NO2 bildet mit der Feuchtigkeit in den Atemwegen Salpetersäure bzw. salpetrige
Säure, die zu Verätzung der Bronchien und des Lungengewebes und damit zu erhöhtem Atemwegs-
widerstand und zum Lungenödem führt, woraus sich die Symptome des nun eintretenden Vergiftungs-
stadiums ergeben: Erneuter Hustenreiz, Schmerzen unter dem Brustbein, Angst- und Erstickungsgefühl,
grau-blaue Hautfarbe, Pulsbeschleunigung, Auswurf und schließlich Bewusstlosigkeit. In schweren
Fällen kann es auch ohne Latenzzeit zu schnellem tödlichem Ausgang kommen.

2.3. Sonstige Bestandteile

Sprengschwaden enthalten meist viel Staub, von dem ein relativ hoher Anteil lungengängig ist.
Der Staub bestimmt weitgehend den visuellen Eindruck der Dichte der Sprengschwadenwolke,
ist jedoch kein Maß für ihren Gehalt an schädlichen Gasen. Durch Einwirkung von Spreng-
schwaden können auch Beschwerden auftreten, die nicht auf schädliche Gase sondern auf nicht
umgesetzte Sprengstoffkomponenten zurückzuführen sind. Die Sprengschwaden enthalten z.B.
gelegentlich Spuren von Sprengöl (Nitroglyzerin bzw. Nitroglykol). Werden diese durch die
Atmungsorgane oder durch die Haut aufgenommen, so kann es zu intensiven, u.U. langanhalt-
enden Kopfschmerzen kommen.

3. Verhütung von Schwadenkonzentrationen

3.1. Sprengstoffbelastung und Gefahrengrad

Die Gefährlichkeit der Sprengschwadenwolke hängt zunächst überwiegend von Menge und Art
des Sprengstoffs und von der Größe des Raumes ab, der unmittelbar bei der Sprengung von
Sprengschwaden durchsetzt wird. Des weiteren muss zwischen durchgehend und sonder-
bewetterten Grubenbauen unterschieden werden.

Im Nichtkohlenbergbau gelten grundsätzlich die gleichen Überlegungen wie im Steinkohlenbergbau.
Dies gilt vor allem bezüglich des Zusammenhangs zwischen Sprengstoffverbrauch an einer Sprengstelle
und der Schwadenmenge.

Bei geringer Luftfeuchte (z.B. im Salzbergbau) muss allerdings mit länger anhaltenden höheren
Konzentrationen an NO2 gerechnet werden, da der feuchtigkeitsbedingte Abbau von NOweitgehend
unterbleibt. Zusätzlich können in Abhängigkeit von den zu sprengenden Gesteinen und den Sprengstoffen
noch weitere schädliche Gase in den Sprengschwaden auftreten (z.B. im Erzbergbau).

3.2. Maßnahmen

3.2.1. Allgemeines

Zur Verhütung von Schwadenunfällen ist anzustreben, Menschen der Einwirkung von Sprengschwaden
nicht auszusetzen, d.h. sie sollten sich während der Sprengung in Grubenbauen aufhalten, die nicht
von Sprengschwaden bestrichen werden.

Im Nichtkohlenbergbau sollte daher, wo immer es möglich ist, die regelmäßige Sprengarbeit an das
Schichtende gelegt werden.

Sofern ein Aufenthalt in von Sprengschwaden belasteten Grubenbauen nicht zu vermeiden ist, sollte
während des Durchzugs der Sprengschwaden tiefes Durchatmen und damit auch jede körperliche
Anstrengung unterbleiben. Um die Einwirkzeit nicht unnötig zuverlängern, ist es unbedingt zu vermeiden,
sich in Wetterrichtung in der Sprengschwadenwolke fortzubewegen.

Bei Verdacht einer Sprengschwadenvergiftung ist der Betroffene unverzüglich einem Arzt zuzuführen.
Auf eine ruhige Lagerung des Betroffenen beim Transport ist zu achten.

3.2.2. Aufenthalt von Personen im Abwetterweg von Sprengstellen

3.2.2.1. Absperrung der Sprengstelle

Soweit sich Personen im Abwetterweg von Sprengstellen aufhalten müssen, ist dieser zu räumen und
abzusperren; dabei ist ein Sicherheitsabstand von min. 200 m von der Sprengstelle einzuhalten. Um
die Einwirkung von Sprengschwaden auf ein Minimum zu reduzieren, ist an den abwetterseitigen
Absperrungen für eine Fremdbelüftung Sorge zu tragen (z.B. Luftatemspender, Schwadenzelt).
Bei der Verwendung von Gesteinssprengstoffen ist abwetterseitig der Einsatz einer querschnittüber-
deckenden Wasserwand erforderlich .

3.2.2.2. Sprengarbeit unter Sonderbewetterung

In sonderbewetterten Grubenbauen darf die eingesetzte Sprengstoffmenge, bezogen auf den lichten
Streckenquerschnitt, 6 kg/m2 nicht überschreiten. Dabei ist zu beachten, dass eine Wettergesch-
windigkeit von 0,5 m/s nicht unterschritten wird.

Bei Beschädigung der Sonderbewetterungseinrichtungen sowie bei der Auffahrung stärker
ansteigender Grubenbaue ist mit verzögertem Schwadenabzug zu rechnen. 

3.2.2.3. Sprengarbeit bei durchgehender Bewetterung

In durchgehend bewetterten Grubenbauen ist der Einsatz von Wettersprengstoff auf max. 50 kg
je Zündgang und der von Gesteinssprengstoff auf max. 25 kg je Zündgang zu beschränken.

3.3 Abweichungen

Abweichungen von den Abschnitten 3.2.2.1 bis 3.2.3.3 können für einzelne Betriebspunkte vom
Bergamt genehmigt werden, sofern durch entsprechende Schwadenmessungen und /oder veränderte
Absperrmaßnahmen eine ausreichende Sicherheit der im Abwetterbereich beschäftigten Personen
nachgewiesen wird.

4. Durchführung der Messungen

Erforderliche Messungen über die Zusammensetzung der Sprengschwaden sind von einer hierfür
anerkannten Fachstelle oder von fachkundigen Personen, die hierfür besonders unterwiesen worden
sind, durchzuführen.

5. Sonstiges

Jede Sprengschwadenvergiftung ist dem Bergamt unverzüglich zu melden. Weitere Sprengungen
in dem betroffenen Betriebspunkt bedürfen der Zustimmung des Bergamts.

Hinweise

  1. Für die Exposition von Personen in Sprengschwaden im Abwetterbereich von Sprengbetrieben
    bedarf es aufgrund der Überschreitung der Kurzzeitwerte für CO gemäß TRGS 900 einer
    Ausnahmebewilligung nach § 44 Abs. 1 Nr. 2 GefStoffV, die beim zuständigen Bergamt zu
    beantragen ist (vergl. Rundverfügung der Bezirksregierung Arnsberg vom 09.07.2002
    - 84.12.22.44-2002-2 -).
  2. Eine Ausnahmebewilligung für die Überschreitung des Grenzwertes für NOvon 5 ppm ist
    nicht möglich. Durch untertägige Messungen wurde jedoch nachgewiesen, dass der Grenzwert
    für NO2, welches bei der detonativen Umsetzung von Gesteinssprengstoffen erzeugt wird,
    sicher eingehalten werden kann, wenn eine Wasserwand gem. Abschnitt 3.2.2.1 eingesetzt
    wird, da das Wasser mit dem NO2 chemisch reagiert. Die Wirkung der Wasserwand kann
    dabei durch Verwendung von Luft-Wasser-Düsen weiter optimiert werden.



22.06.2005

83.17.12-2005-1

Zündmaschinen-Richtlinien

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW

Neufassung der Richtlinien für die Überwachung von Zündmaschinen,
Zündmaschinenprüfgeräten und Zündkreisprüfern (Zündmaschinen-Richtlinien)
Richtlinien des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen für die Überwachung von
Zündmaschinen, Zündmaschinenprüfgeräten und Zündkreisprüfern (Zündmaschinen-
Richtlinien) vom 28.01.1997 –17.12-4-18-

Auf Empfehlung des Länderausschusses Bergbau werden hiermit die aktualisierten
„Richtlinien für die Überwachung von Zündmaschinen, Zündmaschinenprüfgeräten und
Zündkreisprüfern“ im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung
Bergbau und Energie in NRW eingeführt.

Diese Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe aus Vertreter der Bergbehörden der
Länder und der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung unter Anpassung
an den Stand der Technik und die betrieblichen Gegebenheiten erarbeitet.

Zu den neuen Richtlinien werden noch die folgenden Hinweise gegeben:

Die Anwendung eines Leitungsprüfers entspricht nicht mehr dem Stand der Technik.
Insofern wurde die Regelung über deren Prüfung in Abschnitt 2.2 gestrichen.

Ich bitte die Änderungen nach Maßgabe der überarbeiteten Richtlinien im Betriebsplan-
verfahren zur Geltung zu bringen.

Die bisherigen Richtlinien für die Überwachung von Zündmaschinen, Zündmaschinen-
prüfgeräten und Zündkreisprüfern (Zündmaschinen-Richtlinien) vom 28.01.1997
– 17.12-4-18 - , SBl. A 2.13 werden hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung "Bergbau und Energie in NRW"
für die Überwachung von Zündmaschinen, Zündmaschinenprüfgeräten und Zündkreisprüfern
(Zündmaschinen-Richtlinien)

1         Prüfung durch Sprengmittelausgeber und Sprengberechtigte

1.1       Äußere Prüfung
1.2       Zusätzliche Prüfungen von Zündmaschinen
1.3       Zusätzliche Prüfung von Zündkreisprüfern
1.4       Zusätzliche Prüfung von Zündgeräten für elektronische Zünder und deren Prüfgeräte

2          Prüfung durch beauftragte sachkundige Personen

2.1       Zündmaschinen
2.2       Zündkreisprüfer

3          Prüfung durch Hersteller, sachverständige Stellen oder Sachverständige

3.1       Äußerer Zustand

3.2       Zündmaschinen und Zündgeräte
3.2.1    Durchschlagfestigkeit
3.2.2    Leistungsfähigkeit
3.2.3    Zündstromdauer, Zündwiederholsperre und Spitzenspannung bei schlagwetter-
            gesicherten Zündmaschinen
3.2.3.1 Maximale Zündstromdauer
3.2.3.2 Zündwiederholsperre
3.2.3.3 Spitzenspannung
3.2.4    Zündbereitschaft
3.2.5    Unzeitige Auslösung

3.3       Zündmaschinenprüfgeräte  und Prüfgeräte für Zündgeräte für elektronische Zündkreise
3.3.1    Zündmaschinenprüfgeräte
3.3.2    Prüfgeräte für Zündgeräte für elektronische Zündkreis

3.4       Zündkreisprüfer und Prüfgeräte für elektronische Zündkreise
3.4.1    Zündkreisprüfer
3.4.2    Prüfgeräte für elektronische Zündkreise

4          Schriftlicher Nachweis

5          Instandsetzung

 

1. Prüfung durch Sprengmittelausgeber und Sprengberechtigte

Die Prüfung von Zündmaschinen und Zündkreisprüfern dient der Feststellung äußerlich
erkennbarer Schäden und Mängel sowie der Funktionsfähigkeit. Sie ist nach den Angaben
des Herstellers auszuführen. Der Sprengmittelausgeber hat die Prüfung dieser Geräte unmittelbar
vor jeder Ausgabe, der Sprengberechtigte vor der Verwendung durchzuführen.

1.1 Äußere Prüfung

Die Zündmaschinen und Zündkreisprüfer müssen frei von Schmutz und trocken sein.
Das Gehäuse und ggf. die Schaugläser dürfen keine wesentlichen Schäden aufweisen.
Die eingebauten Geräteteile müssen fest mit dem Gehäuse verbunden sein. Es dürfen
sich im Gehäuse keine losen Teile befinden (Schütteln des Gerätes zur Prüfung).
Elektrische Anschlußklemmen dürfen nicht verbogen sein und müssen sich leicht bis
auf die Klemmfläche herunterschrauben lassen. Das Typenschild muß vollständig lesbar
sein.

1.2 Zusätzliche Prüfungen von Zündmaschinen

Der Trennsteg zwischen den Klemmen und das Klemmbrett müssen unversehrt sein.
Bei batteriebetriebenen Zündmaschinen ist ein Batterietest, bei Akkumulatoren ein
Kapazitätstest durchzuführen (Feststellung des Ladezustandes).

1.3 Zusätzliche Prüfung von Zündkreisprüfern

Es ist eine Funktionsprüfung durchzuführen.

1.4 Zusätzliche Prüfung von Zündgeräten für elektronische Zünder und deren Prüfgeräte

Der Sprengberechtigte hat sicherzustellen, dass der herstellerseitig vorgegebene Selbsttest erfolgt.

2. Prüfung durch beauftragte sachkundige Personen

Die Prüfung von Zündmaschinen und Zündkreisprüfern dient der Feststellung der Funktionsfähigkeit.
Die Prüfung ist von einer damit beauftragten sachkundigen Person mindestens monatlich durchzuführen.
Werden die Geräte länger als einen Monat nicht benutzt, müssen sie vor Wiederinbetriebnahme geprüft
werden.

2.1 Zündmaschinen

Die Zündmaschinen sind mit dem zugehörigen Zündmaschinenprüfgerät oder entsprechend der
Bedienungsanleitung des Herstellers zu prüfen.

2.2 Zündkreisprüfer

Die als Ohmmeter ausgebildeten Zündkreisprüfer sind an einem geeigneten Widerstand zu kontrollieren,
dessen Widerstandswert etwa einer mittleren Anzeige des Meßgerätes entspricht.

Prüfgeräte für elektronische Zündkreise müssen den Selbsttest fehlerfrei durchlaufen.

3. Prüfung durch Hersteller, sachverständige Stellen oder Sachverständige

Die Prüfung dient der Feststellung, ob die Zündmaschinen, Zündmaschinenprüfgeräte und
Zündkreisprüfer in ihren Leistungsdaten und sicherheitlichen Eigenschaften den Zulassungsbedingungen
entsprechen und somit noch mit der in der Zulassung festgelegten Bauart übereinstimmen. Darüber
hinaus müssen die gerätespezifischen Daten und Konstruktionsmerkmale zugrunde gelegt werden.

Die Prüfung ist in regelmäßigen Abständen vom Hersteller, von sachverständigen Stellen oder
von Sachverständigen durchführen zu lassen, die von der zuständigen Bergbehörde für die Prüfung
von Zündmaschinen, Zündmaschinenprüfgeräten und Zündkreisprüfern anerkannt /benannt sind.
Die Prüffristen betragen im Steinkohlenbergbau unter Tage 6 Monate, im Nichtsteinkohlenbergbau
unter Tage und in Bergbaubetrieben über Tage 12 Monate. Werden die Geräte wenig benutzt oder
beansprucht, kann die Prüffrist mit Zustimmung der Bergbehörde auf bis zu 24 Monate verlängert
werden.

Zur Prüfung gehören eine eingehende Inaugenscheinnahme und eine Beurteilung der mechanischen
und elektrischen Beschaffenheit. Hierfür gelten grundsätzlich die Nr. 3.4 bis 3.9 der Anlage 1 zur
1. SprengV in der jeweils geltenden Fassung und die Angaben des Herstellers.

Die Durchführung der Prüfung orientiert sich, soweit erforderlich, an den Prüfvorschriften des
Bundesministers des Innern.

3.1 Äußerer Zustand

Alle Geräte sind auf einwandfreien äußeren Zustand entsprechend Nr. 1 dieser Richtlinie zu prüfen.

3.2 Zündmaschinen und Zündgeräte

Zündgeräte für elektronische Zünder sind nach den Vorgaben des Herstellers hinsichtlich Inhalt und
Zyklus zu prüfen.

Die nachfolgend aufgeführten Anforderungen und Prüfvorschriften gelten nur für Kondensator-
Zündmaschinen. Soweit andere Arten von Zündmaschinen verwendet werden, sind dafür gleichwertige
Regelungen vorzusehen, die der Zustimmung der zuständigen Bergbehörde bedürfen.

Durch die Zulassung ist ein Zündmaschinentyp hinsichtlich der Kapazität des Zündkondensators,
der Ladespannung sowie des abgegebenen Stromimpulses und aller weiteren technischen Parameter
festgelegt. Diese Daten bilden die Grundlage für eine Bewertung der Prüfungsergebnisse, da eine
signifikante Abweichung hiervon nicht zulässig ist und auf einen Defekt des untersuchten Exemplars
deuten muß. Abweichungen von den Zulassungsdaten sind auch dann signifikant und ein Indiz für ein
fehlerhaftes Exemplar, wenn die gemessenen Werte innerhalb des Rahmens liegen, der in den
Anforderungen gemäß Anlage 1 zur 1. SprengV sowie in den zugehörigen Prüfvorschriften gegeben ist.

3.2.1 Durchschlagfestigkeit

Anforderung nach Nr. 3.4.2. Abs. 111 Satz 3 der Anlage 1 zur 1. SprengV:

Die Anschlussklemmen und alle zur Stromleitung dienenden Teile müssen gegenüber dem Gehäuse
eine Durchschlagfestigkeit von der doppelten Betriebsspitzenspannung, mindestens jedoch
1.000 Volt (V) Wechselspannung, haben.

Prüfvorschriften:
Die beiden Anschlußklemmen der zu prüfenden Zündmaschinen sind metallisch zu verbinden.
Ist die Maschine so gebaut, daß die Anschlußklemmen vor dem Ansprechen des Endkontaktes
von den inneren Leitungen der Maschine abgeschaltet sind, so ist der Endkontakt galvanisch zu
überbrücken. Dann ist 30 Sekunden (s) zwischen den Anschlußklemmen und elektrisch leitfähigen
Stellen des Gehäuses die Prüfwechselspannung mit einer Frequenz von 50 Hertz (Hz) anzulegen.
Hierbei darf kein Durchschlag eintreten.

Die Prüfspannung hat der doppelten Betriebsspitzenspannung, mindestens jedoch 1000 V
Wechselspannung zu entsprechen. In Ausnahmefällen kann in Abstimmung mit dem Hersteller
eine geringere Prüfspannung zur Schonung der Zündmaschine zur Anwendung kommen.
Sie darf den 1,25-fachen Wert der Betriebsspitzenspannung und 1000 V Wechselspannung nicht
unterschreiten.
Bei dieser Prüfung kann auch ein signifikantes Überschreiten des für die jeweilige Zündmaschinenbauart
üblichen Stromflusswertes auf ein funktionelles Fehlverhalten der Zündmaschine hindeuten.

Vor der Weiterverwendung derartiger Zündmaschinen nach der Durchschlagsfestigkeitsprüfung
sind die anderen Prüfungen nach Nr. 3 durchzuführen.

3.2.2 Leistungsfähigkeit

Anforderung nach 3.4.3.3 Abs. 119 Nr. 1 der Anlage 1 zur 1. SprengV:

a) Zündmaschinen für Reihenschaltung von Brückenzündern U müssen beim Höchstwiderstand
    und bei einem äußeren Widerstand von 15 Ohm Ströme liefern, die folgenden Anforderungen
    genügen:

    Der elektrische Strom muß spätestens nach 1 Millisekunde (ms) die Stärke 2 Ampere (A)
    erreicht haben. Der Stromimpuls vom Beginn bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Stromstärke
    zum ersten Male wieder auf 1,5 A abgesunken ist, muß mindestens 18 Milliwattsekunden
    (mWs) / Ohm betragen.

Anforderung nach Nr. 3.4.3.3 Abs. 120 der Anlage 1 zur 1. SprengV:

b) Zündmaschinen für Parallelschaltung von Brückenzündern U müssen folgenden Anforderungen
    genügen:

    Bei einer der Zünderzahl entsprechenden Anzahl von Zündstromverzweigungen von je 3,5 Ohm
    und bei Vorschaltung eines Widerstandes von 1 Ohm sowie bei dem höchstzulässigen Widerstand
    des Zündkreises, für den die Zündmaschine bestimmt ist, muß der Stromimpuls bis zu dem Zeitpunkt,
    in dem die Stromstärke zum ersten Mal wieder auf 1,5 A abgesunken ist, in allen Zweigen bei einer
    Gesamtzeit von höchstens 10 ms mehr als 18 mWs/Ohm betragen.

    Dabei ist zu beachten, daß die Größe des abgegebenen Impulses betätigungsabhängig sein kann.

Anforderung nach Nr. 3.4.3.4 Abs. 121 Nr. 1 und 2 der Anlage 1 zur 1. SprengV:

c) Zündmaschinen für Reihenschaltung von Brückenzündern HU müssen beim Höchstwiderstand und
    bei einem äußeren Widerstand von 5 Ohm Ströme liefern, die folgenden Anforderungen genügen:

    Der elektrische Strom muß spätestens nach 1 ms die Stärke von mindestens 30 A erreicht haben.
    Der Stromimpuls vom Beginn bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Stromstärke zum ersten Male
    wieder auf 15 A abgesunken ist, muß mindestens 3.300 mWs/Ohm betragen.

Prüfvorschrift:
Der zeitliche Verlauf des von der Zündmaschine abgegebenen Stroms ist unter Belastung mit dem
auf dem Typenschild angegebenen Höchstwiderstand mit einem registrierenden Meßgerät
ausreichender zeitlicher Auflösung zu erfassen. Aus dieser Kurve ist das Integral des Quadrates
der Stromamplitude über die Zeit vom Beginn des Stromflusses bis zum Unterschreiten eines
Wertes von 1,5 A bei Brückenzündern U und von 15 A bei Brückenzündern HU zu bilden.
Der Wert des so ermittelten Zündimpulses muß mit dem für den jeweiligen Maschinentyp
üblichen Wert hinreichend übereinstimmen. Ein Wert von 18 mWs/Ohm bei Brückenzündern U
und von 3 300 mWs/Ohm bei Brückenzündern HU darf in keinem Fall unterschritten werden.
Der vorgeschriebene Zündimpuls soll innerhalb von ca. 5 ms erreicht sein.
Hierbei sind die in der Zulassung festgestellten Stromimpulse zugrunde zu legen und nicht die
Mindestwerte für den entsprechenden Zündertyp.
Bei Kondensatorzündmaschinen mit Bereitschaftsanzeige und Zündauslöseschalter hat diese
Prüfung unmittelbar vor dem Erlöschen der Bereitschaftsanzeige zu erfolgen.
Um die Reproduzierbarkeit der Impulsgabe überprüfen zu können, ist die Prüfung unter
gleichen Prüfbedingungen mindestens dreimal zu wiederholen.

Bei der Beurteilung des zeitlichen Stromverlaufs ist auch auf Unregelmäßigkeiten des
Kurvenverlaufs (z.B. infolge Schalterbeschädigung bei mechanischen Zündstromschaltern)
zu achten und ggf. die Messung zu wiederholen, damit Zündmaschinen, deren Stromimpuls-
abgabe nicht hinreichend reproduzierbar ist, rechtzeitig ausgesondert werden.

3.2.3 Zündstromdauer, Zündwiederholsperre und Spitzenspannung bei schlagwetter-
        gesicherten Zündmaschinen

3.2.3.1 Maximale Zündstromdauer

Anforderung nach Nr. 3.4.4 Abs. 123 Satz 1 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Die Zündstromdauer darf nicht mehr als 4 ms betragen.

Prüfvorschrift:
Die Einhaltung der zulässigen Zündstromdauer ist oszillographisch zu prüfen.
Im übrigen ist die Einhaltung der zulässigen Zündstromdauer bei Lastwiderständen von 15 Ohm
für U-Zünder bzw. 5 Ohm für HU-Zünder und  beim Grenzwiderstand für die zugelassene
Zünderart (U-/HU-Zünder) anhand des gemessenen Strom-Zeit-Verlaufs festzustellen.

3.2.3.2 Zündwiederholsperre

Anforderung nach Nr. 3.4.4 Abs. 123 Satz 2 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Nach der Abgabe eines Zündimpulses müssen ein unbeabsichtigtes Wiederaufladen des Kondensators
und die Abgabe eines zweiten Zündimpulses unmöglich sein.

Prüfvorschrift:
Die Zündwiederholsperre ist unter betriebsnahen Verhältnissen auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen.
Dies kann z.B. durch Weiterbetätigen der Kurbel unter Verwendung geeigneter Meßgeräte geschehen.
Bei Zündmaschinen für Batteriebetrieb ist sinngemäß zu verfahren.

3.2.3.3 Spitzenspannung

Anforderung nach Nr. 3.4.4 Abs. 123 Satz 3 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Bei Zündmaschinen für  Zünderzahlen bis zu 50 Zündern darf die Spitzenspannung nicht mehr als
1.200 V, bei Zündmaschinen für Zünderzahlen von 80 Zündern und darüber nicht mehr als 1.500 V
betragen.

Im übrigen ist festzustellen, ob die Spannung eingehalten wird, die durch die Zulassung der Bauart
als höchster Wert festgelegt ist. Diese Spannung darf auch beim Weiterdrehen der Aufladekurbel
oder bei weiterem Betrieb einer sonstigen Aufladeeinrichtung nicht wesentlich überschritten werden.

Prüfvorschrift:
Die Spitzenspannung der Zündmaschine wird aus dem gemessenen Stromzeitverlauf mit ausreichender
Genauigkeit durch Multiplikation des Stromspitzenwertes mit dem angelegten Lastwiderstand, ggf.
unter der Zurechnung interner Serienwiderstände, ermittelt. Alternativ hierzu kann ein registrierendes
Meßgerät ausreichender Bandbreite, etwa ein Oszilloskop mit einem Spannungstastkopf geeigneter 
Spannungsfestigkeit, verwendet werden.

3.2.4 Zündbereitschaft

Anforderung nach Nr. 3.4.2 Abs. 115 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Kondensatorzündmaschinen müssen eine Vorrichtung haben, die verhindert, daß bei nicht auf die
Sollspannung aufgeladenem Kondensator ein Zündstrom abgegeben werden kann. Statt dessen kann
in die Zündmaschine eine Anzeigevorrichtung für die Kondensatorspannung eingebaut sein.

Prüfvorschrift:
Die ordnungsgemäße Funktion der Zündbereitschaftsanzeige ist bei der Prüfung nach Nr. 3.2.2 festzustellen.

Die Anzeige der Zündbereitschaft darf nur dann aufleuchten, wenn im Zündkondensator ausreichend
Zündenergie vorhanden ist. Bei Zündmaschinen, bei denen der Stromimpuls nach Erreichen der für die
erforderliche Zündenergie benötigten Sollspannung im Zündkondensator automatisch auf den Zündkreis
geschaltet wird, muß der Zeitpunkt der Stromimpulsabgabe angezeigt werden.

3.2.5 Unzeitige Auslösung

Anforderung:
Beim Anschließen der Zündleitung an Zündmaschinen darf kein unbeabsichtigter Stromimpuls abgegeben
werden können.

Zündmaschinen dürfen beim Aufladen des Zündkondensators und Zündmaschinen mit manueller
Auslösung beim Anschließen der Zündleitung bei aufgeladenem Zündkondensator keinen Stromimpuls
unbeabsichtigt abgeben. Bei Zündmaschinen, bei denen nach Erreichen der für die erforderliche
Zündenergie benötigten Sollspannung am Zündkondensator die Zündspannung automatisch auf die
Anschlußklemmen geschaltet wird, müssen die Anschlußklemmen spätestens 5 s nach dem
Schaltvorgang auch bei offenen Anschlußklemmen wieder spannungsfrei sein.

Prüfvorschrift:
Nach dem Aufladen des Zündkondensators ist der auf dem Typenschild angegebene
Höchstwiderstand an die Klemmen anzuschließen. Dabei ist festzustellen, ob ein Zündimpuls
abgegeben wird.

3.3 Zündmaschinenprüfgeräte und Prüfgeräte für Zündgeräte für elektronische Zündkreise

3.3.1 Zündmaschinenprüfgeräte

Anforderung nach Nr. 3.6 Abs. 138 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Die Zündmaschinenprüfgeräte müssen bei ordnungsgemäßer Betätigung der Zündmaschinen ein
Nachlassen der Leistungsfähigkeit deutlich anzeigen.

Es ist eine Prüfung der Durchschlagfestigkeit gemäß der Prüfung der Zündmaschinen durchzuführen.
Die Prüfspannung muß dem für die zu prüfende Zündmaschine festgelegten Wert entsprechen.

Prüfvorschrift:

Anzeigefähigkeit.
Die Prüfung der Zündmaschinenprüfgeräte auf Anzeigefähigkeit hat in einer Schaltanordnung zu
erfolgen, bei der in der Schaltstellung 1 die Anschlußklemmen der Zündmaschine unmittelbar mit
dem Prüfgerät verbunden sind, während in der Schaltstellung 2 durch Einschalten eines Vorwider-
standes und eines Parallelwiderstandes der Zündmaschinenstrom durch das Prüfgerät um 20 %
vermindert wird. Die Widerstände müssen dabei so bemessen sein, daß der Gesamtwiderstand,
auf dem die Zündmaschine arbeitet, gegenüber der Schaltstellung 1 unverändert bleibt. In der
Schaltstellung 1 muß das Prüfgerät bei der Betätigung der Zündmaschine deutlich ansprechen.
In der Schaltstellung 2 muß eine deutlich unterscheidbare Anzeige erfolgen.

Da eine Verringerung des Zündstromes um 20 % einer Verringerung des Energieinhaltes der
Zündmaschine auf 64 % entspricht und Zündmaschinen mit nur 64 % des Nennenergieinhaltes
in der Regel nicht mehr zum sicheren Zünden der vorgesehenen Zündkreise geeignet sind, ist
die Prüfung mindestens dreimal zu wiederholen.

Die beiden Widerstände Rv und Rp der Schaltstellung 2 werden mit dem Höchstwiderstand
der Zündmaschine (Ra) errechnet:

           Ra
Rv  =  _____                und             Rp  =  4  x  Ra
            5

Rv - Vorschaltwiderstand
Rp - Parallelwiderstand

Der Höchstwiderstand der Zündmaschine ist gleichzeitig der Eigenwiderstand des Prüfgerätes.

Zündmaschinen-Richtlinie


3.3.2 Prüfgeräte für Zündgeräte für elektronische Zünder

Diese Prüfgeräte sind nach den Vorgaben des Herstellers oder entsprechend den Anforderungen
unter 3.7 der Anlage 1 zur 1.SprengV zu prüfen.

3.4 Zündkreisprüfer und Prüfgeräte für elektronische Zündkreise

3.4.1 Zündkreisprüfer

Anforderung nach Nr. 3.8.1 Abs. 147 und Nr. 3.8.2 Abs. 152 der Anlage 1 der 1. SprengV:

Die max. Meßstromstärke darf nicht wesentlich von dem typenspezifischen Wert abweichen;
sie darf nicht mehr als 25 mA betragen.

Die Meßgenauigkeit der analoganzeigenden Ohmmeter muß bei senkrechter und waagerechter
Gebrauchslage mindestens +/- 1,5 % der Skalenlänge betragen, die der digitalen anzeigenden
Geräte  +/- 1,5 % vom Meßwiderstand (+/- 2 Digits).

Prüfvorschriften:
Die max. Meßstromstärke wird mit einem niederohmigen Strommeßgerät ermittelt.

Die Meßgenauigkeit wird mit 3 Messwiderständen (Toleranzbereich 1 % - 0,5 W) ermittelt.

3.4.2 Prüfgeräte für elektronische Zündkreise

Diese Prüfgeräte sind nach den Vorgaben des Herstellers oder entsprechend den Anforderungen
nach 3.9 der Anlage 1 zur 1.SprengV zu prüfen. Dies gilt auch sinngemäß für Programmier- und
Steuergeräte für elektronische Zündkreise.

4. Schriftlicher Nachweis

Über die Ergebnisse der Prüfungen nach Nr. 2 und 3  sind schriftliche Nachweise zu führen.
Sie sind mit Datum und Namenszeichen der prüfenden Person zu versehen und nach der letzten
Eintragung mindestens 3 Jahre aufzubewahren.

5. Instandsetzung

Geräte, die Schäden oder Mängel aufweisen, dürfen nur nach ordnungsgemäßer Instandsetzung
und Prüfung nach Nr. 3 ausgegeben und wieder verwendet werden. Instandsetzungen dürfen
nur von den Herstellern der Geräte oder von einer Werkstatt, die vom Hersteller autorisiert oder
von der zuständigen Behörde anerkannt ist, durchgeführt werden.



22.06.2005

83.17.15-2005-1

Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW

Neufassung der Richtlinien für die Beseitigung unbrauchbar gewordener Sprengstoffe
und Zündmittel (Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien)

Richtlinien des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen für das Beseitigen unbrauchbar
gewordener Sprengstoffe und Zündmittel (Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien) vom
1.2.1993 –17.15-3-15-


Auf Empfehlung des Länderausschusses Bergbau werden hiermit die aktualisierten „Richtlinien
für die Beseitigung unbrauchbar gewordener Sprengstoffe und Zündmittel“ im Zuständigkeitsbereich
der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW eingeführt.

