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Bezirksregierung Arnsberg
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 Ebene rauf: Fluchtweg-Richtlinien
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1. Geltungsbereich

Diese Richtlinien sind von den Bergämtern bei der Prüfung von Betriebsplänen für den
Steinkohlenbergbau unter Tage zu beachten, insbesondere bei grubensicherheitlichen
Rahmenbetriebsplänen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1. Haltezeit eines Selbstretters

Als Haltezeit eines Selbstretters wird die Zeitdauer bezeichnet, für die das Gerät dem
Gerätträger einen sicheren Schutz bietet. Sie wird für die jeweilige Bauart von der Hauptstelle
für das Grubenrettungswesen, Essen, unter definierten Prüfbedingungen ermittelt und im
Rahmen des behördlichen Zulassungsverfahrens festgelegt.

2.2. Fluchtansatzpunkt

Als Fluchtansatzpunkt wird der Punkt im Grubengebäude bezeichnet, an dem bei einem
Ereignis die Flucht derjenigen Person beginnt, die den längsten Fluchtweg zurückzulegen hat.

2.3. Fluchtendpunkt

Als Fluchtendpunkt wird der Punkt im Grubengebäude bezeichnet, an dem der Übergang aus
dem belasteten Wetterstrom in einen Wetterstrom erfolgen kann, der (bei dem für den Fluchtfall
betrachteten Ereignis) unbelastete Wetter führt.

2.4. Fluchtzeit

Als Fluchtzeit wird die Zeitdauer bezeichnet, die für die Flucht vom Fluchtansatzpunkt bis zum
Fluchtendpunkt nach Maßgabe der Abschnitte 5 und 6 ermittelt wird.

3. Grundregeln

3.1 Vermeiden von Brandlasten und Zündquellen

Zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Beschäftigten auch im Fluchtfall sollen Zünd-
quellen vermieden und die Brandlasten in den Grubenbauen so gering wie möglich gehalten
werden. Dies gilt insbesondere zur Vermeidung einer schnellen Brandausbreitung und zur
Vermeidung von Sichtbehinderungen. Es wird vorausgesetzt, das Maßnahmen des vor-
beugenden Brandschutzes durchgeführt und Einrichtungen zur Brandbekämpfung ausreichend
vorhanden sind.

3.2 Warnung der Beschäftigten

Eine frühzeitige Warnung der Beschäftigten im Falle eines Ereignisses muß sichergestellt sein.

3.3 Mitführen des Selbstretters

Jede Person muß unter Tage ein Atemschutzgerät für Selbstrettung (Selbstretter) ständig mit
sich führen. Dies gilt nicht für Mitglieder von Grubenwehren, die ein anderes, als Fluchtgerät
geeignetes Atemschutzgerät mit sich führen.

3.4 Zulässige Fluchtzeit

Die höchste zulässige Fluchtzeit beträgt 90 Minuten. Es dürfen grundsätzlich nur Selbstretter mit
einer Mindesthaltezeit von 90 Minuten verwendet werden.

3.5 Einsatzbeschränkungen

Bergleute, die nicht in der Lage sind, einen Streb mit einer gebauten Mächtigkeit < 1,0 m zu
befahren oder eine Flucht entsprechend den Richtgeschwindigkeiten über eine Dauer von
90 Minuten durchzuführen, dürfen nicht an Arbeitsplätzen beschäftigt werden, von denen aus
eine derartige Flucht in Betracht kommt. Die Einsatzbeschränkung erfolgt durch die ärztliche
Bescheinigung über die arbeitsmedizinischen Untersuchungen im Steinkohlenbergbau gemäß
Bergverordnung.

