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Plan für das Grubenrettungswesen Esco Borth

 

 

Plan für das Grubenrettungswesen, RAG / esco - Werk Borth

Ausgabe September 2012

Inhaltsverzeichnis:

1    AUFGABEN

2    STÄRKE UND ZUSAMMENSETZUNG DER GRUBENWEHR

2.1  Stärke der Grubenwehr
2.2  Zusammensetzung
2.3  Sondermitglieder

3    GRUBENWEHRMITGLIEDSCHAFT

3.1 Aufnahme in die Grubenwehr
3.2 Ausscheiden aus der Grubenwehr
3.3 Arbeitsmedizinische Untersuchung

4   AUSBILDUNG

4.1    Grundausbildung
4.1.1 Theoretischer Teil
4.1.2  Praktischer Teil
4.1.3  Abschluss der Grundausbildung
4.2    Aus- und Fortbildung der Gerätewarte
4.3    Aus- und Fortbildung der Oberführer und Truppführer
4.4    Nachschulung der Oberführer, Truppführer und Wehrmänner
4.4.1 Allgemeines
4.4.2 Übungen
4.4.3 Unterweisungen

5     PFLICHTEN DER GRUBENWEHRMITGLIEDER

5.1  Grubenwehrmitglieder
5.2  Gerätewarte
5.3  Truppführer
5.4  Oberführer
5.5  Stellvertretende Oberführer

6     AUSRÜSTUNG UND EINRICHTUNGEN DER GRUBENWEHR

6.1  Atemschutzgeräte der Grubenwehr
6.2  Sonstige Ausrüstung
6.3  Grubenrettungsstelle

7     EINSATZ DER GRUBENWEHR

7.1  Alarmierung
7.2  Einsatzleitung
7.3  Einsatzgrundsätze
7.3.1 Allgemeines
7.3.2 Ersteinsatz / Erkundungseinsatz
7.3.3 Stationärer Grubenwehreinsatz
7.3.4 Geplante Einsätze der Grubenwehr
7.3.5 Regenerationsgeräte für Arbeit und Rettung
7.4    Einsatz ohne Atemschutzgerät

8    HILFELEISTUNG

9    STÖRUNGEN / UNFÄLLE MIT ATEMSCHUTZGERÄTEN

10  NACHWEISUNGEN

11  RETTUNGSWERK

12  BETEILIGUNG DER HAUPTSTELLEN FÜR DAS GRUBENRETTUNGSWESEN

 

ANLAGEN

Anlage 1   Grundausbildung Wehrmann, Ausbildungsplan
Anlage 2   Grubenwehrübungen
Anlage 3    Nachschulung in der Nothilfe
Anlage 4    Vorschriften für das Anlegen von Atemschutzgeräten
Anlage 5    Regeln für das Prüfen und Warten von Geräten der Grubenwehr
Anlage 6    Einsatzzeittabelle für Grubenwehren im Salzbergbau
Anlage 7a   Meldung über den Einsatz der Grubenwehr mit Atemschutzgeräten
Anlage 7b   Meldung über Störungen an Atemschutzgeräten/ Unfälle mit Atemschutzgeräten
               der Grubenwehr
Anlage 8    An die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
Anlage 9    Fitnesstest der Grubenwehr

 

 

1 Aufgaben

Die Grubenwehr wird unter Tage eingesetzt zur Rettung und Bergung von Menschen und
zur Erhaltung von Sachwerten nach Explosionen sowie bei Grubenbränden und anderen
Ereignissen, bei denen eine Gefährdung durch schädliche Gase, Sauerstoffmangel oder
Grubenwasser eintreten kann.

 

2 Stärke und Zusammensetzung der Grubenwehr

2.1 Stärke der Grubenwehr

Die Planstärke der Grubenwehr des Steinsalzbergwerkes Borth beträgt 22 Personen.

Ein Trupp besteht aus einem Truppführer und vier Wehrmännern.

Die tatsächliche Stärke der Grubenwehr (Iststärke) kann bis zu 25% über der Planstärke
liegen, um auch bei unvorhersehbarem Ausscheiden von Grubenwehrmitgliedern die
Planstärke einzuhalten. Eine Planstärke von 25 Personen wird angestrebt.

 

2.2 Zusammensetzung

Die Grubenwehr setzt sich wie folgt zusammen:

1 Oberführer

2 stellvertretende Oberführer nehmen auch die Funktion der Truppführer wahr

3 Truppführer

16 Wehrmänner

1 Hauptgerätewart (kann Wehrmann sein), möglichst techn. Berufsausbildung

4 Gerätewarte (kann Wehrmann sein) s. HGW.

Oberführer, stellvertretende Oberführer und Truppführer sind verantwortliche Personen.
Die für den Einsatz der Grubenwehr notwendigen Beschäftigungsgruppen des
Grubenbetriebes sind in der Grubenwehr vertreten.

2.3 Sondermitglieder

Sondermitglieder sind Mitglieder der Grubenwehr, die für den Ersteinsatz der Grubenwehr
nicht zur Verfügung stehen, da sie auch für andere Aufgaben im Rahmen des Rettungswerks
benötigt werden.

- Vertreter der Werksleitung,
- Bereichsleiter,
- Wetteringenieur des Bergwerks,
- Markscheider,
- Abteilungsleiter Wettertechnik,
- Gerätewart,
- Schriftführer.

Im Mitgliederverzeichnis werden sie entsprechend ihrer Grubenwehrausbildung geführt und
ggf. zusätzlich als Sondermitglied gekennzeichnet. Sondermitglieder zählen nicht zur Planstärke.
Die für Mitglieder der Grubenwehr geltenden Regelungen bleiben unberührt.

 

3 Grubenwehrmitgliedschaft

3.1 Aufnahme in die Grubenwehr

Der Beitritt zur Grubenwehr ist freiwillig. Bewerbungen um Aufnahme werden an den Oberführer
gerichtet. In die Grubenwehr werden als Wehrmänner nur Personen aufgenommen, die

- mindestens 18 Jahre alt sind,

- im Jahr vor der Aufnahme unter Tage gearbeitet haben und insgesamt mindestens 1 Jahr
  unter Tage gearbeitet haben. Diese Voraussetzung gilt nicht für Arbeitsmediziner als Sonder-
  mitglieder und Gerätewarte.

- nach ärztlicher Bescheinigung für den Dienst in der Grubenwehr geeignet sind (Abschnitt 3.3),

- gem. Abschnitt 4.1 des Plans ausgebildet wurden.

Nach Abschluss der Grundausbildung sind die Anwärter mit der Eintragung in die Mitgliederkartei
in die Grubenwehr aufgenommen. Als Eintrittsdatum gilt dann der Tag der ersten Grubenwehrübung.
Bei der Aufnahme wird ihnen der Plan für das Grubenrettungswesen ausgehändigt, dessen Empfang
sie durch Unterschrift bestätigen. Aus den “Pflichten der Grubenwehrmitglieder“ (Kapitel 5) ergibt
sich die für Grubenwehrmitglieder verbindliche Betriebsanweisung.