Diese Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe aus Vertreter der Bergbehörden der Länder und
der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung unter Anpassung an den Stand der Technik
und die betrieblichen Gegebenheiten erarbeitet.


Zu den neuen Richtlinien werden noch die folgenden Hinweise gegeben:

• Das bisherige mögliche Beseitigen von unbrauchbar gewordenen Sprengstoffen durch Verbrennen
   wurde aus Gründen des Umweltschutzes und der Sicherheit gestrichen.

• Festlegungen zur Beseitigung von unbrauchbar gewordenen Pulverzündern sind nicht mehr
   notwendig, da diese im Bergbau keine weitere Anwendung finden.

Ich bitte die Änderungen nach Maßgabe der überarbeiteten Richtlinien im Betriebsplanverfahren
zur Geltung zu bringen.

Die bisherigen Richtlinien für die Beseitigung unbrauchbar gewordener Sprengstoffe und Zündmittel
(Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien) vom 01.02.1993 –17.15-3-15-, SBl. A 2.13 werden hiermit
aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung "Bergbau und Energie in NRW"
für das Beseitigen unbrauchbar gewordener Sprengstoffe und Zündmittel
in den der Bergaufsicht unterliegenden Betrieben
(Sprengmittelbeseitigungs-Richtlinien)

1. Geltungsbereich

2. Allgemeines

2.1 Begriffe und Erläuterungen
2.2 Mengenbegrenzung
2.3 Schutz der Umgebung
2.4 Durchführende und beaufsichtigende Personen
2.5 Hinzuziehen einer fachkundigen Person
2.6 Besondere Bestimmungen für die Beseitigung unter Tage
2.7 Transport und Aufbewahrung
2.8 Buchführung

3. Verfahren zur Beseitigung und deren Anwendungsbereiche

3.1 Rückgabe an den Hersteller oder Lieferanten

3.2 Vernichten durch Sprengen
3.2.1 Sprengen in Bohrlöchern und Kammern
3.2.2 Sprengen im Freien
3.2.3 Sprengen von unbrauchbaren Sprengladungen in Hohlkörpern
3.2.4 Pulversprengstoffe
3.2.5 Sprengschlämme einschließlich Emulsionssprengstoffe
3.2.6 ANC - Sprengstoffe
3.2.7 Sprengschnüre
3.2.8 Zündmittel

3.3 Andere Beseitigungsverfahren
3.3.1 Auflösen von unbrauchbaren ANC - Sprengstoffen in Wasser
3.3.2 Sonstige Vernichtungsverfahren


1. Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für das Beseitigen von unbrauchbar gewordenen Sprengstoffen und
Zündmitteln durch Rückgabe oder sachgemäße Vernichtung in Betrieben, die der Bergaufsicht
unterliegen.

Diese Richtlinien gelten nicht für das Beseitigen stehengebliebener Sprengladungen (Versager).


2. Allgemeines

2.1 Begriffe und Erläuterungen

Als unbrauchbar gelten Sprengstoffe und Zündmittel,

Beseitigen kann erfolgen durch

Vernichten heißt, die explosionsfähigen Bestandteile der Sprengstoffe und Zündmittel unter
Beachtung der Herstellervorgaben unwirksam zu machen.

Ob Sprengstoffe oder Zündmittel zu lange gelagert sind, ergibt sich aus den geltenden Richtlinien
für die Errichtung und den Betrieb von übertägigen bzw. untertägigen Sprengmittellagern.

Handhabungssicherheit ist die Sicherheit gegen unbeabsichtigte Explosion bei der für die
Sprengstoff- und Zündmittelart festgelegten Handhabung.

2.2 Mengenbegrenzung

Nach diesen Richtlinien dürfen nur

vernichtet werden.

Stehen größere Mengen zur Vernichtung an, entscheidet die zuständige Bergbehörde im
Einzelfall über die Art der Beseitigung. Dies gilt auch unabhängig von den Mengen dann,
wenn bei diesen Sprengstoffen und Zündmitteln Zweifel an der Handhabungssicherheit bestehen.

Bei einem Vernichtungsvorgang sollen nicht mehr als 5 kg Sprengstoff oder die in Nr. 3.2.8
angegebene Anzahl an Zündmitteln vernichtet werden.

2.3 Schutz der Umgebung

Sprengstoffe und Zündmittel sind so zu beseitigen, dass die Allgemeinheit oder die
Nachbarschaft vor Gefahren, Schäden oder erheblichen Belästigungen geschützt ist.

2.4 Durchführende und beaufsichtigende Personen

Über die Art der Beseitigung entscheidet der Befähigungsscheininhaber, soweit dies nicht in
einem zugelassenen Betriebsplan geregelt ist. Der mit der Durchführung der Vernichtungsarbeiten
betraute Sprengberechtigte und dessen Helfer müssen in diesen Aufgaben besonders unterwiesen
sein und unterliegen der Weisung des Befähigungsscheininhabers.

Von allen Arbeiten nach Maßgabe dieser Richtlinien sind Unbeteiligte fernzuhalten; die Zahl der
an den Arbeiten beteiligten Personen ist auf ein Mindestmaß zu beschränken.

2.5 Hinzuziehen einer fachkundigen Person

In den Fällen, in denen Zweifel an der Handhabungssicherheit der Sprengstoffe und Zündmittel
oder über die geeignete Art der Beseitigung bestehen oder in sonstigen Zweifelsfällen, sind besonders
fachkundige Personen z.B. einer sachverständigen Stelle oder des Herstellers hinzuzuziehen.

2.6 Besondere Bestimmungen für die Beseitigung unter Tage

Ein Beseitigen von Sprengstoffen und Zündmitteln ist in explosions- oder schlagwettergefährdeten
Betrieben unter Tage grundsätzlich nicht zulässig.

Das Vernichten darf nur in solchen Grubenbauen durchgeführt werden, in denen dies unter
Berücksichtigung der Art und  Menge der zu vernichtenden Sprengstoffen und Zündmitteln und
eines genügenden Sicherheitsabstandes zu belegten Grubenbauen und zu schützenden Objekten
unbedenklich ist. Diese Grubenbaue werden durch den verantwortlichen Befähigungsscheininhaber
bestimmt. Entsprechend dem angewendeten Verfahren ist sicherzustellen, dass die Vernichtung auch
keine sekundären Folgen (z. B. Schwadenvergiftungen, Schäden an Sicherheitseinrichtungen) nach
sich ziehen kann.

2.7 Transport und Aufbewahrung

Beim Transport und der gegebenenfalls erforderlichen vorübergehenden Aufbewahrung der zu
beseitigenden Sprengstoffe und Zündmittel sind die einschlägigen bergbehördlichen Vorschriften
zu beachten.

Soweit eine Verbringung erforderlich wird, wird auf die dann geltenden Gefahrgutvorschriften
verwiesen.

Transporte sind den Umständen entsprechend unter Berücksichtigung der Handhabungssicherheit
mit äußerster Sorgfalt schonend und auf kürzestem Wege durchzuführen. Gegen das Freiwerden
und Verlorengehen zu beseitigender Sprengstoffe und Zündmittel beim Transport sind besondere
Maßnahmen zu treffen, z.B. in dichten Behältern. Soweit erforderlich, ist der Transport auf
saugfähigem Material vorzunehmen.

Die zu beseitigenden Sprengstoffe und Zündmittel sind entsprechend den Richtlinien für die
Errichtung und den Betrieb von unter- bzw. übertägigen Sprengmittellagern getrennt von den
übrigen Sprengmitteln aufzubewahren. Sie sollen unverzüglich der ordnungsgemäßen Beseitigung
zugeführt werden.

2.8 Buchführung

Über ein planmäßiges Vernichten ist eine Niederschrift anzufertigen und der Bergbehörde vorzulegen.

Noch nicht ausgegebene Sprengstoffe und Zündmittel, die beseitigt wurden, sind im Verzeichnis für
explosionsgefährliche Stoffe (§ 16 SprengG i.V. mit Anlage 12 zur SprengVwV) als Ausgabe mit
einem entsprechenden Vermerk in Spalte „Bemerkungen“ zu buchen.

3. Verfahren zur Beseitigung und deren Anwendungsbereiche

Die Art der Beseitigung richtet sich nach der vom Hersteller festgelegten Anleitung zur Verwendung
einschließlich möglicher Ergänzungen der Bundesanstalt für Materialforschung und – prüfung (BAM),
Berlin, nach den örtlichen Gegebenheiten sowie nach den Sprengstoff- und Zündmittelarten und deren
Beschaffenheit.

3.1 Rückgabe an den Hersteller oder Lieferanten

In der Regel ist der einfachste und sicherste Weg der Beseitigung, die Sprengstoffe und Zündmittel
dem Hersteller oder Lieferanten zur Vernichtung zurückzugeben. Die Übergabe soll nach Möglichkeit
im Betrieb erfolgen, so dass der Übernehmende auch für das vorschriftsmäßige Verbringen zu sorgen hat.

Sprengstoffe für sonstige Zwecke nach Anlage 2 zur 1. SprengV sind dem Hersteller zu übergeben.

Wenn wegen nicht ausreichender Handhabungssicherheit ein sicheres Verbringen nicht gewährleistet
werden kann, ist eine Vernichtung im Betrieb nach den Angaben des Herstellers erforderlich.

3.2 Vernichten durch Sprengen

Sprengstoffe und Zündmittel sind grundsätzlich durch Sprengen zu vernichten, und zwar im Regelfall
als Beiladung zu einer Bohrloch- oder Kammersprengladung oder, soweit dies im Einzelfall nicht
möglich ist, im Freien auf dem Boden.

Unzulässig sind:

Bei der Durchführung sind neben den für die üblichen Sprengarbeiten geltenden Vorschriften und
Regelungen die nachfolgenden Bestimmungen zu beachten.

3.2.1 Sprengen in Bohrlöchern oder Kammern

Der zu beseitigende Sprengstoff kann bis zu einem Anteil von 5 % der Gesamtlademenge des
einzelnen Bohrloches oder der Kammer beigeladen werden. Die Detonationsübertragung innerhalb
der Gesamtladung muss dabei - erforderlichenfalls durch Beiladen von für die Sprengstoffart
geeigneter Sprengschnur - gewährleistet sein.

Dient eine Bohrlochsprengung allein der Sprengstoffvernichtung, so ist das Verhältnis des zu
vernichtenden Sprengstoffs zur Gesamtlademenge nur insoweit von Bedeutung, als die Detonation
der gesamten Lademenge durch Beiladen einer geeigneten Sprengschnur sichergestellt werden kann.

3.2.2 Sprengen im Freien

Für das Vernichten über Tage im Freien ist ein gut übersichtlicher Sprengplatz auszuwählen.
Auf dem Platz müssen die Sprengstellen von Gebäuden, Verkehrswegen, Eisenbahnen,
Versorgungsleitungen und dergleichen mindestens 300 m entfernt sein.

Die Mindestentfernung von 300 m von zu schützenden Objekten darf nur dann unterschritten werden,
wenn die gleiche Sicherheit durch Auswahl eines geeigneten Platzes (z. B. Graben, Hohlweg, Sand-
oder Lehmgrube) gewährleistet ist, um die zu erwartenden Schall- und Druckwellen zu verringern und
eine Schleuderwirkung auszuschließen.

Alle Zugänge zu dem Sprengplatz müssen während der Vernichtungsarbeiten so abgesperrt sein,
dass niemand durch die Vernichtungsarbeiten gefährdet werden kann. Der Sperrbereich darf erst
freigegeben werden, wenn nach Durchführung der Arbeiten die Vernichtungsstellen und ihre
Umgebung sorgfältig auf Sprengstoffreste abgesucht worden sind.

Die zu vernichtenden Sprengstoffe sind auf dem Sprengplatz mit einer Verstärkungsladung eines
einwandfreien, geeigneten Sprengstoffes zu versehen, dessen Menge mindestens 20 % der zu
vernichtenden Sprengstoffmenge betragen und mittig angeordnet werden soll. Die Gesamtladung
ist mit einer mindestens 0,5 m starken Schicht aus feinkörnigem Material abzudecken.

Lose Gegenstände, die beim Sprengen weggeschleudert werden können, wie z.B. Steine, sind
vom Sprengplatz zu entfernen.

3.2.3 Besondere Vorschriften für das Sprengen von unbrauchbaren Sprengladungen
        in Hohlkörpern

Sprengladungen, die sich in Hohlkörpern befinden (z.B. in Laderohren, Bohrgestängen), dürfen
nur durch Sprengen unter Verwendung ausreichend bemessener Verstärkungsladungen vernichtet
werden. Jegliche andere Einwirkung auf den Hohlkörper (z.B. Schlag, Stoß, Reibung, Wärme) oder
auf den Sprengstoff (z.B. Auskratzen, Herausdrücken) ist unzulässig.

Stellt sich heraus oder ist zu vermuten, dass sich im Bohrloch eine Sprengladung in Hohlkörpern
festgesetzt hat oder setzen sich Hohlkörper beim Ziehen fest, so dürfen diese nicht mehr gezogen
oder gedreht und auch die aus dem Erdboden herausragenden Teile nicht mehr entfernt werden.
In diesem Falle ist die Ladung unter Beachtung der im Einzelfall erforderlichen Sicherungsmaßnahmen
sprengfertig zu machen und zu zünden.

Der Befähigungsscheininhaber hat die Sicherungsmaßnahmen festzulegen.

Stellt sich erst nach dem Ziehen der Hohlkörper heraus, dass sich eine Sprengladung darin befindet,
die auch bei Schrägstellung der Hohlkörper nicht von selbst herausgleitet, so ist der Hohlkörper
entweder in einem Bohrloch ausreichender Tiefe zu sprengen oder mindestens 1 m tief zu
vergraben und zu sprengen.

3.2.4 Pulversprengstoffe

Schwarzpulver zum Sprengen und schwarzpulverähnliche Sprengstoffe sind stets nur über Tage
zu vernichten. Sie dürfen nur mit geeigneten pyrotechnischen Anzündern beseitigt werden.
Nass gewordener Sprengstoff muss vorher mit einer mindestens gleich großen Menge
einwandfreien Pulversprengstoffs überdeckt werden.

3.2.5 Sprengschlämme einschließlich der Emulsionssprengstoffe

Sprengschlämme einschließlich der Emulsionssprengstoffe dürfen nur durch Sprengen nach
Nr. 3.2.1 vernichtet werden.

3.2.6 ANC-Sprengstoffe

ANC-Sprengstoffe können durch Sprengen nach Nr. 3.2.1 vernichtet werden.

3.2.7 Sprengschnüre

In einem Zündgang darf nur so viel Sprengschnur vernichtet werden, dass das Gewicht des
Sprengstoffs der Sprengschnur 1 kg nicht überschreitet. Wegen des zu erwartenden großen
Detonationsknalls ist beim Sprengen nach Nr. 3.2.2 besonderer Wert auf eine sorgfältige
Abdeckung zu legen.

Sollen mehrere Sprengschnurreste gleichzeitig vernichtet werden, so können diese um einen
Sprengzünder herum angeordnet oder, soweit es sich nicht um Wettersprengschnüre handelt,
auch aneinandergebunden werden.

Bei der Anordnung um einen Zünder herum ist darauf zu achten, dass sämtliche Sprengschnüre
direkten Kontakt mit der Zünderhülse haben.

Wenn die Sprengschnur feucht geworden ist, muss der Sprengzünder axial auf ein Ende der
Sprengschnur aufgesetzt werden.

3.2.8 Zündmittel

Sprengkapseln, Sprengzünder und Sprengverzögerer sind durch Sprengen zu vernichten.

Sprengkapseln oder Sprengzünder sind bis zu 6 Stück an einen einwandfreien Sprengzünder
zu binden. Dabei sind alle Kapselböden bzw. Zünderböden bündig anzuordnen. Das Bündel
ist mit feinkörnigem Material abzudecken.

Sind Sprengverzögerer oder eine größere Anzahl von Sprengkapseln oder Sprengzündern zu
vernichten, sind sie in Mengen bis zu 50 Stück ganz mit geeignetem Sprengstoff zu umgeben.
Die Ladung ist mit einem einwandfreien Sprengzünder zu versehen. Die Abdeckung aus
feinkörnigem Material muss in diesem Fall eine Schichtdicke von mindestens 0,5 m haben.

3.3 Andere Beseitigungsverfahren

Können Sprengmittel nicht nach Nr. 3.1 und 3.2 beseitigt werden, sind ersatzweise andere
Beseitigungsverfahren zulässig.

3.3.1 Auflösen von unbrauchbaren ANC-Sprengstoffen in Wasser

ANC-Sprengstoffe müssen vom Verpackungsmaterial - gegebenenfalls auch von der Umhüllung -
befreit und in geeigneten Behältern mit Wasser vermischt werden, bis die löslichen Anteile im
Wasser gelöst sind. Dabei ist zu beachten, dass 1 Liter Wasser bei 0° C  1180 g und bei
20° C  1900 g Ammoniumnitrat löst.

Bei Sprengstoffen mit Mineralölzusatz muss nach dem Auflösen zunächst die Trennung des
Öles von der Lösung herbeigeführt werden. Hierzu ist das Gefäß mit der Lösung mindestens
eine halbe Stunde stehen zu lassen; danach muss das Öl von der Wasserfläche abgeschöpft
oder mit Putzwolle o. ä. aufgenommen und anschließend einer ordnungsgemäßen Altölentsorgung
zugeführt werden.

Die ölfreie Lösung und ungelöste Rückstände von Ammoniumnitrat sind auf geeignete Weise
zu entsorgen.

3.3.2 Sonstige Vernichtungsverfahren

Andere Vernichtungsverfahren sind nur zulässig, wenn eine fachkundige Person nach Nr. 2.5
die vorgesehene Art der Vernichtung geprüft und unter Angabe der erforderlichen Sicherheits-
vorkehrungen gebilligt hat. Weitere Voraussetzung ist, dass die Bergbehörde ihre Zustimmung
erteilt hat.


 


07.07.2005

83.01.22.7-2005-1

Umgang mit Sprengmitteln
(Umgangs-Richtlinien)

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW

Richtlinien für den Umgang mit Sprengmitteln (Umgangs-Richtlinien)
Verwaltungsvorschriften zu § 11 Abs. 2 ABBergV für den Umgang mit Sprengmitteln
(BergVwV Sprengwesen) des Landesoberbergamts Nordrhein-Westfalen vom
17.03.2000 -01.22.7-8-7-.

Auf Empfehlung des Länderausschusses Bergbau werden hiermit für die o.a.
Verwaltungsvorschriften vom 17.03.2000 die anliegenden „Richlinien zu § 11 Abs. 2 ABBergV
für den Umgang mit Sprengmitteln“ im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg,
Abteilung Bergbau und Energie in NRW, eingeführt.

Diese Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe aus Vertreter der Bergbehörden der Länder
und der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung unter Anpassung an den Stand der
Technik und die betrieblichen Gegebenheiten erarbeitet.

Mit diesen Richtlinien wird der Umgang mit Sprengmitteln geregelt. Zu den Tätigkeiten des
Umganges in diesen Richtlinien gehören nur das Verwenden und der Transport innerhalb der
Betriebsstätte.

Zu den neuen Richtlinien werden im Einzelnen folgende Hinweise gegeben:

Unter der Internetadresse: http://emf.regtp.de/GisInternet/StartFrame.aspx?User=1000&Lang=de

können die von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zugelassenen Standorte
ortsfester Funkanlagen erfragt werden.

Ich bitte die Änderungen nach Maßgabe der überarbeiteten Richtlinien im Betriebsplanverfahren zur
Geltung zu bringen.

Die bisherigen Verwaltungsvorschriften zu § 11 Abs. 2 ABBergV für den Umgang mit Sprengmitteln
(BergVwV Sprengwesen) vom 17.03.2000 -01.22.7-8-7-, SBl. A 2.13, werden hiermit aufgehoben.

Bezirksregierung Arnsberg
Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg; Abteilung Bergbau und Energie in NRW
zu § 11 Absatz 2 ABBergV für den Umgang mit Sprengmitteln in Betrieben unter Bergaufsicht 1)

(Umgangs-Richtlinien)


1)   ausgenommen ist das Verbringen nach § 3 Abs. 3 Nr. 1 SprengG


1. Fachkundige beauftragte Personen

Fachkundige beauftragte Personen im Sinne von § 11 Abs. 2 Nr. 1 ABBergV sind:

2. Sicherheitsvorkehrungen im Sinne des § 11 Abs. 2 Nr. 2 ABBergV 

2.1 Allgemeine Sicherheitsvorkehrungen

Allgemeine Sicherheitsvorkehrungen gelten als getroffen, wenn

2.2 Sicherheitsvorkehrungen für das Aufbewahren von Sprengmitteln

Sicherheitsvorkehrungen zum Aufbewahren von Sprengmitteln gelten als getroffen, wenn

2.3 Sicherheitsvorkehrungen für  den Transport von Sprengstoffen oder Zündmitteln 

2.3.1 Allgemeines

Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von Sprengmitteln gelten als getroffen, wenn

2.3.2 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen beim Transport in Schächten

Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von Sprengmitteln in Schächten gelten als getroffen,
wenn 

2.3.3 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen beim Transport in Strecken

Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von Sprengstoffen oder Zündmitteln in Strecken
gelten als getroffen, wenn

2.4 Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von Sprengmitteln

2.4.1 Allgemeines

Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von Sprengmitteln gelten als getroffen, wenn

2.4.1.1 als begleitende Sicherheitsmaßnahmen

2.4.1.2 für das Herstellen der Sprengladungen

2.4.1.3 für das Zünden der Sprengladungen

2.4.1.4 für das Verhalten nach dem Zünden

2.4.2 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für untertägige Betriebe

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengmitteln in untertägigen Betrieben gelten
als getroffen, wenn

2.4.3 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für untertägige Betriebe mit Grubengas und
        brennbaren Stäuben

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengmitteln in grubengasführenden
untertägigen Betrieben und untertägigen Betrieben mit brennbaren Stäuben gelten als getroffen, wenn

2.4.4 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für übertägige Großbohrlochsprengungen

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengstoffen und Zündmitteln bei übertägigen
Großbohrlochsprengungen gelten als getroffen, wenn

2.4.5 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Verdichtungssprengungen

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengstoffen und Zündmitteln bei
Verdichtungssprengungen gelten als getroffen, wenn

2.4.6 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Sprengungen in Tiefbohrungen

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengmitteln beim Sprengen in Tiefbohrungen
gelten als getroffen, wenn

2.4.7 Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für seismische Sprengarbeiten

Sicherheitsvorkehrungen für die Verwendung von Sprengmitteln bei seismischen Arbeiten
gelten als getroffen, wenn

3. Geeignete Sprengmittel (§ 11 Abs. 2 Nr. 3 ABBergV)

Sprengstoffe, Zündmittel und Sprengzubehör müssen nach den sprengstoffrechtlichen
Vorschriften für den vorgesehenen Einsatz (Arbeitsstätte, Sprengtechnologie und
Verwendungszweck) als geeignet beurteilt worden sein.

4. Schriftliche Anweisungen

Zu den Sicherheitsvorkehrungen nach § 11 Abs. 2 Nr. 2 ABBergV zählt im Hinblick auf den
Umgang mit Sprengmitteln auch die Festlegung bestimmter Vorgehensweisen in schriftlichen
Anweisungen gemäß § 7 ABBergV, insbesondere für:

  1. den Transport von Sprengstoffen und Zündmitteln,
  2. das Aufbewahren von Sprengstoffen und Zündmitteln in Sprengmittellagern,
  3. das vorübergehende Aufbewahren bzw. Abstellen von Sprengstoffen, Zündmitteln und
    Sichern von Zündeinrichtungen,
  4. das Aus- und Zurückgeben von Sprengstoffen, Zündmitteln und Zündgeräte; Nachweisführung,
  5. das Verhalten bei der Durchführung der Sprengarbeit,
  6. das Verhalten bei Verlust, Fund und Beseitigung von Sprengstoffen, Zündmitteln und
    Zündeinrichtungen sowie Antreffen von Versagern.



Anlage zu 2.4.1.3

Funksender strahlen Hochfrequenzenergien aus, die unter Umständen elektrische
Brückenzünder zur Auslösung bringen können. Zu den Funksendern, zu denen
Mindestabstände eingehalten werden müssen, zählen neben ortsfesten Antennenanlagen
( z.B. Rundfunk- und Fernsehsender, Mobilfunk-Basisstationen, Amateurfunksender)
auch tragbare Sendeanlagen (z.B. Handfunksprechgeräte und Mobiltelefone/Handys)
oder andere bewegliche Funksender (z.B. Sender auf Fahrzeugen).

Sicherheitsvorkehrungen gegen die Beeinflussung von sprengkräftigen elektrischen
Brückenzündern bzw. entsprechenden Zündanlagen durch Hochfrequenzenergien von
Sendern sollten grundsätzlich an Hand einer gutachtlichen Aussage, welche die örtlichen
Gegebenheiten berücksichtigt, getroffen werden.

Beim Betrieb von Sendeanlagen unter Tage ist zur Bewertung der erforderlichen
Sicherheitsvorkehrungen eine gutachtliche Aussage erforderlich. Ergebnisse vorhandener
Gutachten lassen sich auf andere untertägige Betriebe des gleichen Bergbauzweiges übertragen,
wenn sich die funk- und bergbautechnischen Bedingungen gleichen. Dies bedarf der Einzelfallprüfung.

Bei Sprengungen über Tage kann auf ein Gutachten verzichtet werden. Dies gilt unter den
Voraussetzungen, dass elektrische U  - bzw. HU – Zünder verwendet werden und die Zündanlage
erdbodennah (< 1m) verlegt wird. In diesen Fällen können die Abstände zwischen Zündern bzw.
Zündanlage und Sendeanlage nach den folgenden Methoden bestimmt werden, wobei ein
Mindestabstand von 1 m dabei nicht unterschritten werden darf.



Methoden der Abstandsbestimmung:

Maßgeblich für die Bestimmung der Abstände [A] sind Frequenz [f] und effektive Strahlungsleistung
[Peff]
der Senderantenne. Für batteriebetriebene handgeführte Sendegeräte (z. B. Sprechfunkgeräte,
GSM – Portables) kann in der Regel die Sendeleistung gleich der effektiven Strahlungsleistung
gesetzt werden. Bei größeren Hochfrequenzanlagen errechnet sich die effektive Strahlungsleistung
aus der Ausgangssendeleistung, multipliziert mit dem Antennengewinnfaktor. Bei diesen Anlagen ist
in der Regel die effektive Strahlungsleistung beim Hersteller oder Betreiber des Senders zu erfragen.

I. Berechnung

Von Funksendern mit einer effektiven Strahlungsleistung Peff [Watt] errechnet sich der 
Mindestabstand A nach

     A = 3  ×  Ö Peff [m].

Von Funksendern mit einer Frequenz  [MHz] von mehr als 30 MHz errechnet sich der
Mindestabstand A nach

   A = 90/f  ×  Ö Peff [m].

II. Ermittlung aus Tabelle

Alternativ kann der erforderliche Mindestabstand [m] aus nachfolgender Tabelle entnommen werden:

Strahlungsleistung Ps

> 0,1 - 1,5
MHz

> 1,5 - 10
MHz

> 10 - 30
MHz

> 30 - 100 MHz

> 100 - 500
MHz

 > 500 - 1000 MHz

> 1 - 5
GHz

< 0,5 W

2

2

3

2

1

1

1

0,5 W bis < 1 W

3

3

4

3

1

1

1

1 W bis < 5 W

6

3

8

5

2

1

1

5 W bis < 20 W

15

6

15

10

4

1

1

20 W bis < 100 W

30

15

35

25

8

2

1

100 W bis < 1 kW

85

40

100

70

30

6

3

1 kW bis < 10 kW

270

120

330

210

80

20

10

10 kW bis < 100 kW

850

400

1000

660

260

60

30

100 kW bis < 400 kW

1700

750

2000

1320

510

120

60

400 kW bis < 1 MW

2600

1200

3200

2100

800

180

95

1 MW bis < 3 MW

4500

2000

5500

3610

1400

310

160

Hinweise zu I. und II:

III. Ermittlung durch Feldstärkemessung

Sollte die Ermittlung der effektiven Strahlungsleistung der zu betrachtenden Sender nicht möglich sein,
insbesondere bei portablen Sendern (Baustellenbetrieb) und im Falle des Abbruchsprengens, so
kann die Abstandsbestimmung durch Messung der Feldstärke erfolgen. Für U - Zünder darf eine
Feldstärke von 2 V/m und für HU - Zünder von 5 V/m nicht überschritten werden.

Diese Feldstärke ist im Rahmen einer frequenzabhängigen Messung im Bereich der Zündanlage zu
bestimmen.

Für die Messung und die Bewertung der Messergebnisse ist ein Sachverständiger für dieses
Fachgebiet heranzuziehen.  



23.11.2006

83.17.15-2006-2

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb
von übertägigen Sprengmittellagern

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von übertägigen Sprengmittellagern

Der Länderausschuss Bergbau hat in der 128. Sitzung u. a. die o. a. Richtlinien des
Arbeitskreises Sprengwesen zustimmend zur Kenntnis genommen und den Ländern
ihre Einführung empfohlen.

Anlass für die Aktualisierung der Richtlinien waren insbesondere die zwischenzeitlichen
Novellierungen des Sprengstoffgesetzes sowie der 1. und 2. Verordnung zum Spreng-
stoffgesetz, die eine Überarbeitung der von den Bergbehörden der Länder angewendeten
Richtlinien erforderlich machte.

Des Weiteren wurden insbesondere die aktuellen Normen bezüglich des Schutzes gegen
Einbruch eingearbeitet, die bei neu zu errichtenden Lagern und bei wesentlichen Änderungen
zur Anwendung kommen sollen.

Schließlich wurden in der Anlage 4 die Fristen für die Höchstlagerzeiten von Sprengstoffen
nunmehr eindeutig formuliert.

Ich bitte, die beigefügten Richtlinien betriebsplanmäßig umzusetzen.

Diese Richtlinien ersetzen die „Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von übertägigen
Sprengmittellagern im Bereich der Bergaufsicht“ vom 20.5.1981 - 17.15-2-18 – (Elektronisches
Sammelblatt A 2.13), die hiermit aufgehoben werden.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien

der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
für die Errichtung und den Betrieb von übertägigen Sprengmittellagern
im Bereich der Bergaufsicht

(Lagerrichtlinien übertage)

1.         Allgemeines

1.1      Geltungsbereich
1.2      Begriffsbestimmungen

2.        Lage

2.1      Allgemeine Anforderungen an den Lagerungsort
2.2      Zugangswege
2.3      Schutz- und Sicherheitsabstände
2.4      Schutz gegen klimatische Einwirkungen
2.5      Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie

3.        Aufbau

3.1      Ortsfeste Lager
3.1.1   Schranklager
3.1.2   Nischenlager
3.1.3   Betretbare Lager
3.2      Ortsbewegliche Lager

4.        Einrichtung

4.1      Ortsfeste Lager
4.2      Ortsbewegliche Lager

5.        Aufschriften

6.        Betriebsvorschriften

6.1      Allgemeines
6.2      Einzelbestimmungen
6.3      Unterweisung und schriftliche Anweisung

Anlagenverzeichnis

Anlage 1   Schutz- und Sicherheitsabstände
                  (Nr. 2.1.3 und Nr. 2.3 der Richtlinien)

Anlage 2   Sicherheitsabstände zum Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie
                  (Nr. 2.5 der Richtlinien)

Anlage 3   Bauliche Anforderungen an ortsfeste Lager
                  (Nr. 2.1.1, Nr. 2.4, Nr. 4.1.2, Nr. 4.1.3, Nr. 4.1.5 und Nr. 4.1.11 der Richtlinien)

Anlage 4    Höchstlagerzeiten für Sprengmittel
                   (Nr. 6.2.11 der Richtlinien)

 

1.    Allgemeines

1.1   Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die Aufbewahrung von Sprengmitteln (Sprengstoffe, Zündmittel
und Sprengzubehör), die üblicherweise im Bergbau zur Anwendung kommen, in Sprengmittel-
lagern (ff als Lager bezeichnet) über Tage sowie unter Tage in unmittelbarer Nähe von
Tagesöffnungen.

1.2   Begriffsbestimmungen

1.2.1 Es wird zwischen ortsfesten und ortsbeweglichen Lagern unterschieden. Ein Lager gilt
als ortsbeweglich, wenn es nur vorübergehend (höchstens 6 Monate) am selben Ort verbleibt.

1.2.2 Nach der Bauart und Lagermenge gibt es nicht betretbare Lager (Schrank- und Nischenlager)
und betretbare Lager.

1.2.3 Schutzabstände (Fernbereiche) sind die zur Allgemeinheit oder Nachbarschaft einzu-
haltenden Abstände.

1.2.4 Sicherheitsabstände (Nahbereich) sind die innerhalb des Betriebes einzuhaltenden Abstände.

1.2.5 Zündmittel sind Sprengzünder (elektrische, nichtelektrische, elektronische). Dazu gehören
auch Verzögerungselemente.