3.6 Fluchtwege

Fluchtwege sind so anzulegen, daß alle Personen im Falle eines Ereignisses (Grubenbrand,
Explosion, Gasausbruch) mit angelegtem Selbstretter ohne Benutzung von maschinellen Ein-
richtungen einen (bei dem für den Fluchtfall betrachteten Ereignis) unbelasteten Wetterstrom
innerhalb der zulässigen Fluchtzeit erreichen können. Dabei ist von Bedeutung, daß in jeder
Bauabteilung unabhängig von dem Streb ein zweiter befahrbarer Grubenbau als Fluchtweg
von der einziehenden Sohle (Haupt- oder Teilsohle) oder der einziehenden Basisstrecke zur
ausziehenden Sohle (Wettersohle) oder zur ausziehenden Basisstrecke vorhanden ist.

3.7 Fluchtrichtung

Die Flucht ist grundsätzlich in Wetterrichtung durchzuführen. In Fällen, in denen nach der Planung
ausnahmsweise eine Flucht gegen die Wetterrichtung in Betracht kommt, ist über Zweiweg-Sprech-
kommunikationseinrichtungen (z.B. Lautsprecher-Wechselsprechanlagen) sicherzustellen, daß die
Flucht auch gegen die Wetterrichtung durchgeführt werden kann.

3.8 Flucht in Schächten

Schächte sind so einzurichten, daß Personen von im Abwetterstrom liegenden Zugängen aus
mit angelegtem Selbstretter ohne Benutzung von maschinellen Einrichtungen einen unbelasteten
Wetterstrom erreichen können. Anforderungen an die Fahrungsmöglichkeiten in Schächten für den
Fluchtfall ergeben sich aus Anlage 1.

Ist ausnahmsweise die Benutzung eines Schachtes zur Flucht nicht möglich, so sind die
zuführenden Grubenbaue als Sackgaßen zu kennzeichnen und so zu sperren, daß niemand
unabsichtlich hineingelangen kann.

3.9 Flucht in Bohrlöchern

Bohrlöcher, die der Wetterführung dienen und gleichzeitig Fluchtweg sind, müssen durch Ausbau
gesichert und mit einer geeigneten Befahrungsmöglichkeit (z.B. feste Fahrte) ausgerüstet sein.

3.10 Erreichbarkeit der Tagesoberfläche

Unabhängig von den Fluchtmöglichkeiten unter Benutzung der Selbstretter muß von jeder Stelle
befahrbarer Grubenbaue aus die Tagesoberfläche auf zwei getrennten Wegen erreichbar sein.
Das gilt nicht für in Auffahrung befindliche Grubenbaue und nicht für Raubbetriebe. Dies gilt
ferner nicht für Sumpfstrecken, Pumpenkammern und Sprengmittellager sowie nicht für kurze
Betriebs- oder Lagerräume mit geringer Brandlast.

3.11 Hinweiszeichen

An Kreuzungen und Abzweigungen der Hauptstecken, Basisstrecken, Gesteinsberge und Flözberge
sowie an Sohlenanschlägen der Schächte müssen Strecken-, Schacht- und Sohlenbezeichnungen,
die Richtungen und Entfernungen zum nächsterreichbaren Seilfahrtschacht (einziehend/ausziehend)
sowie zum zweiten Ausgang zur Tagesoberfläche auf Schildern angegeben sein.

3.12 Warneinrichtungen in besonderen Betrieben

Durch geeignete Maßnahmen muß sichergestellt sein, daß bei einem Ereignis alle Personen in
sonderbewetterten Betrieben und Raubbetrieben sofort gewarnt werden können. Eine Zweiweg-
Sprechkommunikationseinrichtung mit optischer und akustischer Signalgebung muß im Vorort-
bereich vorhanden sein.

Weitere Kommunikationseinrichtungen müssen am Eingang sowie in geeigneten Abständen entlang
des sonderbewetterten Bereichs eingerichtet sein. Um sicherzustellen, daß die Warnung die
betroffenen Personen jederzeit erreicht, muß die Möglichkeit bestehen, sich von einer ständig
besetzten Stelle (z.B. Sicherheitswarte) aus auch in laufenden Gespräche einzuschalten.