In die Grubenwehr eines Bergwerks werden nur Mitarbeiter des Bergwerks aufgenommen

Bei Verlegung wechselt ein Grubenwehrmitglied in die Grubenwehr des aufnehmenden Bergwerks.
Bei einem unverzüglichen Wechsel (innerhalb von 3 Monaten) handelt es sich um eine Übernahme,
für die die Aufnahmekriterien nicht gelten. Die Entscheidung über die Übernahme obliegt dem
Oberführer der übernehmenden Grubenwehr in Abstimmung mit der Werksleitung. Bei Verlegung
in einen Servicebereich können Grubenwehrmitglieder in der Grubenwehr eines Bergwerkes
verbleiben, wenn ihr Arbeitsplatz überwiegend auf dem Bergwerk ist.

3.2 Ausscheiden aus der Grubenwehr

Die Mitgliedschaft endet

  • mit dem Wechsel von einem Bergwerk zu einer anderen Organisationseinheit der K+S,
    sofern der neue Arbeitsplatz nicht weiterhin überwiegend auf dem Bergwerk ist. Unter
    Wechsel ist hierbei die Aufnahme der Tätigkeit zu verstehen. In Abstimmung mit dem
    Oberführer und der Werksleitung kann die Grubenwehrmitgliedschaft (ausschließlich als
    ordentliches Mitglied) zeitlich befristet bestehen bleiben.

  • durch Austritt

  • wenn der Arzt bescheinigt, dass ein Mitglied aufgrund der arbeitsmedizinischen Untersuchung
    oder eines wiederholt nicht bestandenen Fitnesstests nach 3.3 dauernd für den Dienst in
    der Grubenwehr nicht mehr geeignet ist.

  • bei Ausscheiden aus dem Unternehmen

  • durch Ausschluss

  • durch Tod.

Der Ausschluss eines Grubenwehrmitgliedes ist zulässig, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.
Ein wichtiger Grund kann insbesondere dann vorliegen, wenn das Grubenwehrmitglied sein
jährliches Übungssoll nicht erfüllt. Vor der Ausschließung wird dem Mitglied Gelegenheit zur
Stellungnahme gegeben. Der Ausschluss wird dem Betroffenen durch den Oberführer schriftlich
mitgeteilt.

3.3 Arbeitsmedizinische Untersuchung

Bewerber und Mitglieder der Grubenwehr werden auf Eignung für den Dienst in der Grubenwehr
nach dem "Plan für die Durchführung der ärztlichen Untersuchung" untersucht. Nachuntersuchungen
für Mitglieder erfolgen spätestens vor Ablauf von 24 Monaten. Mitglieder vor Vollendung des
21. Lebensjahres und nach Vollendung des 40. Lebensjahres werden vor Ablauf von 12 Monaten
untersucht.

Nach Krankheiten und Unfällen, die eine wesentliche Beeinträchtigung für den Dienst in der
Grubenwehr verursachen können, wird eine erneute ärztliche Untersuchung auf Eignung
durch den Oberführer veranlasst. Erst nach Bestätigung der Eignung durch den Arzt kann der
Dienst in der Grubenwehr wieder aufgenommen werden.

Jedes Grubenwehrmitglied nimmt gemäß Anlage 9 an einem Fitnesstest teil, der im Abstand von
längstens 2 Jahren wiederholt werden muss. Grubenwehrmitglieder über 50 Jahre müssen diesen
Test jährlich absolvieren. Das Ergebnis ist dem Arzt bei der jeweils nächstfolgenden arbeits-
medizinischen Untersuchung vorzulegen.

4 Ausbildung

4.1 Grundausbildung

Die Grundausbildung der Grubenwehrmitglieder soll bei der zuständigen Hauptstelle für das
Grubenrettungswesen durchgeführt werden. Die Ausbildung umfasst mindestens 40 Stunden
und gliedert sich in einen theoretischen und praktischen Teil.

Für die Ausbildung im Atemschutz sind nach BGR 190 mindestens 20 Stunden durchzuführen.
Wird die Grundausbildung innerhalb der Grubenwehr durchgeführt, so sind die Ausbildungszeiten
innerhalb eines halben Jahres abzuleisten und zu dokumentieren (Anlage 1). Zusätzlich wird
jedes Grubenwehrmitglied zum Nothelfer ausgebildet.

4.1.1 Theoretischer Teil

In der theoretischen Ausbildung werden folgende Themen behandelt:

  • Allgemeines über Atemschutz, Atmung des Menschen;

  • Schädliche Gase und Sauerstoffmangel;

  • Belastung im Grubenwehreinsatz, Ausdauertraining, Klimabelastung im Einsatz;

  • Einteilung der Atemschutzgeräte, Aufbau und Wirkungsweise der vorhandenen
    Atemschutzgeräte, Anlegen von Atemschutzgeräten;

  • Plan für das Grubenrettungswesen;

  • Pflichten der Grubenwehrmitglieder;

  • Einsatzgrundsätze;

  • Ersteinsatz der Grubenwehr im Ernstfall, Alarmierung, Ausrüstung Trupp 1 – 4;

  • Einrichten der Bereitschaftsstelle;

  • Wiederbelebung mit dem Wiederbelebungsgerät der Grubenwehr;

  • Benutzung des Defibrillators;

  • Zusammensetzung von Grubenwettern, Grubenbrandgasen und Explosionsschwaden;

  • Messgeräte der Grubenwehr mit praktischer Handhabung;

  • Gasprobenahme für Vollanalysen;

  • Grubenbrände – Ursachen, Vorbeugung und Brandbekämpfung;

  • Grubenwehrausrüstung zur Brandbekämpfung;

  • Bau von Dämmen und Verschlägen;

  • Grubenbild und Wetterführung;

  • Erfahrungen aus Einsätzen.

4.1.2 Praktischer Teil

In der praktischen Ausbildung werden die Grubenwehrmänner an das Arbeiten mit angelegtem
Atemschutzgerät gewöhnt. Es werden eine Gewöhnungsübung im Regenerationsgerät, eine
Standardübung und eine Löschübung durchgeführt.

4.1.3 Abschluss der Grundausbildung

Die Anwärter werden in die Grubenwehr aufgenommen, wenn sie die erforderlichen Kenntnisse
nachgewiesen (theoretische Prüfung) und die Standardübung ohne Unterbrechung und Beanstandung
durchgeführt haben.

4.2 Aus- und Fortbildung der Gerätewarte

Als Gerätewarte werden nur Grubenwehrmitglieder ausgebildet, die

  • bereits ein Jahr als Wehrmann in der Grubenwehr waren,

  • nach ärztlicher Bescheinigung keine Lungentuberkulose, übertragbare Hautkrankheiten
    oder Infektionskrankheiten haben, die der Prüfung und Wartung von Atemschutzgeräten
    entgegenstehen.

Gerätewarte werden bei der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen in einem
Grundlehrgang ausgebildet und in Zeitabständen von längstens vier Jahren nachgeschult.

