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28.10.1983

12.31-5-10

Undichtigkeiten an radioaktiven Strahlern

A 2.4

An die Bergämter des Landes NW

Betr.: Undichtheiten an radioaktiven Strahlern

Bezug: Rundverfügung vom 12.7.1979 - 12.31-2-19 - und vom 9.8.1983 - 12.32-5-4 -
          (nicht im Sammelblatt veröffentlicht)

Mit der Bezugsverfügung vom 9.8.1983 ist über Undichtheiten berichtet worden, die an 2
Co-60-Strahlern einer Bunkerfüllstandsanzeige nach 7-jährigem Einsatz festgestellt worden sind.
Die Ursache der Schäden war Korrosion durch aggressive Grubenwässer.

Inzwischen wurden ähnliche Undichtheiten an drei weiteren Strahlern einer Bunkerfüllstandsüberwachung
bei der Dichtheitsprüfung am Ende der Verwendungszeit durch das Staatliche Materialprüfungsamt in
Dortmund festgestellt. Auch in diesem Falle handelt es sich um hängende Strahler mit doppelter
Edelstrahlumhüllung, die in Stahlkapseln (Halterungen) eingeschlossen an Seilen in Rohren in der
Schachtwandung hingen. Die Strahler befanden sich bereits 10 Jahre im Einsatz, ohne in der
Zwischenzeit auf Dichtheit geprüft worden zu sein. Auch in diesem Fall war Korrosion durch
Grubenwässer die Ursache des Schadens.

Wie bereits durch die Rundverfügung vom 9.8.1983 - 12.32-5-4 - mitgeteilt wurde, wird das
Landesoberbergamt den Einsatz radioaktiver Strahler unter derartigen Betriebsbedingungen nur noch
genehmigen, wenn die Strahler zusätzlich zu der üblichen doppelten Edelstahlumhüllung noch mit
einem säurefesten und strahlenbeständigen Kunststoffmantel oder mit einem gleichwertigen Schutz
versehen sind.

Auf Grund der Rundverfügung vom 12.7.1979 - 12.31-2-19 - war eine Wiederholung der
Dichtheitsprüfung mit Rücksicht auf die besonderen Schwierigkeiten beim Ein- und Ausbau
sowie beim Prüfen hängender Strahler in Schächten und Bunkern nach dem Einbau der
Präparate erst wieder nach Ablauf der betrieblichen Verwendungszeit erforderlich. Im Hinblick
auf die beiden beschriebenen Fälle sind derartig lange Prüffristen nicht mehr angebracht.

Sie werden deshalb gebeten, im Betriebsplanverfahren für alle in Rohrleitungen oder Bohrungen
hängend eingesetzten radioaktiven Strahler die folgenden über die Genehmigungen und die
Rundverfügung vom 12.7.1979 - 12.31-2-19 -, Abschnitt 2 A hinausgehenden Maßnahmen
festzulegen:

1. In Rohrleitungen oder Bohrungen hängende Strahler dürfen nicht länger als 7,5 Jahre lang
    eingesetzt werden. Strahler, die länger als 7,5 Jahre in Betrieb sind, müssen innerhalb eines
    halben Jahres gegen neue mit einem säurefesten und strahlenbeständigen Kunststoffmantel
    oder mit einem gleichwertigen Schutz versehene Strahler ausgewechselt werden. Das
    Bergamt kann im begründeten Einzelfall einer Verlängerung der halbjährigen Frist um
    längstens ein Vierteljahr zustimmen.

2. Strahler, die länger als 2,5 Jahre in Rohrleitungen oder Bohrungen hängen und deren letzte
    Prüfung länger als 2,5 Jahre zurückliegt, müssen innerhalb eines halben Jahres geprüft
    werden, wobei die ältesten Strahler möglichst zuerst zu berücksichtigen sind. Bei diesen
    Prüfungen ist mindestens eine Kontrolle durch Besichtigung auf Korrosionsschäden
    erforderlich. Sofern die Oberfläche der Edelstahlhülsen nicht mehr völlig blank ist und
    Korrosionsschäden an den Strahlern nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden können,
    muß ein Wischtest vorgenommen werden. Die Auswertung des Wischtests hat beim
    Staatlichen Materialprüfungsamt in Dortmund zu erfolgen. Bei der Ablieferung des für
    den Wischtest benutzten Materials sind der Einbauort des betreffenden Strahlers, die
    Nummer des Strahlers sowie Datum und Geschäftszeichen der Genehmigung anzugeben.
    Das Bergamt kann in begründeten Einzelfällen einer Verlängerung der Frist um längstens
    ein Vierteljahr zustimmen.

3. Die unter Nr. 2 genannten Prüfungen sind in Abständen von jeweils 2,5 Jahren zu
    wiederholen.

4. Auch in bereits genehmigten Strahlenmeßeinrichtungen dürfen beim Auswechseln von
    Strahlern, die in Rohrleitungen und Bohrungen hängen, nur noch korrosionsgeschützte
    Strahler der unter Nr. 1 beschriebenen Bauart eingesetzt werden.

5. Bei den Prüfungen der kunststoffummantelten Strahler in Abständen von 2,5 Jahren
    nach Nrn. 2 und 3 ist in jedem Falle ein Wischtest durchzuführen, weil Schäden an
    der Kunststoffhülle bei der Besichtigung mit bloßem Auge nur schwer erkennbar sind.

6. Für die Aufnahme neuer Strahler unter den obengenannten Einsatzbedingungen dürfen
    nur solche Kapseln (Halterungen) verwendet werden, die wasserdicht ausgerüstet sind
    und den im Betrieb vorkommenden Korrosionsbelastungen standhalten.

7. Ausgewechselte Strahler sind wie bisher entsprechend der Bezugsverfügung vom
    12.7.1979 durch das Staatliche Materialprüfungsamt in Dortmund auf Dichtheit prüfen
    zu lassen.

8. Über die Prüfungen der Strahler sind Aufzeichnungen zu führen. Diese sind bis mindestens
    6 Monate nach Rückgabe der Strahler an eine Lieferfirma oder an eine Sammelstelle
    aufzubewahren.

Beim Auswechseln von Strahlern ist zu beachten, daß im Falle einer Undichtheit des Strahlers
die Kapseln, in denen sich die Präparate befanden, sowie benutzte Werkzeuge und andere
Stoffe, die mit den Strahlern in Berührung gekommen sind, kontaminiert sein können.
Diese Gegenstände müssen deshalb grundätzlich nach dem Ausbau des Strahlers mit einem
Handmeßgerät auf Kontamination geprüft werden. In Zweifelsfällen ist das Staatliche
Materialprüfungsamt in Dortmund hinzuzuziehen und die betreffenden Gegenstände sind bis
zur Untersuchung durch das Staatliche Materialprüfungsamt sorgfältig aufzubewahren.

Es wird besonders darauf hingewiesen, daß bei der Berichterstattung über Undichtheiten und
andere besondere Ereignisse bei der Verwendung radioaktiver Stoffe die Bestimmungen des
Abschnitts 2.22 oder bei Fällen, die in der Öffentlichkeit Aufsehen erregen können, die
Bestimmung des Abschnitts 2.112 der Richtlinien für die Untersuchung von Unfällen,
Schadensfällen und besonderen Ereignissen sowie für die Erforschung von Straftaten durch die
Bergämter vom 21.12.1977 (SBl. A 7) zu beachten sind.

Dortmund, den 28.10.1983

Landesoberbergamt NW

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