3.13 Verbesserung der Fluchtbedingungen

Zur Verbesserung der Fluchtbedingungen sollten alle technischen und organisatorischen
Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Personenbeförderungsmittel auch im Falle eines Ereignisses
betriebsfähig verfügbar zu halten (z.B. Selbstfahrerseilfahrt, Fremdbelüftung für Bedienungsstände,
Fernsteuerung).

3.14 Fluchtkammern

Fluchtkammern sind bei Überschreiten der zulässigen Fluchtzeit grundsätzlich keine geeignete
Ersatzmaßnahme. Jedoch können Fluchtkammern in Sonderfällen die Fluchtsituation der
Belegschaft verbessern. Fluchtkammern können z.B. an Schachtanschlägen bzw. Blindschacht-
anschlägen, Fuß- bzw. Endpunkten geneigter Grubenbaue oder sonstigen als Sammelpunkt
geeigneten Stellen zweckmäßig sein.

3.15 Unterweisung

Die gründliche Unterweisung aller Beschäftigten über das Erkennen von Anzeichen eines
Ereignisses, über das Verhalten im Falle eines Ereignisses sowie über den Gebrauch der
Selbstretter im Fluchtfall ist unverzichtbar (s. hierzu auch: 
- Filterselbstretter-Plan (Z.Zt.: Plan gemäß Rundverfügung vom 3.8.1989 - 12.63.1-9-1 -,
   SBl. A 4.6)
- Sauerstoffselbstretter-Plan (Z.Zt.: Plan gemäß Rundverfügung vom 20.1.1983 - 12.63.3-6-2 -,
   SBl. A 4.6)
- Abschnitte 3.7 und 3.16 dieser Richtlinien).

3.16 Fluchtwegbefahrungen

Sofern Fluchtwege mit den täglichen An- und Abfahrtswegen nicht identisch sind oder wenn die
tägliche Fahrung mit Personenbeförderungsmitteln vorgenommen wird, haben die Aufsichts-
personen die Belegschaft über den Fluchtweg zu belehren und mit der Belegschaft den Fluchtweg
in regelmäßigen Zeitabständen ohne Benutzung der Personenbeförderungsmittel zu befahren.
Entsprechendes gilt auch, wenn der Fluchtweg sich ändert, z.B. bei Wetterumstellungen.

4. Ermittlung der Fluchtansatzpunkte und Fluchtendpunkte

4.1. Allgemeines

Bei den Fluchtbetrachtungen sind als Ort für ein Ereignis alle Grubenbaue zu berücksichtigen.
Einziehschächte sind nicht zu berücksichtigen, sofern der CH4-Gehalt im Einziehschacht 0,3% nicht
überschreitet, die abgeworfenen Zugänge zum Schacht explosionsfest abgedämmt sind und das
Entstehen von Kohlenstaubexplosionen ausgeschlossen werden kann (nasse Schächte,
in trockenen Schächten Kohlenstaubbeseitigung oder -inertisierung). Vom Einziehschacht
aus wird der erste Fluchtansatzpunkt in Richtung des Wetterstromes so weit in das Gruben-
gebäude hineinverlegt, wie ein Ereignis zwischen Einziehschacht und Fluchtansatzpunkt nicht
anzunehmen ist. Dies ist der Fall, wenn die Voraussetzungen nach Abschnitt 4.2 erfüllt sind.

Für durchgehend bewetterte Betriebe ist in diesem Fall der erste Fluchtansatzpunkt der letzte
Wetterverzweigungspunkt vor dem Betrieb (Abb. 1). Abweichend hiervon darf der erste Flucht-
ansatzpunkt näher an den Betrieb herangelegt werden (Mindestabstand vom Betrieb 200 m),
wenn einziehseitig dieses vorverlegten Fluchtansatzpunktes die Voraussetzungen nach Abschnitt
4.2 erfüllt und darüber hinaus zwischen dem letzten Wetterverzweigungspunkt und dem
vorverlegten Fluchtansatzpunkt Gurtförderer mit Kohlenförderung nicht vorhanden sind (Abb. 2).

Weitere Fluchtansatzpunkte liegen an nachgeschalteten Wetterverzweigungspunkten der Teilwetter-
ströme.