Der Hauptgerätewart nimmt die Nachschulung der Gerätewarte dreimal jährlich vor.

Die Instandhaltung der Atemschutzgeräte nach den Übungen wird unter Aufsicht des
Hauptgerätewartes von den Gerätewarten gleichmäßig vorgenommen bzw. durch seinen
Vertreter.

4.3 Aus- und Fortbildung der Oberführer und Truppführer

Grubenwehrführer werden bei der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
ausgebildet und spätestens nach Ablauf von zwei Kalenderjahren fortgebildet. Näheres
regeln die Lehrgangspläne der Hauptstellen für das Grubenrettungswesen.

Darüber hinaus findet bei den Hauptstellen für das Grubenrettungswesen ein regelmäßiger
Erfahrungsaustausch statt (z. B. Oberführer-Tagungen und Oberführer-Besprechungen).

4.4 Nachschulung der Oberführer, Truppführer und Wehrmänner

4.4.1 Allgemeines

Die praktische Nachschulung der Grubenwehrführer und Wehrmänner erfolgt in Übungsschichten
und/oder in Übungen außerhalb der Schichtzeit. Die Übungen werden möglichst gleichmäßig
über das Jahr verteilt.

4.4.2 Übungen

Grubenwehrführer und Wehrmänner verfahren jährlich mindestens fünf Übungen mit frei tragbaren
umluftunabhängigen Atemschutzgeräten.

  • 3 Geräteübungen im Grubenbetrieb des Steinsalzbergwerkes Borth von
    2 Stunden Dauer (Schlaggeräte stehen unter Tage zur Verfügung)

  • 1 Geräteübung im Grubenbetrieb des Steinsalzbergwerkes Borth von
    4 Stunden Dauer

  • 1 Übung im Übungshaus einer Nachbarschachtanlage oder einer Hauptstelle

Grundsätzlich gilt, 1 Übung im Jahr in Flammschutzkleidung.

Ausnahmsweise kann anstelle von Untertageübungen mit 2 Stunden Dauer auch im Übertage-
betrieb geübt werden. Hierbei wird der Schwierigkeitsgrad eines Übungshauses mindestens
erreicht (Befahrung des Treppenhauses Schacht 1, Befahrung von Bandbrücken, Benutzung
des Fahrradtrainers).

In vom Oberführer fest zu legenden Abständen - jedoch mindestens zweimal im Jahr - wird
das Grubenwehrmitglied einer Konditionsprüfung unterzogen (Wertzahl mindestens 75 beim
Dynavittrainer). Ein Dynavitwert von 100 ist anzustreben.

Die Übungen im Übungshaus finden unter Aufsicht eines Oberführers oder eines stellver-
tretenden Oberführers statt. Die Aufsicht übt selbst nicht mit. Bei allen anderen Übungen im
Bergwerk oder Tagesbetrieb übt der jeweilige Truppführer auch die Aufsicht aus.

Übungen werden im Regelfall nicht in Räumen oder Grubenbauen mit schädlichen Gasen oder
Sauerstoffmangel durchgeführt. Feuerlöschübungen, bei denen mit dem Auftreten schädlicher
Gase oder Sauerstoffmangel zu rechnen ist, werden von der Grubenwehr unter Beachtung
der Regeln für den Ernstfall verfahren.

4.4.3 Unterweisungen

Theoretische Nachschulungen werden im Rahmen von Übungsschichten oder in Form von
mindestens vier zusätzlichen Unterweisungen von je zweistündiger Dauer durchgeführt. Es
werden mindestens die Themen der Grundausbildung behandelt.

Jährlich nimmt jedes Grubenwehrmitglied an einer Unterweisung der Hauptstelle für das
Grubenrettungswesen teil.

Außerdem muss jedes Grubenwehrmitglied im Abstand von 2 Jahren in der Handhabung von
Löschgeräten der Grubenwehr theoretisch und praktisch ausgebildet werden.

Jedes Grubenwehrmitglied wird jährlich gemäß Anlage 3 in der Nothilfe nachgeschult.

Die Gerätewarte werden mindestens fünf Schichten im Jahr mit Wartungsarbeiten an
Atemschutzgeräten betraut.

5 Pflichten der Grubenwehrmitglieder

5.1 Grubenwehrmitglieder

Jedes Grubenwehrmitglied hat sich auf Eignung für den Dienst in der Grubenwehr untersuchen
zu lassen. Die Grubenwehrmitglieder sind verpflichtet, vor Übungen und Einsätzen dem
Truppführer bzw. dem Oberführer zu melden, wenn sie sich körperlich nicht voll leistungsfähig
fühlen. Das Grubenwehrmitglied hat den Oberführer über Krankheiten und Unfälle zu unterrichten,
die eine wesentliche Beeinträchtigung für den Dienst in der Grubenwehr verursachen
können. Das Grubenwehrmitglied hat dafür Sorge zu tragen, dass es den Anforderungen der
Übungen und Einsätze durch ausreichende Kondition gewachsen ist.

Die Mitglieder der Grubenwehr leisten bei der Ausbildung und im Einsatz den Anweisungen
des Oberführers oder des von ihm beauftragten Grubenwehrführers Folge.

Sie nehmen an den Übungen, Ausbildungen und Unterweisungen (Kapitel 4) planmäßig teil.

Das Anlegen der Geräte hat nach den Anlegevorschriften (Anlage 4) zu erfolgen. Werden als
Atemanschluss Mundstück und Nasenklemme eingesetzt, so gilt ein striktes Sprechverbot.
Bemerkt ein Mitglied der Grubenwehr bei der Benutzung von Atemschutzgeräten Unregel-
mäßigkeiten im eigenen Befinden oder am Atemschutzgerät, so ist die für den Ablauf des
Einsatzes oder der Übung verantwortliche Person darauf hinzuweisen.

Grubenwehrmitglieder, die alarmiert worden sind, begeben sich unverzüglich zur Gruben-
rettungsstelle (bzw. zu der bei der Alarmierung angegebenen Stelle) und halten sich für
den Einsatz bereit.

5.2 Gerätewarte

Jeder Gerätewart hat sich auf übertragbare Hautkrankheiten, Lungentuberkulose und Infekt-
ionskrankheiten ärztlich untersuchen zu lassen. Bei jedem Verdacht auf Krankheiten, die der
Wartung von Atemschutzgeräten entgegenstehen, hat der Gerätewart sich zusätzlich ärztlich
untersuchen zu lassen.

Die Gerätewarte prüfen und warten die Geräte und Einrichtungen der Grubenwehr nach den
Regeln der Hauptstellen für das Grubenrettungswesen (Anlage 5) und führen die entsprechenden
Nachweise. Nach jeder Benutzung sorgen sie dafür, dass eine ausreichende Zahl von Atem-
schutzgeräten wieder einsatzbereit zur Verfügung steht und nicht einsatzbereite Atemschutz-
geräte als "nicht einsatzbereit" gekennzeichnet werden. Der Gerätewart darf nur geprüfte
Atemschutzgeräte ausgeben. Diese Forderung gilt als erfüllt, wenn die letzte Prüfung
nicht länger als einen Monat zurückliegt und während dieser Zeit kein Unbefugter Zugang zu
den Geräten hatte.