Bei den folgenden Festlegungen wird vorausgesetzt, dass es sich um nichtmassenexplosionsfähige
(NME-) Zünder mit einer Nettoexplosivstoffmasse von maximal 2 g/Zünder handelt
(Lagergruppe 1.4 im Sinne des Anhanges zu § 2 der 2. SprengV).

2.       Lage

2.1    Allgemeine Anforderungen an den Lagerungsort

2.1.1 Ortsfeste Lager müssen mit dem Erdboden fest und dauerhaft verbunden sein. Sie sind
daher mit Ausnahme des Zuganges allseitig in Fels oder standfesten Boden einzubauen. Ist dies
örtlich nicht möglich, so müssen die Lager mit einer mindestens 0,6 m dicken Erdüberschüttung
(bei Schranklagern 1,0 m) versehen sein. Die Anschüttung soll begrünt werden.

2.1.2 Lager müssen gegen das Eindringen von Grund- und  Niederschlagswasser sowie gegen
Überschwemmung geschützt liegen.

2.1.3 Lager dürfen nicht unmittelbar an Zugängen zu Arbeitsstätten liegen. Dies gilt nicht, wenn
für den Schutz der Benutzer der Zugänge besondere Sicherheitsmaßnahmen wie die Errichtung
von Schutzwällen, Schutzmauern oder Erdschutzwänden getroffen sind (Anforderungen an diese
Wälle, Mauern und Wände siehe Anlage 1, Nr. 1.3).

2.2 Zugangswege

Die Lagerzugänge müssen sicher begehbar, die Zufahrten sicher befahrbar sein. Jeder Zugang
ist so anzulegen, dass im Explosionsfall mit der geringst möglichen Außenwirkung zu rechnen ist.

2.3 Schutz- und Sicherheitsabstände

Bei der Standortauswahl eines Lagers sind zu Wohngebäuden, zu anderen schutzbedürftigen
Anlagen und zu öffentlichen Verkehrswegen die erforderlichen Schutzabstände (Fernbereich)
zu berücksichtigen. Ebenso sind Sicherheitsabstände (Nahbereich) zu anderen Lagern für
explosionsgefährliche Stoffe und zu schutzwürdigen Betriebsgebäuden und Betriebsflächen zu
berücksichtigen. Als schutzwürdig gelten insbesondere solche Bereiche, in denen sich regelmäßig
oder über einen längeren Zeitraum Personen aufhalten.

Für die Schutz- und Sicherheitsabstände gilt Anlage 1.

Während des Betriebes eines Lagers ist darauf zu achten, dass die erforderlichen Schutz- und
Sicherheitsabstände nachträglich nicht unterschritten werden.

2.4 Schutz gegen klimatische Einwirkungen

Lager sollen so angelegt werden, dass in ihnen Temperaturen von 0° C bis 40° C herrschen und
bei der Lagerung von Wettersprengstoffen keine Temperaturen über 30° C entstehen. Maßgebend
sind jedoch die in der Anleitung zur Verwendung vorgegebenen Lagerbedingungen. Zur Kontrolle
muss ein Thermometer (Maxima/Minima-Thermometer) vorhanden sein.

2.5 Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie

2.5.1 Lager mit elektrischen Brückenzündern dürfen nicht im Einwirkungsbereich von stationären
Einrichtungen errichtet und betrieben werden, die Gefahr bringende Hochfrequenzenergien, Gefahr
bringende Ströme elektrischer Anlagen (siehe Anlage 2), Gefahr bringende elektromagnetische
Felder (Siehe auch Umgangsrichtlinien Nr. 2.1) oder Gefahr bringende elektrostatische Aufladungen
erzeugen oder weiterleiten.

In Lagern, in denen elektrische Zünder nur in Versandverpackungen/Zünderpuppen aufbewahrt werden,
darf die elektrische Feldstärke von Hochfrequenzanlagen 100 V/m nicht überschreiten. Wird von dieser
Aufbewahrungsart der Zünder abgewichen, so gelten die Festlegungen der Umgangsrichtlinien.

2.5.2 In der Nähe von Lagern mit elektrischen Brückenzündern dürfen keine Geräte betrieben werden,
die Gefahr bringende Hochfrequenzenergien, Gefahr bringende Ströme (siehe Anlage 2), Gefahr
bringende elektromagnetische Felder oder Gefahr bringende elektrostatische Aufladungen erzeugen,
ohne dass eine entsprechende Betrachtung des Gefährdungspotentials durchgeführt worden ist. Sich
daraus ergebende Sicherheitsabstände sind zu beachten.

3. Aufbau

3.1 Ortsfeste Lager

3.1.1 Schranklager

In Schranklagern dürfen bis zu einer Menge von 1000 kg Sprengstoff (einschließlich Sprengstoffmasse
der Sprengschnur) und insgesamt 2000 Stück Zündmittel gelagert werden. Bei der gemeinsamen
Lagerung von Sprengstoffen und Zündmitteln muss für die Zündmittel ein gesondertes Fach vorhanden
sein.

3.1.2 Nischenlager

Nischenlager müssen, wenn sie nicht aus einem in den Stoß eingelassenen vorgefertigten Stahlschrank
bestehen, mit einer Stahlblechtür versehen sein, die in einen allseitig fest im Gebirge verankerten
Rahmen eingesetzt ist. In Nischenlagern dürfen bis zu einer Menge von 1000 kg Sprengstoff
(einschließlich Sprengstoffmasse der Sprengschnur) und insgesamt 2000 Stück Zündmittel gelagert
werden. Bei der gemeinsamen Lagerung von Sprengstoffen und Zündmitteln muss für die Zündmittel
ein gesondertes Fach vorhanden sein.

3.1.3 Betretbare Lager

Betretbare Lager bestehen aus einem Vorraum und einem oder mehreren Lagerräumen. Zündmittel
bis zu insgesamt 5000 Stück dürfen in einer Zündernische gelagert werden, die in die Seitenwand
des Vorraumes eingelassen ist, darüber hinausgehende Mengen in einer besonderen Zünderkammer.

Die Innenabmessungen eines Lagerraumes müssen ausreichen, um das Lagergut ohne Gefahr
handhaben zu können. 

Der Vorraum muss für das gesicherte Abstellen der Sprengmittel und der zu deren Handhabung
erforderlichen Hilfsmittel ausgelegt sein.

Die Höhe der Räume muss mindestens 2 m betragen.

3.2 Ortsbewegliche Lager

Ortsbewegliche Lager, die mit dem Erdboden nicht dauerhaft verbunden sind, sind nur bei örtlich
wechselnden, am jeweiligen Ort zeitlich befristeten Sprengarbeiten wie z.B. in der Geophysik, zulässig.
Sie sind als Schranklager (Nr. 3.1.1 der Richtlinien) auszubilden und müssen für die Dauer ihrer
Aufstellung an einem Ort so befestigt werden, dass sie von Unbefugten nicht entfernt werden können
(z. B. Befestigung mit Erdankern).

4. Einrichtung

4.1 Ortsfeste Lager

4.1.1 Lager dürfen nur eingeschossig ausgeführt werden.

4.1.2 Lager dürfen nur in feuerbeständiger Ausführung, d.h. aus nicht brennbaren Baustoffen
gemäß DIN 4102 Teil 1 Klasse A errichtet werden. Dies gilt als erfüllt, wenn die Bauweise den
Festlegungen der Anlage 3 entspricht.

4.1.3 Die Bauweise muss das Eindringen von Wasser, ungeachtet der Standortvoraussetzungen
nach Nr. 2.1.2 der Richtlinien, verhindern.

4.1.4 Lager sind einzufrieden. Darauf kann verzichtet werden, wenn es die örtlichen oder
betrieblichen Gegebenheiten gestatten.

4.1.5 Lager müssen ausreichend widerstandsfähige Decken und Wände besitzen. Bei der Aufbe-
wahrung von Sprengstoffen und Zündmitteln in einem betretbaren Lager muss für die Zündmittel
ein abgetrennter Raum (Nische, Kammer) vorhanden sein, dessen Tür eine eigene Schließung hat.

Bei Schranklagern muss hierfür ein durch eine Trennwand abgeteiltes Fach mit Tür und eigener
Schließung vorhanden sein. Die Abtrennung muss so beschaffen sein, dass eine Detonations-
übertragung von den empfindlicheren Zündmitteln auf Sprengschnur und Sprengstoffe verhindert
wird (Nr. 3.1 der Richtlinien). Welche Ausführung die vorgenannten Anforderungen erfüllt, hängt
von der Art des Lagers ab und richtet sich nach Anlage 3, Nr. 3.

4.1.6 Lager dürfen keine Fenster haben.

4.1.7 Der Fußboden muss eine dichte, ebene und trittsichere Oberfläche haben und sich leicht
reinigen lassen.

Er muss elektrostatisch leitfähig sein, wenn eine elektrostatische Entladung das Lagergut zur
Detonation bringen könnte. Betonfußböden erfüllen in der Regel diese Anforderungen.

4.1.8 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen hinsichtlich Ausführung und Anordnung
den Vorschriften für elektrische Anlagen in explosivstoffgefährdeten Bereichen (VDE 0166)
entsprechen. Bei ausschließlicher Aufbewahrung der Sprengstoffe und Zündmitteln in Versand-
verpackungen genügt die Einhaltung der Bestimmungen für das Errichten von Starkstromanlagen
mit Nennspannungen bis 1000 V für feuchte und nasse Räume (VDE 0100).

Bei der Verwendung von Handleuchten im Lager ist darauf zu achten, dass keine Einwirkungen
auf elektrische Zünder entstehen können. Sie sind mit Kleinspannung (VDE 0105-100) zu betreiben.

4.1.9 Lager müssen gegen die Gefahren durch atmosphärische Entladungen (Blitze) geschützt sein.
Dies gilt als erfüllt, wenn das Lager in Fels oder Boden eingebaut ist oder eine nicht unterbrochene
Erdüberdeckung nach Nr. 2.1.1 der Richtlinien aufweist. Falls diese Voraussetzungen fehlen, muss
eine Blitzschutzanlage vorhanden sein, die nach VDE 0185 zu errichten ist.

4.1.10 Lager müssen ausreichend belüftet sein. Die Lüftung ist grundsätzlich ausreichend, wenn
Kondenswasser weitgehend vermieden wird. Betretbare Lager bedürfen in jedem Fall einer
Belüftungseinrichtung, um darüber hinaus gesundheitlich unbedenkliche Atemluft zu gewährleisten.
Entsprechend sind deren Querschnitte oder die Höhe eines Entlüftungsschachtes zu wählen.
Lüftungskanäle und –leitungen dürfen nicht geradlinig geführt sein; sie sind nach innen ansteigend
und so anzulegen, dass das Eindringen von Regenwasser oder etwa hineingegossener Flüssigkeiten
in den Lagerraum verhindert wird. Lüftungsöffnungen sind außen fest zu vergittern und innen mit
Drahtgittern zu verschließen.

4.1.11 Lager müssen gegen Einbruch geschützt sein. Dies ist einerseits durch die Bauweise
(Nrn. 4.1.2, 4.1.5 und 4.1.6 der Richtlinien), andererseits durch den Einbau entsprechend
gesicherter Türen mit mindestens einem Sicherheitsschloss zu gewährleisten. Die Türen müssen
ausreichend  widerstandsfähig sein und Schutz gegen die Anwendung von Einbruchwerkzeugen bieten,
bei Aufbewahrung von Zündmitteln insbesondere auch gegen Aufschweißen und –schneiden. Der
durch Decken (Dächer) und Wände gewährleistete Schutz muss mindestens den an Lagertüren zu
stellenden Anforderungen entsprechen.

Jedes Lager muss durch zwei nach außen aufschlagende Türen (Außentür und Innentür des
eigentlichen Sprengstofflagerraumes) gesichert sein. Es genügt eine Tür, wenn diese bereits allein
gleichwertige Sicherheitsmerkmale ausweist. Vorhandene Zünderfächer und Zündernischen oder
–kammern müssen in jedem Fall eine gesonderte Tür besitzen, wenn im Lager zugleich Sprengstoffe
aufbewahrt werden.

Die sicherheitstechnische Ausführung muss der Art des Lager angepasst sein (Einzelheiten siehe
Anlage 3).

Gefahrenmeldeanlagen sollen die baulichen Sicherheitsmaßnahmen ergänzen.

4.2 Ortsbewegliche Lager

Die baulichen Anforderungen müssen denjenigen für Schranklager mit folgender Maßgabe entsprechen:

Im Hinblick auf die Transportfähigkeit können leichtere Ausführungen als nach Nr. 4.1.5 und 4.1.11
der Richtlinien zugelassen werden, wenn der Standort und die Standdauer dies unter Berücksichtigung
des Einbruchschutzes und der Lagermenge rechtfertigen. Die Lager sind einzufrieden.

5. Aufschriften

Bei jedem Lager sind auf der Außenseite der Innentür oder der Innenseite der Außentür anzubringen:

6. Betriebsvorschriften

6.1 Allgemeines

Für den Betrieb von Lagern gelten die einschlägigen Vorschriften der Bergverordnungen. Soweit
dort keine ins Einzelne gehenden Regelungen getroffen sind, richtet sich der Betrieb von Lagern
nach Nr. 6.2 der Richtlinien.

6.2 Einzelbestimmungen

6.2.1 Nur der Erlaubnisinhaber und dessen Beauftragte dürfen das Lager betreten. Sie haben für
einen ständig vorschriftsmäßigen Zustand und ordnungsgemäßen Betrieb des Lagers zu sorgen und
den Zutritt Unbefugter zu verhindern.

Ist eine Bewachung des Sprengmittellagers festgelegt, ist ein Wachplan aufzustellen.

6.2.2 Jedes Lager muss, solange es Sprengmittel enthält und sich niemand darin aufhält, zuverlässig
verschlossen sein.

6.2.3 Zugriff auf die Lagerschlüssel dürfen nur Personen haben, die verantwortlich im Sinne des
§ 19 des Sprengstoffgesetzes und vom Erlaubnisinhaber hierzu besonders beauftragt sind.

Es dürfen nur so viele Schlüssel (Schlüsselsätze bei mehr als einem Schloss) vorhanden sein und
nur so viele ausgegeben werden, wie für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Lagers unbedingt
notwendig sind. Mehr als 2 Schlüssel (Schlüsselsätze) sind nur dann zulässig, wenn die Schlüssel-
übergabe von einem zum nächsten Benutzer nicht möglich ist. Die Schlüsselordnung und die Nach-
weisführung über die Schlüsselweitergabe ist festzulegen.

Schlüssel sind so aufzubewahren, dass sie Unbefugten nicht zugänglich sind (z. B. durch ständiges
Mitführen oder durch Aufbewahrung in einem gesicherten Behältnis, das nur den Berechtigten
zugänglich ist). Als gesichertes Behältnis kann z.B. ein Wertschutzschrank nach EN 1143-1
Widerstandsgrad 0 oder ein Sicherheitsschrank nach EN 14450 Klasse S2, möglichst Schloss mit
Zahlenkombination verwendet werden. Reserveschlüssel sind getrennt von den ausgegebenen
Schlüsseln in einem anderen Behältnis sicher aufzubewahren. 

Bei Verwendung von codierten Schlosssystemen sind gleichwertige Regelungen zu treffen.

6.2.4 Werkzeuge und Geräte, die Diebstahl- oder Einbruchhandlungen ermöglichen oder
unterstützen, sind nach Betriebsschluss verschlossen zu verwahren.

Soweit im Betrieb, insbesondere in Werkstätten, derartige Werkzeuge oder Geräte vorhanden sind
oder verwendet werden, sind diese außerhalb der Betriebszeit in geeigneter Weise unter Verschluss
zu halten. Dies gilt z.B. für Brenngasflaschen (Acetylen, Sauerstoff), Schneidbrenner, Winden, Brech-
stangen.

Energieanschlüsse (z. B. elektrischer Strom, Druckluft) in der Nähe (weniger als 100 m) von Lagern
sind ebenfalls außerhalb der Betriebszeit gegen missbräuchliche Benutzung zu sichern.

6.2.5 Es dürfen nur die in der Erlaubnis oder Betriebsplanzulassung festgelegten Arten und Höchst-
mengen von Sprengstoffen und Zündmitteln gelagert sowie das Sprengzubehör und Hilfsmittel
aufbewahrt werden.

6.2.6 Nur solche Hilfsmittel wie Geräte, Werkzeuge und Materialien für die Aufbewahrung und
Ausgabe der Sprengmittel dürfen im Lager vorhanden sein, die eine gefahrlose Handhabung zulassen
(z.B. nicht funkenreißende Werkzeuge bei der Aufbewahrung von Pulversprengstoffen).

6.2.7 Sprengstoffe, Zündmittel und Sprengzubehör sind voneinander getrennt zu lagern. Sprengschnur
ist stets von Zündmitteln zu trennen; sie darf mit Sprengstoff zusammen gelagert werden.

6.2.8 Unbrauchbare Sprengstoffe und Zündmittel sind als solche zu kennzeichnen und bis zu ihrer
Beseitigung gesondert und nach Arten getrennt zu lagern.

6.2.9 Die angelieferten Sprengstoffe und Zündmittel sind unverzüglich einzulagern, soweit sie nicht
unmittelbar verwendet werden, und in das zum Lager gehörige Verzeichnis für explosionsgefährliche
Stoffe einzutragen.

6.2.10 Sprengstoffe und Zündmittel dürfen nur in der Versandverpackung aufbewahrt werden, sofern
nicht eine andere Art der Aufbewahrung zugelassen ist.

Bei ihrer Lagerung ist sicherzustellen, dass

6.2.11 Die in Anlage 4 angegebenen Höchstlagerzeiten für Sprengstoffe und Zündmittel sind zu beachten.

6.2.12 Sprengstoffe und Zündmittel müssen in der Reihenfolge ihrer Anlieferung ausgegeben werden.
Die Ausgabe darf nur durch einen beauftragten Befähigungsscheininhaber oder einen der Bergbehörde
schriftlich angezeigten Sprengmittelausgeber erfolgen.

6.2.13 Aus Gründen der eindeutigen Zuordnung der Sprengstoffe zum Empfänger sollen diese in der
Regel nur in Verpackungseinheiten ausgegeben werden. Lässt sich die Ausgabe einzelner Patronen
gleicher Nummerierung nicht vermeiden, so sind die an verschiedene Empfänger ausgegebenen
Patronen unterschiedlich zu kennzeichnen, so dass der Empfänger anhand des Verzeichnisses nach
§ 16 SprengG ermittelt werden kann.

6.2.14 Leeres Verpackungsmaterial und sonstige Abfälle sind aus dem Lager zu entfernen. Spreng-
mittelreste sind ordnungsgemäß zu beseitigen.

6.2.15 Jede Entnahme bzw. Ausgabe und Wiedereinnahme von Sprengstoffen und Zündmitteln ist
unverzüglich in das Verzeichnis nach § 16 SprengG einzutragen. Die Übereinstimmung von Soll- und
Istbestand ist regelmäßig nachzuprüfen (§ 41 Abs. 3 der 1. SprengV). Bei Abweichungen ist der
Erlaubnisinhaber oder sein Beauftragter sofort zu verständigen. Das Verzeichnis ist so zu führen und
aufzubewahren, dass unberechtigte Personen keinen Einblick in den Lagerbestand gewinnen können
und Änderungsmöglichkeiten ausgeschlossen werden.

6.2.16 Sprengstoffe und Zündmittel, die in das Lager zurückgebracht und wegen baldigen
Aufbrauchens nicht wieder in das Verzeichnis eingetragen werden, müssen im verschlossenen
Behälter getrennt von den noch nicht ausgegebenen Sprengmitteln aufbewahrt werden (bei betret-
baren Lagern im Vorraum). Nach zwei Wochen noch nicht abgeholte Sprengmittel sind wieder zu
vereinnahmen und neu auszugeben.

6.2.17 Sprengmittel mit wesentlichen Mängeln der Kennzeichnung, Verpackung oder Beschaffenheit
dürfen nicht ausgegeben werden. Der Erlaubnisinhaber oder der beauftragte Befähigungsscheininhaber
ist unverzüglich zu verständigen. Er hat die Benachrichtigung der zuständigen Bergbehörde zu veranlassen.
Das gleiche gilt bei Abhandenkommen von Sprengmitteln.

6.2.18 In Lagern sollen grundsätzlich nur Arbeiten ausgeführt werden, die der Lagerung und Ausgabe
der Sprengmittel dienen. Sonstige erforderlich werdende Arbeiten sind nur dann zulässig, wenn sie nicht
in gefährlicher Weise auf die Sprengmittel einwirken können.

6.2.19 Rauchen sowie der Umgang mit offenem Licht und Feuer sind im Lager verboten. Im Abstand
bis zu 25 m vom Lager (Brandschutzbereich) dürfen leicht entzündliche und brennbare Materialien nicht
gelagert und keine Arbeiten ausgeführt werden, die in gefährlicher Weise auf die Sprengmittel einwirken
können. In diesem Bereich darf nicht geraucht sowie kein offenes Licht oder offenes Feuer verwendet
werden. Dies gilt nicht, wenn das Lager geleert und gereinigt ist.

6.2.20 Bei Gewitter ist der Aufenthalt im Lager und in dessen Nähe zu vermeiden.

6.2.21 Der Erlaubnisinhaber oder dessen Beauftragter haben den Bereich um die Lagerung elektrischer
Zünder festzulegen und zu kennzeichnen, in dem keine elektrischen Geräte wie z. B. Funkgeräte,
Computer oder mobile Telefone betrieben werden dürfen. Ein Abstand von 1 m darf nicht unterschritten
werden.

6.2.22 Transportfahrzeuge dürfen nur in das Lager hineinfahren, wenn von ihnen keine Gefährdung der
Sprengstoffe und Zündmittel zu befürchten und dies zugelassen ist.

6.2.23 Bei Betriebseinstellung oder bei mehr als dreimonatiger Betriebsunterbrechung ist das Lager zu
räumen. Der Verbleib der Sprengstoffe und Zündmittel ist im Verzeichnis für explosionsgefährliche
Stoffe zu vermerken. Betriebseinstellung und –unterbrechung des Lagers sind der Bergbehörde anzuzeigen.

6.3 Unterweisung und  schriftliche Anweisung

Über die für die Verwaltung und Benutzung des Lagers maßgeblichen Vorschriften sind die in Frage
kommenden Personen zu unterweisen. Ihnen ist eine schriftliche Anweisung auszuhändigen. Auf die
entsprechenden Regelungen der §§ 6 und 7 ABBergV wird hingewiesen.

6.4 Überwachung

Der Erlaubnisinhaber hat dafür Sorge zu tragen, dass ständig ein vorschriftsmäßiger Zustand und
ein ordnungsgemäßer Betrieb des Lagers gewährleistet sind. Zu diesem Zweck hat die für das Lager
verantwortliche Person in betrieblich festgelegten Zeitabständen Kontrollen durchzuführen.

 



Anlage 1
der Lagerrichtlinien übertage

Schutz- und Sicherheitsabstände
(Nr. 2.1.3 und Nr. 2.3. der Richtlinien)

Gliederung

1.       Schutzabstände (Fernbereich)

1.1     Allgemeines
1.2     Schutzabstände zu Wohnbereichen und öffentlichen Verkehrswegen
1.3     Schutzwälle, Schutzmauern, Erdschutzwände

2.       Sicherheitsabstände (Nahbereich)

2.1     Sicherheitsabstände zu Betriebsgebäuden
2.2     Sicherheitsabstände zwischen Lagern
2.3     Sicherheitsabstände zu anderen Objekten

Tabelle 1     Schutzabstände zu Wohnbereichen
Tabelle 2     Schutzabstände zu öffentlichen Verkehrswegen
Tabelle 3     Schutzabstände zwischen Lagern

 

1. Schutzabstände (Fernbereich)

1.1 Allgemeines

1.1.1 Nach der Schutzwürdigkeit der Objekte und im Hinblick auf die Vermeidung
schwerwiegender Auswirkungen im Falle einer Explosion wird zwischen Schutzabständen zu
Wohnbereichen und zu öffentlichen Verkehrswegen unterschieden. Gebäude, die nicht nur zum
vorübergehenden Aufenthalt von Personen bestimmt und geeignet sind, stehen hinsichtlich der
Schutzabstände bewohnten Gebäuden gleich. Andere schutzbedürftige Gebäude und Anlagen sind
nach ihrer vergleichbaren sicherheitlichen Bedeutung entweder Wohnbereichen oder öffentlichen
Verkehrswegen (Straßen, Schienen- und Schifffahrtswegen) gleichzustellen. Schutzabstände werden
gemessen als kürzeste Entfernung zu den zu schützenden Objekten.

1.1.2 Objekte, in denen dauernd oder häufig Menschenansammlungen stattfinden, oder solche
von besonderer Bedeutung oder Bauart, bei denen durch Sekundärereignisse (Glassplitter, Panik)
erhöhte Gefahren auftreten können, bedürfen eines besonderen Schutzes. Zu diesen Objekten sind
die Schutzabstände zu vergrößern. Objekte dieser Art sind z. B. Hochbauten in Skelettbauweise oder
mit großen Glasflächen, Krankenhäuser, Heilstätten, Schulen, zentrale Energie- bzw. Wasserver-
sorgungsanlagen.

1.1.3 Bei unterirdisch sowie in oder an Böschungen errichteten Lagern können die Schutzabstände
in den Richtungen, in denen mit geringen Druckwirkungen (Stoßwellen) zu rechnen ist, verringert werden.
Ist in einer Richtung mit erhöhten Wirkungen zu rechnen, ist der Schutzabstand in dieser Richtung zu
vergrößern.

1.2 Schutzabstände zu Wohnbereichen und öffentlichen Verkehrswegen

Sprengstoffe und Zündmittel werden nach ihren Eigenschaften, insbesondere ihrem Verhalten in der
Versandpackung bei einem Brand, einer Deflagration oder Detonation und den sich daraus ergebenden
Gefahren, in Lagergruppen eingeteilt. Die Einstufung im einzelnen erfolgt durch die Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM) bzw. das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk-, Explosiv-
und Betriebsstoffe (WIWEB) und ist maßgebend für die Bemessung der Schutzabstände.

1.2.1 Lagergruppe 1.1 im Sinne des Anhanges zu § 2 der 2. SprengV

1.2.1.1 Für Lager mit Sprengstoffen und Sprengschnur der Lagergruppe 1.1. gelten die Schutz-
abstände gem. Tabellen 1 und 2 (Spalte 3).

1.2.1.2 Bei günstigen örtlichen Verhältnissen z. B. aufgrund der Bauart, der Bauweise und der
topografischen Bedingungen kann bei einer Lagermenge bis zu 4000 kg der in den Tabellen
angegebene Abstand um 20 % verringert werden.

1.2.1.3 Ist die Außentür eines Lagers nicht durch einen Schutzwall oder dergleichen (Nr. 1.3
dieser Anlage) oder durch entsprechende natürliche Geländeverhältnisse nach außen abgeschirmt,
so ist der von der Tür in einem Öffnungswinkel von 600 nach außen weisende Bereich als
Ausblaserichtung anzusehen. Hier sind die Schutzabstände zu vergrößern.

1.2.2 Lagergruppe 1.4 im Sinne des Anhanges zu § 2 der 2. SprengV

1.2.2.1 Für Lager mit Zündern oder Verzögerungselementen der Lagergruppe 1.4 muss bei
Lagermengen über 100 kg (Nettomasse) ein Schutzabstand zu Wohnbereichen und öffentlichen
Verkehrswegen von mindestens 25 m eingehalten werden (siehe Tabellen 1 und 2, Spalte 2);
bei einer Lagermenge bis zu 100 kg ist ein Schutzabstand nicht erforderlich.

1.2.2.2 Bei der Ermittlung der Lagermenge von Zündern und Verzögerungselementen wird die
Nettomasse an explosionsgefährlichen Stoffen aufgerundet pauschal mit 2 g/Stück angesetzt.

1.2.2.3 Werden Stoffe der Lagergruppe 1.4 in einem Lager aufbewahrt, das auch Stoffe oder
Gegenstände der Lagergruppe 1.1 enthält, so gelten die Schutzabstände nach Nr. 1.2.1 dieser Anlage.

1.3 Schutzwälle, Schutzmauern, Erdschutzwände

1.3.1 Schutzwälle sind Erdwälle unterschiedlicher Form. Als Schüttgut ist ein die Explosionswirkung
dämpfendes Material zu verwenden. Geeignet sind z. B. Sand, Feinkies, loses Bodenmaterial;
Mittelkies (Korngröße bis 32 mm) darf anteilig 15 % nicht übersteigen. Das Schüttgut, ausgenommen
im Wallkern, muss frei von festen Körpern sein, deren größter Umfang mehr als 30 cm beträgt. Es
darf keine Stoffe enthalten, die verwesen oder verfaulen können und hierdurch Hohlräume oder
Setzungen hervorrufen. Die Kronenbreite muss mindestens 50 cm betragen. Alternativ dürfen
Schutzmauern oder Erdschutzwände verwendet werden.

1.3.2 Schutzmauern müssen aus bewehrtem Beton mindestens der Festigkeitsklasse B 25 nach
DIN 1045 mit einer Mindestdicke von 30 cm hergestellt sein. Sie können von der lagerabgewandten
Seite mit Schüttgut abgestützt werden.

1.3.3 Erdschutzwände müssen mindestens 1 m dick und so hoch wie Schutzwälle sein. Das Erdreich
ist durch Schalen abzustützen. Sie dürfen nicht aus Material bestehen, das scharfkantige Wurfstücke
bilden kann (z.B. Stahlblech), und sind sicher im Erdreich zu verankern.

1.3.4 Schutzwälle, Schutzmauern und Erdschutzwände sowie ein entsprechender natürlicher Schutz
müssen die Oberkante der Deckenkonstruktion des Lagers um mindestens 1 m überragen.

2. Sicherheitsabstände (Nahbereich)

2.1 Sicherheitsabstände zu Betriebsgebäuden

Zu mit dem Betrieb im Zusammenhang stehenden Gebäuden, wie Bürogebäuden, Werkstätten,
betriebsgebundenen Wohngebäuden, die zur Gewährleistung der Betriebssicherheit jederzeit zur
Verfügung stehen, sind Sicherheitsabstände erforderlich, wenn die Geländeverhältnisse oder
baulichen Gegebenheiten keine Abschirmung bieten. Die Abstände E sind im Einzelfall nach
der Formel

E [m] = 8  · L 1/3 [kg]

zu bestimmen, wobei L der Lagermenge entspricht.

2.2 Sicherheitsabstände zwischen Lagern

2.2.1 Zwischen Lagern, von denen mindestens eines Lagergut der Lagergruppe 1.1
(siehe Nr. 1.2.1.1) enthält, die nebeneinander liegen und die gleiche Ausblasrichtung haben,
gelten die Sicherheitsabstände gemäß Tabelle 3 (Spalte 2).

2.2.2 Zwischen Lagern, von denen mindestens eines Lagergut der Lagergruppe 1.1
(siehe Nr. 1.2.1.1) enthält, die hintereinander liegen und die gleiche Ausblasrichtung haben,
gelten die Sicherheitsabstände gemäß Tabelle 3 (Spalte 3), sofern kein Schutzwall oder
dergleichen vorhanden ist.

2.2.3 Lager mit gegenüberliegenden Zugängen (Ausblasrichtungen) sind grundsätzlich
auszuschließen.

2.3 Sicherheitsabstände zu anderen Objekten

Wegen der Unterschiedlichkeit der örtlichen Verhältnisse können erforderlich erscheinende
betriebliche Sicherheitsabstände nur im Einzelfall unter Berücksichtigung der Lagermengen,
der Lagerbauart und der zu schützenden Personen und Objekte festgelegt werden.

 Sprengmittellager uebertage Anlage 1 Tabelle 1

  Sprengmittellager uebertage Anlage 1 Tabelle 2

 Sprengmittellager uebertage Anlage 1 Tabelle 3

 



Anlage 2
der Lagerrichtlinien übertage

Sicherheitsabstände zum Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie
(Nr. 2.5 der Richtlinien)

Gliederung

1.     Sicherheitsabstände von Starkstrom-Freileitungen mit Nennspannungen über 1 kV
        und Leitungen elektrischer Bahnen

1.1  Allgemeines
1.2  Abstandsmessung
1.3  Sicherheitsabstände gegen die Auswirkung von Streuströmen

 

1. Sicherheitsabstände von Starkstrom-Freileitungen mit Nennspannungen über  1 kV
    und Leitungen elektrischer Bahnen

1.1 Allgemeines

Von Starkstrom-Freileitungen und Leitungen elektrischer Bahnen können Ströme auf elektrische
Zünder einwirken durch

Abgriff an Leitern, Masten oder Rückleitungen,

Abgriff an parallelen oder seitlich wegführenden leitfähigen Einrichtungen wie
z. B. Wasserleitungen, Zäunen, nicht elektrifizierten Anschlussgleisen,

Abgriff an Erdreich,

direkte Induktion.

Die Stärke der Einwirkungen nimmt mit wachsenden Abständen von den o. g. Leitungen ab.