Für sonderbewetterte Grubenbaue ist die Ortsbrust der Fluchtansatzpunkt.

Fluchtendpunkte liegen an den Einmündungspunkten von befahrbaren Wetterwegen, deren
Wetterstrom durch ein Ereignis nicht belastet ist (vgl. Abschnitt 2.3).

4.2. Bewertung der Einziehwetterwege

4.2.1. Gefahr durch Grubengas

Ausgehend vom Einziehschacht braucht die Gefahr einer Explosion oder eines plötzlichen
Freiwerdens großer Grubengasmengen weder in durchgehend bewetterten noch in sonder-
bewetterten Grubenbauen in Betracht gezogen zu werden, wenn folgende Voraussetzungen
erfüllt sind:

4.2.1.1 Kein plötzliches Freiwerden großer Grubengasmengen

Ein plötzliches Freiwerden großer Grubengasmengen kann aufgrund der Beurteilung nach Maßgabe
der Gasausbruchs-Richtlinien in der Fassung vom 23.10.1987 - 18.41.1-3-2 -, SBl. A 2.18, und der
einschlägigen Rundverfügungen ausgeschlossen werden.

Soweit aufgrund der vorgenannten Beurteilung bei Ausschluß von Gas/Kohlen- und Gas/Gesteins-
Ausbrüchen andere Formen eines plötzlichen Freiwerdens großer Grubengasmengen nicht
ausgeschlossen werden können (z.B. Liegendgasausbrüche, verstärkte Ausgasung beim Setzen des
Haupthangenden), besteht die Möglichkeit, diese durch Abwehrmaßnahmen (z.B. Gaslösungs-
bohrungen, Gasabsaugung) zu verhindern. Die Eignung dieser Maßnahmen im Hinblick auf das
Schutzziel nach Abschnitt 4.2.1 muß im Einzelfall durch die Prüfstelle für Grubenbewetterung
bestätigt sein.

4.2.1.2 Keine Explosionsgefahr in sonderbewetterten Grubenbauen

- Sonderbewetterte Grubenbaue sind nicht vorhanden,
- oder in sonderbewetterten Grubenbauen kann eine CH4-Ausgasung ausgeschlossen werden
  (Begutachtung durch die Prüfstelle für Grubenbewetterung),
- oder in sonderbewetterten Grubenbauen kann zwar eine CH4-Ausgasung nicht ausgeschlossen
   werden, aber in ihnen ist mit einer Zunahme des CH4-Gehalts der Wetter um mehr als 0,3% nicht
   zu rechnen, und in ihnen werden, sofern es sich um Grubenbaue mit Abbaueinwirkungen
   (vgl. Abschnitt 4.2.1.3) oder Vortriebe oder Raubbetriebe handelt, die Maßnahmen nach Anlage 2
  
durchgeführt.

4.2.1.3 Keine Explosionsgefahr in durchgehend bewetterten Grubenbauen

In diesen Grubenbauen ist mit einer Zunahme des CH4-Gehaltes um mehr als 0,3% nicht zu rechnen,
wobei eine stabile Bewetterung sichergestellt sein muß.

- Für Grubenbaue ohne Abbaueinwirkungen (Handhabung nach Rundverfügung vom 16.3.1976
   - 18.43.1-3-19 -,  SBl. A 2.9) kann dies durch die wettertechnischen Messungen und
   Feststellungen nach Maßgabe der BVOSt bestätigt werden.
- In Grubenbauen mit Abbaueinwirkungen müssen die Wettergeschwindigkeits- und CH4-Über-
   wachung durch ortsfeste schreibende Meßeinrichtungen und im Hinblick auf örtliche
   CH4-Ansammlungen zusätzlich durch ausreichende Handmessungen sichergestellt sein.

4.2.1.4 Keine Explosionsgefahr im Bereich von Kohlenbunkern

Das Entstehen von Explosionen im Bereich von Kohlenbunkern kann aufgrund der Beurteilung
nach Maßgabe der Rundverfügung vom 20.6.1979 - 18.32-1-13 -, SBl. A 2.18,
ausgeschlossen werden.