Der Hauptgerätewart ist zusätzlich dafür verantwortlich, dass die Ausrüstung der Grubenwehr
einsatzbereit gehalten wird. Reichen die Bestände an einsatzfähigen Geräten, Ersatzteilen
und Zubehör sowie sonstigen Materialien in der Grubenrettungsstelle nicht aus, so hat der
Hauptgerätewart dies dem Oberführer zu melden.

Bei Übungen mit Atemschutzgeräten achtet der Hauptgerätewart darauf, dass alle vorhandenen
Geräte gleichmäßig eingesetzt werden. Der Hauptgerätewart führt die regelmäßige Schulung
der anderen Gerätewarte durch.

Die Gerätewarte unterstützen den Hauptgerätewart bei der Erfüllung seiner Aufgaben und
vertreten ihn nach Weisung des Oberführers.

5.3 Truppführer

Die Truppführer führen die Anweisungen aus, die sie vom Oberführer erhalten. Sie sind bei
den Übungen und im Ernstfall Vorgesetzte ihres Trupps. Die Truppführer sind verantwortlich
für ihren Trupp; z. B. vorschriftsmäßiges Anlegen der Atemschutzgeräte, Einhaltung der
Einsatzgrundsätze, Verteilung der Mess- und Arbeitsaufträge sowie die ordnungsgemäße und
vollständige Ausrüstung im Trupp.

Besondere Beobachtungen im Einsatz oder bei der Übung (z. B. Mängel an Geräten, Abbruch
der Übung oder des Einsatzes) werden dem Oberführer bzw. der Übungsaufsicht gemeldet.

5.4 Oberführer

Der Oberführer ist für die Einhaltung und Durchführung der Regelungen verantwortlich, die im
jeweils gültigen Plan für das Grubenrettungswesen festgelegt sind. Der Oberführer ist bei der
Ausbildung, der Nachschulung und bei Einsätzen Vorgesetzter aller Grubenwehrmitglieder.

Der Oberführer ist dafür verantwortlich, dass

  1. die Grubenwehr nach Weisung der Einsatzleitung sachgemäß eingesetzt wird,

  2. nur die Grubenwehrmitglieder an Übungen oder Einsätzen teilnehmen, deren Eignung für
    den Dienst in der Grubenwehr vom Arzt bestätigt ist,

  3. die Übungen und Unterweisungen regelmäßig abgehalten und die Übungen ordnungsgemäß
    beaufsichtigt werden (Abschnitt 4.4.1 und 4.1.2),

  4. besondere Beobachtungen bei der Übung oder beim Einsatz (z. B. Mängel an Geräten,
    Abbruch der Übung oder des Einsatzes) im Leistungsbuch bzw. Einsatztagebuch vermerkt
    werden,

  5. besondere Fehler an den Geräten sofort der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungs-
    wesen gemeldet werden,

  6. Unfälle, die mit dem Benutzen von Atemschutzgeräten ursächlich zusammenhängen können,
    der Bergbehörde und der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen sofort
    fernmündlich gemeldet werden und das Atemschutzgerät sichergestellt wird,

  7. Bewerber um Aufnahme in die Grubenwehr, die die Voraussetzungen gem. Abschnitt 3.1
    erfüllen, ausgebildet werden. Er überzeugt sich von den Kenntnissen, die die Anwärter
    gem. Abschnitt 4.1.3 haben und händigt ihnen nach Aufnahme in die Grubenwehr den
    Plan für das Grubenrettungswesen und den Mitgliedsausweis aus.

  8. die Geschäftsführung der Grubenwehr ordnungsgemäß abgewickelt wird (z. B. Führen
    der Mitgliederkartei (Mitglieder- und Übungsbuch), des Leistungs- und Prüfungsbuches,
    des Mitgliederverzeichnisses und der Geräte- und Ausrüstungsnachweise der Grubenwehr).

Außerdem vergewissert er sich, dass

  1. seine Stellvertretung geregelt ist,

  2. die Grubenwehr über die notwendige Ausrüstung verfügt,

  3. die Grubenwehr in richtiger Stärke und Zusammensetzung einsatzbereit ist und sämtliche
    Mitglieder im Ernstfall schnellstens alarmiert und zum Einsatz gebracht werden können,

  4. geplante Einsätze der Grubenwehr mit der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungs-
    wesen abgesprochen und der Bergbehörde betriebsplanmäßig angezeigt werden,

  5. der Notfallplan in der Grubenrettungsstelle verfügbar ist,

  6. Bewetterungsplan, Feuerlöschplan, Rohrleitungsplan, Wasser in der Grubenrettungsstelle
    vorhanden sind,

  7. das Mitgliederverzeichnis an den unter Kapitel 10 genannten Stellen verfügbar ist,

  8. die unter Abschnitt 4.4 vorgesehenen Aus- und Fortbildungsfristen für Oberführer, stellv.
    Oberführer, Truppführer und Gerätewarte eingehalten werden,

  9. die Termine der Übungen und Unterweisungen der zuständigen Hauptstelle für das Gruben-
    rettungswesen rechtzeitig mitgeteilt werden,

  10. entsprechend der Laufzeit des jeweiligen Hauptbetriebsplans der Vordruck zum Hauptbetriebs-
    plan überprüft und zwischenzeitliche Änderungen oder Ergänzungen mit dem gleichen
    Vordruck der Bergbehörde mitgeteilt und eine Durchschrift dieser Mitteilung der zuständigen
    Hauptstelle für das Grubenrettungswesen eingereicht werden,

  11. jedes Jahr bis zum 1. Februar der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
    der Jahresbericht und eine Durchschrift ohne Mitgliederverzeichnis der Bergbehörde
    eingereicht werden,

  12. bei der Bergbehörde und der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
    eingereicht werden:

    • die Meldung I über den Einsatz der Grubenwehr mit Atemschutzgerät,

    • die Meldung II über Vorkommnisse oder Unfälle mit einem Atemschutzgerät.

5.5 Stellvertretende Oberführer

Die stellvertretenden Oberführer unterstützen den Oberführer bei der Erfüllung seiner Aufgaben
und vertreten ihn.

6 Ausrüstung und Einrichtungen der Grubenwehr

6.1 Atemschutzgeräte der Grubenwehr

Zu Übungen und Einsätzen werden nur geeignete Atemschutzgeräte und Atemgarnituren eingesetzt.

6.2 Sonstige Ausrüstung

In der Grubenrettungsstelle werden Messgeräte, Hilfsgeräte, Prüfgeräte und Geräte zur Wieder-
belebung bereitgehalten. Weiterhin werden für jedes Grubenwehrmitglied Flammenschutzanzüge
mit zugehöriger Unterbekleidung und für Einsätze bei Explosionsgefahr Kopfhauben und
Schutzhandschuhe bereitgehalten.