1.2 Abstandsmessung

Abstände sind waagerecht zu messen, und zwar zwischen dem Sprengmittellager und

  1. allen Teilen von Starkstrom-Freileitungen und Leitungen elektrischer Bahnen,

  2. parallel oder seitlich wegführenden leitfähigen Einrichtungen wie z.B. Wasserleitungen,
    Druckluftleitungen, Zäunen, nicht elektrifizierten Anschlussgleisen, die mit Bahnen
    verbunden sind.

1.3 Sicherheitsabstände gegen die Auswirkung von Streuströmen

1.3.1 Nachstehende Abstände dürfen nicht unterschritten werden:  

 

für Brückenzünder

 

   U    

  HU

von Starkstrom-Freileitungen mit Holzmasten

    10 m    

  10 m

von Starkstrom-Freileitungen mit Stahlbeton- oder Stahlmaste

50 m

  10 m

von Leitungen elektrischer Bahnen    

   200 m    

100 m

       

1.3.2 Unterschreitungen der in Nr. 1.3.1 genannten Abstände können ausnahmsweise zugelassen
werden, wenn in diesem Bereich durch Streustrommessungen nachgewiesen wird, dass ein Drittel
der Streustromsicherheitsgrenze der Zünder

 Anlage 2 Formel

nicht überschritten wird.



Anlage 3
der Lagerrichtlinien übertage

Bauliche Anforderungen an ortsfeste Lager
(Nr. 2.1.1, Nr. 2.4, Nr. 4.1.2, Nr. 4.1.3, Nr. 4.1.5 und Nr. 4.1.11 der Richtlinien)

 

Gliederung

1.      Nichtbetretbare Lager - Schranklager

1.1    Lager mit Wertschutzschränken
1.2    Lager mit Stahlschränken

2.      Betretbare Lager

3.      Verhinderung einer Detonationsübertragung von Zündmitteln auf Sprengstoffe
         und Sprengschnur

4.      Türschlösser

5.      Schutz der Türen und Schlösser vor Witterungseinflüssen

6.      Gefahrenmeldeanlagen

7.      Heizeinrichtungen

8.      Erdüberschüttung

9.      Beispiele für übertägige Sprengmittellager

 

 

1. Nichtbetretbare Lager - Schranklager

1.1 Lager mit Wertschutzschränken

1.1.1 Fabrikmäßig hergestellte Wertschutzschränke erfüllen die Anforderungen, wenn sie mindestens
dem Widerstandsgrad III der EN 1143-1 entsprechen und dafür zertifiziert sind*).

1.1.2 Schränke nach Nr. 1.1.1 müssen mit der Sohle fest verbunden sein. Bei gewachsenem Fels
genügt die Verankerung in diesem selbst, bei weniger festem Untergrund ist die Verbindung mit Hilfe
einer mindestens 10 cm starken Betonsohle oder mit Hilfe eines geeigneten Erdankers zu schaffen.

1.1.3 Bei Einbau des Schrankes in Fels oder standfesten Boden ist auf der Zugangsseite ein dichter
Anschluss an das Gebirge herzustellen (Nr. 2.1.1 der Richtlinien).

1.1.4 Das Zündmittelfach muss gesondert verschließbar sein.

1.2 Lager mit Stahlschränken

1.2.1 Lagerschränke aus Stahlblech erfüllen die an Decken (Dächer), Wände und Sohlen zu
stellenden Anforderungen, wenn sie eine Blechstärke von mindestens 5 mm haben und mit Ausnahme
des Zuganges allseitig von beidseitig bewehrtem Beton  von mindestens 30 cm Wandstärke umgeben
sind. Die Betongüte soll C 30/37 nach DIN 1045 entsprechen, wobei nach Möglichkeit Zemente mit
geringer Hydrationswärme (z.B. Hochofenzement) und als Zuschlagstoffe gewaschener Naturkiessand
oder doppelt gebrochenes Hartgestein nach DIN 4226 zu verwenden sind.

Bei Wänden und Sohlen, die durchgehend an gewachsenen Fels (Hartgestein) angrenzen, darf die
Betonstärke um 10 cm vermindert werden.

1.2.2 Betonierung und Armierung sind so auszuführen, dass Seitenwände, Decke und Sohle fest
untereinander verbunden sind (schwer zerlegbare Bauweise); die Bewehrungen der Decke und der
Wände müssen sich zugfest überlappen (DIN 1045 Teil 1); die Decke darf jedoch keine Stahl- oder
Stahlbetonträger (ausgenommen Tragelemente von Fertigteildecken) enthalten. Zwischen Bauwerk
und Gebirge ist ein dichter Anschluss herzustellen. Die Seitenwände sind als Betonwangen um 30 cm
vorzuziehen, ebenso Decke und Sohle. Bei Wänden, in denen sich eine Tür befindet, ist durch
geeignete Bauweise, Art des Rahmens und dessen Verbindung mit der Wand sicherzustellen, dass
ihre Widerstandsfähigkeit der der übrigen Wände entspricht.

1.2.3 Als Außentüren für diese Lager sind Wertschutzraumtüren zu verwenden, die mindestens
dem Widerstandsgrad III der EN 1143-1 entsprechen und dafür zertifiziert sind.

1.2.4 Bei der Verwendung von Wertschutzraumtüren als Außentüren sind die Herstellerhinweise für
den Einbau dieser Türen einschließlich Türrahmen/Türbänder zu beachten.

2. Betretbare Lager

2.1 Decken (Dächer), Wände und Sohlen betretbarer Lager erfüllen die Anforderungen, wenn sie
mit Ausnahme des Zuganges aus Beton von mindestens 30 cm Stärke hergestellt sind. Für die
Betongüte und Ausführung einschließlich der Bewehrung gelten Nr. 1.2.1 und Nr. 1.2.2 entsprechend.

2.2 Für die Sicherung des Lagerzuganges gilt Nr. 1.2.3 entsprechend.

2.3 Für die Türrahmen und Türbänder sowie das Einpassen der Türen in den Rahmen und das
Bauwerk gilt Nr. 1.2.4 entsprechend.

2.4 Sprengstofflagerräume und Zündmittelbehältnisse oder –kammern müssen gesondert verschließbar
sein. Dies gilt für die Sprengstoffaufbewahrung nicht, wenn als Außentür eine Wertschutzraumtür des
Widerstandsgrades III gemäß EN 1143-1 verwendet wird.

3. Verhinderung einer Detonationsübertragung von Zündmitteln auf Sprengstoffe und
     Sprengschnur

3.1 Bei Schranklagern muss die Trennwand zwischen dem Zündmittelfach und dem Sprengstoff-
lagerraum aus Stahlblech von mindestens 10 mm Stärke bestehen.

3.2 Bei betretbaren Lagern muss die Abtrennung zwischen dem Zündmittelfach (der Zündernische
oder -kammer) und dem Sprengstofflagerraum aus Beton oder Ziegelmauerwerk von mindestens
10 cm oder Stahlblech von mindestens 10 mm Stärke bestehen.

Die Tür des abgetrennten Raumes (Fach, Nische, Kammer) darf nicht in Richtung auf den Lager-
raum für Sprengstoffe und Sprengschnur weisen. Der abgetrennte Raum muss außerdem so
angeordnet sein, dass im Falle einer Detonation herumfliegende Splitter von Zündmitteln nicht
durch die geöffnete Tür in den Lagerraum für Sprengstoffe und Sprengschnur gelangen können.

3.3 Zündmittelfächer sollen zur Vermeidung mechanischer und elektrostatischer Beanspruchungen
der Zündmittel sowie Verringerung der Übertragung im Falle einer Detonation mit einem geeigneten
Material (z. B. Filz, Sperrholz) ausgelegt sein.

4. Türschlösser 

4.1 Bei fabrikfertigen Wertschutzraumtüren des Widerstandsgrades III gemäß EN 1143-1  ist ein
Schloss der Klasse B der EN 1300 eingebaut. Dieses Schloss erfüllt somit auch die unter Nr. 4.2
und Nr. 4.3 getroffenen Festlegungen.

4.2 Türschlösser an Lagern müssen, einschließlich der Montageplatte und des Riegelwerkes,
mindestens der Klasse B der EN 1300 entsprechen und dafür zertifiziert sein*). Sie müssen
für den Einbau in Außentüren geeignet sein (Oberflächenschutz der korrosionsempfindlichen Teile)
und sind nach den Angaben des Herstellers einzubauen. Es dürfen keine Teile an der Türblattaußenseite
überstehen. Der Abstand zwischen Schlossstulp und Schließblech soll nicht mehr als 6 mm betragen,
damit der Schlossriegel ausreichend weit (mindestens 20 mm) einschließen kann.

4.3 Sämtliche Schlösser eines Lagers müssen unterschiedliche Schließungen haben. Sie müssen mit
zwei Umdrehungen (zweitourig) schließen, der Riegel muss jedoch bereits nach einer Umdrehung
fassen. Abweichend hiervon dürfen eintourige Sicherheitsschlösser verwendet werden, wenn auf Grund
des insgesamt höheren Sicherheitsgrades des verwendeten Riegelwerkes die Türsicherung nicht
gemindert wird.

4.4 Bei der Verwendung von schlüssellosen Schließsystemen, wie z. B. mechanische Codeschlösser,
elektronische Schlösser, muss für jedes Schließsystem eine eigene Codierung programmiert sein.

5. Schutz der Türen und Schlösser vor Witterungseinflüssen

5.1 Lager, deren Zugang im Freien liegt, müssen eine gegen die Außentür um 30 cm vorragende
Überdachung haben. Dies gilt bei Lagern mit überkragender Betondecke (Nr. 1.2.2 und 2.1 dieser
Anlage) bereits durch die Bauart als erfüllt.

5.2 Der Rand der Überdachung soll eine Tropfnase aufweisen, die ein Eindringen von Niederschlägen
zwischen Tür und Türrahmen verhindert.

5.3 Die Schlösser von Außentüren sind, soweit erforderlich, durch eine geeignete Abdeckung vor
dem Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen.

6. Gefahrenmeldeanlagen

6.1 Die Ausführung der Gefahrenmeldeanlage soll VDE 0833 Teile 1 und 3 (Grad 4): Gefahren-
meldeanlagen für Brand, Überfall und Einbruch –  allgemeine Festlegungen- entsprechen
(DIN EN 50130, 50131, 50136, VdS 2311 Klasse C).

6.2 Die Anlage muss ständig betriebsfähig gehalten werden. Bei Ausfall der Anlage muss der
Schutz des Lagers durch andere Maßnahmen (z.B. Bewachung) sichergestellt werden.

Die Anlage ist vor Inbetriebnahme, nach jeder Änderung oder Störungsbeseitigung sowie gemäß
Wartungsplan auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen. Über das Ergebnis der Prüfungen ist schriftlich
Nachweis zu führen.

6.3 Sofern der Alarm nicht unmittelbar bei der Polizei aufläuft, ist durch innerbetriebliche Anweisung
seitens des Erlaubnisinhabers oder seines Beauftragten festzulegen, welche betriebsinternen
Maßnahmen zu treffen sind (z.B. Benachrichtigung der verantwortlichen Person, des Werkschutzes,
der Polizei).

7. Heizeinrichtung

7.1 Kann wegen des Lagerinhaltes oder der Betriebsweise auf den Einbau und den Betrieb einer
Heizeinrichtung nicht verzichtet werden, darf die Oberflächentemperatur von Heizflächen und
Heizleitungen im Lagerraum 120 °C nicht überschreiten und muss im übrigen so geregelt werden,
dass die Stoffe und Gegenstände keine Temperaturen annehmen, die zu einer gefährlichen Reaktion
führen können.

7.2 Raumheizungen sind so zu gestalten, dass die Stoffe und Gegenstände keine Temperatur annehmen,
die die maximal zulässige Lagertemperatur überschreitet. Dies kann z. B. erreicht werden durch

8. Erdüberschüttung

8.1 Für eine Erdüberschüttung ist als Schüttgut ein die Explosionswirkung dämpfendes Material
zu verwenden.

Geeignet sind z. B. Sand, Feinkies, Mutterboden; Mittelkies (Korngröße bis 32 mm) darf anteilig
15 % nicht übersteigen. Das Schüttgut muss frei von festen Körpern sein, deren größter Umfang
mehr als 30 cm beträgt. Es darf keine Stoffe enthalten, die verwesen oder verfaulen können und
hierdurch Hohlräume oder Setzungen hervorrufen.

8.2 Die Begrünung ist so vorzunehmen, dass eine Erosion der Erdüberschüttung verhindert wird
und das Lager sich landschaftsgerecht in die Umgebung einfügt. Durch geeigneten Bewuchs
(Sträucher, Bäume) wird die Schutzwirkung der Erdüberschüttung erhöht.


*)  z. B. zertifiziert in der Bundesrepublik Deutschland der European Certification Board
     Security Systems, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt/Main (http://www.ecb-s.com/).


 

9. Beispiele für übertägige Sprengmittellager

Betretbares Lager (Lager mit Vorraum in Stahlbetonbauweise)

 Sprengmittellager übertage Anlage 3 Beispiel 1

 Sprengmittellager übertage Anlage 3 Beispiel 2



Anlage 4
der Lagerrichtlinien übertage

Höchstlagerzeiten für Sprengmittel
(Nr. 6.2.11 der Richtlinien)

 

Gliederung

1.       Allgemeines

2.       Grundsätzliche Höchstlagerzeiten

2.1     Lagerzeit 2 Jahre
2.2     Lagerzeit 1 Jahr
2.3     Lagerzeit 9 Monate
2.4     Lagerzeit 6 Monate
2.5     Lagerzeit 12 Wochen
2.6     Lagerzeit 10 Wochen
2.7     Lagerzeit 4 Wochen

 

1. Allgemeines

1.1 Sprengmittel, die aus einem Lager entnommen werden, müssen so beschaffen sein, dass sie
bei bestimmungsgemäßer Verwendung ihren Zweck zuverlässig erfüllen. Dazu gehört, dass bei
der Lagerung ihre Handhabungssicherheit und Wirksamkeit erhalten bleiben.

Es gelten die Höchstlagerzeiten der Hersteller, höchstens jedoch die, die in der EG-Baumuster-
prüfbescheinigung festgeschrieben sind, beginnend vom Zeitpunkt der Herstellung. Dies gilt nur,
wenn die dort festgelegten Lagerbedingungen vorliegen.

Die in Sprengmittellagern über Tage vorkommenden Klimaeinflüsse müssen bei der Bemessung
der Höchstlagerzeiten berücksichtigt werden.

1.2 Die unter Nrn. 2.1 bis 2.7 angegebenen grundsätzlichen Höchstlagerzeiten gehen von dem
bei Sprengmittellagern über Tage in der Regel nicht auszuschließenden ungünstigsten Fall von
Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüssen aus.

Hinsichtlich der Temperaturbegrenzung gilt Nr. 2.4 der Richtlinien. Dem Feuchtigkeitseinfluss wird
durch Berücksichtigung einer relativen Feuchte von 100 % Rechnung getragen.

1.3 Liegen bei einem Lager nachweislich wesentlich günstigere Verhältnisse als nach Nrn. 1.1
oder 1.2 vor und ist mit ihrem Fortbestand langfristig zu rechnen, kann die Bergbehörde in
Abstimmung mit dem Hersteller und der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung)
längere Höchstlagerzeiten zulassen. Eine Verkürzung der Höchstlagerzeiten wird erforderlich, wenn
ungünstigere Lagervoraussetzungen als nach Nr. 1.2 vorliegen. So können wechselnde Temperatur-
und Feuchtigkeitswerte eine Minderung der Stabilität bewirken. Das gilt insbesondere, wenn
Sprengstoff nicht in der Versandverpackung aufbewahrt wird.

1.4 Soll ein Sprengstoff oder Zündmittel nach Ablauf der Höchstlagerzeit weiter verwendet werden,
so bedarf dies einer Genehmigung der zuständigen Bergbehörde in Abstimmung mit einer Benannten
Stelle (z. B. Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) und dem Hersteller.


2. Grundsätzliche Höchstlagerzeiten

2.1 Lagerzeit 2 Jahre

2.1.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im
Wesentlichen aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen
verbrennlichen Komponenten oder ohne diese Komponenten mit Ausnahme der aus delaborierter
Munition hergestellten Sprengstoffe

2.1.2 Sprengstoffe für sonstige Zwecke mit Ausnahme derjenigen, die ihrer Zusammensetzung nach
den pulverförmigen Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen

2.1.3 Sprengschnüre

2.1.4 Sprengverzögerer und Verzögerungselemente

2.1.5 Sprengzünder

 
2.2 Lagerzeit 1 Jahr

2.2.1 Sprengkapseln

2.2.2. Elektrische Anzünder

2.2.3 Anzündschnüre

 
2.3 Lagerzeit 9 Monate

2.3.1 Pulverförmige Gesteinsprengstoffe ohne Sprengölzusatz – wasserfest –

2.3.2 Druckfeste Gesteinssprengstoffe


2.4 Lagerzeit 6 Monate

2.4.1 Gelatinöse Gesteinsprengstoffe

2.4.2 Halbgelatinöse Gesteinssprengstoffe

2.4.3 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe mit Sprengölzusatz

2.4.4 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe ohne Sprengölzusatz

2.4.5 Pulverförmige Sprengstoffe ohne Sprengölzusatz mit ausschließlich nicht explosions-
gefährlichen, verbrennlichen Anteilen

2.4.6 Patronierte Sprengschlämme und Emulsionssprengstoffe

2.4.7 Sprengstoffe für sonstige Zwecke, die nach ihrer Zusammensetzung den pulverförmigen 
Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen

2.4.8 Pulversprengstoffe

 
2.5 Lagerzeit 12 Wochen

2.5.1 Gelatinöse Wettersprengstoffe

2.5.2 Wettersprengschlämme und Wetteremulsionssprengstoffe

 
2.6 Lagerzeit 10 Wochen

2.6.1 Nichtgelatinöse Wettersprengstoffe

 
2.7 Lagerzeit 4 Wochen

2.7.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im
Wesentlichen aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen
verbrennlichen Komponenten oder ohne diese Komponenten, soweit sie aus delaborierter
Munition hergestellt sind



23.11.2006

83.17.15-2006-1

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb
von Sprengmittellagern unter Tage
des Nichtsteinkohlenbergbaus

A 2.13

An die Bergämter des Landes NRW  - ausgenommen Düren -

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern unter Tage des
Nichtsteinkohlenbergbaus

Der Länderausschuss Bergbau hat in der 128. Sitzung u. a. die o. a. Richtlinien des Arbeitskreises
Sprengwesen zustimmend zur Kenntnis genommen und den Ländern ihre Einführung empfohlen.

Anlass für die Aktualisierung der Richtlinien waren insbesondere die zwischenzeitlichen Novellierungen
des Sprengstoffgesetzes sowie der 1. und 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz, die eine Überarbeitung
der von den Bergbehörden der Länder angewendeten Richtlinien erforderlich machte.

Des Weiteren wurden insbesondere die aktuellen Normen bezüglich des Schutzes gegen Einbruch
eingearbeitet, die bei neu zu errichtenden Lagern und bei wesentlichen Änderungen zur Anwendung
kommen sollen.

Schließlich wurden in der Anlage 3 die Fristen für die Höchstlagerzeiten von Sprengstoffen nunmehr
eindeutig formuliert.

Ich bitte, die beigefügten Richtlinien betriebsplanmäßig umzusetzen.

Diese Richtlinien ersetzen die „Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern
unter Tage des Nichtsteinkohlenbergbaus“ vom 22.12.1976 - 17.15-2-1 – (Elektronisches
Sammelblatt A 2.13), die hiermit aufgehoben werden.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien
der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
für die Errichtung und den Betrieb von untertägigen Sprengmittellagern
des Nichtsteinkohlenbergbaus
(Lagerrichtlinien untertage)

1.       Allgemeines

1.1     Geltungsbereich
1.2     Begriffsbestimmungen

2.       Lage

2.1     Allgemeine Anforderungen an den Lagerungsort
2.2     Bewetterung und Klimaeinflüsse
2.3     Schutz- und Sicherheitsabstände
2.4     Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie

3.       Aufbau

3.1     Betretbare Lager
3.1.1  Allgemeine Anforderungen
3.1.2  Raumbedarf
3.1.3  Einkammerlager
3.1.4  Mehrkammerlager
3.1.5  Besondere Lagerausführungen
3.1.6  Zündmittellagerung
3.1.7  Explosionssicherheit
3.2     Nichtbetretbare Lager (Nischenlager)

4.       Einrichtung

5.       Aufschriften

6.       Betriebsvorschriften

6.1     Allgemeines
6.2     Betreten des Lagers
6.3     Lagerung
6.4     Ausgabe
6.5     Arbeiten im Lager
6.6     Unterweisung und schriftliche Anweisung
6.7     Überwachung

Anlagenverzeichnis

Anlage 1   Schutz- und Sicherheitsabstände
                   ( Nr. 2.3 und Nr. 3.1.7 der Richtlinien)

Anlage 2   Bauliche Anforderungen an Lager
                  (Nr. 3.1, Nr. 3.2 und Nr. 4 der Richtlinien)

Anlage 3   Höchstlagerzeiten für Sprengmittel
                   (Nr. 6.3.7 der Richtlinien)

 

1. Allgemeines

1.1 Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die Aufbewahrung von Sprengmitteln (Sprengstoffe, Zündmittel und
Sprengzubehör), die üblicherweise im Bergbau zur Anwendung kommen, in Sprengmittellagern
(ff als Lager bezeichnet) unter Tage des Nichtsteinkohlenbergbaus. Ferner werden Regelungen
getroffen für das vorübergehende, gesicherte Abstellen von Sprengmitteln.

1.2 Begriffsbestimmungen

1.2.1 Lager im Sinne dieser Richtlinien ist jeder Ort, an dem die unter Nr. 1.1 genannten Sprengmittel
aufbewahrt werden, ausgenommen solche Stellen

  1. an denen sich Sprengmittel im Arbeitsgang befinden,
  2. die sich bei oder in der Nähe der Arbeitsstelle befinden, wenn die Sprengmittel dort in der
    für den Fortgang der Arbeit erforderlichen Menge bereitgehalten werden, oder
  3. an denen die Sprengmittel im Rahmen der Verwendung und des innerbetrieblichen Transportes
    vorübergehend gesichert abgestellt werden. Dies ist eine besondere Form der Aufbewahrung
    von Sprengmitteln (Gesicherte Abstelleinrichtungen/Gesicherte Abstellräume nach Anlage 4).

1.2.2 Betretbare Lager (Beispiele siehe Anlage 2) sind Lager, in denen Sprengmittel in einer oder
mehreren Kammern aufbewahrt werden. Hierzu gehören auch besondere Lagerausführungen
(z. B. Silo- und Containerlager), sowie Lager nach Nr. 1.2.3, wenn ein betretbarer Vorraum
vorhanden ist.

Rolllochlager sind eine besondere Form des betretbaren Silolagers. Sie dienen der behälterlosen
Lagerung von losen Sprengstoffen.

1.2.3 Nicht betretbare Lager (Beispiele siehe Anlage 2) sind Lager, in denen die Sprengmittel in
Nischen im Gebirge oder in freistehenden Stahlschränken aufbewahrt werden.

1.2.4 Schutzabstände (Fernbereich) sind die zur Allgemeinheit oder Nachbarschaft einzuhaltenden
Abstände.

1.2.5 Sicherheitsabstände (Nahbereich) sind die innerhalb des Betriebes einzuhaltenden Abstände.

1.2.6 Zündmittel sind Sprengzünder (elektrische, nichtelektrische, elektronische). Dazu gehören
auch Verzögerungselemente.

Bei den folgenden Festlegungen wird vorausgesetzt, dass es sich um nichtmassenexplosionsfähige
(NME-) Zünder mit einer Nettoexplosivstoffmasse von maximal 2 g/Zünder handelt
(Lagergruppe 1.4 im Sinne des Anhanges zu § 2 der 2.SprengV).

 
2. Lage

2.1 Allgemeine Anforderungen an den Lagerungsort

2.1.1 Bei der Errichtung eines Lagers ist darauf zu achten, dass im Falle eines Brandes oder einer
Explosion mindestens ein Ausgang zur Tagesoberfläche befahrbar bleibt und eine Gefährdung
belegter Grubenbaue vermieden wird.

2.1.2 Mehrere Lager oder Lagerkammern müssen so angeordnet sein, dass sich ein Brand oder
eine Explosion  von einem Lager oder einer Lagerkammer auf andere nicht übertragen kann.

2.1.3 Lager sollen an möglichst standfesten, trockenen Stellen des Gebirges angelegt werden.
Sie müssen darüber hinaus gegen das Eindringen von Flüssigkeiten geschützt sein.

2.1.4 Die Zugänge müssen sicher begehbar, die Zufahrten sicher befahrbar sein.

2.2. Bewetterung und Klimaeinflüsse

2.2.1 Die Lager sind an den ausziehenden Wetterstrom anzuschließen. Dabei  ist für den Wetter-
ausziehweg ein größerer Querschnitt (möglichst doppelter) als für den Wettereinzugsweg anzustreben.
Der Anschluss muss so erfolgen, dass im Brand- oder Explosionsfall möglichst wenig Schwaden in
belegte Grubenbaue gelangen können.

2.2.2 Bei Lagern mit einer Höchstlagermenge bis zu 500 kg, bei ausschließlicher  Lagerung von
Emulsions- bzw. ANC-Sprengstoffen bis zu einer Gesamtlagermenge von 1000 kg oder bei
ausschließlicher Zündmittellagerung kann von Nr. 2.2.1 abgewichen werden, wenn aufgrund der
örtlichen Verhältnisse (z. B. große Wetterströme, weite Auffangräume) mit einer ausreichenden
Verdünnung etwaiger Explosions- oder Brandschwaden bis zum Erreichen belegter Grubenbaue
zu rechnen ist und der nächstgelegene Ausgang zur Tagesoberfläche/Sicherheitskammer mit Hilfe
vorhandener Fluchtgeräte erreicht werden kann.

2.2.3 Betretbare Lager müssen, sofern sie nicht durchgehend bewettert werden, durch Lüfter oder
gleichwertig wirkende Einrichtungen (z. B. Stoßlutten) bewettert werden. Austauschbewetterung
kann bis zu 5 m Entfernung vom durchgehenden Wetterstrom zugelassen werden.

2.2.4 Mehrkammerlager müssen durchgehend bewettert werden. Für die Bewetterung der
einzelnen Kammern gilt Nr. 2.2.3 entsprechend.

2.2.5 Lager sollen so angelegt und bewettert werden, dass in ihnen die Temperatur 40° C, bei der
Lagerung von Wettersprengstoffen 30° C nicht überschreitet. Zur Kontrolle muss ein Thermometer
vorhanden sein.

2.3 Schutz- und Sicherheitsabstände

Bei Lagern, deren Überdeckung oder sonstiger Abstand bis zur Tagesoberfläche weniger als 50 m
beträgt oder die vom Lagerzugang durch die Strecken gemessen näher als 100 m an Tagesöffnungen
mit mindestens 60 gon Neigung oder näher als 400 m an Tagesöffnungen geringerer Neigung als
60 gon liegen, sind zu  Wohngebäuden, zu anderen schutzbedürftigen Anlagen und zu öffentlichen
Verkehrswegen Schutzabstände sowie zu übertägigen Lagern für explosionsgefährdete Stoffe und
erforderlichenfalls zu Betriebsgebäuden Sicherheitsabstände zu berücksichtigen. Für die Schutz- und
Sicherheitsabstände gilt Anlage 1.

Während des Betriebes des Lagers ist darauf zu achten, dass die erforderlichen Schutz- und
Sicherheitsabstände nachträglich nicht unterschritten werden.

2.4 Schutz vor Gefahr bringender elektrischer Energie    

2.4.1 Lager mit elektrischen Brückenzündern dürfen nicht im Einwirkungsbereich von stationären
Einrichtungen errichtet und betrieben werden, die Gefahr bringende Hochfrequenzenergien,
Gefahr bringende Ströme elektrischer Anlagen, Gefahr bringende elektromagnetische Felder
(siehe auch Umgangsrichtlinien Nr. 2.1)
oder Gefahr bringende elektrostatische Aufladungen erzeugen oder weiterleiten.

Wird von der Aufbewahrung in Versandverpackungen/Zünderpuppen abgewichen, so gelten die
Festlegungen der Umgangsrichtlinien.

2.4.2 In der Nähe von Lagern mit elektrischen Brückenzündern dürfen keine ortsveränderlichen
Geräte betrieben werden, die Gefahr bringende Hochfrequenzenergien, Gefahr bringende Ströme,
Gefahr bringende elektromagnetische Felder oder Gefahr bringende elektrostatische Aufladungen
erzeugen, ohne dass eine entsprechende Betrachtung des Gefährdungspotentials durchgeführt worden
ist. Sich daraus ergebende Sicherheitsabstände sind zu beachten.

2.4.3 Bei der Errichtung und dem Betrieb der Lager ist darauf zu achten, dass keine Verschleppung
von Blitzenergie zu den Zündmitteln möglich ist.

 
3. Aufbau

3.1 Betretbare Lager

3.1.1 Allgemeine Anforderungen

Betretbare Lager müssen in Vorraum und eine oder mehrere Kammern entsprechend der zulässigen
Höchstlagermenge unterteilt sein. Der Vorraum muss für das gesicherte Abstellen der Sprengmittel
und zu deren Handhabung erforderlichen Hilfsmittel ausgelegt sein. Ein zusätzlicher Ausgaberaum ist
erforderlich, wenn an zahlreiche Sprengberechtigte ausgegeben wird.

3.1.2 Raumbedarf

Es ist so viel Lagerraum zu schaffen, dass die Belegungsdichte den Wert von 185 kg Sprengstoff/m3
Kammervolumen nicht überschreitet. Bei der Festlegung des La¬geraufbaus ist ein Mindestabstand
von 0,30 m zwischen Stoß und Sprengstoff zu berücksichtigen.

3.1.3 Einkammerlager

In der Sprengmittelkammer eines Einkammerlagers dürfen nur Sprengstoff und Sprengschnur oder
nur Sprengzünder gelagert werden. Bei gemeinsamer Lagerung von Sprengstoffen, Sprengschnur und
Sprengzündern müssen die Sprengzünder in einer verschließbaren Zündernische im Vorraum gelagert
werden.

3.1.4 Mehrkammerlager

Lager für Sprengstoffmengen über 5000 kg müssen durch Bergfesten in Kammern mit jeweils
höchstens 5000 kg Lagermenge [L] unterteilt werden. Die Kammern müssen alle am selben Stoß
angeordnet sein. Die Stärke der Bergfesten [E] zwischen den Kammern ist nach der Beziehung

E [m] = K · L 1/3 [kg]

zu bemessen. Bei Belegungsdichten bis zu 185 kg/m3 beträgt der K-Faktor 0,37.

Bei Belegungsdichten bis zu 100 kg/m3 darf er auf 0,30 verringert werden (siehe Anlage 1).

Die Kammern müssen rechtwinklig zum Vorraum angeordnet werden.

3.1.5 Besondere Lagerausführungen

Abweichend von Nr. 3.1.4 Satz 1 können andere Lagerausführungen gewählt werden, wenn
diese wegen der Eigenschaften der zu lagernden Sprengmittel oder aufgrund der Lage im
Grubengebäude (z.B. geringe Entfernung zur Ausziehöffnung) sicherheitlich vertretbar sind.
Dies gilt insbesondere für die Lagerung von ANC-Sprengstoffen in Silo- und Containerlagern.
In diesem Falle dürfen dort keine anderen Sprengstoffe gelagert werden.

3.1.6 Zündmittellagerung

Zündmittel bis zu insgesamt 5000 Stück dürfen in einer Zündernische gelagert werden, die in
die Seitenwand des Vorraumes eingelassen ist, darüber hinausgehende Mengen in einer
besonderen Zünderkammer.

3.1.7 Explosionssicherheit

Für die Stärke der Bergfesten zu befahrbaren Grubenbauen außerhalb des Lagers gilt die
Beziehung der Nr. 3.1.4 Satz 3 sinngemäß. Die zu belegten und regelmäßig befahrenen
Grubenbauen führenden Zugänge und sonstigen Verbindungen zum Lager müssen eine
gebrochene Linienführung besitzen. Gegenüber jeder Kammer und an den Knickpunkten
von Zugängen und sonstigen Verbindungen zum Lager muss für den Explosionsfall eine der
Energievernichtung dienende Sackgasse (Explosionspuffer) vorhanden sein, deren Tiefe
mindestens der Breite des Grubenbaues und deren Querschnitt mindestens dem des Grubenbaues
entspricht (Beispiele siehe Anlage 2). Abweichungen hiervon können bei Lagermengen bis 1000 kg
oder bei besonderen Lagerausführungen zugelassen werden, wenn die Voraussetzungen der
Nr. 2.1.1 auf andere Weise erfüllt werden.