4.2.1.5 Bewertung

Sofern die Voraussetzungen der Abschnitte 4.2.1.1 bis 4.2.1.4 nicht erfüllt sind, liegt der erste
Fluchtansatzpunkt im Einziehwetterstrom am Beginn des Bereichs, der durch das Ereignis mit
schädlichen Gasen belastet werden kann (Abb. 3). Die Fluchtendpunkte für Personen in nach-
geschalteten Grubenbauen verlagern sich ggf. weiter in Abwetterrichtung.

4.2.2. Brandgefahr

Ausgehend vom Einziehschacht braucht ein Brand nicht in Betracht gezogen zu werden, wenn dort
Brandlasten nicht vorhanden oder wegen geringen Angebots an brennbaren Stoffen oder wegen
langsamer Brandausbreitung nicht zu berücksichtigen sind.

4.2.2.1 Nicht brennbarer Ausbau

Grundsätzlich wird in allen Grubenbauen "nichtbrennbarer Ausbau" vorausgesetzt. Zu den
Grubenbauen mit "nichtbrennbarem Ausbau" zählen auch solche, in denen Holz als Regelausbau
oder zur Streckensaumsicherung zwar vorhanden, aber mit unbrennbaren Baustoffen so
abgesichert ist, daß eine Brandausbreitung an ihm ausgeschlossen werden kann (ggf. Prüfbericht
der Versuchsgrubengesellschaft, Dortmund). Zu diesen Grubenbauen zählen auch Grubenbaue
mit nichtbrennbarem Ausbau (z.B. Stahlbögen, Stahlverzug und Stahlbolzen) und - zusätzlich -
organischen Materialien wie Kunststoff-Schäume, deren Muster vom Landesoberbergamt
zugelassen worden sind, und/oder Kunststoff-Folien, deren großflächige Anwendung aufgrund
eines Prüfbescheides des Landesoberbergamts zulässig ist.

4.2.2.2 Brandlastbegrenzung

4.2.2.2.1 Folgende Brandlasten brauchen nicht berücksichtigt zu werden:

- Schienengebundene oder zwangsgeführte Dieselfahrzeuge, sofern sie mit selbsttätigen Lösch-
  einrichtungen mit hoher Ausstoßrate ausgestattet sind und sofern sie außer Kohle und feuer-
  hemmend behandeltem Holz keine oder nur entsprechend Abschnitt 4.2.2.2.2 abgesicherte
  Brandlasten transportieren. Dies gilt auch - ausgenommen die selbsttätigen Löscheinricht-
  ungen - für andere schienengebundene und zwangsgeführte Fahrzeuge;
- Gurtförderer mit Fördergurten mit Prüfbescheid des Landesoberbergamts NW, sofern sie
   außer Kohle keine Brandlasten transportieren und die Anforderungen nach Anlage 3 erfüllen;
- anstehende Kohle oder Kohle in Bunkern oder Fördermitteln;
- betriebsnotwendige elektrische Kabel und Leitungen, sofern sie die Anforderungen nach Anlage 3
   erfüllen;
- Luttenleitungen aus Kunststoffen, sofern sie so angeordnet sind, daß der Schutz gegen
  Beschädigungen sichergestellt ist.

4.2.2.2.2 Zusätzliche Brandlasten erheblichen Umfangs dürfen zu den im Abschnitt 4.2.2.2.1
aufgeführten nicht hinzukommen. Des weiteren dürfen brennbare Betriebsmittel und Betriebsstoffe
nicht gelagert werden; dies gilt nicht für Fördergurte mit Prüfbescheid bei entsprechender brand-
schutztechnischer Absicherung.

