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20.12.1988

18.41.3-12-1

Maßnahmen gegen Explosionsgefahren
aus dem Alten Mann

A 2.7
(A 2.18)

An die Bergämter des Landes NRW

Betr.: Maßnahmen gegen Explosionsgefahren aus dem Alten Mann

Aufgrund der grubensicherheitlichen Erfordernisse, die sich aus der Problematik eines
mit heutigem Datum unter M 1 im Sammelblatt geschilderten Ereignisses ergeben, wird
es zur Vermeidung von Explosionsgefahren als notwendig angesehen, beim Zulassungs-
verfahren insbesondere für Abbaubetriebspläne auch zu prüfen, ob folgende Belange in
die Planungsüberlegungen einbezogen worden sind:

  • Durch Abbauzuschnitt, Streckensaumbehandlung und Gasabsaugung muß ein
    strebnahes Gasreservoir vermieden werden.
  • Hohlräume großer Erstreckung im Alten Mann mit Verbindung zu offenen
    Grubenbauen (z.B. zum Streb) - insbesondere in dem Zwickel zwischen Strecken-
    begleitdamm und Bruch - sind zu verfüllen, wenn sich dort zündfähige Gas/Luft-
    Gemische bilden können.
  • Der Alte Mann ist durch Schnüffelrohre zumindest auf CH4 und CO, erforderlichen-
    falls auch auf andere Gase zu überwachen. Wenn zündfähige Gas/Luft-Gemische im
    strebnahmen Bruchfeld trotz intensiver Gasabsaugung zu erwarten sind oder auftreten,
    ist das Bruchfeld durch ausreichend wetterdurchlässige Gestaltung des Streckensaums
    so zu belüften oder durch Stickstoffaufgabe so zu inertisieren, daß Zündgefahren
    vermieden werden. Eine Inertisierung ist erst recht notwendig, wenn Anzeichen für
    einen Selbstentzündungsbrand im Bruchfeld vorliegen.
  • Sofern Explosionsgefahr nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann, sind die
    Explosionskennziffern zu ermitteln. Bei brennbaren Gasen oberhalb der unteren
    Explosionsgrenze ist festzustellen, ob mit oder ohne Verdünnung der vorhandenen
    Gemische mit Luft Explosionsgefahr besteht. Wenn diese nicht ausgeschlossen werden
    kann, ist der Gefahrenbereich zu räumen und abzusperren. Das trifft immer dann zu,
    wenn die genannten Gemische im strebnahen Bruchfeld oder in Hohlräumen großer
    Erstreckung mit Verbindung zu offenen Grubenbauen auftreten oder allgemein eine
    Brandentwicklung gegeben ist.
  • In Betrieben mit Inertisierung ist entsprechend den Erfordernissen eine kontinuierliche
    O2-Überwachung mit Warnsignalgebung sicherzustellen.
  • Zur Frage der Brandbekämpfung bei bzw. nach Gasentzündungen ist zu beachten:
    In unübersichtlicher Situation (Gaszufuhr, Gasreservoir wie z. B. Alter Mann oder
    Ausbruch unbekannten Ausmaßes, unklarer Zündort und/oder unklare Zündursache)
    sofort den Gefahrenbereich (meist Wetterabteilung) räumen und absperren!
    Örtliche Bekämpfungen von Gasbränden erscheinen nur dann vertretbar, wenn die
    Situation übersichtlich und ein schneller Löscherfolg absehbar ist; dabei ist vorausgesetzt,
    daß die Brandbekämpfung durch entsprechend ausgebildete Personen geschieht.
    Weitergehende Maßnahmen - auch durch die Grubenwehr - sind nur nach besonderer
    Abwägung der Einsatzleitung zu treffen, ausgenommen die unmittelbare Rettung von
    Verletzten.

Soweit die vorstehenden Belange bei der Bearbeitung von Betriebsplänen, insbesondere über
Abbauplanungen, Bedeutung besitzen, sind sie zu berücksichtigen. Die zuständigen Fachstellen
(Prüfstelle für Grubenbewetterung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse, Hauptstelle für
das Grubenrettungswesen in Essen, Bergbau-Versuchsstrecke) sind erforderlichenfalls hinzuzu-
ziehen. Über die Erfahrungen ist in den Jahresberichten dem Landesoberbergamt zu berichten.

Dortmund, den 20.12.1988

Landesoberbergamt NW

S c h e l t e r