3.2 Nicht betretbare Lager (Nischenlager)

Nicht betretbare Lager (siehe Anlage 2) können als Nischen im Gebirge (Nischenlager als
Stahlschrank oder Gebirgsnische mit Stahltür) an solchen Stellen errichtet werden, an denen
sie durch betriebliche Vorgänge – wie z. B. Fahrzeugverkehr – nicht gefährdet werden können.
Nicht betretbare Lager sind nur zulässig bis zu Lagermengen von 500 kg Sprengstoff
(einschließlich Sprengstoffmasse der Sprengschnur) und von insgesamt 1000 Stück Zündmittel.
Bei alleiniger Aufbewahrung von ANC- oder Emulsions-Sprengstoffen darf die Lagermenge bis
zu 1000 kg, bei ausschließlicher Zündmittelaufbewahrung bis zu 2000 Stück betragen.

Sofern Sprengstoffe und Zündmittel gemeinsam gelagert werden, muss für die Zündmittel ein
besonderes Fach vorhanden sein.

Nischenlager müssen, wenn sie nicht aus einem in den Stoß eingelassenen vorgefertigten Stahlschrank
bestehen, mit einer Stahlblechtür versehen sein, die in einen allseitig fest im Gebirge verankerten
Rahmen eingesetzt ist.

4. Einrichtung

4.1 Die betretbaren Räume eines Lagers müssen so groß sein, dass die Tätigkeiten im Zusammen-
hang mit der Lagerung von Sprengmitteln gefahrlos und ungehindert möglich sind. Die lichte Höhe
dieser Räume soll mindestens 2,20 m betragen.

4.2 Lager dürfen nur in standfester und unbrennbarer Ausführung errichtet werden. Dies gilt auch
für Zugänge und sonstige Verbindungen zum Lager bis zu 50 m Entfernung.

4.3 Die Zugänge müssen hinsichtlich Querschnitt und Streckenführung eine ungehinderte Fahrung
und den ungehinderten Transport der Sprengmittel gewährleisten.

4.4 Die Sohle muss eine dichte, ebene und glatte Oberfläche haben und sich leicht reinigen lassen.
Sie muss, soweit erforderlich, elektrostatisch leitfähig sein.

4.5 Bei der Lagerung von Sprengstoffen und Zündmitteln in einem Lager muss durch die Bauweise
eine Detonationsübertragung von den Zündmitteln auf Sprengschnur und Sprengstoffe ausgeschlossen
sein (Beispiele siehe Anlage 2).

4.6 Am und im Lager müssen Feuerlöscher geeigneter Bauart in ausreichender Anzahl vorhanden
sein. In Silo-/Rolllochlagern mit mehr als 5000 kg Lagerinhalt müssen darüber hinaus besondere
Wasserlöscheinrichtungen vorhanden sein (siehe Nr. 5 der Anlage 2). Sofern eine Brand- bzw.
Detonationsübertragung zwischen benachbarten Rolllöchern ausgeschlossen werden kann, können
sie insofern als Einzellager bewertet werden.

Auf die Wasserlöscheinrichtung kann bei Silo-/Rolllochlagern mit einer Gesamtfüllmenge von bis
zu 15 t verzichtet werden, wenn sichergestellt ist, dass im Einfüll- und Auslaufbereich keine
Brandlast vorhanden ist, der im Silo/Rollloch befindliche Sprengstoff im Brandfall selbstständig
und vollständig ausläuft und nur Fahrzeuge mit einer bordfesten Feuerlöscheinrichtung zum Befüllen
bzw. Entleeren eingesetzt werden.

4.7 In nicht betretbaren Lagern dürfen elektrische Anlagen nicht eingebaut werden.

Die Verwendung elektrischer Betriebsmittel in betretbaren Lagern ist auf das für einen gesicherten
Betrieb notwendige Ausmaß zu beschränken. Die Betriebsmittel müssen so ausgeführt  und errichtet
sein, dass durch sie keine Zündgefahren entstehen können.

Die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel müssen den allgemeinen Regeln der Technik
(z.B. VDE 0118) und der Anlage 2 entsprechen.

4.8 Einrichtungen für das Lagern und Bewegen der Sprengmittel müssen so beschaffen sein, dass
gefährliche Beanspruchungen der Sprengmittel ausgeschlossen sind.

4.9 Abstellplätze für Sprengfahrzeuge und Transportmittel innerhalb des Lagers sind nur im
Vorraum in sicherer Entfernung von den Lagerräumen so anzulegen, dass im Falle eines Brandes
oder einer Explosion auf einem Fahrzeug eine Übertragung auf ein anderes nicht stattfinden kann.
Bei Abstellplätzen für Sprengfahrzeuge und Transportmittel im Vorraum eines Lagers muss der
Boden der Abstellplätze so eingerichtet sein, dass auslaufende brennbare Flüssigkeiten nicht in
die Lagerräume gelangen können.

4.10 Lager müssen durch die Bauweise gegen Einbruch geschützt sein. Zugänge und sonstige
Verbindungen zum Lager müssen entsprechend gesicherte Türen oder fest eingebaute Gitter
haben. Die Zündernischen und –kammern müssen mit vollen Türen abgesichert sein. Die Türen
müssen nach außen aufschlagen. Die Ausführung im Einzelnen hängt von der Art des Lagers ab
und richtet sich nach Anlage 2.

Gefahrenmeldeanlagen können die baulichen Sicherheitsmaßnahmen ergänzen.

4.11 Sämtliche Türen, die der Sicherung der Sprengmittel dienen, müssen mit mindestens einem
Sicherheitsschloss versehen sein (siehe Anlage 2).

4.12 Lager, bei denen infolge ihrer Lage zu Tagesöffnungen die Gefahr besteht, dass Unbefugte
zum Lager gelangen können, sind hinsichtlich der Einbruchsicherungen nach den Lagerrichtlinien
übertage zu behandeln.   

5. Aufschriften

5.1 Bei jedem Lager sind an den Außentüren folgende Hinweise anzubringen:

5.2 Auf den Türen der Kammern und Zündernischen, bei nicht betretbaren Lagern auf der Innenseite
der Außentür, sind deutlich lesbare und dauerhafte Aufschriften, aus denen Art und Höchstmengen
der zu lagernden Sprengstoffe und Zündmittel hervorgehen, anzubringen.

5.3 Bei  Lagern nach Nr. 4.12 sind die Aufschriften nach Nr. 5.1 und 5.2 auf der Innenseite der
Außentür anzubringen.

5.4 Beschilderung und Beschriftung an Gesicherten Abstelleinrichtungen bzw. Abstellräumen sind
wie unter 5.1 und 5.2 festgelegt sinngemäß anzubringen. Der Bereich von 25 m um GAE und GAR
gilt als Brandschutzbereich und ist entsprechend auszuschildern.

6. Betriebsvorschriften

6.1 Allgemeines

Für den Betrieb von Lagern gelten die einschlägigen Vorschriften der Bergverordnungen. Soweit
dort keine ins Einzelne gehenden Regelungen getroffen sind, richtet sich der Betrieb von Lagern
nach Nrn. 6.2 bis 6.5.

6.2 Betreten des Lagers

6.2.1 Nur der Erlaubnisinhaber und dessen Beauftragte dürfen das Lager betreten. Sie haben für
einen ständig vorschriftsmäßigen Zustand und ordnungsgemäßen Betrieb des Lagers zu sorgen
und den Zutritt Unbefugter zu verhindern.

6.2.2 Jedes Lager muss, solange es Sprengmittel enthält und sich niemand darin aufhält, zuverlässig
verschlossen sein.

6.2.3 Zugriff auf die Lagerschlüssel dürfen nur Personen haben, die verantwortlich im Sinne des
§ 19 des Sprengstoffgesetzes und vom Erlaubnisinhaber hierzu besonders beauftragt sind.

Es dürfen nur so viele Schlüssel (Schlüsselsätze bei mehr als einem Schloss) ausgegeben werden,
wie für den Betrieb des Lagers unbedingt notwendig sind. Mehr als zwei Schlüssel (Schlüsselsätze)
sind nur dann zulässig, wenn sich die Schlüsselübergabe von einem zum nächsten Benutzer nicht
ermöglichen lässt.

Die Schlüsselordnung und die Nachweisführung über die Schlüsselweitergabe ist festzulegen.

6.2.4 Schlüssel sind so aufzubewahren, dass sie Unbefugten nicht zugänglich sind (z. B. durch
ständiges Mitführen oder durch Aufbewahrung in einem gesicherten Behältnis, das nur den
Berechtigten zugänglich ist). Als gesichertes Behältnis kann z.B. ein Wertschutzschrank nach
EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 oder Sicherheitsschrank nach EN 14450 Klasse S2, möglichst
Schloss mit Zahlenkombination verwendet werden. Reserveschlüssel sind getrennt von den
ausgegebenen Schlüsseln in einem anderen Behältnis sicher aufzubewahren.

6.2.5 Bei Verwendung von codierten Schlosssystemen sind gleichwertige Regelungen zu treffen.

6.3 Lagerung

6.3.1 Im Lager dürfen nur die in der Erlaubnis oder Betriebsplanzulassung festgelegten Arten
und Höchstmengen von Sprengstoffen und Zündmitteln gelagert sowie das Sprengzubehör und
Hilfsmittel aufbewahrt werden.

6.3.2 Nur solche Hilfsmittel wie Geräte, Werkzeuge und Materialien für die Lagerung und
Ausgabe der Sprengmittel dürfen im Lager vorhanden sein, die eine gefahrlose Handhabung
zulassen (z.B. nicht funkenreißende Werkzeuge bei der Lagerung von Pulversprengstoffen).

6.3.3 Sprengstoffe, Zündmittel und Sprengzubehör sind voneinander getrennt zu lagern.
Sprengschnur ist stets von Zündmitteln zu trennen; sie darf mit Sprengstoff zusammen gelagert
werden.

6.3.4 Unbrauchbare Sprengstoffe und Zündmittel sind als solche zu kennzeichnen und bis zu
ihrer Beseitigung gesondert und nach Arten getrennt zu lagern.

6.3.5 Die angelieferten Sprengstoffe und Zündmittel sind unverzüglich einzulagern, soweit sie
nicht unmittelbar verwendet werden und in das zum  Lager gehörige Verzeichnis für explosions-
gefährliche Stoffe einzutragen.

6.3.6 Sprengstoffe und  Zündmittel dürfen nur in der Versandverpackung*) aufbewahrt werden,
sofern nicht eine andere Art der Lagerung (z.B. Silolagerung unpatronierten Sprengstoffs,
Zündmittel ohne Verpackung) zugelassen ist.

Bei der Lagerung in der Verpackung ist sicherzustellen, dass

Eine möglichst gleichmäßige Belegung der Kammergrundflächen unter Berücksichtigung der
erforderlichen Zugänglichkeit ist anzustreben.


*) Verpackungsfolien benötigen für den Einsatz untertage die Unbedenklichkeit nach DIN 22100.

6.3.7 Die Höchstlagerzeiten für Sprengstoffe und Zündmittel sind zu beachten (siehe Anlage 3).

6.3.8 Bei Betriebseinstellung oder bei mehr als dreimonatiger Betriebsunterbrechung ist das Lager
zu räumen. Der Verbleib der Sprengstoffe und Zündmittel ist im Verzeichnis für explosionsgefährliche
Stoffe zu vermerken. Der Bergbehörde sind Betriebseinstellung und –unterbrechung des Lagers
anzuzeigen.

6.4. Ausgabe

6.4.1 Sprengstoffe und Zündmittel müssen in der Reihenfolge ihrer Anlieferung ausgegeben werden.
Die Ausgabe darf nur durch einen der Bergbehörde schriftlich angezeigten Sprengmittelausgeber
geschehen.

6.4.2 Aus Gründen der eindeutigen Zuordnung der Sprengstoffe zum Empfänger sollen diese in der
Regel nur in Verpackungseinheiten ausgegeben werden. Lässt sich die Ausgabe einzelner Patronen
gleicher Nummerierung nicht vermeiden, so sind die an verschiedene Empfänger ausgegebenen
Patronen unterschiedlich zu kennzeichnen, so dass der Empfänger anhand des Verzeichnisses nach
§ 16 SprengG ermittelt werden kann.

Bei der Ausgabe unverpackten unpatronierten Sprengstoffs aus Silos und Containern ist die
jeweilige Menge mit geeigneten Mitteln festzustellen.

6.4.3 Jede Entnahme bzw. Ausgabe und Wiedereinnahme von Sprengstoffen und Zündmitteln ist
unverzüglich in das Verzeichnis nach § 16 SprengG für explosionsgefährliche Stoffe einzutragen.
Die Übereinstimmung von Soll- und Istbestand ist regelmäßig nachzuprüfen (§ 41 Abs. 3 der
1. SprengV). Bei Abweichungen ist der Erlaubnisinhaber oder dessen verantwortlicher Vertreter
sofort zu verständigen. Das Verzeichnis ist so zu führen und aufzubewahren, dass unberechtigte
Personen keinen Einblick in den Lagerbestand gewinnen können und Änderungsmöglichkeiten
ausgeschlossen werden.

6.4.4 Sprengmittel mit wesentlichen Mängeln der Kennzeichnung, Verpackung oder Beschaffenheit
dürfen nicht ausgegeben werden. Der Erlaubnisinhaber oder der zuständige Befähigungsschein-
inhaber ist unverzüglich zu verständigen. Er hat die Benachrichtigung der Bergbehörde zu
veranlassen. Das gleiche gilt bei Abhandenkommen von Sprengmitteln.

6.4.5 Sprengstoffe und Zündmittel, die in das Lager zurückgebracht und wegen baldigen
Aufbrauchens nicht wieder durch Eintragung im Verzeichnis vereinnahmt werden, müssen im
verschlossenen Sprengmittelkasten getrennt von den noch nicht ausgegebenen Sprengstoffen und
Zündmitteln gelagert werden (bei betretbaren Lagern im Vorraum oder in der dafür bestimmten
Kammer). Die Sprengmittelkästen dürfen nur von der zuständigen verantwortlichen Person und
dem Sprengmittelausgeber gemeinsam geöffnet werden. Nach zwei Wochen noch nicht abgeholte
Sprengstoffe und Zündmittel sind wieder zu vereinnahmen und neu auszugeben.

6.5 Arbeiten im Lager

6.5.1 Leeres Verpackungsmaterial und Abfälle sind aus dem Lager zu entfernen. Mit Spreng-
mittelresten ist nach Anweisung der zuständigen verantwortlichen Person zu verfahren.

6.5.2 In Lagern sollen grundsätzlich nur Arbeiten ausgeführt werden, die der Lagerung und
Ausgabe der Sprengmittel dienen. Sonstige erforderlich werdende Arbeiten sind nur dann zulässig,
wenn sie nicht in gefährlicher Weise auf die Sprengmittel einwirken können.

6.5.3 Rauchen sowie der Umgang mit offenem Licht und Feuer sind im Lager verboten. Im Umkreis
von 50 m um das Lager, durch die Grubenbaue gemessen, dürfen keine leicht entzündlichen Stoffe
gelagert und keine Arbeiten ausgeführt werden, die in gefährlicher Weise auf die Sprengstoffe und
Zündmittel einwirken können. In diesem Bereich darf nicht geraucht sowie kein offenes Licht oder
offenes Feuer verwendet werden. Dies gilt nicht, wenn das Lager geleert und gereinigt ist.

6.5.4  Der Unternehmer hat den Bereich um die Lagerung elektrischer Zünder festzulegen und zu
kennzeichnen, in dem keine elektrischen Geräte wie z. B. Funkgeräte, Computer oder mobile
Telefone betrieben werden dürfen. Ein Abstand von 1 m darf nicht unterschritten werden.

6.5.5 Transportfahrzeuge dürfen nur in das Lager hineinfahren, wenn von ihnen keine Gefährdung
der Sprengstoffe und Zündmittel zu befürchten und dies zugelassen ist.

6.6 Unterweisung und schriftliche Anweisung

Über die für die Verwaltung und Benutzung des Lagers maßgeblichen Vorschriften sind die in
Frage kommenden Personen zu unterweisen. Ihnen ist eine schriftliche Anweisung auszuhändigen.
Auf die entsprechenden Regelungen der §§ 6 und 7 ABBergV wird hingewiesen.

6.7 Überwachung

Der Erlaubnisinhaber hat dafür Sorge zu tragen, dass ständig ein vorschriftsmäßiger Zustand und
ein ordnungsgemäßer Betrieb des Lagers gewährleistet sind. Zu diesem Zweck hat die für das Lager
verantwortliche Person in betrieblich festgelegten Zeitabständen Kontrollen durchzuführen.



Anlage 1
der Lagerrichtlinien untertage

Schutz- und Sicherheitsabstände
(Nr. 2.3 und Nr. 3.1.7 der Richtlinien)

Gliederung

1. Überdeckung

2. Schutz- und Sicherheitsabstände in Bezug auf Tagesöffnungen

3. Bergfesten

4. Bewertung der Lagermengen bei der Festlegung der Schutz- und Sicherheitsabstände

Tabelle 1 Mindestüberdeckung und sonstige Abstände oberflächennaher Sprengmittellager
                 bis zur Tagesoberfläche
Tabelle 2 Schutzabstände gegen die Wirkung von Erdstoßwellen
Tabelle 3 Schutz- und Sicherheitsabstände gegen die Wirkung von Luftstoßwellen
Tabelle 4 Beispiele für eine Verringerung der Schutzabstände durch Knickpunkte (n) bis zur
                 Tagesöffnung
Tabelle 5 Stärke der Bergfesten zwischen den Kammern und zu befahrbaren Grubenbauen

 

1. Überdeckung

1.1 Die Überdeckung bzw. sonstigen Abstände (A) bis zur Tagesoberfläche müssen im
Explosionsfall Schutz gegen einen Durchbruch nach über Tage bieten. Hierfür sind die nach
der Beziehung

A [m] = 2 × L 1/3 [kg]

errechneten, in Tabelle 1 genannten Werte maßgebend, wobei L der Lagermenge entspricht.

1.2 Zu Gebäuden, die dem dauernden Aufenthalt von Menschen dienen, sind außerdem
Schutzabstände (RE) gegen die Wirkungen der von einer eventuellen Explosion ausgehenden
Erdstoßwelle einzuhalten. Diese sind in Tabelle 2 entsprechend der Beziehung

RE [m] = K ×  L 4/9 [kg]

angegeben. Sie sind vom Lagermittelpunkt aus durch das Gebirge zu messen.

2. Schutz- und Sicherheitsabstände in Bezug auf Tagesöffnungen

2.1 Bei Lagern, die vom Lagerzugang durch die Strecken gemessen näher als 100 m an mit
mindestens 60 gon geneigten oder näher als 400 m an söhligen oder weniger als 60 gon geneigten
Tagesöffnungen liegen, gilt hinsichtlich der Schutz- und Sicherheitsabstände zu Wohn- und Betriebs-
gebäuden (RL) einschließlich anderen Lagern die Tabelle 3, die die Wirkungen der im Explosionsfall
nach außen dringenden Luftstoßwelle nach der Beziehung

RL [m]  = K × L 1/3 [kg]

berücksichtigt. Der von der Achse der Tagesöffnung in einem Öffnungswinkel von 30° nach außen
weisende Bereich ist als Ausblasrichtung besonders gefährdet. Die richtungsgebundene Abstufung
der Schutz- und Sicherheitsabstände ergibt sich aus den der Tabelle 3 zugeordneten Skizzen. Bei
Lagern mit mehr als einer Tagesöffnung dürfen sich die Wirkungsbereiche der Luftstoßwellen in
keinem Punkt überdecken.

Die Schutzabstände zu öffentlichen Verkehrswegen betragen zwei Drittel der für Wohngebäude
berechneten Schutzabstände.

2.2 Lager dürfen nicht unmittelbar in geradlinig zu Tage führenden Strecken errichtet werden.

2.3 Die Abstände nach Nr. 2.1 sind von der Tagesöffnung aus zu messen. Sie dürfen in dem Maß
verringert werden, die durch zusätzliche Knickpunkte auf dem Weg vom Ort der Sprengmittel-
lagerung bis zur Tagesöffnung im Explosionsfall mit einer Energievernichtung zu rechnen ist. Dabei
ist für die Abstandsberechnung die Beziehung                           

     Formel 2.3                         

zum Anhalt zu nehmen, wobei für „n“ die Anzahl der vorhandenen Knickpunkte mit einem
Winkel 60° £  a £ 120°  einzusetzen ist (Beispiele siehe Tabelle 4). Die Abknickungen müssen so
weit voneinander entfernt liegen, dass von ihnen eine abschwächende Wirkung zu erwarten ist.

3. Bergfesten

3.1 Die als Sicherheitsabstand zwischen den Kammern eines Lagers und zu befahrbaren
Grubenbauen dienenden Bergfesten ergeben sich aus Tabelle 5. Als Voraussetzung gilt dabei,
dass ein Mindestabstand von 0,30 m zwischen Stoß und Sprengstoff eingehalten wird.

Wenn im Einzelfall, z. B. bei Silo- und Containerlagern größere Lagermengen als in Tabelle 5
angegeben zugelassen werden, ist die Bergfeste (E) nach der dort genannten Beziehung

E [m]   = K × L 1/3 [kg]

zu errechnen. Bei Rolllochlagern ist dabei als K-Faktor 0,6 anzuwenden.

3.2 Wird im Sonderfall eine andere Belegungsdichte als 185 kg Sprengstoff/m3 Kammervolumen
zugelassen, so sind die Bergfesten nach Maßgabe der Nr. 3.1.4 Satz 5 der Richtlinien zu bemessen
(Beispiele siehe Tabelle 5).

Die Belegungsdichte von Silo- und Containerlagern errechnet sich aus dem Quotienten des
Sprengstofflagermasse in kg zum Gesamtraumvolumen des Grubenbaues in m³, in welchem das
Silo bzw. die Container stehen.

4. Bewertung der Lagermengen bei der Festlegung der Schutz- und Sicherheitsabstände

4.1 Die Schutz- und Sicherheitsabstände beziehen sich auf die Lagermenge von Sprengstoffen und
Sprengschnüren.

Bei der Lagerung von Zündmitteln wird zur Ermittlung der Lagermenge die Masse an explosions-
gefährlichen Stoffen pauschal mit 2 g/Stück angesetzt.

4.2 Bei der Berechnung der Schutz- und Sicherheitsabstände zu Objekten über Tage (Nrn.1. und 2.)
und der Bemessung der Bergfesten (Nr.3.) ist von der Lagermenge der Einzelkammer mit der
größten Kapazität auszugehen.

                                                 Tabelle 1

       Mindestüberdeckung und sonstige Abstände oberflächennaher
       Sprengmittellager bis zur Tagesoberfläche

   Tabelle 1

                                                              Tabelle 2

                                  Schutzabstände gegen die Wirkung von Erdstoßwellen

    Tabelle 2 

                                                                                   Tabelle 3

                                Schutz- und Sicherheitsabstände gegen die Wirkung von Luftstoßwellen

     Tabelle 3

   Tabelle 3_2

    Bild zu Tabelle 3_1

     Bild zu Tabelle 3_2

 

                                                   Tabelle 4

   Beispiele für eine Verringerung der Schutzabstände durch Knickpunkte (n)
                                             bis zur Tagesöffnung

 Tabelle 4

*) Beispiel: Schutzabstände zu Wohngebäuden

Für die Abstandsbemessung zu öffentlichen Verkehrswegen gilt die Beziehung

   Formel Anlage 1

                                                                            Tabelle 5

            Stärke der Bergfesten zwischen den Kammern und zu befahrbaren Grubenbauen

    Tabelle 5



Anlage 2
der Lagerrichtlinien untertage

Bauliche Anforderungen an Lager
(Nr. 3.1, Nr. 3.2 und Nr. 4 der Richtlinien)

Gliederung

1. Betretbare Lager

2. Nichtbetretbare Lager

3. Türschlösser

4. Elektrische Betriebsmittel

5. Zusätzliche Brandschutzeinrichtungen für Silolager/Rolllochlager

6. Beispiele für die Anlegung von untertägigen Sprengmittellagern

 

1. Betretbare Lager

1.1. Allgemeine Anforderungen

1.1.1 Die Türen an den Lagerzugängen können entweder Volltüren aus Stahlblech von mindestens
3 mm Stärke oder Gittertüren sein. Bei Verwendung von Gittertüren ist Flachstahl von mindestens
5 mm Stärke und 25 mm Breite oder Stahlrohr von mindestens 20 mm Durchmesser und 2 mm
Wandstärke zu verwenden. Das Gitter ist an allen Kreuzungsstellen zu verschweißen. Die Lochweite
einer Gitteröffnung soll 120 mm x 120 mm nicht überschreiten. Die Türen müssen durch Diagonal-
verstrebungen gegen Verbiegen geschützt sein.

1.1.2 Die Türen von Kammern und Zündernischen müssen aus Stahlblech von mindestens 5 mm
Stärke bestehen und durch Rahmen- und Diagonalverstrebungen gegen Verbiegen geschützt sein.
Bei Sprengstoffkammern kann aus zwingenden Gründen (z.B. Gebirgsdruck) auf die Volltür
verzichtet werden, jedoch nur dann, wenn der Vorraum des Lagers nicht mit Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotoren befahren wird.

1.1.3 Bei der sich aus Nr. 1.1.1 und 1.1.2 ergebenden doppelten Sicherung der Sprengmittel
muss mindestens eine der Türen (Innen- oder Außentür, bei Zünderaufbewahrung stets die Innentür)
eine Volltür sein. Nur bei der Aufbewahrung von ausschließlich ANC-Sprengstoffen dürfen Kammer-
und Außentür Gittertüren sein.

1.1.4 Die Türen müssen allseitig genau in Rahmen eingepasst sein, die mindestens Türstärke besitzen
und bei vollen Türen so in die Wände eingelassen sind, dass weder Türen noch Rahmen Ansatzpunkte
für Einbruchwerkzeuge bieten. Bei vollen Türen müssen die Türangeln innenliegend und angeschweißt
sein.

1.1.5 Können die Türrahmen nicht in festem Gebirge verankert werden, so sind sie in armierten
Beton C 30/37 von mindestens 20 cm Wandstärke einzusetzen. Zwischen Beton und Gebirge ist
ein dichter Anschluss herzustellen.

1.1.6 Abweichungen von Nr. 1.1.4 und 1.1.5 sind für Türen von Sprengstoffkammern zulässig,
wenn betriebliche oder gebirgstechnische Gründe dies erfordern. In diesem Fall ist ein gleichwertiger
Einbruchschutz durch Verstärkung der Türen nach Nr.1.1.1 sicherzustellen.

1.1.7 Schiebetore sind so zu sichern, dass sie in geschlossenem Zustand allseitig fest am Rahmen
anliegen und sich in keiner Richtung bewegen lassen.

1.1.8 Wetteröffnungen müssen so gesichert sein, dass niemand durch sie ins Lager gelangen oder
in gefährlicher Weise auf den Lagerinhalt einwirken kann.

1.2 Besondere Anforderungen an Silolager

1.2.1 Die ausreichende Festigkeit der Silokonstruktion und ihrer Aufhängung muss durch Berechnung
nachgewiesen sein. Statische Höchstbelastung und eventuelle dynamische Belastungen sind dabei zu
berücksichtigen.

1.2.2 Zur Vermeidung eines festen Einschlusses des Sprengstoffes sind entweder Stahlbehälter mit
Ringspalt oder geeignete Kunststoffbehälter als Silo zu verwenden. Innenflächen und Auslauf müssen
glatt und strömungsgerecht ausgebildet sein.

1.2.3 Die Silokonstruktion muss zum Ableiten etwaiger elektrostatischer Aufladungen geerdet sein.

Am Silo ist ein entsprechender Anschluss vorzusehen, um über eine leitfähige Verbindung einen
Potentialausgleich zwischen Silokonstruktion und Sprengfahrzeug herstellen zu können.

1.2.4 Der Sprengstoff muss durch einen Einfülltrichter, der mindestens das Fassungsvermögen des
zu entleerenden Sprengstoffcontainers aufweist, aufgegeben werden, wenn dem Silo eine Fallleitung
vorgeschaltet ist. Der Einfülltrichter muss aus ausreichend leitfähigem Material mit auf der Innenseite
korrosionsfester Oberfläche bestehen. Er muss mit dem Silo bzw. der Fallleitung so verbunden sein,
dass kein Sprengstoff vorbeifallen kann.

1.2.5 Werden die Sprengstoffcontainer über einen Rütteltisch entleert, so muss dieser bzw. dessen
Tragkonstruktion so gebaut sein, dass eine Übertragung der Schwingungen auf das Silo bzw. die
Fallleitung ausgeschlossen ist.

1.2.6 Bei Verwendung einer Fallleitung ist in deren unterem Teil zu Kontrollzwecken ein heraus-
nehmbarer Abschnitt von mindestens 0,5 m Länge vorzusehen. Der Austrag muss verlustfrei in
das Silo entleeren.

1.2.7 Wird ein Silolager mit mehreren Silos über eine Fallleitung beschickt, so muss die Schwenk-
vorrichtung zum wechselseitigen Beschicken der Einzelsilos mit ihrem Austrag eindeutig über der
Öffnung des jeweils zu befüllenden Silos festgelegt werden können, so dass sie sich auch während
des Füllvorganges nicht aus ihrer Lage verändern kann. Nr. 1.2.6 gilt sinngemäß. Das unbeabsichtigte
Befüllen des Silos bei der Fallleitungsreinigung ist durch geeignete Maßnahmen zu verhindern.

1.2.8 Zwischen dem Ort des Einfüllens in die Fallleitung und dem Austrag muss eine
Verständigungseinrichtung (Telefon, Signalanlage) vorhanden sein. Eine Überfüllung des Silos ist
durch technisch/organisatorische Maßnahmen zu vermeiden.

1.2.9 Der Austrag jedes Sprengstoffsilos muss in seiner Bauart so beschaffen sein, dass ein
unbeabsichtigtes Aus- oder Überlaufen von Sprengstoff verhindert wird.

1.2.10 Einfülltrichter und Fallleitungen sind Bestandteil des Silolagers. Die Bestimmungen der
Nr. 1.2.1 sind für den Verschluss sinngemäß anzuwenden.

1.2.11 Für das Rolllochlager gelten die vorgenannten Bestimmungen für Silolager sinngemäß.

 

2. Nicht betretbare Lager

2.1 Bei Einbau des Stahlschrankes in den Stoß ist auf der Zugangsseite ein dichter Anschluss
an das Gebirge herzustellen.

2.2 Die Außentür nicht betretbarer Lager muss aus Stahlblech von mindestens 5 mm Stärke
bestehen und durch Rahmen und Diagonalverstrebungen gegen Verbiegen geschützt sein.

2.3 Ist das Sprengstofflagerfach mit einer verschließbaren Tür von mindestens 3 mm Stärke versehen,
so kann die Außentür abweichend von Nr. 2.2 schwächer gewählt werden, darf jedoch 3 mm Stärke
nicht unterschreiten.

2.4 Das Zündmittelfach muss in jedem Falle mittels einer 5 mm starken Stahlblechtür gesondert
verschließbar sein.

2.5 Die Trennwand zwischen dem Zünder- und dem Sprengstofflagerfach muss aus Stahlblech
von mindestens 10 mm Stärke bestehen.

2.6 Die Außentür muss so in den Rahmen eingepasst sein, dass sich keine Ansatzpunkte für
Einbruchwerkzeuge bieten. Die Türangeln sollen innenliegend und angeschweißt sein. Für
Nischenlager (Nr. 3.2 der Richtlinien) gelten die Einbauvorschriften gemäß Nr. 2.1 und 2.2 sinngemäß.

 

3. Türschlösser

3.1 Türschlösser an Lagern müssen, einschließlich der Montageplatte und des Riegelwerkes,
mindestens der Klasse A der EN 1300 entsprechen und dafür zertifiziert sein*). Sie müssen für
den Einbau in Außentüren geeignet sein (Oberflächenschutz der korrosionsempfindlichen Teile) und
sind nach den Angaben des Herstellers einzubauen. Es dürfen keine Teile an der Türblattaußenseite
überstehen. Der Abstand zwischen Schlossstulp und Schließblech soll nicht mehr als 6 mm betragen,
damit der Schlossriegel ausreichend weit (mindestens 20 mm) einschließen kann.

3.2 Sämtliche Schlösser eines Lagers müssen voneinander verschiedene Schlüssel haben.

3.3 Bei der Verwendung von schlüssellosen Schließsystemen, wie z. B. mechanische Codeschlösser,
elektronische Schlösser, muss für jedes Schließsystem eine eigene Codierung programmiert sein.

 

4. Elektrische Betriebsmittel

4.1 Jede elektrische Anlage muss von einer schnell erreichbaren Stelle außerhalb des Sprengmittel-
lagers allpolig abgeschaltet werden können.

4.2 Ortsfeste Leuchten müssen mindestens in Schutzart IP 54 nach DIN 40050 ausgeführt und mit
einem äußeren Schutzgitter versehen sein. Das Schutzgitter darf entfallen, wenn lichtdurchlässige Teile
verwendet werden, deren Festigkeit gleich der eines Schutzgitters ist.