Das Bereithalten eines Tagesbedarfs und der Transport an festen brennbaren Betriebsmitteln ist
nur mit brandschutztechnischer Absicherung (z.B. Bereithalten in Wannen, Förderwagen) zulässig.
Feuerhemmend behandeltes Holz, Langholz sowie Betriebsmittel mit Zulassung oder Prüfbescheid,
z.B. Fördergurte, brauchen nicht in Wannen oder Förderwagen bereitgehalten zu werden, wenn hier
zumindest Pulverlöscher vorhanden sind.

Brennbare Flüssigkeiten (Flammpunkt < 100 °C) dürfen nicht bereitgehalten werden (wegen der
Betankungsräume, in denen der Tagesbedarf oder mehr bereitgehalten bzw. gelagert wird,
s. Abschnitt 4.2.2.2.4).
Brennbare Flüssigkeiten dürfen nur in den dafür vorgesehenen Tankwagen transportiert werden.

Das Bereithalten eines Tagesbedarfs an flüssigen brennbaren Betriebsstoffen (Flammpunkt >100 °C)
ist unter folgenden Voraussetzungen zulässig:

- Flüssige brennbare Betriebsstoffe und flüssige brennbare Kunststoffe bis 20 Liter:
  
  Eine brandschutztechnische Absicherung der Transportgebinde ist nicht erforderlich.

- Flüssige brennbare Betriebsstoffe bis 200 Liter sowie flüssige brennbare Kunststoffe:

  Unterbringung der Transportgebinde in Wannen oder Behältern aus unbrennbarem Material, die
  den gesamten Inhalt aufzufangen vermögen.

  Die Bereiche, in denen der Tagesbedarf an flüssigen brennbaren Betriebsstoffen oder flüssigen
  brennbaren Kunststoffen bereitgehalten wird, sind durch mindestens einen Wasseranschluß mit
  Feuerlöschschlauch und Sprühstrahlrohr abzusichern; zusätzliche Pulverlöscher müssen vorhanden
  sein.

Der Transport an flüssigen brennbaren Betriebsstoffen und flüssigen brennbaren Kunststoffen ist
nur in hierfür geeigneten Behältern (stoßfest sowie gesicherter Verschluß) zulässig. Die Behälter
müssen sich in Förderwagen oder Wannen befinden, die bei Leckagen den gesamten Inhalt der
Behälter auffangen können.

4.2.2.2.3 Instandsetzungsräume, in denen mit offenem Feuer umgegangen wird, dürfen nicht
vorhanden sein.

4.2.2.2.4 Wartungsräume sowie Betankungsräume für Dieselfahrzeuge sind zulässig, wenn sie

- aus nichtbrennbaren Materialien errichtet sind,
- keine brennbaren Einbauten besitzen,
- mit selbsttätigen Löschanlagen abgesichert sind und
- selbst oder die in ihnen eingerichteten Aufbewahrungsräume des Dieselkraftstoffs Vorrichtungen
  besitzen, durch die im Brandfall selbsttätig ein dichter Abschluß durch nichtbrennbare Türen,
  Klappen oder ähnliche Einrichtungen sichergestellt ist.

4.2.2.2.5 Geringfügige Brandlasten, wie z.B. Druckluft- oder Wasserschläuche an Baustellen,
brauchen nicht berücksichtigt zu werden; jedoch sind Ansammlungen leicht brennbarer Stoffe
(z.B. Verpackungsmaterial) zu vermeiden.

4.2.2.3 Bewertung

Sofern die Voraussetzungen der Abschnitte 4.2.2.1 und 4.2.2.2 nicht erfüllt sind, liegt der erste
Fluchtansatzpunkt im Einziehwetterstrom am Beginn des Bereichs der erhöhten Brandlasten, der
durch einen Brand mit schädlichen Gasen belastet werden kann (Abb. 3). Die Fluchtpunkte der
Personen in nachgeschalteten Grubenbauen verlagern sich ggf. weiter in Abwetterrichtung.

