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06.12.1984

18.22.4-8-2

Maßnahmen gegen Schub
in geneigten Strebbetrieben

A 2.16


An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Ausbau im unteren Strebeingangsbereich geneigter Strebbetriebe mit Bruchbau und Vollversatz

Bezug: Rundverfügung vom 14.7.1982 - 18.22.4-7-4 - (SBl. A 2.16)


Das unter dem Abschnitt M 1 des Sammelblatts mit gleichen Datum beschriebene Grubenunglück
gibt Veranlassung, nachstehende Maßnahmen gegen Schub festzulegen:

  1. Der Streckenausbau der unteren Abbaustrecken geneigter Strebbetriebe ist, möglichst
    im Ortsbreich, mit abbindenden Baustoffen dicht zu hinterfüllen. Dies gilt nicht für den Bereich
    der späteren Streböffnung und nicht für Strecken mit einem Hangendanschnitt unter 0,5 m.
  2. Hangendanschnitte sind, sofern nicht gänzlich darauf verzichtet werden kann, möglichst
    gering zu halten und sollten, soweit die Antriebe für Strebförderer und Gewinnungs-
    einrichtungen im Streb liegen, kleiner bemessen sein als die Liegendanschnitte.
  3. Bei Hangendanschnitten, die über die gebaute Mächtigkeit hinausgehen (H>M), sind
    die Grundwerte für den Ausbauwiderstand nach Ziffer 1.2.4 der Bruchbaurichtlinien
    im Verhältnis des größten Hangendanschnitss zur gebauten Mächtigkeit (H/M) zu erhöhen.
     
    Der erforderliche Ausbauwiderstand ist für den ungünstigsten Ausbauzustand nachzuweisen.
  4. Bei Liegendanschnitten, die über die gebaute Mächtigkeit hinausgehen, ist nachzuweisen,
    daß das Liegende mit 2-facher Sicherheit gegen Abrutschen gesichert ist. Hierbei ist von dem
    ungünstigsten Ausbauzustand auszugehen.
  5. Im unteren Strebeingangsbereich sind angeschnittene Hangendschichten zusätzlich gegen
    Schub zu sichern, sofern der Anschnitt mehr als 0,5 m beträgt. Hierzu sind Schubstempel
    in der Strecke so einzubringen, daß Schubkräfte aus dem Hangenden sicher aufgenommen
    werden können. Hierbei muß mittels geeigneter Übertragungselemente sichergestellt sein,
    daß die Schubstempel nicht in Firste und Sohle eindringen können und daß die Schubstempel
    an den Krafteinleitungsstellen gegen Abgleiten und Verschieben wirksam gesichert sind.

    Die Schubstempel sind in einem Bereich von wenigstens 5 m vor dem Streb und bis 10 m
    hinter dem Streb - in Vollversatzbetrieben bis 20 m hinter dem Streb - mitzuführen.
     
    Die genannten Abmessungen beziehen sich hierbei auf den Kohlenstoß des vorgesetzten
    Maschinenstalls bzw. den Kopf des Streckenbegleitdamms oder die Versatzfront.
     
    In Streben mit herausgezogenen Antrieben können Unterzüge, die für vorübergehend
    entfernte Stempel des Streckenausbaus mitgeführt werden, als Schubstempelsicherung
    nach Ziffer 5 gelten, wenn die Stempel entsprechend angeordnet sind und der Strecken-
    ausbau nach Ziffer 1 hinterfüllt ist.
     
    Falls die Schubsicherung durch andere Maßnahmen, z.B. durch Gebirgsanker,
    Sonderausbauformen oder besondere Betriebszuschnitte erreicht werden soll, sind
    entsprechende Betriebspläne vor der Zulassung bis auf weiteres dem Landesoberbergamt
    vorzulegen.
  6. Als Streckensaumsicherung sind feste Streckenbegleitdämme aus frühtragenden Baustoffen
    mitzuführen.
     
    Die Breite der Dämme sollte gebaute Flözmächtigkeit nicht unterschreiten; bei gebauten
    Flözmächtigkeiten <1,5 m sollte die Dammbreite wenigstens 1,5 m betragen.
     
    Falls die Streckensaumsicherung nicht schon vor dem Streb eingebracht wird, sind die
    Begleitdämme den Streben in möglichst geringen Abständen nachzuführen. Bei großen
    Abbaufortschritten (>4 m/d) setzt dies voraus, daß die Streckenbegleitdämme zwei- oder
    mehrmals täglich nachgeführt werden.
     
    Vorstehende Ausführungen zu Ziffer 6 gelten nicht für Vollversatzbetriebe und nicht für
    Rückbaubetriebe, sofern die untere Abbaustrecke unmittelbar nach Strebdurchgang
    abgeworfen wird.
     