Entladungslampen dürfen nur verwendet werden, wenn sie den einschlägigen Bestimmungen für
schlagwettergeschützte bzw. explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel entsprechen, sofern
nicht Leuchten nach VDE 0166 verwendet werden.

4.3 Steckvorrichtungen sind mindestens in der Schutzart IP 44 nach DIN 40050 auszuführen.
Sie müssen mit einem nach Entfernen des Steckers selbsttätig schließenden Deckel versehen sein.

Es dürfen nur Steckvorrichtungen verwendet werden, die mechanisch oder elektrisch so verriegelt sind,
dass das Einsetzen oder Herausziehen des Steckers nur in stromlosem Zustand möglich ist und dass
das Unterspannungsetzen der Kontaktteile in getrenntem Zustand verhindert ist.

Die Steckvorrichtungen müssen so installiert sein, dass der Stecker nur von unten mit einer Neigung
bis höchstens 30° gegen die Senkrechte eingeführt werden kann.

4.4 Soweit für den Betrieb des Sprengmittellagers weitere elektrische Anlagen erforderlich sind,
müssen diese den Bestimmungen VDE 0166 und 0118, Teil 1 entsprechen.

4.5 Die elektrischen Anlagen sind auf das notwendige Minimum zu beschränken.

4.6 Bei besonders ungünstigen Bedingungen (z.B. Gasgefahr, Gebirgsbewegungen, ungünstiges
Grubenklima) können die elektrotechnischen Vorschriften verschärft werden.

 

5. Zusätzliche Brandschutzeinrichtungen für Silolager/Rolllochlager (Nr. 4.6 der Richtlinien)

5.1 Die Wasserlöscheinrichtungen bei der Lagerung von ANC - Sprengstoffen sind so auszubilden
und zu bemessen, dass im Brandfall jedes Silo/Rollloch schnell unter Wasser gesetzt werden kann.

5.2 Die Wasseraufgabe soll von oben unmittelbar in das Silo/Rollloch hinein erfolgen; die Auslösung
muss jederzeit von sicherer Stelle möglich sein.

5.3 Damit die im Löschfalle ausfließende Trübe nicht unkontrolliert das Sprengmittellager und andere
Grubenbaue überschwemmen kann, sind Sammelgruben ausreichender Größe anzulegen, die eine
spätere schadlose Beseitigung der Trübe ermöglichen.

5.4 Bei der Lagerung von anderen Sprengstoffen bzw. von Sprengstoffvorprodukten abweichend
von Nr. 5.1 müssen die zusätzlichen Brandschutzeinrichtungen dem jeweiligen Lagergut angepasst
werden.

 


*) z.B. zertifiziert in der Bundesrepublik Deutschland der European Certification Board Security
   Systems, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt/Main (http://www.ecb-s.com/).

 

6. Beispiele für die Anlegung von untertägigen Sprengmittellagern

6.1 Betretbare Lager

6.1.1 Mehrkammerlager

   Punkt 6-1

6.1.2 Mehrkammerlager mit Zünderkammer zum Befahren mit Transportfahrzeugen

 

   Punkt 6-2

6.1.3 Einkammerlager

   Punkt 6-3

6.2 Besondere Lagerausführungen

6.2.1 Silolager mit Falleitung

  Punkt 6-4

 

6.2.2 Silolager mit unmittelbarer Beschickung

  Punkt 6-5

6.2.3 Containerlager

   Punkt 6-6

  Punkt 6-7


   Punkt 6-8



Anlage 3
der Lagerrichtlinien untertage

Höchstlagerzeiten für Sprengmittel
(Nr. 6.3.7 der Richtlinien)

Gliederung

1.       Allgemeines

2.       Grundsätzliche Höchstlagerzeiten

2.1     Lagerzeit 2 Jahre
2.2     Lagerzeit 1 Jahr
2.3     Lagerzeit 9 Monate
2.4     Lagerzeit 6 Monate
2.5     Lagerzeit 12 Wochen
2.6     Lagerzeit 10 Wochen
2.7     Lagerzeit 4 Wochen

 

1. Allgemeines

1.1 Sprengmittel, die aus einem Lager entnommen werden, müssen so beschaffen sein, dass
sie bei bestimmungsgemäßer Verwendung ihren Zweck zuverlässig erfüllen. Dazu gehört, dass
bei der Lagerung ihre Handhabungssicherheit und Wirksamkeit erhalten bleiben.

Es gelten die Höchstlagerzeiten der Hersteller, höchstens jedoch die, die in der EG-Baumuster-
prüfbescheinigung festgeschrieben sind, beginnend vom Zeitpunkt der Herstellung. Dies gilt,
wenn die dort festgelegten Lagerbedingungen vorliegen.

Die in Sprengmittellagern unter Tage vorkommenden Klimaeinflüsse müssen bei der Bemessung
der Höchstlagerzeiten berücksichtigt werden.

1.2 Die unter Nrn. 2.1 bis 2.7 angegebenen Höchstlagerzeiten gehen von dem bei einzelnen Lagern
unter Tage nicht auszuschließenden ungünstigen Fall von Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüssen aus.
Hinsichtlich der Temperaturobergrenzen gilt Nr. 2.2.5 der Richtlinien, hinsichtlich Temperaturunter-
grenzen wird bei Lagern unter Tage nicht mit Frostgraden gerechnet.

1.3. Liegen bei einem Lager nachweislich wesentlich günstigere Verhältnisse als nach  Nrn. 1.1
oder 1.2 vor und ist mit ihrem Fortbestand langfristig zu rechnen, kann die Bergbehörde in
Abstimmung mit dem Hersteller und der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung)
längere Höchstlagerzeiten  zulassen.

Eine Verkürzung der Höchstlagerzeiten wird erforderlich, wenn ungünstigere Lagervoraussetzungen
als nach Nr. 1.2 vorliegen. So können wechselnde Temperatur- und Feuchtigkeitswerte eine
Minderung der Stabilität bewirken. Das gilt insbesondere, wenn Sprengstoff nicht in der Versand-
packung aufbewahrt wird.

1.4 Soll ein Sprengstoff oder Zündmittel nach Ablauf der zulässigen Höchstlagerzeit weiter verwendet
werden, so bedarf dies einer Genehmigung der zuständigen Bergbehörde in Abstimmung mit der
Benannten Stelle (z. B. Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) und dem Hersteller.

 

2. Grundsätzliche Höchstlagerzeiten

2.1 Lagerzeit 2 Jahre

2.1.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im wesentlichen
aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen verbrennlichen
Komponenten oder ohne diese Komponenten mit Ausnahme der aus delaborierter Munition
hergestellten Sprengstoffe

2.1.2 Sprengstoffe für sonstige Zwecke mit Ausnahme derjenigen, die ihrer Zusammensetzung nach
den pulverförmigen Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen

2.1.3 Sprengschnüre

2.1.4 Sprengverzögerer und Verzögerungselemente

2.1.5 Sprengzünder

2.2 Lagerzeit 1 Jahr

2.2.1 Sprengkapseln

2.2.2 Elektrische Anzünder

2.2.3 Anzündschnüre

2.3 Lagerzeit 9 Monate

2.3.1 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe ohne Sprengölzusatz – wasserfest –

2.3.2 Druckfeste Gesteinssprengstoffe

2.4 Lagerzeit 6 Monate

2.4.1 Gelatinöse Gesteinssprengstoffe

2.4.2 Halbgelatinöse Gesteinssprengstoffe

2.4.3 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe mit Sprengölzusatz

2.4.4 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe ohne Sprengölzusatz

2.4.5 Pulverförmige Sprengstoffe ohne Sprengölzusatz mit ausschließlich nicht explosions-
         gefährlichen, verbrennlichen Anteilen

2.4.6 Patronierte Sprengschlämme und Emulsionssprengstoffe

2.4.7 Sprengstoffe für sonstige Zwecke, die nach ihrer Zusammensetzung den pulverförmigen
         Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen

2.4.8 Pulversprengstoffe

2.5 Lagerzeit 12 Wochen

2.5.1 Gelatinöse Wettersprengstoffe

2.5.2 Wettersprengschlämme

2.5.3 Emulsions – Wettersprengstoffe

2.5.4 Wettersprengschnüre

2.6 Lagerzeit 10 Wochen

2.6.1 Nichtgelatinöse Wettersprengstoffe

2.7 Lagerzeit 4 Wochen

2.7.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im wesentlichen
aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen verbrennlichen
Komponenten oder ohne diese Komponenten, soweit sie aus delaborierter Munition hergestellt sind



23.11.2006

83.17.15-2006-3

Richtlinien
für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern unter Tage des Steinkohlenbergbaus

A 2.13

 

An die Bergämter des Landes NRW - ausgenommen Düren -

Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern unter Tage des
Steinkohlenbergbaus

Der Länderausschuss Bergbau hat in der 128. Sitzung u. a. verschiedene Richtlinien des Arbeitskreises
Sprengwesen zustimmend zur Kenntnis genommen und den Ländern ihre Einführung empfohlen. Auf
Grund von im Nachgang eingegangener Hinweise wurden die Richtlinien vom vorgenannten Arbeitskreis
nochmals geringfügig, z. B. zur Aufnahme neu erschienener Normen, redaktionell überarbeitet.

Anlass für die Aktualisierung der Richtlinien waren insbesondere die zwischenzeitlichen Novellierungen
des Sprengstoffgesetzes sowie der 1. und 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz, die eine Überarbeitung
der von den Bergbehörden der Länder angewendeten Richtlinien erforderlich machte.

Des Weiteren wurden insbesondere die aktuellen Normen bezüglich des Schutzes gegen Einbruch
eingearbeitet, die bei neu zu errichtenden Lagern und bei wesentlichen Änderungen zur Anwendung
kommen sollen.

Schließlich wurden in der Anlage 4 die Fristen für die Höchstlagerzeiten von Sprengstoffen nunmehr
eindeutig formuliert.

Nach Abschluss der Überarbeitung der Richtlinien für übertägige Sprengmittellager sowie für
Sprengmittellager unter Tage des Nichtsteinkohlenbergbaus durch den vorgenannten Arbeitskreis
wurden auch die anliegenden „Richtlinien  für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern
unter Tage des Steinkohlenbergbaus“ in Abstimmung zwischen der Abteilung 8 der Bezirksregierung
Arnsberg und dem Oberbergamt Saarbrücken entsprechend angepasst. Sie werden daher gebeten,
die beigefügten Richtlinien betriebsplanmäßig umzusetzen.

Diese Richtlinien ersetzen die „Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern
unter Tage des Steinkohlenbergbaus“ vom 27.06.1980 - 17.15-2-11 – (Elektronisches Sammelblatt
A 2.13), die hiermit aufgehoben werden.

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K i r c h n e r



Richtlinien
der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
für die Errichtung und den Betrieb von untertägigen Sprengmittellagern
des Steinkohlenbergbaus

Gliederung

1. Allgemeines

1.1. Geltungsbereich
1.2. Begriffsbestimmungen

2. Lage im Grubengebäude

2.1. Allgemeine Anforderungen an den Lagerort
2.2. Bewetterung und Klimaeinflüsse
2.3. Sicherheitsabstände zu anderen Grubenbauen
2.4. Schutz vor gefahrbringender elektrischer Energie

3. Aufbau der Lager

3.1. Allgemeine Anforderungen
3.2. Raumbedarf
3.3. Mehrkammerlager
3.4. Einkammerlager
3.5. Kleinlager
3.6. Sprengzünderlagerung
3.7. Explosionssicherheit

4. Einrichtung

5. Aufschriften

6. Betriebsvorschriften

6.1. Allgemeines
6.2. Betreten des Lagers
6.3. Lagerung
6.4. Ausgabe
6.5. Arbeiten im Sprengmittellager
6.6. Unterweisung und Dienstanweisung
6.7. Überwachung

7. Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Stärke der Bergfesten
Anlage 2: Sicherheitsabstände zum Schutz vor gefahrbringender elektrischer Energie
Anlage 3: Bauliche Anforderungen an Sprengmittellager
Anlage 4: Lagerzeiten für Sprengmittel.

 

1. Allgemeines

1.1. Geltungsbereich

Diese Richtlinien gelten für die Aufbewahrung von Sprengmitteln (Sprengstoffe, Zündmittel und
Sprengzubehör) in Sprengmittellagern (nachfolgend als Lager bezeichnet) unter Tage in Betrieben
des Steinkohlenbergbaus.

1.2. Begriffsbestimmungen

1.2.1. Lager im Sinne dieser Richtlinien ist jeder Ort, an dem die unter Nr. 1.1 genannten
Sprengmittel aufbewahrt werden, ausgenommen solche Stellen

    1. an denen sich die Sprengmittel im Arbeitsgang befinden oder
    2. die sich bei oder in der Nähe der Arbeitsstelle befinden, wenn die Sprengmittel in
      der für den Fortgang der Arbeit erforderlichen Menge bereitgehalten werden
      (z. B. in Sprengmittelkisten).

Lager können als Mehrkammerlager, Einkammerlager oder Kleinlager ausgeführt sein.

1.2.2. Mehrkammerlager bestehen aus mehreren Sprengmittelkammern, einem Raum für Spreng-
mittelkästen und Sprengzubehör sowie einem Ausgaberaum. In Mehrkammerlagern dürfen mehr
als 5000 kg Sprengstoff und Sprengschnur sowie mehr als 5000 Sprengzünder gelagert werden.

1.2.3. Einkammerlager bestehen aus einer Sprengmittelkammer und einem Vorraum. In Einkammer-
lagern dürfen Sprengstoff und Sprengschnur bis zu 5000 kg sowie höchstens 5000 Sprengzünder
gelagert werden.

1.2.4. Kleinlager bestehen aus einem abgeteilten und gesicherten, betretbaren bzw. nicht
betretbaren Raum, in dem ein oder mehrere Sprengmittellagerschränke (Sprengmittellagerbehälter)
mit insgesamt höchstens 500 kg Sprengstoff und Sprengschnur sowie höchstens 1000 Sprengzündern
aufgestellt bzw. eingebaut sind.

1.2.5. Sprengmittelkammer (Sprengmittellagerraum) ist der Raum eines Lagers, der für die Lagerung
von Sprengstoffen und Sprengschnur oder von Sprengzündern ausgelegt ist.

1.2.6. Vorraum ist der für ein Einkammerlager erforderliche Raum zur Aufbewahrung von Spreng-
mittelkästen und Sprengzubehör. Der Vorraum erfüllt gewöhnlich gleichzeitig die Funktion eines
Sprengmittelausgaberaumes.

1.2.7. Der Raum für Sprengmittelkästen und Sprengzubehör eines Mehrkammerlagers dient nur der
Aufbewahrung dieser Gegenstände.

1.2.8. Der Ausgaberaum eines Mehrkammerlagers dient zur Bereitstellung der Sprengmittel für die
Ausgabe. Im Ausgaberaum dürfen nicht mehr als 1500 kg Sprengstoff und Sprengschnur sowie
1500 Sprengzünder zur Ausgabe bereitgehalten werden.

1.2.9. Sicherheitsabstände sind die innerhalb des Betriebes, insbesondere zwischen den Spreng-
mittelkammern (Anlage 1), zu benachbarten Grubenbauen und gefahrbringenden elektrischen
Anlagen (Anlage 2) einzuhaltenden Abstände.

 

2. Lage im Grubengebäude

2.1. Allgemeine Anforderungen an den Lagerort

2.1.1. Bei der Errichtung eines Lagers ist darauf zu achten, dass im Falle eines Brandes oder einer
Explosion mindestens ein Ausgang zur Tagesoberfläche befahrbar bleibt und eine Gefährdung
belegter Grubenbaue vermieden wird.

2.1.2. Mehrere Lager oder Sprengmittelkammern müssen so angeordnet sein, dass sich ein Brand
oder eine Explosion von einem Lager oder einer Kammer auf andere nicht übertragen kann.

2.1.3. Lager sind in möglichst standfesten und trockenen Bereichen zu errichten, in denen Abbau-
einwirkungen nicht zu erwarten sind. Sie müssen darüber hinaus gegen das Eindringen von
Flüssigkeiten geschützt  sein.

2.1.4. Die Zugänge müssen sicher begehbar und die Zufahrten sicher befahrbar sein.

2.1.5. Der Abstand eines Lagers von Schächten oder sonstigen Tagesausgängen muss mindestens
100 m betragen. Die Gebirgsüberdeckung oder der sonstige durch das Gebirge gemessene Abstand
von der Tagesoberfläche darf 50 m, von ständig bewohnten Gebäuden außerhalb des Betriebes
150 m nicht unterschreiten.

2.1.6. Mehrkammerlager dürfen nicht in Grubenbauen (Feldesteilen) errichtet werden, bei denen
damit zu rechnen ist, dass sie bei notwendig werdenden Abdämmungen aus Anlass von Flöz- oder
Versatzbränden innerhalb abgedämmter Feldesteile liegen werden.

2.1.7. Lager dürfen nicht in Feldesteilen angelegt werden, deren Kohle zur Selbstentzündung neigt.

2.2. Bewetterung und Klimaeinflüsse

2.2.1. Lager müssen durchgehend bewettert werden. Sie sind unmittelbar an den ausziehenden
Wetterstrom anzuschließen.

Der Anschluss muss so erfolgen, dass im Brand- und Explosionsfall möglichst wenig Schwaden
in belegte Grubenbaue gelangen können.

Für den Wetterausziehweg ist ein größerer Querschnitt - möglichst ein doppelt so großer Querschnitt -
als für den Wettereinziehweg vorzusehen. Der einziehende Wetterweg muss über eine Länge von
mindestens 5 m den entsprechenden Querschnitt halten.

Der Wetterausziehweg von Lagern soll nicht in gerader Richtung auf Tagesöffnungen treffen.

2.2.2. Bei Lagern mit einer Höchstlagermenge bis zu 500 kg Sprengstoff oder bei ausschließlicher
Zündmittellagerung kann von Nr. 2.2.1 Satz 3 abgewichen werden, wenn aufgrund der örtlichen
Verhältnisse (z.B. große Wetterströme, weite Auffangräume) mit einer ausreichenden Verdünnung
von Explosions- oder Brandschwaden bis zum Erreichen belegter Grubenbaue zu rechnen ist und
der nächstgelegene Ausgang zur Tagesoberfläche mit Hilfe vorhandener Fluchtgeräte erreicht werden
kann.

2.2.3. Kleinlager und die Sprengmittelkammern von Mehrkammerlagern dürfen abweichend von
Nr. 2.2.1 Satz 1 sonderbewettert werden, wenn sie nicht durchgehend bewettert werden können.
Die Wetterlutten müssen aus unbrennbarem Werkstoff bestehen. Stoßlutten müssen bis etwa 1 m
vor die hintere Wand der Kammer oder des Lagers reichen.

2.2.4. Lager sollen so angelegt und bewettert werden, dass eine Temperatur von 30° C nicht
überschritten wird. Die relative Feuchte soll möglichst niedrig liegen und 85% nicht übersteigen.
Zur Kontrolle der Temperatur muss in jeder Kammer ein Thermometer vorhanden sein. Die
Trockentemperatur ist arbeitstäglich, die relative Feuchte monatlich festzustellen.

2.3. Sicherheitsabstände zu anderen Grubenbauen

Als Sicherheitsabstände zu anderen Grubenbauen sind bei Lagern, mit Ausnahme der Kleinlager,
Bergfesten von mindestens 10 m einzuhalten.

2.4. Schutz vor gefahrbringender elektrischer Energie

2.4.1 Lager mit elektrischen Brückenzündern dürfen nicht im Einwirkungsbereich von stationären
Einrichtungen errichtet und betrieben werden, die gefahrbringende Hochfrequenzenergien, gefahr-
bringende Ströme elektrischer Anlagen, gefahrbringende elektromagnetische Felder oder gefahr-
bringende elektrostatische Aufladungen erzeugen oder weiterleiten.

Wird von der Aufbewahrung in Versandverpackungen/Zünderpuppen abgewichen, so gelten die
Festlegungen der Umgangs-Richtlinien.

2.4.2 In der Nähe von Lagern mit elektrischen Brückenzündern  dürfen keine Geräte betrieben
werden, die gefahrbringende Hochfrequenzenergien, gefahrbringende Ströme, gefahrbringende
elektromagnetische Felder (siehe auch Umgangs-Richtlinien Nr.2.1) oder gefahrbringende
elektrostatische Aufladungen erzeugen, ohne dass eine entsprechende Betrachtung des
Gefährdungspotentials durchgeführt worden ist (s. Anlage 2 ).

2.4.3 Bei der Errichtung und dem Betrieb der Lager ist darauf zu achten, dass keine Verschleppung
von Blitzenergie zu den Zündmitteln möglich ist.

 

3. Aufbau der Lager

3.1. Allgemeine Anforderungen

Lager müssen in der Regel betretbar sein und aus einer oder mehreren Sprengmittelkammern
entsprechend der zulässigen Höchstlagermenge bestehen. Bei Einkammerlagern muss ein
Vorraum für die Aufbewahrung der Sprengmittelkästen vorhanden sein. In Mehrkammerlagern
ist ein zusätzlicher Ausgaberaum und ein Raum für die Aufbewahrung von Sprengmittelkästen und
Sprengzubehör erforderlich.

3.2. Raumbedarf

Es ist so viel Lagerraum zu schaffen, dass die Belegungsdichte in der Regel den Wert von
100 kg Sprengstoff/m3 Kammervolumen nicht überschreitet (siehe Anlage 1). Bei der Festlegung
des Lageraufbaues ist ein Mindestabstand von 0,30 m zwischen Stoß und Firste der Sprengmittel-
kammer und dem Sprengstoff zu berücksichtigen.

3.3. Mehrkammerlager

Lager für Sprengstoffmengen über 5000 kg müssen durch Bergfesten in Sprengmittelkammern mit
jeweils höchstens 5000 kg Lagermenge unterteilt werden. Die Sprengmittelkammern müssen alle
an demselben Stoß des Lagerganges angeordnet sein. Die Stärke der Bergfesten zwischen den
Kammern ist nach der Beziehung

E[m] = K x L1/3 [kg]

zu bemessen (siehe Anlage 1).

(E = Stärke der Bergfeste, K = Proportionalitätsfaktor in Abhängigkeit von der Belegungsdichte,
L = Lagermenge)

Die Sprengmittelkammern müssen rechtwinklig zum Lagergang angeordnet werden.

3.4. Einkammerlager

In der Sprengmittelkammer eines Einkammerlagers dürfen nur Sprengstoff und Sprengschnur oder
nur Sprengzünder gelagert werden. Bei gemeinsamer Lagerung von Sprengstoffen, Sprengschnur
und Sprengzündern müssen die Sprengzünder in einer verschließbaren Zündernische im Vorraum
gelagert werden.

3.5. Kleinlager

Kleinlager können betretbar oder nicht betretbar ausgeführt sein. Die Räume für Kleinlager dürfen
in Seitenstrecken, Streckenstümpfen und dergleichen angelegt werden, wenn sich diese Räume sicher
abteilen und verschließen lassen (Bauliche Anforderungen und Beispiel siehe Anlage 3).

3.6. Zündmittellagerung

In Mehr- und Einkammerlagern dürfen Zündmittel bis zu insgesamt 5000 Stück in einer Zündernische
gelagert werden, die bei Mehrkammerlagern anstelle einer Sprengmittelkammer auf der Kammerseite
des Lagerganges, bei Einkammerlagern in den Stoß des Vorraumes eingelassen sein muss. Für größere
Mengen in Mehrkammerlagern ist eine besondere Zünderkammer erforderlich.

In Kleinlagern muss für die Lagerung von Sprengzündern ein besonderes Fach im Sprengmittellager-
schrank (Sprengmittellagerbehälter) oder ein besonderer Schrank (Behälter) vorhanden sein.

3.7 Explosionssicherheit

3.7.1. Die zu belegten und regelmäßig befahrenen Grubenbauen führenden Eingangswege und sonstigen
Verbindungen zum Lager müssen eine gebrochene Linienführung besitzen. Dies gilt nicht für Kleinlager
und zu Bewetterungszwecken benötigte Bohrlöcher.

3.7.2 Gegenüber jeder Sprengmittelkammer und an den Knickpunkten von Eingangswegen und
sonstigen Verbindungen zum Lager muss für den Explosionsfall ein Raum als Explosionspuffer
vorhanden sein, dessen Querschnitt mindestens dem des zu sichernden Grubenbaues entspricht.
Die Tiefe des Explosionspuffers muss mindestens seiner Breite entsprechen (Beispiele siehe Anlage 3).

3.7.3 Abweichungen von Nr. 3.7.1 und 3.7.2 sind zulässig bei Lagermengen bis 500 kg Sprengstoff,
wenn die Voraussetzungen der Nr. 2.1.1 erfüllt sind.

4. Einrichtung

4.1 Die betretbaren Räume eines Lagers müssen so groß sein, dass ein gefahrloser und ungehinderter
Umgang mit den Sprengmitteln möglich ist. Die lichte Höhe dieser Räume soll mindestens 2,20 m
betragen.

4.2. Lager dürfen nur in standfester und unbrennbarer Ausführung errichtet werden. Dies gilt auch
für Zufahrtsstrecken und sonstige Verbindungen zum Lager sowie für die anschließenden Grubenbaue
bis zu 75 m Entfernung.

4.3. Die Zufahrtsstrecken müssen hinsichtlich Querschnitt und Streckenführung eine ungehinderte
Fahrung und den Transport der Sprengmittel gewährleisten.

4.4. Die Sohle muss eine dichte, ebene und glatte Oberfläche haben und sich leicht reinigen lassen.
Sie muss elektrostatisch leitfähig sein.

4.5. Bei der Lagerung von Sprengstoffen, Sprengschnur und Sprengzündern muss durch die Bauweise
eine Detonationsübertragung von den Sprengzündern auf Sprengschnur und Sprengstoffe ausge-
schlossen sein (Beispiele siehe Anlage 3).

4.6. Außerhalb der Sprengmittelkammer und vor den Zugängen zu den Lagern müssen Feuerlöscher
geeigneter Bauart in ausreichender Anzahl vorhanden und jederzeit erreichbar sein.

4.7. Die Verwendung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel ist in Lagern nur nach Maßgabe der
Anlage 3 zulässig. Die Betriebsmittel müssen so ausgeführt sein, dass durch sie Sprengmittel nicht
gezündet werden können. Im Übrigen gelten die Vorschriften der Elektrobergverordnung (ElBergV).
In nicht betretbare Lager dürfen elektrische Anlagen nicht eingebaut werden.

4.8. Einrichtungen der Lager zum Lagern und Bewegen der Sprengmittel müssen so beschaffen sein,
dass gefährliche Beanspruchungen der Sprengmittel ausgeschlossen sind. Erforderlichenfalls sind
Einrichtungen vorzusehen, die ein Entnehmen in der Reihenfolge der Anlieferung gestatten.

4.9. In unmittelbarer Nähe der Lager müssen betriebsbereite Fördereinrichtungen vorhanden sein,
mit denen die Sprengmittel aus den Lagern im Falle einer Gefahr ohne Verzögerung abtransportiert
werden können.

4.10. Lager müssen durch die Bauweise gegen Einbruch geschützt sein. Zugänge und sonstige
Verbindungen zum Lager müssen entsprechend gesicherte Türen oder fest eingebaute Gitter haben.
Sprengmittelkammern und Zündernischen müssen mit Volltüren abgesichert sein. Die Türen müssen
nach außen aufschlagen. Die Ausführung im Einzelnen hängt von der Art des Lagers ab und richtet
sich nach Anlage 3.

4.11. Sämtliche Türen, die der Sicherung dienen, müssen mit mindestens einem Sicherheitsschloss
versehen sein. (siehe Anlage 3).

4.12. Für die Ausgabe und Rücknahme von Sprengmittelkästen und Sprengzubehör sind in Mehr-
und Einkammerlagern Schalter einzurichten. Die Schalter sind vorzusehen bei Mehrkammerlagern
in der den Lagergang abschließenden Tür und bei Einkammerlagern in der Zugangstür zum Vorraum.
Die Ausführung im Einzelnen richtet sich nach Anlage 3.

4.13. Lager, bei denen infolge ihrer Lage zu Tagesöffnungen die Gefahr besteht, dass Unbefugte
zum Lager gelangen können, sind hinsichtlich der Einbruchsicherung nach den „Richtlinien für die
Errichtung und den Betrieb von übertägigen Sprengmittellager“ (Lagerrichtlininen übertage) zu
behandeln.

5.   Aufschriften

5.1. Bei jedem Lager sind an den Außentüren folgende Hinweise anzubringen:

5.2. Auf den Türen der Sprengmittelkammern und Zündernischen sind deutlich lesbare und dauerhafte
Aufschriften anzubringen, aus denen Art und zulässige Höchstmenge der zu lagernden Sprengmittel
hervorgehen.

5.3. Bei Kleinlagern sind die Aufschriften nach Nr. 5.2. auf der Innenseite der Lagerschranktüren
anzubringen.

6. Betriebsvorschriften

6.1. Allgemeines

Für den Betrieb von Lagern gelten die einschlägigen Vorschriften der Bergverordnungen. Soweit dort
keine ins Einzelne gehenden Regelungen getroffen sind, richtet sich der Betrieb von Lagern nach
Nr. 6.2. bis Nr. 6.7.

6.2. Betreten des Lagers

6.2.1. Nur der Erlaubnisinhaber und dessen Beauftragte dürfen das Lager betreten. Sie haben für einen
ständig vorschriftsmäßigen Zustand und ordnungsgemäßen Betrieb des Lagers zu sorgen und den Zutritt
Unbefugter zu verhindern.

6.2.2. Jedes Lager muss, solange es Sprengmittel enthält und sich niemand darin aufhält, zuverlässig
verschlossen sein.

6.2.3. Zugriff auf die Lagerschlüssel dürfen nur Personen haben, die verantwortlich im Sinne des
§ 19 des SprengG und vom Erlaubnisinhaber hierzu besonders beauftragt sind.

Es dürfen nur so viele Schlüssel (Schlüsselsätze bei mehr als einem Schloss) vorhanden sein und nur so
viele ausgegeben werden, wie für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Lagers unbedingt notwendig sind.
Mehr als 2 Schlüssel (Schlüsselsätze) sind nur dann zulässig, wenn die Schlüsselübergabe von einem
zum nächsten Benutzer nicht möglich ist. Die Schlüsselordnung und die Nachweisführung über die
Schlüsselweitergabe ist festzulegen.

Schlüssel sind so aufzubewahren, dass sie Unbefugten nicht zugänglich sind (z. B. durch ständiges
Mitführen oder durch Aufbewahrung in einem gesicherten Behältnis, das nur den Berechtigten
zugänglich ist). Als gesichertes Behältnis kann z.B. ein Wertschutzschrank nach EN 1143-1
Widerstandsgrad 0 oder ein Sicherheitsschrank nach EN 14450 Klasse S2, möglichst Schloss mit
Zahlenkombination verwendet werden. Reserveschlüssel sind getrennt von den ausgegebenen
Schlüsseln in einem anderen Behältnis sicher aufzubewahren. 

Bei Verwendung von codierten Schlosssystemen sind gleichwertige Regelungen zu treffen.

6.2.4. In jedem Lager muss ein mit zwei verschiedenen Schlüsseln verschließbarer Schlüsselkasten
vorhanden sein, in dem die Reserveschlüssel der Sprengmittelkästen aufbewahrt werden. Ein Schlüssel
zum Schlüsselkasten hat der Sprengsteiger, den zweiten der Sprengmittelausgeber aufzubewahren.

6.3 Lagerung

6.3.1 Im Lager dürfen nur die in der Erlaubnis oder Betriebsplanzulassung festgelegten Arten und
Höchstmengen von Sprengstoffen und Zündmitteln sowie Sprengzubehör und Hilfsmittel gelagert
werden.

6.3.2 Nur solche Hilfsmittel wie Geräte, Werkzeuge und Materialien für die Lagerung und Ausgabe
der Sprengmittel dürfen im Lager vorhanden sein, die eine gefahrlose Handhabung zulassen.

6.3.3 Sprengstoffe, Zündmittel und Sprengzubehör sind voneinander getrennt zu lagern. Sprengschnur
ist stets von Zündmitteln zu trennen; sie darf mit Sprengstoff zusammen gelagert werden. In Kleinlagern
ist die Sprengschnur im Fach für Sprengstoff oder in einem besonderen Sprengmittellagerschrank zu
lagern.

6.3.4 Unbrauchbare Sprengstoffe und Zündmittel sind als solche zu kennzeichnen und bis zu ihrer
Rückgabe an den Hersteller oder bis zu ihrer Vernichtung gesondert und nach Arten getrennt zu lagern.

6.3.5 Die angelieferten Sprengstoffe und Zündmittel sind unverzüglich einzulagern und in das zum Lager
gehörige Verzeichnis für explosionsgefährliche Stoffe einzutragen.

6.3.6 Sprengstoffe, Sprengschnur und Zündmittel dürfen nur in der Versandverpackung gelagert werden,
sofern nicht eine andere Art der Lagerung zugelassen ist.