4.3. Zusätzliche Wettereinspeisungen und brandschutztechnische Absicherung von Abzweigen

Die Fluchtsituation kann durch mehrere, in der Regel zwei Wettereinspeisungen, verbessert werden
(Abb. 4.1 und 4.2). Werden aus einem Frischwetterstrom zwei oder mehr Wettereinspeisungen für
nachgeschaltete Bereiche abgezweigt, so müssen die Abzweige (Kreuzungen) für diese Wetterein-
speisung hinsichtlich des Ausbaus (einschließlich Hinterfüllung) und der Einbauten (z.B. Förder-
mittel, Kabel) so abgesichert sein, daß ein Brand nicht auf die zweite Wettereinspeisung übergreifen
kann.

5. Flucht mit Selbstrettern

5.1. Einsatzbedingungen

Filterselbstretter (FSR) sind als Fluchtgeräte vor allem für die Verwendung bei Grubenbränden und
nach Entzündungen von Grubengas oder Kohlenstaub vorgesehen, bei denen in den Grubenwettern
ein ausreichender Sauerstoffgehalt vorhanden ist. Filterselbstretter schützen nicht bei Sauerstoff-
mangel. Für Sonderfälle (z.B. Gasausbrüche), bei denen mit Sauerstoffmangel gerechnet werden
muß, kommt die Verwendung von Sauerstoffselbstrettern (SSR) in Betracht.

5.2. Fluchtbedingungen für Flucht mit Filterselbstrettern

5.2.1 Allgemeine Angaben zu Richtgeschwindigkeiten für die Flucht mit Filterselbstrettern

Art und Beschaffenheit des Fluchtweges finden ihren Niederschlag in unterschiedlichen Fluchtge-
schwindigkeiten. Die in diese Richtlinie übernommenen Richtgeschwindigkeiten sind durch zahl-
reiche Versuchsbefahrungen ermittelt und durch Ernstfälle im deutschen Steinkohlenbergbau
bestätigt worden.

Die Richtgeschwindigkeiten beziehen sich auf Streckenhöhen über 1,80 m und bei Streben auf die
gebaute Flözmächtigkeit. Dabei sind häufig vorkommende Erschwernisse im Fahrweg (Quer-
neigung, Verengungen, Materialumschlagplätze, Teilabschnitte mit Fahrweghöhen unter 1,80 m)
sowie die ständig wechselnden Strebverhältnisse (herangefahrener oder zurückstehender Streb-
ausbau, Nachfall, Mächtigkeitseinschränkungen, Störungen) berücksichtigt. Diese Richtgesch-
windigkeiten sind gültig bis zu einer Effektivtemperatur von 25 °C (vgl. Abschnitt 5.2.5).

Zur Ermittlung der Fluchtzeiten sind die Richtgeschwindigkeiten nach den Abschnitten 5.2.2 bis
5.2.6 zugrundezulegen.

5.2.2 Richtgeschwindigkeiten in Strecken

Neigung

Richtgeschwindigkeit in m/min

gon

aufwärts

abwärts

0 - 5

55

   55

> 5 - 10

45

   60

> 10 - 15

35

   55

> 15 - 20

30

   45

> 20

25

   30


Bei ansteigenden Strecken mit einer Neigung von mehr als 15 gon sind die Richtgeschwindigkeiten
bei Streckenlängen über 400 m jeweils um 5 m/min niedriger anzusetzen. Wenn während des
Betriebes abweichend von der Planung außergewöhnliche Schwierigkeiten für die Fahrung auftreten
(Strecken mit einer Fahrweghöhe unter 1,80 m oder einer Querneigung größer 15 gon über eine
Erstreckung von mehr als 200 m), sowie für ansteigende Strecken mit einer Neigung größer 10 gon
über eine Erstreckung von mehr als 1 000 m sind die Fluchtgeschwindigkeiten durch Einzel-
messungen zu ermitteln.