6.3 Grubenrettungsstelle

Die Ausrüstung der Grubenwehr wird in besonderen Räumen aufbewahrt, die nur für die
Grubenwehr bestimmt sind. Sie entspricht mindestens der von den Hauptstellen für das
Grubenrettungswesen empfohlenen Grundausrüstung.

7 Einsatz der Grubenwehr

7.1 Alarmierung

Es ist sichergestellt, dass die Mitglieder der Grubenwehr im Ernstfall unverzüglich alarmiert
werden. Außerdem können die Grubenwehrmitglieder, die sich im Arbeitseinsatz unter Tage
befinden, durch die im Betrieb vorhandenen Kommunikationsmittel in kurzer Zeit benachrichtigt
werden.

Das Alarmsystem wird regelmäßig überprüft ("Geräteprobe").

Einmal pro Kalenderjahr wird die Grubenwehr ernstfallmäßig alarmiert ("Probealarm").
Das Ergebnis dieses Probealarms wird schriftlich festgehalten. Als Alarmzeit gilt die Zeit
vom Auslösen des Probealarms bis zur Meldung, dass zwei Grubenwehrtrupps mit
geschulterten Geräten, der Ausrüstung für den Ersteinsatz und zusätzlich ein Oberführer oder
ein Truppführer einsatzbereit in der Rettungsstelle sind. Der Probealarm wird beendet, wenn
die beiden Trupps die Bereitschaftsstelle unter Tage erreicht haben. Einzelheiten zur Durchführung
der Probealarme werden mit der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
abgestimmt.

In begründeten Fällen kann ein zusätzlicher Probealarm unter Einbeziehung von Hilfeleistungs-
wehren unter Beteiligung der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen organisiert werden.

Nach einer realen Alarmierung kann im laufenden Kalenderjahr auf die Probealarmierung verzichtet
werden.

7.2 Einsatzleitung

Bei Betriebsereignissen, die den Einsatz der Grubenwehr zur Rettung oder Bergung von Personen
erforderlich machen, leitet der Werkleiter oder sein Beauftragter das Rettungswerk.
Bei Einsätzen der Grubenwehr zur Erhaltung von Sachwerten nach Explosionen und bei
Grubenbränden wird sinngemäß verfahren. Die Einsatzleitung wird grundsätzlich über Tage
installiert.

Die Zusammensetzung der Einsatzleitung ist im Notfallplan geregelt.

Die Einsatzleitung unterrichtet den Oberführer über die jeweilige Lage und gibt ihm die für den
Grubenwehreinsatz erforderlichen Aufträge. Im Rahmen dieser Aufträge regelt der an der
Bereitschaftsstelle verantwortliche Oberführer den Einsatz der Grubenwehr.

In vereinbarten Zeitabständen berichtet er der Einsatzleitung. Besondere Beobachtungen und
Ereignisse werden unverzüglich gemeldet.

7.3 Einsatzgrundsätze

Die Einsatzgrundsätze sind zum einen abhängig von der Art des Einsatzes und zum anderen
von der Art der eingesetzten Atemschutzgeräte. Bei Anfahrt der Grubenwehr sind alle PKW
zugelassen.

7.3.1 Allgemeines

Nachstehende Regeln gelten grundsätzlich für den Einsatz der Grubenwehr mit Atemschutzgeräten.
Sofern sich aufgrund der Art des Einsatzes oder der Auswahl des Atemschutzgerätes zusätzliche
oder abweichende Regeln ergeben, sind diese in den entsprechenden Abschnitten aufgeführt.

Anfahrt

Die Anfahrt der Grubenwehr wird grundsätzlich in unbelasteten Wettern durchgeführt. Alle unter
Tage befindlichen Grubenwehrmitglieder führen Sauerstoffselbstretter mit.

Bereitschaftsstelle

Die Bereitschaftsstelle wird - nach Abstimmung mit der Einsatzleitung - in der Regel in einem
durchgehenden Wetterstrom eingerichtet, der keine Brandgase oder Explosionsschwaden
enthält. Dabei wird beachtet, dass die Bereitschaftsstelle einerseits so nah wie möglich am
Einsatzort und andererseits in sicherer Entfernung liegen soll. Die Bereitschaftsstelle verfügt
über mindestens einen Fernsprechanschluss und ausreichende Beleuchtung. Hier werden die
Atemschutzgeräte und die für den Einsatz notwendige Ausrüstung gelagert. Darüber hinaus
werden hier ein umluftunabhängiges Wiederbelebungsgerät, ein Schleifkorb, ein Defibrillator
und Mittel für die Erste Hilfe bereitgehalten.

Für Grubenwehrmitglieder, die Atemschutzgeräte tragen, werden die Sauerstoffselbstretter
während des Einsatzes an der Bereitschaftsstelle zurückgelassen.

Für die aus dem Einsatz zurückkehrenden Grubenwehrmitglieder werden Getränke bereit-
gehalten.

Die Aufsicht an der Bereitschaftsstelle übt ein Oberführer oder vorübergehend ein von ihm
beauftragter Truppführer aus.

Die Bereitschaftsstelle ist ständig mit mindestens einem Gerätewart besetzt.

Über die Einsätze wird ein Einsatztagebuch geführt.

Bei außergewöhnlich schwierigen Einsätzen (z. B. Bergungseinsätze, Befahrung von langen
Bergen, Blindschächten und niedrigen Grubenbauen) steht ein Arzt zur sofortigen Hilfeleistung
an der Bereitschaftsstelle zur Verfügung.

Einsatz

Die Grubenwehr geht nur in geschlossenen Trupps vor (ein Truppführer und vier Mann).
Erscheint es nach Klärung der örtlichen Verhältnisse vertretbar, einen Grubenwehrtrupp in
geringerer Stärke einzusetzen, so kann der Oberführer dies im Einvernehmen mit der
Einsatzleitung anordnen. Unter den vorgehenden Grubenwehrmännern befindet sich jedoch
immer ein Truppführer.

Jeder Trupp führt einen Sauerstoffselbstretter mit.

Mit besonderen Aufgaben können auch einzelne Grubenwehrmitglieder beauftragt werden,
wenn deren laufende Überwachung sichergestellt ist. Der verantwortliche Oberführer oder
der von ihm beauftragte Truppführer erteilt die für den Einsatz notwendigen Weisungen an
die Truppführer.

Während des Einsatzes werden die sicherheitlich notwendigen Messungen (z. B. CO, CH4
und Klimawerte) durchgeführt.

Beim Einsatz besteht zwischen der Bereitschaftsstelle und dem vorgehenden Trupp (Truppführer)
eine ständige Sprechverbindung. Nach einer Erkundung und bei übersichtlichen Verhältnissen
kann auf eine ständige Sprechverbindung verzichtet werden, der Truppführer meldet
sich dann in Abständen von höchstens 15 Minuten bei der Bereitschaftsstelle. In jedem
Trupp verfügt neben dem Truppführer ein zweiter Mann über eine Sprechmöglichkeit.