Bei der Lagerung in der Verpackung ist sicherzustellen, dass

Eine möglichst gleichmäßige Belegung der Sprengmittelkammergrundflächen unter Berücksichtigung
der erforderlichen Zugänglichkeit ist anzustreben.

6.3.7 Die Höchstlagerzeiten für Sprengstoffe und Zündmittel sind zu beachten (siehe Anlage 4).

6.3.8 Bei Betriebseinstellung oder bei mehr als dreimonatiger Betriebsunterbrechung, ist das Lager
zu räumen. Der Verbleib der Sprengstoffe und Zündmittel ist im Verzeichnis für explosionsgefährliche
Stoffe zu vermerken. Der Bergbehörde sind Betriebseinstellung und –unterbrechung des Lagers anzuzeigen.

6.4 Ausgabe

6.4.1 Sprengmittel müssen in der Reihenfolge ihrer Anlieferung ausgegeben werden. Die Ausgabe
darf nur durch einen Sprengmittelausgeber vorgenommen und die Sprengmittel dürfen nur gegen
Empfangsbestätigung ausgegeben werden. Sprengbeauftragte haben die Sprengmittelkästen, die
Sprengmittel enthalten, sowie das Sprengzubehör an den Ausgabeschaltern zu übernehmen und
auch dort wieder zurückzugeben.

Sprengmittelausgeber haben über die ausgegebenen und zurückerhaltenen Sprengmittelkästen
einen Nachweis zu führen.

6.4.2 Aus Gründen der eindeutigen Zuordnung der Sprengstoffe zum Empfänger sollen diese in der
Regel nur in Verpackungseinheiten ausgegeben werden. Lässt sich die Ausgabe einzelner Patronen
gleicher Nummerierung nicht vermeiden, so sind die an verschiedene Empfänger ausgegebenen
Patronen unterschiedlich zu kennzeichnen, so dass der Empfänger anhand des Verzeichnisses nach
§ 16 SprengG ermittelt werden kann.

6.4.3 Jede Entnahme bzw. Ausgabe und Wiedereinnahme von Sprengstoffen und Zündmitteln ist
unverzüglich in das Verzeichnis nach § 16 SprengG für explosionsgefährliche Stoffe einzutragen.
Die Übereinstimmung von Soll- und Ist-Bestand ist regelmäßig nachzuprüfen (§ 41 Abs. 3 der
1. SprengV). Bei Abweichungen ist der Erlaubnisinhaber oder der zuständige Befähigungsschein-
inhaber sofort zu verständigen. Das Verzeichnis ist so zu führen und aufzubewahren, dass unberechtigte
Personen keinen Einblick in den Lagerbestand gewinnen können und Änderungsmöglichkeiten
ausgeschlossen werden können.

6.4.4. Sprengmittel mit Mängeln der Kennzeichnung, Verpackung oder Beschaffenheit dürfen nicht
ausgegeben werden. Der Erlaubnisinhaber oder der zuständige Befähigungsscheininhaber ist
unverzüglich zu verständigen. Er hat die Benachrichtigung der zuständigen Bergbehörde zu veranlassen.
Das gleiche gilt bei Abhandenkommen von Sprengmitteln.

6.4.5. Sprengstoff, Sprengschnur und Zündmittel, die in das Lager zurückgebracht und wegen
baldigen Aufbrauchens nicht wieder durch Eintragung im Verzeichnis vereinnahmt werden, müssen
in verschlossenen Sprengmittelkästen getrennt von den noch nicht ausgegebenen Sprengstoffen und
Zündmittel gelagert werden (im Vorraum oder dem dafür bestimmten Lagerraum). Die Spreng-
mittelkästen dürfen nur vom Sprengsteiger und dem Sprengmittelausgeber gemeinsam geöffnet
werden (siehe Nr. 6.2.4). Nach zwei Wochen noch nicht abgeholte Sprengstoffe und Zündmittel
sind wieder zu vereinnahmen und neu auszugeben.

6.5 Arbeiten im Lager

6.5.1 Leeres Verpackungsmaterial und Abfälle sind arbeitstäglich aus dem Lager zu entfernen.
Mit Sprengmittelresten ist nach Anweisung der zuständigen verantwortlichen Person zu verfahren.

6.5.2 In Lagern sollen grundsätzlich nur Arbeiten ausgeführt werden, die der Lagerung und Ausgabe
der Sprengmittel dienen. Sonstige erforderlich werdende Arbeiten sind nur dann zulässig, wenn sie
nicht in gefährlicher Weise auf die Sprengmittel einwirken können.

6.5.3 Im Umkreis von 75 m um das Lager, durch die Grubenbaue gemessen, dürfen keine leicht
entzündlichen Stoffe gelagert und keine Arbeiten ausgeführt werden, die in gefährlicher Weise auf
die Sprengmittel einwirken können. Dies gilt nicht, wenn das Lager geleert und gereinigt ist.

6.5.4 Der Unternehmer hat den Bereich um die Lagerung elektrischer Zünder festzulegen und zu
kennzeichnen, in dem keine elektrischen Geräte wie z.B Funkgeräte, Computer oder mobile Telefone
betrieben werden dürfen. Ein Abstand von 1 m darf nicht unterschritten werden.

6.5.5 Transportfahrzeuge dürfen nur in das Lager hineinfahren, wenn dies ausdrücklich zugelassen
und eine Gefährdung der Sprengmittel nicht zu befürchten ist.

6.6. Unterweisung und schriftliche Anweisung

Über die für die Verwaltung und Benutzung des Lagers maßgeblichen Vorschriften sind die in Frage
kommenden Personen zu unterweisen. Ihnen ist eine schriftliche Anweisung auszuhändigen. Auf die
entsprechenden Regelungen der §§ 6 und 7 ABBergV wird hingewiesen.

6.7 Überwachung

Der Erlaubnisinhaber hat dafür Sorge zu tragen, dass ständig ein vorschriftsmäßiger Zustand und
ein ordnungsgemäßer Betrieb des Lagers gewährleistet sind. Zu diesem Zweck hat die für das Lager
verantwortliche Person in betrieblich festgelegten Zeitabständen Kontrollen durchzuführen.



Anlage 1

Stärke der Bergfesten
(Nr. 3.2 und Nr. 3.3 der Richtlinien).

1. Bergfesten

Die für den Sicherheitsabstand zwischen den Sprengmittelkammern eines Lagers erforderlichen
Bergfesten ergeben sich aus nachstehender Tabelle. Als Voraussetzung gilt dabei, dass ein
Mindestabstand von 0,30 m zwischen Kammerstößen und Sprengstoff eingehalten wird.

   Anlage 1 - Tabelle 1

        *) : nur im Ausnahmefall zulässig

 

2. Bewertung der Lagermenge bei der Festlegung der Sicherheitsabstände

2.1. Die Sicherheitsabstände beziehen sich auf Lager mit Sprengstoffen.

2.2. Für Lager mit Zündmitteln ist zur Ermittlung der Lagermenge die Masse an explosionsgefährlichen
Stoffen pauschal mit 2 g/ Zünder anzusetzen.

2.3. Bei der Bemessung der Bergfesten (Ziffer 1) ist von der Lagermenge der Sprengmittelkammer mit
der größten Kapazität auszugehen.


Anlage 2
Sicherheitsabstände
von Leitungen elektrischer Bahnen
(Nr. 2.4 der Richtlinien)

 

1. Sicherheitsabstände von Leitungen elektrischer Bahnen

1.1 Allgemeines

Die Stärke der Induktion nimmt mit wachsenden Abständen ab.

1.2. Abstandsmessung

Abstände sind waagrecht zu messen, und zwar zwischen dem Sprengmittellager und

  1. Leitungen elektrischer Bahnen,
  2. parallelen oder seitlich wegführenden leitfähigen Einrichtungen wie z.B. Wasserleitungen,
    Druckluftleitungen, Drahtseilen, Stahlausbau, nicht elektrifizierten Anschlussgleisen, die
    mit Gleisen elektrischer Bahnen verbunden sind.

1.3. Sicherheitsabstände gegen die Auswirkung von Streuströmen

1.3.1. Von Leitungen elektrischer Bahnen und leitfähigen Einrichtungen nach Ziffer 1.2. darf ein
Abstand von 10 m (für Brückenzünder U) nicht unterschritten werden.

1.3.2. Unterschreitungen des in Ziffer 2.3.1 genannten Abstandes können nur zugelassen werden,
wenn in diesem Bereich durch Streustrommessungen nachgewiesen wird, dass ein Drittel der
Nichtansprechstromstärke der U-Zünder (ein Drittel von 450 mA = 150 mA) nicht überschritten
wird.

 



Anlage 3
Bauliche Anforderungen an Lager
(Nr. 3 und Nr. 4 der Richtlinien)

 

1. Türen

1.1.  Von den Türen an den Lagerzugängen (Innen- und Außentür) muss eine Tür als Volltür
aus Stahlblech von ≥ 3 mm Stärke ausgeführt sein, die andere Tür darf eine Gittertür sein.
Bei Verwendung von Gittertüren ist Flachstahl von ≥ 5 mm Stärke und ≥ 25 mm Breite oder
Stahlrohr von mindestens 20 mm Durchmesser mit ≥ 2 mm Wandstärke zu verwenden. Das
Gitter ist an allen Kreuzungsstellen zu verschweißen. Die Lochweite einer Gitteröffnung soll
120 x 120 mm nicht überschreiten. Die Türen müssen durch Diagonalverstrebungen gegen
Verbiegen geschützt sein.

1.2. Die Türen von Kammern und Zündernischen müssen Volltüren sein, die aus Stahlblech
von ≥ 5 mm Stärke bestehen und durch Rahmen und Diagonalverstrebungen gegen Verbiegen
geschützt sind.

1.3. Die Türen müssen allseitig genau in Rahmen eingepasst sein, die mindestens Türstärke
besitzen und bei vollen Türen so in die Wände eingelassen sind, dass weder Türen noch
Rahmen Ansatzpunkte für Einbruchwerkzeuge bieten. Bei vollen Türen  müssen die Türangeln
innenliegend und angeschweißt sein.

1.4. Können die Türrahmen nicht in festem Gebirge verankert werden, so sind sie in armierten
Beton C 30/37 von mindestens 20 cm Wandstärke einzusetzen. Zwischen Beton und Gebirge
ist ein dichter Anschluss herzustellen.

1.5. Abweichungen von Ziffern 1.3 und 1.4 sind für Türen von Kammern zulässig, wenn
betriebliche oder gebirgsmechanische Gründe dies erfordern. In diesem Fall ist ein gleich-
wertiger Einbruchschutz durch Verstärkung der Türen nach Ziffer 1.1 sicherzustellen.

1.6. Schiebetore sind so zu sichern, dass sie in geschlossenem Zustand allseitig fest am Rahmen
anliegen und sich in keiner Richtung bewegen lassen.

1.7. Wetteröffnungen müssen so gesichert sein, dass niemand durch sie ins Lager gelangen oder
in gefährlicher Weise auf den Lagerinhalt einwirken kann.

 

2.  Ausgabeschalter

2.1. Die lichte Öffnung der Schalter muss so groß sein, dass die Sprengmittelkästen und das
Sprengzubehör leicht hindurch gereicht werden können.

2.2. Die Schalterklappen müssen aus mindestens 3 mm starkem Stahlblech bestehen, nach innen
aufschlagen, in geschlossener Stellung mit der Türaußenseite eine ebene Fläche bilden und so
gesichert sein, dass sie nicht von außen mit Brecheisen geöffnet

werden können. Als Verschluss ist auf der Innenseite ein starker, durch Schloss zu sichernder
Riegel anzubringen.

 

3.  Türschlösser

3.1. Türschlösser an Lagern müssen, einschließlich der Montageplatte und des Riegelwerkes,
mindestens der Klasse A der EN 1300 entsprechen und dafür zertifiziert sein*). Sie müssen für
den Einbau in Außentüren geeignet sein (Oberflächenschutz der korrosionsempfindlichen Teile)
und sind nach den Angaben des Herstellers einzubauen.

3.2. Sämtliche Schlösser eines Lagers müssen voneinander verschiedene Schlüssel haben.

3.3. Bei der Verwendung von schlüssellosen Schließsystemen, wie z. B. mechanische
Codeschlösser, elektronische Schlösser, muss für jedes Schließsystem eine eigene Codierung
programmiert sein.


*) z.B. zertifiziert in der Bundesrepublik Deutschland der European Certification Board Security
           Systems, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt/Main (http://www.ecb−s.com/).

 
4. Bauliche Anforderungen an Sprengmittellagerschränke und -behälter in Kleinlagern
(Nr. 1.2.4 und Nr. 3.5 der Richtlinien)

4.1. Allgemeines

4.1.1. Sprengmittellagerschränke und -behälter sind Stahlbehälter mit einem Fassungsvermögen
bis 500 kg Sprengstoff/Sprengschnur und bis 1000 Stück Sprengzünder.

4.1.2. Gegen Korrosion müssen Sprengmittellagerschränke und -behälter mit Schutzfarbe
gestrichen oder verzinkt sein.

4.1.3 Sprengmittellagerschränke und -behälter müssen auf Betonfundamenten fest verankert oder
in den Stoß einbetoniert werden.

4.1.4. Die Türschlösser müssen gegen Eindringen von Feuchtigkeit geschützt sein.

4.1.5. Sämtliche Schlösser des Zugangs zum Kleinlager und der Türen der Sprengmittellagerschränke
und -behälter müssen voneinander verschiedene Schlüssel haben.

4.2. Bauliche Mindestanforderungen an Sprengmittellagerschränke und -behälter

4.2.1. Der Gehäusemantel hat aus 5 mm starken Stahlblechen zu bestehen.

4.2.2. Die Außentür muss aus Stahlblech von mindestens 5 mm Stärke bestehen und durch Rahmen
und Diagonalverstrebungen gegen Verbiegen geschützt sein.

4.2.3. Ist das Sprengstofffach des Schrankes oder des Behälters mit einer verschließbaren Tür von
mindestens 3 mm Wandstärke versehen, so kann die Außentür des Schrankes abweichend von
Nr. 4.2.2 schwächer gewählt werden, darf jedoch 3 mm Wandstärke nicht unterschreiten.

4.2.4. Das Zündmittelfach muss mittels einer 5 mm starken Stahlblechtür gesichert verschließbar sein.

4.2.5. Die Trennwand zwischen dem Zündmittelfach und dem Sprengstofffach des Schrankes oder
des Behälters muss aus Stahlblech von 10 mm Wandstärke bestehen.

4.2.6. Jede einzelne Tür muss durch ein Schloss entsprechend Ziffer 3.1 verschlossen sein. Die
Türen müssen aus Stahl und allseitig genau in einen Rahmen eingepasst sein, der mindestens
Türstärke besitzt. Weder Tür noch Rahmen dürfen Ansatzpunkt für Einbruchwerkzeuge bieten.

Der Spielraum zwischen Türblatt und Türrahmen darf höchstens 10 mm betragen. Die Türangeln
müssen innen liegen und angeschweißt sein.

 

5. Elektrische Betriebsmittel

5.1. Es dürfen nur ortsfeste Leuchten und Fernsprechgeräte mit ihren Zuleitungen und deren
Zubehör installiert werden.

5.2. Jede elektrische Anlage muss von einer in unmittelbarer Nähe des Einganges gelegenen Stelle
außerhalb des Sprengmittellagers allpolig abgeschaltet werden können. Dies gilt nicht für
eigensichere Stromkreise und für Fernsprechgeräte.

 Anlage 3 - Bild 1

Anlage 1 - Bild 1.2 

 Anlage 1 - Bild 2.1

  Anlage 1 - Bild 2.2

Anlage 1 - Bild 3



Anlage 4
Lagerzeiten für Sprengmittel (Nr. 6.3.7 der Richtlinien)

 

Gliederung

1. Allgemeines

2. Zulässige Höchstlagerzeiten

2.1 Lagerzeit 2 Jahre
2.2 Lagerzeit 1 Jahr
2.3 Lagerzeit 9 Monate
2.4 Lagerzeit 6 Monate
2.5 Lagerzeit 12 Wochen
2.6 Lagerzeit 10 Wochen
2.7 Lagerzeit 4 Wochen

 

1. Allgemeines

1.1  Sprengmittel, die aus einem Lager entnommen werden, müssen so beschaffen sein, dass sie bei
bestimmungsgemäßer Verwendung ihren Zweck zuverlässig erfüllen. Dazu gehört, dass bei der
Lagerung ihre Handhabungssicherheit und Wirksamkeit erhalten bleiben. Es gelten die Höchstlagerzeiten
der Hersteller, höchstens jedoch die, die in der EG-Baumusterprüfbescheinigung festgeschrieben sind,
beginnend vom Zeitpunkt der Herstellung. Dies gilt nur, wenn die dort festgelegten Lagerbedingungen
vorliegen. Die in Sprengmittellagern unter Tage vorkommenden Klimaeinflüsse müssen bei der
Bemessung der Höchstlagerzeiten berücksichtigt werden.

1.2 Die unter Nrn. 2.1 bis 2.7 angegebenen grundsätzlichen Höchstlagerzeiten gehen von dem bei
Sprengmittellagern über Tage in der Regel nicht auszuschließenden ungünstigsten Fall von Temperatur-
und Feuchtigkeitseinflüssen aus. Hinsichtlich der Temperaturbegrenzung gilt Nr. 2.4 der Richtlinien.
Dem Feuchtigkeitseinfluss wird durch Berücksichtigung einer relativen Feuchte von 100 % Rechnung
getragen.

Liegen bei einem Lager nachweislich wesentlich günstigere Verhältnisse als nach Nrn. 1.1 oder 1.2
vor und ist mit ihrem Fortbestand langfristig zu rechnen, kann die Bergbehörde in Abstimmung mit
dem Hersteller und der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) längere Höchst-
lagerzeiten zulassen. Eine Verkürzung der Höchstlagerzeiten wird erforderlich, wenn ungünstigere
Lagervoraussetzungen als nach Nr. 1.2 vorliegen. So können wechselnde Temperatur- und Feuchtig-
keitswerte eine Minderung der Stabilität bewirken. Das gilt insbesondere, wenn Sprengstoff nicht in
der Versandverpackung aufbewahrt wird.

1.4 Soll ein Sprengstoff oder Zündmittel nach Ablauf der Höchstlagerzeit weiter verwendet werden,
so bedarf dies einer Genehmigung der zuständigen Bergbehörde in Abstimmung mit einer Benannten
Stelle (z. B. Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) und dem Hersteller.

 

2. Zulässige Höchstlagerzeiten

2.1 Lagerzeit 2 Jahre

2.1.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im wesentlichen
aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen verbrennlichen
Komponenten oder ohne diese Komponenten mit Ausnahme der aus delaborierter Munition
hergestellten Sprengstoffe.

2.1.2 Sprengstoffe für sonstige Zwecke mit Ausnahme derjenigen, die ihrer Zusammensetzung nach
den pulverförmigen Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen.

2.1.3 Sprengschnüre

2.1.4 Sprengverzögerer und Verzögerungselemente

2.1.5 Sprengzünder

2.2 Lagerzeit 1 Jahr

2.2.1 Sprengkapseln

2.2.2 Elektrische Anzünder

2.2.3 Anzündschnüre

2.3 Lagerzeit 9 Monate

2.3.1 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe ohne Sprengölzusatz – wasserfest –

2.3.2 Druckfeste Gesteinssprengstoffe

2.4 Lagerzeit 6 Monate

2.4.1 Gelatinöse Gesteinssprengstoffe

2.4.2 Halbgelatinöse Gesteinssprengstoffe

2.4.3 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe mit Sprengölzusatz

2.4.4 Pulverförmige Gesteinssprengstoffe ohne Sprengölzusatz

2.4.5 Pulverförmige Sprengstoffe ohne Sprengölzusatz mit ausschließlich nicht explosionsgefährlichen,
         verbrennlichen Anteilen

2.4.6 Patronierte Sprengschlämme und Emulsionssprengstoffe

2.4.7 Sprengstoffe für sonstige Zwecke, die nach ihrer Zusammensetzung den pulverförmigen
         Sprengstoffen mit Sprengölzusatz entsprechen

2.4.8 Pulversprengstoffe

2.5 Lagerzeit 12 Wochen

2.5.1 Gelatinöse Wettersprengstoffe

2.5.2 Wettersprengschlämme

2.5.3 Emulsions-Wettersprengstoffe

2.5.4 Wettersprengschnüre

2.6 Lagerzeit 10 Wochen

2.6.1 Nichtgelatinöse Wettersprengstoffe

2.7 Lagerzeit 4 Wochen

2.7.1 Feste Salpetersäureester, Nitramine und aromatische Nitroverbindungen sowie im
wesentlichen aus diesen bestehende Gemische in festem bis plastischem Zustand mit zusätzlichen
verbrennlichen Komponenten oder ohne diese Komponenten, soweit sie aus delaborierter Munition
hergestellt sind.



16.02.2011

62.17.8-2010-4

Musterbetriebsplan-Sprengen

A 2.13

 

Musterbetriebsplan zur Umsetzung der Verwaltungsvorschriften zu § 11 Abs. 2 ABBergV
für den Umgang mit Sprengmitteln im Steinkohlenbergbau 
( Musterbetriebsplan - Sprengen )

Anlage: Musterbetriebsplan und zugehöriges Einsatzdiagramm

        

Seit Veröffentlichung des bisherigen Musterbetriebsplanes zur Umsetzung der Verwaltungs-
vorschriften zu § 11 Abs. 2 ABBergV für den Umgang mit Sprengmitteln im Steinkohlen-
bergbau ( Musterbetriebsplan – Sprengen ) im Jahr 2006 gab es verschiedene Änderungen
in der Sprenggesetzgebung, die eine Überarbeitung des Musterbetriebsplans erforderlich
machten. Diese Überarbeitung erfolgte einvernehmlich mit der RAG - Fachstelle für
Sprengwesen sowie der Fachstelle für Sprengwesen der DEKRA – EXAM. Dabei wurde
neben der Anpassung an die Sprenggesetzgebung auch der aktuelle Stand der
Sprengtechnik berücksichtigt. Gleichzeitig wurden die vormals als Anlagen beigefügten
Betriebsanweisungen in den Musterbetriebsplan eingearbeitet.

Auch der aktualisierte „Musterbetriebsplan – Sprengen“ ist weiterhin bei der betriebs-
planmäßigen Umsetzung den sprengtechnischen Besonderheiten der jeweiligen
Steinkohlenbergwerke anzupassen.

Der überarbeitete „Musterbetriebsplan – Sprengen“ wird im „Elektronischen Sammelblatt
der Abteilung 6 der Bezirksregierung Arnsberg“ unter A 2.13 veröffentlicht und ersetzt
die Rundverfügung vom 29.11.2006 – 83.17.8 – 2006 – 5 -, die hiermit aufgehoben wird

 
Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie in NRW

Im Auftrag:

K ü g l e r



Muster-Betriebsplan
zur Umsetzung
der Verwaltungsvorschriften zu § 11 Abs. 2 ABBergV
für den Umgang mit Sprengmitteln
im Steinkohlenbergbau

- Inhaltsübersicht -

1. Begriffsbestimmungen

2. Sicherheitsvorkehrungen

2.1 Befördern von Sprengstoffen und Zündmitteln
2.1.1 Anlieferung zum Sprengmittellager
2.1.2 Transport im Grubengebäude
2.1.3 Mitführen im Grubengebäude
2.1.3.1 In Schächten
2.1.3.2 In Strecken

2.2 Aufbewahren von Sprengmitteln im Sprengmittellager
2.2.1 Lagerung im Sprengmittellager
2.2.2 Aus- und Rückgabe von Sprengmitteln; Nachweisführung

2.3 Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von
      Sprengstoffsammeltransportbehältern (SSTB)
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Anforderungen an die SSTB-Standorte
2.3.2.1 Ortsgebundene Standorte
2.3.2.2 Ortsveränderliche Standorte
2.3.2.3 Be- und Entladen von SSTB im Betrieb
2.3.4 Anforderungen an die Nachweisführung

2.4 Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von Sprengmitteln
2.4.1 Durchführung der Sprengarbeit
2.4.2 Verwendung von Sprengstoffen
2.4.3 Absperrposten
2.4.4 Vermeidung von Gefährdungen durch Sprengschwaden
2.4.5 Fund von Sprengstoffresten im Haufwerk und Feststellen von Versagern,
         außergewöhnliche Ereignisse
2.4.6 Verhalten bei erkannter Gasausbruchsgefahr
2.4.7 Entspannungssprengen
2.4.8 Elektromagnetische Beeinflussung

3. Ausbildung

 

 

 

 

1. Begriffsbestimmungen

Sprengmittel

Sprengmittel sind Sprengstoffe, Zündmittel und Sprengzubehör, die zur Ausführung einer
Sprengung bestimmt und erforderlich sind. Sprengstoffe und Zündmittel bestehen teilweise
oder vollständig aus explosiven Stoffen.

Transport

Befördern der vom Hersteller angelieferten Sprengmittel vom LKW in das Sprengmittellager
sowie das Befördern von Sprengmitteln in Sprengmitteltransportbehältern oder Sprengstoff-
sammeltransportbehältern mit maschinellen Transporteinrichtungen.

Mitführen

Befördern von Sprengmitteln in dafür vorgesehenen Tragekästen.

Tragekästen

Verschließbare Behältnisse zum Mitführen von Sprengmitteln.

Tragekästen Typ 1 und Typ 2

Behälter zum Mitführen von Sprengmitteln.

Typ 1 bis 20 kg, Typ 2 bis 15 kg Gesamtgewicht

Zünderkästen

Kästen zur Trennung der Zünder von anderen Explosivstoffen beim gemeinsamen
Mitführen in einem Tragekasten oder zum Mitführen von Zündern in einem
Tragerucksack.

Zündertragekästen

Zünderkästen mit Tragegurt zum Mitführen von Zündern.

Tragerucksäcke

Tragerucksäcke zum Mitführen von Zündern in Zünderkästen.

Sprengmitteltransportbehälter

Verschließbare Behälter für den maschinellen Transport von Tragekästen mit Sprengstoffen
oder die Beförderung von Sprengmitteln in der vom Hersteller angelieferten Form und
Verpackung.

Sprengmitteltransportbehälter bestehen aus Stahlblech von mindestens 3 mm Wandstärke
oder aus einem anderen geeigneten Material.

Die Sprengmitteltransportbehälter sind mit Korrosionsschutzfarbe rot oder orange
gestrichen und mit dem Gefahrensymbol „Warnung vor explosionsgefährlichen Stoffen“
nach Anhang 2 Abschnitt 3.2 der „Richtlinie 92/58 EWG des Rates über Mindest-
vorschriften für die Sicherheits- und/oder Gesundheitsschutzkennzeichnung am
Arbeitsplatz“ vom 24.06.1992 (ABL. Nr. L 245 S. 23) gekennzeichnet.

Sprengstoffsammeltransportbehälter (SSTB)

Mit verschließbaren Fächern zur Aufnahme von Tragekästen mit Sprengstoffen oder
von Sprengstoffen in der vom Hersteller angelieferten Form und Verpackung
versehener Behälter für den Transport und die Aufbewahrung von bis zu 500 kg
Sprengstoffen.

SSTB bestehen aus geeignetem Material, im Regelfall aus Stahlblech von mind. 5 mm
Wandstärke. Sie sind korrosionsgeschützt behandelt, orangefarbig oder rot lackiert und
mit der sichtbaren Aufschrift "SPRENGSTOFFE" gekennzeichnet.

Jede Behältertür ist mit zwei Sicherheitsschließanlagen gemäß den Bestimmungen des
SprengG ausgerüstet, wobei die Schlösser nur einer Schließanlage für alle Türen eines
Behälters identisch sind (Gruppenschloss).

An den Behältertüren sind innenliegende Scharniere eingebaut. Diese schließen die
Möglichkeit des Aufhebelns aus.

Standkiste

Verschließbarer Behälter aus Stahlblech für die vorübergehende Aufbewahrung von
Zündern und maximal 20 kg Sprengstoff in Tragekästen für die Dauer des Auftrages des
Sprengbeauftragten. Standkisten sind mit der Aufschrift „Sprengmittel“ versehen.

Verantwortliche Personen nach § 19 Sprengstoffgesetz (SprengG)


2. Sicherheitsvorkehrungen

Für die Überwachung der Annahme, Beförderung, Lagerung, Ausgabe und
Wiedereinnahme von Sprengmitteln sowie für die Überwachung der Sprengarbeit
werden verantwortliche Aufsichtspersonen (Sprengsteiger) bestellt , die einen
Befähigungsschein gemäß § 20 Sprengstoffgesetz besitzen. In der Regel sind dies
mindestens zwei verantwortliche Personen (Sprengsteiger), die arbeitstäglich im
Sprengrevier - möglichst auf unterschiedlichen Schichten - anwesend sind.
Ihnen werden andere Aufgaben nicht übertragen, sofern sie in Ihrer Funktion als
Sprengsteiger tätig sind. Die ständige Erreichbarkeit eines Befähigungsschein-
inhabers wird sichergestellt.

Die Annahme von Sprengstoffen und Zündmitteln erfolgt bei der Anlieferung
durch einen Befähigungsscheininhaber.

Ein Sprengsteiger sorgt dafür, dass die Annahme, der Transport, die Ausgabe und
die Wiedereinnahme von Sprengstoffen und Zündmitteln nur durch die von ihm
beauftragten Personen erfolgt. Diese Personen werden eingewiesen und ihre
Namen durch Aushang im Zugang zum Sprengmittellager bekanntgemacht.

Soweit Inhaber der Erlaubnis nach § 7 SprengG oder Sprengsteiger die Sprengarbeit
nicht selbst ausführen, werden hierfür fachkundige Personen beauftragt und nach dem
SprengG bestellt (Sprengbeauftragte).

Zur Unterstützung der Sprengbeauftragten bei der Sprengarbeit werden durch
den Inhaber der Erlaubnis oder durch eine von ihm bestellte Person weitere nach
dem SprengG bestellte Personen (Sprenghelfer) eingesetzt.

Für die Verwaltung der Sprengmittellager sowie für die Annahme und Ausgabe von
Sprengmitteln werden durch den Inhaber der Erlaubnis oder einen Sprengsteiger
– sofern sie diese Aufgaben nicht selbst wahrnehmen – fachkundige Personen
bestimmt und nach dem SprengG bestellt (Sprengmittelausgeber).

Sprengbeauftragte brauchen Sprengstoffe oder Zündmittel während der Schicht nicht
ständig zu beaufsichtigen, wenn diese in verschlossenen Standkisten aufbewahrt sind
und sie die zugehörigen Schlüssel ständig bei sich tragen.

Standkisten werden nur an einer von der zuständigen verantwortlichen Person in
Absprache mit dem Sprengsteiger festgelegten Stelle aufgestellt.

Zündmaschinen und deren Betätigungsvorrichtungen werden von den Sprengbeauftragten
unter Verschluss gehalten, sofern sie nicht von ihnen mitgeführt werden.

Sprengstoffe und Sprengschnur werden nicht mit Zündern in einem Fach untergebracht.

Es werden nur Sprengsteiger, sprengtechnisch ausgebildete verantwortliche Personen,
Sprengbeauftragte, Sprenghelfer und Sprengmittelausgeber beschäftigt, die die
erforderliche Zuverlässigkeit (Unbedenklichkeitsbescheinigung und gültige Bestellung
nach dem SprengG) besitzen und sich in der deutschen Sprache ausreichend
verständigen können. Ihnen wird eine dem jeweiligen Aufgabenbereich entsprechende
Betriebsanweisung ausgehändigt.

2.1 Befördern von Sprengstoffen und Zündmitteln

2.1.1 Anlieferung zum Sprengmittellager

Durch geeignete Maßnahmen wird sichergestellt, dass Sprengmittel von Unbefugten
weder auf das Bergwerk gebracht noch von dort entfernt werden.

Die Annahme bei der Anlieferung erfolgt durch einen Befähigungsscheininhaber.

Sprengstoffe und Zündmittel werden nach ihrer Anlieferung in Sprengmitteltransport-
behältern unverzüglich in ein Sprengmittellager gemäß Abschnitt 2.1.2 befördert.

Sofern auf dem Transportweg eine Brandgefahr auszuschließen und somit eine
Gefährdung der Beschäftigten durch Schwadenbelastung nicht gegeben ist, kann
der Transport ins Sprengmittellager auch in der vom Hersteller gelieferten Form
und Verpackung erfolgen.

2.1.2 Transport im Grubengebäude

Der Transport von Sprengstoffen und Zündmitteln wird von einer fachkundigen
und nach dem SprengG bestellten Person (Sprengbeauftragter / Sprengmittelausgeber)
begleitet und erst nach Verständigung mit der für das Transportmittel zuständigen
verantwortlichen Person durchgeführt.

Über den Beginn und die Beendigung von Sprengstoff- und Zündmitteltransporten
wird eine zentrale Stelle wie z. B. Transportleitstand oder Grubenwarte verständigt.

Der Transport von Sprengstoffen und Zündmitteln im Grubengebäude erfolgt in
Sprengmitteltransportbehältern oder Sprengstoffsammeltransportbehältern.