    In diesem Fall müssen die Schubstempel bis zur Raubstelle eingebracht sein; gleichzeitig
    ist der Streckensaum zwischen Streb und Raubstelle durch Holzkästen zu sichern.
     
    Die offene Strebbreite ist auf das geringstmögliche Maß zu begrenzen. Die Höchstabstände
    zwischen Streb und Streckenbegleitdamm bzw. Versatz sind festzulegen.
  7. Einzelstempelbereiche sind so klein wie möglich zu halten. Dies gilt sowohl für deren Breite
    als auch für deren Länge in Einfallensrichtung. Für den Ausbau in Einzelstempelbereichen
    empfiehlt sich die Verwendung von gelaschten Profilträgern bzw. von Kreuzgelenkkappen.
     
    Die Antriebsmittel im Streb sind, falls überhaupt erforderlich, in ihren Abmessungen möglichst
    klein zu halten und ausbaufreundlich anzuordnen. Falls die Antriebe nicht in die Strecke
    verlegt werden können, oder im Streb nicht gänzlich hierauf verzichtet werden kann, ist
    zu prüfen, ob die Antriebe verkleinert oder zumindest so angeordnet werden können, daß
    die freien Ausbaustützweiten möglichst gering gehalten werden. Gleiche Überlegungen
    gelten für Rückhilfen oder ähnliche Einrichtungen.
  8. Stempel im unteren Strebeingangsbereich und Schubstempel in der Strecke sind wenigstens
    mit der festgelegten Mindestsetzkraft zu verspannen. Die Druckversorgung ist auf den
    geforderten Mindestsetzdruck einzustellen; erforderlichenfalls ist eine vom übrigen Streb
    getrennte Druckversorgung einzurichten. Setzgeräte, die für das Setzen von Einzelstempeln
    oder von Schubstempeln in den angegebenen Bereichen verwendet werden, sind mit Druck-
    anzeigegeräten auszurüsten; eine entsprechende Ausrüstung der Stempel mit Einrichtungen
    zur Kontrolle der Kraftaufnahme ist anzustreben.
     
    Das Setzen der Stempel hat unter Zuhilfenahme der Druckanzeigegeräte so zu erfolgen, daß
    wenigstens die festgelegte Mindestsetzkraft der Stempel erreicht wird. Die Kraftaufnahme
    der Stempel ist darüber hinaus wenigstens einmal auf jeder belegten Schicht von einer hierfür
    bestimmten fachkundigen und besonders geschulten Person zu überprüfen. Stempel mit
    unzureichender Kraftaufnahme sind nachzusetzen.
     
    Ausbauarbeiten sind so abzustimmen, daß Stempel im Bereich der Antriebe kohlenstoßseitig
    erst unmittelbar vor dem Rücken des Strebförderers und der Antriebe entfernt werden.
    Gleichzeitig ist sicherzustellen, daß der Ausbau im versatzseitigen Bereich der Antriebe
    unmittelbar nach dem Rücken wieder eingebracht wird.
     
    Stempel dürfen an der Bruchkante nur geraubt werden, wenn nach dem Rücken des
    Strebförderers die versatzseitige Ausbaureihe hinter dem Strebförderer vollständig
    eingebracht ist.
  9. Für das Einbringen der Schubsicherungen und die durchzuführenden Ausbaumaßnahmen
    sind Betriebsanweisungen zu erstellen und den für diese Betriebe zuständigen verantwortlichen
    Personen auszuhändigen. Personen, die in den unteren Strebeingangsbereichen solcher Betriebe
    beschäftigt sind, sind entsprechend zu unterweisen.

Sie werden hiermit angewiesen, die angegebenen Maßnahmen zur Schubsicherung beim Abbau
geneigter Streben ab 30 gon Einfallen im Betriebsplanverfahren festzulegen und die Durchführung
dieser Maßnahmen zu überwachen.

In Streben mit geringerem Einfallen (20-30 gon) ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Erhöhung des
Ausbauwiderstandes nach Ziffer 3 in Betracht kommt. Dies gilt insbesondere dann, wenn
Abbaustrecken nicht mit abbindenden Baustoffen hinterfüllt sind, größere Hangendanschnitte
vorliegen oder die Antriebe im Streb liegen.

Gleichzeitig werden Sie gebeten, eine Überprüfung bereits laufender Streben nach Maßgabe
vorstehender Gesichtspunkte zu veranlassen und, soweit erforderlich, Zusatzmaßnahmen gegen
Schub anzuordnen.

Die Bezugsverfügung wird hiermit aufgehoben.

Dortmund, den 6.12.1984

Landesoberbergamt NW

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