5.2.3 Richtgeschwindigkeiten in Streben

Neigung

Mächtigkeit

Richtgeschwindigkeit in m/min
auf- und abwärts

gon

m

Streblänge
bis 250 m

Streblänge
250 bis 350 m

0 - 20

≤ 1,00a

9

  7

> 1,00 - 1,40

11

   9

> 1,40 - 1,80

17

  14

> 1,80

30

   23

> 20 - 40

≤ 1,40

9

   7

> 1,40

11

9

> 40b

≤ 1,40

9

7

> 1,40

11

9

a Einsatzbeschränkungen gem. Abschnitt 3.5 beachten!

b Die Richtgeschwindigkeiten in Streben mit einer Neigung > 40 gon
   gelten nicht für die Flucht abwärts.

 

Die Richtgeschwindigkeiten beziehen sich auf Strebausbautypen, die eine freie Fahrweghöhe von
mindestens 70 cm gewährleisten. Bei abweichenden Bedingungen oder in Grenzfällen sind die
Fluchtgeschwindigkeiten durch Einzelmessungen zu ermitteln.

5.2.4 Richtgeschwindigkeiten in Schächten und Blindschächten

Richtgeschwindigkeit  in m/min

aufwärts:

abwärts:

 5

 9

Diese Richtgeschwindigkeiten sind gültig bis zu einer Befahrungslänge von 200 m. Bei ab-
weichenden Bedingungen sind die Fluchtgeschwindigkeiten durch Einzelmessungen zu ermitteln.

5.2.5 Berücksichtigung des Grubenklimas

Die Richtgeschwindigkeiten nach den Abschnitten 5.2.2 bis 5.2.4 sind bei einer Effektivtemperatur
über 25 °C bis 29 °C um einen pauschalen Abschlag von 15% und bei einer Effektivtemperatur
über 29 °C um einen pauschalen Abschlag von 33% zu kürzen. Der Abschlag ist in den Bereichen
anzuwenden, in denen die erhöhten Klimawerte vorliegen.

5.2.6 Berücksichtigung großer Brandlasten

Die Richtwerte für Fluchtgeschwindigkeiten nach den Abschnitten 5.2.2 bis 5.2.4 sind bei einer
Fluchtzeitberechnung für Arbeitsplätze, die sich abwetterseitig von großen Brandlasten befinden,
wegen der zu erwartenden Sichtbehinderung zu kürzen. Die Kürzung beträgt

- 30% abwetterseitig von Holz als Regelausbau oder von nicht feuerhemmend behandeltem Holz
  als Zusatzausbau oder zur Streckensaumsicherung,

- 15% abwetterseitig von feuerhemmend behandeltem Holz nur als Zusatzausbau oder nur zur
   Streckensaumsicherung; dies gilt nur für den nicht aufgefrischten Wetterstrom (Abb. 5.1 und 5.2).

5.3. Fluchtbedingungen für Flucht mit Sauerstoffselbstrettern

5.3.1 Richtgeschwindigkeiten

Die Ergebnisse von Versuchsbefahrungen mit Sauerstoffselbstrettern und fehlende Erfahrungen über
die Flucht mit Sauerstoffselbstrettern in Ernstfällen ermöglichen es zur Zeit noch nicht, Richtge-
schwindigkeiten für die Flucht mit diesen Atemschutzgeräten anzugeben.

5.3.2 Einzelmessungen

Für die Flucht mit Sauerstoffselbstrettern ist die Fluchtgeschwindigkeit bis auf weiteres durch
Einzelmessungen in jedem beabsichtigten Anwendungsfall zu ermitteln; bei diesen Messungen
ist die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen zu beteiligen.

6. Fluchtzeitermittlung

Zunächst werden unter Beachtung der Abschnitte 3 und 4 der jeweilige Fluchtansatzpunkt und
Fluchtendpunkt festgelegt. Die Fluchtzeiten werden abschnittsweise aus den jeweiligen
Fluchtweglängen und den zuzuordnenden Fluchtgeschwindigkeiten in den einzelnen Grubenbauen
bestimmt (Abschnitt 5). Die abschnittsweise ermittelten Fluchtzeiten werden über den gesamten
Fluchtweg addiert (Abb. 6).

Bei Überschreitung der zulässigen Fluchtzeit wäre die sichere Flucht der Betroffenen nicht
gewährleistet.