In einem Sprengmitteltransportbehälter werden maximal 500 kg Sprengstoff oder
Zündmittel transportiert; dies gilt nicht für die Anlieferung zum Sprengmittellager
gemäß Abschnitt 2.1.1.Zünder werden in einem separaten Behälter transportiert.

Sprengmittel oder Zündmittel werden in Sprengmitteltransportbehältern gegen
Verrutschen und Umfallen gesichert.

Sprengmitteltransportbehälter werden für den Transport anderer Gegenstände
nicht benutzt.

An eine Flurlok werden maximal 5 Transporteinheiten, davon 1 Personenwagen
und 4 Wagen mit Sprengmitteltransportbehältern/Sprengstoffsammeltransportbehälter
angehängt; dies gilt nicht für die Anlieferung zum Sprengmittellager gemäß
Abschnitt 2.1.1. Zwischen der Flurlok und dem ersten Sprengstoffwagen befindet
sich ein Wagen (z. B. Personenwagen) als Puffer.

Mit der Einschienenhängebahn/Schienenflurbahn werden maximal 4 Sprengmittel-
transportbehältern/Sprengstoffsammeltransportbehälter transportiert.

Materialtransport wird in Verbindung mit Sprengstoffen und/oder Zündmitteln
nur durchgeführt, wenn das übrige Material unbrennbar ist und bündig in
Transportbehältern geladen ist. Dabei besteht der Transportzug aus maximal
vier Transporteinheiten, wobei der Transport der Sprengmittel vorrangig
behandelt wird.

Sprengmitteltransporte werden auf einem freien Transportweg auf direktem Weg
vorrangig durchgeführt. Während des Sprengmitteltransportes ruht bis zu 100 m
Entfernung jeder andere Transport und jede andere Produktenförderung mit
Ausnahme des Betriebes von Stetigförderern. Abweichend davon ruht in
Bahnhöfen bis zu 25m Entfernung jeder andere Transport und jede andere
Produktenförderung mit Ausnahme des Betriebes von Stetigförderern.

Beim Transport werden am Anfang und Ende des Transportzuges Blinkleuchten
mitgeführt.

Andere Transportverfahren werden gesondert beantragt.

2.1.3 Mitführen im Grubengebäude

Sprengstoffe und Zündmittel werden von Sprengbeauftragten nur in verschlossenen
und dauerhaft gekennzeichneten Ttragekästen aus geeignetem stabilem Material
mitgeführt und ständig beaufsichtigt.

Für das gemeinsame Mitführen von Sprengstoffen und Zündmitteln sind Tragekästen
mit einem gesonderten Fach oder mit Zünderkästen versehen.

Sprengschnur wird zusammen mit Sprengstoffen mitgeführt.

Sprengbeauftrage führen nur Patronen von Sprengstoffen gleicher Art und Klasse
mit sich. Abweichend hiervon führen Sprengbeauftragte, die an mehreren Betriebs-
punkten Sprengarbeit durchführen, Patronen von Sprengstoffen verschiedener Art
und Klasse auf dem Wege vom Sprengmittellager zur Standkiste mit sich.

Die Schlüssel für die Tragekästen trägt der Sprengbeauftrage ständig bei sich.

2.1.3.1 In Schächten

Das Mitführen von Ttragekästen in Schächten erfolgt nach Maßgabe der Vorschriften
des § 22 Abs. 3 der Bergverordnung für Schacht- und Schrägforderanlagen (BVOS)
der Bezirksregierung Arnsberg vom 04.12.2003.

2.1.3.2 In Strecken

2.2 Aufbewahren von Sprengmitteln im Sprengmittellager

2.2.1 Lagerung im Sprengmittellager

Die Aufbewahrung der Sprengstoffe und Zündmittel erfolgt unmittelbar nach Anlieferung
im Sprengmittellager.

Der Betrieb des Lagers erfolgt nach Maßgabe der "Richtlinien der Bezirksregierung
Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, für die Errichtung und den Betrieb
von Sprengmittellagern unter Tage des Steinkohlenbergbaus" vom 23.11.2006
-83.17.15-2006-3 bzw. der "Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung
Bergbau und Energie in NRW, für die Errichtung und den Betrieb von übertägigen
Sprengmittellagern im Bereich der Bergaufsicht" vom 23.11.2006 -83.17.15-2006-1.

2.2.2 Aus- und Rückgabe von Sprengmitteln; Nachweisführung

Ausgabe und Rückgabe von Sprengmitteln erfolgen nach Maßgabe des Abschnittes 6.4
der "Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
für die Errichtung und den Betrieb von Sprengmittellagern unter Tage" vom 23.11.2006
-83.17.15-2006-3 bzw. des Abschnittes 6 der "Richtlinien der Bezirksregierung
Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, für die Errichtung und den Betrieb
von übertägigen Sprengmittellagern im Bereich der Bergaufsicht" vom 23.11.2006
-83.17.15-2006-1.

Führung, Inhalt, Aufbewahrung und Vorlage des Verzeichnisses über explosions-
gefährliche Stoffe nach § 16 des Sprengstoffgesetzes erfolgen nach den Vorschriften
der §§ 41, 42 und 44 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV)
in der jeweils gültigen Fassung.

Während der Durchführung von Sprengarbeiten ist das zugehörige Sprengstofflager
ständig belegt.

Der Umgang mit Sprengstoffen und Zündmitteln mit Mängeln der Beschaffenheit erfolgt
nach Maßgabe der "Richtlinien der Bezirksregierung Arnsberg ,Abteilung Bergbau und
Energie in NRW für das Beseitigen unbrauchbar gewordener Sprengstoffe und
Zündmittel in den der Bergaufsicht unterliegenden Betrieben (Sprengmittelbeseitungs-
Richtlinien)" vom 22.06.2005 –83.17.15-2005-1-.

Im Zugang zum Sprengstoffausgabestelle wird durch Aushang ersichtlich gemacht, wer

nach SprengG bestellt worden ist.

Für alle Betriebspunkte an denen Sprengarbeit nach Leitsprengbild oder
Sprengtafel durchgeführt wird, wird im Zugang zur Sprengmittelausgabestelle
durch Aushang (Betriebspunkttafel) bekannt gegeben, welche Sprengstoffe und
Zündmittel ausgegeben werden dürfen.

Leitsprengbilder werden unter der Angabe des Maßstabes erstellt. Falls die Länge
der Ladesäulen bestimmter Ladungen begrenzt werden muss, so werden dem
Leitsprengbild die entsprechenden Angaben beigefügt.

Das Leitsprengbild enthält folgende Angaben:

Für den Einsatz von Wettersprengschnur werden gesonderte Leitsprengbilder aufgestellt.

Der Sprengmittelausgeber gibt für Betriebspunkte, die auf der Betriebspunkttafel
aufgeführt sind, nur die dort verzeichneten Sprengstoffe oder Sprengstoffe höherer
Sicherheit (an Stelle von Gesteinssprengstoffen Wettersprengstoffe, an Stelle der
angegebenen Wettersprengstoffe solche einer höheren Klasse) aus.

Der Sprengmittelausgeber gibt für Betriebspunkte, die nicht auf der Betriebspunkttafel
aufgeführt sind, Sprengstoffe und Zündmittel nur nach Anweisung des Sprengsteigers
oder der zuständigen sprengtechnisch ausgebildeten verantwortlichen Person aus.
Wird die Anweisung vom Sprengsteiger erteilt, so bestimmt dieser die Sprengstoffart
und die zulässige Zahl der Zünderzeitstufen. Erfolgt die Anweisung durch die für den
Betriebspunkt zuständige sprengtechnisch ausgebildete verantwortliche Person, so
werden nur Wettersprengstoffe der Klasse III sowie höchstens vier aufeinander
folgende Zeitstufen von Zündern ausgegeben.

Für Sprengstoffpatronen, die nicht in Paketen ausgegeben werden, wird eine
einheitliche Kennzeichnung festgelegt.

Sprengstoffe, die nicht mehr ausgegeben werden dürfen, werden vernichtet oder
an den Hersteller zurückgegeben.

Der Sprengmittelausgeber leitet Meldungen über Anbohren oder Anfahren von
Kohle in Gesteinsbetrieben an den Sprengsteiger und die dort eingesetzten
Sprengbeauftragten weiter. Er gibt für solche Betriebspunkte Gesteinssprengstoff
nicht mehr aus. Eine erneute Ausgabe von Gesteinssprengstoffen erfolgt nur nach
Anweisung des Sprengsteigers.

Sprengstoffe und Zündmittel werden nur an der Ausgabestelle des Sprengmittellagers
empfangen oder zurückgegeben. Gegebenenfalls werden Sprengstoffe aus Sprengstoff-
sammeltransportbehältern empfangen.

Sprengbeauftragte tragen den Empfang und Weitergabe von Sprengstoffen und
Zündmitteln sofort in die für diesen Zweck ausgehändigten Sprengbücher ein.

Ein Sprengsteiger führt einen Nachweis über die mit der Durchführung von
Sprengarbeiten beauftragten Personen (Sprengbeauftragte). Er gibt diese Personen
durch Aushang an der Ausgabestelle des Sprengmittellagers bekannt.

In begründeten Einzelfällen veranlasst ein Sprengsteiger eine einmalige Weitergabe von
Sprengmitteln vor Ort zwischen zwei Sprengbeauftragten. Jede Weitergabe wird neben
den jeweiligen Sprengbüchern auch im Verzeichnis dokumentiert.

2.3 Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von Sprengstoffsammel-
        transportbehältern (SSTB)

2.3.1 Allgemeines

SSTB dienen ausschließlich dem Transport und der befristeten Aufbewahrung von
maximal 500 kg Sprengstoff an festgelegten Standorten in Sprengbetrieben. Ein
Einsatzdiagramm für die Verwendung von SSTB ist in Bild 1 dargestellt.

Alle am Umgang mit SSTB beteiligten Personen werden entsprechend unterwiesen.

Dem Alarmplan des Bergwerks wird eine Liste mit den SSTB-Standorten beigefügt.

Die Einsatzorte der SSTB werden der zuständigen Aufsichtsbehörde angezeigt.

Die Entnahme von Sprengstoffen erfolgen nur durch die zuständigen Sprengbeauftragten
zusammen mit der für den Betriebspunkt zuständigen sprengtechnisch ausgebildeten
verantwortlichen Person. Die Entnahme erfolgt erst unmittelbar vor der Aufnahme der
Sprengarbeit.

An Tagen der Betriebsruhe werden die Standorte der SSTB nach längstens 3 Tagen
geräumt oder von einer verantwortlichen Person nach SprengG, ausgenommen
Sprenghelfer, befahren.

2.3.2 Anforderungen an SSTB-Standorte

2.3.2.1 Ortsgebundene Standorte

SSTB werden gegen mechanische Einwirkungen geschützt und mindestens 200 m
in gerader Richtung von der Sprengstelle entfernt abgestellt. Der Aufstellungsort wird
vom Sprengsteiger so festgelegt, dass Streckenfördereinrichtungen den Behälter nicht
gefährden können. Der Standort wird unmittelbar beleuchtet, ausgeschildert und mit
einem Telefonanschluß oder einer gleichwertigen Verständigungsanlage versehen.

Die Standorte von SSTB weisen untereinander einen Abstand von mindestens 100 m
(Streckenmetern) auf, sofern sie nicht durch eine Bergfeste von mindestens 5 m
getrennt sind. Je Sprengvortrieb werden maximal zwei SSTB-Standorte vorgesehen.

Brennbare Stoffe werden im Umkreis von 30 Metern um den Aufstellungsort nicht
gelagert.

In unmittelbarer Nähe von Aufstellungsorten der SSTB werden beidseitig
Feuerlöscher (BuT) bereitgehalten. Frischwetterseitig wird ein Löschwasseranschluss,
an welchem ein Feuerlöschschlauch mit Sprühstrahlrohr angeschlossen ist, vorgehalten.

Vorgenannte Punkte werden arbeitstäglich von einer sprengtechnisch ausgebildeten
verantwortlichen Person geprüft. Das Prüfergebnis wird am SSTB auf einer Tafel
vermerkt.

In Strecken mit Gurtförderern wird eine eindeutige CO-Überwachung des
SSTB-Standortes mit maximal 15 Minuten Zeitverzögerung gewährleistet.

In Bereichen erkannter Gebirgsschlagsgefahr oder Gasausbruchsgefahr werden
SSTB nicht verwendet.

2.3.2.2 Ortsveränderliche Standorte

Die Anforderungen nach Abschnitt 2.3.2.1 werden erfüllt; abweichend von
Absatz 1 beträgt der Mindestabstand von der Sprengstelle 130 m und abweichend
von Absatz 4 braucht ein Feuerlöschschlauch mit Sprühstrahlrohr nicht vorgehalten
zu werden.

SSTB-Standorte werden so errichtet, dass

Vorgenannte Punkte werden arbeitstäglich von einer sprengtechnisch ausgebildeten
verantwortlichen Person geprüft. Das Prüfergebnis wird am SSTB auf einer Tafel
vermerkt.

2.3.2.3 Be- und Entladen von SSTB im Betrieb

Werden SSTB im Betrieb Be- oder Entladen, wird über die daran beteiligten
Personen ein schriftlicher Nachweis geführt. Befindet sich der SSTB über einer
Bandanlage, erfolgt das Be- und Entladen von Sprengstoffen nur bei stillgesetzter
Bandanlage. Für die mit dem Be- und Entladen beschäftigten Personen wird eine
sichere Standfläche errichtet.

2.3.3 Anforderungen an die Nachweisführung

Für den Einsatz von SSTB wird neben dem Sprengstoffverzeichnis des Spreng-
mittellagers ein gesondertes Verzeichnis nach den Vorgaben des § 16 SprengG i.V.
mit den §§ 41 und 42  1.SprengV geführt.

Jede Umlagerung von Sprengstoffen zwischen Sprengmittellager und SSTB wird
in den o. g. Verzeichnissen dokumentiert. Jede Umlagerung wird von zwei
beauftragten fachkundigen Personen durchgeführt und in den Verzeichnissen durch
Unterschrift bestätigt. Die Höchstlagermenge der Sprengmittellager wird unter
Berücksichtigung der Aufbewahrungsmenge der SSTB nicht überschritten.

Im Verzeichnis des SSTB wird neben dem Gesamtbestand auch der Sprengstoff-
bestand (Art, Menge, Nummerierung) der einzelnen Fächer aufgelistet. Dann wird
jedem Fach des SSTB ein Packzettel beigefügt, aus dem der Sprengstoffbestand
(Art, Menge, Nummerierung) des jeweiligen Fachs hervorgeht.

Jede Entnahme von Sprengstoffen wird am SSTB im Sprengbuch des Spreng-
beauftragten und auf dem Packzettel dokumentiert. Der Packzettel wird von der
zuständigen verantwortlichen Person abgezeichnet.

Nach Rückkehr des Sprengbeauftragten in das Sprengmittellager werden nicht
verbrauchte Sprengstoffe vom Sprengbeauftragten zurückgegeben und vom
Sprengmittelausgeber die Angaben aus dem Sprengbuch des Sprengbeauftragten
in das Verzeichnis des SSTB übertragen und damit der aktuelle Sprengstoff-
bestand im SSTB ausgewiesen.

Jeder Zugriff auf eine Behältertür am SSTB erfolgt gemeinsam durch die zuständige
sprengtechnisch ausgebildete verantwortliche Person (Gruppenschlüssel) und den
Sprengbeauftragten (Fachschlüssel). Gleichzeitig wird für jedes Fach nur ein
Fachschlüssel ausgegeben.

Die Ausgabe von Schlüsseln für die Fächer des SSTB wird dokumentiert.

2.4 Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung von Sprengmitteln

2.4.1 Durchführung der Sprengarbeit

Mit der Durchführung von Sprengarbeiten werden nur Personen beauftragt,
die entsprechend Punkt 3”Ausbildung” des Musterbetriebsplanes ausgebildet und
unterwiesen sind (Siehe auch § 6 ABBergV und § 14 Gefahrstoffverordnung).

Jedem Sprengbeauftragten wird ein Sprengbuch zum Nachweis des Empfangs und
des Verbrauchs von Sprengstoffen und Zündmitteln ausgehändigt. Sprengbücher
werden nach der letzten Eintragung noch mindestens 6 Monate aufbewahrt.

Bei planmäßiger Sprengarbeit in Vortrieben der Aus- und Vorrichtung wird diese
nach dem für den Betriebspunkt festgelegten Leitsprengbild durchgeführt.

Nicht planmäßige Sprengarbeit wird nur nach Anweisung des Sprengsteigers oder
der zuständigen sprengtechnisch ausgebildeten verantwortlichen Person durchgeführt.
Wird die Anweisung durch den Sprengsteiger erteilt, so bestimmt dieser die
Sprengstoffart. Bei Anweisung durch die zuständige sprengtechnisch ausgebildete
verantwortliche Person werden nur Wettersprengstoffe der Klasse III sowie
höchstens vier aufeinander folgende Zeitstufen von Zündern eingesetzt.

Bei voraussichtlich notwendig werdender Fortsetzung der Sprengarbeit wird der
Betriebspunkt durch den Sprengsteiger mit einer Sprengtafel versehen, auf der
mindestens die zu verwendende Sprengstoffart und die Zünderzeitstufen sowie
der maximal zulässige CH4-Gehalt angegeben sind.

Sprengbeauftragte, die diese Tätigkeit länger als 6 Monate nicht ausgeübt haben,
werden vor der Wiederaufnahme der Tätigkeit erneut durch einen Sprengsteiger
unterwiesen.

Zündleitungen werden vor jeder Verwendung durch den Sprengbeauftragten
geprüft. Sie weisen einen Abstand von mindestens 30 cm zu anderen elektrischen
Leitungen auf.

Als Zündleitungen, die nicht fest verlegt sind, werden nur Stegzündleitungen oder
verseilte Leitungen verwendet. Ihre Unversehrtheit wird durch die Spreng-
beauftragten vor jeder Verwendung geprüft.

In Aus- und Vorrichtungsbetrieben und in Betrieben mit Parallel- und Dreiantennen-
schaltung werden die Zündleitungen fest verlegt.

Beim Abteufen von Tages- und Blindschächten werden als Zündleitungen nur
selbsttragende, mehradrige Gummischlauchleitungen oder selbsttragende Leitungs-
trossen verwendet.

Metallisch leitende Verbindungen von Zündleitungen, Verlängerungsdrähten und
Zünderdrähten werden durch verdrillen hergestellt und mit lsolierhülsen versehen
oder die Verbindung wird mit isolierenden Schneidklemmverbindern hergestellt;
dies gilt nicht für Zünderdrähte bei der Parallelschaltung.

Mit der Überwachung des Sprengbetriebes können Lehrsprengbeauftragte durch
einen Sprengsteiger betraut werden.

Sprengbeauftragte führen Sprengarbeit nur an den im Auftrag bezeichneten
Betriebspunkten durch. Nach dem Erhalt des Sprengauftrages und dem Empfang
der Sprengmittel im Sprengstofflager sind die Sprengbeauftragten vom Lohn der
Belegschaft des Betriebspunktes, an dem sie Sprengarbeit durchführen, unabhängig.

Der Nachtrag des Verbrauches des Sprengstoffes und der Zündmittel erfolgt jeweils
vor dem Zünden. Spätestens vor dem Wegladen des Haufwerks werden die
Sprengbücher vollständig abgeschlossen.

Sprengbeauftragte verwenden die empfangenen Sprengmittel nur zu der ihnen
aufgetragenen Sprengarbeit.

Einmal begonnene Sprengarbeit wird ohne Unterbrechungen zu Ende geführt.

Sprengbeauftragte geben empfangene Sprengstoffe an andere Personen nur auf
Anweisung eines Sprengsteigers weiter. Dies gilt nicht für die unmittelbar vor der
Verwendung am Betriebspunkt erfolgende Weitergabe an Personen (Sprenghelfer),
die an der Sprengarbeit beteiligt werden dürfen.

Bei planmäßiger Sprengarbeit führen die Sprengbeauftragten die Sprengarbeit nach
dem für den Betriebspunkt geltenden Leitsprengbild durch.

Sprengbeauftragte beteiligen beim Laden und Besetzen der Sprengbohrlöcher und
Verbinden der Zünderdrähte untereinander sowie der Zünderdrähte mit den Antennen
bei der Sprengarbeit nur von einem Sprengsteiger benannte und nach SprengG
bestellte Personen (Sprenghelfer). Die Gesamtzahl der Sprenghelfer ist dabei auf
vier Personen begrenzt.

Die an der Durchführung der Sprengarbeit beteiligten Personen (Sprenghelfer)
werden namentlich im Sprengbuch erfasst und durch Unterschrift bestätigt.
Sie befolgen die Anweisungen des Sprengbeauftragten.

Sprengbeauftragte verrichten auch bei der Beteiligung anderer Personen
(Sprenghelfer) an der Sprengarbeit folgende Arbeiten immer selbst:

Sprengbeauftragte stellen vor Aufnahme der Sprengarbeit fest, ob

Sprengbeauftragte stellen vor dem Laden der Bohrlöcher fest, ob die Bohrarbeiten
und Hinterfüllarbeiten beendet und die für die Sprengarbeit nicht benötigten
Gegenstände von der Sprengstelle entfernt worden sind.

Vor Beginn des Ladens der Bohrlöcher vergewissern sich die Sprengbeauftragten,
dass an der Sprengstelle und im Umkreis von 30 m Druckluft nicht frei ausströmt.

Sprengbeauftragte laden nur so viele Bohrlöcher, wie sie Ladungen in einem
Zündgang zu zünden beabsichtigen und mit der Zündmaschine unter Berück-
sichtigung der Höchstwiderstände zünden dürfen.

Die Schlagpatrone wird als erste Patrone in das Bohrloch eingeführt; dabei ist der
Boden des Zünders zum Bohrlochmund gerichtet.

In jedes Bohrloch wird nur eine Schlagpatrone mit nur einem Zünder eingebracht.

Sprenghelfer führen nach Anweisung des Sprengbeauftragten bei der Sprengarbeit
folgende Arbeiten durch:

Isolierungen der Zünderdrahtenden werden erst unmittelbar vor dem Verdrillen entfernt.
Die Verbindungsstellen werden bei der Reihenschaltung sofort mit Isolierhülsen versehen.
Isolierende Schneidklemmverbinder werden ebenfalls verwendet.

Ein Sprengsteiger veranlasst, dass im Sprengvortrieb und in benachbarten Grubenbauen
bei Abständen von weniger als 20 m für die Dauer der Sprengarbeit keine Arbeiten
durchgeführt werden, welche den Sprengbetrieb gefährden. Diese Grubenbaue werden
vor dem Zünden geräumt. Es werden in ausreichender Anzahl Personen zum Absperren
vor dem Zünden zur Verfügung gestellt.

2.4.2 Verwendung von Sprengstoffen

Mit Gesteinssprengstoff wird nur in reinen Gesteinsbetrieben gesprengt.

Ein reiner Gesteinsbetrieb ist ein Betrieb, in dem

  1. an der Ortsbrust auch Spuren von Kohle nicht sichtbar sind,
  2. im Bereich des geplanten Abschlages und 1 m darüber hinaus nicht mit dem
    Auftreten von Kohle zu rechnen ist,
  3. im Umkreis von 3 m um den Streckenquerschnitt das Anstehen von Kohle
    über 0,2 m Mächtigkeit nicht zu erwarten ist,
  4. alte Grubenbaue mehr als 10 m Abstand haben,
  5. kein flugfähiger Kohlenstaub vorhanden ist.

Sprengstoffe werden nur nach den Bestimmungen der nachfolgenden Sprengtabelle
verwendet:

 

Betriebspunkte

CH4-Gehalt
der Wetter [%]

Sprengstoffart und
Sprengstoffklasse

1

Gesteinsbetriebe ohne Kohle
(mit Ausnahme der Aufbrüche)

bis 0,5
unter 1,0

G
W I

2

Grubenbaue mit anstehender Kohle
mit Ausnahme der in Zeile 3
aufgeführten Grubenbaue

bis 0,3
bis 0,5
unter 1,0

W I
W II
W III

3

Aufbrüche, Aufhauen, Abhauen,
Kohlenstoß und Nebengestein in
Streben, vorgesetzte Abbaustrecken

unter 1,0

W III 1


1 Der Einsatz von W I und W II ist unter Verwendung von Explosionsschutz nach Bauart 4.1
   und Staubbindeverfahren nach den entsprechenden CH4-Werten gemäß Zeile 2 möglich



Die angegebenen CH4-Gehalte gelten für die Sprengstelle, die Grubenbaue im Umkreis
von 10 m sowie auf 30 m in gerader Richtung.

Kurzbezeichnungen:
G:          Gesteinssprengstoff
W I:       pulverförmiger Wettersprengstoff der Klasse I
W II:      pulverförmiger Wettersprengstoff der Klasse II
W III:     pulverförmiger Wettersprengstoff der Klasse III

Es werden nur schlagwettersichere (sws) elektrische Moment- und Kurzzeitzünder
eingesetzt. In Betrieben mit anstehender Kohle werden innerhalb der Zündfolge keine
Zeitstufen ausgelassen. Die Wettersprengstoffe entsprechen hinsichtlich Zusammen-
setzung und Beschaffenheit der DIN 20164, Teil 1 in der zurzeit gültigen Fassung.

2.4.3 Absperrposten

Die Sprengstelle wird durch Absperrposten, die sich ausreichend in der deutschen Sprache
verständigen können und vom Sprengbeauftragten vor Ort eingewiesen werden, gesperrt.

Die Absperrposten werden im Sprengbuch des Sprengbeauftragten namentlich erfasst
und durch Unterschrift bestätigt.

Auf dem Weg zu dem vom Sprengbeauftragten angewiesenen Standort nimmt der
Absperrposten alle Personen mit und lässt keine Personen mehr vorbei.

Wenn der Absperrposten den ihm angewiesenen Standort erreicht hat, setzt er die ihm
vom Sprengbeauftragten ausgehändigte Rotlichtkappe auf die Kopflampe und lässt
keine Person in Richtung Sprengstelle durch.

Der Absperrposten gibt dem Sprengbeauftragten das zuvor vereinbarte Signal über die
erfolgte Absperrung der Sprengstelle.

Der Absperrposten hebt die ihm angewiesene Absperrung erst auf, wenn er vom
Sprengbeauftragten dazu aufgefordert wird.

2.4.4 Vermeidung von Gefährdungen durch Sprengschwaden

Der Schutz der Belegschaft vor einer Gefährdung durch Sprengschwaden erfolgt
nach den von Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW,
erlassenen "Sprengschwaden-Richtlinien" vom 25.09.2002 – 83.17.8-2002-9 -.

2.4.5 Fund von Sprengstoffresten und Feststellen von Versagern;
           Außergewöhnliche  Vorkommnisse

Werden beim Wegfüllen des Haufwerks Sprengstoffreste oder Zündmittelreste
gefunden, so werden diese sichergestellt, und die zuständige verantwortliche Person
wird unverzüglich verständigt. Werden Sprengstoffe oder Zündmittel außerhalb der
Sprengstelle gefunden, so wird unverzüglich die nächste erreichbare verantwortliche
Person verständigt.

Der Verlust von Sprengstoffen, Zündmitteln und Zündmaschinen wird unverzüglich
der nächst erreichbaren verantwortlichen Person gemeldet. Außerdem wird der
Verlust einem Sprengsteiger oder dem Sprengmittelausgeber zur Weiterleitung an
einen Sprengsteiger gemeldet.

Sprengbeauftragte vereinnahmen Sprengstoffe, Zündmittel und Zündmaschinen, die
außerhalb einer Sprengstelle gefunden werden und geben diese im Sprengmittellager
ab.

Bei Feststellung eines Versagers wird die Sprengstelle geräumt und abgesperrt.
Es werden unverzüglich die zuständige verantwortliche Person und ein Spreng-
beauftragter hinzugezogen. Der Sprengsteiger wird über aufgetretene Versager in
Kenntnis gesetzt.

Ein Sprengsteiger meldet außergewöhnliche Vorkommnisse beim Umgang mit
Sprengstoffen, Zündmitteln und Zubehör oder deren Verwendung, den Verlust
von Sprengstoffen, Zündmitteln oder Zündmaschinen sowie den Fund von
Sprengstoffen oder Zündmitteln außerhalb einer Sprengstelle unverzüglich der
Werksleitung und der zuständigen Behörde. Die Meldung enthält alle über das
Ereignis bekannten Tatsachen.

2.4.6 Verhalten bei erkannter Gasausbruchsgefahr

Bei erkannter Gausausbruchsgefahr wird entsprechend den Gasausbruchs-Richtlinien
der Bezirksregierung Arnsberg vom 29.05.1996 in ihrer jeweils aktuellen Fassung
verfahren.

Insbesondere wird der Aufenthalt von Personen in den Grubenbauen, in denen
infolge des Sprengens ein plötzliches Auftreten sauerstoffarmer oder explosions-
gefährlicher Gasgemische im freien Querschnitt der Grubenbaue zu befürchten ist,
vermieden. Lässt sich dies wegen zu großer Entfernungen bei der Auffahrung
nicht vermeiden, so werden diese Personen vor der Zündung der Ladungen in
Überdruckkammern vor den Auswirkungen eines Gasausbruches geschützt
untergebracht. Die Grubenbaue werden frühestens 30 Minuten nach der Zündung
wieder betreten, dies gilt analog für das Verlassen der Überdruckkammern.

In Gesteinsstreckenvortrieben wird von Gesteinssprengstoff auf Wettersprengstoff
umgestellt.

SSTBs werden aus dem gefährdeten Bereich entfernt.

Die elektrischen Anlagen in der Sonderbewetterung werden vor dem Zünden
abgeschaltet, sofern es sich nicht um eigensichere Anlagen der Gerätegruppe I,
Kategorie M 1, handelt. Das Wiedereinschalten erfolgt erst nach Freigabe durch
die verantwortliche Person.

2.4.7 Entspannungssprengen

Die Vorgehensweise beim Entspannungssprengen erfolgt nach Maßgabe der
Entspannungssprengen-Richtlinien des Landesoberbergamts NRW vom
31.10.2000 -18.22.3-2000-1.

2.4.8 Elektromagnetische Beeinflussung

Um elektromagnetische Beeinflussung bei der Verwendung von Sprengzündern
zu vermeiden, werden folgende Sicherheitsabstände zur Zündanlage und bei der
Durchführung von Sprengarbeit eingehalten:

- Umrichtermotoren:

Bei einem elektromagnetisch abstrahlenden Betriebsmittel (z.B. Walzen-, Strebpanzer
– oder Hobelmotoren, genannt Umrichter > 100 KW) wird dieses vor Aufnahme der
Sprengarbeit an der Stillsetzeinrichtung (Notausschalter) abgeschaltet und gegen
Wiedereinschalten gesichert, sofern es sich näher als 10 m zu der Sprengstelle befindet.
In Betriebspunkten, in denen mehrere Umrichter direkt in unmittelbarer Nähe
(Radius 10 m zu den Bestandteilen der Zündanlage) betrieben werden, werden diese
vor Aufnahme der Sprengarbeit an der Stillsetzeinrichtung (NA)abgeschaltet und gegen
Wiedereinschalten gesichert.

- Funkanlagen

Bei folgenden Funkanlagen wird ein Sicherheitsabstand zur Sprengstelle und zur
Zündanlage von 1 m eingehalten:

WLAN-Access point Typ AP01-X

Lokfunk Typ MR 90

Walzenfernsteuerung, Handfunkgeräte, PDA usw.

-elektrische Betriebsmittel

Der Sicherheitsabstand von 1 m zwischen dem elektrischen Betriebsmittel bzw. der
Antenne des Betriebsmittels und Teilen der Zündanlage wird eingehalten, sofern kein
anderer Mindestabstand angegeben ist. Dieses gilt auch für kurzzeitiges Absetzen des
Transportbehälters. Dieser Sicherheitsabstand gilt nicht für Zünder im Transport,
sofern diese in Drahtpuppen gewickelt sind und in den dafür vorgesehenen
Behältnissen transportiert werden.

3. Ausbildung

Die im Sprengwesen beschäftigten Personen werden nach einem der Bezirksregierung
Arnsberg anzuzeigenden "Plan für Grundlehrgänge und Wiederholungslehrgänge im
Sprengwesen des Steinkohlenbergbaus" ausgebildet.

 

Anlagenverzeichnis:

      Bild1: Einsatzdiagramm für SSTB


Bild 1 Einsatzdiagramm


Beantragung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung für Sprengarbeiten

 

Nebenstehend finden Sie Vordrucke zur Beantragung von Unbedenklichkeitsbescheinigungen
für Sprengarbeiten.

(Einzelantrag und Sammelantrag)

Diese senden Sie bitte ausgefüllt an:

marietta.winter@bezreg-arnsberg.nrw.de

oder an: sven.laser@bezreg-arnsberg.nrw.de

 

 

Bezirksregierung Arnsberg
Abteilung Bergbau und Energie
Im Auftrag:

K ü g l e r