Bei der Benutzung von Einrichtungen zur Personenbeförderung wird gewährleistet, dass jederzeit
ein Rückzug veranlasst werden kann. Das gleiche gilt, wenn Grubenwehrtrupps mit Schacht-
und/oder Schrägförderanlagen in Grubenbaue fahren, in denen Brandwetter abgeführt werden.

Grubenwehrmitglieder, die erst vor kurzem eine Krankheit überstanden haben oder sich nicht
voll einsatzfähig fühlen (z. B. Grippe, grippale Infekte, Erkältungskrankheiten, Nachwirkung
von Alkoholgenuss), werden vom Einsatz ausgeschlossen.

Einsatz unter erschwerten klimatischen Bedingungen

Vor dem Einsatz werden die Grubenwehrmitglieder darauf hingewiesen, während des Einsatzes
nur kurze Pausen einzulegen und den Truppführer auf Anzeichen einer beginnenden
Wärmestauung aufmerksam zu machen (Harndrang, Gänsehaut, Schwere in den Beinen,
Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen, Übelkeit usw.). Der Oberführer wird sofort von
einem derartigen Vorfall unterrichtet. Der Trupp tritt dann sofort den Rückmarsch an.

Für die aus dem Einsatz zurückkehrenden Grubenwehrmitglieder werden trockene Kleidung
und Getränke bereitgehalten.

Bei Einsätzen unter außergewöhnlich schwierigen Klimabedingungen ist ein Arzt an der Bereit-
schaftsstelle anwesend. Außergewöhnlich schwierige Klimabedingungen liegen dann vor, wenn
die Einsatztabellen (Anlage 6) nur noch eine Einsatzdauer von max. 25 Minuten (Einsatz in leichter
Bekleidung oder Flammenschutzkleidung ohne Kühlweste) oder weniger zulassen. Eine mögliche
Einsatzdauerverlängerung durch das Tragen von Kühlwesten ist hiervon unbenommen.

Einsatz in inerter Atmosphäre

Bei stationären Einsätzen werden zusätzlich ein umluftunabhängiges Wiederbelebungsgerät, ein
Defibrillator sowie ein Schleifkorb am Arbeitsplatz bereitgehalten.

Reservetrupp

Für jeden Grubenwehrtrupp im Einsatz wird ein Reservetrupp vorgehalten. Werden von einer
Bereitschaftsstelle aus mehrere Trupps eingesetzt, kann im Einvernehmen mit der Einsatzleitung
hiervon abgewichen werden. Der Reservetrupp besteht immer aus einem Truppführer und
vier Wehrmännern.

Der Truppführer des Reservetrupps hört den Sprechverkehr zwischen dem vorgehenden
Trupp und dem Oberführer an der Bereitschaftsstelle mit.

Einsatzdauer

Die Einsatzdauer beträgt im allgemeinen 2 Stunden, beim Einsatz in Flammenschutzkleidung
im Allgemeinen 90 Minuten.

Der Einsatztrupp misst die Klimawerte (Trockentemperatur, bei Bedraf auch Feuchttemperatur
bzw. relative Feuchte) mit einem geeigneten Messgerät (z. B. Psychrometer) und meldet die
Ergebnisse dem Oberführer an der Bereitschaftsstelle. Die Klimawerte werden beim Einsatz
der Grubenwehr nach Vorgabe des Oberführers in weiteren Zeitabständen gemessen.

Der Oberführer ermittelt anhand der in der Anlage 6 zusammengestellten Tabellen die zulässige
Dauer des Einsatzes. Hierbei werden unterschiedliche Bekleidungen berücksichtigt:

  • leichte Bekleidung,
  • Flammenschutzkleidung.

Bei besonders anstrengenden Grubenwehreinsätzen in Grubenbauen mit geringer Wetterbewegung
(z. B. Befahrung von Bergen oder Blindschächten) oder bei einer klimatischen Vorbelastung
durch einen unmittelbar vorangegangenen langen Anmarschweg in warmen Wettern werden
- in Absprache mit der Einsatzleitung - Abschläge von der zulässigen Einsatzdauer nach
Einsatzdauertabelle vorgenommen.

Rückmarsch

Der Rückmarsch eines Einsatztrupps kann jederzeit unmittelbar durch den Oberführer an der
Bereitschaftsstelle und mittelbar durch die Einsatzleitung angeordnet werden. Der Trupp geht
immer geschlossen zurück.

Truppführer können unabhängig von ihren Aufträgen den Rückzug des Trupps eigenverantwortlich
antreten. Die Anordnung zum Rückmarsch des Einsatztrupps wird dann vom Truppführer
getroffen, wenn

  • die Sprechverbindung zwischen Einsatztrupp und Bereitschaftsstelle unabsichtlich für einen
    längeren Zeitraum unterbrochen ist,
  • ein Truppmitglied ausfällt oder sich unwohl fühlt,
  • ein Atemschutzgerät ausfällt oder Störungen aufweist,
  • der Einsatztrupp unvorhergesehen belastet oder gefährdet wird (kritischer Ausbauzustand,
    wesentliche Klima- und Sichtverschlechterungen),
  • das Gerät mit dem geringsten Atemluftvorrat nur noch doppelt soviel Atemluft enthält, wie
    für den Rückmarsch voraussichtlich erforderlich ist.

Bei Rückmarsch eines Einsatztrupps geht der Reservetrupp diesem ggf. entgegen.

Der Reservetrupp führt eine eigene Sprechverbindung mit sich.

Ausfahrt / Rückweg

Nach dem Einsatz der Grubenwehr sind alle verfügbaren PKW für den Rückweg zum Schacht
zu nutzen.

7.3.2 Ersteinsatz / Erkundungseinsatz

Anfahrt

Die Grubenwehr fährt in der vom Oberführer nach Art des Einsatzes festgelegten Kleidung an.

Trupp 1 und 2 fahren mit ihrer Grundausrüstung unverzüglich an, danach wird mindestens 1 Trupp
mit zusätzlicher Ausrüstung zur Unterstützung oder als Reservetrupp nachgeschickt.

Bereitschaftsstelle

Beim Erst-/Erkundungseinsatz der Grubenwehr wird eine vorläufige Bereitschaftsstelle eingerichtet,
die eine telefonische Verbindung mit der Einsatzleitung hat.

Einsatz

Erst-/Erkundungseinsätze werden ausschließlich mit frei tragbaren umluftunabhängigen
Atemschutzgeräten durchgeführt. Vor dem Einsatz wird je nach Situationslage die Art der
Bekleidung mit der Einsatzleitung abgestimmt. Beim Einsatz der Grubenwehr in vollständiger
Flammenschutzkleidung werden grundsätzlich die Atemschutzgeräte unabhängig von der
Zusammensetzung der Umgebungsatmosphäre angelegt.

Reservetrupp

Der Oberführer darf die Grubenwehr erst dann einsetzen, wenn mindestens ein Reservetrupp
bereitsteht.

Zur Rettung von Menschen kann der Oberführer jedoch - abweichend hiervon - die
Grubenwehr auch schon dann einsetzen, wenn noch kein Reservetrupp bereitsteht, aber mit
dem baldigen Eintreffen des erforderlichen Reservetrupps an der vorläufigen Bereitschaftsstelle
gerechnet wird.

Der jeweilige Reservetrupp hält sich mit geschultertem Atemschutzgerät so nahe wie möglich
zum Einsatzbereich auf. Der Truppführer des Reservetrupps hört den Sprechverkehr zwischen
der Bereitschaftsstelle und dem Einsatztrupp mit.

7.3.3 Stationärer Grubenwehreinsatz

Bei stationären Arbeiten der Grubenwehr wird eine Bereitschaftsstelle eingerichtet, an der
sich zur Sicherung der eingesetzten Grubenwehrmitglieder zwei Wehrmänner mit frei tragbaren
umluftunabhängigen Atemschutzgeräten bereithalten. Hierbei ist der Arbeitsplatz nicht weiter als
100 m von den Sicherungspersonen entfernt.

Bei größeren Entfernungen wird ein vollständiger Reservetrupp bereitgehalten. Die Sicherungs-
personen bzw. der Reservetrupp halten sich in einem unbelasteten Wetterstrom auf. Am
Arbeitsplatz werden ggf. ein umluftunabhängiges Wiederbelebungsgerät, ein Defibrillator sowie
ein Schleifkorb bereitgehalten.

Eine Sprechverbindung wird zwischen Bereitschaftsstelle und Einsatzort hergestellt.

7.3.4 Geplante Einsätze der Grubenwehr

Neben den kurzfristig erforderlichen Einsätzen der Grubenwehr bei Rettungswerken sowie zur
Brandbekämpfung oder Beseitigung von Gefahrensituationen außerhalb von Rettungswerken
wird die Grubenwehr zu geplanten Einsätzen herangezogen.

Geplante Einsätze zur Einengung und Wiedergewinnung von Brandfeldern werden unter Beachtung
des Abschnitts "Öffnen von Brandfeldern" der "Richtlinien für den Brandschutz unter Tage"
durchgeführt.

Darüber hinaus wird die Grubenwehr eingesetzt zum Öffnen und Befahren abgedämmter oder
gesperrter Grubenbaue, in denen mit Ansammlungen schädlicher Gase und/oder mit Sauerstoffmangel
zu rechnen ist.

Für geplante Einsätze wird der Bergbehörde ein Sonderbetriebsplan vorgelegt. Die Vorbereitung
und Durchführung von geplanten Einsätzen wird mit der zuständigen Hauptstelle für das Gruben-
rettungswesen abgestimmt.

Der am Einsatz beteiligte Personenkreis wird vor dem Einsatz über Art und Umfang des Einsatzes
sowie über besonders zu beachtende Regeln unterrichtet. Mittelbar beteiligte Personen werden
rechtzeitig informiert, ebenso die verantwortlichen Personen eventuell betroffener Nachbarbetriebs-
punkte.

Für geplante Einsätze gelten ansonsten die Einsatzgrundsätze entsprechend den Erst-/Erkundungs-
einsätzen.

7.3.5 Regenerationsgeräte für Arbeit und Rettung

Mit Regenerationsgeräten für Arbeit und Rettung werden nur Grubenwehrmitglieder eingesetzt.

Regenerationsgeräte mit Drucksauerstoff werden nur benutzt, wenn deren letzte Prüfung nicht
länger als einen Monat zurückliegt. Werden die Geräte nicht am Mann zur Bereitschaftsstelle
transportiert, so wird vor dem Gebrauch eine Gesamtprüfung der Geräte durchgeführt. Für
den Ersteinsatz werden nur ungebrauchte Alkali- bzw. Atemkalkpatronen und Sauerstoffflaschen,
die über einen ausreichenden Vorratsdruck (> 180 bar) verfügen, eingesetzt.

Mit dem Regenerationsgerät Dräger PSS BG 4 kann von einem Grubenwehrmann innerhalb
von 8 Stunden ein zweiter Einsatz ohne Erneuerung der Atemkalkpatrone und ohne Austausch
der Sauerstoffflasche verfahren werden. Die Einsatzbedingungen und insbesondere Einsatzdauer
des Zweiteinsatzes sind der Restgebrauchszeit anzupassen.

Während des Einsatzes wird der Sauerstoffvorrat jedes einzelnen Atemschutzgerätes in Abständen
von längstens 15 Minuten überprüft.

Jeder Grubenwehrtrupp nimmt mindestens einen Sauerstoffselbstretter mit in den Einsatz.

Die Einsatzdauer für Grubenwehreinsätze mit angelegtem Regenerationsgerät beträgt im allgemeinen
zwei Stunden, beim Tragen von Flammenschutzkleidung im Allgemeinen 90 Minuten. Entsprechend
den Klimawerten im Einsatzbereich wird die Einsatzdauer gemäß den Einsatztabellen verkürzt.

In Sonderfällen kann die Einsatzdauer im Einvernehmen mit der Einsatzleitung überschritten
werden; sie ist jedoch abhängig vom Sauerstoffverbrauch der eingesetzten Grubenwehrmitglieder.

Nach jedem Einsatz wird eine Ruhepause von mindestens zwei Stunden eingelegt.

 

7.4 Einsatz ohne Atemschutzgerät

Bei einem CO-Gehalt der Wetter zwischen 30 und 50 ppm können Personen zur Sicherung
des laufenden Bergwerkbetriebes über die Zeitdauer von 8 Stunden pro Tag beschäftigt werden.
Hierbei sind, unter Beteiligung des Werksarztes, besonders gefährdete Personen von
solchen Arbeiten auszuschließen.

Bei einem CO-Gehalt der Wetter zwischen 50 und 100 ppm dürfen Personen zu Rettungs-,
Bergungs-, Brandbekämpfungs- und Sicherungsarbeiten bis 6 Stunden pro Tag eingesetzt
werden. Nicht-Grubenwehrmitglieder dürfen zur Unterstützung der Grubenwehr auf freiwilliger
Basis und in Abstimmung mit dem Werksarzt (uneingeschränkte Klimatauglichkeit muss vorliegen)
eingesetzt werden. Der Einsatz wird von einem Truppführer begleitet und überwacht.

Bei einem CO-Gehalt der Wetter von 100 bis 200 ppm werden ausschließlich Grubenwehr-
mitglieder eingesetzt. Ihre Atemschutzgeräte werden in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes
zum Anlegen bereitgehalten. Bei diesen CO-Gehalten arbeiten die Grubenwehrmitglieder
nicht länger als 90 Minuten ununterbrochen. Auf jeden Arbeitseinsatz folgt eine wenigstens
zweistündige Pause in CO-freien Wettern. Die Gesamtdauer des Arbeitseinsatzes eines
Grubenwehrmitgliedes beträgt höchstens 4,5 Stunden pro Tag. Die 90-minütige Arbeitszeit
umfasst sowohl den An-und Abmarsch zur Einsatzstelle als auch die Verweildauer dort.
Mitgeführte Atemschutzgeräte dürfen nicht zu einer Verlängerung der 90-Minuten-Frist
genutzt werden, ausgenommen sind unvorhersehbare Ereignisse.

Der Kohlenmonoxidgehalt der Wetter ist mit mindestens einer ortsfesten, schreibenden CO-
Messeinrichtung  an nicht schwerentflammbaren nichtselbstverlöschenden Bandanlagen mit
Fernübertragung zu einer ständig besetzten Stelle zu überwachen oder - sofern eine solche
Messeinrichtung noch nicht eingebaut werden konnte - durch CO-Handmessgeräte
kontinuierlich festzustellen. Auch bei betriebener CO-Messeinrichtung sind bei CO-Gehalten
über 50 ppm CO-Handmessungen an den Arbeitsstellen durchzuführen. Die stationären
Messgeräte müssen bei Erreichen des vorgeschriebenen Grenzwertes 30 ppm Voralarm und
50 ppm ein akustisches und optisches Warnsignal auslösen. Bei CO-Gehalten zwischen 50
und 200 ppm werden zusätzlich einmal je Schicht Gasproben entnommen und auf schnellstem
Wege analysiert. Alle Personen werden über die Wirkung von CO auf den Menschen
unterwiesen. Grubenbaue, in denen der CO-Gehalt der Wetter mehr als 200 ppm beträgt,
werden nur mit angelegten Atemschutzgeräten betreten.

Der Rückmarsch nach dem Einsatz ist zu berücksichtigen.

8 Hilfeleistung

Ungeachtet der Regelungen im Hilfeleistungsplan der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen
würde die Borther Grubenwehr – auf Anforderung – auf Nachbarbergwerken selbstverständlich
Hilfe leisten.

Mit den entsprechend ausgerüsteten Trupps rücken in jedem Fall ein Oberführer und ein
Gerätewart aus. Der Oberführer meldet sich in der Grubenrettungsstelle bzw. an der bei
der Alarmierung angegebenen Stelle.

Bei gleichzeitigem Einsatz mehrerer Grubenwehren auf einem Bergwerk werden die Aufgaben-
und Verantwortungsbereiche der Oberführer durch die Einsatzleitung festgelegt und gegen-
einander abgegrenzt.

Wird die Hilfe benachbarter Grubenwehren in Anspruch genommen, so werden ortskundige
Personen bereitgestellt. Hilfeleistungswehren werden vor der Anfahrt über das Ereignis und
ihre Aufgaben unterrichtet. Ersatzmannschaften und Gerätewarte werden rechtzeitig bereitgestellt.

9 Störungen / Unfälle mit Atemschutzgeräten

Bei Störungen im Einsatz, bei Übungen und bei Prüfungen oder bei Unfällen, die mit dem Benutzen
von Atemschutzgeräten ursächlich zusammenhängen können, ist grundsätzlich jede Veränderung
am Gerät einschließlich des Lösens oder Nachstellens von Verbindungen, z. B. des Atem-
anschlusses, zu vermeiden.

Der Truppführer oder Gerätewart hat, nachdem er den Atemluftvorrat abgelesen hat, die
Atemluftflasche des betreffenden Gerätes zu schließen. Der Atemanschluss ist unverändert
am Gerät zu belassen. Das Gerät ist dann durch den Oberführer unverzüglich ohne jede weitere
Veränderung der zuständigen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen zur Verfügung
zu stellen. Bei CO-Filterarbeitsgeräten, und Sauerstoffselbstrettern ist sinngemäß zu verfahren.

10 Nachweisungen

Für die unter Abschnitt 3.3 vorgesehenen Untersuchungen wird die ärztliche Bescheinigung
benutzt. Nach Vordrucken der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen werden folgende
Nachweisungen geführt:

  • Meldung I über den Einsatz der Grubenwehr mit Atemschutzgerät (Anlage 7.1)

  • Meldung II über Störungen an Atemschutzgeräten/Unfälle mit Atemschutzgeräten der
    Grubenwehr (Anlage 7.2)

  • Lehrgangsbescheinigungen

  • Prüfungsbuch für die Ausrüstung der Grubenwehr

  • Jahresbericht

  • Mitgliederkartei (bzw. Mitgliederbuch und Übungsbuch)

  • Mitgliederverzeichnis

Ein Mitgliederverzeichnis wird bereitgehalten

  • in der Grubenrettungsstelle,

  • im Büro der Einsatzleitung und an sonstigen ggf. erforderlichen Stellen.

11 Rettungswerk

Der Aufgabenbereich und die Verantwortlichkeit der an einem Rettungswerk beteiligten
Personen sind im Notfallplan festgelegt. Dieser Plan wird sinngemäß auch bei anderen
Einsätzen der Grubenwehr angewendet.

In diesem Plan werden u.a. geregelt:

  1. die Alarmierung der an einem Rettungswerk beteiligten Personen,

  2. die Sofortmaßnahmen des vorläufigen Einsatzleiters,

  3. die Aufgaben der Einsatzleitung,

  4. die Aufgaben der übrigen beteiligten Personen.

Der Notfallplan wird im Büro der Einsatzleitung, in der Grubenrettungsstelle und an sonstigen
erforderlichen Stellen verfügbar gehalten. Er wird bei Bedarf durch das Bergwerk überprüft
und aktualisiert.

12 Beteiligung der Hauptstellen für das Grubenrettungswesen

Das Bergwerksunternehmen unterhält eine Hauptstelle für das Grubenrettungswesen oder ist
einer Hauptstelle für das Grubenrettungswesen angeschlossen.

Den Hauptstellen für das Grubenrettungswesen sind u.a. die folgenden Aufgaben übertragen:

  1. Beratung, Unterstützung und Mitwirkung bei Rettungswerken und Einsätzen der Grubenwehr;

  2. Beratung in Fragen der Ausrüstung und Organisation der Grubenwehren;

  3. Aufstellung des Hilfeleistungsplans bzw. des Hauptrettungsplans für Grubenwehren;

  4. Mitwirkung bei der Festlegung und Anpassung der Planstärke der Grubenwehr;

  5. Jährliche Überprüfung der Grubenwehr und der Grubenrettungsstelle (u. a. Atemschutzgeräte
    und Einrichtungen, arbeitsmedizinische Untersuchung, Übungssoll);

  6. Durchführung von Lehrgängen für Oberführer, Truppführer, Wehrmänner und Gerätewarte;

  7. Unterstützung des Oberführers bei der Ausbildung und Nachschulung der Grubenwehrmitglieder;

  8. Untersuchung von Atemschutzgeräten der Grubenwehr nach Unfällen oder Störungen;

  9. Überprüfung der Chemikal-Sauerstoffselbstretter auf Weiterverwendbarkeit;

  10. Beratung und Ausbildung im vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz.